Entstehung des Fonds

Am Aufbau des Fonds hatte in den Jahren von 1985 bis 2015 der ehemalige Geschäftsführer Günter Jeschonnek einen großen Anteil. Ohne sein Engagement und seine Beharrlichkeit wäre die Entwicklung des Fonds nicht denkbar gewesen.
 

Günter Jeschonnek – ehemaliger Geschäftsführer

Foto: privat

Günter Jeschonnek war nach seinen Tätigkeiten als Agraringenieur und seinem Hochschulstudium der Schauspielregie ab 1982 als Theaterregisseur, Schauspieldozent und Autor tätig. Nach zwei Jahren Berufsverbot und Engagements in der Opposition wurde er mit seiner Frau und Tochter im Dezember 1987 ausgebürgert und nach West-Berlin abgeschoben.

Ab 1989 beriet er die Gremien des 1985 gegründeten Fonds Darstellende Künste, der erstmals 1988 Fördermittel des Bundes für freie Theater- und Tanzschaffende vergab. Parallel zu seinen Projekten als Regisseur, Fernsehredakteur und Drehbuchautor war er ab 1995 auch als beratender Geschäftsführer für den Fonds tätig.

Von 2002 bis 2015 wirkte er für den Fonds als hauptamtlicher Geschäftsführer. In dieser Zeit initiierte Günter Jeschonnek die ersten internationalen Sonderprojekte des Fonds (2005 und 2006) und leitete vier nationale Symposien mit internationaler Beteiligung zur Arbeit freier professioneller Theater- und Tanzschaffender sowie ihrer Förderstrukturen (2006, 2007, 2009, 2015).

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Er gehörte zu den Experten der Enquetekommission „Kultur in Deutschland“ (2007), beriet Bundestagsabgeordnete zu Fragen des freien Theaters und Tanzes und organisierte Anhörungen vor Ausschüssen des Deutschen Bundestages.

Günter Jeschonnek initiierte 2008 die dreijährige Konzeptionsförderung des Fonds und leitete 2008/2009 die bisher größte Untersuchung zu den Arbeits- und Lebensbedingungen von Theater- und Tanzschaffenden.

2010 rief er den „george tabori preis“ ins Leben, für dessen erste fünf Preisverleihungen er bis 2014 verantwortlich zeichnete.

Als Herausgeber und Co-Autor gab er zwei Standardbücher für den Fonds heraus: „Freies Theater in Deutschland – Förderstrukturen und Perspektiven“ (2007) und „Report Darstellende Künste – Wirtschaftliche, soziale und arbeitsrechtliche Lage der Theater- und Tanzschaffenden in Deutschland“ (2010).

Im Frühjahr 2017 erscheint in seiner Herausgeberschaft bei „Theater der Zeit“ „Darstellende Künste im öffentlichen Raum“.

Seit 2016 ist Günter Jeschonnek als freier Kulturmanager, Kurator, Autor und Jurymitglied tätig.

 

 

Der Fonds früher

Der Fonds Darstellende Künste ist auf Initiative der im Deutschen Kulturrat / Sektion Darstellende Künste vertretenen Mitgliedsorganisationen im Jahr 1985 als Verein bürgerlichen Rechts gegründet worden und fördert seit 1988 Projekte aller Sparten der Darstellenden Künste.

Erhöhung der Fördermittel – Erweiterung der Arbeitsfelder
2004 erhielt der Fonds durch Beschluss des Deutschen Bundestages eine Verdopplung seiner bisherigen Fördermittel auf eine Million Euro. Diese Budgeterhöhung ermöglichte dem Fonds ab 2005 die Erweiterung seiner Arbeitsfelder von ausschließlich nationaler Förderung zur Unterstützung internationaler Kooperationsprojekte im Kontext der EU-Erweiterung. Seitdem setzte der Fonds auch kultur- und theaterpolitische Themenfelder auf seine Agenda, regte notwendige Debatten zur Weiterentwicklung der Darstellenden Künste an und realisierte federführend komplexe Studien und Symposien zu den Förderstrukturen sowie zur wirtschaftlichen und sozialen Lage der Theater- und Tanzschaffenden in Deutschland.
Einen Meilenstein in der Arbeit des Fonds stellten die 2005 erstmalig durchgeführten Studien zu den komplexen ökonomischen und sozialen Rahmen- bedingungen des professionellen Freien Theaters und Tanzes in Deutschland und das sich anschließende nationale Symposium 2006 dar. Im Zentrum der Untersuchungen standen die Förderstrukturen in Kommunen und Ländern, Stiftungen und Unternehmen. Das nationale Symposium unter Beteiligung von Künstlern, Politikern, Vertretern von Förderinstitutionen, Stiftungen und Unternehmen verschaffte dem Freien Theater und Tanz maßgebliche Impulse und öffentliche Aufmerksamkeit. Die erstmalige Anhörung vor dem Kulturausschuss des Deutschen Städtetages zu Fragen der Freien Theater- und Tanzschaffenden und die Herausgabe des bis heute aktuellen Standardbuches »Freies Theater in Deutschland – Förderstrukturen und Perspektiven« in 2007 komplettierten die kulturpolitische Offensive des Fonds Darstellende Künste.

2007 schloss sich ein weiteres internationales Symposium an: »Europäisch kooperieren und produzieren«, das der Fonds gemeinsam mit dem Internationalen Theaterinstitut BRD (ITI) und der Akademie der Künste durchführte. 200 Beteiligte aus 22 europäischen Staaten diskutierten in Berlin über die internationalen Entwicklungen und die gesellschaftliche Wirksamkeit des Freien Theaters und Tanzes. Ausgelöst durch die Ergebnisse dieses Symposiums initiierte und realisierte der Fonds 2008 die Durchführung einer weiteren komplexen Studie zur wirtschaftlichen, sozialen und arbeitsrechtlichen Lage der Theater- und Tanz- schaffenden in Deutschland – im Kontext internationaler Entwicklungen. Daran beteiligten sich bundesweit 4.400 Theater- und Tanzschaffende, der Bundesverband und alle Landesverbände Freier Theater sowie spartenspezi- fische Fachverbände.
In Kooperation mit dem ITI und dem Beauftragten der Bundesregierung veranstaltete der Fonds 2009 sein drittes Symposium mit internationaler Beteiligung in der Akademie der Künste. Die Ergebnisse des Symposiums und der nationalen wie internationalen Studien bildeten die Grundlagen des 2010 erschienenen »Reports Darstellende Künste«, der als die bisher umfang- reichste repräsentative Untersuchung der Kunstsparte »Darstellende Künste« in Deutschland und vergleichbaren europäischen Ländern anerkannt ist.

Neues Fördermodell
2008 führte der Fonds eine dreijährige Konzeptionsförderung für die nach- haltige Stärkung qualitativ herausragender professioneller Freier Gruppen aller Sparten der Darstellenden Künste und ihrer innovativen und kontinuierlichen Ensemblearbeit ein. Die Konzeptionsförderung verschafft diesen Gruppen für einen Zeitraum von bis zu drei Jahren bessere Rahmenbedingungen zur Weiterentwicklung ihrer künstlerischen Profile, Ensemblestrukturen und öffentlichen Wahrnehmung über die Kommunen hinaus. Sie stellt mit einer anteiligen Fördersumme von insgesamt 75.000 Euro ein besonderes Gütesiegel des Fonds Darstellende Künste dar. Mit diesem Fördermodell regt der Fonds an, dass Kommunen, Länder, Stiftungen und Sponsoren in gleicher Weise qualitätsvolle und öffentlichkeitswirksame Projekte professioneller Freier Gruppen und Ensembles aller Sparten der Darstellenden Künste mehr- jährig fördern – denn größere Planungssicherheit stellt für die Freien Theater- und Tanzschaffenden einen sehr hohen Wert dar.