Allgemein, Initialprojekte

Initialförderungen 2017 / Förderrunde 3

Der Fonds Darstellende Künste vergab 2017 insgesamt 6 Initialförderungen in der Förderrunde 3

Das Kuratorium des Fonds sprach sich für die folgenden Initialförderungen aus:

Mit Transmachinist von Christopher Böhm soll eine performative Installation aus einem menschlichen Körper und diversen Maschinen entstehen. Das Team, das aus zwei Künstlern und einer Wissenschaftlerin der Charité Berlin besteht, entwickelt eine Apparatur, die aus den biologischen Funktionen eines Performers einen Metabolismus zwischen Mensch und Maschine ableitet. Hierbei ist der Performer Sender und Empfänger von elektronischen Strömen und Signalen, die hauptsächlich mit einem EEG abgeleitet und mittels handelsüblichen Elektrostimulatoren hervorgerufen werden können. Der Performer lernt, die in die Installation eingebauten Maschinen zu kontrollieren. Andersherum wirken die Maschinen auf den Performer. Mensch und Maschine generieren voneinander Informationen, die in einer performativen Installation erfahrbar werden.

In ihrer Forschungsreise Impossible Space – Eine Reise in die Zukunft begibt sich Sabine Reich auf eine Recherche in Namibia zur Entwicklung eines Theater-Labors für Namibia und Deutschland. Während ihres Aufenthalts wird sie Interviews mit namibianischen Künstler*innen, Kulturschaffenden und Jugendeinrichtungen mit dem Ziel führen, ein Konzept und einen konkreten Arbeitsplan für die Gründung des Theater-Labor zu entwickeln. Gemeinsam mit Julia Wissert, För Künkel und Nelago Shilongoh entwickelt sie ein Labor, einen „impossible space“ als Ort der Begegnung weißer und schwarzer Künstler*innen. Das Labor soll Impulse geben für die Öffnungs- und Transformationsprozesse deutscher Bühnen in Richtung einer dekolonialen Ästhetik und Praxis.

384.000 Google-Ergebnisse, Tausende Bilder von Menschen, Lebensläufe, Identitäten, Geburten, Kriminalakten, etc.. Ein Name, der Name der Künstlerin, NICOLE THOMAS. Die Anderen: eine Regensburgerin auf USA-Reise; eine Berliner Rechtsanwältin; eine Single-Mutter aus Oschatz/Sachsen; eine Stripperin aus Texas; eine Kleinkriminelle, ein Niemand, eine public person. „Wir sind viele.“ WarRug will mit Nicole Thomas / Archiv die Stellvertreterinnen einer ganzen Generation Frauen befragen: Aufgrund des Booms des Namens Nicole in den 1970er Jahren, sind NICOLE THOMAS‘ heute zwischen 35 und 45 Jahren alt. Ziel von NICOLE THOMAS / Archiv ist es, so viele Nicole Thomas‘ zu treffen, wie möglich. WarRug will ihre Geschichten hören und biografisches Material sammeln. Dieses einmalige Materialkonvolut soll zunächst anhand einer digitalen NICOLE THOMAS-Weltkarte aufbereitet werden.

Das Künstlerinnenduo Frauen und Fiktion wollen in GEWALT ergründen, warum es vielen Frauen schwer fällt, sich als Angreiferin zu imaginieren. In Interviews mit Frauen machen sie sich auf die Suche nach Erlebnissen, in denen erfolgreiche Selbstverteidigung stattgefunden hat. Sie überprüfen mediale Darstellungen gewalt-bereiter Frauen und untersuchen am eigenen Körper, inwieweit durch das Training von Selbstverteidigungstechniken das Selbstverständnis als Angreiferin transformiert werden kann. Mit ihrer Arbeit wollen Frauen und Fiktion für die Suche nach einem zeitgemäßen Feminismus sensibilisieren, dazu anregen erlernte Verhaltensmuster und Vorstellungsbilder (‚die Frau als Opfer‘) zu hinterfragen und verschiedensten Spielarten des Frau-Seins einen Ausdruck geben.

Mit Act! betreibt das Künstler*innenkollektiv Peng! Feldforschung im eigenen Saft getrieben von der Leitfrage, wie sich Phänomene im Spannungsfeld von Aktivismus und darstellender Kunst beschreiben lassen. Was ist das Theatrale an aktivistischer Kunst bzw. künstlerischem Aktivismus und was ist der Unterschied? Peng! will sich über einen Zeitraum von sechs Monaten einer Selbbstbeobachtung unterziehen und von Partner*innen begleiten lassen. Vergangene und aktuelle Arbeiten, meist ein Zusammenspiel von direct action, tactical media und theatraler Aufarbeitung, sollen einer Art Inszenierungsanalyse und Probenbeobachtung unterzogen werden, um in einer zielgerichteten Forschung zu münden: welche (Übersetzungs)Prozesse in Inszenierungsformen aktivistischer Kunst aus ProduzentInnenperspektive sichtbar werden und was zum vielbeschworenen gesellschaftlichen Handeln bringt, soll zum Abschluss eine ästhetische Aufbereitung erfahren.

In den vergangenen Monaten haben sich verschiedene Künstler*innen und Künstlergruppen aus Berlin und aus Nordrhein-Westfalen zusammengefunden mit der gemeinsam artikulierten Idee, ein kollektives, von mehreren Gruppen gleichberechtigt getragenes Leitungsmodell für ein (Freies) Theaterhaus zu konzipieren. Mit Die kollektive Kunst des Leitens verfolgen suite42 diese Idee innerhalb der Initialförderung weiter. Diese Idee folgt einerseits einer gemeinsamen inhaltlichen Schwerpunktsetzung für die Ausrichtung des Hauses hin auf eine interkulturelle und transnationale Theaterarbeit mit Blick auf Themen und Fragen der globalisierten Gesellschaften der Gegenwart. Sie folgt aber zugleich auch der künstlerisch-organisatorischen Suche nach einer neuen, innovativen Form kollektiver Leitung und ästhetischer Produktionsweisen.