Initialförderungen und Projektförderungen – Förderrunde 3 / 2017

Projektförderungen

Mit dem Musiktheaterprojekt SUPRA Düsseldorf-Uplisziche will das Musik Theater Kontra-Punkt, das mit einem deutschen und einem georgischen Künstlerteam auf allen Ebenen kooperiert, alles auf den Tisch bringen, was „uns eint und was uns unterscheidet.“ Je weiter der Abend fortschreitet, umso stärker verschwimmen die Grenzen zwischen den Ensembles.

Hörende Körper – ein Duett (AT) von Laurent Chétouane findet auf einer Fläche von nur 2 m² statt, das Publikum am Rand um das Spielfeld herum. In der Stille sind nur die Geräusche der Bewegungen zu hören. Der Fokus aufs Hören und die Enge richten die Aufmerksamkeit auf die räumliche Organisation aus der Zeitlichkeit und die Konsequenzen für die Ko-Existenz der Körper.

Die Bretter, die die Welt bedeuten – Ubao unaomaanisha dunia/kila kitu ist eine Zusammenarbeit zwischen dem Berliner Choreographen Christoph Winkler und dem Ugandischen Choreographen Robert Ssempiija. Das Projekt nimmt Friedrich Schiller’s Sentenz von den Brettern, die die Welt bedeuten zum Anlass, dass Verhältnis von afrikanischem Tanz und westlichen, zeitgenössischem Tanz zu hinterfragen.

vorschlag:hammer entwickeln mit A text is worth a thousand pots eine Inszenierung, die sich an verschiedenen archäologischen und geschichtlichen Inszenierungsstrategien bedient, diese offenlegt, hinterfragt und umdeutet. Sie arbeiten mit dem bildenden Künstler Gil Shachar zusammen, der mit seinen originalgetreuen Abgüssen am Verhältnis von Original zu Dublikat arbeitet. Mit ihm Entwerfen vorschlag:hammer Artefakte oder kopieren Gefundenes – das Ausgangsmaterial um visuell und sprechend Geschichtsbilder zu de/konstruieren.

In The short life of Punch lassen GÜTESIEGEL KULTUR* den größten Kasper der Welt entstehen. Der Kasper ist historisch und aktuell das Wappenbild der Nicht-Moral, des Un-Sinns, der Anarchie. Was hat der Kasper uns nun, in Zeiten der beschworenen Re- und De-Politisierung der Künste und des Lebens, zu sagen?

JAKOB K. von Moritz Frischkorn ist ein künstlerisches Experiment, für das ein fiktiver Choreograph in die Geschichte eingeschleust wird. Die Performance produziert Faktizität und historische Legitimität, und hinterfragt diese zugleich.

In Die glücklichen Kinder lassen ciacconna clox Szenarien einer kindlichen Phantasiewelt entstehen, die die Koordinaten der Arbeitswelt des Vaters aushebeln. Das Publikum erlebt die Zuspitzung einer täglichen Erfahrung, der Kollision von Ratio und Spiel.

Mobile Albania setzt sich in der unwirtlichsten Jahreszeit als wandernde Straßenuniversität für fünf Wochen auf der Straße aus. Mit Gast-Spiel eroberm sie die Schwellen von Wohnungen, Küchen, Schlafzimmern und lernen von Gastgeber*innen über Besitz und Teilhabe – um danach eine Gegeneinladung auszusprechen. Das mobilalbanische Wohnzimmer – der umgestaltete Mousonturm – wird zum Kaleidoskop der Frankfurter Gastfreundschaft & versammelt Gastgeber*innen aus der Stadt mit dem Theaterpublikum.

Initialförderungen

Mit Transmachinist von Christopher Böhm soll eine performative Installation aus einem menschlichen Körper und diversen Maschinen entstehen. Der Performer lernt, die in die Installation eingebauten Maschinen zu kontrollieren. Andersherum wirken die Maschinen auf den Performer. Mensch und Maschine generieren voneinander Informationen, die in einer performativen Installation erfahrbar werden.

In ihrer Forschungsreise Impossible Space – Eine Reise in die Zukunft begibt sich Sabine Reich auf eine Recherche in Namibia zur Entwicklung eines Theater-Labors für Namibia und Deutschland. Das Labor soll Impulse geben für die Öffnungs- und Transformationsprozesse deutscher Bühnen in Richtung einer dekolonialen Ästhetik und Praxis.

Aufgrund des Booms des Namens Nicole in den 1970er Jahren, sind NICOLE THOMAS‘ heute zwischen 35 und 45 Jahren alt. Ziel von NICOLE THOMAS / Archiv ist es, so viele Nicole Thomas‘ zu treffen, wie möglich. WarRug will ihre Geschichten hören und biografisches Material sammeln.

Das Künstlerinnenduo Frauen und Fiktion wollen in GEWALT ergründen, warum es vielen Frauen schwer fällt, sich als Angreiferin zu imaginieren. Mit ihrer Arbeit wollen Frauen und Fiktion für die Suche nach einem zeitgemäßen Feminismus sensibilisieren, dazu anregen erlernte Verhaltensmuster und Vorstellungsbilder (‚die Frau als Opfer‘) zu hinterfragen und verschiedensten Spielarten des Frau-Seins einen Ausdruck geben.

Mit Act! betreibt das Künstler*innenkollektiv Peng! Feldforschung im eigenen Saft getrieben von der Leitfrage, wie sich Phänomene im Spannungsfeld von Aktivismus und darstellender Kunst beschreiben lassen. Was ist das Theatrale an aktivistischer Kunst bzw. künstlerischem Aktivismus und was ist der Unterschied?

In den vergangenen Monaten haben sich verschiedene Künstler*innen und Künstlergruppen aus Berlin und aus Nordrhein-Westfalen zusammengefunden mit der gemeinsam artikulierten Idee, ein kollektives, von mehreren Gruppen gleichberechtigt getragenes Leitungsmodell für ein (Freies) Theaterhaus zu konzipieren. Mit Die kollektive Kunst des Leitens verfolgen suite42 diese Idee innerhalb der Initialförderung weiter.