Initial- und Projektvorhaben – Entscheidungsrunde 4 / 2017

Projektvorhaben

Regina Rossi erarbeitet in Verträumt! (AT) ein Tanzstück für Kinder, in dem sie das Thema „Traum“ mit Tanz und Bewegung erfahrbar macht.

backsteinhaus produktion wird in Hug me if you can eine Gemeinschaft aus Zuschauern und Darstellern schaffen, die sich gemeinsam im Aufstand üben und zusammen an eine besondere Körperlichkeit heranwagen: Die Umarmung.

In CARBON – Eine kleine Weltreise der Steinkohle erkunden Cie. Freaks und Fremde den Strukturwandel in Kohle-Regionen und landen bei ihren Recherchen in Kolumbien. Sie legen offen, was wir aus unserer täglichen Wahrnehmung verdrängen: der Dreck, den wir vor der eigenen Haustür nicht mehr haben, wird jenseits des Atlantik aufgewühlt.

Helge Schmidt´s Inszenierung Die Cum-Ex Papers – Eine Recherche zum entfesselten Finanzwesen erzählt einen Wirtschaftsthriller über die Parallelgesellschaft eines entfesselten Finanzwesens, der keinen Aufschrei mehr verursacht, sondern nur noch Verwunderung darüber, wie uns dass so etwas möglich ist.

In der performativ-interaktiven Installation SOFT SKILLS gonna bite (AT) lädt CHICKS freies performancekollektiv das Publikum in einen Coworking Space ein. Publikum, Performer*innen & Expert*innen setzen sich mit dem zeitgenössischen Phänomen der permanenten Arbeit am Selbst (affektive Arbeit, Soft Skills) auseinander.

theater-51grad – TM5.6]Smart Factory & TM6.6] lassen in Souveräne Unschärfe drei Klang-Miniaturen entstehen, die das Phänomene der Unschärfe und das Gefühl der Verunsicherung in unserer Gesellschaft untersuchen.

Nadine Vollmer, Annett Hardegen, Matthias Meppelink, Cornelius Puschke und Dirk Cieslak versammeln weitere Künstler*innen der Freien Szene in der Vierten Welt in Berlin und befragen und untersuchen in 3. Freiheit, 4.Welt, 5.This das F – das freie – am Freien Theater.

Mit dem Tanzstück Mnemosyne entwickelt Jochen Roller eine Choreografie für 24 Tänzer des Nationalballetts Kosovo. Über die Bewegungsformen des klassischen Balletts werden im Dialog mit den Tänzer*innen westeuropäische Vorstellungen von „Gemeinschaft“, „Freiheit“ und „Demokratie“ verhandelt und inszeniert.

In slave to the rhythm unternimmt der Choreograf Hermann Heisig den Versuch einer körperlichen Annäherung an die Jaques-Dalcrozes Methode, um das ihr innewohnende utopische Potenzial aus der Perspektive heutiger Lebenserfahrungen zu befragen. Im Fokus steht dabei eine Konfrontation ganzheitlicher Körperideologien mit den fragmentierten Wahrnehmungsmustern unserer Zeit.

Im Rahmen des Theater Festival Impulse feiern Daniel Hellmann, Katze und Krieg, plan b, Quast & Knoblich, Christine Rollar & Hendrik Scheel, Barbara Ungepflegt mit der Produktion Say goodbye with a smile eine Abschiedsfeier von einer Idee des öffentlichen Raums, für die es in kommerzialisierten Innenstädten keinen Platz mehr gibt und verabschieden sich vom Gebäude des FFT Juta.

Ausgehend von der Überzeugung, dass eine zunehmend kulturell diverse Gesellschaft innovative Potentiale für die Bühnenkunst birgt, geben steptext dance project in AUDITION FOR LIFE/ART den beteiligten Künstler*innen verschiedener Kulturen Sichtbarkeit und Stimme, und erweitern den gesellschaftlichen Diskurs mit transkulturellen Positionen.

Im MEMBERS CLUB von MEYER&KOWSKI sieht jeder jeden, das Publikum ist auf unterschiedliche Art und Weise gefordert nicht nur zuzuschauen, sondern zu investieren, zu wagen, zu intervenieren, zu tun, was zu tun ist und die gemachte Erfahrung mit allen Anwesenden zu teilen.

Initialvorhaben

Magda Korsinsky will sich in Verkörperte Ermächtigung durch Recherche, Interviews und Lesen ein Bild davon machen, wie die zwei gegebenen Charakteristika, sowohl Frau als auch Schwarz zu sein, den Status in der weißen deutschen Mehrheitsgesellschaft determinieren und neue choreografische Konzepte erarbeiten.

Franziska Henschel fragt sich in der Recherche TRY AS WE MAY TO MAKE A SILENCE WE CANNOT (John Cage) mit ihren Kolleg*innen und andere, ob und, wenn ja, wie- sich ein immaterielles Thema und Phänomen wie das der Stille in einem performativen Raum künstlerisch darstellen bzw. herstellen lässt. Sie untersuchen Stille als ‚Mittel der performativ-theatralen Kommunikation‘ hin zu – oder mit einem -Publikum.

Bei der Recherche Reparatur möchten Martin Nachbar und Sabine Hilscher mit einer Gruppe Jugendlicher sich über Bau und Umbau von Holzobjekten Gedanken machen, Möglichkeiten diskutieren sowie Ideen ausprobieren und umsetzen, wie damit gleichzeitig choreografisch und installativ/bühnenbildnerisch gearbeitet werden kann. Neben dem Spaß am gemeinsamen Bauen soll es vor allem um Fragen gehen, die den jetzigen Zustand der Welt betreffen: Wie kaputt finden wir sie? Welche Ideen gibt es zum Umbau der Welt bzw. zur Reparatur ihrer Defekte? Was für kooperative Prozesse führen zu Lösungen?

Mit dem Rechercheprojekt STIMME ABGEBEN (AT) Eine Tondokumentation zur Gemütslage der Nation wird ein virtuelles Lexikon der Angst als Nachklang zu den Wahlen 2017 entstehen. Im Nachhall der Bundestagswahl 2017 stehend, entwickeln Clara Hinterberger, Annegret Bauer, Patricia Ulbricht und Lucian Patermann ein Recherchevorhaben, das die Urheber*innen, hinter den „unsichtbaren“ Wählerstimmen wieder hörbar werden lässt.

Aktion! ist eine choreografische Recherche von Cécile Bally über den Supermarkt als einen zugleich alltäglichen und emblematischen Ort unserer Zeit. Der Supermarkt spaltet, denn es gibt für jede soziale Klasse und jeden Lebensstil einen eigenen. Damit spiegelt er zeitgenössische Probleme in einer dualen und widersprüchlichen Logik der internationalen Standardisierung von Konsummustern bei gleichzeitig wachsender Ungleichheit.

The Kill Joys setzen sich in ihrer Recherche GRRRACH mit der Riot-Girl – Bewegung auseinander und fragen, ob sie, als Bewegung von und für Frauen einer weißen Mittelschicht, in seiner Inklusion nicht zu limitiert gewesen ist. Trotzdem gibt es immer noch eine aktuelle Relevanz der damaligen Forderungen, besonders in Themen wie Lohngleichheit, Abtreibung (#CzarnyProtest) und sexueller Gewalt (#metoo Kampagne). The Kill Joys wollen die einstige Bewegung erforschen und aus einer Sicht des aktuellen intersektionalen Feminismus hinter/befragen.

Mit dem Recherchevorhaben ROTE RAKETEN begibt sich die EGfKA auf das schillernde Terrain neoliberaler Selbstoptimierung, realsozialistischer Selbstkritik und Feldforschung im Dunstkreis der eigenen Sache. Das Modell “Theater der Sorge” wird einer schonungslosen Kritik unterzogen.