Konzeptionsvorhaben 2018

Der Fonds Darstellende Künste hat 2018 insgesamt 3 Konzeptionsvorhaben gefördert:

 

Im Zentrum des künstlerischen Schaffens der Ben J. Riepe Kompanie steht der Mensch und sein Körper: Als choreographisches Mittel, Medium, Werkzeug. Als Zeuge, Erzeuger, Fleisch, Materie, Objekt und Subjekt. In „Optimierung, Digitalisierung und Ästhetisierung des Körpers“ beleuchten sie auf differenzierte Art und Weise die unterschiedlichen Aspekte der Optimierung, Digitalisierung und Ästhetisierung des Körpers und der Wirklichkeit. Im Speziellen beschäftigen sie sich in den einzelnen Projekten zum einen mit alltäglichen, scheinbar banalen Bildern der Überaffirmation und Nivellierung, zum anderen mit Bildern des realen Grauens und der Angst sowie, als dritte Auseinandersetzung, mit Bildern des utopisch Paradiesischen. Mit dieser Konzeption widmet sich die Company um Ben J. Riepe somit mit unterschiedlichem Fokus der einzelnen Projekte, aktuellen gesellschaftlichen Debatten über eine alles umspannende Digitalisierung und Medialisierung und deren Auswirkungen auf unseren Körper, auf die Wahrnehmung von Wirklichkeit, auf kollektive Gesten, Identität und Authentizität.

Anna Konjetzky möchte sich mit dem Betrachten beschäftigen. Was und wen sehen wir oder schenken wir Aufmerksamkeit?
‚Etwas in Betracht ziehen’ ist für sie der Beginn für Veränderung, für die Notwendigkeit von Veränderung, Entwicklung, Perspektivenwechsel. Mit dem Blick auf die Vergangenheit und einem Ist-Zustand entstehen Gedanken, Visionen, Möglichkeiten für die Zukunft.
Ganz entscheidend ist hierbei für sie, transparente Räume zu schaffen, „conscious spaces“: die Prozesse des Hin-und Wegguckens offen zu legen. Die gedanklichen Gerüste zu dekonstruieren und damit eben auch Körperlichkeiten und Konstellationen zu dekonstruieren. Durch den Gedanken der Transparenz, der Offenlegung ist auch ein Interesse an Sprache als Gegenpol zum Körper entstanden: Sprache als Beschreibung, als Subtext, als Kontextualisierung; als eine zusätzliche Reflexionseben.

Das Projekt HAPPY END von Monster Truck beschäftigt sich mit drei der vier Reitern der Apokalypse, HUNGER, TOD und KRANKHEIT. In HUNGER soll die bestehende Arbeitsbeziehung mit dem nigerianischen Choreographen Segun Adefila weiter fortgeführt werden. Inspiriert von da Vincis „Abendmahl“ ist ein inszeniertes Wettessen geplant, das über mehrere Tage parallel in Berlin und Lagos stattfindet. Das Thema der Welthungerhilfe wird auf satirische Art und Weise zur Disposition gestellt. Der Ausgangspunkt für das Projekt TOD ist das 50jährige Todesjahr des Mordes an Sharon Tate 1969 durch die Manson-Family. In Form eines Live-Comics, das auf ein sich endlos drehendes Rondell, um das die Zuschauer*innen sitzen, plakatiert wird, wird sich mit dem Thema des Massenmörders, der in der Zelle auf seine Hinrichtung oder natürlichen Tod wartet, auseinandergesetzt. Bei KRANKHEIT ist die literarische Vorlage Saramagos Roman „Die Stadt der Blinden“, in dem Blindheit als Krankheit beschrieben wird. In Zusammenarbeit mit einer Blindeneinrichtung werden die Zuschauer*innen in einer bespielten Installation einem totalitären System ausgesetzt. Ein Happy end ist ungewiss…