Projekte

Projektvorhaben Erfahrungsberichte

Projekte 2016

 

Made for Love (Oktober 2016 in Berlin)
Monster Truck

Das Ziel des Projekts war es, sich mit dem weiten Feld des Genres: „Objekttheater“ auseinanderzusetzen. Ging es bei vorangehenden Arbeiten der Gruppe Monster Truck eher darum, Subjekte (vermeintlich bzw. ironisiert) zu objektivieren, wollten wir für „Made for Love“ Objekte subjektivieren, indem wir Dingen Rollen zuweisen, die eine Geschichte erzählen. Hierbei sollte das gleiche Publikum angesprochen werden, das sich für die Arbeiten von Monster Truck im Bereich der Theaterperformances interessiert, im besten Fall jedoch noch neue ZuschauerInnen aus dem Feld des Figuren/Objekttheaters dazugewinnen. Ausgehend von einer kleinen Arbeit (ca. 15 Min.) im Theater Rampe Stuttgart im Winter 2013, bei der Pflanzen Romeo und Julia von Shakespeare „spielten“, wollten wir die gleiche Strategie mit Alltagsgegenständen wie einer Shampooflasche und einer Milchtüte anwenden. Über die Probenarbeit stellten wir jedoch fest, dass der Witz, dass einem Gegenstand eine Rolle und Emotionen zugeordnet wird, nicht allzu lange trägt, wenn es sich um ein abendfüllendes Stück handelt. Auch Versuche, uns in eher „klassischem“ Puppen/Marionettenspiel zu versuchen, verliefen eher unbefriedigend. Somit änderten wir die Ausgangsidee, indem wir nicht die konkreten Gegenstände verwendeten, sondern Abbilder davon und über den Vorgangs des Plakatierens, eine Zeitachse die einzelnen Fotos verband. Das Format des Plakats schien uns auch passend, da es eine typische Präsentationsform von Konsumgütern in der Werbung ist und sich mit dem Motto des Favoriten-Festivals („Blendwerke“) gut ergänzte.

Wenn es eine starke Idee gibt, die das Stück tragen soll, bzw. muss, macht es evtl. Sinn, die Proben aufzuteilen. Z.B. zwei Wochen Proben, um die Idee zu überprüfen und dann z.B. einen Monat Pause und dann noch mal einen Monat/sechs Wochen Proben. Einfach, weil sich oft das virtuelle Konstrukt, was man ja im Kopf hat, bei der praktischen Umsetzung oft nicht so einlöst wie gedacht. Und dann hat man noch Zeit, um daraus Erkenntnisse zu ziehen und das Konzept dahingehend zu ändern, ohne gleich in Panik zu verfallen, weil die Premiere immer näher rückt. Das wollen wir in Zukunft z.B. uns angewöhnen. Bei „Made for Love“ war das der Fall, dass wir mit dem Ursprungskonzept nicht weiterkamen, zum Glück aber insgesamt recht viel Probenzeit einkalkuliert hatten und im Ringlokschuppen Mülheim sehr gute Bedingungen hatten. Durch den Umstand, dass man immer ein Konzept braucht, um Gelder zu beantragen, ist das das erste was für ein Projekt passiert. Daher scheint es uns wichtig, sich schon im Vorfeld dagegen abzusichern, wenn die Theorie an der Praxis scheitert und einen Freiraum einzuplanen, auch die Grundidee komplett neu zu denken.

Das Stück kam beim Publikum (trotz oder gerade wegen des langatmigen Aufbaus der Geschichte) sehr gut an und wurde mit einem der Hauptpreise beim Favoriten-Festivals ausgezeichnet. Daher sind wir sehr zufrieden mit dem Ergebnis und wollen das Stück verstärkt bei Festivals mit dem Schwerpunkt „Objekttheater“ präsentieren. Über die für das Stück erfundene Form haben wir eine neue Strategie ausprobiert, die wir in Zukunft weiterentwickeln wollen und ins in dem neuen „Genre“ weiter etablieren. In Berlin findet das Stück z.B. im Rahmen eines Objekttheater-Schwerpunkts statt, weitere Anfragen, z.B. vom Theater Bielefeld liegen vor. Es gibt auch Überlegungen, das Stück für einen Galerie-Kontext zu adaptieren, um die Schnittstelle zur Bildenden Kunst weiter aus zu loten. Auch das Format des Publikumsgespräch hat überraschend gut funktioniert, da durch die zerdehnte Zeitwahrnehmung der Zuschauer sehr auf sich zurück geworfen war und daher sehr unterschiedliche Assoziationen / Wahrnehmungen oder Empfindungen beschrieben wurde bei einer auf den ersten Blick doch sehr simplen Boy-meets-Girl-Story.

 

DIE ZWEITE REALITÄT (September 2016 in Stuttgart)
MEINHARDT KRAUSS FEIGL

DIE ZWEITE REALITÄT ist das vierte und letzte Stück unserer Vierer-Serie „Katalog der große Kränkungen“ und beschäftigt sich thematisch mit den Auswirkungen der Technisierung und Digitalisierung auf unsere Gesellschaft. Ausgehend von unsere bisherigen Digital basierte Arbeit haben wir bei DIE ZWEITE REALITÄT die Bühnen-Technik (Video/Sound/Licht) selbst zum Thema gemacht und mit einem interaktiven Videosystem gearbeitet, das auf Bewegungen der Spieler reagieren kann.

Für dieses Stück haben wir spezielle Infrarot-Handschuhe entwickelt mit denen Video ganz subtil ansteuerbar wird. Video wird so zum gestaltbaren Material, die Spieler können mit den Händen das Licht formen, sie können Partikel verstreuen, mit Licht zeichnen, sie werden zu Schöpfern zu Animateuren ihres eigenen Bühnenraumes.

Eine echte Erweiterung ist unseres Erachtens durch das interaktive Soundprocessing entstanden, die Spieler können durch ihre Körperbewegungen Sounds erzeugen und live verändern, sie bewegen sich durch Wavefiles und spielen sie wie ein Cursor ab. Sie können sich somit in Wörtern und Sätzen bewegen und diese vorwärts oder rückwärts abspielen. Sie haben die Möglichkeit Text zu modulieren, zu loopen, die Tonhöhen zu variieren und somit verschiedene Stimmlagen zu erzeugen, dadurch scheinen sie eine Art „Metasprache“ zu sprechen. Der Sound verbindet sich mit den Körpern und hüllt sie gleichsam in eine Soundnetz ein.

Die sehr formale technische Ästhetik des Stückes haben immer wieder gebrochen durch einen sehr emotionalen Schöpfungs-Text, durch farbige/filmisch/cinematische Erinnerungs-Aufnahmen von Wasser/Gras/Feuer und durch große Natursteine, mit denen die Spieler immer wieder in einen Dialog treten. Die Steine werden gerollt, gezogen, balanciert, gestemmt, sie werden zu Soundmodulen und stehen für das erste Werkzeug, das der Mensch in die Hand nahm und somit erstmals etwas außerhalb seines Körpers erschuf und den Stein gleichsam ins Rollen brachte bis hin zum Auto, zur Atombombe, zum Computer…

Für uns war es besonders spannend die Grenzen des interaktiven Tracking-System und somit des digitalen Arbeitens auf der Bühne ganz auszuloten und an die Grenzen des technisch Machbaren zu gehen. So ungemein spannend es ist, mit dieser neuen Technik zu arbeiten, verlangt es aber auch ein sehr intensive Einarbeitung und sehr viel Vorarbeit und Programmierung. Unserer Meinung nach macht diese Technik nur Sinn, wenn sie für das betreffende Stück auch das Zentrale gestalterische Mittel ist und wenn man bereit ist sich in diese komplexe Technik einzuarbeiten.

Kontakt: iris.meinhardt@gmx.de
homepage: www.meinhardt-krauss-feigl.com
Trailer: https://vimeo.com/192709488

 

Projekte 2017

 

Situation mit Zuschauern (Januar 2017 in München)
Hauptaktion

Ein Großteil der anfänglichen Probenphase war der kontroversen Diskussion der inhaltlichen Setzung (Videos von extremer Gewalt, Propaganda, etc.) gewidmet. Da im Zentrum der Arbeit die ethische Frage nach der Rolle der Zuschauenden stand und ausgelotet werden sollte, wo die Schwelle zwischen Zeugenschaft und Voyeurismus zu verorten sei, war eine intensive Auseinandersetzung mit den Implikationen des Zeigens solcher Videos im Theater unerlässlich (da durch deren Zeigen den Videos gleichzeitig eine breitere Öffentlichkeit geschaffen wird). Aus diesem Grund reduzierten wir die Anzahl der verhandelten Videos auf einen einzelnen Beispielfall – das Video, das von der Organisation Daesch unter dem Titel „A Message to America“ auf Youtube hochgeladen wurde. Da wir im Verlauf der Proben zu der Entscheidung gekommen waren, dass dem Publikum die Entscheidung über das Ansehen des Videos nicht abgenommen werden kann, wurde zudem beschlossen die Zuschauenden kurz vor Ende der Aufführung vor die Wahl zu stellen, ob sie das Video sehen möchten oder nicht. Aus dem gleichen Grund wurde das nachfolgende Publikumsgespräch zum aktiven Teil der Aufführung erklärt und entsprechend mitinszeniert (nach jeder „Aufführung“ gab es bisher ein Gespräch).

Video Premiere: https://www.dropbox.com