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Weitere Förderungen

Fonds Darstellende Künste vergibt 30 weitere Förderungen

Das Kuratorium des Fonds sprach sich in der ersten Förderrrunde 2017 für die Förderung der folgenden Projekte aus:

Konzeptionsförderung

Antje Pfundtner in Gesellschaft widmet sich in Form einer Trilogie einer Figur aus Dürers Kupferstich „MELENCOLIA I“ (1514), insbesondere ihrer künstlerischen und inszenatorischen Interpretation. Die Produktionen Im Angesicht des Anfangs und Ohne Anfang kein Ende gehören der dreijährigen Konzeptionsförderung an. Das bereits uraufgeführte erste Stück der Trilogie Im Angesicht des Endes stellt sich dem Ende, dem Ende des Körpers und der Choreografie der Dinge. Kernpunkt der Arbeiten ist das produktive Momentum der melancholischen Figur, deren metaphorische Bedeutung anhand von Vergänglichkeit (Ende), Endlichkeit (Anfang) und Flüchtigkeit (ohne Anfang und Ende) untersucht wird. Das dritte Vorhaben der Konzeption Die letzten Schritte beschäftigt sich mit dem Aufbau eines Archivs bzw. Dokumentation, das die letzten Schritte ehemaligen Tänzer*innen auf der Bühne aufarbeitet, aber weiterführend choreografiert. Das vermeintliche Ende bekommt so einen Aufschub oder gar einen neuen Anfang.

Interrobang behandeln in drei konzeptionell aufeinander folgenden Produktionen den gemeinschaftlichen Theaterraum als gesellschaftlichen Mikrokosmos, in dem Reflexion und Überschreitung bestehender sozialer Strukturen möglich werden. Total Therapy behandelt die Pathologisierung immer weiterer Lebensbereiche. Interrobang zweckentfremden hierbei Therapieformen aus der Sphäre des vorgeblich rein Privaten und wenden diese auf globalpolitische Themen an. In Brot und Spiele geht es um die aktuelle Tendenz der „Gamifizierung“ des beruflichen, privaten und öffentlichen Lebens. Hierbei interessiert sie „Gamifizierung“ als eine Verschleierungstechnik von Macht mit weitreichenden sozialen Konsequenzen. In Gespenster 21 werden in einer performativen Seance die Original-Stimmen von Hannah Arendt, Willy Brandt und Elias Canetti per O-Ton-Montage hörbar gemacht und können vom Publikum zu zukünftigen Gesellschaftsformen befragt werden.

Initialförderung

Langenfelder Lichtenberg erklären den für Journalist*innen auf den Auslandseinsatz in Krisengebieten vorbereitend gespielten Krieg in Hammelburg zum Zentrum ihrer künstlerischen Recherche Preenacting Reenactments. Sie untersuchen, wo und wie Journalist*innen dem Krieg im Heimatland begegnen, wie sich Bilder von Krieg in der Gesellschaft konstituieren und versuchen den im Spiel erlernten Krieg dokumentarisch begreifbar zu machen.

Quast&Knoblich beleuchten Mimikry als Methode neu, indem sie hierauf die Werkzeuge des traditionellen Darstellens anwenden. Dabei wollen sie in zwei Blöcken erstens die Improvisation als Mittel und als rhetorische Technik erlernen und zweitens das Mittel der Synchronisation (Einfühlungstechniken, Charakterdarstellung z.B. im Method Acting) erlernen und sie als Technik der Mimikry, die etwas sprechen macht, was nicht sprechen kann, befragen.

Das SÄCHSISCHE SCHWEIZ kollektiv beschäftigt sich in FARBE mit der Möglichkeit des Erreichens von Dimensionserweiterungen auf der Bühne. Dabei arbeiten sie ohne Hilfe neuer digitaler Illusionstechniken oder 3D-Brille. Mit dem Einsatz von Farben und Kontrasten an Objekt und Körper wollen sie die Wahrnehmung verändern und mit Licht, Schatten, Spiegel oder Videoprojektion verzerren und verschwinden lassen.

In einem Rechercheprozess dokumentieren satellit produktion Gespräche zwischen Ehepartnern, die in interkulturellen Ehen leben. Den Fokus legen sie dabei auf diese fünf Themen: Umgang mit Traditionen, Praktizieren von Glauben, Bedeutung von Heimat, Definition von Geschlechterrollen und Vorstellung von Familie. Love, international (AT) sucht dabei nach einem möglichst breiten und repräsentativ ausdifferenzierten Spektrum an Menschen aus verschiedenen kulturellen und sozialen Kontexten.

Im Rahmen ihrer Fleetstreet-Residenz möchten das Institut für angewandtes Halbwissen, ausgehend von drei Jahren gemeinsamer Arbeits-Erfahrungen, ein erstes selbstgestaltetes Zuhause entstehen lassen – um Eindringlinge einzuladen. Im Rahmen musiktheatraler Settings kollaborieren sie im wöchentlichen Rhythmus mit anderen Künstler*innen, um gemeinsam skizzenhafte Situationen und Performances zu kreieren und so künftige (Zusammen-)Arbeitsweisen auszutesten.

In ihrem interdisziplinären [tänk] Rechercheworkshop wird Anna Kpok mit einem Videokünstler an einem interaktiven Bühnenraum forschen, der die Zuschauenden zu den entscheidenden Akteuren des Geschehens macht. Anna Kpok geht weiter in Richtung interaktives Theater, in dem die Zuschauer*innen zu den Produzent*innen der Geschehnisse werden und die klassische Hierarchie des Theaters aufgehoben wird. Sie nehmen damit zugleich Bezug auf unsere Gegenwart, in der es uns zunehmend schwerfällt, die Konsequenzen unserer Handlungen zu erkennen.

Die COSTA COMPAGNIE arbeitet sich in 360-THEATER in die technischen und künstlerischen Möglichkeiten von 360°-Video-Aufnahmen und von Virtual Reality ein, um aus den praktischen Erfahrungen konzeptionelle Strategien für deren Einbindung in die freien darstellenden Künste zu erarbeiten. So sollen u.a. die dokumentarischen Aufnahmen einer 360°-Kamera in einen Rundhorizont auf der Bühne projiziert werden, in welchem sich die Performer*innen und das Publikum gemeinsam befinden.

Projektförderung

Markus&Markus tun, was im Theater am besten funktioniert: Sie werden sich verwandeln und eine neue Existenz annehmen. Sie konvertieren in DIE KONVERTITEN zum Islam. Der wesentliche Prüfstein einer Gesellschaft in Bezug auf die Religionsfreiheit ist für sie der Umgang mit Religionswechseln. Markus&Markus regen durch die Verhandlung dieser Fragen in der Theatersituation und in der Kopplung mit ihrer Konversion wichtige Diskussionen an.

In Die Erfindung der Liebe, Teil 1 wartet das Jahrmarkttheater mit dem Setting einer Hochzeit auf dem Land auf. Das Theater verschwindet hinter der fiktiven Hochzeit. In atemberaubenden Tempo entsteht ein Gefühlschaos, an dessen Ende sich eine Leiche im Dorfteich findet. Das Publikum spielt als lebendiges Bühnenbild mit, als aktiver Teil der Feier. Hinzu kommen anarchischer Slapstick, musikalische Revue und ein philosophischer Diskurs über die Autonomie unseres Gefühlslebens.

Die Pension ist Begegnungsstätte und Refugium für die subalternen oder individualistischen Lebensentwürfe. Basierend auf „Die Pension Grillparzer“ schaffen Lisa Buchholz und Robert Kraatz einen Ort, der es vermag über Räume und darin stattfindenden Begegnungen alte Geister wieder aufleben zu lassen und neue Geschichten in ihnen zu entwickeln. Die Pension wird ein mehrtägiges intermedielles Happening mit wechselnden Gästen, die diesen Ort und seine Möglichkeiten immer wieder neu ausloten, sei es theatral, musikalisch oder in Diskussionen.

In Kabuki Noir beschäftigen sich Gintersdorfer/Klaßen mit Darstellungscodes aus der japanischen Theater-Tanz-Musikform Kabuki, die sie zunächst mithilfe einem japanischen Kabukitänzer studieren, um anschließend ihre eigenen Formen zu revolutionieren. In einer Bühnenaufführung verwandeln sie Narration durch Tanz, Schauspiel und Gesang zu einem neuen Bühnenritual, das anders als im homogenen Kabuki die eigenen kulturellen Differenzen in sich trägt.

1001 Boxes (AT) von Polymer DMT / Fang Yun Lo ist ein Tanz- und Performancestück für Kinder und Erwachsene. Ihr Ansatz entspringt sowohl dem fernöstlichen Theater als auch der zeitgenössischen europäischen Tanz-Performance: die Darsteller werden Objekte und Dinge zu Erzählern beleben: eigenständige Körperteile, vorwitziges Licht, sprechende Kisten, denkende Lautsprecher, magische Tricks. Darüber spannt sich eine akustische Kulisse, die auf Aufnahmen realer Orte in Taiwan und Deutschland basiert.

Die Tanzcompagnie Rubato übersetzt aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen und Zustandswahrnehmungen, in ein anderes Medium: in den Körper, in Bewegung, in Choreografie. In Tänze der Angst (AT) interessiert sie besonders das, was den Grund legt – das Phänomen Angst. Im Zentrum stehen der Körper und die Kommunikation zwischen Körpern, für die Umsetzung wählen sie die größtmögliche Zuspitzung auf das Wesentliche. Dadurch soll der Zuschauer frisch sehen, fühlen und denken zu können.

post theater untersuchen in ihrem Dystopien Märchitektur-Parcours (AT) Märchen-Architekturen aus illustrierten Märchenbüchern verschiedener Epochen und Kulturen. Das „Immobile“ von – imaginierter – Baukunst wird durch das Format des Parcours-Theaters begangen und durch Video, Design und Schauspiel in Bewegung gebracht. Die Oralität des Märchens wird in eine scheinbar rationale, trockene und visuelle Form, der Architekturausstellung, zurückgebracht.

Inhalt von DIE PROBE oder I AM NOT AN REFUGEE ARTIST ist die Simulation einer Probensituation. Dabei kommt es zu Auseinandersetzungen: Nehmen sich die Teilnehmenden in erster Linie als „deutsche“ oder „syrische“ Künstler*innen wahr? Was oder wer ist eigentlich ein „refugee artist“? Das boat people projekt will diese Fragen spielerisch untersuchen, die Perspektiven syrischer und deutscher Theaterleute in offenen Widerstreit geraten lassen, grundsätzlich nach der Partizipation geflüchteter und/oder emigrierter Künstler*innen fragen.

In der Verbindung mit Objekttheater und auf dem Hintergrund des Themas „Loslösung vom geschützten Umfeld/Drang nach Selbständigkeit“ im Kindergartenalter beschäftigen sich Cargo-Theater in ADIO mit der Frage: Wie klingt Abschied? Im Improvisationsprozess werden Geschichten über unterschiedlichste Abschiedserfahrungen entwickelt, musikalisches Material generiert und mit diesen Geschichten verbunden.

In deutsch-italienischer Koproduktion von Neuköllner Oper und Balletto civile entsteht eine auf Körper, Bewegung und Choreographie zielende Version der Bettleroper. Die „Urmutter“ eines kritischen und humorvollen Umgangs mit dem Hochkulturerbe Oper und mit der sozialen Frage ist eine Verpflichtung, die ein „cross over“ von Bewegung, Körper und Musik auf die Bühne bringt und aktuelle Fragen der Gegenwart und von Stadt aufwirft.

MAYA ist eine von Mathis Nitschke komponierte Mixed-Reality-Techno-Oper. Mit dem Sterben der biologischen Existenz des Menschen und dem Übertritt in eine virtuelle Daseinsform wird im Motiv der Vergänglichkeit ein Sujet der klassischen Oper aufgegriffen und in die Gegenwart einer alle Lebensbereiche umfassende Digitalisierung überführt. Konstruiert wird eine dystopische Zukunftswelt um die letzte biologische Existenz Mayas, der ein Fortleben in einer digitalen Existenzform im entgrenzten Möglichkeitsraum des Cyberspace verwehrt bleibt. Die Zuschauer können sich frei bewegen und in einem installativen Setting mittels Smartphone in die digitalen Welten eintauchen.

Rotterdam Presenta reizen anhand ihrer eigenen Praxis den Zusammenhang zwischen Mensch und Lebensraum aus und thematisieren den hybriden Charakter von Handeln und Materie. In HEMISPHERES beschäftigen sie sich mit Ökosystemen und entwickeln eine physische Praxis, die ihre Positionen reflektiert und erforscht. Dabei werden Darstellungsformen von Tanz, Objekt-Kunst, Licht und Sound-Art, sowie der Naturwissenschaft ineinander verstrickt.

Mit Cyberia is real! werden andcompany&Co. mit ihrer historisch-literarischen Remix-Technik in den Diskurs über BIG DATA in Zeiten einer Krise der Demokratie intervenieren, um die Parallelen zwischen der prätotalitären Realität damals und heute zu erkunden. In einer dichten Collage aus Text, Video und Musik entsteht in einer Installation mit low-tech-Theatermaschinen eine assoziationsreiche Performance.

Das Projekt :-Oz // Skizzen zu einem postdigitalen Theater instrumentalisiert eine tief in der Theater- und Kunsttradition verankerte, menschliche Sehnsucht nach einem Werk als einem Artefakt, in dem der Künstler und seine Biographie erlebbar ist. In einem Reanactment-Prozess starten Strohlinka eine Annäherung an die erfundene Künstlerpersönlichkeit Dorothy. Im Laufe des Abends wird zunehmend unsicher, ob Dorothy überhaupt existiert hat oder ob sie nicht das Werk eines Netzkollektivs, einer künstlichen Intelligenz oder gar eines Computer-Virus ist.

In der Produktion WAHR denken Showcase Beat Le Mot grundlegender über den Wahrheitsdiskurs der sogenannten Postfaktizität nach. Sie machen die Wahrheitssuche verschiedener Epochen und ideengeschichtlicher Strömungen sinnlich erfahrbar. Dabei werden sie sieben Stationen der Wahrheitsfindung aufbauen, an denen sie empirisch-experimentelle Metaphysik betreiben, um einem Wissen verschiedener Epochen auf die Spur zu kommen, das daran erinnert, dass die Wirklichkeit nicht so selbsterklärend und vollständig ist, wie sie uns erscheint.

MOUVOIR/Stephanie Thiersch untersuchen in Bruxia – a Solo künstlerisch übersetzte Hexenbilder und -bewegungen in Tanzstücken, der Malerei und Popkultur und Inszenierungen feministisch-aktivistischer Bewegungen. Welches (Bewegungs-)Bild haben wir von Hexen, wie hat es sich über die Zeit transformiert und was könnte eine zeitgenössische Konzeption sein? In der aktuellen Debatte um die Rückkehr des Rituellen, soll die spezifisch weibliche Dimension herausgearbeitet werden.

Der subversive Schaumstoffklan von Das Helmi taucht ein in das große Stoffuniversum der Gebrüder Strugatzki – die in ihren Büchern russische Erzähltraditionen mit wissenschaftlicher Analysen zu utopischen/distopischen Parabeln vereinen. In Der Strugatzki Kosmos nutzen sie dieses Materialreichtum um aktuelle Themen vergnügt und zugleich tiefsinnig zu behandeln: Umweltzerstörung, Flucht und Vertreibung, Faschismus und Machtmissbrauch.

In PMS-Lounge von Charlotte Pfeifer verfolgt das Publikum eine soapartige Handlung und kann zugleich an Aggro-Yoga, Hypnose-Workshop und Choreographien teilnehmen. Das PMS-TV trägt Inhalte, Kontroversen und Befindlichkeiten über soziale Medien in die Welt hinaus. Dabei werden die Grenzen zwischen Ekel und Skepzis, zwischen Körperverbundenheit und Biologismus, zwischen Esoterik und Bewusstheit erforscht.

In zero decibels erforscht Daniel Dominguez Teruel die Grenzen bzw. die Abwesenheit des Hörens und öffnet damit (auditive) Wahrnehmungsräume, die uns sonst oft verschlossen bleiben. In einer „Dramaturgie der Abwesenheit“ werden verschiedene audiovisuelle Versuchsanordnungen inszeniert, in denen Gesetze der Physik überprüft, neu aufgestellt und erfunden werden. Es werden Settings entwickelt durch die sich das Publikum mittels Funkkopfhörern frei bewegen kann oder von einer hörbehinderten Performerin geführt wird.

BalaganBody befasst sich mit dem ChaosKörper, der von Ambivalenzen durch einen von der Choreografin Patricia Carolin Mai persönlich erlebten Raketenangriffen auf Tel Aviv geprägt ist. Erforscht wird, wie Menschen den Wechsel zwischen Ausnahmezustand und Normalität auf Dauer verarbeiten. Wie gehen Menschen mit plötzlichen Angriffen um? Wie schreiben sich Extremzustände in Körper ein? Was unterscheidet einen Körper, der einer permanenten Bedrohung ausgesetzt ist von einem Körper, der in relativer Sicherheit lebt?

Im Performance-Projekt Diarien der Shoah – Ein Parkour der Erinnerung (AT) von Julian Gerhard bilden Tagebücher minderjähriger Menschen, die den Zweiten Weltkrieg erlebten, den Ausgangspunkt für Recherche und künstlerischen Dialog. Ein installativer Raum und eine Klanglandschaft sollen Möglichkeiten des Zurückziehens und Verschwindens eröffnen. Sieben Tagebücher bilden die Grundlage für sieben Animationsfilme, die nicht in klassischer Weise auf einer weißen Leinwand präsentiert werden, sondern sich in den bühnenbildnerisch gestalteten Raum integrieren.