Erfahrungsberichte realisierter Vorhaben

Der Fonds Darstellende Künste stellt hier Erfahrungsberichte abgeschlossener Projekt-, Initial- und Konzeptionsvorhaben sowie dem Sonderprogramm HOMEBASE (2016/17) vor. Dabei handelt es sich um Vorhaben, die vom Kuratorium des Fonds ausgewählt und mit seiner Unterstützung realisiert werden konnten.
Die aufgeführten Arbeiten sind eine wechselnde Auswahl der beförderten Vorhaben, diese sollen einen Einblick in die Möglichkeiten der Programme geben sowie einen Wissensaustausch unter den Künstler*innen(-gruppen) ermöglichen.

 

Projektvorhaben

Das Programm Projektvorhaben ist eines der drei stetigen Förderprogramme des Fonds Darstellende Künste. Anträge können zu vier Fristen jährlich beantragt werden. Hier finden Sie eine Auswahl der in diesem Programm realisierten Projekte.

Mit SEXLESS BABE haben wir eine choreografische Auseinandersetzung zum Thema „Geschlecht und Identität“ umgesetzt. Mit dem Pilotprojekt BUILDING-ACTIONS haben wir uns darüber hinaus mit der Frage befasst, wie man Bürger*innen in verschiedenen Phasen und themenbezogen in den künstlerischen Prozess miteinbinden kann.

Im Rahmen des Projekts konnten wir sowohl eine Choreografie entwickeln, die eine eigene künstlerische Sprache spricht, als auch Methoden, um Diskurse aus der Stadt in genau diese Arbeit einzubinden. Entstanden ist eine Bewegungsstudie über die Wandlungsfähigkeit und Flexibilität geschlechtlicher Identitäten, die durch Workshops, Diskussionsrunden und Interventionen begleitet wurde und viele hundert Menschen erreicht hat. Inspirierende Partner haben wir u.a. mit den Organisatoren des Queer Festivals, beim Queeren Netzwerk Heidelberg und beim Karlstorbahnhof als aktives Soziokulturelles Zentrum gefunden.

Im Rahmen des Pilotprojekts konnten wir viele wichtige Kontakte zu Initiativen und Bürger*innen aus der Region knüpfen und haben Kunst mit politischen und gesellschaftlichen Diskursen verbunden. Wir freuen uns, dass wir dieses Projekt mit Unterstützung des Fonds Darstellende Künste umsetzen konnten, was uns wichtige Erfahrungen für die künstlerische Praxis ermöglicht hat. Eine ausführliche Dokumentation des Pilotprogramms haben wir in einer 30-seitigen Broschüre zusammengestellt. Darüber hinaus hat das Medienforum Heidelberg das Projekt filmisch begleitet.

Edan Gorlicki, Sexless Babe, Projektförderung, Fonds darstellende Künste

Gefördert durch das Kulturamt der Stadt Heidelberg/KulturLabHD, das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, den Fonds Darstellende Künste sowie die Stiftung LBBW.

KONTAKT
Edan Gorlicki
www.edangorlicki.com/inter-actions/building-actions
www.facebook.com/buildingactions

„Wir müssen nicht mehr in ferne Länder reisen, um dem Islam zu begegnen. Die Religionsfreiheit ist im Grundgesetz verankert. Plurale Gesellschaften sind entstanden. Menschen unterschiedlicher Herkunft und kultureller, gesellschaftlicher Prägung leben zusammen. Soviel zur Theorie. In der Praxis blicken wir viel auf die Anderen, ohne uns wirklich zu begegnen. „Wir“ und „die Anderen“. Und die eindimensionalen Bilder, die dabei wieder und wieder reproduziert werden haben uns geprägt. Die Sache mit den Klischees ist: Sie sind unvollständig. Sie machen eine Geschichte zur einzigen Geschichte.“

Im Zuge des Projekts ZWISCHEN DEN SÄULEN haben wir mit uns mit dem Islam beschäftigt. Ausgangspunkt war das politische Klima. Durch die Berichte, in denen Islam meist im gleichen Satz wie Terror genannt wird und durch die Flüchtlingsdebatte der Weg bereitet wird für Hetze gegen Menschen, steht der Islam am Pranger. Wir glauben, dass das vor allem so möglich ist, da die meisten Menschen keine Berührungspunkte mit Musliminnen und Muslimen haben. Hatten wir auch nur sporadisch. Um der „Gefahr der einzigen Geschichte“ zu entkommen, wollten wir uns ein eigenes Bild vom Islam machen. Und durch unser Theaterstück diese Bilder, die wir eingefangen haben, auch anderen Menschen zugänglich machen. Wir haben uns somit auf eine Schnitzeljagd begeben.
Diese Schnitzeljagd führte uns in diverse Moscheen von Niedersachsen bis nach Bayern, zu Fastenbrechen, in den Koran- und Arabischkurs, zu uns vorher unbekannten Menschen, zur Kaaba in Mekka und schließlich auf die Bühne.
Der Weg wurde – wie in all unseren Projekten – mit der Kamera dokumentiert. Die hierbei entstandenen Videos bilden nun einen zentralen Ausgangspunkt der Inszenierung, begleitet durch die Erzählungen. Dramaturgisch orientiert sich das Stück an den 5 Säulen des Islam, in der Reihenfolge, in der wir sie erlebt haben: Fasten, Beten, Spenden, Glaubensbekenntnis, Pilgern. Während das Stück anfänglich allerlei islamverwandte Themen verhandelt mit dem Ziel, das „Fremde“ weniger fremd zu machen und der Gefahr der einzigen Geschichte zu entkommen, schwappt das Theaterstück zunehmend in die unmittelbare Wirklichkeit. Wenn man im Video das Reenactment einer Konversion sieht, kann das noch Theater sein. Wenn man Markus dann aber vor der Kaaba sieht, weiß man, dass dort eine Konversionsurkunde nötig ist für ein Visum. Die Grenzen der theatralen Rollenaneignung werden verschoben.

Die Arbeit an der Schnittstelle von Realität und Fiktion, in der man sich ohne Netz (aber mit doppeltem Boden) in ein Thema begibt, ist das, was uns an Theaterarbeit interessiert. Dass man das Medium als solches nutzen kann, um politische Debatten auf andere Art voranzutreiben. In ZWISCHEN DEN SÄULEN konnten wir dieses Prinzip direkt anwenden. Anfänglich ging es um die Recherche, um ein Kennenlernen, um neue Bilder. Darum, dass die Bilder, die wir vom Islam vermittelt bekommen einseitig sind, oftmals negativ behaftet. Und das Image daher so schlecht ist.
Schnell ging es dann um Glauben. Und um die Suche nach Gemeinsamkeiten statt Unterschieden. Als wir die gemeinsamen Nenner gefunden hatten, waren die Unterschiede verschwunden – und mit ihnen die Kategorien „wir“ und „die anderen“.
Wir hatten sehr gute Wegbegleiter_innen aus dem muslimisch geprägten Umfeld, die uns bei dem Vorhaben unterstützt haben, allen voran Dozentinnen und Dozenten vom Institut für Islamische Theologie Osnabrück. Bei den Vorstellungen mischte sich dann muslimisches Publikum und nicht-muslimisches Publikum. Und auch Theaterpublikum und Menschen, die sonst nicht ins Theater gehen. Leute, die unsere Arbeiten kannten und Leute, für die die Form neu war. Die Rückmeldungen waren sehr positiv. Viele Muslime und Musliminnen sagten, dass es schön ist, ein Stück über den Islam zu sehen in dem es nicht die ganze Zeit um die Leitkulturdebatte oder den IS geht. Nichtmuslime sagten, dass wir ihre Bilder erweitert haben. Menschen fragten „glaubt ihr das jetzt wirklich“ und es entstanden Gespräche über Glaube. Darüber, dass die Bibelgeschichten auch im Koran vorkommen. Gemeinsamkeiten.

Eine Koproduktion von Künstlerhaus Mousonturm, Sophiensaele Berlin, Staatstheater Darmstadt, Gessnerallee Zürich, LOT Braunschweig, ROXY Birsfelden, Schwankhalle Bremen, Oldenburgisches Staatstheater, Kammerspiele München, FFT Düsseldorf, Theater Rampe Stuttgart, Lichthof Hamburg und Pavillon Hannover. Gefördert durch: Stiftung Niedersachsen, MWK Niedersachsen, Fonds Darstellende Künste, Friedrich-Weinhagen Stiftung, Kulturbüro der Stadt Hildesheim.

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Markus&Markus
www.markusundmarkus.at

 

Das Vorhaben “Trollwut” (vorher: “Meinungshacking”) wurde weit vor Probenbeginn mit einem anderen Team erdacht. Das Team musste aus unterschiedlichen Gründen teils wechseln und pulk fiktion stand vor der Entscheidung, das Konzept unter anderen Bedingungen dennoch durchzuführen oder es komplett zu verändern. Letztlich fiel die Entscheidung zugunsten des bestehenden Konzepts aus: die Grundidee, die Online-Welt als Musical darzustellen, sollte weiterhin verfolgt werden.
Somit stand die Gruppe jedoch vor der Herausvorderung mit einem Team, welches sich nicht in Gänze kannte und von dem nicht alle Beteiligten tanz- oder musikerfahren waren, ein Stück zu produzieren, welches maßgeblich von Musik und Tanz abhängt.
Im Laufe der Proben stellte sich jedoch nicht die Zusammensetzung des Teams als Schwierigkeit heraus, sondern die begrenzte Zeit: Sechs Wochen Proben für eine Stückentwicklung, bei der sowohl der Inhalt komplett neu entwicklet werden wollte, aber auch Musik, Songtexte und Tänze selbst geschrieben und choreografiert wurden, waren einfach zu knapp.

Die zeitlich getrennte Vorrecherche wurde von den drei durchführenden Künstler*innen als sehr wichtig und hilfreich wahrgenommen und ermöglichte eine tiefgehende Auseinandersetzung mit der Thematik. Jedoch blieb das Thema groß und unübersichtlich. Als problematisch stellte sich auch heraus, dass diese drei dann zu Probenbeginn einen großen “Vorsprung” zu den anderen Beteiligten hatten. Die ersten Wochen der eigentlichen Probenphase waren daher doch maßgeblich durch eine weitergehende Recherche und gemeinsame Vertiefung in die Themen geprägt, bevor eine Fokussierung überhaupt erst möglich war. Es schien Teil des Themas zu sein, dass es sich schwer eingrenzen und festlegen lies.
Die Arbeit in Köln erschwerte der Gruppe ein fehlender optimaler Probenraum. pulk fiktion konnten zu guten Konditionen die ehrenfeldstudios mieten, doch mussten diese jeden Abend freigeräumt werden, was für Theaterarbeit mit Bühnenbild denkbar ungünstig war und viel Zeit geraubt hat. Hier strebt pulk fiktion in Zukunft bessere Räume an, was selbstverständlich auch höhere Kosten mit sich bringen wird. Die Zusammenarbeit mit dem Nationaltheater Mannheim erwies sich als extrem hilfreich; das dortige Team unterstützte die Produktion nicht nur durch die Kontakte zu Schulen sondern beriet auch in dramaturgischen und theaterpädagogischen Fragen.
Das Ergebnis bestätigt die Vermutung, dass die gewählte Form des Musicals ein sonst sehr abstraktes und intellektuelles Thema greifbar und fühlbar macht. Die ersten Schulvorstellungen bestätigten uns, dass das Thema bei den Jugendlichen präsent ist und sie sich lustvoll auf den angebotenen Diskurs einlassen. Trotz der äußeren Umstände und Schwierigkeiten lässt sich also sagen, dass das Projekt erfolgreich war und die grundsätzlichen Ideen und Ziele des Konzeptes umgesetzt wurden.

Eine Koproduktion von pulk fiktion mit Freies Werkstatt Theater Köln, FFT Düsseldorf, LOT Braunschweig und Junges Nationaltheater Mannheim. Gefördert durch das Kulturamt der Stadt Köln, das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen und den Fonds Darstellende Künste.

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pulk fiktion
www.pulk-fiktion.de

Ziel der Inszenierung war es, eine zeitgemäße Überschreibung und Ergänzung zum Text von Fontane zu finden und die 1885 verfasste Novelle gegenwarts- und ortsrelevant auf die Bühne zu bringen.
Fontane entwirft mit dem Oderbruchdorf Tschechin einen Mikrokosmos, der erstaunliche Parallelen zu unserer gegenwärtigen von Fake-News sowie Halb- und Unwahrheiten dominierten Welt aufweist. Was die Tschechiner für wahr annehmen, bestimmt ihr Weltbild. Empirisches Wissen trifft dabei auf postfaktische Behauptungen, Lebensweisheit auf Aberglauben. Manipulation und Täuschung als Mittel den sozialen Rang zu erhalten sind ein Hauptmotiv der Novelle und unserer Zeit, in der fast jedes Mittel recht zu sein scheint. Im Zentrum der Erzählung steht das von seinen sozialen Abstiegsängsten getriebene Gastwirtspaar Abel und Ursula Hradscheck. Dieses befreit sich durch ein Kapitalverbrechen vermeintlich von seinem größten Schuldner, einem polnischen Geschäftsmann jüdischen Glaubens. Mit dem erneuten Wohlstand versuchen sie sowohl Kontaktarmut in Ihrer Beziehung zu überwinden als auch durch wiedergewonnenes Ansehen ihre soziale Stellung im Dorf festigen.
Eine erste dramaturgische Spielfassung sah vor, das Paar in seiner Schuldspirale auf eine Achterbahn der Gefühle zu schicken. Dabei sollten permanente gegenseitige Befragungen zur Ursache Ihrer Verschuldung und ihrem Verbrechen, sowie zu verpassten Träumen, Visionen und gegenseitigen Erwartungen ebenso eine Rolle spielen wie der permanente Druck der Außenwelt, der auf dem Paar lastet.
Nachdem eine schlüssige Fassung erstellt war, haben wir begonnen in der Region an Originalschauplätzen der Novelle, Szenen aus dem dörflichen Milieu der Erzählung zu drehen. Dabei spiegelten die Schauspieler sich selbst in ihrem jeweiligen Gegenüber. Wer bin ich und wenn ja wie viele? Was ist real, was bilde ich mir ein. Was ist eigene Reflexion über mich und meine Tat und was sind reale Fakten und Meinungen der Dorfbewohner über mich? Diese Video-Sequenzen wurden szenisch mit dem Spiel auf der Bühne verknüpft und es entstand eine atmosphärisch dichte Auseinandersetzung der Spieler mit sich, ihren Rollen und dem Stoff.

Die bisherigen Vorstellungen waren ausverkauft und die Produktion fand große Resonanz, auch in der Presse. 2019, im Fontanejahr in Brandenburg, sind mehrere Aufführungsblöcke im „Theater am Rand“ geplant. Gastspiele in verschiedenen Theatern Brandenburgs und Thüringens sind ebenfalls in Planung.

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Theater am Rand
www.theateramrand.de

 

DUST ist die erste Zusammenarbeit zwischen den Duos Golden Delicious [Tel Aviv / Lausanne] und Wilde & Vogel [Leipzig]. Unter der Regie von Hendrik Mannes und Antonia Christl entstand eine Inszenierung, die den Moment der Begegnung fängt und ihn in ein innig-fragiles Zusammenspiel überträgt. Sie untersucht den ‚Akt des Storytellings‘ und vernetzt die Verschiedenheit seiner Spielarten zwischen solistischem Alleingang und polyphoner Mehrdeutigkeit.
„Traumatic Dreams“ lautete der Arbeitstitel dieser Produktion. Die Tatsache, dass Nachfahren von Holocaust-Überlebenden in Alpträumen traumatische Erlebnisse ihrer Eltern und Großeltern ‚erinnern‘, war für uns Ausgangspunkt für eine persönliche Recherche der eigenen Familiengeschichte. Viele Stunden verbrachten wir während der Proben mit Erzählungen von Familiengeschichten und dem Austausch über die Erinnerungskultur unserer Herkunftsländer Israel und Deutschland. Mehr und mehr bewegten wir uns thematisch in den Bereich des Erinnerns selbst: wie erinnern wir, was wird innerhalb unserer Familien erinnert und erzählt, wie können wir die Erinnerungen teilen?

Es entstand ein sehr reichhaltiger Fundus an Material, nicht nur von Geschichten und Texten, sondern auch von Michael Vogel gebaute Figuren und Masken sowie Objekte und Originaldokumente. Diese Fülle, die unterschiedlichen Arbeitsweisen und ästhetischen Vorstellungen und nicht zuletzt die völlig unterschiedlichen Gedanken über eine mögliche oder unmögliche Thematisierung des Holocaust auf der Bühne überforderten das Team ohne Regisseur. Kurzfristig sagten Antonia Christl und Hendrik Mannes als Regieteam zu, uns die letzten zwei Wochen vor Premiere zu begleiten. In einer intensiven Endprobenzeit wurde viel überflüssiger Ballast über Bord geworfen und es gelang der Regie, die Inszenierung auf eine wesentliche Frage zu konzentrieren: Wie bin ich geworden, wer ich bin, wer sind die anderen und wie lässt sich das verbinden? Ausgehend von persönlichen Erinnerungen, Familiengeschichten und Träumen beleuchten die vier SpielerInnen Momente, die uns allen gemeinsam sind, aber auch Momente, die uns vereinzeln. Zusammengeführt werden die unterschiedlichen Linien immer wieder durch den gemeinsamen mehrstimmigen Gesang, der uns die gesamte Probenzeit begleitet hat.

KONTAKT
Wilde & Vogel
www.figurentheater-wildevogel.de

 

Der Gedanke hinter dem im deutschsprachigen Raum verbreiteten und weltweit einmaligen Konzept des Ensemblebetriebs war es einmal, dass in einem Ensemble die hiesige Gesellschaft wiedergespiegelt wird. Die Menschen, die man auf der Straße sah, sollten auch im Ensemble vertreten sein. Doch der strukturelle Rassismus, der alle gesellschaftlichen Ebenen prägt, wird in der Besetzungspraxis der städtischen Theater auf besonders plastische Weise lesbar. Fast alle Menschen, die an deutsche Stadt- und Staatstheatern auf und hinter der Bühne arbeiten, sind weiß. Vor diesem Hintergrund wirkt die Schwarzkopie MITTELREICH als ästhetisches Erlebnis wie auch als strukturelle Intervention. Auf der ästhetischen Ebene zwingt sie weiße Zuschauer*innen durch das Mittel der abweichenden Wiederholung den eigenen rassifizierenden Blick zu hinterfragen. Plötzlich sind es Schwarze Körper durch die Kampfbegriffe wie „Flüchtling“ gehen, Schwarze Körper durch die die Gräuel des zweiten Weltkrieges erzählt werden und Schwarze Körper durch die bayerische Nachkriegsgeschichte erzählt wird; und das irritiert die Sehkonvention und die hegemoniale Geschichtsschreibung.

Anta Helena Recke, Projektförderung, Fonds Darstellende Künste

Mittelreich | Foto: Judith Buss

 

Auf der strukturellen Ebene wirkt das Projekt im Produktionsprozess, den Aufführungen und im öffentlichen Diskurs im Sinne einer antirassistischen Intervention: Schauspieler*innen, die aufgrund einer strukturellen rassistischen Diskriminierung von weiten Teilen des Arbeitsmarktes ausgeschlossen sind, erhalten die Möglichkeit sich in üblicherweise weißen Rollen zu präsentieren. Die Aufführungen bringen ein diverses Publikum ans Haus, das sich dort bisher nicht repräsentiert gesehen hat. Und: die impliziten Rassismen vieler deutscher Theaterkritiker*innen werden explizit gemacht und können dementsprechend öffentlich diskutiert werden. MITTELREICHs Erfolg besteht darin aufzuzeigen, wie nötig eine Dekolonialisierung der deutschen Theaterinstitutionen und -öffentlichkeit ist.

Eine Produktion von den Münchner Kammerspielen und Anta Helena Recke. Gefördert durch den Fonds Darstellende Künste und die Richard Stury Stiftung.

KONTAKT
Anta Helena Recke
www.muenchner-kammerspiele.de/profil/anta-helena-recke

 

Wir haben Kabuki noir Münster während der seit 1977 alle 10 Jahre stattfindenden Kunst im öffentlichen Raum Ausstellung Skulptur Projekte Münster 2017 entwickelt. Unser Probenraum war zugleich der Ausstellungsraum, eines der ca. 30 neuen Kunstwerke der Ausstellung, die Zuschauer*innen konnten ein Work in Progress besuchen, die Proben waren öffentlich, Kostüme und Requisiten wurden öffentlich hergestellt, selbst Internetrecherche und Administrative Aufgaben waren öffentlich. Jeden Tag konnten und mussten wir um 17 Uhr halbstündige Tryouts/Performances spielen, konnten gleich testen ob Ideen und Szenen schon etwas taugen, ein nicht überkritisches, internationales Publikum nahm in Volkstheaterstimmung Anteil am täglichen Stand der Dinge. Dass da jeden Tag wieder 200 Personen saßen und eine Performance sehen wollten hat den Produktionsprozess beflügelt. Um verständlich zu sein mussten wir live auf der Bühne Französisch/Deutsch/Englisch übersetzen, manchmal mit ungleichgewichtigen Bevorzugungen. Noch bevor dem Eintreffen des Kabuki Meister Toyohiko Fujima haben wir Videos geschaut und Bücher gelesen, losspekuliert und auch gleich zu den 17 Uhr Terminen erste Szenen gezeigt.

Gintersdorfer Klaßen, KAbuki noir, Projektförderung, Fond Darstellende Künste

Kabuki noir | Foto: Knut Klaßen

Mit Ankunft von Fujima begannen die choreografischen Proben und das Zusammentreffen mit dem klar definierten Theatersystem Kabuki, es ist nur komplett, wenn alles ist wie es seit Jahrhunderten zu sein hat, Bewegung, Kostüm, Sprache, Musik, Bühne. Wir interessierten uns vor allem für das Stück Kanjincho, bei dem eine Gruppe als Wandermönche verkleidet an einer Grenze kommt und sie zu überwinden versucht. Seit einiger Zeit stärkt die EU Grenzen südlich der Sahara durch Technologie und Finanzielle Unterstützung, um Geflüchtete schon auf dem afrikanischen Kontinent zu stoppen. In Kabuki noir Münster wird Kanjincho erzählt und gespielt-natürlich ist kein echtes Kabuki Theater daraus geworden-und es wird die neue Haltung der EU zu Grenzen in Afrika thematisiert, wieder werden von Europa aus Grenzen in Afrika etabliert. Dazu müssen mit zum Teil kriminellen Machthabern, die sich bereichern, Abkommen geschlossen werden, die Lokale Bevölkerung hat nichts davon. Afrikaner sollen Afrikaner kontrollieren. Die Produktionsbedingungen in Münster waren einmalig, Probe ist schon fast Aufführung, Aufführung braucht nicht das Abendfüllende Format zu sein, der Eintritt ist frei, wir denken jetzt darüber nach, wie man dieses halbstündige sehr flexible Schnelltheater an anderen Produktionsorten weiter entwickeln kann.

Ein Projekt von Gintersdorfer/Klaßen in Zusammenarbeit mit Skulptur Projekte Münster 2017, gefördert durch den Fonds Darstellende Künste und BASF

KONTAKT
Gintersdorfer/Klaßen
www.gintersdorferklassen.org

 

Mit unserem Bühnencomic KAFKA IN WONDERLAND wollten wir zu unserer bewährten Ästethik einige für uns neue Arbeitsschritte ausprobieren und auch einige weitere Stilmittel involvieren. Auf unserem Wunschzettel standen: Mithilfe bei der Dramaturgie, Animatronics, Schwarzlicht, Einsatz von Großpuppen, 3D Schattenspiel, mehr Präsenz von Tanz.
Die Entscheidung, bereits zu Beginn mit einem Blick von außen an die Produktion zu gehen, erwies sich als eine sehr gute. Wir wählten einen Künstler, der von Beginn an intensiv mit uns arbeiten sollte. Eli Presser aus LA war die richtige Wahl. Und in unseren hochtechnisierten Zeiten war die Kommunikation über den Ozean unproblematisch.
Sein Ideenreichtum, sein umfangreiches Wissen nebst einer von allen akzeptierten, natürlichen Autorität brachte unser Team einen großen Schritt voran und das Stück auf eine höhere Qualitätsstufe. Neue Sichtweisen forderten unsere bewährten Denkstrukturen heraus und liessen so manches in neuem Licht erscheinen und ergaben außerdem eine Hülle weiterer Ideen für die Zukunft.

half past selber schuld, Projektförderung, Fonds Darstellende Künste

Kafka in Wonderland | Foto: Christian Ahlborn


Sehr gute Ergebnisse erzielten wir durch frühzeitiges Testen verschiedener neuer Materialien und Stilmittel sowie durch ein Try Out im Vorfeld der Endproben (z. B. Animatronic, Schwarzlichteinsatz, 3D Schatten, Tanz- und Puppenproben, Großpuppen). Komplexere Visualisierungen sind auf anderem Wege vermutlich nur sehr schwer durchführbar.
Voneinander unabhängige Episoden zu produzieren, kam unserem Arbeitsstil sehr entgegen, da wir bis zum Schluss noch massiv eingreifen, Szenen austauschen und damit den Gesamteindruck verbessern konnten.
Auch mit größeren Requisiten zu arbeiten, ohne dabei unseren Stil aufzugeben, konnten wir durch fleissiges Experimentieren recht erfolgreich in die Tat umsetzen.
Es war sehr gut, neben der öffentlichen Förderung auch private Sponsoren zu gewinnen, um den Etat anzuheben. Und Fragen kostet ja bekanntlich nichts bzw. nur die investierte Zeit. Wir haben damit jedenfalls sehr gute Erfahrungen gemacht und konnten dadurch mit hochwertigen Materialien experimentieren und arbeiten, die wir uns sonst wohl nicht oder nur zum Teil hätten leisten können.

KONTAKT
half past selber schuld
www.halfpastselberschuld.de/kafka-in-wonderland

 

DIE ZWEITE REALITÄT ist das vierte und letzte Stück unserer Vierer-Serie „Katalog der große Kränkungen“ und beschäftigt sich thematisch mit den Auswirkungen der Technisierung und Digitalisierung auf unsere Gesellschaft. Ausgehend von unsere bisherigen Digital basierte Arbeit haben wir bei DIE ZWEITE REALITÄT die Bühnen-Technik (Video/Sound/Licht) selbst zum Thema gemacht und mit einem interaktiven Videosystem gearbeitet, das auf Bewegungen der Spieler reagieren kann. Für dieses Stück haben wir spezielle Infrarot-Handschuhe entwickelt mit denen Video ganz subtil ansteuerbar wird. Video wird so zum gestaltbaren Material, die Spieler können mit den Händen das Licht formen, sie können Partikel verstreuen, mit Licht zeichnen, sie werden zu Schöpfern zu Animateuren ihres eigenen Bühnenraumes. Eine echte Erweiterung ist unseres Erachtens durch das interaktive Soundprocessing entstanden, die Spieler können durch ihre Körperbewegungen Sounds erzeugen und live verändern, sie bewegen sich durch Wavefiles und spielen sie wie ein Cursor ab. Sie können sich somit in Wörtern und Sätzen bewegen und diese vorwärts oder rückwärts abspielen. Sie haben die Möglichkeit Text zu modulieren, zu loopen, die Tonhöhen zu variieren und somit verschiedene Stimmlagen zu erzeugen, dadurch scheinen sie eine Art „Metasprache“ zu sprechen. Der Sound verbindet sich mit den Körpern und hüllt sie gleichsam in ein Soundnetz ein. Die sehr formale technische Ästhetik des Stückes haben immer wieder gebrochen durch einen sehr emotionalen Schöpfungs-Text, durch farbige/filmisch/cinematische Erinnerungs-Aufnahmen von Wasser/Gras/Feuer und durch große Natursteine, mit denen die Spieler immer wieder in einen Dialog treten. Die Steine werden gerollt, gezogen, balanciert, gestemmt, sie werden zu Soundmodulen und stehen für das erste Werkzeug, das der Mensch in die Hand nahm und somit erstmals etwas außerhalb seines Körpers erschuf und den Stein gleichsam ins Rollen brachte bis hin zum Auto, zur Atombombe, zum Computer…

Für uns war es besonders spannend die Grenzen des interaktiven Tracking-System und somit des digitalen Arbeitens auf der Bühne ganz auszuloten und an die Grenzen des technisch Machbaren zu gehen. So ungemein spannend es ist, mit dieser neuen Technik zu arbeiten, verlangt es aber auch ein sehr intensive Einarbeitung und sehr viel Vorarbeit und Programmierung. Unserer Meinung nach macht diese Technik nur Sinn, wenn sie für das betreffende Stück auch das Zentrale gestalterische Mittel ist und wenn man bereit ist sich in diese komplexe Technik einzuarbeiten.

KONTAKT Meinhardt Krauss Feigl www.meinhardt-krauss-feigl.com

Das Ziel des Projekts war es, sich mit dem weiten Feld des Genres: „Objekttheater“ auseinanderzusetzen. Ging es bei vorangehenden Arbeiten der Gruppe Monster Truck eher darum, Subjekte (vermeintlich bzw. ironisiert) zu objektivieren, wollten wir für „Made for Love“ Objekte subjektivieren, indem wir Dingen Rollen zuweisen, die eine Geschichte erzählen. Hierbei sollte das gleiche Publikum angesprochen werden, das sich für die Arbeiten von Monster Truck im Bereich der Theaterperformances interessiert, im besten Fall jedoch noch neue Zuschauer*innen aus dem Feld des Figuren/Objekttheaters dazugewinnen. Ausgehend von einer kleinen Arbeit (ca. 15 Min.) im Theater Rampe Stuttgart im Winter 2013, bei der Pflanzen Romeo und Julia von Shakespeare „spielten“, wollten wir die gleiche Strategie mit Alltagsgegenständen wie einer Shampooflasche und einer Milchtüte anwenden. Über die Probenarbeit stellten wir jedoch fest, dass der Witz, dass einem Gegenstand eine Rolle und Emotionen zugeordnet wird, nicht allzu lange trägt, wenn es sich um ein abendfüllendes Stück handelt. Auch Versuche, uns in eher „klassischem“ Puppen/Marionettenspiel zu versuchen, verliefen eher unbefriedigend. Somit änderten wir die Ausgangsidee, indem wir nicht die konkreten Gegenstände verwendeten, sondern Abbilder davon und über den Vorgang des Plakatierens, eine Zeitachse die einzelnen Fotos verband. Das Format des Plakats schien uns auch passend, da es eine typische Präsentationsform von Konsumgütern in der Werbung ist und sich mit dem Motto des Favoriten-Festivals („Blendwerke“) gut ergänzte.
Wenn es eine starke Idee gibt, die das Stück tragen soll, b

Monster Truck, Projektförderung, Made for Love, Fonds Darstellende Künste

Made for Love | Foto: Vladimir Wegener

zw. muss, macht es evtl. Sinn, die Proben aufzuteilen. Z.B. zwei Wochen Proben, um die Idee zu überprüfen und dann z.B. einen Monat Pause und dann noch mal einen Monat/sechs Wochen Proben. Einfach, weil sich oft das virtuelle Konstrukt, was man ja im Kopf hat, bei der praktischen Umsetzung oft nicht so einlöst wie gedacht. Und dann hat man noch Zeit, um daraus Erkenntnisse zu ziehen und das Konzept dahingehend zu ändern, ohne gleich in Panik zu verfallen, weil die Premiere immer näher rückt. Das wollen wir in Zukunft z.B. uns angewöhnen. Bei „Made for Love“ war das der Fall, dass wir mit dem Ursprungskonzept nicht weiterkamen, zum Glück aber insgesamt recht viel Probenzeit einkalkuliert hatten und im Ringlokschuppen Mülheim sehr gute Bedingungen hatten. Durch den Umstand, dass man immer ein Konzept braucht, um Gelder zu beantragen, ist das das erste was für ein Projekt passiert. Daher scheint es uns wichtig, sich schon im Vorfeld dagegen abzusichern, wenn die Theorie an der Praxis scheitert und einen Freiraum einzuplanen, auch die Grundidee komplett neu zu denken.

Monster Truck, Made for love, Projektförderung, Fonds Darstellende Künste

‚MAde for Love | Foto: Vladimir Wegener


Das Stück kam beim Publikum (trotz oder gerade wegen des langatmigen Aufbaus der Geschichte) sehr gut an und wurde mit einem der Hauptpreise beim Favoriten-Festivals ausgezeichnet. Daher sind wir sehr zufrieden mit dem Ergebnis und wollen das Stück verstärkt bei Festivals mit dem Schwerpunkt „Objekttheater“ präsentieren. Über die für das Stück erfundene Form haben wir eine neue Strategie ausprobiert, die wir in Zukunft weiterentwickeln wollen und ins in dem neuen „Genre“ weiter etablieren. In Berlin findet das Stück z.B. im Rahmen eines Objekttheater-Schwerpunkts statt, weitere Anfragen, z.B. vom Theater Bielefeld liegen vor. Es gibt auch Überlegungen, das Stück für einen Galerie-Kontext zu adaptieren, um die Schnittstelle zur Bildenden Kunst weiter aus zu loten. Auch das Format des Publikumsgespräch hat überraschend gut funktioniert, da durch die zerdehnte Zeitwahrnehmung der Zuschauer sehr auf sich zurück geworfen war und daher sehr unterschiedliche Assoziationen / Wahrnehmungen oder Empfindungen beschrieben wurde bei einer auf den ersten Blick doch sehr simplen Boy-meets-Girl-Story.

KONTAKT
Monster Truck
www.monstertrucker.de

Initialvorhaben

Das Programm Initialvorhaben ist seit 2017 eines der drei stetigen Förderprogramme des Fonds Darstellende Künste. Anträge können zu vier Fristen jährlich eingereicht werden. Hier finden Sie eine Auswahl der in diesem Programm realisierten Projekte.

Dank der Initialförderung war es mir möglich, meine Auseinandersetzung mit dem Nachlass des Journalisten André Müller weiterzuverfolgen. Mein Ziel war es, über das Radiofeature hinaus, dass 2018 bei Deutschlandradio Kultur seine Ursendung hatte, mich tiefer in das Material (ca. 270 Audiokassetten) hineinarbeiten zu können, als ich es im Vorfeld tun konnte, und sogar eine neue Arbeit entstehen zu lassen. Die Förderung ermöglichte mir den geistigen Freiraum, aber auch mehrere Reisen zur Intensivierung der Recherche mit dem Nachlass.
André Müllers Interviews, die er zwischen 1975 und 2011 führte, sind von einer Direktheit, Schonungslosigkeit, und Radikalität gekennzeichnet, wie sie heute fast schon utopisch erscheinen. Er gibt sich mit nichts zufrieden und bohrt einfach so lange bei seinem gegenüber weiter, bis er angemeckert, rausgeschmissen, verklagt wird oder eben die erwünschte ehrliche, tiefgehende und neue Antwort bekommt. Um zu seinem Ziel zu gelangen kennt er keine Grenze oder auch keine Scham. Seine eigene Biografie scheint es, die er immer wieder mit jedem Gespräch aufzuklären versucht: 1946 in Michendorf als Sohn einer Österreicherin und eines französischen Soldaten unehelich geboren, kennt er lange nicht die väterliche Identität und die Umstände seiner Zeugung.
Er will das begreifen, unter dem er leidet, das Kind des Krieges, die ewig zweifelnde, verzweifelnde Persönlichkeit, die er geworden ist. Seine Methode entdecken wir, wenn wir uns die Originalaufnahmen der Interview-Mitschnitte anhören. Sie transportieren alle Emotionen und Zwischentöne, die man in einem Text nicht unterbringen oder transparent machen kann. Vor keiner bundesdeutschen (vor allem männlichen) Berühmtheit oder Koryphäe hat er sich gescheut, seine harte Technik anzuwenden. Wenn man sich die Gespräche heute anhört, so werden die Themen und Befindlichkeiten der Nachkriegszeit deutlich. Deutlich wird auch, dass man heute nicht mehr so radikal fragt.
Auf diese Themen möchte die Serie dezidiert eingehen, in dem sie sich in jeder neuen Folge nur einem Gesprächspartner Müllers mit einem Thema widmet. Geplant ist also eine weitere Hörfunk-Auswertung in Form einer Serie, die auf den originalen Kassetten der Interviews, die André Müller mit vielen prominenten Deutschen in einer vierzig Jahre umfassenden Laufbahn geführt hat. Der Arbeitstitel ist „Müller spricht mit Männern“.

KONTAKT
Sonya Schönberger
www.sonyaschoenberger.de

 

Projektentwicklerin, Dramaturgin und Netzwerkerin Gabi dan Droste erforschte gemeinsam mit Marina Miller Dessau, Gaëtane Douin, Katharina Haverich, Lena Lux, Martin Nachbar und Eva Plischkedas Aufstehen auf körperlicher, mentaler, emotionaler Ebene und als politisch-gesellschaftliche Dimension.Wann stehe ich für was auf? Warum bleiben wir(gemeinschaftlich) sitzen? Ist Aufstehen als Revolte ein Phänomen der Jugend? Wo genau imKörper steckt diese Revolte? Wo die Wut, die Angst, Macht und Ohnmacht? Wie wird aus einer individuellen Revolte eine kollektive? Gegen das Gegen? Mittels performativ-partizipativer Strategien, die vor allem Tanz, Bewegung und Performance fokussieren, untersuchen und erfinden wir künstlerische Formate für junges Publikum als interaktive Performance zwischenPerformer*innenund Theaterbesucher*innen, zwischen Sitzenbleiben und (Mit-)machen,Zuschauen und Gaffen. Zentrale Forschungsfrage ist die Rolle der Zuschauerschaft.

FORMATE 5 Labore in Berlin, Hamburg mit unterschiedlichen Jugendgruppen im Alter von 11bis 23 Jahre, Zeitraum: Oktober ’17–Dezember ’17, die in wechselnden Besetzungen angeleitet bzw.teilnehmend beobachtet wurden. Thematischer Fokus: ‚aufstehen‘, ‚gaffen-schauen‘ und derenphysische und emotionale Erforschung; die Wirkung von Pressefotos öffentlicher Protestaktionen auf den eigenen Körper und auf ein Publikum. Öffentlicher Projektabschluss: Performatives Labor, Kinosaal, Centre Francais de Berlin am 22. Januar 2018 mit etwa 180 Berliner Schüler*innen. Thematischer Fokus: Zuschauersituation,Fragen: ‚Wann / wodurch stehen jugendliche Zuschauer*innen auf?‘ und: ‚Wie werden sie dannselbst zu Akteur*innen ihres eigenen Spiels?‘.

EMPFEHLUNGEN –FRAGENKATALOG Ein Gesprächsangebot über das reichhaltige, noch zu entdeckende Format der ‚partizipativenForschung’Was will ich als Künstler*in von jungen Menschen? O-Ton? Warum? Was von Menschen mit welchen ‚Hintergründen‘? Aus welcher künstlerischen Motivation heraus entsteht der Wunsch einerBegegnung? Warum sollten sich junge Menschen mir mitteilen?
Wo finde ich Jugendliche außer die, die ich eh schon kenne? Was weiß ich von ihrem Alltag? Institutionen aufsuchen? Habe ich (dort) einen Ansprechpartner? Oder suche ich andernorts –könnte viel Zeit in Anspruch nehmen? Will ich schnell zu einem Ergebnis?Was ist ein Workshop? Was ist ein künstlerisches Labor? Wer ist Nutznießer –du und dein Labor oder die Beteiligten? Wer lernt von wem? Wann entsteht eine WIN WIN Situation für alle? Wie kann ich die herstellen? Welchen Rahmen braucht eine gemeinsame Forschungsreise? Wie viel Zeit? Muss ich alles fotografieren? Stelle ich die beforschten Jugendlichen aus? Wie bekomme ich die Fotorechte? Wie dokumentiere ich einen Prozess?Zeit -Zeit zum Nachdenken, Zeit zum Entwickeln; Zeit zum Lesen, Zeit zum Recherchieren undFragen. Zeit für Begegnungen. Zeit für Nicht-Wissen

​Eine Prodkution von Gabi dan Droste in Koproduktion mit Centre Francais de Berlin und gefördert durch den Fonds Darstellende Künste.

​​KONTAKT
Gabi dan Droste
www.gabidandroste.de

 

Der Arbeitstitel ‚Listening Distance‘ (Hördistanz) beschreibt in der angewandten Akustik die ideale Hörposition zwischen zwei Lautsprechern. In dem Projekt geht es nicht nur um diese wörtliche, sondern auch um eine metaphorische Lesart des Begriffs: Der Akt des Zuhörens (etwas, jemandem) und des Wahrnehmens von Distanz (zu Dingen, zu Menschen). Dabei kommt die Technik der Echoortung zur Anwendung; der Fähigkeit, mit einem Zungenklicken Entfernung und Material von Dingen zu bestimmen.
Anfang November 2018 fand gemeinsam mit einem blinden Experten auf diesem Gebiet und zwei weiteren Künstlern eine ein-wöchige Residenz im Theater ‚Zeitraumexit‘ in Mannheim statt. In einem experimentellen Prozess ging es darum zu ergründen, ob und inwieweit es möglich ist, sich in andere Menschen hineinzuversetzen, deren Sinnerswahrnehmung, die Welt zu erfahren, eine andere ist. Die intensive Auseinandersetztung mit dem Thema während dieser Begegnung ermöglichte es uns, auf unterschiedliche Weise komplexe Begriffe wie Empathie, Resonanz und Anderssein zu erfahren. ‚Hör-übungen‘ dienten zum Beispiel dazu Echos zu differenzieren, Räumlichkeiten zu erahnen oder unterschiedliche Materialien zu erkennen. Bei der Suche nach einer Übersetzbarkeit wurde mit (binauralen/ immersiven) Tonaufnahmen die Repräsentierbarkeit von individuellen Wahrnehmungserfahrungen getestet und hinterfragt.
Grundlage für das Projekt war die Aufkündigung althergebrachter Vorstellungen von Blindheit als Form einer Behinderung. Dabei wurde versucht, Möglichkeiten zu ergründen, um die eigene Sinneswelt für andere Menschen erfahrbar zu machen. Echoortung erschien uns nicht nur als eine wichtige Navigationsmöglichkeit für blinde Menschen, sondern auch als eine bereichernde multisensorische Sensibilisierung gegenüber unserer Umwelt. Auch wenn die Erlernbarkeit der Technik in einem derartigen performativen Format unmöglich ist, soll die Frage nach der Erfahrbarkeit bzw. Übersetzbarkeit dieses sensorischen Bewusstseins in weiteren Arbeitsphasen 2019 erkundet werden.

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Britt Hatzius
www.britthatzius.co.uk

 

Das führen von Interviews stellte sich hier als recht kompliziert heraus, weswegen wir mehr Zeit als ursprünglich geplant benötigten. Kompliziert, da es hierbei um Einzelschicksale geht, die Betroffene teilweise selbst noch nicht aufarbeiten konnten oder als solche thematisieren wollen.
Die Beweislage war grundsätzlich schwierig bei der Recherche. Es stellte sich heraus, dass das Gerücht um Schwangerschaftsdoping, eines war, dass viele vom ‚hören-sagen’ kannten, allerdings keine konkreten Fallbeispiele nennen konnten oder wollten. Zudem wurden im Zuge der Auflösung der DDR bekanntermaßen Dokumente vernichtet (sofern jedwede Schritte auf Papier festgehalten wurden), die Betroffene auf juristischer (und emotionaler) Ebene unterstützen könnten.
Das staatlich verordnete Doping in der DDR und seine Folgen werden mit viel Kraft und Engagement von einer kleinen Gruppe an ehemaligen Betroffenen und Wissenschaftler*innen in die Wege geleitet. Teilweise sind Prozesse noch nicht abgeschlossen. An dieser Stelle ist es schwer zu überzeugen, dass wir einen Sinn sehen, solche Themen auch in einem künstlerischen Kontext zu besprechen und für das Publikum aufzubereiten.
Die geführten Interviews waren häufig sehr privat oder ausschließlich wissenschaftlich und halfen uns komplexe Zusammenhänge auf den Gebieten Doping, das System und Leben in der ehemaligen DDR besser verstehen zu können und auch zu begreifen, dass der Umgang mit der Geschichte der DDR Sensibilität brauchte. Es brauchte Sensibilität im Umgang mit der Geschichte um die ehemalige DDR und die erlebten Einzelschicksale.
Aus den geführten Interviews erstellten wir Texte und inszenierten Fotos, wie Filmstills.
Dazu kamen Bilder die den Olympia- und Heldenmythos aufgreifen (schwangere Frauen skulptural inszeniert, im Zerfall begriffen). Aus dem Angebot einer eigenen Ausstellung in den Räumen des Kunstvereins „Das Damianstor“ Bruchsal, beschlossen wir einen Einblick in unsere andauernde Recherche zu geben: Auf zwei Ebenen durchlaufen im Kunstverein „Das Damianstor“ Besucher*innen einen Rundweg bzw. dem Entscheidungsweg einer Sportlerin der ehemaligen DDR, die sich der Methode des Schwangerschaftsdopings unterzieht. Fahnen und Videos, raumfüllende gesprochene Texte, kleine Installationen und Fotos sind das Ergebnis unseres Zwischenschritts, der eine Vielzahl an interessanten Gesprächen und Gedanken eröffnen konnte.
Es gibt Überlegungen aus diesem ersten Schritt eine weitere Arbeit für 2020 zu formulieren in Form eines Stücktextes oder einer performativ bespielten Installation. Die Recherche ist damit jedoch nicht abgeschlossen da wir gemerkt haben, dass wir Orte, die uns in unserer Recherche begegnet sind besuchen und uns und unseren Gesprächspartner*innen mehr Zeit und Geduld einräumen müssen.

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www.langenfelder.de
www.sophielichtenberg.de

 

Der Idee zu REPARATUR gingen (Alltags)Beobachtungen voraus. In Anbetracht der aktuell zu bewältigenden gesellschaftlichen Krisen wollen wir alternative Formen des Kollaborierens ausloten. Ereignisse wie z.B. der BREXIT machen Machtverhältnisse zwischen den Generationen deutlich: Menschen der älteren Generation scheinen zunehmend über Lebensrealitäten von jungen Menschen zu bestimmen. Im Nachdenken darüber wurde uns klar, dass wir bei unserer künstlerischen Arbeit, die das altersoffene Kooperieren und so auch Machtpositionen in den Fokus rückt, die üblichen Produktionswege verlassen, andere, weniger vertraute Formen des Zusammenarbeitens finden müssen.
REPARATUR verstand sich als ein Schritt in diese Richtung: wir bauen zusammen mit Kindern im Alter von 7 bis 12 Jahren ein Bühnenbild, bei dem – analog zur zentralen Stückidee – kaputte Gegenstände in etwas Anderes, Neues transformiert werden. Es ging uns darum, mit Kindern in einen Prozess einzusteigen, im Handeln ihre Perspektiven zu erleben und nach ihren Meinungen zu fragen; gleichzeitig wollten wir auf diese Art und Weise auch etwas über das Zusammenspiel von Bewegung (Choreografie) und Bühnenbild erfahren und wie diese miteinander verzahnt werden können. Wie werden aus den Ideen und den Bewegungen von Vielen handelnd und sprechend eine gemeinsame?

reparatur, martin nachbar, initialförderung, fonds darstellende künste

Foto: Martin Nachbar

Wichtig für den Prozess und dessen Auswertung wurde ein Wechselspiel von Tun und Betrachten, eigene Aufzeichnungen von Erlebten und Gesehenen, Austauschrunden mit Kindern und ohne sie, sowie Filmaufzeichnungen und Fotos, die ermöglichen im Nachgang und mit Abstand den Prozess zu betrachten. Beeindruckend im Schaffensprozess mit den Kindern war ihr unbändiger allzeit vorhandene ungebremste Schaffenswille und ihre Lust, Neues in den vorgefundenen Dingen zu entdecken. Unerwarteterweise entstand in den Tagen des Bauens, Planens, Suchen und Findens, Miteinanderredens, Weggehen, Wiederkommen und Pausemachens bereits ein sehr avanciertes ‚DINgSDA‘, zu dem wir uns – als Erwachsene und Künstler*innen im Team – mit Blick auf die kommende Produktion verhalten dürfen. Kommt das Ding auf die Bühne? In welcher Form? Zerlegen wir es und entwickeln aus den Einzelteilen nochmal andere DINgER? Wie lassen die Dinger sich bespielen?

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Martin Nachbar
www.martinnachbar.de

 

Im Juli/August 2018 reisten die beiden Künstler*innen Carla Wierer und Leon Wierer vom Cargo-Theater Freiburg im Rahmen der Initialförderung des Fonds Darstellende Künste für eine Recherche nach Peru. Die zentrale Fragestellung dieses Projektes lautete: Wie lässt sich der Begriff globaler Interdependenz im Theater verhandeln?
Ausgangspunkt unserer Recherche zum Thema globaler Zusammenhänge stellte dabei der sog. „Fall Lluya“ da. Ein peruanischer Bergbauer klagt derzeit am Oberlandesgericht Hamm gegen den deutschen Energiekonzern RWE. Er fordert von dem Konzern die finanzielle Beteiligung an den Kosten für einen Staudamm, denn das gesammelte Wasser eines schmelzender Gletschers droht das ganze Dorf in dem der Lluya mit seiner Familie wohnt zu überschwemmen. Es stellt sich also (nicht nur aus juristischer Perspektive) die Frage: Inwiefern sind wir über die Kontinente hinweg für die Konsequenzen unseres Handelns verantwortlich zu machen?

Carla Wierer, Initialförderung, Fonds Darstellende Künste

Foto: Carla Wierer

Gemeinsam mit unseren peruanischen Partner*innen von der Theatergruppe Yuyachkani und dem Zentrum für performative Künste El Galpon Espacio aus Lima diskutierten wir dieses und weitere Beispiele, brachten uns im Rahmen von Workshops, Präsentationen und Arbeitsproben unsere jeweiligen Arbeitsweisen näher und sammelten Ideen, welche Formate für die künstlerische Auseinandersetzung mit unserer Fragestellung geeignet sein könnten.
Gemeinsam mit den Leitern der beiden Häuser, Miguel Rubio (Yuyachkani) und Jorge Baldeon (El Galpon Espacio), entstand die Idee für eine mögliches gemeinsames Projekt: Eine interaktive, performative Ausstellung in einem fiktiven „Museum der aussterbenden Arten“.
Die Treffen mit den verschiedenen Akteur*innen aus Kultur, Kunst und Politik in Lima wurden von uns als sehr fruchtbar empfunden und wir setzen nun alles daran, eine weiterführende Zusammenarbeit möglich zu machen!

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Carla Wierer
www.carlawierer.com

 

Die Künstlerin Anneli Ketterer entwickelte auf Schloss Bröllin ein großes Stück Ackerboden zu einem transkulturellen und partizipativen Freiluft-Laboratorium und Aktionsraum. Dieser KunstAcker und ihre Erd-Objekte bildeten die Grundlage der Forschungsarbeit mit Dramaturg Bernd Dressen, Choreograph Martin Stiefermann und Tänzer Koffi Kôkô. Sie wurden eingeladen, um sich in interdisziplinärer Arbeit dem Thema Boden zu nähern. Arbeitsvorlage war, die Erde zum Leben zu erwecken und als Mitspieler zu gewinnen. Wie können darstellenden Künste in Verbindung mit bildender Kunst eine gemeinsame Kraft entwickeln, Inhalte vermitteln, Aufmerksamkeit in der breiten Öffentlichkeit schaffen und die Menschen für Themen die uns alle betreffen erreichen?
Entstanden sind:

  1. Eine Intervention am Brandenburger Tor, in der ein 5×5 m großer Abdruck eines Ackerbodens, ein Decrustat, von 48 Artist*innen und Tänzer*innen bewegt wurde: als fliegender Teppich, da wir an Boden verlieren, als roter Teppich, da Boden Grundlage des Lebens ist, um als meist übersehene Lebensgrundlage, gerade im urbanen Raum, Aufmerksamkeit zu erhalten.
  2. Das fiktive Auktionshaus Bodden & Los versteigerte Bodenstücke. Innerhalb der inszenierten Versteigerung konnten die vielen Facetten der Betrachtungen über den Boden einfließen. Mit Witz, Nervenkitzel, Skurrilität, Tiefsinn, Überraschung und hohem ästhetischen Wert wurde die sonst schwer zu vermittelnde Materie dem in Aktion tretenden Publikum nähergebracht. Martin Stiefermann sowie das Decrustate Kollektiv entwickelten ein Konzept, dass übertragbar ist, mit Böden und ihren spezifischen Themen, mit den Geschichten der jeweiligen Orte, als ortspezifische, kritische und witzige Inszenierung, Adaptierbar für die Böden dieser Welt und ganz speziell für den jeweiligen Boden vor Ort.
  3. Koffi Kôkô lehrt den animistischen Tanz Westafrikas, die Wiege für die Entwicklung von Tanz in der Kultur des Menschen. Im afrikanischen Tanz spielt die Bodenarbeit eine zentrale Rolle, er hat nicht nur eine tragende Rolle, sondern ist auch eine wichtige Energiequelle, ist Ausgangspunkt um mit Körperspannung und Bodenhaftung Energie in neue Bewegungen zu wandeln. Als Ergebnis dieser Zusammenarbeit entwickelte sich die Idee für eine Performance über die Bedeutung des Bodens.
Annelie Ketterer, Initialförderung, Fonds Darstelende Künste, den boden bereiten

Foto: Company

Innerhalb des Gesamt-Projektes entstanden viele neue Projektideen, Erkenntnisse, Partnerschaften und Anregungen für all jene, die Teil dieses Prozesses waren und die die Ergebnisse erleben durften.

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www.broellin.de
www.decrustate.net

 

Was (bisher) geschah:
Das Projekt TRY AS WE MAY TO MAKE A SILENCE WE CANNOT der Künstlerinnen Gabi dan Droste, Bogna Jaroslawski und Franziska Henschel, für das wir dankenswerterweise eine Initialförderung des Fonddaku bekommen haben, läßt sich grob in vier Phasen unterteilen:

Phase 1 In der wir die Bibliotheken leer gelesen haben: zu Wasser, zu Stille, zu Resonanz, zu Atomen und seltenen Sounds- in der wir zur Verknüpfung des Themas Stille- mit dem gewählten Medium Wasser bis nach Japan gereist sind um die führenden Wasser-Kommunikations-Forschenden zu treffen, Wasserproben ins Labor geschickt, ein stilles Wochenende im Wald verbracht- uns selbst mit Experimenten unterhalten, gefordert und gequält haben.

Phase 2 In der zahlreiche Interviews mit Künstler_innen und Kindern zu ihrer eigenen, höchst individuellen Wahrnehmung und Definition von Stille – in Stille- stattfanden.

Phase 3 Die aus der Vorbereitung und Durchführung der partizipative Forschungswoche über Stille (und) Wasser mit und für Kinder in den Räumen der noch nicht eröffneten Jugendkunstschule Frix in Berlin bestand. Innerhalb dieser befragten die Kinder z.B. eine gleichaltrige Gruppe von gehörlosen Schüler_innen zum Thema STILLE, sie waren gebeten, einige vorbereitete Experimente durchzuführen und sich eigene Aufbauten, Experimente, Erfahrungsräume auszudenken, die andere Kinder dann bei einem Try Out erleben – und erproben konnten.

Phase 4 ist die Reflexion darüber, was die gemachten Erfahrungen mit unseren Erwartungen zu tun haben und die Überlegung, ob sich eine theatrale Umsetzung des Themas- in Form einer Tanz/Theater- Produktion – anschließen sollte oder nicht, wobei die Frage im Raum steht, ob das Format der partizipativen künstlerischen Forschung dem Thema und der Zielgruppe- hörende und gehörlose Kinder- evtl. sogar angemessener ist als eine Inszenierung bzw. was das eine mit dem anderen zu tun haben sollte.

Ich lese den Antrag nochmal und damit die Gedanken des letzten Herbstes:„ Wir möchten Zeit haben, Anhaltspunkte für ein Format zu finden, das jenseits unserer bisherigen Erfahrungen, Gewohnheiten, wie Stückentwicklungen erarbeitet, geprobt, präsentiert werden, liegt.“
„Anhaltspunkte“ zu finden, wie das Thema Stille für hörende und nichthörende Kinder künstlerisch erforscht werden kann- nämlich, ganz kurz, MIT ihnen ! – kann als deutlich gelungen bezeichnet werden , die heimlich erhofften Quantensprünge in der Formatentwicklung jedoch, bräuchten noch viel viel mehr der Zeit.

Was haben wir gelernt ?

  • Ein Königreich für eine eingeengte Fragestellung !
  • Alles braucht seine Zeit, es hilft enorm, wenn deutlich mehr als genug (bzw. beantragte) Zeit zur Verfügung steht (optimalerweise bei allen Beteiligten gleichzeitig)
  • Das WIE und das WO hängen zusammen- genauso wie das WER und das WAS
  • Sinnvoll und Sinnlich sind Nachbar_innen

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Franziska Henschel
www.franzhenschel.com

 

Von August bis Dezember 2017 trafen sich die Tänzer David Brandstätter, Aline Landrau, Thiago Granato, Isabelle Schad, mit der Dramaturgin und Kuratorin Heike Albrecht und den Musikern Brendan Daugherty, Robyn Schulkowsky und Biliana Voutchkova zu gemeinsamen Sessions, die von Malgven Gerbes dokumentiert wurden. Es ging darum, Wege des Zusammenspielens zu ergründen, die über einen Dialog oder eine Interpretation der Impulse, die von dem jeweiligen Medium ausgehen, hinausgehen. Auf diesem Wege wurde eine medienübergreifende Rhythmusforschung möglich. Darüber hinaus war es möglich, dass sich alle Beteiligten in einem gemeinsamen Forschungsprojekt kennen lernten und sich auf die verschiedenen künstlerischen Ansätze einlassen konnten. Heike Albrecht und David Brandstätter luden in den letzten sechs Monaten ChoreografInnen und MusikerInnen zu gemeinsamen Sessions in das Oktogon der WABE ein, wo sie an neuen Wegen des Zusammenspiels von Klang und Körper forschten. Jede Begegnung entwarf einen neuen Frageraum bzw. referierte zu vorhergehenden Erfahrungen aller Beteiligten. Ein wiederkehrendes Analysieren entstand zu dem Zustand und der Aufmerksamkeit des “deep listening”. In einer bemerkenswerten Dynamik entstanden Scores, die in einer Spielführung übergingen. Hier wurden bestehende Muster und differenzierte Möglichkeiten in verschiedenen Variationen und Wandlungen besprochen, erprobt und reflektiert. Fazit: eine äußerst produktive Erfahrung im Austausch mit hoch professionell arbeitenden KünstlerInnen und ein Kennenlernen jenseits von projektbezogener Produktion. Eine Fortführung der Forschung ist geplant. Wir halten Kontakt mit allen Beteiligten und werden in unseren nächsten Projekten unter anderem mit Brendan Daugherty, Robyn Schulkowsky und Aline Landerau zusammenarbeiten.

shifts, Initialförderung, Fonds Darstellende Künste

Interview mit Thiago Granato

shifts, Initialförderung, Fonds Darstellende Künste

Interview mit Biliana Voutschkowa

shifts, Initialförderung, Fonds Darstellende Künste

Interview mit Robyn Schulkowsky

shifts, Initialförderung, Fonds Darstellende Künste

Interview mit Brendan Dougherty

KONTAKT shifts www.s-h-i-f-t-s.org

Konzeptionsvorhaben

Das Programm Konzeptionsvorhaben ist eines der drei stetigen Förderprogramme des Fonds Darstellende Künste. Anträge könner jährlich einmal zur Frist im November eingereicht werden. Hier finden Sie eine Auswahl der in diesem Programm realisierten Projekte.

Die “Globe Opera”-Performances sind “Opern für Zeitgenossen”, in denen die Verschlingungen zwischen Geografie, Geschichte(n), Globalisierung und Musik im Sinne eines “Theaters der Zeitgenossenschaft” erfahrbar wurden. Was in den “Globe Operas” entstand, ist eine ästhetische OPERation: doku-fiktionale Texte, installative Räume und Genre durchkreuzende Kreationen, die uns die begegnenden wuchernden Wirklichkeiten in die Realität hybrider Bühnenräume übersetzen. Im Rahmen der Konzeptionsförderung entstanden dabei von 2015 – 2017 drei zeitgenössische Opern:

2015 GLOBE OPERA 1: BURN OUT CITY / VOM KOMMENDEN WIDERSTAND In der ersten Globe Opera geht es am Beispiel der polnischen Stadt Nowa Huta und dem Ruhrgebiet um die Frage, welche Geschichten/Gesänge des Widerstands in den erschöpften Industrie-Stadtlandschaften Europas heute noch hörbar werden. Burn Out Songs? Oder Gesänge eines “Industriestadtfuturismus”? Welchen (Neu-)Aufbruch können sie intonieren in Regionen, denen der Niedergang nachgesagt wird? In der polnischen Geschichte spielt der Mythos vom Widerstand und der Revolte gegen eine trostlos scheinende, von äußeren Mächten besetzte Wirklichkeit bis heute eine große Rolle und hat sich nicht zuletzt in zahllosen Arbeiter-, Revolutions- und Widerstandsliedern seit der Romantik niedergeschlagen. Der Mythos des heroischen Widerstands in seiner traditionellen Form erscheint zunehmend als reaktionäre Angelegenheit der Alten, während die jungen Generationen in Polen nach zeitgemäßeren Bildern und Identifikationsfiguren suchen. In diesem Sinne wollten wir Widerstandsfiguren aufsuchen und erfinden, angry young men & women, die sich als zeitgenössische Umstürzler*innen eignen. Mit einem jungen deutsch-polnischen Team von Dramaturgen, Schauspielern, Sängern, Tänzern, Musikern und Videokünstlern machen wir uns in den zwei großen Arbeits- und Industrieregionen im Westen und Osten Europas auf die Suche nach den Gesten, Bildern, Geschichten, Geräuschen und Liedern, die den kommenden Widerstand intonieren.

Eine Produktion von kainkollektiv in Koproduktion mit dem Ringlokschuppen Ruhr und dem Teatr Łaźnia Nowa, Krakau. Gefördert durch das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW, die Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit, die Konzeptionsförderung des Fonds Darstellende Künste e.V.- aus Mitteln des Bundes, die Robert Bosch Stiftung und das Internationale Theaterinstitut im Programm ‚Szenenwechsel‘, das Goethe Institut Krakau und die Kunststiftung NRW.

2016 GLOBE OPERA 2: FIN DE MISSION | Mülheim a.d. Ruhr | 2017| Yaoundé Nach der ersten Kooperation mit dem kamerunischen OTHNI Theater in FIN DE MACHINE im Jahr 2013 sollte FIN DE MISSION eine in der Geschichte noch weiter zurückliegende Thematik, quasi die Vorgeschichte der Kolonialgeschichte auf musikalische Art behandeln: den Beginn und das Gedächtnis des transatlantischen Sklavenhandels. Dabei lassen wir in der Oper zahlreiche „Figuren“ auftreten und verhandeln die Frage was ein Mensch ist und wer die Kriterien zur Beantwortung dieser Frage eigentlich bestimmt, durch die langen Jahrhunderte der Sklaverei-Geschichte hindurch: von Noah, der seinen Sohn Cham verflucht – eine Episode, die wir in Europa kaum zur Kenntnis nehmen, die in Afrika aber jeder kennt, da sie seit der Entstehung des Alten Testaments immer wieder zur Legitimation der Sklaverei eingeladen hat – über den Sonnenkönig Louis XIV, der die (Tanz-)Akademie und den Code Noir gleichermaßen begründet hat, über die rassistischen Auslassungen von Victor Hugo bis Angela Merkel bis hin zu kamerunischen Königen, Geister- und Fabelwesen – etwa der Mami Wata, einer Sirene, die sich um die Toten auf dem Meeresgrund kümmert – erscheint ein Panoptikum von Figuren, die uns in die Untiefen dieser Geschichte mitnehmen. Durchkreuzt werden diese historischen Aufrisse durch das (auch in Videosequenzen) eingebrachte dokumentarische Material unserer Reisen und Recherchen, das immer wieder die Ebene der Gegenwart einzieht und die Frage nach dem „Erbe/Gedächtnis der Sklaverei. Dieser Frage sind wir, wie oben gesagt, vor allem in zwei ästhetischen Suchbewegungen nachgegangen: in einer musikalisch-tänzerischen Komposition/Choreografie und einer dokumentarisch-fiktionalen Text- und Bildproduktion. Diese wird von zwei klaren ästhetischen Setzungen getragen: Der Bühnenraum besteht im Kern aus zweihundert bunten kamerunischen Plastikstühlen (die gleichermaßen die Frage der abwesenden Toten wie der Transportproblematik in der globalisierten Welt berühren) und die Kostüme, die wir in Kamerun haben anfertigen lassen, bewegen sich zwischen der Tradition des europäischen Barock und der kamerunisch-kongolesischen Sapeur-Tradition. Diese Form von Kurzschlüssen zwischen den Traditionen ist das, was wir immer wieder zu exponieren versuchen, denn es spiegelt die Lage von unabsehbaren Verflechtungen, in denen wir uns bis heute befinden und die unser Erbe seither bestimmt – ob wir es wahrhaben wollen oder nicht.

Dorothea Marcus hat in ihrer Nachtkritik resümiert: „Als Geschichtsforschung aus doppelter Perspektive entfaltet dieser Abend nachhaltige Wirkung.“ Wir hoffen darauf, noch eine Reihe weiterer Vorstellungen zeigen zu können – in Kamerun und Deutschland – um dieser Wirkung noch mehr Raum geben zu können.

Gefördert von: Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, Kunststiftung NRW, Konzeptionsförderung des Fonds Darstellende Künste e.V. aus Mitteln des Bundes, Goethe Institut, Regionalverband Ruhr im Programm Interkultur Ruhr, Ministerium für Kunst und Kultur Kamerun. Eine Produktion von kainkollektiv und OTHNI – Laboratoire de Théâtre de Yaoundé in Koproduktion mit Kampnagel, Ringlokschuppen Mülheim/Ruhr, FFT Düsseldorf und Doual’Art Douala.

2017 GLOBE OPERA 3: HAGAR | Bochum In der Oper HAGAR” haben kainkollektiv mit christlichen, jüdischen und muslimischen Chören in migrantischen Milieus der Städte NRWs eine kosmische Landschaft der Heimatlosen zwischen Gesang, Gebet und Globalisierung entworfen. HAGAR bedeutet übersetzt “die Fremde”. Es handelt sich um eine im Westen wenig bekannte Figur Hagar, die als Neben-Frau Abrahams beschrieben wird und mit deren Hilfe Abraham und seine Frau Sara ihre Kinderlosigkeit beenden wollen. Hagar gebiert Abraham einen Sohn, Ismael. Doch als Sara Jahre später selbst schwanger wird und Isaak zur Welt bringt, verstößt Abraham Hagar und Ismael. Diese flüchten in die Wüste und werden dort vor dem Verdursten durch den Erzengel Gabriel gerettet. Dieser Gang durch die Wüste ist bis heute eine der wichtigen Elemente der Pilgerreise Haddsch. Mit der Unterstützung des protestantischen ECC-Choir Bochum, des Montagschors aus Essen-Werden, des Bochumer Kinderchors, des Chors BAT KOL DAVID (Chor des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Westfalen) sowie des Sängers Issam Bayan macht kainkollektiv sowohl die Familie-Geschichten um Hagars Figur als auch deren unterschiedliche religiöse Rituale und Gesänge hörbar. In sehr intensiven Proben haben wir mit der Sperrigkeit und der symbolischen Bedeutung des alten Textes in verschiedenen Fassungen und Übersetzungen gerungen. Was dabei entstanden ist, sind persönliche, zeitgenössische Übermalungen der HAGAR-Geschichte entlang von Familienthemen, Leihmutterschaft, Glaube und Politik in verschiedenen Ländern unserer globalisierten Gegenwart. Eine der Besonderheiten des Projekts war die Zusammenarbeit mit den verschiedenen religiösen Gemeinden aus Bochum und der Region. Die Suche nach passenden Komplizen für dieses Projekt hat fast ein Jahr früher angefangen, motiviert durch die Überlegung, dass nur ein aktiver Austausch mit den drei großen Weltreligionen, die in Hagars Figur ein verbindendes Element finden, ein tieferes inhaltliches Verständnis für das Thema generieren kann.

Wenn am Ende der Inszenierung über 80 Personen verschiedener Konfessionen, Altersstufen und sozialer wie kultureller Herkunft gemeinsam auf der Bühne der Bochumer Kammerspiele stehen – alle zugleich vereint und getrennt die Bühne bevölkern – dann ist dieses unerlöste Familien-Tableau eine Realisierung unserer Absicht, das sich selbst fremd gehen der globalen Weltfamilie zu verhandeln. Damit ist es uns, so finden wir, gelungen, ein berührendes Tableau unserer heterogenen und vielstimmigen Gegenwart zu erzeugen, die nicht zur Ruhe kommen wird, wenn sie nicht den Anspruch fallen lässt, mit sich eins sein zu wollen.

Eine Koproduktion von kainkollektiv mit Schauspielhaus Bochum und Ringlokschuppen Ruhr. Gefördert durch die Konzeptionsförderung des Fonds Darstellende Künste e.V. – aus Mitteln des Bundes und das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen durch die LAG Soziokultureller Zentren NW e.V. sowie durch die Spitzenförderung Theater.

KONTAKT kainkollektiv info@kainkollektiv.de www.kainkollektiv.de

Über Projektemacherei – ein Vorhaben der geheimagentur frei nach Daniel Defoe. Die geheimagentur erarbeitete eine Projektreihe über das Projektemachen. Sie entwickelt und realisiert seit Jahren partizipative und kollektive Projekte. Mit den Konzeptionsvorhaben 2014-2017 wollte die geheimagentur nicht nur – wie bisher – die Durchführung einzelner Projekte, sondern bereits die Phase der Projektentwicklung ins Kollektive, Partizipatorische und Öffentliche wenden.
Die geheimagentur erarbeitete dafür eine Lecture Performance zur Projektemacherei in historischer und aktueller Hinsicht. In der zweiten Stufe errichtete sie eine performative Installation – ein Framework, um mit einer breiteren Öffentlichkeit zusammen ein Projekt zu formulieren. Im dritten Schritt sollte dieses Projekt kollektiv und partizipatorisch durchgeführt werden. In einem so weiten wie präzisen Sinne handelte es sich um eine Inszenierung des Defoe’schen Textes und das Re-Enactment nie realisierter Unternehmungen.

2014 ESSAY UPON PROJECTS: EINE KLASSIKERINSZENIERUNG
Elf Jahre Projektemacherei, elf Jahre in halbverlassenen Fussgängerzonen, elf Jahre schlecht bezahlt, elf Jahre zu wenig Schlaf. Da hilft nur noch die Klassiker-Inszenierung. 1697 schreibt Daniel Defoe auf der Flucht vor seinen Gläubigern – er hatte sich mit Zibetkatzen und Taucherglocken verspekuliert – den Essay upon Projects. Er entwirft die moderne Genossenschaft, das Bankwesen, die Versicherung und das Wettbüro. Sie erscheinen wie Luftschlösser, wie Pläne für soziale Skulpturen, Verschaltungen der Vielen. Hochtrabend, besserwisserisch, hochstaplerisch, wie die Pläne eines Verliebten. Verliebt in die Wirklichkeit und verliebt in die Möglichkeit, rasend verliebt, und dabei immer schon bankrott. All diese Luftschlösser sind Wirklichkeit geworden. Nach Defoe, ohne Defoe, nicht einmal auf der Basis seiner Entwürfe. Von anderen realisiert. Genau so soll unsere Arbeit sein. Genau so. Und kein bisschen anders. Dreihundertsiebzehn Jahre Projektemacherei. geheimagentur inszeniert Defoe.

Gefördert von der Kulturbehörde Hamburg und dem Fonds Darstellende Künste.

2015 EIN KREUZFAHRTTERMINAL | HAMBURG
Im Juni 2015 eröffnete der Senat feierlich das dritte Kreuzfahrtterminal in Hamburg. Politik und Industrie freuten sich. Überlegungen, wie anders zu handeln wäre, auf den Meeren der Welt, verbanden sich damit nicht. Immer mehr Reisende sind auf immer größeren Schiffen unterwegs, die die Realitäten des Meeres in Wellness- und Konsumlandschaften vergessen lassen. Wie können wir diese Logik der Kreuzfahrt durchkreuzen? Wie können wir in der Hafenstadt Hamburg unser Right-to-the-Sea in Anspruch nehmen?
Auf dem Gelände der alten Oelkerswerft eröffnete die geheimagentur vom 14. bis zum 23. August 2015 ihr eigenes alternatives Kreuzfahrtterminal: noch ohne Schiff, aber mit dem Ziel, gemeinsam Visionen zu entwickeln und auszuprobieren: für eine anderen Kreuzfahrt und einen anderen Hafen.
Wir haben damit einen temporären Ort geschaffen, an dem wir über die Beziehung zwischen unserer Stadt und unserem Hafen nachdenken und Visionen einer neuen Reisekultur entwickeln konnten, die die Logik der Kreuzfahrt durchkreuzt. Dort haben wir auch das Floß Hydra gebaut, um damit die Wünsche und Forderungen, die im alternativen Kreuzfahrtterminal entwickelt wurden, zum Rathaus zu bringen.
Von den Landungsbrücken sieht der Hafen wie eine Kulisse aus, und so wird er auch bespielt – mit blauem Licht und Cruise Days und Musicaltheatern. Der eigentliche Hafen liegt dahinter, und in diesem Gebiet gelten besondere Regeln: Alles, was dort geschieht, untersteht dem Reglement der Hamburg Port Authority, der HPA, einer Anstalt öffentlichen Rechts, die kaum einer demokratischen Kontrolle unterliegt. Immer wieder hören wir, dass der Hafen das wirtschaftliche Herz Hamburgs ist. Mit diesem Argument werden große Summen öffentlicher Mittel in den Hafen gepumpt, zum Beispiel 1,2 Milliarden Euro, um die HAPAG Lloyd in Hamburg zu halten, oder 65 Millionen Euro für ein drittes Kreuzfahrtterminal. Dennoch sind zivile Akteure, Bürgerinnen und Bürger, im Hafen eher nicht gewünscht. Denn wo es keine zivilen Akteure gibt, da gibt es auch keinen Bürgerwillen und wo es keinen Bürgerwillen.
Wir fordern eine radikale Demokratisierung der Hamburg Port Authority. Nicht die Industrie, sondern die Hamburger*innen sollen entscheiden, was im Hafen geschieht. Zu unserem Recht auf Stadt gehört auch das Recht auf den Hafen!
Wir wollen in einem solchen Hafen eine neue Art von Seefahrt entwickeln, eine interventionistische Seefahrt, wie sie uns die Aktivist*innen der Seawatch vorgemacht haben, die ein Fischerboot ausgerüstet haben, um Flüchtlinge im Mittelmeer zu retten. Wir wollen eine vernünftige Kontrolle der Kreuzfahrtindustrie, gute Arbeitsbedingungen für die Seeleute und eine konsequente Reglementierung des Schadstoffausstoßes der Schiffe. Wir wollen Freiräume und öffentliche Mittel für Projekte und Initiativen von Bürger*innen im Hafen, wie beispielsweise den Kulturkanal Wilhelmsburg. Wir wollen Platz und Spielraum für günstiges Leben auf dem Wasser. Wir wollen eine Seefahrt, mit der wir, die transnationale Zivilgesellschaft, uns einmischen können auf den Meeren der Welt. Für ein anderes Reisen, einen anderen Handel und ein anderes Handeln vom Meer her.

Gefördert durch die Kulturbehörde Hamburg und den Fonds Darstellende Künste e.V. (im Rahmen der 3-jährigen Konzeptionsförderung aus Mitteln des Bundes).

2017 PORTS – VOM RECHT AUF MEER | HAMBURG
„PORTS – Vom Recht auf Meer“ führt die Auseinandersetzung der geheimagentur mit dem Hamburger Hafen, der Seefahrt und den Möglichkeiten eines Denkens und Handelns vom Meer aus weiter, die schon 2014 mit „Essay upon Projects“ angerissen und mit „Ein Kreuzfahrtterminal“ 2015 vertieft wurde. Während bei „Ein Kreuzfahrtterminal“ noch die gemeinsame Intervention vor Ort im Hafen im Zentrum stand, ging es bei PORTS um eine internationale Perspektive auf das Thema: Vier Teams der geheimagentur gingen im Sommer 2016 auf Reise in Hafenstädte – Lagos, Venedig, Hong Kong und New York – um dort alternative Praktiken der Hafennutzung zu erforschen. In Lagos und Hamburg wurde der von Geflüchteten organisierte Seehandel zwischen diesen beiden Orten in den Blick genommen, in Venedig trafen wir Akteure des zivilgesellschaftlichen Widerstands gegen die Kreuzfahrtindustrie, in New York nahm die geheimagentur am „Battle of Mau Mau Island“, einer jährlichen Regatta der radical seafarers, teil, und in Hongkong entdeckten wir schwimmende Spielcasinos im südchinesischen Meer. Als Rahmen für diese unterschiedlichen Themen, Inhalte und Materialien gründete die geheimagentur die Hamburg Port Hydrarchy (HPH), auch mit dem Ziel, die Erkenntnisse und Erfahrungen für den Hamburger Hafen nutzbar zu machen.
Die HPH unterteilt sich für PORTS in vier Departments – Cruiseology, Paralogistics, Sky Luck und Radical Seafaring – und darin drückt sich auch eine für uns andere Struktur kollektiven Arbeitens aus. Die Departments erarbeiteten ausgehend von den Recherchereisen weitgehend autonom Performances für PORTS, wobei die einzelnen Ideen immer wieder ins Kollektiv zurückgetragen und dort diskutiert wurden. Auf diese Weise kann eine breit angelegte und formal abwechslungsreiche Bearbeitung des Themas erreicht werden.

Gleichzeitig entwickelt das Kollektiv einen gemeinsamen Rahmen und Abschluss für die unterschiedlichen Ansätze – die Struktur des Abends spiegelt so die Arbeitsweise wieder: Aufführungsort war die MS Stubnitz, und nach einer gemeinsamen Begrüßung durch die HPH an Deck konnte sich das Publikum frei über das Schiff bewegen und an vier Stationen in jeweils 20-minütigen Performances von der Arbeit der Departments erfahren.
Zum Abschluss lud die HPH zur Hauptversammlung, um die stadtpolitische Entwicklung der konkreten Umgebung der MS Stubnitz (Baakenhöft/Baakenhafen) in den Blick zu nehmen, und mit der Vision eines Free Port Baakenhöft auch die Möglichkeiten einer Fortsetzung und konkreten Anwendung der Erfahrungen aus PORTS in weiteren hafenprojekten zu skizzieren.

In Kooperation mit Kampnagel und der MS Stubnitz.
Gefördert von der Kulturbehörde Hamburg und Fonds Darstellende Künste e.V.

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geheimagentur

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‚Die Institution‘ – ‚Das Publikum‘ – ‚Das Theater‘ ist eine Folge interdisziplinärer Arbeiten, die Theater als Modell von Gesellschaft und öffentlicher Teilhabe künstlerisch erforscht und erprobt hat. Wir realisierten (‚Die Institution‘) und erinnerten (‚Das Publikum‘) eine fiktive Institution und begaben uns mit ihr schließlich in kommunale Einrichtungen außerhalb der großen Theaterzentren in den ländlichen Raum (‚Das Theater‘). Als Akteure von (Kultur-)Institutionen wurden die Zuschauer*innen selbst in den Fokus gerückt und mögliche Begegnungsformen zwischen ihnen in jeweils drei unterschiedlichen Kontexten inszeniert. Das Versprechen eines anderen gesellschaftlichen Zusammenhangs, das Modell einer Institution, die integriert, was ausgeschlossen war und doch vorübergehend bleiben muss, um nicht selbst wieder autoritär zu werden, die performativ niemals abgeschlossene Begegnung von Individuen und Gruppen sowie das Zeichnen nur möglicher Gemeinschaftsformen standen im Zentrum der Gesamtkonzeption. Entwickelt wurden begehbare Raumpartituren aus Ton-, Bild-, Licht- und Textfragmenten. Zuschauer*innen bewegten sich durch sie wie durch eine zweite Welt; belebt durch künstlerische Interventionen, Gesprächsformate und akustisch evozierte Szenerien; minutiös rhythmisiert und dennoch offen für prozesshafte Eingriffe während der teilweise mehrere Tage dauernden Inszenierungen. Theaterräume wurden ebenso zum Ort dieser Begegnungen wie Zwischennutzungen in urbanen und ländlichen Kontexten. Die künstlerische Arbeit von Herbordt/Mohren sollte, in wachsendem Netz (inter-)nationaler Kooperationen, einem breitem Publikum vermittelt, singuläre Projektarbeit in den Rahmen fiktiver Institutionalisierung gestellt, dieser Topos auch inhaltlich verhandelt und die Inszenierungen zum kulturpolitischen Experiment werden. Mit Unterstützung der Konzeptionsförderung des Fonds entstanden somit die Arbeiten „Die Institution“, „Das Publikum“ und „Das Theater“.

2014 DIE INSTIUTION | Stuttgart-Süd ‚Die Institution‘ ist nur für kurze Zeit in der Stadt. ‚Die Institution‘ ist zu dieser Zeit täglich geöffnet. ‚Die Institution‘ heißt willkommen. ‚Die Institution‘ inszenierte als Durational Performance für elf Tage eine Institution. Sie war Zuhause, öffentliches Labor und Theater. Während täglicher Öffnungszeiten konnten sich Besucherinnen und Besucher in individuellen Theatervorstellungen durch die wachsende Installation leiten lassen, sich in alltäglichen Feiern lokaler wie globaler Nachbarschaften wiederfinden, im Archiv Spuren der fiktiven Institution folgen oder sich selbst in deren temporäre Geschichte einschreiben. Das Versprechen eines anderen gesellschaftlichen Zusammenhangs, das Modell einer Institution, die integriert, was ausgeschlossen war und doch vorübergehend bleiben muss, um nicht selbst wieder autoritär zu werden, stand im Zentrum dieser inszenierten Institution.

‚Die Institution‘ ist eine Produktion von Herbordt/Mohren, gefördert durch den Landesverband Freier Theater Baden-Württemberg e. V. aus Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, den Fonds Darstellende Künste e. V. – Dreijährige Konzeptionsförderung aus Mitteln des Bundes, die Landeshauptstadt Stuttgart, die Stiftungen Landesbank Baden-Württemberg und in Kooperation mit der Akademie Schloss Solitude Stuttgart.

2015 DAS PUBLIKUM | Stuttgart Die Performance ‚Das Publikum‘ brachte Initiativen und Vereine zusammen, die Alternativen zu den Angeboten der staatlichen und kommunalen Einrichtungen eröffneten. Auf der Bühne agierten sie nebeneinander, jeweils ihrer eigenen Zielsetzung folgend, und wurden gemeinsam zum Modell einer anderen Stadt mitten in der Stadt: ‚Das Publikum‘ untersuchte, wie Öffentlichkeiten und Gegenöffentlichkeiten hergestellt werden und wie diese miteinander verflochten sind. In der Black Box des Theaters wurden damit informelle Diskussions-, Tausch- und Arbeitsprozesse in Gang gesetzt. Und das Publikum war eingeladen, sich in dieses dynamische Stadt-Modell zu begeben, um seine Rhythmen und Routinen zu verfolgen, an ihnen teilzuhaben oder sie aus einiger Entfernung zu beobachten. So wurde das alltägliche Hinterfragen und Handeln, Musizieren und Reparieren, Erinnern und Berichten, das in dieser Stadt passiert, nach und nach sichtbar. Unter anderem brachte das Team des Repair Café Stuttgart Kaputtes wieder zum Funktionieren, wurden im Debattierclub Uni Stuttgart Pro- und Contra-Argumente zu aktuellen Themen sportlich durchgespielt, sendete das Freie Radio für Stuttgart live aus dem Theatersaal.

Eine Produktion von Herbordt/Mohren in Kooperation mit dem Theater Rampe Stuttgart, gefördert durch den Fonds Darstellende Künste e. V. – Dreijährige Konzeptionsförderung aus Mitteln des Bundes, den Landesverband Freier Theater Baden-Württemberg e.V. aus Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg und die Landeshauptstadt Stuttgart. Mit freundlicher Unterstützung durch die Akademie Schloss Solitude Stuttgart.

2016 DAS THEATER | Stuttgart Was wäre, wenn ein ganzes Dorf inszeniert würde? Seit Oktober 2015 laden Herbordt/Mohren an jedem zweiten zu performativen Landpartien nach Michelbach an der Lücke. ‚Das Theater‘ nimmt die Zuschauer_innen mit auf einen Parcours aus Theater-Installationen. Bespielt werden leer stehende Räume um den zentralen Dorfplatz – als Archiv, Gästehaus, Kino, Museum und Theater. Das Publikum ist eingeladen auf einen Ausflug zwischen Bühne und Alltag, zwischen Bürgerinitiative und Kunst.

Eine Produktion von Herbordt/Mohren in Kooperation mit dem Theater Rampe Stuttgart und der Gemeinde Wallhausen, gefördert aus Mitteln des Innovationsfonds Kunst des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg und durch den Fonds Darstellende Künste e. V. – Dreijährige Konzeptionsförderung aus Mitteln des Bundes.

KONTAKT Berbordt/Mohren www.die-institution.org

Sonderprogramm HOMEBASE

HOMEBASE – Theater für die kommende Gesellschaft ist eines der ehemaligen Sonderprogramme des Fonds Darstellende Künste. Mit zwei förderfristen in 2016 und 2017 war es das Ziel des Programms, die Kreation neuer, identitätsstiftender Narrative für die kommende Gesellschaft mit den Mitteln des Theaters zu unterstützen. Der Begriff HOMEBASE steht dabei zum einen im Wortsinn für den Ausgangspunkt einer Suchbewegung, zum anderen als Platzhalter für zeitgemäße, im Wandel begriffene Formen und Praktiken von Heimat. Hier finden Sie eine Auswahl von Erfahrungsberichten der in diesem Programm entstandenen Arbeiten.

Zur Vorbereitung eines Theaterprojektes über Russlanddeutsche unternahmen der Regisseur Jens-Erwin Siemssen und die Schauspielerin Margarita Wiesner vom 25. Juli bis 6. August 2017 eine Recherchereise nach Kasachstan. Die Reise sollte dazu dienen, Zeitzeugen der deutschen Minderheit zu interviewen und Kontakte zu Kulturinstitutionen zu knüpfen, um das Dokumentartheaterprojekt mit einem Partner aus Kasachstan zu entwickeln und im Jahre 2018 dort auch aufzuführen.
Schon von Deutschland aus konnte ein Kontakt mit der Zentrale und den Niederlassungen des Deutschen Vereines „Wiedergeburt“ geknüpft werden. So fand das erste Interview bereits am Tag nach der Ankunft bei der „Wiedergeburt“ in Astana statt. Von Astana aus ging die Reise in die Landeshauptstadt nach Almaty. Auch hier fand das Projekt große Unterstützung beim lokalen Verein Wiedergeburt, der hier seine Zentrale hat. Der Verein bot an, dass die für Herbst 2018 geplante Vorstellung in den eigenen Räumen stattfinden kann. In Almaty konnten durch die Vermittlung von „Wiedergeburt“ fünf Interviews geführt werden. Es fand auch ein Gespräch mit dem Deutschen Theater statt. Dabei wurde verabredet, dass dort zum Beginn des Jahres 2018 ein Casting für russisch-deutsche Schauspieler*innen stattfindet, die in beiden Kulturen zuhause sind und zur Produktion nach Deutschland kommen.

HOMEBASE, Fonds Darstellende Künste, Das letzte Kleinod

Foto: Jens-Erwin Siemssen

Die Rückreise nach Astana fand mit der Eisenbahn statt. Hier entstand auch die Idee, die Vorstellung in Kasachstan in fahrenden Reisezügen oder abgestellten Güterwaggons zu spielen. In den Interviews mit den Zeitzeugen war immer wieder die Rede von endlosen Eisenbahnreisen durch die Steppe Kasachstans. Sei es bei der Deportation zu Stalins Zeiten, bei späteren Besuchen der durch die Umsiedlungen weit verstreut lebenden Familien oder bei der Ausreise nach Deutschland. Erste Kontakte wurden bereits mit der kasachischen Bahngesellschaft gelegt, Anfang des Jahres ist ein Treffen in Astana geplant. In Astana fand auch ein Gespräch mit der Kulturabteilung der Deutschen Botschaft statt, wo das Projekt sehr begrüßt wurde.
Aus den Geschichten entstand das zweisprachige Skript der Theatervorstellung „Gesalzene Wassermelonen“, das im Mai 2018 auf dem Lessing-Festival in Wolfenbüttel in Premiere hatte und anschließend mit dem theatereigenen Ozeanblauen Zug durch Niedersachsen tourte und im Herbst in Eisenbahnwaggons in Kasachstan aufgeführt wurde.

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Das letzte Kleinod
siemssen@das-letzte-kleinod.de
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Im Mai 2017 begab sich die Gruppe »trunkene Zeiten« auf eine Forschungsreise durch die Ukraine. Unser Projekt „die Straße der erfundenen Traditionen“ befasst sich mit den aktuellen gesellschaftlichen Dynamiken in der Ukraine. Als Prisma für die szenische Aufarbeitung aktueller Realitätsausschnitte dient uns die Novelle „Taras Bulba“ von Nikolai Gogol aus dem Jahr 1835.
Wir besichtigten 4 Städte in 10 Tagen und verbrachten in dieser Zeit mehr als 48 Stunden in Zügen und Reisebussen, was stets zu interessanten Begegnungen, Bekanntschaften und Einblicken in ukrainische Lebensrealitäten führte. Gerade auch mit unseren russischen Ensemble-Mitgliedern kam es hierbei zu produktiven Auseinandersetzungen. Nur einmal kam es vor, dass wir eine Diskussion abbrechen mussten, weil die Emotionen sich überschlugen.
Am 5.5. fuhren wir zunächst nach Lemberg (Lwiw, Lwow). Hier verschafften wir uns einen authentischen Eindruck der westukrainischen Kultur, die sehr von nationaler Symbolik geprägt ist. Wir nahmen an den Feierlichkeiten zum Gründungstag der Stadt am 7.5. und zum ukrainischen Nationalfeiertag am 8.5. teil.
Am Morgen des 9.5. erreichten wir das ehemalige Dnepropetrowsk, das nach der „Dekommunisierung“ nur noch Nipro heißt. Die Stadt in der Zentralukraine ist russisch geprägt und der russische „Tag des Sieges“ wurde hier am 9.5. ausgiebig gefeiert. (anders als in der Westukraine) An diesem Tag kam es in Nipro und anderen Städte zu gewaltsamen Ausschreitungen.
In Nipro interviewten wir zahlreiche Passanten zu Fragen um den Feiertag und die allgemeine Situation des Landes.
Am 10.5. fuhren wir nach Zaporizhia. Hier besichtigten wir das „Sjetsch“, der angebliche historische Ort der Kosakenburg aus dem 16. Jh, an dem auch die Erzählung „Taras Bulba“ spielt. Im Nachbau der Kosakenburg drehten wir Videoaufnahmen, anschließend besuchten wir ein Hostel für Soldaten der ukrainischen Armee und interviewten freiwillige Helfer, die Transporte von medizinischen Gütern in die umkämpften Gebiete fahren. Wir schlugen die Einladungen aus, die östlichen Oblaste oder ein Soldatenkrankenhaus zu besuchen, da dies in unserem Konzept nicht vorgesehen war, weil wir glauben, dass eine zu direkte emotionale Verstrickung einer kritischen Reflexion der Verhältnisse entgegen steht.
Nachts fuhren wir nach Kiew, wo wir für drei Tage einen Workshop zu inhaltlichen Fragen und szenischer Arbeit abhielten. Am Abend des 13.5. feierten wir den Abschluss des Vorbereitungstreffens vor der Leinwand der Liveübertragung der Endausscheidung des Eurovision Songcontest auf dem Kiewer Maidan.
Nach unserer Reise verfügen wir über eine umfangreiche Sammlung an dokumentierten Realitätsausschnitten.
Durch das Vorbereitungstreffen hat sich die Gruppe als Ensemble zusammen gefunden.
Bei ersten szenischen Lesungen und Improvisationen im Postplay Theatre Kiew hat sich gezeigt, dass die Besetzungskonstellation und die Kommunikation in der Gruppe sehr gut funktionieren.
Das Vorbereitungstreffen hat uns in unserem gemeinsamen Glauben an die konzeptuelle Stärke und gesellschaftliche Relevanz unseres Projektes klar bestärkt. Wir freuen uns jetzt auf die gemeinsame Umsetzung der „Straße der erfundenen Traditionen“.

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Philip Baumgart
www.philip-baumgarten.net

 

Unter dem Motto „Let‘s oscillate“ haben wir (Laura Pateau, Julia Wissert, Veronika Gerhardt) uns im Projekt „Transmission from up and coming transients” ein Recherchefeld gegeben. Sowohl die Projektleiterinnen als auch die Teilnehmer*inne, die sich auf einen Open Call der akademie der autodidakten am Ballhaus Naunynstraße gemeldet hatten, suchten die Enge der Identitätskonstruktionen Mann/Frau, Mensch/Artefakt, Schwarz/Weiß, künstlerisch zu überschreiten und die Grenzen der Fremdzuschreibung zu unterlaufen: eigene Erfahrungen, Literatur und Theorie – alles, was den Teilnehmer*innen Impulse geben konnte, wurde herangezogen. Nach einer Kennlern- und inhaltlichen Recherchephase, entwickelten wir gemeinsam eine Life-Hörspiel-Soundinstallation, die als Try-Out und erste künstlerische Skizze am 31. Mai 2017 zur Aufführung kam.

Hinweis: Zeit! Für ein solches Anbahnungs- und Rechercheprojekt sollte man kurzer Hand alle angedachten Zeiten verdoppeln, schließlich geht es ja gerade um Recherche, Ausprobieren, Korrigieren – zumindest war das unsere Erfahrung. Die Möglichkeit zu haben, einen anfangs geplanten Zugang zu Beteiligten, Arten der Ausschreibung noch einmal überarbeiten zu können, ist ebenso wichtig, wie auf die Zeitplanung von Expert*innen des Alltags, Prioritätsverschiebungen, Gruppendynamiken, sprachliche Herausforderungen reagieren zu können, ist unablässig. In solchen neuen Konstellationen der Zusammenarbeit unter Druck zu geraten, weil ein Zwischenstands- oder Ergebnisshowing zu einem bestimmten, u.U. zu frühen Zeitpunkt zugesagt wurde, hilft einem solchen Projekt nicht.
Offenheit! Ein Anbahnungs- und Rechercheprojekt lebt von dem, was die Beteiligten an Erfahrungen, Interessen, Möglichkeiten mitbringen. Die Offenheit, diese neuen Impulse aufzunehmen und zuzulassen, dass das Projekt u.U. eine unerwartete Richtung einnimmt, gehört nach unserer Erfahrung mit dazu.

Die Erfahrungen und Ergebnisse gehen in die Vorbereitung von „Intercultural processes and art | next level“, einer Workshop-Woche für Künstler*innen zur Selbstverortung in den postmigrantischen Künsten sowie zur Entwicklung neuer ästhetischer und inhaltlicher Ansätze für das postmigrantische Theater.

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Kultursprünge e.V.
www.kulturspruenge.net

 

Meine Reisen nach Tokyo, Athens/Ohio, New York City und Beijing im September 2017 zählen zu den intensivsten und vielseitigsten Erfahrungen meiner beruflichen Laufbahn. Insbesondere während meines Aufenthalts in den USA konnte ich wertvolle Kontakte innerhalb der dortigen Theaterpraxis und –Wissenschaft knüpfen, die sich als nachhaltig erweisen. Meine Aufenthalte in Japan und China gaben mir insbesondere Einblick in das dortige Ausbildungs- und Fördersystem, das sich stark von der Theaterpraxis in Deutschland unterscheidet.
Basis meines Besuchs in Athens war mein Kontakt zu Matthew Cornish, der sich in seiner Forschung auf die Freie Theaterszene in Deutschland spezialisiert hat, und mit dem ich schon seit Jahren im Austausch über unsere Arbeit stehe. Am Theatre Department der Ohio University hatte ich Gelegenheit, über zehn Tage mit Lehrenden und Studierenden des Drama Department zusammenzuarbeiten, u.a. in den Bereichen Devised Theatre, Playwriting und Theatre History. Auffällig war eine starke Ausrichtung zum klassischen Sprechtheater in der Ausbildung, zugleich aber ein großes Interesse an anderen Theaterformen, die systembedingt in den USA nur eine marginale Rolle spielen. In einem Vortrag und zwei Werkstatt-Seminaren konnte ich Einblick in meine Theaterarbeit geben. Seitens der Universität wurde der Wunsch nach einer Intensivierung der Zusammenarbeit mit meiner Gruppe formuliert und perspektivisch eine Koproduktion vereinbart.
Es folgte ein zweitägiger Austausch an der City University of New York, vermittelt durch Cory Tamler, mit einem Workshop und einer Abendveranstaltung am dortigen Graduate Center. Besonders wurde in diesem Zusammenhang auf Möglichkeiten und Grenzen der transatlantischen Zusammenarbeit eingegangen. Viele Theaterschaffende im Bereich des Devised Theatre produzieren und finanzieren ihre Arbeiten in Europa und haben Schwierigkeiten, sich in einem völlig anders ausgerichteten US-amerikanischen Markt zu behaupten. Koproduktionen und Gastspiele mit Freien Gruppen aus Deutschland sind allenfalls punktuell. Ein regelmäßiger wechselseitiger Austausch existiert bislang nicht. Dieser Umstand wurde durchaus bemängelt. Aus einem Treffen mit Richard Schechner ergab sich der Auftrag für einen Artikel in seiner Zeitschrift The Drama Review. In einem Gespräch mit Georg Blochmann vom Goethe Institut New York wurden erste Überlegungen für eine deutsch-amerikanische Koproduktion formuliert. Die Zusammenarbeit mit Studierenden beider Universitäten hat sich für mich als sehr ergiebig erwiesen. Meine Veranstaltungen waren gut besucht und sind auf breites Interesse gestoßen.
In Tokyo und Beijing haben Spachbarrieren die Kommunikation zunächst verkompliziert. In Japan konnte ich glücklicherweise auf die Unterstützung einer Dolmetscherin zurückgreifen, die mir während meines Aufenthaltes zur Verfügung stand. Nach meinem Vortrag am Goethe Institut Tokyo im Rahmen der Reihe „Theater anders denken“ wurde ich mit der Theatermacherin Rina Tanaka bekannt, mit der ich seitdem in regelmäßigem Austausch stehe. In Beijing habe ich über Professorin Yinan Li Einblick in das dortige Ausbildungssystem an der Central Academy of Drama erhalten und konnte die Entstehung einer ihrer Arbeiten verfolgen. Ich wurde eingeladen, vor Studierenden einen Vortrag zu halten. Der weitaus intensivere und interessantere Kontakt ergab sich aber in der Theaterpraxis im Rahmen der Entwicklung der Doku-Performance „Black Temple“. Frau Li hat sich mit postdramatischen Ansätzen in Europa beschäftigt und mehrere Werke deutscher Theatermacherinnen und Wissenschaftlerinnen ins Chinesische übertragen. In ihrer Auseinandersetzung mit sozio-politischen Fragestellungen sehen sich Theatermacherinnen in China starkem Druck durch die Zensur ausgesetzt. Dennoch existiert ein lebendiger Austausch mit Europa, der jenseits des Mainstream vor allem auf informellen Kontakten beruht. In den trickreichen Umgang mit den Behörden und etablierten kulturellen Institutionen konnte ich während meines kurzen Aufenthalts nur einen unzureichenden Einblick erhalten. Insofern freue mich mich besonders über die neuen Kontakte, insbesondere zu Yinan Li und dem Theatermusiker Yuan Ye, mit dem ich in meiner Produktion „This Machine Kills“ im Sommer 2018 zusammenarbeiten werde.

Ich danke dem Fonds Darstellende Künste für diese Möglichkeit einer ergebnisoffenen Recherche, die sich bereits jetzt als ergiebig für meine Arbeit erweist. Ich halte die Förderung künstlerischer Forschung in einer zeitgenössischen, transnationalen Theaterpraxis für unverzichtbar. Dieser Aspekt künstlerischer Arbeit kann von der regulären Projektförderung nicht hinreichend abgedeckt werden. Insoweit hoffe ich, dass diese und vergleichbare Initiativen erhalten bleiben und noch weiter ausgebaut werden können.

Eine Frage des Glaubens“ war eine Spurensuche im Satdtraum Leipzigs zu Spiritualität, Glauben und Religion im Umfeld der Eisenbahnstraße – einer multikulturellen Straße in einer der religionsärmsten Gegenden der Welt. In Sachsen sind ca. 70% der Bevölkerung konfessionslos. Vorurteile richten sich hier insbesondere gegen religiös sichtbare oder sich klar zu ihrem Glauben bekennenden Gruppen. Im Osten Deutschlands betrifft dies fast ausnahmslos Menschen mit Migrationshintergrund.

Diana Wesser, Eine Frage des Glaubens, Fonds Darstellende Künste, Homebase

Foto: Diana Wesser

Die fast 3-monatige Recherche und Kontaktaufnahme schloss u. a. die Teilnahme an Gottesdiensten, meditatives Kreistanzen, Tee trinken, rituelle Mahlzeiten und viel Musik ein. Vor allem aber führten wir zahlreiche intensive Gespräche. Bei einigen, mit denen wir sprachen, war die Skepsis gegenüber allem, was mit Religion und Glauben zu tun hat, sehr groß. Ein Bedürfnis nach kritischer Auseinandersetzung wurde deutlich. Andererseits erfuhren wir, dass die säkulare Gesellschaft für Menschen mit fester Glaubensbasis aus vielfältigen Gründen häufig eine große Herausforderung darstellt. Auf der Basis all dieser Erfahrungen und Gespräche entwickelten wir in Zusammenarbeit mit den beteiligten Institutionen und Einzelpersonen eine nicht geführte Stadterkundung im Rahmen des evangelischen Kirchentags auf dem Weg. Ziel war, sehr persönliche Begegnungen zu ermöglichen, um nicht übereinander zu reden, sondern miteinander ins Gespräch zu kommen. Nicht nur Anhängern der großen Religionen, auch Bahá’i, ein Schamane oder ein atheistischer Alawit waren dabei. Gäste konnten sich anhand eines Stadtplans auf den Weg machen und Menschen treffen, die dazu einluden, über ihr persönliches Verhältnis zum Glauben zu sprechen, Musik zu machen, zu pilgern. Andere hießen willkommen zum Austausch über Ungläubigkeit, Radikalisierung und den spezifischen Kontext in Ostdeutschland vor und nach der Wende. An vielen Stationen blieb es nicht abstrakt: Zur Fragestellung etwa, ob eine gläubige Muslima ein Kopftuch tragen muss, konnte man sich gleich erklären lassen, wie man es bindet. Der spezifische Kontext Ostdeutschland wurde mir ganz besonders durch die so andere Erfahrung im protestantisch geprägten Dänemark bewusst, wo ich das Konzept bereits 2015 in Zusammenarbeit mit dem Theater Aarhus umgesetzt habe. Dort wurde Religion an sich erst mal nicht in Frage gestellt. Interesse und Skepsis bezogen sich auf die Andersartigkeit der anderen Glaubensrichtungen, zu denen man sich ins Verhältnis setzte. In Leipzig war das Thema weit weniger selbstverständlich. Selbst im Team kam der Wunsch nach einer kritischen Auseinandersetzung mit den negativen Aspekten von Religion auf. Dadurch wurde das Projekt auf ganz eigene Weise orts-spezifisch.

Eine Produktion von Diana Wesser und Team im Rahmen des evangelischen Kirchentag auf dem Weg in Leipzig. Gefördert durch den Fonds Darstellende Künste e.V., die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und den Reformationsjubiläum 2017 e.V.

KONTAKT
Diana Wesser
www.eine-frage-des-glaubens.de/leipzig

 

Flensburg ist durch den Handel mit Zucker und Rum reich geworden, also mit der Ausbeutung von Sklaven, die von Westafrika in die Karibik verschleppt wurden. Der Zucker kam von den ehemaligen dänisch-westindischen Inseln. 2017 jährt sich der Verkauf der Inseln an die USA zum 100. Mal. Das ist für Museen Anlass für Ausstellungen beiderseits der Grenze. Als Kuratorin wurde Dr. Imani Tafari Ama aus Jamaika gewonnen, also der Blick von der schwarzen Seite. Mit ihr zusammen wollten wir erforschen, was die in Flensburg lebenden Migranten aus Schwarzafrika und der Karibik von der kolonialen Geschichte der Stadt wissen und ob es eine Bedeutung für sie hat, und wenn ja, welche.
Es gab in den Antworten der Schwarzen viel Abwehr, um nicht wieder Objekt einer Weißen Neugierde zu sein. Das hat uns sehr nachdenklich gemacht und so war das Ergebnis dieser Untersuchung eine Umkehrung des Blickwinkels auf unsere Kernfrage, die uns auf uns selbst zurückführt. Einige Fragen und Thesen, die sich für uns daraus ergeben:

  1. Was für Konsequenzen hat es für unser Verhalten (als Individuum, als Gesellschaft und als Staat), wenn wir begreifen, dass die Migrationsbewegungen heute Weiterführung und Antwort auf die europäischen Expansionsbewegungen von damals sind?
  2. Wir `Weiße´ bleiben trotz allem Verständnis, aller Empathie und aller Kritik an den Verhältnissen ein Teil der Weißen.
  3. Das Beschwören der Augenhöhe ist ein Märchen, gucken wir in den Spiegel, dann sind wir auf Augenhöhe.
  4. Was ist mein Interesse als einer der Weißen an der Aufarbeitung des Kolonialismus? (Will ich nicht eine Art Absolution, „ich bin der andere Weiße“, und damit aus der Geschichte von Schuld und Verdrängung aussteigen?
  5. Warum sollen sich die Opfer, die ja mit ihrer Aufarbeitung der Geschichte, ihrem Leid, ihrem Gefühl der Unterlegenheit schon genug zu tun haben, sich auch noch für uns interessieren?
  6. Als Weißer und Bewohner Europas bin ich privilegiert. Empfinde ich mich als privilegiert? Worin bestehen die Privilegien? Will oder kann ich Privilegien abgeben? (Oder will ich die Privilegien genießen ohne mich schuldig zu fühlen?)
  7. Was ist meine ererbte „Krankheit“ des kolonialen Erbes? ( z.B.: Aufrechterhaltung der Überlegenheit auch und gerade als „Helfer“.)
  8. …und was bedeutet in diesem Zusammenhang der Gestus des „Helfens“ und der „Integration“ den Geflüchteten gegenüber?

KONTAKT
Theaterwerkstatt Pilkentafel
www.pilkentafel.de

 

First Black Woman in Space ist eine feministische afrofuturistische Performance. Unser Anliegen war es ein Stück Science Fiction aus Schwarzer weiblicher Perspektive ins Theater zu bringen. Das Weltall als endlosen unbekannten Sehnsuchtsort in den begrenzten und uns nur zu bekannten Theaterraum zu holen, um gemeinsam mit dem Publikum an einer Zukunft zu spinnen, in der Rassismus und Sexismus der Vergangenheit angehören. Dabei haben wir uns auf die Perspektive Schwarzer Frauen konzentriert: Schwarze weibliche Role Models sind nicht rar – nur unterrepräsentiert. Ihre Kämpfe und Träume wollten wir auf die Bühne holen und so Schwarze Weiblichkeit feiern. Zunächst sind wir von medialen Vorbildern ausgegangen und beschäftigten uns mit den Lebensgeschichten und der Freundinnenschaft der Astronautin Dr. Mae C. Jemison – der titelgebenden ersten Schwarzen Frau im Weltall und der Schauspielerin Nichelle Nichols, die zwanzig Jahre bevor Jemison ins All folgt als Lt. Uhura fiktive Weltraumreisen mit dem Raumschiff Enterprise unternahm.

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Foto: Ute Langkafel

Mae C. Jemison sagt, dass sie ohne Uhura vielleicht gar nicht auf die Idee gekommen wäre, dass sie selbst auch Astronautin werden könnte. Wir haben uns gefragt: Wie wirkt sich die mediale Darstellung Schwarzer Frauen auf das reale Leben aus? Wie beeinflussen (fiktive) Vorbilder unseren Alltag und unsere Wünsche für die Zukunft?
Diese Fragen haben wir mit elf Schwarzen Frauen und Mädchen diskutiert, die in Deutschland leben. Wir haben über mehrere Tage in Berlin und Frankfurt Videointerviews geführt, sie nach Vorbildern und Zukunftswünschen gefragt und angeregt über Themen wie Feminismus, Schwarzen Aktivismus, Community und Solidarität diskutiert. Diese Gespräche waren intensiver als erwartet und gaben dem Projekt viele wichtige inhaltliche Impulse, die sich in Dramaturgie, Text und Bildsprache des Abends niederschlugen. Auch die so entstandenen Videos spielten am Ende eine größere Rolle als anfänglich geplant. So rückte die Gegenwart stärker in den Mittelpunkt der Performance. So einfach ist es wohl doch nicht sich eine Zukunft vorzustellen, in der Diskriminierung und Unterdrückung überwunden sind, wenn wir aktuell dazu gezwungen sind uns immer mehr mit Rassismus und Sexismus zu beschäftigen.

Eine Produktion von Simone Dede Ayivi und Team in Koproduktion mit Künstlerhaus Mousonturm Frankfurt und SOPHIENSÆLE. Gefördert durch die Senatsverwaltung für Kultur und Europa, das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur, den Fonds Darstellende Künste e.V. und die Stiftung Niedersachsen.

KONTAKT
Simone Dede Ayivi
www.simonededeayivi.com