Kunst braucht Verlässlichkeit – jetzt ist der Moment zum Handeln
Ein persönlicher Beitrag von Holger Bergmann, Geschäftsführer des Fonds Darstellende Künste
Von Holger Bergmann
Fördern mit System braucht den entsprechenden politischem Willen – Ein persönlicher Beitrag von Holger Bergmann, Geschäftsführer des Fonds Darstellende Künste.
Berlin, August 2025 – Die Freien Darstellenden Künste in Deutschland sind ein lebendiger, kreativer Motor unserer Gesellschaft. Ihre Ausdrucksformen sind vielgestaltig, experimentierfreudig und zutiefst menschlich. Ob im Theater, im Tanz, in der Performance oder im zeitgenössischen Zirkus: Hier entstehen Impulse, die gesellschaftliche Veränderung mitgestalten – nah an den Menschen, mit ihnen und für sie.
In keinem anderen Bereich künstlerischen Schaffens finden sich so viele unabhängige, selbstorganisierte Produktionsstrukturen, interdisziplinäre Kooperationen und innovative Arbeitsweisen. Die Freien Darstellenden Künste spiegeln unsere Zeit, reagieren auf ihre Brüche und eröffnen neue Perspektiven auf das Mögliche. Wer an die Macht der freien Kreativität glaubt, muss diese Szene stärken.
Rückblick: Stabilität in der Krise – und danach?
In der Pandemie hat sich gezeigt, wie entscheidend eine verlässliche Förderung für die freie Szene ist. Das Programm Neustart Kultur, initiiert unter Kulturstaatsministerin Monika Grütters, hat vielen Akteur*innen das Überleben gesichert. Der Fonds Darstellende Künste war dabei zentraler Partner: schnell, effizient und wirkungsorientiert. Die Szene ist gestärkt aus der Krise hervorgegangen – ermöglicht durch gezielte öffentliche Investitionen.
Doch seither fehlt es an Kontinuität. Zuletzt kam es zu massiven Schwankungen in der Finanzierung – mit direkten Folgen für Planung, Stabilität und Zukunftsperspektiven. Für viele bedeutet das: Unsicherheit statt Aufbruch. Für den Fonds Darstellende Künste bedeutete diese Unsicherheit, dass eine zentrale Säule der Förderung – die Konzeptionsförderung – eingestellt werden musste.
Was jetzt gebraucht wird
Es ist Zeit, der freien Szene eine verlässliche Perspektive zu geben. Der Haushalsentwurf 2025 und 2026 sieht eine Förderung in Höhe von 7,6 Millionen Euro vor. Das bringt zwar Stabilität, jedoch auf dem gleichbleibend unzureichenden Niveau von 2024. Der drastische Einbruch der Fördermittel von 2024 auf 2025 ist bislang nicht im Ansatz kompensiert worden. Die Folge: Es fehlt weiterhin die notwendigen Mittel, um langfristig, verlässlich arbeiten zu können. Eine Stabilisierung der Förderungen an den Fonds Darstellenden Künste ist Voraussetzung für eine angemessene Förderung innovativ arbeitender freier Künstler*innen und Produktionshäuser in Deutschland.
Es geht um Qualität, Wirksamkeit und die Absicherung eines Fördermodells, das bereits jetzt bundesweit funktioniert. Stabilisierung der Förderung ist die notwendige Voraussetzung für künstlerische Freiheit. Jetzt geht es um den Ausbau.
Warum der Fonds entscheidend ist
Seit über 40 Jahren stärkt der Fonds Darstellende Künste die freie Theater-, Performance- und Tanzlandschaft in Deutschland – und ist heute mehr denn je systemrelevant für eine lebendige Demokratie. Mit seinem bundesweiten Wirkungsradius, seinen professionellen Strukturen und seiner Nähe zur Szene ist er ein zentraler Baustein der kulturellen Infrastruktur.
Der Fonds Darstellende Künste: Ermöglicher, Partner, Impulsgeber
Der Fonds Darstellende Künste ist weit mehr als eine reine Förderinstanz – er ist Ermöglicher und Partner der freien Szene. Mit seinen Programmen setzt er künstlerische und kulturpolitische Impulse, stärkt die Vielfalt und Innovationskraft der freien Tanz- und Theaterlandschaft bundesweit und schafft Plattformen für Austausch und Diskurs.
Als zugewandte, zugängliche Institution begleitet der Fonds Akteur*innen mit professioneller Beratung und festigt so sein partnerschaftliches Selbstverständnis. Gleichzeitig steht er für eine effiziente und digital gestützte Förderpraxis, die kontinuierlich weiterentwickelt wird – inhaltlich, administrativ und strukturell.
Die Förderprogramme des Fonds decken alle Phasen künstlerischer Arbeit ab: von Residenzen über Koproduktionen bis hin zu Wiederaufnahmen. Sie erfassen das gesamte Spektrum der Darstellenden Künste – vom Kindertheater über digitale Performances bis zum Musiktheater im ländlichen Raum. Jeder Euro Fördermittel stärkt nicht nur einzelne Projekte, sondern ganze Arbeitszusammenhänge – in Stadt und Land, auf Bundes- und kommunaler Ebene.
Fazit
Wer die Freien Darstellenden Künste stabilisieren und stärken will, muss ihre Förderung verlässlich absichern. Der Fonds Darstellende Künste ist bereit, die Tanz- und Theaterlandschaft weiterhin wirkungsvoll zu fördern – was jetzt fehlt, ist der politische Wille, die entsprechenden Haushaltsmittel im Bundeshaushalt 2026 aufzustocken.