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Briefe an den Bund

Briefe an den Bund

Mitgliedsverbände, Kuratorium und Künstler*innen fordern nachhaltige Absicherung der Freien Darstellenden Künste

Mit seinen Förderprogrammen #TakeThat und #TakeHeart hat der Fonds Darstellende Künste auch im dritten Jahr maßgeblich zur Stabilisierung der Freien Darstellenden Künste und der Aufrechterhaltung des Kunstbetriebs beigetragen.

Dies erkennen die Mitgliedsverbände des Fonds als Interessensvertretungen der Freien Darstellenden Künste sowie Mitglieder des Kuratoriums in einem Brief an die Kulturstaatsministerin und in ähnlicher Weise an führende Kulturpolitiker*innen des Landes einhellig an. Zugleich regen sie auch künftig eine substanzielle Finanzierung der Freien Darstellenden Künste durch den Fonds an.

Ähnlich formulieren es freischaffende Künstler*innen und Gruppen in ihrer an die Kulturstaatsministerin gerichteten, öffentlichen Petition „Erhalten Sie die Substanz der bundesweiten Freien Darstellenden Künste!“

https://www.change.org/p/erhalten-sie-die-substanz-der-bundesweiten-freien-darstellenden-k%C3%BCnste?redirect=false

Der Fonds Darstellende Künste dankt auf diesem Wege für die engagierten Stimmen.

 

 

Brief der Mitgliedsverbände des Fonds Darstellende Künste:

Berlin, 22.03.2022

Sehr geehrte Frau Staatsministerin Claudia Roth,

die Freien Darstellenden Künste und ihre Akteur*innen haben sich in den letzten zwei Jahren für ästhetische und soziale Innovation engagiert, die nachhaltig die Prozesse gesellschaftlicher Transformation aufgreifen und produktiv machen. Künstler*innen und Produzent*innen, freie Produktionshäuser und Festivals – sie alle haben gerade auch während der Herausforderungen der Pandemiezeit als kulturell prägende Agents of Change gewirkt, die eine Gesellschaft in der Veränderung begleiten, fordern und aktiv mitgestalten.

Wir, die Mitgliedsverbände des Fonds Darstellende Künste, wissen, dass dies ohne das Engagement und die Förderung des Bundes nicht möglich gewesen wäre. Auf dieser Basis konnte der Fonds mit großer Kompetenz agieren und so helfen, die Freien Darstellenden Künste in ihrer Breite und Vielfalt zu erhalten und weiterzuentwickeln. Von ganz entscheidender Bedeutung sind und waren hierbei die an den praktischen Bedarfen der Freien Szene ausgerichteten Förderlinien und Förderprogramme des Fonds, deren Effizienz, Professionalität und Wirksamkeit vor dem Hintergrund der Pandemie deutlich sichtbar wurden.

Damit die Freien Darstellenden Künste in ihrer Breite und Vielfalt auch zukünftig ihrer Bedeutung gerecht werden können, braucht es nun auch über die Pandemie hinaus Planungssicherheit und Perspektiven. Aufgrund der ebenso länderübergreifenden und bundesweiten wie inter- und transnationalen Bedeutung der Freien Darstellenden Künste sehen wir hierbei gerade auch die Bundespolitik in einer besonderen Verantwortung. Als Vertreter*innen der Mitgliedsverbände möchten wir Sie daher nachdrücklich auffordern, sich dafür einzusetzen, dass der Fonds Darstellende Künste die notwendigen Mittel erhält, seine Förderprogramme auch künftig und über die laufenden Finanzierungen durch Neustart Kultur hinaus aufrecht zu erhalten sowie weiterzuentwickeln. Nur so kann in den nächsten Jahren der impulsgebende Charakter der Freien Darstellenden Künste künstlerisch und im Sinne einer breiten kulturellen Daseinsfürsorge als Teil demokratischer Praxis beibehalten und gestärkt werden.

Mit mehr als zwei Milliarden Euro jährlich finanzieren allein die Kommunen und Länder die Theaterlandschaft in ihrer Vielfalt. Die Weiterführung der bisherigen jährlichen Bundesförderungen, die nur rund 3% dieser Summe ausmacht, würde die bundesweit agierenden Freien Darstellenden Künste nachhaltig stärken und so auch Kommunen wie Länder in ihrem Engagement für diesen Bereich unterstützen. Bundesweit würde eine entsprechende Förderung des Fonds die ganze Bandbreite – von Figurentheater über Theater für junges Publikum und Theatervermittlung, von Musiktheater, Tanz, Performance, Schauspiel und semiprofessionellem Theater bis hin zu Straßentheater und zeitgenössischem Zirkus – substantiell festigen und in ihrer Innovationskraft bestätigen. Dies ist heute wichtiger als je zuvor. Denn Themen der Transformation wie Nachhaltigkeit, Digitalität, ästhetische Entwicklung, Wissenstransfer, Diversität, sozialräumliche Chancengleichheit oder Generationswechsel warten nicht und gehen uns alle an.

Die Freien Darstellenden Künste begegnen diesen Herausforderungen schon jetzt forschend, erprobend und immer auch spielerisch, ebenso zugänglich wie engagiert. Wir hoffen sehr, dass die Bundeskulturpolitik bereit ist, die Akteur*innen der Freien Szene hierbei zu unterstützen und würden uns über einen weiteren Dialog darüber freuen.

Mit freundlichen Grüßen,

Die Mitgliedsverbände des Fonds Darstellende Künste e.V.:

ASSITEJ Bundesrepublik Deutschland e.V.

Bund Deutscher Amateurtheater e.V.

Bund der Theatergemeinden

Bund deutscher Volksbühnen e.V.

Bundesarbeitsgemeinschaft Spiel und Theater e.V.

Bundesverband Freie Darstellende Künste e.V.

Bündnis internationaler Produktionshäuser e.V.

Bundesverband Theater im Öffentlichen Raum e.V.

Dachverband Tanz Deutschland e.V.

Deutscher Berufsverband für Tanzpädagogik e.V.

Deutscher Bühnenverein

Internationales Theaterinstitut (ITI) Zentrum Deutschland

ver.di Bundesverband

Verband Deutscher Puppentheater e.V.

UNIMA-Zentrum BRD e.V.

 

Brief des Kuratoriums des Fonds Darstellende Künste an die BKM zur aktuellen haushaltspolitischen Planungsdebatte

Berlin, 24.03.2022

Sehr geehrte Frau Staatsministerin Claudia Roth,

die letzten zwei Jahre waren in Deutschland wie nie zuvor von einem Aufbruch der Freien Darstellenden Künste (FDK) geprägt. Wir, die Kuratoriumsmitglieder des Fonds Darstellende Künste haben durch unsere Arbeit für die vielfältige Umsetzung der Neustart Kulturprogramme diesen Aufbruch aus nächster Nähe begleitet. In der anhaltenden Pandemie haben die Akteur*innen der FDK – Künstler*innen und Produzent*innen, freie Produktionshäuser und Festivals – deutlich gezeigt, dass die Freie Szene ein Innovationstreiber der Theaterkultur ist. Die Themen der großen Transformationen unserer Zeit bilden dabei die Grundlage der Veränderung. Ob die Inklusion diverserer Publikumsschichten, der Weg in den öffentlichen Raum der Städte und ländlichen Regionen, die Adaption und Erfindung neuer digitaler künstlerischer Formate, die Öffnung von gesellschaftlichen Diskursräumen oder die Entwicklung der eigenen Strukturen in Richtung Nachhaltigkeit: Die FDK waren und sind Vorreiter und Schrittmacher notwendiger kultureller Change-Prozesse – und sie sollen es bleiben. Daher schreiben wir Ihnen.

Ohne das kulturpolitische Bekenntnis des Bundes sowie Ihr großes Engagement und Ihre Verbundenheit mit den Freien Künsten – insbesondere die zusätzliche Finanzierung von krisen-, aber auch transformationsbezogenen Förderinstrumenten – wären diese Prozesse niemals umzusetzen gewesen. Als Kuratorium des Fonds Darstellende Künste, aber auch und gerade als Fachleute diverser Perspektiven der FDK in Deutschland, sind wir beeindruckt von der Agilität, die Geschäftsführung, Mitarbeitende und Organisation dieser für die FDK unendlich wichtigen Förderinstanz in kürzester Zeit an den Tag gelegt haben. Nicht zuletzt angesichts der bereits vorliegenden ersten Ergebnisse der gründlichen Evaluation der neu entstandenen Programme des Fonds Darstellenden Künste wird klar erkennbar, wie zielgerichtet und wirkungsvoll die hier eingesetzten Gelder die oben skizzierten Zwecke zu erfüllen vermochten.

Die Vielfältigkeit unserer Perspektiven ist es aber auch, die uns angesichts der aktuell laufenden nahezu tektonischen Haushaltsdebatten stark besorgt. Im Kuratorium des Fonds Darstellende Künste treffen sich künstlerische und politische Stimmen der unterschiedlichsten Sparten und Bereiche der FDK. Von den genuinen Sichtweisen der künstlerischen Akteur*innen selbst, über Haus- und Festivalleitungen bis hin zu Verbänden oder kommunal- und landespolitischen Verantwortungsträger*innen bildet sich eine vielfältige Bandbreite ab. Geeint sind wir in unserer Sorge, dass der mit großer gemeinsamer Kraftanstrengung begonnene Aufbruch – der von Ihnen induzierte „Neustart Kultur“ – keine Fortsetzung findet.  

Auf Grundlage der besonderen kulturpolitischen Rolle, die die FDK gerade auch im Hinblick auf die länderübergreifende Zusammenarbeit der Akteur*innen, als auch die (inter-)nationale Reputation der hiesigen zeitgenössischen und gesellschaftlich relevanten Kultur spielen, sehen wir den Bund hier auch weiterhin in einer besonderen Verantwortung. Die Neustart-Kultur-Förderprogramme haben im Feld der FDK zu einer breiten, Bundesländer übergreifenden Zusammenarbeit und Sichtbarkeit gefunden, sind damit der Vielfalt, Qualität und Komplexität, aber auch Quantität der freien Szene gerecht geworden – im Zusammenspiel mit den Kommunen und Ländern.

Auch in den nächsten Jahren gilt es, die gleichzeitig impulsgebenden und modellbildenden, aber auch stets künstlerisch und an einer breiten kulturellen Daseinsvorsorge orientierten, neu entstandenen Förderprogramme des Fonds Darstellende Künste in ihrer gesamten Breite beizubehalten und weiterzuentwickeln. Die FDK bilden neben den Stadt- und Staatstheatern die zweite Theatersäule im Land. Gerade nach den Pandemie-Erfahrungen gilt es, dieser Bedeutung dauerhaft gerecht zu werden. Wir plädieren für ein Neustart-Kulturprogramm III, mit dem Ziel, dieses in eine Verstetigung für die FDK zu bringen.

Als Kuratorium und Vertreter*innen der FDK in Deutschland möchten wir Sie bitten, sich nachhaltig dafür einzusetzen, dass der Fonds Darstellende Künste die in der Pandemie bewährten Förderprogramme auch künftig in voller Höhe umsetzen kann.

Wir freuen uns, über diese Fragen und Themen mit Ihnen in einen direkten Dialog zu treten und verbleiben

Mit freundlichen Grüßen
gez.
Das Kuratorium des Fonds Darstellende Künste

Martina Grohmann
Vorsitzende des Kuratoriums, Künstlerische Leitung Theater Rampe | Stuttgart

Carena Schlewitt
Stellv. Vorsitzende des Kuratoriums, Intendantin HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste | Dresden

Prof. Dr. Hans Joachim Wagner
Vorsitzender des Kuratoriums, Kulturwissenschaftler, Kurator, Autor, Musikdramaturg | Düsseldorf, Köln, Nürnberg

Jonas Zipf
Leiter JenaKultur, Regisseur, Kurator, Dramaturg, Lehrbeauftragter | Jena

Katja Aßmann
Künstlerische Leitung Spreepark Art Space| Berlin

Irina Bârcă
Dramaturgin| Düsseldorf

Christine Bossert
Künstlerische Betriebsdirektorin Bad Hersfelder Festspiele, Regisseurin | Bad Hersfeld, Hessen

Fatima Çalışkan
Freie Künstlerin und Kuratorin | Berlin

Dr. Joy Kristin Kalu
Leitende Dramaturgin der Sophiensaele und Theaterwissenschaftlerin | Berlin

Julian Kamphausen
Künstlerische Leitung Prater Digital, Dramaturg, Regisseur | Hamburg, Berlin

Florian Malzacher
Freier Kurator, Dramaturg, Autor | Berlin

Bettina Masuch
Dramaturgin, Kuratorin, Intendantin des tanzhaus nrw | Düsseldorf

Anke Politz
Intendantin Chamäleon | Berlin

Aenne Quiñones
Stellv. künstlerische Leiterin des HAU Hebbel am Ufer | Berlin

Prof. Dr. Martin Jörg Schäfer
Hochschullehrer für Literaturwissenschaft und Theaterforschung | Hamburg

Felizitas Stilleke
Freie Dramaturgin, Kuratorin | Berlin

Stephan Wunsch
Puppenspieler, Figurenbildner, Regisseur, Ko-Leiter das Theaters Rosenfisch | Aachen