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Don´t Stop Me Now! – Reflexion und Ausblick

By Klaus Lederer

Liebe Menschen in den freien darstellenden Künsten,
liebe Engagierte in den Kulturszenen,
erstmal darf ich mich für die Einladung bedanken, hier auf dem Bundestreffen ein Art Schlusswort zu halten. „Reflexion und Ausblick“ sind von mir erbeten worden – ein Blick auf die Gegenwart, Möglichkeiten und Ahnungen von Zukunft. Nun liegen anstrengende zwei Tage hinter uns allen, und wie Holger Bergmann es gerade gesagt hat: Die Zukunft vorhersagen zu wollen, das wäre vermessen. An der mir gestellten Aufgabe will mich dennoch gern versuchen. Es sind einige unfertige Anmerkungen zur Lage, ein offenes Denkangebot. 

Wo die gewohnte Landkarte unserer politischen und gesellschaftlichen Situation selbst in Bewegung geraten ist, hilft sie uns bei der Orientierungssuche nicht mehr viel weiter: Wir schlagen vielleicht den einen Weg ein und finden uns ganz woanders wieder als am angestrebten Zielpunkt. Vermutlich müssen wir unseren Modus radikal ändern, uns ohne klare Roadmap tastend und suchend vorwärtsbewegen. Das ist in den Künsten ja an sich nicht ungewohnt. Dennoch, denke ich, zwingen uns die Verhältnisse mehr denn je zur gemeinsamen Selbstreflexion.

 

© Dorothea Tuch

In Berlin wurde am vergangenen Sonntag gewählt. Das Ergebnis ist eine manifeste politische Erschütterung der Berliner Verhältnisse. Und kaum drei Wochen ist es her, dass Sachsen-Anhalt gewählt hat. Auch dieses Ergebnis hat das Land erschüttert – wenngleich auch auf gänzlich andere Weise. Das Bundestreffen des Fonds Darstellende Künste unter den Titel „Don´t Stop Me Now“ zu stellen, ist angesichts dessen natürlich auch eine trotzig-kämpferische Selbstbehauptung gegen die reale Gefahr, dass wirklich vieles gestoppt wird, was für freie Künste in einer demokratischen Gesellschaft essenziell ist.

Vor dreieinhalb Jahren habe ich mein Amt als Kultursenator in Berlin abgegeben. In der Zeit davor haben wir versucht, Kulturpolitik als Infrastrukturpolitik zu gestalten. Dabei ging es weniger um Stadtmarketing und Tourismusattraktionen. Auch nicht zuallererst um die kulturell-identitäre Selbstvergewisserung der „Berliner Republik“, wie sie sich zum Beispiel in der Wiederaufführung des Berliner Preußenschlosses als Humboldt-Forum ausgedrückt hat. Es ging um einen am „Recht auf Stadt“ orientierten kulturpolitischen Ansatz: Jeder Mensch hat das Bedürfnis und auch ein Recht auf kulturelle und soziale Teilhabe. Kultur und künstlerischer Ausdruck wird so als selbstverständlicher Teil menschlicher Lebensäußerung ernstgenommen. 

Daraus resultierte der Fokus auf die räumlichen und sozialen Bedingungen für die Künste, auf frühe kulturelle Jugendbildung, auf eine solide, leistungsfähige Infrastruktur an Bibliotheken, kommunalen Galerien, Jugendkunstschulen und Musikschulen, schließlich auf niedrigschwellige Zugänge – mit dem Kultursommer „umsonst und draußen“, der Jugendkulturkarte oder dem erfolgreichen eintrittsfreien Museumssonntag. Künste und Kultur nicht als Identitätsspektakel oder als Push-Faktor der Stadtökonomie, sondern als mögliches Fenster in eine andere Welt – als Erlernen einer anderen Art des Fühlens. Es geht um eine den Künsten potenziell innewohnende große Kraft, vor allem in Zeiten, in denen Menschlichkeit und menschliches Miteinander unter Druck stehen oder in unmittelbarer Gefahr sind, um den Versuch der Imagination, wer wir als soziale Wesen sein und wie wir miteinander umgehen könnten. Darum ging es und darum geht es.

Nichts davon hätte ich zurückzunehmen, nichts davon ist grundsätzlich falsch. Aber natürlich kommen wir mit diesen pathetischen Ansprüchen nicht über die konkreten Verhältnisse hinweg, die sich mittlerweile deutlich verändert haben. Nicht nur, weil die Finanzsituation der Länder und Kommunen sich verschlechtert hat. Berlins Haushalt steuert aktuell auf ein neues Rekorddefizit zu. Über die damit verbundenen Herausforderungen können auch die Hoffnung auf ein Kulturfördergesetz oder die Forderung respektive das Versprechen höherer Prozentanteile für die Kultur im Landeshaushalt nicht hinwegtäuschen. 

Aber auch die Produktion und Rezeption von Kultur sind in einem massiven Umbruch. Wir müssen uns der Frage stellen, wie die über Jahrzehnte gewachsenen künstlerisch-institutionellen Strukturen auf die Höhe unserer Zeit transformiert werden können. Konkret für Berlin kann ich feststellen: Das bedarf einer gewaltigen Kraftanstrengung. Gerade die effektiven Teilhabe-Initiativen für breite Bevölkerungsschichten sind allerdings gar nicht arg teuer, das bewegt sich im einstelligen Euro-Millionenbereich.

Schließlich kommt praktisch nichts, was wir tun, ohne Externalitäten aus, die auf den Planeten abgewälzt werden. Wenn stimmt, wovon ich überzeugt bin, dass wir um des Überlebens der Menschheit willen aus der Akkumulationslogik des Kapitals und der Logik endlosen Wachstums aussteigen müssen, wenn ferner anzuerkennen ist, dass es hinsichtlich des materiellen Wohlstandsniveaus legitime Ansprüche andernorts auf unserem Planeten gibt, wenn wir – vielleicht sogar mit den Mitteln der Kunst – andere Menschen hierzulande dafür aufschließen wollen, dass wir nicht immer und immer mehr Lohnarbeit, BIP und Wachstum verantworten können, dann werden wir kaum behaupten können, dass für uns selbst nur ein steter Wachstumspfad nach oben infrage kommt, und ansonsten einfach alles so weitermachen wie bisher. Das geht dann ans Eingemachte. Das lenkt den Fokus weg von einer auf den eigenen Bauchnabel und das eigene Spielfeld gerichteten Debatte, in der sich die geltend gemachten Ansprüche vermeintlich immer schon aus sich selbst heraus legitimieren.

Wirklich dramatisch ist aktuell aber vor allem, dass der Großteil des Personals in den demokratischen Parteien nicht mehr so recht zu wissen scheint, wozu es Kulturpolitik überhaupt noch braucht. Allen hehren Versicherungen zum Trotz, die wir auch in den zurückliegenden Wahlkampfwochen – auch hier in Berlin – wieder hören konnten, erscheinen Infrastrukturen und Institutionen der Künste als zweitrangig, als vor allem teuer, wenn nicht sogar ausgesprochen nervtötend und belastend. Betont werden bestenfalls ihr ökonomischer Mehrwert und ihre angebliche Funktion bei der Stiftung „gesellschaftlichen Zusammenhalts.“ In Berlin hat es diese unglückliche Aufgabenbeschreibung sogar in den Namen des Kulturministeriums geschafft. Peter Laudenbach hat richtig angemerkt, dass darin zugleich eine Über- wie Unterforderung der Künste liegt. Und er legt den Finger in die Wunde, wenn er anschließend festhält: „Kunst als Kunst zu verteidigen und nicht als Wirtschaftsfaktor oder Beitrag zur Stärkung der Demokratie, ist für Kulturpolitiker aller Farben in diesem Land derzeit offenbar ein abenteuerlicher Gedanke.“  Das Problem können wir hier auf dem Bundestreffen der Darstellenden Künste nicht lösen. Es ist aber in seiner Dramatik kaum zu unterschätzen.
Denn eine politische Partei in Deutschland hat die Relevanz von Kulturpolitik – als Feld des Kampfes um Deutungshoheit um die gesellschaftlichen Zustände – ganz klar für sich erkannt, nämlich die AfD. Sie schickt sich in Sachsen-Anhalt an, die Regierungsgewalt zu übernehmen, und sie führt seit Monaten in den bundesweiten Umfragen. In Berlin war von der AfD kulturpolitisch lange nicht allzu viel zu hören. Sie hat im Abgeordnetenhaus beantragt, die Zuschüsse an Theater zu kürzen, deren Spielpläne ihr zu „woke“, zu divers waren, zu wenig zur nationalen Identitätsbildung beitrugen. Der Senat sollte ein „Jagdmuseum“ gründen , die öffentlich finanzierten Bühnen zu „klassischem“ Theater „in werksgetreuer Inszenierung“ verpflichten . Die Kolonialgeschichte Deutschlands will die AfD vor kritischer Aufarbeitung bewahren. Darüber konnten wir uns in Berlin vielleicht noch lustig machen, beunruhigend war es schon damals.

Wie Sachsen-Anhalt inzwischen zeigt, stellt die nationalistische, völkisch-identitäre Rechte die Freiheit der Kunst ganz unverblümt zur Disposition. Die AfD will die systematische Umgestaltung und Indienstnahme der Künste veranstalten. Es geht darum, die Deutungshoheit, die ihr in großen Teilen des politischen Diskurses nahezu widerstandslos zu gelingen scheint, auch in den Künsten und kulturellen Institutionen durchzusetzen. Es geht ihr, um den AfD-Europaabgeordneten Marc Jongen aus 2018 zu zitieren, um eine „Entsiffung des Kulturbetriebs“. Literatur, Musik und Theater sollen patriotisch und „deutsch“ sein. Gespielt werden sollen zuallererst deutsche Klassiker, auf die sich „stolz“ zu sein lohne, die sich aber zumindest zum Teil – wenn Tino Chrupalla ausgerechnet Heine seinen Lieblingsdichter nennt – vor ihren heutigen vorgeblichen Fans gewiss ziemlich gegruselt hätten.

„Die vornehmste Aufgabe aller Kunst besteht darin, kulturelle Identität zu pflegen.“  So steht es im Regierungsprogramm der AfD für Sachsen-Anhalt. Ihr Ziel ist, die von ihr konzedierte „Identitätsstörung durch eine neue, patriotische Kulturpolitik zu heilen.“  Kultur wird in Dienst genommen für die völkische Mobilmachung. Um diesen Machtkampf, der sich nur sekundär gegen die Kultur, zuallererst aber gegen die demokratische und pluralistische Gesellschaft (und die für ihr Funktionieren erforderlichen Orte des Öffentlichen) richtet, als Kulturkampf führen zu können, braucht es „das Andere“, das „Nicht-Normale“, das als „abseitig“ und „pervers“ Gebrandmarkte, dem es mit – ich zitiere Björn Höcke – „wohltemperierter Grausamkeit“ zu Leibe zu rücken gilt. Dieser Kulturkampf ist Teil ihrer Strategie der gesellschaftlichen Polarisierung und Zuspitzung: Auf der einen Seite diejenigen, denen es an völkischer Identität mangelt, denen demzufolge mittels nationalistischer Selbstinszenierung bei der Wiedergewinnung ihrer Identität auf die Sprünge geholfen werden muss. Auf der anderen diejenigen, von denen dem so konstruierten Volkskörper Gefahr drohe. Am Liebsten hätten sie den Bürgerkrieg.

Die Länderhoheit in der Kulturpolitik könnte der AfD einige Spielräume und Möglichkeiten verschaffen, ihren Postulaten auch Taten folgen zu lassen. Ich halte es jedoch nicht für zwingend, dass das mit der Rabiatheit und Konsequenz geschieht, wie es das inzwischen gewohnt brachiale Vokabular vermuten lässt. Klar, die grundgesetzlich geschützte Kunstfreiheit gilt auch in Sachsen-Anhalt. Die Freiheit der Kultur ist dort sogar landesgesetzlich abgesichert.  Das begrenzt die direkte politische Einflussnahme auf künstlerische Programme zumindest vorläufig. Aber jedes Gesetz kann natürlich auch schnell wieder abgeschafft werden.

Indessen sind schon die indirekten Eingriffsmöglichkeiten beträchtlich, vor allem via Personal- und Budgetentscheidungen. Druck auf die Kulturinstitutionen mittels parlamentarischer Anfragen auszuüben ist ein von AfD-Parlamentariern schon stark genutztes Instrument, um Unsicherheit zu verbreiten und einzuschüchtern.  Mit Zugriff auf die Regierungsgewalt eröffnen sich völlig neue Spielräume der Erpressung, des flooding the zone with shit (Steve Bannon) und schleichender Disziplinierung des kulturellen Feldes. Wir dürfen uns auf permanente, zermürbende Auseinandersetzungen um Bestand und Grenzen der Kunstfreiheit einstellen. Aber wie gehen wir damit um, dass möglicherweise demnächst Künstler*innen Patriotismus-Bekenntnisse abverlangt werden – oder dass statt „Diversität“ oder „Demokratie“ künftig „nationale Kunst“ im Antrags-Buzzwording en vogue werden? Let´s face it! 

Wir sollten aber nicht davon ausgehen, dass die Kultur rundum kleingespart wird. Es würde mich wenig überraschen, wenn das Gegenteil der Fall wäre – wenn vor allem für „ländliche Traditions- und Brauchtumspflege“  Einiges an öffentlichen Ressourcen mobilisiert würde. An die Stelle von Kunstförderung tritt dann das öffentlich finanzierte Spektakel, darauf abzielend, die identitär zu formenden Massen, wenn schon nicht zu ihrem Recht, so doch immerhin zu ihrem Ausdruck kommen zu lassen.  
„Das religiöse und das patriotische Gefühl lieben nichts so sehr wie ihre Kränkung“, schrieb Karl Kraus schon 1908.  Bei der AfD Sachsen-Anhalt klingt das so: „Nationalmasochismus und fehlendes Selbstbewusstsein […] beruhen auf kulturellen Voraussetzungen. Die letzten Ursachen der aktuellen Misere sind somit kultureller Art und können deshalb nur durch gezielte Arbeit an den kulturellen Voraussetzungen geheilt werden.“  Es geht den Rechtsautoritären um einen Stellvertreterkrieg, zu dessen Führung enthemmt und rücksichtslos eine finale Schlacht um Überleben oder Untergehen herbeihalluziniert wird. Eine solche Schlacht erfordert die totale autoritäre Disziplinierung und Mobilmachung der Individuen, welche schon durch bloße Existenz einer autonomen künstlerischen Sphäre, die eigenen ästhetischen Maßstäben und Kriterien folgt, als bedroht angesehen wird.

Es ist rechtsautoritärer Metapolitik in erschreckender Breitenwirkung gelungen, historische und politische Begriffe wie Symbole ihrer Bedeutung zu entkleiden und mit neuer Bedeutung aufzuladen, um die Debatte über deutsche Geschichte „als Abrissunternehmen“ zu führen, um mit ihrem Projekt einer „historisch-fiktionalen Gegenerzählung“ auch die politische Gegenwart auf den Kopf zu stellen.  Dass Sprache Wirklichkeit formt, haben sie bestens verstanden. Ihr Mobilisierungsmodus operiert mit permanenten Grenzüberschreitungen und Tabubrüchen. Aber Provokation als Mittel des Erheischens von Aufmerksamkeit ist nicht ihre Erfindung. Öffentliche Inszenierung in der „Gesellschaft des Spektakels“  ist der herrschende Modus von Werbung und informationellem Raumgreifen in der modernen, weitgehend warenförmig organisierten Informationsgesellschaft, die sich in oft nach ökonomischen Prämissen organisierten Medien-, Kulturindustrie- und Digitalsphären über sich selbst verständigt.
Der Erfolg dieser Mobilisierung wirft die Frage nach tauglichen Gegenstrategien auf, nach dem Handeln derer, die – immerhin hierzulande noch mehrheitlich – dieses neurechte autoritäre Projekt verhindern wollen. Steigende Lebenshaltungskosten und soziale Unsicherheiten, die offenkundige demografische Krise und die der Sozialsysteme, wachsende Kriegsgefahr und Terrorismus, das Vordringen von Nationalismus und fundamentalistischer Religiosität, zunehmende Angriffe auf geschlechtliche und sexuelle Selbstbestimmung, die im „zweiten Maschinenzeitalter“ und durch KI veranstaltete Umwertung von menschlichen Fähigkeiten und Revolutionierung des Lohnarbeitsmarktes, die menschengemachten Klimaveränderungen und die Sorge um die Bewohnbarkeit unseres Planeten: all diese Zumutungen könnten eigentlich genauso gut Wasser auf die Mühlen einer Bewegung sein, die sich dieser autoritären Herausforderung entgegenstellt.

Dennoch herrscht allenthalben Ratlosigkeit, fast als sei die autoritäre Dynamik ein unabwendbares Schicksal, einprogrammiert im Autopiloten der gesellschaftlichen Entwicklung. Die Stärke der Autoritären ist nicht zuletzt die Schwäche ihrer Gegner.
Vielleicht hilft es, uns zu vergegenwärtigen, dass die autoritäre Dynamik nichts Metaphysisches ist, sondern ihre Verheißung in einem ganz realen Bedürfnis einer wachsenden Zahl von Menschen findet. Und es spricht viel dafür, dass dieses Bedürfnis in unserer Zeit eines nach Sicherheit und nach Anerkennung ist, in einem umfassend verstandenen Sinne. Dieses Sicherheitsbedürfnis nach Berechenbarkeit und Planbarkeit des eigenen Lebens, der Absicherung der eigenen sozialen Existenz, erfährt seit Beginn unseres neuen Jahrtausends zahlreiche Erschütterungen. Befeuert wird das durch eine Politik der selbsternannten „politischen Mitte“, die die Einzelnen programmatisch-propagandistisch auf sich selbst zurückwirft. Dabei wird immer klarer, dass für die Erhaltung von Zukunftsoptionen überhaupt gewaltige Transformationen anstehen. 

Alle Menschen spüren das. Aber nicht alle reagieren darauf in gleicher Weise. Wer buchstäblich gar nichts zu verlieren hat, kann sich auf radikale Transformationen einlassen. Aber die meisten Menschen haben etwas zu verlieren: einen bescheidenen, manchmal nicht gar so bescheidenen Wohlstand, einen Arbeitsplatz, eine soziale Stellung. Und sie haben nach Jahren neoliberaler Zurichtung der Gesellschaft den gut begründeten Verdacht, dass sie mit den damit verbundenen Veränderungen ihrer Lebenswelt alleingelassen werden.

Je weniger die Leute das Gefühl haben, in dieser Welt noch einen Platz zu haben, desto verlockender ist das Angebot, sich an die alte Welt von gestern und vorgestern zu halten, in der die Dinge vermeintlich noch in Ordnung waren: als ein Mann noch ein echter Mann, ein Deutscher noch „echt“ deutsch, Fleisch- und Benzinkonsum noch kollektive Norm und eine Grenze noch eine richtige Grenze gewesen ist. Eine Welt, in der man etwas darstellte, Teil von etwas Größerem war und in der alles seinen festen Platz hatte. Hier liegt die Anziehungskraft der Retropie – des Versprechens, dass alles wieder so schön werden könne wie es niemals gewesen ist.

Es wäre zu kurz gegriffen, das auf rein materielle Fragen zu reduzieren. Deshalb ist auch nur sehr begrenzt wirkungsvoll, den Wähler*innen der AfD deren marktliberales Umverteilungsprogramm vor die Nase zu halten. Ökonomische Sorgen und kulturelle Ängste, rationale Erwägungen und komplett irrationale, sind dabei nicht scharf zu trennen. Sie sind mitunter zwei Seiten derselben Medaille, können sich gegenseitig verstärken. In Zeiten erodierenden sozialen Vertrauens  und die eigene Lebensweise radikal infrage stellender Unsicherheit ist es – auf individueller Ebene – nicht komplett irrational, die Fakten beiseite zu schieben und zu verdrängen. Vor allem, wenn das vorherrschende Gefühl darin besteht, den Irrungen und Wirrungen der Dinge ohne eigene Handlungsspielräume ausgeliefert zu sein. 

Die Imagination eines völkischen „Wir“, das von außen bedroht sei, kann dabei Mythen aufrufen, die tief in unserer Gesellschaft verwurzelt sind: der faktenfreie Glaube daran, dass sich für jedes Problem noch eine technologische Lösung fände, dass der Sozialstaat nur „Faulpelzen“ nütze, die Rhetorik, dass unser deutscher Wirtschaftsstandort von „Grünen“ und „Woken“ bedroht sei und nicht zuletzt die konservativ-liberal-sozialdemokratische Deutung sämtlicher Verteilungskonflikte um die absehbar knapperen Ressourcen als solche zwischen „innen“ – also „Deutschland“ – und „außen“ – dem Rest der Welt, dem Fremden. Nur deshalb verfängt die Selbstinszenierung der AfD als „Verteidigerin der kleinen Leute in Deutschland“ überhaupt so wirksam. Ich fürchte, „antifaschistische Wirtschaftspolitik“ anzumahnen, so notwendig sie wäre, wird allein vielleicht nicht reichen. 

Wer auf die leuchtenden Augen und die Volksfeststimmung, ja, die geradezu messianische Erlösungshoffnung und Begeisterung auf den Wahlkampfspektakeln der AfD in Sachsen-Anhalt mal genauer geschaut hat: Waren das sozialer Protest und das ängstliche Seufzen kujonierter Ausgegrenzter und Abgehängter?

Gegenwärtig „trenden“ jedenfalls die neurechten Erzählungen von der „Abgehobenheit“ und „Wirklichkeitsferne“ der etablierten politischen und kulturellen Eliten extrem gut. Und das, dessen sollten uns bewusst sein, führt dazu, dass „unsere“ Formen von Kultur und auch das krampfhafte Bemühen in der demokratischen Politik, sich diesen Menschen zuzuwenden, sie immer weniger erreicht. Und vielleicht ist das der Moment, sich mit etwas zu beschäftigen, was Volker Weiß den „Wahrheitskern“ neurechter Politik genannt hat , und zwar mit Blick auf das kulturelle Feld. Es geht darum, uns zu vergegenwärtigen, wie die autoritäre und neurechte Mobilisierung an realen Zuständen andockt, um sie irrational, umgelenkt, zugespitzt und spaltend als Unterfütterung ihrer Propaganda auszuschlachten.

Auch wenn die Kunst hierzulande oft unter sehr prekären Bedingungen entsteht, gehören Bildung, kulturelle Kompetenzen und auch bestimmte kulturelle Codes  zu den „kapitalisierbaren“ Ressourcen, und zwar zu denen, die im postindustriellen Zeitalter über die Jahrzehnte immer wichtiger geworden sind – bei Erwerbschancen, aber auch für die Anerkennung und den sozialen Status. So dysfunktional unser Bildungssystem auch sein mag: In der Reproduktion von Klassen- und Milieudifferenzen ist es außerordentlich leistungsfähig.

Diesen Zustand zu ändern wäre eine riesige Aufgabe für progressive Politik. Heute sind wir aber unter Kulturleuten. Es ist aber aus meiner Sicht ganz zentral, diesen Fakt nicht zu ignorieren, sondern auch selbst kritisch zu reflektieren: Die ökonomische Prekarität künstlerischer Betätigung verstärkt die sozial selektive Rekrutierung in den Kunstszenen. Künstlerische Arbeit bleibt sehr vielen Milieus vorenthalten – und daher fremd und äußerlich. „Ansprechenden, selbstverwirklichenden Tätigkeiten in der Kulturindustrie nachzugehen“ ist weitgehend ein Privileg der Ober- und Mittelklassen.  Das drückt sich – oft unbewusst und gewiss auch ungewollt – in einem bestimmten Habitus und in einer sozialen Praxis aus, die nicht einfach verallgemeinerbar ist: Hyperindividualisierung, ein permanenter Zwang zur Selbstinszenierung und -optimierung, die Popularisierung und Idealisierung eines verengten Freiheitsverständnisses. 

All das wird in den Künsten auch thematisiert und reflektiert. Aber zumeist in einer Weise, die eher in der Art des „Insider-Witzes“ daherkommt, mehr auf die eigene Bubble bezogen ist als auf deren sozialen Ort in einem umfassenderen gesellschaftlichen Kontext. So scheint es der Bauchnabelschau näher zu sein als einer kritischen Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Zuständen. Wer sich – wie ich – darüber gewundert hat, warum wir bei den jüngsten Demos gegen die Kulturkürzungen in Berlin so weitgehend unter uns geblieben sind: Vielleicht könnte darin ein Teil der Erklärung liegen?

Dass das nicht ohne Einfluss auf die inhaltliche Substanz dessen bleibt, was wir so tun, liegt auch auf der Hand. Sich damit auseinanderzusetzen und über die Voraussetzungen der eigenen Arbeit nachzudenken heißt nicht, fertige Antworten mitzuliefern. Und ich will hier explizit nicht anmahnen, Kunst müsse wieder unmittelbar politisch-programmatisch sein und die soziale Frage aufgreifen. Nichts ist langweiliger (und oft auch schlechter) als Kunst, die von einem politischen Pamphlet nicht zu unterscheiden ist. „Die Inszenierung von Kunst als Politikspektakel […] hat Folgen“, schrieb Tobi Müller im Zusammenhang mit dem US-Präsidentschaftswahlkampf 2024 : „Was aus der Kunst kommt an politischer Einmischung, wird von der Politik nicht mehr ernstgenommen.“ Und schlimmer noch. Auch vom Publikum nicht.

Das soll kein Plädoyer gegen oder auch nur die Geringschätzung von politischer Kunst überhaupt sein. Es geht mir eher um deren vorherrschende Form. Denn es gibt eine Entwicklung, und das ist meines Erachtens mit der bereits erwähnten Dynamik der Individualisierung gesellschaftlicher Probleme und Konflikte verbunden, in deren Zug – so Müller weiter – die politischen „Haltungen selbst zur Marke der Künstlerinnen und Künstler wurden. Aus der Freiheit, politische Kunst machen zu dürfen […], erwuchs ein Marktbefehl, politischer Künstler sein zu müssen.“  Dazu habe der Wunsch von Konzernen und Kulturinstitutionen beigetragen, mit aktivistischer Kunst von den eigenen Widersprüchen und institutionellen Problemen abzulenken. Man könnte das auch Art Washing nennen. 

Ich finde, diese Problemdiagnose darf uns zukünftig durchaus intensiv beschäftigen. Nicht zuletzt liegt in derart „politischer“ Kunst auch eine grandiose Überschätzung ihrer Möglichkeiten: Trump wurde erneut US-Präsident, der zahllosen Positionierungen und Bekenntnisse aus den Künsten zum Trotz.

Gegen allzu marktschreierisch vorgebrachte „Haltungen“ oder „Positionierungen“ regt sich ein nachvollziehbares Unbehagen in Teilen des Publikums, die das Gefühl bekommen, belehrt und erzogen zu werden , wo sie doch eigentlich für die Kunst und nicht für die Reklame gekommen sind. Dieses Unbehagen nutzen das autoritäre Milieu und seine Propagandanetzwerke, um unter Verweis auf angebliche Neutralitätspflichten jede missliebige Positionierung in Künsten und Wissenschaften anzugreifen. Ein solcher Anti-Reflex mündete kürzlich in der grotesken Ausladung der Rockband Alphaville von einem Musikfestival, weil die Band sich keinen Maulkorb verpassen lassen wollte. 

Beide Phänomene, die krampfhafte Politisierung von Kunst wie der nicht weniger krampfhafte Versuch, alles Politische aus der Kunst herauszuhalten, nehmen die Potenziale der Künste und ihre Freiheit nicht ernst. Ich fürchte, wir müssen die Kunstfreiheit in beide Richtungen verteidigen: als Freiheit zur Einmischung, aber auch als Freiheit vom Zwang zur Einmischung. Tatsächlich ist die weit verbreitete Geringschätzung von Autonomie und Eigenwert der Künste beileibe kein exklusiver Move politischer Rechter.

Wir würden es uns zu leicht machen, wenn wir das Reaktionäre ausschließlich jenseits unserer eigenen kulturellen Milieus verorten und es uns in der ostentativen Beschwörung der eigenen Progressivität und Güte gemütlich einrichteten. Was sich progressiv gibt, hat nicht selten auch eine reaktionäre Seite.  Und es wäre ja tatsächlich ein Wunder, wenn die autoritären Zeiten ihre Spuren nicht auch in den Modi der Aushandlung von fortschrittlichen Zielen hinterließen. Ich sagte es schon: In der modernen, weitgehend warenförmig organisierten Informationsgesellschaft und ihren primär ökonomisch organisierten Medien, Kulturindustrie- und Digitalsphären werden Meinungen, Haltungen und Akteure selbst zu Waren und Kapital, die Performance unterliegt ihren Mechanismen. Meinungsstarke Abgrenzung und die Pose identitärer Standpunktmarkierung werden dadurch befeuert. 
Und wie in der Kunst die Möglichkeit liegt, eine andere, bessere Gesellschaft zu imaginieren, so liegt in ihr auch die Gefahr, die Reinheit einer als brüchig empfundenen individuellen moralischen Integrität reflexhaft gegen die Zumutungen einer von Ungerechtigkeiten, Herrschaftsverhältnissen und Widersprüchen gekennzeichneten Umwelt zu verteidigen. Politische Konflikte werden so als individuelle Moralfragen verhandelt, die die gesellschaftlichen Machtverhältnisse unreflektiert lassen. Damit wird das Geschäft der Gegenseite besorgt.

Denn nicht allein in der AfD – auch in manch progressiven Milieus scheint mir der Wunsch nach der Stabilisierung offensichtlich erschütterter und gefährdeter „Identitäten“ ausgesprochen ausgeprägt zu sein. In schwierigen Zeiten wächst das Bedürfnis, die eigene Zugehörigkeit zur „guten Seite“ zu demonstrieren und zu markieren. Die selbstreflektierende Debatte von politischen Reizthemen an den Schmerzpunkten, wo es wirklich weh täte, wird dann ersetzt durch eine Pose der Besserwisserei und der moralischen Überlegenheit, die keine Kritik duldet, sondern nur Zustimmung erheischt. Der Aktionsmodus ähnelt dabei der autoritären Mobilmachung von rechts: Man gibt sich betont anti-elitär, komplexe gesellschaftliche Herrschaftsverhältnisse werden auf ein Gut-Böse-Schema heruntergebrochen und „das Böse“ personifiziert. 

Auf diesem Boden gedeiht eine aktivistische Kunst, die vor allem auf affektive Empörungsbewirtschaftung und trotzige Selbstvergewisserung setzt. Ihre Lautsprechereien sollen die dröhnende Leere der eigenen Ohnmachtserfahrungen übertönen: „Sag mir, wo du stehst!“ So wird aber die künstlerische Ausdrucksform dem aktivistischen Mobilisierungsziel nachgeordnet. Da ist dann kein Platz mehr für Ambiguitäten, Vieldeutigkeiten, Widersprüche, Nichtsoforterklärbares. Denn es bedarf für erfolgreiche Mobilisierung der Vereindeutigung, präziser Zuordnung zur richtigen Schublade – und damit der Negation der Realität in einer alles andere als eindeutigen, komplexen Welt, und der sie ausmachenden Vielfalt mit all ihren Problemen und Potenzialen. 
Wenn das nicht den Weltverschlechterern in die Hände spielt, was dann?

Nicht selten bedient diese Mobilisierung sogar eine Reproduktion reaktionärer oder verschwurbelter Welterklärungsmuster, besteht eine manifeste Nähe zu mystischen und gar Erlösungsideologien, werden Uniformitäten und Unterordnung beschworen. Oder sie mündet in moralische Predigten, die auf ein vermeintlich reines menschlich-politisches Verhalten des Individuums und entsprechende Buß- und Selbstgeißelungsrituale zielen. So etwas hilft wenig bei der Erweiterung menschlicher Emanzipationshorizonte. Es erzeugt um sich selbst kreisende Wahrheitsregimes, die sich nach der Außenwelt hin hermetisch abschließen, das Ausagieren autoritärer Strafbedürfnisse inbegriffen. Wir müssen uns nur erinnern, welche Reaktionen die Verweigerung einer Stellungnahme der Berlinale-Jury zum Nahost-Konflikt in manch sich für progressiv haltendem Milieu ausgelöst hat. Dabei hat der Jurypräsident Wim Wenders nur eine wichtige Selbstverständlichkeit betont: Filme sind keine Nachrichten, keine Politmanifeste. Sie sind Kunstwerke. Darin liegt ihre gesellschaftliche Funktion und auch ihre Kraft. 

Wäre es nicht angesagt, die autoritäre Spaltungs- und Polarisierungsstrategie der neuen Rechten und ihrer Zuträgerschaft im bürgerlich-konservativen Milieu mit den Mitteln der Kunst subversiv zu dekonstruieren und zu unterlaufen, statt ihr mit der routinierten Selbstinszenierung als „standhaft rebellischer Gegenpol“ Projektionsflächen und Futter zu verschaffen? Die allgemeine Zustandserfahrung der Unsicherheit, die ich vorhin beschrieben habe: Vielleicht könnte sie der Anknüpfungspunkt sein zur gleichen Zustandserfahrung der Unsicherheit, die auch der Kunst immanent ist – oder zumindest sein sollte? Nicht als Vorstellung einer verarmten Bohème, sondern im zweifelnden Ringen um das eigene Werk?  Und wie könnte das praktisch vonstattengehen?

So, genug dieser Tour de Raison. Was könnte eine knappe Zusammenfassung am Ende meiner Anmerkungen sein? Vielleicht so: Wir müssen gemeinsam die Autonomie der Künste verteidigen, gegen ihre Okkupation durch politische und ökonomische Interessen und Akteure. Das ist ein weites Feld, einige Gedanken dazu konnte ich vielleicht beitragen. Wir müssen uns zweitens kritisch selbst reflektieren – und damit ist mehr (und Anderes) adressiert als der individuelle „Privilegiencheck“: nämlich über den gesellschaftlichen Ort der Kultur, über unseren Standort und unsere Einbindung innerhalb der gesellschaftlichen Machtverhältnisse nachzudenken. Dazu würde auch gehören, den Gedanken der Kulturpolitik als Infrastrukturpolitik – „Kultur für Alle“ – in größeren Allianzen weiterzuentwickeln. Es geht ja nicht zuallererst um uns selbst. Also weg mit den fein gehüteten und wohlumzäunten Vorgärten der künstlerischen Sparten und Produktionsweisen. Und wir sollten drittens die schlechten gesellschaftlichen Zustände als etwas von Menschen Gemachtes und als von Menschen veränderbar – in der Kunst mit den Mitteln der Kunst – erfahrbar machen. Das ist die Suche nach den ästhetischen Formen, die Ausdruck einer universalistischen, menschlichen Erfahrung und Gestaltung der gesellschaftlichen Verhältnisse sein könnten.

Denn das ist die Stärke der Kunst – und nur der Kunst: „[Politische] Kunst kann elektrisieren, weil sie einen aus der Einsamkeit der digitalen Erfahrung und des Grübelns herausholt und in öffentliche Themen hineinversetzt. Sie lässt Solidarität und Verbundenheit als Möglichkeit erscheinen. […] Kunst kann mindestens so mächtig sein wie die Realität, wenn es darum geht, Meinungen zu verschieben oder zu erschüttern, wenn Mitgefühl angezeigt ist statt Hass oder wenn, wie im guten alten Drama seit 2500 Jahren, unvereinbare Haltungen miteinander um Wahrheit ringen“ (Tobi Müller).

© Dorothea Tuch

Dennoch herrscht allenthalben Ratlosigkeit, fast als sei die autoritäre Dynamik ein unabwendbares Schicksal, einprogrammiert im Autopiloten der gesellschaftlichen Entwicklung. Die Stärke der Autoritären ist nicht zuletzt die Schwäche ihrer Gegner.
Vielleicht hilft es, uns zu vergegenwärtigen, dass die autoritäre Dynamik nichts Metaphysisches ist, sondern ihre Verheißung in einem ganz realen Bedürfnis einer wachsenden Zahl von Menschen findet. Und es spricht viel dafür, dass dieses Bedürfnis in unserer Zeit eines nach Sicherheit und nach Anerkennung ist, in einem umfassend verstandenen Sinne. Dieses Sicherheitsbedürfnis nach Berechenbarkeit und Planbarkeit des eigenen Lebens, der Absicherung der eigenen sozialen Existenz, erfährt seit Beginn unseres neuen Jahrtausends zahlreiche Erschütterungen. Befeuert wird das durch eine Politik der selbsternannten „politischen Mitte“, die die Einzelnen programmatisch-propagandistisch auf sich selbst zurückwirft. Dabei wird immer klarer, dass für die Erhaltung von Zukunftsoptionen überhaupt gewaltige Transformationen anstehen. 

Alle Menschen spüren das. Aber nicht alle reagieren darauf in gleicher Weise. Wer buchstäblich gar nichts zu verlieren hat, kann sich auf radikale Transformationen einlassen. Aber die meisten Menschen haben etwas zu verlieren: einen bescheidenen, manchmal nicht gar so bescheidenen Wohlstand, einen Arbeitsplatz, eine soziale Stellung. Und sie haben nach Jahren neoliberaler Zurichtung der Gesellschaft den gut begründeten Verdacht, dass sie mit den damit verbundenen Veränderungen ihrer Lebenswelt alleingelassen werden.

Je weniger die Leute das Gefühl haben, in dieser Welt noch einen Platz zu haben, desto verlockender ist das Angebot, sich an die alte Welt von gestern und vorgestern zu halten, in der die Dinge vermeintlich noch in Ordnung waren: als ein Mann noch ein echter Mann, ein Deutscher noch „echt“ deutsch, Fleisch- und Benzinkonsum noch kollektive Norm und eine Grenze noch eine richtige Grenze gewesen ist. Eine Welt, in der man etwas darstellte, Teil von etwas Größerem war und in der alles seinen festen Platz hatte. Hier liegt die Anziehungskraft der Retropie – des Versprechens, dass alles wieder so schön werden könne wie es niemals gewesen ist.

Es wäre zu kurz gegriffen, das auf rein materielle Fragen zu reduzieren. Deshalb ist auch nur sehr begrenzt wirkungsvoll, den Wähler*innen der AfD deren marktliberales Umverteilungsprogramm vor die Nase zu halten. Ökonomische Sorgen und kulturelle Ängste, rationale Erwägungen und komplett irrationale, sind dabei nicht scharf zu trennen. Sie sind mitunter zwei Seiten derselben Medaille, können sich gegenseitig verstärken. In Zeiten erodierenden sozialen Vertrauens (15) und die eigene Lebensweise radikal infrage stellender Unsicherheit ist es – auf individueller Ebene – nicht komplett irrational, die Fakten beiseite zu schieben und zu verdrängen. Vor allem, wenn das vorherrschende Gefühl darin besteht, den Irrungen und Wirrungen der Dinge ohne eigene Handlungsspielräume ausgeliefert zu sein. 

Die Imagination eines völkischen „Wir“, das von außen bedroht sei, kann dabei Mythen aufrufen, die tief in unserer Gesellschaft verwurzelt sind: der faktenfreie Glaube daran, dass sich für jedes Problem noch eine technologische Lösung fände, dass der Sozialstaat nur „Faulpelzen“ nütze, die Rhetorik, dass unser deutscher Wirtschaftsstandort von „Grünen“ und „Woken“ bedroht sei und nicht zuletzt die konservativ-liberal-sozialdemokratische Deutung sämtlicher Verteilungskonflikte um die absehbar knapperen Ressourcen als solche zwischen „innen“ – also „Deutschland“ – und „außen“ – dem Rest der Welt, dem Fremden. Nur deshalb verfängt die Selbstinszenierung der AfD als „Verteidigerin der kleinen Leute in Deutschland“ überhaupt so wirksam. Ich fürchte, „antifaschistische Wirtschaftspolitik“ anzumahnen, so notwendig sie wäre, wird allein vielleicht nicht reichen. 

Wer auf die leuchtenden Augen und die Volksfeststimmung, ja, die geradezu messianische Erlösungshoffnung und Begeisterung auf den Wahlkampfspektakeln der AfD in Sachsen-Anhalt mal genauer geschaut hat: Waren das sozialer Protest und das ängstliche Seufzen kujonierter Ausgegrenzter und Abgehängter?

Gegenwärtig „trenden“ jedenfalls die neurechten Erzählungen von der „Abgehobenheit“ und „Wirklichkeitsferne“ der etablierten politischen und kulturellen Eliten extrem gut. Und das, dessen sollten uns bewusst sein, führt dazu, dass „unsere“ Formen von Kultur und auch das krampfhafte Bemühen in der demokratischen Politik, sich diesen Menschen zuzuwenden, sie immer weniger erreicht. Und vielleicht ist das der Moment, sich mit etwas zu beschäftigen, was Volker Weiß den „Wahrheitskern“ neurechter Politik genannt hat (16), und zwar mit Blick auf das kulturelle Feld. Es geht darum, uns zu vergegenwärtigen, wie die autoritäre und neurechte Mobilisierung an realen Zuständen andockt, um sie irrational, umgelenkt, zugespitzt und spaltend als Unterfütterung ihrer Propaganda auszuschlachten.

Auch wenn die Kunst hierzulande oft unter sehr prekären Bedingungen entsteht, gehören Bildung, kulturelle Kompetenzen und auch bestimmte kulturelle Codes (17) zu den „kapitalisierbaren“ Ressourcen, und zwar zu denen, die im postindustriellen Zeitalter über die Jahrzehnte immer wichtiger geworden sind – bei Erwerbschancen, aber auch für die Anerkennung und den sozialen Status. So dysfunktional unser Bildungssystem auch sein mag: In der Reproduktion von Klassen- und Milieudifferenzen ist es außerordentlich leistungsfähig.

Diesen Zustand zu ändern wäre eine riesige Aufgabe für progressive Politik. Heute sind wir aber unter Kulturleuten. Es ist aber aus meiner Sicht ganz zentral, diesen Fakt nicht zu ignorieren, sondern auch selbst kritisch zu reflektieren: Die ökonomische Prekarität künstlerischer Betätigung verstärkt die sozial selektive Rekrutierung in den Kunstszenen. Künstlerische Arbeit bleibt sehr vielen Milieus vorenthalten – und daher fremd und äußerlich. „Ansprechenden, selbstverwirklichenden Tätigkeiten in der Kulturindustrie nachzugehen“ ist weitgehend ein Privileg der Ober- und Mittelklassen.(18) Das drückt sich – oft unbewusst und gewiss auch ungewollt – in einem bestimmten Habitus und in einer sozialen Praxis aus, die nicht einfach verallgemeinerbar ist: Hyperindividualisierung, ein permanenter Zwang zur Selbstinszenierung und -optimierung, die Popularisierung und Idealisierung eines verengten Freiheitsverständnisses. 

All das wird in den Künsten auch thematisiert und reflektiert. Aber zumeist in einer Weise, die eher in der Art des „Insider-Witzes“ daherkommt, mehr auf die eigene Bubble bezogen ist als auf deren sozialen Ort in einem umfassenderen gesellschaftlichen Kontext. So scheint es der Bauchnabelschau näher zu sein als einer kritischen Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Zuständen. Wer sich – wie ich – darüber gewundert hat, warum wir bei den jüngsten Demos gegen die Kulturkürzungen in Berlin so weitgehend unter uns geblieben sind: Vielleicht könnte darin ein Teil der Erklärung liegen?

Dass das nicht ohne Einfluss auf die inhaltliche Substanz dessen bleibt, was wir so tun, liegt auch auf der Hand. Sich damit auseinanderzusetzen und über die Voraussetzungen der eigenen Arbeit nachzudenken heißt nicht, fertige Antworten mitzuliefern. Und ich will hier explizit nicht anmahnen, Kunst müsse wieder unmittelbar politisch-programmatisch sein und die soziale Frage aufgreifen. Nichts ist langweiliger (und oft auch schlechter) als Kunst, die von einem politischen Pamphlet nicht zu unterscheiden ist. „Die Inszenierung von Kunst als Politikspektakel […] hat Folgen“, schrieb Tobi Müller im Zusammenhang mit dem US-Präsidentschaftswahlkampf 2024 (19): „Was aus der Kunst kommt an politischer Einmischung, wird von der Politik nicht mehr ernstgenommen.“ Und schlimmer noch. Auch vom Publikum nicht.

Das soll kein Plädoyer gegen oder auch nur die Geringschätzung von politischer Kunst überhaupt sein. Es geht mir eher um deren vorherrschende Form. Denn es gibt eine Entwicklung, und das ist meines Erachtens mit der bereits erwähnten Dynamik der Individualisierung gesellschaftlicher Probleme und Konflikte verbunden, in deren Zug – so Müller weiter – die politischen „Haltungen selbst zur Marke der Künstlerinnen und Künstler wurden. Aus der Freiheit, politische Kunst machen zu dürfen […], erwuchs ein Marktbefehl, politischer Künstler sein zu müssen.“(20) Dazu habe der Wunsch von Konzernen und Kulturinstitutionen beigetragen, mit aktivistischer Kunst von den eigenen Widersprüchen und institutionellen Problemen abzulenken. Man könnte das auch Art Washing nennen. 

Ich finde, diese Problemdiagnose darf uns zukünftig durchaus intensiv beschäftigen. Nicht zuletzt liegt in derart „politischer“ Kunst auch eine grandiose Überschätzung ihrer Möglichkeiten: Trump wurde erneut US-Präsident, der zahllosen Positionierungen und Bekenntnisse aus den Künsten zum Trotz.

Gegen allzu marktschreierisch vorgebrachte „Haltungen“ oder „Positionierungen“ regt sich ein nachvollziehbares Unbehagen in Teilen des Publikums, die das Gefühl bekommen, belehrt und erzogen zu werden (21), wo sie doch eigentlich für die Kunst und nicht für die Reklame gekommen sind. Dieses Unbehagen nutzen das autoritäre Milieu und seine Propagandanetzwerke, um unter Verweis auf angebliche Neutralitätspflichten jede missliebige Positionierung in Künsten und Wissenschaften anzugreifen. Ein solcher Anti-Reflex mündete kürzlich in der grotesken Ausladung der Rockband Alphaville von einem Musikfestival, weil die Band sich keinen Maulkorb verpassen lassen wollte. 

Beide Phänomene, die krampfhafte Politisierung von Kunst wie der nicht weniger krampfhafte Versuch, alles Politische aus der Kunst herauszuhalten, nehmen die Potenziale der Künste und ihre Freiheit nicht ernst. Ich fürchte, wir müssen die Kunstfreiheit in beide Richtungen verteidigen: als Freiheit zur Einmischung, aber auch als Freiheit vom Zwang zur Einmischung. Tatsächlich ist die weit verbreitete Geringschätzung von Autonomie und Eigenwert der Künste beileibe kein exklusiver Move politischer Rechter.

Wir würden es uns zu leicht machen, wenn wir das Reaktionäre ausschließlich jenseits unserer eigenen kulturellen Milieus verorten und es uns in der ostentativen Beschwörung der eigenen Progressivität und Güte gemütlich einrichteten. Was sich progressiv gibt, hat nicht selten auch eine reaktionäre Seite.(22) Und es wäre ja tatsächlich ein Wunder, wenn die autoritären Zeiten ihre Spuren nicht auch in den Modi der Aushandlung von fortschrittlichen Zielen hinterließen. Ich sagte es schon: In der modernen, weitgehend warenförmig organisierten Informationsgesellschaft und ihren primär ökonomisch organisierten Medien, Kulturindustrie- und Digitalsphären werden Meinungen, Haltungen und Akteure selbst zu Waren und Kapital, die Performance unterliegt ihren Mechanismen. Meinungsstarke Abgrenzung und die Pose identitärer Standpunktmarkierung werden dadurch befeuert. 
Und wie in der Kunst die Möglichkeit liegt, eine andere, bessere Gesellschaft zu imaginieren, so liegt in ihr auch die Gefahr, die Reinheit einer als brüchig empfundenen individuellen moralischen Integrität reflexhaft gegen die Zumutungen einer von Ungerechtigkeiten, Herrschaftsverhältnissen und Widersprüchen gekennzeichneten Umwelt zu verteidigen. Politische Konflikte werden so als individuelle Moralfragen verhandelt, die die gesellschaftlichen Machtverhältnisse unreflektiert lassen. Damit wird das Geschäft der Gegenseite besorgt.

Denn nicht allein in der AfD – auch in manch progressiven Milieus scheint mir der Wunsch nach der Stabilisierung offensichtlich erschütterter und gefährdeter „Identitäten“ ausgesprochen ausgeprägt zu sein. In schwierigen Zeiten wächst das Bedürfnis, die eigene Zugehörigkeit zur „guten Seite“ zu demonstrieren und zu markieren. Die selbstreflektierende Debatte von politischen Reizthemen an den Schmerzpunkten, wo es wirklich weh täte, wird dann ersetzt durch eine Pose der Besserwisserei und der moralischen Überlegenheit, die keine Kritik duldet, sondern nur Zustimmung erheischt. Der Aktionsmodus ähnelt dabei der autoritären Mobilmachung von rechts: Man gibt sich betont anti-elitär, komplexe gesellschaftliche Herrschaftsverhältnisse werden auf ein Gut-Böse-Schema heruntergebrochen und „das Böse“ personifiziert. 

Auf diesem Boden gedeiht eine aktivistische Kunst, die vor allem auf affektive Empörungsbewirtschaftung und trotzige Selbstvergewisserung setzt. Ihre Lautsprechereien sollen die dröhnende Leere der eigenen Ohnmachtserfahrungen übertönen: „Sag mir, wo du stehst!“ So wird aber die künstlerische Ausdrucksform dem aktivistischen Mobilisierungsziel nachgeordnet. Da ist dann kein Platz mehr für Ambiguitäten, Vieldeutigkeiten, Widersprüche, Nichtsoforterklärbares. Denn es bedarf für erfolgreiche Mobilisierung der Vereindeutigung, präziser Zuordnung zur richtigen Schublade – und damit der Negation der Realität in einer alles andere als eindeutigen, komplexen Welt, und der sie ausmachenden Vielfalt mit all ihren Problemen und Potenzialen. 
Wenn das nicht den Weltverschlechterern in die Hände spielt, was dann?

Nicht selten bedient diese Mobilisierung sogar eine Reproduktion reaktionärer oder verschwurbelter Welterklärungsmuster, besteht eine manifeste Nähe zu mystischen und gar Erlösungsideologien, werden Uniformitäten und Unterordnung beschworen. Oder sie mündet in moralische Predigten, die auf ein vermeintlich reines menschlich-politisches Verhalten des Individuums und entsprechende Buß- und Selbstgeißelungsrituale zielen. So etwas hilft wenig bei der Erweiterung menschlicher Emanzipationshorizonte. Es erzeugt um sich selbst kreisende Wahrheitsregimes, die sich nach der Außenwelt hin hermetisch abschließen, das Ausagieren autoritärer Strafbedürfnisse inbegriffen. Wir müssen uns nur erinnern, welche Reaktionen die Verweigerung einer Stellungnahme der Berlinale-Jury zum Nahost-Konflikt in manch sich für progressiv haltendem Milieu ausgelöst hat. Dabei hat der Jurypräsident Wim Wenders nur eine wichtige Selbstverständlichkeit betont: Filme sind keine Nachrichten, keine Politmanifeste. Sie sind Kunstwerke. Darin liegt ihre gesellschaftliche Funktion und auch ihre Kraft. (23) 

Wäre es nicht angesagt, die autoritäre Spaltungs- und Polarisierungsstrategie der neuen Rechten und ihrer Zuträgerschaft im bürgerlich-konservativen Milieu mit den Mitteln der Kunst subversiv zu dekonstruieren und zu unterlaufen, statt ihr mit der routinierten Selbstinszenierung als „standhaft rebellischer Gegenpol“ Projektionsflächen und Futter zu verschaffen? Die allgemeine Zustandserfahrung der Unsicherheit, die ich vorhin beschrieben habe: Vielleicht könnte sie der Anknüpfungspunkt sein zur gleichen Zustandserfahrung der Unsicherheit, die auch der Kunst immanent ist – oder zumindest sein sollte? Nicht als Vorstellung einer verarmten Bohème, sondern im zweifelnden Ringen um das eigene Werk?(24) Und wie könnte das praktisch vonstattengehen?

So, genug dieser Tour de Raison. Was könnte eine knappe Zusammenfassung am Ende meiner Anmerkungen sein? Vielleicht so: Wir müssen gemeinsam die Autonomie der Künste verteidigen, gegen ihre Okkupation durch politische und ökonomische Interessen und Akteure. Das ist ein weites Feld, einige Gedanken dazu konnte ich vielleicht beitragen. Wir müssen uns zweitens kritisch selbst reflektieren – und damit ist mehr (und Anderes) adressiert als der individuelle „Privilegiencheck“: nämlich über den gesellschaftlichen Ort der Kultur, über unseren Standort und unsere Einbindung innerhalb der gesellschaftlichen Machtverhältnisse nachzudenken. Dazu würde auch gehören, den Gedanken der Kulturpolitik als Infrastrukturpolitik – „Kultur für Alle“ – in größeren Allianzen weiterzuentwickeln. Es geht ja nicht zuallererst um uns selbst. Also weg mit den fein gehüteten und wohlumzäunten Vorgärten der künstlerischen Sparten und Produktionsweisen. Und wir sollten drittens die schlechten gesellschaftlichen Zustände als etwas von Menschen Gemachtes und als von Menschen veränderbar – in der Kunst mit den Mitteln der Kunst – erfahrbar machen. Das ist die Suche nach den ästhetischen Formen, die Ausdruck einer universalistischen, menschlichen Erfahrung und Gestaltung der gesellschaftlichen Verhältnisse sein könnten.

Denn das ist die Stärke der Kunst – und nur der Kunst: „[Politische] Kunst kann elektrisieren, weil sie einen aus der Einsamkeit der digitalen Erfahrung und des Grübelns herausholt und in öffentliche Themen hineinversetzt. Sie lässt Solidarität und Verbundenheit als Möglichkeit erscheinen. […] Kunst kann mindestens so mächtig sein wie die Realität, wenn es darum geht, Meinungen zu verschieben oder zu erschüttern, wenn Mitgefühl angezeigt ist statt Hass oder wenn, wie im guten alten Drama seit 2500 Jahren, unvereinbare Haltungen miteinander um Wahrheit ringen“ (Tobi Müller). (25)

 

 

(1) Dazu grundsätzlich Klaus Lederer, Kulturstadt am Scheideweg. Kulturpolitik als Infrastrukturpolitik, in: Uwe Prell (Hg.), Die Zukunft Berlins. Wohin steuert die Stadt?, Berlin 2025, S. 131ff.
(2) Peter Laudenbach, Wie München und Berlin die Kultur durch Arroganz und Ahnungslosigkeit schädigen. Die Stunde der Dilettanten, in: Süddeutsche Zeitung vom 17. Juli 2026.
(3) Antrag der AfD-Fraktion „Jagdkultur (1) – Gründung eines Jagd- und Forstmuseums Friedrichshagen“ auf Abgeordnetenhaus-Drucksache 19/0337 vom 3.5.2022.
(4) Antrag der AfD-Fraktion „Kulturelle Identität stärken I: Förderung klassischer Theaterstücke“ auf Abgeordnetenhaus-Drucksache 19/2167 vom 15.1.2025.
(5) Siehe das Regierungsprogramm der AfD zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2026, https://afd-regierungsprogramm.de/, zuletzt abgerufen am 24.9.2026.
(6) Ebenda.
(7) Kulturfördergesetz des Landes Sachsen-Anhalt (KuFöG) vom 1.7.2026.
(8) Zum Ganzen Peter Laudenbach bereits in: Volkstheater. Der rechte Angriff auf die Kunstfreiheit, Berlin 2023, sowie jüngst in: Kulturkampf, nächste Stufe, in: Theater Heute Jahrbuch 2026, S. 74ff.
(9) Regierungsprogramm der AfD, a.a.O.
(10) Ich beziehe mich hier auf eine Bemerkung von Walter Benjamin in: ders., Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit. Drei Studien zur Kunstsoziologie, 33. Auflage, Frankfurt am Main 2012, S. 42.
(11) Karl Kraus, Der Patriot, Dezember 1908.
(12) Regierungsprogramm der AfD, a.a.O.
(13) Zum Ganzen Volker Weiß, Das Deutsche Demokratische Reich. Wie die extreme Rechte Geschichte und Demokratie zerstört, Stuttgart 2025, und zuvor schon: Die autoritäre Revolte. Die neue Rechte und der Untergang des Abendlandes, Stuttgart 2017, Zitate hier aus ersterem, S. 8.
(14) Guy Debord, Die Gesellschaft des Spektakels, 1967.
(15) Dazu Jan Philipp Reemtsma, Was ist soziales Vertrauen – und wann gerät es in eine Krise? Oder: warum und wann werden eigentlich die Leute verrückt?, Soziopolis vom 3.9.2025, https://www.soziopolis.de/was-ist-soziales-vertrauen-und-wann-geraet-es-in-eine-krise.html, zuletzt abgerufen am 24.9.2026.
(16) Volker Weiß, Die autoritäre Revolte, a.a.O., S. 241.
(17) Dazu grundlegend: Pierre Bourdieu, Die feinen Unterschiede, Frankfurt am Main 1987. 
(18) Vgl. zum Ganzen Berthold Seliger, Bürgerkinderkunst. Wie das kulturelle Prekariat zum Akteur neoliberaler Ideologie wird, in: konkret 1/2017, S. 44ff.
(19) Tobi Müller, Politisierung von Kunst: Viel Rauch, kaum Feuer, Die Zeit vom 27.12.2024.
(20) Ebenda.
(21) Dass das kein neues Phänomen ist, darauf hat jüngst Atif Mohammed Nour Hussein hingewiesen: Grand Guignol im Opernhaus - Welches Theater brauchen wir? Unter Buh-Rufern und Buh-Männern, Kolumne auf nachtkritik.de, https://nachtkritik.de/atif-mohammed-nour-hussein/kolumne-grand-guignol-im-opernhaus-3, zuletzt abgerufen am 24.9.2026.
(22) Vgl. dazu auch das Interview mit Jens Balzer in der Neuen Zürcher Zeitung vom 11.9.2026. 
(23) Vgl. Wim Wenders: Wir sind das Gegengewicht zur Politik, Ad Hoc News vom 12.2.2026, https://www.ad-hoc-news.de/unterhaltung/boulevard/die-politik-ist-nicht-empathisch-aber-filme-sind-es-sagt/68575405, zuletzt abgerufen am 24.9.2026.
(24) Hier knüpfe ich an entsprechende Überlegungen bei Peter Laudenbach und Holger Bergmann an, denen ich dafür zu Dank verpflichtet bin.
(25) Tobi Müller, a.a.O.