Produktionsförderung (01/2026)

Date of the jury meeting: 26 March 2026

Projects funded: 41

„Gast/Arbeit“ ist ein Musik- und Tanztheaterstück über „Gast“ und „Arbeit“ als gesellschaftliche, körperliche und emotionale Kategorien. Zwei Tänzer*innen begegnen den Geschichten ihrer Eltern, die in den 60er Jahren als sogenannte Gastarbeiter*innen nach Deutschland kamen. In einem hybriden Raum aus Wohnzimmer, Tanzsaal und Talkshow kommen migrantisierte Körper zu Wort.

Es ist „Berggeschrey“ im All! Doch wem gehört der Weltraum? In „(16) Psyche" wird eine Projektionskuppel zum Kontrollzentrum der NASA-Sonde Psyche. Dort verfolgt das Publikum die Reise zum gleichnamigen Metall-Asteroiden. Zwischen Animationen, spekulativem Objekttheater und begleitet von Expert*innen prüfen wir Szenarien, befragen kosmische Verwandtschaft und üben für die Zukunft im Sonnensystem.

„(NOT A) COMMON GROUND / IF THE BONES COULD SPEAK" setzt sich mit dem Hamburger Baakenhafen als post-kolonialem Gedenkort auseinander. Das performative Projekt versteht intervenierende Kunstpraxen als kritische Erinnerungsarbeit im urbanen Raum und zielt auf die Sichtbarmachung von Kolonialgeschichte durch die Aktivierung des konkreten Ortes im Rahmen eines performativen Monuments.

In „BAU HOW" verwandelt Felix Baumann die Baustelle in einen performativen Spielplatz zwischen Bau, Zirkus, Objekttheater und bildender Kunst. Alltägliche Arbeitsvorgänge und Materialien werden in choreografische, zirzensische und humorvolle Szenen, metaphorische Bilder und akrobatische Stunts übersetzt – und machen das Handwerk des Bauens als poetische Praxis erfahrbar.

Ein theatrales Datenexperiment: Welches Bild zeichnet eine generative KI von 5 realen Babys, basierend auf digitalen Daten, die die Eltern in Apps, Suchleisten und Zwiegsprächen mit ChatGPT hinterlassen haben? Welche Zukunft sagt sie den Babys voraus? Und wie lange tragen die Prophezeiungen dieses zeitgenössischen Orakels, bevor sich die wahrsagenden Daten als unzuverlässige Erzähler entlarven?

„Boss/y - Jetzt erst recht!“ (2026) thematisiert feministischen Widerstand gegen rechte Politik. Historische und aktuelle Reden von Politikerinnen werden für zwei Schauspielerinnen und Streichtrio musikalisiert und mit Popmusik kontrapunktiert. Der subversive und aktuelle „Leaderabend“ changiert zwischen Performance und Schauspiel, Poesie und Politik, Elektronik, Neue Musik und Punk.

Wir wollen ihr Mitleid! In „BRAVE" beschäftigen sich hannsjana und Theater Thikwa mit der emotionalen Währung der Inspiration und des Mitleids im inklusiven Theater. In einer glamourösen Spendengala inspirieren sie ihr Publikum radikal, um ihm große, wahre Gefühle zu entlocken – und damit einen möglichst großen Vorteil für sich selbst auszuhandeln.

Ein Drache steigt in den Himmel. Ein Kampf kündigt sich an und mit ihm die Revolution. Und drei Clowns rüsten sich zu einem rebellischen Spiel gegen den Opportunismus. Mit „Der Drache" von Jewgeni Schwarz bringt Compania Sincara ein brisantes Theaterfest auf die Bretter, dass sich die Balken biegen!

„Die Goldraffinerie" wird in Performances und Austauschprozessen in Duayaw Nkwanta, einer stark von den Folgen des Goldmining betroffenen Kleinstadt in Ghana, sowie in Hamburg und Zürich aktiv, wo Publika aufgefordert werden, ihre persönlichen Goldreserven einzureichen. Im Gegenzug erhalten sie alternative Lieferketten, die in Kooperation mit der Serwaa Kesse High School produziert werden.

„DRAG! – The Opera“ ist ein pseudo-dokumentarisches Musiktheaterprojekt zwischen Oper, Drag und queerer Geschichtsschreibung. Live-Gesang, Lip-Sync, Video und Orchester erzählen die fiktive Geschichte der ersten jüdischen Drag Queen Berlins – basierend auf realen Interviews mit heutigen Berliner Drag Queens. Premiere: Dezember 2026, Ballhaus Ost Berlin.

„DRONETALE" ist eine Science-Fiction Fabel der postindustriellen Ökosysteme, die mithilfe von Physical Theatre, Digital Arts, Elektronischer Musik und Naturwissenschaften erarbeitet wird. Im Prozess des kollektiven Geschichtenerzählens zwischen flimmernden Faltern, Drohnen und Nachtkerzen entstehen Vorschläge für ein zärtlich-solidarisches Zusammenleben zwischen Mensch, Natur und Technologie.

„Ersatzverwandte“ erzählt eine Familiengeschichte und beleuchtet ein wenig erzähltes Narrativ der deutschen Nachkriegsgeschichte sowie der viet-deutschen Geschichte. Vietnamesische Geflüchtete gründen familiäre Verhältnisse mit deutschen Familien – ein generationsübergreifendes Phänomen, das Fragen nach Identität und Mehrfachzugehörigkeit unterstreicht.

Die „Essensforschung" ist ein performatives Dinner für Kinder und Erwachsene. Im Theater wird ein großer Essenstisch aufgebaut, an dem alle gemeinsam Essen zubereiten und verköstigen. Das Essen soll hier als sozialer Raum erfahrbar werden, in dem verschiedene Geschmäcker und Perspektiven koexistieren und Fragestellungen zum Thema Essen kollektiv verhandelt und erforscht werden.

Rund um den Dokumentarfilm „FACING THE OTHER - 20 Jahre Freaks und Fremde", der im Zentrum des Projektes steht, entstehen szenische Installationen, inszenierte Dialoge, Choreografien, Kurzstücke auf der Bühne, Chats und Podcasts für die Webseite und die Webseite des Residenzpartners Societaetstheater Dresden. Ein lebendiges Archiv, das nicht nur zurückblickt, sondern Transformation gestaltet.

„FUCHSTEUFELSWILD. Ein Singspiel von HARTMANNMUELLER" ist ein musikalisch-performatives Stück, das Wut als emotionale, soziale und künstlerische Energiequelle erfahrbar macht. Biografische Fragmente treffen auf chorische Passagen, Sprechgesang und kompositorische Setzungen, die gemeinsam ein fragmentarisches, poetisch zugespitztes und gesellschaftskritisch choreografiertes Bühnenerlebnis formen.

Die immersive Performance will durch VR/AR-Technologie (Brillen) in 3D-Räumen die Wirkung von social media unmittelbar spürbar machen und reflektieren. Sie richtet sich an Jugendliche ab 10 und funktioniert interaktiv: Reaktionen des Publikums haben direkte Auswirkung auf den Content eines fiktiven Profils einer Influencer*in. Durch Manipulation wird gespalten, nur Austausch ergibt Klärung.

Zwei Menschen zeigen zusammen eine Performance, in der es um ein großes Thema dieser Welt geht - das Missverständnis. Das einzige Problem: Sie sprechen nicht dieselbe Sprache. Es geht um das einander zuhören, auch wenn man vielleicht schon weiß, dass man das Falsche versteht. Es geht darum, nicht aufzuhören zu kommunizieren, auch wenn man nicht sicher ist, was das Gegenüber mitnehmen wird.

Während die Protagonistin der Inszenierung in der „HAUPTSAISON" in Deutschland regionales Gemüse erntet, weil es vor Ort niemand macht, reist das Markus&Markus Theaterkollektiv zu dem Ort, den sie zurücklässt, um ihr Fehlen dort zu ersetzen. Diese Lücke würde zweifelsohne auch ohne das Kollektiv nach Kräften geschlossen werden. Reibungsloser und besser.

„Hopepunk" ist ein choreografisches Manifest für Freud*innen als Widerstand. Das queere, feministische Projekt für vier Performer*innen erforscht Tanz als verkörperte Praxis radikaler Hoffnung – gegen Apathie, Isolation und Angst. Die Premiere findet im Dezember 2026 im Radialsystem Berlin statt.

„Ich bin Batman" ist eine spielerische Auseinandersetzung mit der titelgebenden Figur, mit ihren emanzipatorischen sowie disruptiven Potentialen in politischer sowie sozialpsychologischer Hinsicht. Wer verbirgt sich hinter der Maske des dunklen Ritters? Ist er Held oder Schurke, Rächer oder Gerechter? Und: Was erzählt uns Batman über unsere eigene Fragilität und unser Streben nach Autononomie?

„KASSANDRA" verbindet mythologische Erzählung, gesellschaftliche Analyse und zeitgenössische Körperpraxis zu einer generationenübergreifenden Performance. Es erforscht die Vielschichtigkeit von Zuhören und Überhören in der Gesellschaft. Kinder und Frauen Ü60 fragen sich, wie viel Kassandra in ihnen steckt und welche ungehörten Gaben sie einander und der Gesellschaft zur Verfügung stellen wollen.

Eine Ortschaft sollte dem Braunkohletagebau weichen und umgesiedelt werden. Der Abriss wurde gestoppt – während der Prozess bereits in vollem Gange war. Das Resultat: Zwei Dörfer mit vermeintlich gleicher Identität. „KEYENBERG 3" ist eine poetische Auseinandersetzung mit Identität und Tradition im ländlichen Raum, ein Stück Heimat zwischen idyllischer Dorf-Utopie und geisterhaftem Leerstand.

In der Tanzproduktion „KLASSE" erforscht die Choreografin Mandy Unger gemeinsam mit vier Tänzer*innen, wie soziale Herkunft sich in Körper und Bewegung einschreibt – und wie Tanz, Hip Hop- und Clubkultur als Formen der Bewältigung und Selbstermächtigung wirken können.

Das Performance-Projekt „M°°U°°S°°T°°E°°R – Die Entdeckung der Symmetrie" von tanzfuchs PRODUKTION richtet sich an Kinder ab 3 Jahren. Inspiriert von früher zeichnerischer Entwicklung erforscht die Aufführung spielerisch das Zusammenspiel von Bewegung, Klang und Form – eine Einladung, Ordnung und Chaos gemeinsam zu entdecken, sinnlich, humorvoll und unmittelbar erfahrbar.

„Mein Herz schwimmt" ist ein Tanztheaterprojekt von Neele Buchholz. Ausgehend von der Figur der Meer(jung)frau entsteht mit Tanz, Text, Bildern, Licht und Musik eine poetische Unterwasserwelt über Besonders-Sein, Selbstbestimmung und Verwandlung. Die Premiere findet im November 2026 im Zentrum für Kunst statt.

„My Other Half“ verbindet Tanz und Musik zu einem interaktiven, sinnlich erfahrbaren Raum für kleine Kinder und neurodiverse Zuschauer*innen. Wie gehen wir mit den fehlenden Teilen eigener Puzzles um? Können sich verschiedene Eigenschaften von Menschen und Objekten gegenseitig ergänzen, um etwas Stärkeres zu schaffen?

„naked and exhausted” ist eine Performance des Kollektivs ABA NAIA in zwei Solo-Akten – zwei radikale Porträts, die aufeinandertreffen, ineinander greifen. In „naked” performt Kysy Fischer Nacktheit als politische Erinnerung. In „exhausted“ dekonstruiert Rafaella Marques Sprache als Widerstand. Die Performance ist ein choreographischer Dialog über Ausgrenzung, Begehren und Sichtbarkeit.

„Platz der Republik“ - ist eine mobile Radio-Show von cobratheater.cobra mit Radio Corax, dem Theater Magdeburg und dem neuen theater Halle, die vor dem Hintergrund der Landtagswahl 2026 durch Sachsen-Anhalt tourt. Ziel des Projektes ist es, neue Orte der Begegnung und des Austausches im öffentlichen Raum zu schaffen. Entstehen werden acht Radio-Shows, ein Podcast und ein Live-Hörspiel.

„SCORES II" würdigt eine Freundschaft, die große Krisen überstanden hat. Sie fragt dabei, wieviel davon individuellen Herausforderungen oder gesellschaftlicher Prägung zuzuschreiben ist. Dafür wird ein Toolkit zur Beziehungsreparatur entwickelt – zu sich selbst, zu anderen und zur Gesellschaft. Ein humorvoller Cocktail aus Krise und Glückseligkeit, der Freundschaft als radikale Kraft feiert.

„SECRET SUN" ist eine Electro-Messe in St. Gertrud im Rahmen des Nordwind Festivals: Club, Ritual und Wahlabend zugleich. Draußen wird über die Übergabe von Verantwortung an eine neue Autorität abgestimmt. Drinnen verteilt ein Zeremonienmeister Zugang, Nähe und Information – und zeigt, wie schnell Gemeinschaft und Ausschluss entstehen. Parsifal-Motivspuren und Live-Sound verdichten den Sog.

„If God created this world, she/they/he must be one kinky-ass motherfucker.” (Carolyn Elliot) Die Performance „SEX and RAGE. eat me raw" nimmt die fortschreitende Zerstörung von Körpern, Land und Leben zum Anlass, sich der tiefen Verbindung und vor allem magischen Sprengkraft von Sex und Wut zu widmen.

Mit „Silicon Traces“ geht OutOfTheBox dem Weg des Mikrochips vom Sandkorn zum politischen Machtinstrument auf die Spur und macht seinen ökologischen Fußabdruck sichtbar. Zwischen audiovisuellen Spuren und spekulativen Szenarien lässt die interaktive Performance einen vielschichtigen Raum entstehen, der die Materialität des Mikrochips mit seiner gesellschaftspolitischen Dimension verschränkt.

„Sinking Ship" ist eine immersive Performance auf Basis von Spieldesign. Das sinkende Schiff ist eine Analogie für eine überlastete Kunstszene im Systemkollaps. Während das Schiff untergeht, üben sich die Künstler*innen in Unterstützung und wetteifern ums Überleben. Wie findet man sich in gegenseitiger Abhängigkeit zurecht, selbst wenn das Schiff sinkt?

Im Slaptstick manifestiert sich Körperkomik als populäre Kunstform mit Höhepunkt in der Stummfilmzeit. La Fleur verbindet Slapstick mit aktueller urbaner Tanzpraxis, pointierter Narration und dem Medienwandel. Vorbild dafür ist die Biama-Szene in der Elfenbeinküste, die seit 2019 Akrobatik, Virtuosität, Komik, Subversion in Live Acts- und TikTok Mediatisierung in eine lebendige Form bringt.

Das Syndikat inszeniert in Kooperation mit dem lokalen Verein wow!CLUB einen performativen Streifzug über das verlassene Hütten-Gelände in Ilsede. Das Projekt begibt sich auf die Suche nach Erzählungen über Bewegungen von einem Zustand in den nächsten: Vom Erz zum Stahl, von der Werks- zur freiwilligen Feuerwehr, von der ländlichen Türkei in die ländliche BRD, von einem Zustand zum nächsten.

„Soma Sonic Institute" ist ein partizipatives und nachhaltiges Performanceformat von deufert&plischke in Kollaboration mit den Künstler*innen Dessa Ganda, Lee Méir und Shade Théret. Gemeinsam mit dem Publikum schaffen sie einen Raum für körperliche Präsenz, klangliche Vielstimmigkeit, kollektive Praxis und künstlerische Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Kunst und Institution.

„Sterne steigen auf“ ist ein Performance-Projekt, das sich mit DDR-Travestiegeschichte in Sachsen auseinandersetzt und in Leipzig sowie Kleinstädten der Region aufgeführt wird. Es entsteht eine dokumentarische Travestie-Show, bei die Recherchen mit Formaten der Unterhaltungskultur verwoben werden.

Eine Nacht voller Missgeschicke. Zwei Figuren jagen dem Gespenstischen nach – nur um zu sehen, wie es sich entzieht. „THE FETCH" ist eine 60-minütige Tanzarbeit über Geister als Boten unklarer Zukünfte. Oszillierend zwischen Heimsuchung und Jagd entfaltet sich eine Welt affektiver, unlinearer Zeitlichkeiten. Was bedeutet es, von sich selbst heimgesucht zu werden?

„The Game We Knew, but Didn’t Play“ ist eine partizipative Performance über die deutsch-iranische Contact Zone, geprägt von Theateraustausch, politischem Einfluss und Zensur. Performer*innen und Publikum erkunden Strategien zwischen Kooperation, Widerstand und Subversion anhand deutscher Inszenierungen im Iran seit 1999.

„Trad is a Trap“ ist eine theatrale Installation, die die Küche als Schauplatz antifeministischer Ideologien und zugleich als Ort kollektiver Sorgearbeit untersucht. In einer öffentlichen Küche werden Kochen und Fürsorge zu theatralen Akten. Das Projekt versteht Kunst als relationale Praxis und macht alternative Modelle solidarischer, Daseinsvorsorge sichtbar und kollektiv erlebbar.

Ein Mädchen trifft auf eine rauchende Philosophin: Hannah Arendt. Gemeinsam begeben sie sich auf eine gedankliche Reise durch ihre Leben, Texte und Fragen, die bis heute nachhallen. Weggefährtinnen und Kritiker treten auf, Erinnerungen an Arendts eigene Flucht erwachen zum Leben. Es entspinnt sich ein Dialog zweier Generationen über Flucht, Heimatlosigkeit und Sehnsucht nach Zugehörigkeit.