Residenzförderung (03/2026)

Date of the jury meeting: 28 April 2026

Projects funded: 43

Was bedeutet es, in Russland und Belarus politischen Zensurmechanismen zu unterliegen und wie spricht man in Deutschland über Zensur? In diesem Rechercheprojekt kommen Zeitzeug*innen des aktuellen kriegskritischen russischen Underground-Theater, Maryja Kalesnikawa und von Zensur betroffene DDR Künstler*innen zu Wort.

Simone Dede Ayivi und ihr Team erforschen in Stuttgart die Nachkriegszeit aus Schwarzer Perspektive und untersuchen, wie Kinder Schwarzer US-Soldaten und weißer deutscher Frauen behördlicher Diskriminierung ausgesetzt wurden. Die Recherche ist Teil ihrer aktuellen Theaterproduktion „Reclaiming Memories“, die im November 2026 an den Sophiensaelen Berlin Premiere haben wird.

„Caught?“ ist eine szenografisch-choreografische Recherche über Gemeinschaft im Angesicht ökologischer und gesellschaftlicher Krisen. Inspiriert vom Sozialverhalten der Kaiserpinguine wird ein Bühnenbild im Hinblick auf seine tänzerischen und musikalischen Möglichkeiten untersucht. Wie formen Nähe, Begrenzung und Raum Körper – zwischen Solidarität, Anpassung und bedrohter Freiheit?

„China Box“ ist eine künstlerische Forschung mit Essen und Erzählungen. Das Projekt forscht über Takeaway-„China Boxen“ und füllt sie mit Erzählungen aus der chinesischen Diaspora in Hessen.

In der Recherche „Choose your fighter“ gehen ein Millenial und ein Gen Alpha auf die Suche nach der eigenen Jugend im Ostdeutschland der 90er Jahre und im Heute. In dieser semi-fiktionalen Begegnung mit der eigenen Vergangenheit und Gegenwart werden beide zu Maik. Sie erinnern sich an die damals und heute verfügbaren Männlichkeits(vor)bilder – und gemeinsam streifen sie sie sich über.

HARTMANNMUELLER vergrößern mit dem Labor "couRAGE!" bei PATHOS theater ihren Versuchsaufbau: Zusammen mit weiteren Darsteller*innen der performativen Künste wird die Forschung des Performanceduos zum Thema Wut um unbekannte biografische Reaktionen erweitert, werden künstlerische Praktiken mikroskopiert und Methodiken auf ihre Übertragbarkeit hin durchleuchtet. Ein Projekt mit explosivem Potenzial!

Hendrik Quast überträgt als Performer und Theatermacher Care- und Klinik-Clowning als künstlerische Praxis ins Theater. Am FFT Düsseldorf (KAP1) werden Flure, Treppen und Übergangszonen zu Versuchsfeldern, in denen Clown und Clownsmusik gemeinsam mit Toben Piel als Musiker und Performer funktionale Abläufe verschieben. Clown wird zum Instrument der De- und Resorganisation.

„Labor Movements" ist ein choreografisches und dokumentarisches Projekt, dessen Ausgangsmaterial von Arbeitsbewegungen in Minen inspiriert ist und die nachhaltigen Auswirkungen auf die Körper und die Ökologie aus einer choreografischen Perspektive erforscht. In der Residenz wird gesammeltes audiovisuelles Material bearbeitet, um eine choreografische Umsetzung zu finden.

Eine Interviewrecherche und Szenische Forschung setzt sich mit den Themen menschliche Abhängigkeit, Pflege, Krankheit, Alter, Sterben und Tod auseinander. Mit Figuren- und Objekttheater, sowie Musik, entstehen - als Vorbereitung eines größeren Projekts - szenische Skizzen, die diese oft an den Rand gedrängten, existenziell wichtigen Lebensphasen bühnenwirksam ins Rampenlicht rücken.

In der Nacht brüllen meine Beine stille Poesie. In einem Labor zwischen Somatik, Fiktion und Medizin erforscht die Residenz eine Somalinguistik, die dem Restless-Leg-Syndrom (RLS) eine Stimme gibt: Gedicht der Nerven, Gesang der Muskeln, Tanz der Sehnen. Die zentrale Frage lautet dabei: Ob die Unruhe der Körper von einer beunruhigten Gegenwart erzählt, die uns nicht schlafen lässt.

Im Rahmen des Langzeitprojekts „HAFEN“ untersucht unsere Residenz in Libken Wasserwege der Uckermark als Orte transformierter Logistikinfrastruktur. Im Zentrum steht die Frage, wie sich Schifffahrt in touristische Nutzung und neue Formen von Wertschöpfung überführt hat. Gespräche mit Expert*innen des Alltags und dokumentarische Recherchen haben ein künstlerisches Logbuch und Arbeitsheft zum Ziel.

In „DOPPELGÄNGER/DOPPELLEBEN/REMIGRARE" unternehmen der Dresdner Theatermacher Michael McCrae, die In Leipzig wohnende Künstlerin und Performerin Dina Zaitev, Regisseur und Performer Arthur Romanowski aus Offenbach und die in Düsseldorf lebende Schauspielerin und Performerin Maral Sedighi einen radikalen Selbstversuch. Jede*r von ihnen beginnt für die Recherche ein Doppelleben auf Zeit.

Post Theater spielt, analysiert und tweekt Brettspiele, die Landwirtschaftsflächen thematisieren. Kann die Repräsentation von Feldern im Spiel auf die Arbeit im Bühnenraum übertragen werden? Gemeinsam mit lokalen Spiel-Initativen soll dieses Feld beackert und ein neues Publikum für interdisziplinäre, partizipative Performances begeistert werden.

„Freestyle“ ist ein Begriff aus der Hip Hop Kultur und heisst übersetzt - Improvisation. Innerhalb der Residenz wird dazu recherchiert und experimentiert: Welche Bedingungen braucht es um im Bühnenkontext zu Freestylen? Was passiert wenn mehrere Personen gleichzeitig und/oder zusammen freestylen, mit denselben und/oder mit unterschiedlichen Stilen?

Ariel Efraim Ashbel & friends fragen nach der politischen Geste unserer Zeit und entwickeln ihre partizipativen Formate weiter. Wie behauptet sich eine auf Reflexion und Gemeinschaft basierende Praxis rund um jüdische Kultur in einer zunehmend polarisierten Öffentlichkeit? Im Zentrum steht die Spannung zwischen „safe“ und „brave“, zwischen dem Bedürfnis nach Schutz und dem Mut zur Stellungnahme.

Von der Wisła in Warszawa bis zum Hudson River in New York – „Holding Water“ widmet sich trans* & nicht-binärer Erinnerungskultur. Ausgehend von den Biografien von Marsha P. Johnson & Milo Andrea Mazurkiewicz wird das Flussufer zum lebendigen Archiv. Angelehnt an Fluxus und historische Protestformen fragt das Projekt nach queeren Formen des Gedenkens: Wie können kleine Gesten zu Denkmälern werden?

INTER-ACTIONS erforscht mit „How we float fluide" Identitäten und wertfreie Begegnungen, um starre Labels zu überwinden. In einer zweiwöchigen Residenz beim Theaternatur Festival (Benneckenstein/Harz) wird ein Versuchsaufbau entwickelt, der Tanz-Begegnungen, einen Community-Workshop und eine öffentliche Präsentationen umfasst.

„Kraftwerk" (AT) ist ein künstlerisches Forschungsprojekt bei Ada Mukhina in Zusammenarbeit mit dem Festival OSTEN. Es wird sich mit der globalen Energie- und Machtpolitik im ortsspezifischen Kontext des Kraftwerks Zschornewitz in Sachsen-Anhalt befassen.

Das Projekt ist eine physische Auseinandersetzung mit dem Konzept des Widerstands gegen Auslöschung, Unterdrückung und Kontrolle. Die Residenz macht deutlich, dass diese Körper nicht nur von der Geschichte geprägt sind, sondern auch Träger von Erinnerung, Wissen und Strategien des Widerstands sind.

„LIFE IN NUMBERS, reconsidered“ ist die Fortführung einer transnationalen Begegnung von Kátia Manjate und Anna Till. Zwischen Europa und dem Globalen Süden befragen sie, wie Zahlen Lebensrealitäten, Identität und künstlerische Praxis prägen – und verbinden persönliche Biografien mit einer kritischen Neubetrachtung von Tanz als kultureller Praxis.

„LILULI" ist eine weitgehend vergessene allegorische Antikriegsfarce von Romain Rolland (1918). Das Labor untersucht das Stück als historisches Dokument kritischen Theaters, als dramaturgisches Gerüst und Fabel-Stoff, aber vor allem als Resonanzraum von zeitgenössischer Selbstverständigungsversuchen im Kontext diskreditierter westlicher Geschichtsmodelle, in Vorbereitung für das Stück „DILULI".

Im Rahmen der Residenz LISTENING – RESEARCHING NEW AESTHETICS kommen die Künstler*innen Carolin Jüngst, Lisa Rykena, Zwoisy Mears-Clarke und Sophia Neises zusammen, um künstlerische Strategien zu entwerfen, die sich mit auditiven Ästhetiken, mit künstlerisch integrierter Audiodeskription und blinder Dramaturgie auseinandersetzen.

Luft ist überall, und doch nehmen wir sie erst wahr, wenn sie knapp wird. Sie entfaltet sich dort, wo sie wirkt: im Tosen, im nach Atem ringendenden Körper, in Halluzinationen. Das Unsichtbare wird sinnlich erfahrbar: in Licht und Farbe, im Sound der Bewegung und des Drucks. Kein Gedanke an die Bedrohungsszenarien wie Smog, Rauch aus Großbränden, Geo-Engineering. Was bleibt, wenn die Luft ausgeht?

Bühnenbildner Thomas Giger und vorschlag:hammer experimentieren ergebnisoffen mit Raum und Materialien. Wie sind Stoffe, Metalle, Hölzer oder Pflanzen beschaffen - welche Eigenarten, Zustände und Veränderungen zeichnen sie aus und wie lassen sie sich auf der Bühne verwenden? Nach einer Forschungsphase zu Materialkunde und Bauweisen entstehen Raumanordnungen im Spannungsfeld von Natur und Technik.

Das Vorhaben mit dem Arbeitstitel „Mehr Musical, bitte” untersucht, wie Leichtigkeit, Humor und minimale Verschiebungen als künstlerische Mittel eingesetzt werden können, um komplexe Themen zugänglich zu machen. Dafür kommen fünf künstlerische Positionen zusammen. Sie verbindet ein spielerischer Zugang zu Material und zum eigenen Körper: zwischen minutiöser Planung und absoluter Unberechenbarkeit.

Wie lässt sich aus feministischer Perspektive auf einen Wehrdienst für Frauen blicken? In Anbetracht aktueller politischer Debatten um die Wiedereinführung der Wehrpflicht fragt sich das feministische Performancekollektiv hannsjana, ob und wie es einem Einzug zum Wehrdienst entgehen würde. In einer Residenz am Berliner HAU möchten sie zu Militärmusik und Musterung recherchieren.

„Performing Class“ ist ein künstlerisches Forschungsprojekt, das choreografisch verschiedene Wege untersucht, wie man seine soziale Klassenidentität zum Ausdruck bringt. Es analysiert, wie sich soziale Klasse in unseren Körpern manifestiert und wie sie in unterschiedlichen soziopolitischen Kontexten dargestellt und ausgedrückt wird.

Ein Körper vergisst nichts. Durch eine Residenz an der Villa Wigman kehrt die Artistin und Ex-DDR-Turmspringerin Romy Seibt für die Recherche „Poolreinigung“ nach Dresden zurück. Früh gedrillt und von der Stasi überwacht, forscht sie im Team mit Zirkus, Text und Film, um das „Körperarchiv“ einer Diktatur sichtbar zu machen und physisch zu überschreiben.

„Employee of the Month" ist eine satirische Performance in Entwicklung über Migration, Aufstieg und Erschöpfung im globalen Arbeitsmarkt. Im Zentrum steht Emilia, ein Hasen-Maskottchen, als Rettungsbild an Deutschlands „Sunset-Industrien“ verkauft: süß, gehorsam, jederzeit einsetzbar. Was muss verschwinden, damit das Bild funktioniert – und wie bleibt der Körper darunter sichtbar?

„SCRIPTED REALITY" untersucht, wie Mediensysteme gelebte Erfahrung und Erinnerung prägen. Ausgehend von einem Autounfall in Detroit nutzt das Projekt Reenactment, um zu prüfen, wie Wiederholung, Rahmung und digitale Simulation Wahrnehmung und Gedächtnis verändern. Im Dialog mit neurokognitiver Forschung werden wir analysieren, wie Kontext verkörperte Erinnerung und das performende Selbst formt.

Auf der Basis ihrer langjährigen Ost-West-Autobahnrecherche und dem daraus hervorgegangenen Materialpool begibt sich MFK Bochum auf eine ästhetische Formensuche zwischen VJing und Konzertperformance. Im multimedialen Nebeneinander (nicht-)menschlicher Perspektiven, Rhythmen und Daseinsformen werden non-lineare Erzählformen entlang der Autobahn in Deutschland und der Slowakei erprobt.

„The Ball" ist eine Mixed Reality Dance Experience für 10–15 Teilnehmer*innen. Mit VR-Brillen ausgestattet, begegnen sie virtuellen Tanzpartner*innen, die sie spielerisch durch eine gemeinsame Choreographie führen. Die Residenzförderung dient der Entwicklung dieses Tanzavatars: Welche visuellen, haptischen und rhythmischen Elemente erzeugen ein glaubwürdiges Gefühl des Paartanzens?

In einer vierwöchigen Recherche entsteht eine Kunstfigur, eine zeitgenössische Sirene zwischen Verführung und Abgrund. „Lure-Ley“ oszilliert zwischen Mensch, Tier und Mythos, zwischen lieblich und unheimlich. Mit Stimme, Song, Kostüm und elektronischen Klangräumen wird ihr kippendes Wesen erforscht – eine Figur, die sich eindeutiger Zuschreibung konsequent enzieht.

Sarah Ama Duah entwickelt afrodiasporische Erinnerungsstrategien weiter. In einer Residenz forscht sie zu Schwarzer Erinnerungskultur und schafft gemeinsam mit zwei Performerinnen temporäre Denkmäler, die Erinnerung als lebendige, ortspezifische und situative Praxis erfahrbar machen.

„Transgressing Bodies #2“ ist eine partizipative Recherche von Overhead Project zu Vertrauen, Körperlichkeit und kollektiver Bewegung im zeitgenössischen Zirkus-Tanz. Ausgehend von der Frage „Wie viele Menschen braucht es, um einen Körper zu tragen?“ erforscht das Projekt mit einem altersgemischten Publikum Formen des gemeinsamen Handelns, Schwarmintelligenz und das Aushandeln von Nähe und Risiko.

In einem Forschungslabor im Societätstheater Dresden setzen sich vier Künstler*innen (Jaekel, Beach, Ouzounis, Panda) mit der DDR-Aktionskunst der Autoperforationsartisten auseinander. Zwischen Archiv, Zeitzeug*innengesprächen und performativen Experimenten fragen sie, was Radikalität in einer postdigitalen Gegenwart bedeutet, in der nicht mehr der Staat verbietet, sondern der Markt absorbiert?

In der Recherche beschäftigen sich Polymer DMT mit den Themen „Widerstand“ und Protestkultur in ihrer Kraft und Ambivalenz – warum erheben sich Menschen, worin besteht Widerstand, wie wird demonstriert, wann haben sie Erfolg oder scheitern? Wie kann aus Widerstand eine eigene Bewegung entstehen, was bedeuten Erfolg und Scheitern? Wann schlägt Protest in blindes „Dagegen" und ziellose Empörung um?

Wir ermächtigen uns unserer Körper, ziehen neue Grenzen, sprengen oder überwinden alte. In einer Zeit, in der selbst der Instagram-Chef Adam Mosseri davon spricht, dass wir zukünftig Bildern nicht mehr trauen können, beschäftigen sich das Kollektiv service not included und die Choreografin Alina Belyagina mit patriarchalen Blickregimen, digitaler Integrität und Erotik im Feld des Tanzes.

„Washing Rituals“ verwandelt die Dreisam in einen temporären Waschplatz. Ein großformatiges Textil bewegt sich im Wasser, Hände heben und wringen, Stimmen erfüllen den öffentlichen Raum. Ein Projektchor singt, während das Publikum selbst Teil des Rituals wird. Care-Arbeit zeigt sich hier nicht als private Last, sondern als kollektivierende Kraft und als poetische Form des Widerstands.

„WASSERSPRINGEN" ist eine transgenerationale Recherche in ostdeutschen Gewässern, Schwimmhallen und Tanzstudios. Sie entwickelt autofiktionale Strategien zur künstlerischen Bearbeitung biografischer und sozialer Themen. Das Projekt untersucht kollektive Transformationsprozesse vor und nach 1990, exemplarisch über eine (abstrakte) Mutter-Tochter-Konstellation – zwischen DDR-Kind und Nachwendekind.

Laila Nielsen und Julia Amme erforschen in „WIDERSTANDSKÖRPER" den weiblich gelesenen Körper als Mittel der Selbstermächtigung. In physischer Improvisation, choreografischen Skizzen und dokumentarischen Fragmenten hinterfragen sie patriarchale Zuschreibungen, entwickeln widerständige Körperhaltungen und neue Ausdrucksformen. Werkstattpräsentationen ermöglichen Reflexion und Austausch.

Performativ-experimentelle Forschungen über Ordnung mit Fokus auf Verselbständigung und Vergänglichkeit von Dingen, die uns umgeben. Putzen konfrontiert uns mit dem wahren Leben: kein Zustand bleibt lange, wie er ist. Ist Dreck am Ende nur Materie am falschen Ort? Szenische Objekt- und Materialuntersuchungen fragen nach utopischen Ordnungen jenseits von sauber und schmutzig.

Leon Pfannenmüller und Hannah Baumann, Mitglieder des Theaterkollektivs Post Paradies, nehmen den Gedichtband „Erzählung von den Konsumgütern” der Wanderarbeiterin Zheng Xiaoqiong als Ausgangspunkt für eine Recherche, die globalen Verflechtungen von den Fabrikräumen Chinas bis in unseren europäischen Alltag nachspürt. Der Ansatz verbindet Sprechtheater, Musical und Roboterperformance.