Entscheidung AUTONOM (Februar 2021)

Ausgewählte Vorhaben

„SystemFailed“ ist eine partizipative Performance, die sich mit Herrschaftsstrukturen im „smarten“ Zeitalter auseinander setzt. Algorithmische Regierungstechniken werden spielerisch erfahrbar gemacht und die kritische Auseinandersetzung mit der Digitalisierung angestoßen. In der Performance wird untersucht, wie unsichtbare KI unser soziales Verhalten beeinflusst und wie wir sie aktiv mitgestalten können. Drei Performer*innen und ein selbst entwickeltes KI-System, das durch bewegtes Licht und Projektionen repräsentiert wird, stehen dem Publikum gegenüber. Das Publikum kann Einfluss auf den Verlauf der Handlung nehmen und sein Verhalten wird von der KI durch Videoüberwachung analysiert.

In ihrem Text „A Room of One´s Own“ stellte Virginia Woolf 1929 die These auf, dass Frauen ein eigenes Zimmer und 500 Pfund im Monat brauchen, um mit Männern ebenbürtig kreativ werden zu können. Ausgehend von Woolfs Allegorie für emanzipierte Selbstverwirklichung durch finanzielle und räumliche Unabhängigkeit möchten die Künstler*innen im Rahmen des Förderprogramms AUTONOM eine immersive Installation entwickeln, in dem sich die Betrachter*innen durch die Interaktion mit künstlicher Intelligenz ihren ganz eigenen audiovisuellen Raum erschaffen. Die Installation soll im Rahmen des Künstler*innenaustausches „Home-Frankfurt-Tel Aviv“ im Herbst 2021 in Tel Aviv und im Frühjahr 2022 in Frankfurt präsentiert werden.

„Digitale Mythologie und KI“ erarbeitet die Geschichten von Medea, Orpheus und Theseus mit einem Ensemble von 12 Schauspieler*innen mit Beeinträchtigung neu: mit einer Textfassung, in der die digitale Verzahnung mitgedacht wird und eine ästhetische Form gefunden wird, die ein Großstadtpublikum dazu bringen kann, eigene Selbstverständlichkeiten zu hinterfragen und die Welt mit etwas anderen Augen zu sehen. Hierbei werden digitale Technologien wie KI-basierte Software, Generative Adversarial Networks, Chatbots und sprachbasierte Assistenten und face-capture bzw. motion-capture-Technologien mit AR-Projektionen verwoben, um digitale und analoge mythische Narrative aufeinander prallen zu lassen.

Die Union of Global Artificial Intelligence (U.G.A.I.) ist eine von intelligenten Maschinen und Systemen gegründete Gewerkschaft, die 2019 zum ersten Mal in ihrer 30-jährigen Geschichte ihre Jahreshauptversammlung für Menschen öffnete. 2020 entstand der zweite Teil, genauer der Prequel „U.G.A.I. hört die Signale!“: Erzählt wurde die Gründungsgeschichte der Gewerkschaft, wie alles begann. Nun soll der dritte Teil des Zyklus „U.G.A.I. Ich bin kein Roboter“ entstehen: Wir befinden uns im Jahr 2050 und die U.G.A.I. hat die Leitung der Agentur für Arbeit übernommen. Formal handelt es sich bei dem Projektzyklus um Objekttheater mit Maschinen an der Schnittstelle zu Sound- und Medienkunst.

Entwicklung einer KI für automatisierte synchrone Live-Übertitelung und Übersetzung im Theater und im Live-Stream. Programmierung eines Interaktionstools zwischen zugeschaltetem und Live-Publikum. Das Übertitelungsprogramm ermöglicht, dass auf live gesprochene Sprache direkt reagiert wird und somit auch Textsprünge und Improvisationen in der Übertitelung abgebildet werden können. Zudem wird Text dem sprechenden Charakter räumlich zugeordnet. Weiterer Schritt: Versuch, den Text live und unmittelbar in mehrere Sprachen gleichzeitig zu übersetzen. Die KI-Entwicklung passiert während des Probenprozesses durch mehrere Hackathons und Versuche mit Smartglasses und im Live-Stream während mindestens fünf Vorstellungen.

ANIMA™ ist eine simulierte, spirituelle Institution, in welcher die Darsteller*innen mit sich selbst, ihrer Vergangenheit , Gegenwart und Zukunft in Kontakt treten können. Die Bühne stellt eine Art Institut dar, in welchem die Schauspieler*innen und Musik-Performer*innen auf Varianten Ihrer selbst treffen. In dem KI-gesteuerten Setting mit großer Videoleinwand kommunizieren die Performenden mit der Maschine, geben sich einer quasi experimentellen Situation hin. Dieser Vorgang ist nur zum Teil inszeniert, da die konkreten Handlungen, Synthesen und Anweisungen in Echtzeit erstellt werden sollen. Das Publikum im Theatersaal erlebt jeden Abend eine andere, reale Konfrontation.

Das Projekt soll sich mit durch KI generierten Körpern und Entitäten beschäftigen. „The House of Monstress Intelligenzia“ ist eine multimediale Raum-Installation und eine interaktive Dauerperformance, in der eine durch uns trainierte KI Visionen über zukünftige menschliche Entitäten generiert und mitteilt. Um das Orakel mit Daten zu füttern, werden wir unsere eigenen Körper und die des Publikums einem Glitchprozess, angeleitet durch eine KI, unterziehen und beobachten, welche Wahrnehmungsmöglichkeiten für Körper und Welt daraus entstehen.

Das Projekt „Notes of a Body“ ist der erste Teil einer zweiteiligen Beschäftigung der Theatermacher*innen Sahar Rahimi und Manuel Gerst mit den Macht- und Abhängigkeits-Verhältnissen von Mensch und Maschine. Ausgehend von der Familienkonstellation von Sahar Rahimi werden kybernetische Abbilder ihrer Eltern und ihrer dreijährigen Tochter geschaffen, die auf einem abstrakten Spielfeld dem Tod trotzen. Strategien werden performativ erprobt, Abwesenheit und Isolation künstlich zu überbrücken. Über reale und fiktive Biographien entwickeln Chatbots eine Geschichte zwischen belebter und unbelebter Materie, zwischen verschiedenen Ländern und Kulturen.

After working on a Mixed Media (AR/MR)-prototype with an interdisciplinary team of artists and researchers in 2017 and 2018, Icelandic Berlin-based choreographer Margrét Sara Guðjónsdóttir will work with the same team for the immersive choreographic installation exhibition „Bodily Interfaces“. The intention of the work is for its viewers to be able to resonate somatically with the material of the exhibition, and to investigate how AI can enhance empathic responses to somatic presence. They will be working with captured performance material created with Guðjónsdóttir’s Full Drop practice into physiological, psychological and emotional sub worlds.

Im Projekt „PANZOOMIME“ setzt sich Hendrik Quast mithilfe seines Alter Egos Hendrik Mit K, sowie im Austausch mit Betroffenen durch Pantomime-Workshops und in öffentlichen Talk-Formaten mit Krebskrankheits- und KI-Erzählungen in unserer Gesellschaft auseinander.
In Kooperation mit dem Prater digital und der VHS Stuttgart finden von April bis Juni drei Workshop-Formate (à 60min) statt. In der zweiten Jahreshälfte 2021 wird das Trainingsprogramm mit zwei Trainingseinheiten fortgeführt. Zusätzlich werden 3 Gesprächsformate (à 45 min) mit Hendrik mit K gestreamt. Alle Veranstaltungen werden als Co-Stream gleichzeitig auch von weiteren Häusern wie u.a. Theater Rampe mit dem Festival DIE IRRITIERTE STADT, aus Berlin gecostreamt.