Entscheidung GLOBAL VILLAGE VENTURES

Im Labor stellen sich die eingeladenen Künstler*innen Fragen nach der Wirkmacht des Westfälischen Staatensystems und einer Post-Westfälischen Welt. Denn steht „Westfalen“ in Deutschland für die gleichnamige Region, ist „Westphalia“ außerhalb der Republik der Terminus für das politische System der nationalen Staaten und ihrer unverletzlichen Territorialität. Dieses System stellt nach wie vor eindeutige Staatsbürgerschaft über alles. Und hat sich nicht gerade in der Pandemie gezeigt, dass das Festhalten an nationalen Grenzen – so veraltet es zur gleichen Zeit erscheint – erstaunlich wirkmächtig ist?

In diesem Projekt wird eine neue digitale Sparte durch das Format einer „Mini-Digital-Concert-Hall“ aufgebaut. Damit sollen Kinder zwischen 3 – 8 Jahren ermuntert werden, sich künstlerisch auszuprobieren, Musik und Erzählung mit Freude zu erleben, und dadurch einprägsame und genussvolle Ereignisse in einer Zeit zu ermöglichen, in der Kunst gerade nicht hautnah zu erleben ist.

Es ist wissenschaftlich belegt, dass Pflanzen untereinander kommunizieren, fühlen und selbstbestimmt handeln. Das Projekt wird diese Erkenntnisse künstlerisch als Filmsequenzen umzusetzen und perspektivisch wird daraus ein Theaterstück für drei Generationen entstehen.

Das Vorhaben umfasst eine Recherche und eine nachhaltige Projektplanung im ländlichen Raum, die sich generationsübergreifend mit Themenschwerpunkten von Menschen mit und ohne Migrationserfahrung beschäftigt. Gemeinsam mit lokalen und internationalen Verbänden werden damit Netzwerke geschaffen und Projektideen vertieft, um eine tragbare Struktur für die Zukunft des TAG-Theaters sicher zu stellen.

Mit Beginn von Corona ziehen Kunst- und Kulturveranstaltungen vermehrt ins Netz. Das TheaterderFreinsheim hat zeitgleich ein Format namens „Theater-Fensterln“ entwickelt. Auf einer umgedrehten Weinkistenbühne wurden diversen Zuschauer*innen vor ihren Fenstern orientalische, daoistische und pfälzische Lebensmutmachgeschichten erzählt. Das Format zieht als wöchentlicher Provinz-News-Kanal ins Netz und soll auch der Künstler*innenwelt Mut machen bei sich zu bleiben und aus dieser Quelle kreativ arbeiten und leben zu können.

Das Festival Für Freunde wird in Zeiten von Corona und anderen gesellschaftlichen Veränderungen weitergedacht. Wie kann Kultur für alle erlebbar gemacht werden, wenn man sich nicht mehr frei bewegen kann? Wie kann insbesondere ein Festival auf dem Land dazu beitragen, dass kulturelle Teilhabe möglich ist und zwar für alle? Wie kann das Festival in 2021 digitaler und internationaler werden?

Im Corona-bedingt umgestalteten Theater, nun Open-Air-Theater, wird eine Produktion entstehen, die im Stil Karl Valentins aktuelle Themen, wie Genderfragen, Berufsperspektiven, künstlerische Lebensperspektiven und die Corona Pandemie geschickt mit Szenen und Texten Valentins selbst verwebt.

Für 2020 war ein Don-Quijote-Projekt in drei Orten im ländlichen Raum Brandenburgs geplant (Beeskow, Strausberg, Werder). Allerdings musste das Projekt aufgrund aktueller Umstände auf Eis gelegt werden. Mit der Förderung beginnt nun im Herbst 2020 in Beeskow eine Forschungsreise auf den fiktiven Spuren Don Quijotes um inhaltliche Bausteine für das Projekt in 2021 zu generieren. Was sind die gegenwärtigen „Windmühlen“ der Menschen vor Ort? Und was hat Don Quijote in Brandenburg zu suchen?

Wie sind menschliche Bewegungen, Haltungen, Gesten und Mimik manifestiert, und zwar bei Menschen unterschiedlicher Herkunft, Ethnie und soziokulturellen Hintergrund? Diese menschlichen Bewegungen werden „unmenschlichen“ Bewegungen gegenübergestellt. Wie viele maschinelle Bewegungsautomatismen üben wir tatsächlich aus? Die Erkenntnisse dieser Forschung sollen mit Teilnehmer*innen erprobt werden und dabei helfen, sich bewusster, freier und gesünder zu bewegen und Muster kritisch zu hinterfragen.

Das Projekt befasst sich mit Konsum in einer Überfluss- und Wegwerfgesellschaft und der Utopie eines durchlaufenden Wirtschaftskreislaufes. Nichts ist überflüssig, alles hat seinen Platz und seine Weiterverwendungsmöglichkeiten. Aber wie könnte es aussehen, wenn niemand mehr irgendwohin fährt, weil alles geschlossen hat. Alles bis auf einen einzigen Laden: Der letzte Laden… Hier bedienen zwei skurrile Charaktere und verkaufen nichts.

Das Vorhaben nähert sich der Trinkwasserproblematik in Analogie von Humor als Feuchtigkeit in Form eines interaktiven Gauklerzuges vom Marktplatz zum Quellhorizont am Waldrand. Mit jeweils einem unbeschuhten Fuß wenden die Gaukler die Trinkwasserverknappung humorvoll in einen physisch-sinnlichen Eiertanz zwischen Ressourcenzugang(Schuh=Statussymbol) und Abhängigkeit (barfuß=unterprivilegiert). Der Zug der Ahnen zur Ursprungquelle dient der  Förderung der Bewusstheit über eine immer prekärer werdende Ressource und der seelischen Entwurzelung entgegenzuwirken.

Die Veranstaltungen beinhalten nicht nur Lesungen aus dem ausgewählten Buch, sondern kulturgeschichtliche Vorträge, die auf das Thema „Räuber“ einstimmen. Es treten nur Akteur*innen auf, die mit Lohr bzw. der Region Main-Spessart verbunden sind. Ziel der Reihe LOHR LIEST ist, das Publikum auf regionale Autor*innen oder Bücher über die Region aufmerksam zu machen.

Das Projekt versteht sich als eine theatrale Intervention gegen Vorurteile, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus und will im ländlichen Raum eine Gegenposition sichtbar machen. Der Titel nimmt metaphorisch die Idee der Überschreitung auf. Überschreitung in dem symbolischen Zahlenspiel; als Bekenntnis auch für „eine Welt“,  als thematische Setzung der Überschreitung von Grenzen, von Ein- und Ausschluss als einer uralten Machttechnik der Segregation und Konkurrenz.

Die Pandemie gefährdet nicht nur unsere körperliche Gesundheit. Auch seelisch sind viele Menschen den neuen Anforderungen nicht gewachsen. In welchen Mythen, Märchen und Utopien finden sich die Themen Abstand, Isolation aber auch Aufbruch, Neubeginn und neue Wahrnehmung? Es werden Masken entwickelt mit phantastischen Charakteren, die Stimmungen zum genannten Thema assoziativ ausdrücken. Mit Musik und in Bewegung wachsen Gefühlswesen, die alles dürfen – außer: unachtsam sein!

Corona hat vieles verändert, auch die auf dem Land oft „analogen“ Kommunikationsformen, über die Künstler*innen gewöhnlich an ihre Aufträge kommen. Auftrittsengagements und andere Einsätze für darstellende Künstler*innen kommen im ländlichen Raum meist durch Gespräche mit Menschen, durch „Gesehen werden“ bei einem Auftritt o. ä. zustande. Wie können Formate aussehen die statt der „analogen Akquise“ unter Berücksichtigung der Hygieneregeln zum Einsatz kommen können?

Die Kraniche sind typisch für das wilde Wendland. Sie erzählen von Reisen, Träumen und Sehnsüchten. Von einer weit vernetzten, zerbrechlichen Welt. Den Geschichten der Menschen die an der besonders in Zeiten der ökologischen Krise so wichtigen Schnittstelle zwischen Mensch und Natur leben, soll Gesicht, Gefühl und Raum gegeben werden. Welcher kulturelle Hintergrund hat dazu geführt, dass wir uns jetzt einer drohenden klimatischen, ökonomischen wie ökologischen Krise gegenübersehen?

Mit Global Village Labs konnte das Jahrmarkttheater als Institution einen wichtigen Schritt in Richtung Rassismus-sensibler Kulturarbeit gehen. Daraus folgend ist ein inhaltlicher Austausch mit der Gruppe „beherzt“ entstanden. Erklärtes Ziel der Kooperation ist es, eine breite Zielgruppe zu erreichen und auf ästhetische und bisher nicht gewohnte Weise die Menschen in der Region zu sensibilisieren. Hierfür entsteht ein Konzept, das ästhetischen und politischen Ansprüchen gerecht wird. Wie lässt sich verhindern, dass das Gegenteil passiert und völkische Ideologien eine Plattform bekommen?

Mit diesem Vorhaben entsteht ein Stück angelehnt an „Die rote Hexe von Büsum“. In der Büsumer Kirche steht die geschnitzte Figur der „roten Hexe“ als Symbol für die Hoffnung. Eine Legende erzählt von einer jungen Nordfriesin, die der Hexerei beschuldigt wurde. In dem Zwei-Personen-Stück, das eng an die Geschichte und Gegenwart Dithmarschens angelehnt sein soll, geht es um latente Fremdenfeindlichkeit, um Vorurteile, religiöse, ethnische und frauenfeindliche Unterdrückungsmechanismen und das Freiheitsbewusstsein einer jungen Frau im Kampf gegen die Konventionen ihrer Zeit.

Die Lausitz weist mit ihren dunklen Wäldern sowie den geheimnisvollen Sumpf- und Moorgebieten eine einzigartige Landschaftsvielfalt auf,  die die Fantasie der Menschen beflügeln, weshalb manche Fabelwesen und Naturgeister ihren Ursprung in den alten Geschichten der Sorben finden. Hier begegnen uns Krabat, Schlangenkönig und Mittagsfrau, Wassermann, Irrlicht und andere Sagengestalten. Das Literaturgut organisiert szenische Lesungen an unterschiedlichen Orten der Lausitz und kombiniert diese mit wichtigen geschichtlichen Hintergrundinformationen.

Am Niederrhein wird marschiert. Im Zug. Karnevalszug, Schützenzug, Fronleichnamsprozession, diese Züge unterliegen strengen weltlichen oder religiösen Regeln und sind beeindruckend in ihrem ungebrochenen Ernst und ihrer Ästhetik. Lässt sich die performative Kraft der traditionellen Kulturgüter in eine kritische Gegenwart übertragen? Kann ein Dorf diskursiv werden?

Mit dem Vorhaben wird ein kabarettistisches Stück entwickelt, bei dem der Schwerpunkt auf dem Thema Rechtspopulismus in Deutschland liegt. Ein Thema, dass auch auf dem Land sehr präsent ist. Außerdem wird dadurch auf der Bühne linkes Leben auf dem Land sichtbar. Die Produktion wird in Städten und Dörfern des Wendlandes gezeigt.

Künstler*innen im ländlichen Raum ergreifen die Gelegenheit, die entstandene Stille und Leere der Pandemie radikal analog zu erforschen und mit künstlerischen Mitteln auszukosten. In einem ehemaligen Schulbus besucht die Freie Bühne Wendland Dörfer mit jeweils 12 – 602 Einwohner*innen. Sie möchten erfahren: Werden Kunst- und Kulturschaffende in dieser dünn besiedelten Landschaft, in der seit Generationen das Theater nicht zum alltäglichen Leben gehört, gebraucht?

Auf dem Braunberg in Oppenau (Schwarzwald) werden Konzerte und Performances auf einer – von Kunstschaffenden mit und ohne Behinderung mit Naturmaterialien errichteten – Waldbühne gezeigt, die direkt an der zertifizierten Wanderroute Schwarzwaldsteig gelegen, und somit viel frequentiert ist. Auf diese Weise soll Musik und Tanz zu den Menschen an ungewöhnliche Orte, an denen sie nicht vermutet werden, gebracht werden.

Der Oberharz soll künstlerisch theatral be- und verarbeitet werden. Dabei wird der Begriff Diversity sehr breit gedacht. Ziel ist es diesen Geschichten, Anekdoten und Erlebnissen einen sinnlichen Raum zu geben, Erzähler*innen und Betrachter*innen zum Reflektieren bringen und Impulse für die Zukunft zu geben.  Ebenso aber auch die Bewohner*innen dieses bedeutungsvolle Thema näher zu bringen, das den Menschen im Harz im Alltag oft gar nicht so sichtbar ist.

Charis Nass und Michael Pieper haben für zwei Residenzen im ländlichen Raum (Erbach im Odenwald) ihr Konzept der „mobilen Büros“ entwickelt. In Anlehnung daran wollen sie nun ein „Hospital der erlaubten Unzulänglichkeiten“ eröffnen. Hierbei handelt es sich um einen performativ-künstlerischen Stützpunkt an dem die Auswirkungen der momentanen Situation auf die Stimmung der Menschen in Eberbach beleuchten werden. Die tiefe Verunsicherung, führt zu Misstrauen und Spaltung. Hier kann die Kunst ein Angebot der Verbindung, des Austausches und des Miteinanders schaffen.

Sind wir Systemrelevant? Können wir mit unseren Produktionen im ländlichen Raum und zu Zeiten von Corona ein breites Publikum erreichen? Plötzlich meinten alle darauf eine Antwort zu haben: Wir streamen! Das Problem hat sich schnell offenbart: Streaming ist eine halbgare, zweidimensionale Form, der jegliche Interaktionen mit dem Publikum fehlt. Die Music und Arts Week bringt Künstler*innen aus verschiedenen performativen Bereichen zusammen und versucht zusammen neue Formen der Arbeit zu finden.

Mit den derzeitigen Corona-Herausforderungen hat Tänzerin und Choreografin Elisabeth Schilling das Format „Invisible Dances“ entwickelt. Es berücksichtigt die Vorschriften zum Schutz der Gesundheit für alle Beteiligten. Ziel ist es, Tanz nach dem Lockdown wieder in das kulturelle Bewusstsein zu rücken, seine Sichtbarkeit im ländlichen Raum zu stärken und die Menschen aktiv einzubeziehen. Tanz und bildende Kunst werden auf spielerische Weise in den Alltag der Menschen gebracht.

DAS MEDITIER: Ein merkwürdiges, undefinierbares ETWAS taucht im Ammersee auf, sofort versammelt sich eine Schaar verschiedenster „Expert*innen“ darum und streitet um die Deutungshoheit über dieses Phänomen. Der Trailer DER PROLOG ermöglicht es schon mal auf daraus resultierende Arbeit neugierig zu machen: Auf ein neues Seespektakel in 2021.

Die Meeresspiegel steigen, an der Nordseeküste werden eines Tages Dörfer von der Landkarte verschwinden. Ist diese Entwicklung noch aufzuhalten? In einem Global Village Lab besuchte das Theater 2019 eine Bergbauregion in der Lausitz. Der Tagebau Welzow soll in den nächsten Jahren geschlossen werden. Nun will das Theater in Global Village Ventures in einer ehemaligen Bergbauregion durchführen, die den Wandel schon hinter sich hat.

Die Komponistin Clara Gervais wird im Opernhaus aus Glas, das nach der Dorfopern-premiere „Riesen vom Berge“ 2020, nun auf eine Wiese am Weidasser Bach des Dorfes Dautenheim, ein installatives Tonstudio einrichten. Voraus ging die internationale GLOBAL VILLAGE LAB-Konferenz 2019. 2020 folgte die Uraufführung der utopisch avisierten „Dorfoper“, die in einer „Pechvogelvilla“ spielt. Damit bekam Dautenheim sein „Gläsernes Opernhaus“. Mit diesem soll weitergearbeitet werden im Dorf, am Thema Oper mit und für das Dorf, wieder international zwischen Dörfern in globalem Abstand, wie bereits zur Konferenz.

TANZ VOR ORT soll den zeitgenössischen Tanz in den ländlichen Raum bringen. 3 Tänzerinnen, 1 Musiker und ein Videokünstler erkunden in einer Freiluft-Performance drei spezifische Plätze im Ortszentrum Rettigheim/Mühlhausen. Alle Plätze sind in Laufnähe zueinander und haben unterschiedliche Ortscharaktere. Die Künstler*innen interagieren miteinander durch Raumspiel, Blicke, mit verschiedenen abstandsgewährenden Materialien und nehmen sie im Tanz Bezug auf ihre konkrete Umgebung, Bänke, Bäume, Mauern, Schotter, Treppen und Publikum.

Die Idee ist, eine aktuelle und kreative Recherche zum Thema Agrarchemikalien und deren Auswirkungen für die Menschen in der Uckermark durchzuführen. Es erfolgt eine Forschung in der Region mit Bauern und Bio-Bauern sowie mit Menschen unterschiedlichen Alters. Ziel des Projekts ist es, ein Tanzformat zu entwickeln, das in verschiedenen Räumen und Orten in der Uckermark präsentiert werden kann und ein breites Publikum ab 12 Jahren erreicht, um eine Reflexion über das Thema aus einer künstlerischen Perspektive zu bieten.

Die ungefähr 700 Einwohner*innen umfassende Gemeinde Zirkow liegt abseits der vielbesuchten Ostseebäder der Insel Rügen und kann mit dem in 2017 etablierten Reittheaterprojekt ein attraktives Ausflugziel für Urlauber*innen bieten. Da die bisher im Pferdetheater öffentlich veranstalteten Vorführungen durch die Corona-Krise momentan und zukünftig stark in der möglichen Besucher*innenanzahl beschränkt sind, sollen durch die Entwicklung von Programmen im Außenbereich des Theaters und weitere Möglichkeiten der Bespielung des Theaters generiert werden.

Ausgangspunt bildet die Frage: Was heißt es im ländlichen Raum zu leben? Studio Studio verstehen „Dorf” als eine Bezeichnung für eine ländliche Siedlung sowie für die Gesamtheit der Bewohner*innen. Wenn wir vom „Dorf” oder vom „Leben am Land“ sprechen, sind soziale Strukturen wie Nachbarschaftsbeziehungen, die Ortsgeschichte und die entstandenen Normen nicht wegzudenken. Im Gegenteil: Der Ort und die Landschaft definiert die dort lebenden Menschen als auch umgekehrt. Hier setzt das Projekt ein: Aus was besteht ein Ort? Inwiefern definiert die umliegende Landschaft das Zusammenleben sowie die Identität einer Gemeinschaft?

Der Circus Bollini inszeniert jährlich ein großes Spektakel im Dorf Bollschweil. Nachdem das diesjährige Spektakel „Till Eulenspiegel & das Lob der Torheit“ coronabedingt ausfallen musste, ist nun ein kleineres Format in der Tradition der alemannischen Fastnachtsumzüge geplant: Eine Parade mit Musik, Stelzen, Objekten und schillernden Kostümen zieht durch das kulturell eingeschlafene katholische Dorf. An der Spitze der Rattenfänger mit seiner Flöte. Er führt die „FridaysForFuture“ Kids, die die Nase voll haben von ihren konsumsüchtigen und „Schaffe, Schaffe, Häusle Baue“ Eltern. Er hat es geschafft ein Lied von einer besseren Zukunft zu spielen, in der SEIN mehr gilt als HABEN.

Aufbauend auf dem Projekt „Raum für Gedanken“, das von 2014 bis 2019 in allen ostdeutschen Bundesländern zum strukturellen Wandel nach dem Mauerfall stattgefunden hat, sollen autobiografische Interviewtexte zu einem Theatertext weiterentwickelt werden. Dazu reist ein fünfköpfiges Team mit einem umfunktionierten Wohnmobil zurück an die Interview-Orte und erforscht mögliche Spielorte und entwickeln vor Ort erste Szenen, in denen eine mobile Küche als intimer Raum für Gespräche das Zentrum bildet: Regionale Produkte werden zusammen mit lokalen Akteur*innen und dem Publikum zu Speisen verarbeitet.

Mehrere hundert Menschen nahmen sich in Demmin 1945 nach Abzug der Wehrmacht das Leben. Die damaligen Ereignisse prägen auch die nachkommenden Generationen und werden in der Gegenwart von der dort stark aufgestellten Neonaziszene instrumentalisiert. Der Demminer Massensuizid ist der größte kollektive Selbstmord der deutschen Geschichte. Zu DDR-Zeiten totgeschwiegen, bis heute nicht  historisch erforscht prägt er das lokale politische und gesellschaftliche Leben entscheidend. Die Situation produziert unbehagliche Gefühle eines Déjà-vus, wie unter einem Brennglas zeigt sich ein unübersichtliches Spannungsgefüge zwischen nichtaufgearbeiteten Folgen des Nazi-Regimes und dem Erstarken rechter Bewegungen.

Seit dem Beginn des Lockdowns, wurde „Dittmern Strand“ zu einem Blitzutopia auf dem Land. Junge Künstler*innen aus der Stadt „flüchteten“ aufs Land. „Dittmern Strand“ hat sich aktuell als eine isolierte Reset-Station zwischen Menschen, Natur, Kultur und Leben entwickelt. Bedeutet diese große Bewegung, dass die Menschen nur auf der Suche nach einer körperlichen Freiheit oder einer geistigen Sicherheit sind?

Das Projekt versucht, aus der Un-Möglichkeit der aktuellen Situation neue Perspektiven zu schaffen: Indem es aus der Dokumentation von Tanz und dem Zusammensein von Menschen, das per se ephemer und nur unvollständig dokumentierbar ist, eine neue Kunstform schafft. Da die Feier des 20jährigen Jubiläums aktuell nicht möglich ist, ist dies ein Anlass ein lebendiges, multimediales Wissensarchiv aufzubauen. In Zeiten des Verbots von aktuellen physischen Berührungen werden mit dem Archiv die Erinnerungen an diese Körper gesammelt und dokumentiert.

Die Performance erforscht das literarische Schreiben als emanzipatorischen Akt in Bezug auf Schaffenskraft und Körperdarstellungen. Gesucht wird nach der Wirkkraft des Erzählens, die schon bei der Poetin Annette von Droste im 18. Jahrhundert dem Empowerment einer im Patriarchat unterdrückten weiblichen Intellektuellen galt. Gemeinsam mit den Besucher*innen suchen der Performer Thomas Bartling und die Schriftstellerin Gerhild Steinbuch nach den Möglichkeiten, mit Sprache die eigene Geschichte erzählen. Denn wer über Sprache verfügt, verfügt über die Macht der Darstellung und der Benennung.

Romane und Erzählungen der Weltliteratur bearbeiten und sie der Dorfgemeinschaft zugänglich machen, ist das Ziel dieses Vorhabens. Es entstehen Lesungen und Produktionen für die Dorfgemeinschaft, Schulen der Region, Heimat -und Kulturvereine usw. deren Hauptaugenmerk dabei auf die inneren, zeitlosen Vorgänge in den Texten gerichtet ist und die versuchen nicht die Sprache zu verändern, sondern durch Vergegenwärtigung  des Vergangenen im Heutigen, Zusammenhänge herzustellen und spannende innere Reisen zu ermöglichen.

Bei der szenischen Recherche kommen unterschiedlichste Künstler*innen auf der ländlichen Burg Hülshoff  zusammen und treffen in Realität und Digitalität auf ihr ländliches Publikum. Erste künstlerische Inhalte zum Thema reitend Reisen, auditiv Performen und Literatur in entlegene Orte Bringen werden ausgetestet und unterschiedliche performative Ansätze ausprobiert. Die Herausforderung der Kunst in der pandemischen Welt ist die, ein Gleichgewicht herzustellen zwischen realer Präsentation und digitalen Zugangsformen.

Im Rahmen dieses Rechercheprojektes werden Wünsche und Sehnsüchte der Bewohner*innen des ländlichen Teltow Flämings zum Anlass genommen, um Polaritäten zwischen dem Verharren in Vertrautem und der Sehnsucht nach Veränderung zu erforschen. Erfahrungen mit Fremdheit sowie dem Fremden im eigenen Umkreis werden untersucht.

Gemeinsam mit den Bürger*innen aus Hatzfeld und Umgebung wird im Tonstudio eine mediale Aufzeichnung in Form von Ton- und Videoproduktion realisiert. Mit den Erzählungen der Bürger*innen von traurigen, glücklichen, besonders gut geschafften und auch manchmal schwierigen aber auch toll gemeisterten Erlebnissen aus dieser Zeit in einer Epidemie, die manchmal Angst macht und einige negative aber auch positive Aspekte hat – wie wird die Zukunft?

Die Konzeptentwicklung von Dialog Runkel untersucht unter anderem welche Bedeutung die Kultur im ländlichen Raum mit Blick auf: Wohnqualität, Wirtschaft, Identität der Bewohner*innen, Bildung, Gemeinschaftssinn, Kritikfähigkeit, Vereinsleben, Qualitätsbildung, Lebensqualität. Welche Alleinstellungsmerkmale haben dabei Veranstaltungen auf dem Land?

Diese Vorhaben untersucht mittels Zoom-Konferenzen und bundesweit agierenden Akteur*innen Saint-Expérys „kleinen Prinzen“ und versucht, ein besonderes transkulturelles „Zoom-Theaterstück“ zu entwickeln. Die Idee hierzu stammt von Moujan Taher. Ihre besonderen Fragestellungen zu ihrer eigenen Identität als geflüchtete Frau spiegeln sich nach ihren eigenen Worten sehr darin. Das Endprodukt ist ein Film und gleichzeitig ein Netzwerk von Menschen, die möglicherweise auch analog zukünftig aufeinandertreffen werden, um gemeinsam künstlerisch zu agieren.

Das Stück wird dem Ensemble auf den Leib geschrieben. Diese Produktionen mit ca. 25 Mitwirkenden sind sehr aufwändig, so dass der Wunsch nach einem kleineren flexibleren Format und Ensemble aufkeimte. Mit nur drei Spielern soll „Erbse und Bohne“ auf Gastspielreisen gehen. Mathias Bohnet und Gabriele Sponner wollen darüber hinaus als Clownsduo andere künstlerische Formen und Mittel erforschen und aus Improvisationen ein Stück für Kinder entwickeln.

Der Titel beschreibt die performative Choreographie zwischen einem Tanzsolo, das sehr dynamisch und rhythmisch aufgebaut ist und den slow motion Bewegungen der Still Life Performance von J. Lorbeer. Gezeigt wird die Performance in der Druckerei SAALPRESSE und abgerundet wird das Projekt mit einem extra für die Veranstaltung angefertigten Druckkunstwerk.

Was sagen Hausfrauen zum im Frühjahr 2020 geprägten #staythefuckathome? Räumen sie umherstehende Kaffeebecher mit Chefsachenschriftzug wortlos weg, bügeln, ordnen, fermentieren sie bei Ausgangsbeschränkungsermahnungen im Radio gut gelaunt und selbstzufrieden? Im ländlichen Raum sind es die Landfrauen, die sich um Frauenrechte sorgen. In Hamburg treffen sich monatlich 9 Frauen, um gemeinschaftlich Texte zu lesen, die patriarchale Strukturen anprangern. Das Jahrmarkttheater veranstaltet einen Kaffeeklatsch mit Frauen vom Land und aus der Stadt, die sich jeweils auf ihre Weise mit Frauenrechten beschäftigen.

Nach diesem ersten schnellen Handeln steht die mittel- und langfristige Planung unserer künstlerischen Perspektive aus: Welche Projekte wollen wir realisieren? Der Bedarf an kulturellen Angeboten ist im ländlichen Raum deutlich höher als in den Städten, die finanziellen Möglichkeiten und die öffentliche Wahrnehmung deutlich geringer. In der dreitägigen, von einer externen Person moderierten, Klausur SOUND OF FUTURE, soll diesen Fragen nachgehen werden und damit die Grundlage für die künftige Arbeit des Kollektivs geschaffen werden.

Alsenz stellt sich theatralisch dar! Seine Geschichte, aber auch das heutige Befinden der Bewohner*innen soll zum Ausdruck kommen dürfen. Es werden möglichst viele unterschiedliche Bewohner*innen in das Projekt eingebunden und miteinander vernetzen. Gerade jetzt braucht es kulturelle Projekte vor Ort, denn im Theater kann man trotz Pandemie überall hin reisen. Auch dieser Aspekt soll für die Beteiligten erfahrbar gemacht werden.

Alle reden vom Wetter und niemand über den Klimawandel? So stimmt das ja auch nicht, aber warum ist das Sprechen über das Wetter so einfach und das Erzählen vom Klimawandel so kompliziert? Gemeinsam mit Schüler*innen des Annette-Gymnasiums Münster werden Ende Oktober am Center for Literature in Münster eine Woche Formen spekulativer Fabulation über eine Zukunft mit dem Klimawandel erarbeitet. In Workshops zu Schreib- und Erzähltechniken können die Teilnehmenden lernen, auch über jene Dinge zu sprechen, für die ihnen eigentlich die Worte fehlen.

Dieses Vorhaben verknüpft Erfahrungen im ländlichen Raum in Mexiko mit dem Dorfleben in Rheinhessen. Welche Mythen (überlieferte und heutige) bewegen die Menschen, sind Ressource, Bezugspunkt, Fluchtpunkt, Anker? Wie wird die Pandemie eingeordnet? Wie wurden früher Katastrophen bewertet und interpretiert? In welchem Verhältnis stehen Wirklichkeit und Imagination?

Mit den künstlerischen Forschungsvorhaben sollen Zukunftsbilder für und von Graben-Neudorf in Interviews mit Einwohner*innen und lokalen Expert*innen erkundet werden, mit Blick auf die Verbindung zwischen gestern, heute und morgen. Drei große Themenfelder sollen auf Überschneidungen untersucht werden: Spargelanbau, Tiefengeothermie und Gesellschaftsbilder. In welche Zukunft wollen wir uns gemeinsam bewegen? Welche Geschichten wollen wir weitererzählen? Was macht die Identität der Kleinstadt aus?

Im Sommer 2021 soll es in der Bauernschaft Meckelwege erstmals ein dezentrales Festival namens „MECKELWEGER KLEINODE“ geben. Hier soll es Konzerte, Ausstellungen, Theater und Lesungen mit lokalen, regionalen, nationalen und internationalen Künstler*innen geben. Diese Kleinode sollen an verschiedenen Plätzen und größtenteils outdoor stattfinden. Die Zielsetzung ist es ein vielschichtiges Erlebnis mit Vernetzungspotential, Vorbildfunktion und Strahlkraft zu schaffen und das als grenzüberschreitender Kulturraum etabliert werden kann.

Ähnlich einer Tarotsitzung wird ein Gast von einer Performerin zu seinen Erfahrungen mit politischem Aktivismus befragt. Tarotkarten werden aufgedeckt und die dargestellten Aktionen besprochen. Dazu wurden 33 Formen des politischen Aktivismus benannt und entsprechend 33 „aktivistische Tarotkarten“ entwickelt. Für den Gast eröffnen sich neue Möglichkeiten, wie er in Zukunft stärker oder anders politisch teilhaben kann.

FigurenTheater ist die einzige Theaterform, die keine Abstandregeln einhalten muss. Zumindest bei ca. 80 % der Theater. Denn entweder es sind Solospieler*innen oder verheiratete Spieler oder Familienmitglieder, die miteinander spielen. Für die Figuren gilt es zu 100%. Der Satz „Figuren dürfen alles“ bekommt neue Brisanz. Müssen Figuren im FigurenTheater jetzt auf Distanz gehen? Wie wirken Liebesszenen, Begrüßungen, Gruppenszenen in Zeiten von Abstand? Ein spielerisch-künstlerischer Versuch zur Erkenntniserzeugung und Erkenntnisgewinn.

Digital landscape theater ist die Erschaffung eines neuen Austauschraumes. Geplant ist, die Struktur zu entwickeln um langfristig internationale Theater und Videoproduktionen im ländlichen Raum durchführen zu können. Am Beispiel des Texte von Tschechows Kirschgarten wird an zwei Räumen (Schönhagen/Sineu) gearbeitet und die Ergebnisse zusammengeführt. Der Kirschgarten ist mit der Beschäftigung der zerfallenden Landwirtschaft, dem Wertverfall der produzierten Erzeugnisse und der einzigen Alternative dem „Tourismus“ in den ländlichen Räumen, ein brandaktuelles Thema.

Das Tur Tur Theater produziert ein mobiles Open Air Theaterstück, mit dem durch ganz Mecklenburg-Vorpommern gereist wird. Das Projekt soll für Unterhaltung und Kultur in der Corona-Zeit sorgen. Mit einem mobilen und flexiblen Bühnenbild, das sich auf einer beliebigen Freifläche vor Wohnstätten und Heimen aufbauen lässt und einem kurzweiligen Stück mit viel Tanz, Musik, Pantomime und Gebärdensprache. Theaterbesuche sind für mehrfachbehinderte Menschen und Senioren mit Demenz, Hör- und Sehschwäche und ihre Betreuer*innen eine aufwändige Angelegenheit. Für einen Besuch des Tur Tur Theaters müssen diese Menschen nur vor die eigene Haustür gelangen.

Mit der Förderung möchten die Mitglieder von Traummaschine Inc. ihre Workshops-Skills erweitern und diese in zwei Workshops zu Gefahr, Vorsicht & Mut direkt anwenden. Die Performer*innen haben Workshop-Erfahrung mit Kindern, diese allerdings nie analysiert: das soll jetzt geändert werde und mit externen Expertinnen um Skills für die Arbeit mit Jugendlichen erweitern werden.

„Hubertas Roll-Laden“ bringt eine Woche lang in Gestalt des Transporters vom Theater R.A.M. ein Stück Öffentlichen Raum, der laut Kulturinitiative komplett verloren gegangen ist, nach Sehlde zurück: Die Menschen vor Ort haben keine Treffpunkte mehr und leiden greifbar darunter. Aufgrund der unwägbaren Infektionslage soll die flexiblen Möglichkeiten des „Fahrgeschäfts“ mit erweitertem Außenraum genutzt werden. Inhaltlich können die Dorfbewohner*innen in diesem mobilen Laden kleine oder größere künstlerisch Produkte genießen, die sich an den vorher eruierten Bedürfnissen der Menschen vor Ort orientieren.