Allgemein

Entscheidung Residenzförderung (Oktober 2021)

Ausgewählte Vorhaben Bündnis internationaler Produktionshäuser

Das Theater ist ein Ort der Domestizierung von Minderheiten und der potenziellen Überschreitung der Rollen, die ihnen zugedacht werden. Das Rechercheprojekt „Versöhnungstheater. Domestizierung und Subversion“ dient der genaueren Bestimmung dieses Verhältnisses und der Suche nach künstlerischen Widerstandsstrategien in Gegenwart und Vergangenheit, die eine Unterbrechung des Versöhnungstheaters ermöglicht haben.

Die Recherche „Doppelleben: zwischen analog und digital“ von Moaeed Shekhane beschäftigt sich mit der Diskrepanz zwischen Selbstinszenierung in den sozialen Medien und dem Reallife und untersucht, wie die Realität und Selbstwahrnehmung von Teenagern durch die permanente Inszenierung nachhaltig beeinflusst wird. Wo laufen die Trennlinien zwischen Anspruch und Wirklichkeit?

Im Rahmen der Residenz „Local Ambassdor“ wird die Frage nach der Rolle internationaler Perspektiven in post-pandemischen Zeiten gestellt. Durch Gespräche mit lokalen und internationalen Akteur*innen werden Überlegungen hervorgebracht, die sich mit der Herausforderung der Stärkung lokaler Netzwerke bei gleichzeitiger Berücksichtigung internationaler Positionen beschäftigen.

Ligia Lewis wendet sich dem Phänomen des Skandals zu und bezieht ästhetische Konzepte des Skandals ein, die sich im historischen Kontext des Theaters und darüber hinaus in der Kunstgeschichte entwickelt haben. Die Untersuchung ist als Versuch zu verstehen, die Modalitäten der Entschädigung und ihrer Unmöglichkeit zu erforschen angesichts einer Geschichte, die die ‚Anderen‘ ausschließt.

Mit ihrer künstlerischen Recherche setzt die Künstler*in Sophie Guisset ihren Weg fort, indem sie Begriffe wie Erotik und Sinnlichkeit weiter erforscht – insbesondere in queeren Sexräumen und in spielerischen Umgebungen. In Gesprächen mit Akteur*innen der Szene untersucht sie Architekturen, Funktionsweisen und Regelhaftigkeiten dieser sicheren Freiheits-Räume.

Phänomene wie Klimawandel oder die Frage nach dem Umgang mit Atommüll übersteigen in ihrem geologischen Ausmaß das menschliche Fassungsvermögen. Wie lassen sich diese ‚Hyperobjekte‘ fühlbar, anfassbar und erfahrbar machen? Dieser Frage geht Peter Thiessen mit Recherchen, szenischen Experimenten und absurden Versuchsanordnungen nach. Was wäre das Theater der Geologie, was die Geologie des Theaters?

Als Mitglied im Bündnis Internationaler Produktionshäuser verpflichtet sich Kampnagel dem Antifaschismus. Aktives und präventives Vorgehen gegen jegliche Form der Diskriminierung bedeutet auch die Aufarbeitung der ortspezifischen Geschichte und historischen Bedeutung des Kampnagelgeländes. Im Rahmen der Residenz sollen diese recherchiert, aufbereitet und künstlerisch vermittelt werden.

In ihrer Residenz stellt Wilhelmina Sempa die Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern im House-Tanz dar und zieht eine Parallele zur Musik. Sie untersucht Geschlechterstereotypen und zeigt die Frauenfeindlichkeit im House-Tanz auf, indem sie die Komplexität der Codes und Verhaltensweisen analysiert. Ziel ist es, die Stimme und den Körper der Frau im House zurückzuerobern.

Wenn Sie jemals eine Dating-App benutzt haben, haben Sie sich vielleicht gefragt, ob es wirklich Ihr Wischdaumen ist oder der Algorithmus, der die Auswahl trifft. In ihrer Recherche fragt Dragana Bulut, in welcher Weise sich unser Verlangen und unsere Beziehungsmodelle medial und technologisch konstruieren. Was sind die Alternativen?

Kotka Gudmon befragt die performativen Qualitäten von KI – als imaginierter Körper, als körperloses Gegenüber, als Dialogpartner, Human Agency. Sie untersucht die KI aus der Perspektive der Immigration: KI als Immigrant in eine ‚fremde‘ Kultur. Mittels Zwiegesprächen widmet sich Kotka Themen der wenig diskutierten gesellschaftlichen Erwartungen an ein vorgestelltes, künstliches Bewusstsein der KI.

In seiner Residenz möchte Guido Schmalriede sich mit Ersatz-Religionen beschäftigen. Sekten, Selbstoptimierungsgurus und Verschwörungsglauben haben Überschneidungen mit der professionellen Zauberkunst. Dies versucht Schmalriede für die Reflektion seiner Arbeit nutzbar zu machen und umgekehrt seine Profession als künstlerisches Mittel zu erforschen, um Verschwörungsglauben kritisch zu begegnen und Mechanismen zu entlarven.

Wie kann die Kunstfigur Puddles ihre politische Wirksamkeit als Vogel Drag Queen vertiefen? Dieser Frage spürt Jeremy Wade in seiner Recherche nach, wenn er danach fragt, was die Hinwendung zur Fiktion leisten kann. Wie kann die Kreation fiktiver Charaktere dazu beitragen, Machtverhältnisse zu verschieben und Räume zu schaffen, die erlauben von weniger gewalttätigen Zukünften zu träumen?

„KlimaKunst Part 4“ ist eine Recherche zu Theater und Nachhaltigkeit. Anne Rietschels Fokus liegt dabei auf narrativen Strategien gesellschaftlicher Transformationsprozesse. Eine Task Force aus Künstler*innen, Umweltaktivist*innen und Nachhaltigkeitsbeauftragten unternimmt den Versuch künstlerische Strategien und Produktionsweisen zu erfinden, um inhaltlich, ästhetisch und praktisch nachhaltig künstlerisch arbeiten zu können.

In „KlimaKunst Part 3“ wird untersucht, wie ökologische Ästhetiken, ökokritische Diskurse und nachhaltige Produktionsweisen in der dramaturgischen Praxis zusammengeführt werden können. Vor dem Hintergrund dramaturgischer Erfahrungen sowie betriebsökologischer Kenntnisse erarbeitet Maximilian Haas praktische Lösungsvorschläge für den knowledge-action-gap zwischen Ästhetik/Diskurs und Produktion.

Die Recherche von Monika Gintersdorfer zeigt die Verbindung von Clubkultur, politischem Aktivismus und experimentellen Theaterformen auf, wie sie in den 1980er Jahren im Gay Club El Nueve in Mexiko City und heute wieder in Deutschland erfahren werden können. Mechanismen zwischen Selbstbestimmung, künstlerischer Sichtbarkeit, Risiko eines Backlashs, Clubschließungen und die Ausbreitung einer tödlichen Krankheit bestimmen die Szenen.

„KlimaKunst Part 1“ ist eine Recherche zu Theater und Nachhaltigkeit, die versucht, unterschiedliche Perspektiven zu berücksichtigen. Eine Task Force aus Künstler*innen, Umweltaktivist*innen und Nachhaltigkeitsbeauftragten unternimmt den Versuch, künstlerische Strategien und Produktionsweisen zu erfinden, um inhaltlich, ästhetisch und praktisch nachhaltig künstlerisch arbeiten zu können.

„KlimaKunst Part 2“ ist eine Recherche zu Theater und Nachhaltigkeit, die versucht, unterschiedliche Perspektiven zu berücksichtigen. Eine Task Force aus Künstler*innen, Umweltaktivist*innen und Nachhaltigkeitsbeauftragten unternimmt den Versuch, künstlerische Strategien und Produktionsweisen zu erfinden, um inhaltlich, ästhetisch und praktisch nachhaltig künstlerisch arbeiten zu können.

„Urbane Orte. Eine raumutopische Kartierung“ unterzieht die Kartierung der Stadt Hamburg einer Revision. Michael Hueners sucht nach Orten, in denen sich gleichsam Teile einer verschütteten Historie und verstreute Reste einer unabgeschlossenen, im Lauf der Zeit unsichtbar gewordenen Utopie bergen lassen. Können Elemente dieser Orte für einen Diskurs über eine Stadt für alle, eine Stadt ohne Ausschlüsse, eine Stadt als gemeinsames Projekt aktualisiert werden?

Die sogenannten Völkerschauen waren rassistische Ausstellungen, bei denen im 19. und frühen 20. Jahrhundert aus europäischer Sicht ‚exotische‘ Kulturen vorgeführt wurden. Das Rechercheprojekt „Exotic Dreams“ setzt sich kritisch mit den Kontinuitäten dieser Schauen auseinander: Welche Spuren sind auch heute noch in der Vermarktung von ‚Exotik‘, aber auch bei (künstlerischen) Darbietungen zu erkennen?

„Understanding Hip Hop Culture“ ist ein theoretisches und physisches Rechercheprojekt über die Wurzeln, die Historie und die Entwicklung der Hip Hop-Tanzkultur. Uta Engel setzt sich mit der politischen und gesellschaftlichen Entstehungsgeschichte, verschiedenen Hip Hop Tanzstilen und der Bedeutung der Battle-Kultur auseinander. Im eigenen Studio stellt sie den Freestyle im Hip Hop und die Improvisation im zeitgenössischen Tanz einander gegenüber.

Anstatt sich mit dem Anthropozän abzufinden, zielt die Forschung von Schubot/Gradinger auf ein Symbiozän ab. Mit „Symbiocene“ bringen sie die symbiotischen Prozesse lebenserzeugender Systeme in ihre künstlerischen Praktiken ein. Dafür begeben sie sich in eine intensive Auseinandersetzung mit der Ökologie der Pilze – wie können diese unsere Konzeptionen von Gemeinschaft und Zeit umgestalten?

In der #TakeHeartResidenz beschäftigen sich die Künstler*innen Wicki Bernhardt, Arnita Jaunsubrēna und Janna Pinsker mit der Frage, wie Räume die Körper beeinflussen, die in ihren agieren. Diese Frage wird spezifisch an einen Themenkomplex gebunden, der viele junge Menschen in den vergangenen zwei Jahren betroffen hat: Wie geht Pubertät im Lockdown? Welche Wege sucht sich der Körper, um auszubrechen?

Mit „Spektrale Möglichkeiten im Theater des Binären“ beschäftigen sich SWOOSH LIEU in zwei Phasen mit Techniken des Hackens und des DIYs und arbeiten an Möglichkeiten, diese Techniken für den Theaterapparat fruchtbar zu machen. Dabei steht die Frage im Fokus, wie wir den Fehler im (Theater)System für queere Perspektiven auf Szenen und Rollen nutzen und uns über technische Zugriffe empowern können.

„KlimaKunst Part 5“ ist eine Recherche zu Theater und Nachhaltigkeit. Vera Hefeles Fokus liegt dabei auf der betriebsökologischen Perspektive im Produktionsprozess. Eine Task Force aus Künstler*innen, Umweltaktivist*innen und Nachhaltigkeitsbeauftragten unternimmt den Versuch, künstlerische Strategien und Produktionsweisen zu erfinden, um inhaltlich, ästhetisch und praktisch nachhaltig künstlerisch arbeiten zu können.

Ausgewählte Vorhaben Netzwerk Freier Theater

Kann Puppenspiel, Maskenspiel und das Klappmaul mit den Möglichkeiten der Kamera eine lebendige Illusion erzeugen für digitale Formate oder Formate mit Kamera im Bühnenraum? Welche Schwierigkeiten birgt die Wirkungsweise, das Zusammenspiel, der Blickwinkel, der Rhythmus und welche Vorteile entstehen daraus? Eine Recherchearbeit des theatralen Puppenspiels im digitalen Blick der Kamera.

„Die semipermeable Leinwand als lebendiges Relief“ – Video als Kostüm, Interaktionspartner und Bühnenbild. Die Stimmkünstlerin und Performerin Frauke Aulbert experimentiert mit Video und (Stimm- und Körper-)Performance zur Interaktion in einer perforierten Leinwand, welche den Kopf und Teile davon sowie die Extremitäten hindurchlassen kann.

Privat wie beruflich stellt sich Theaterleitung Lena Kußmann die Frage nach dem Sinn und Zweck einer Sammlung vergangener Erlebnisse, Arbeiten, Dinge oder Werke. Müssen wir uns selbst und anderen beweisen, dass wir gelebt und gearbeitet haben? Warum proklamieren wir das Leben im Moment und sammeln die Vergangenheit? Und wie funktioniert das mit einer Kunst, die vom Moment lebt ?

Choreograf Chris Jäger experimentiert mit dem tänzerischen Potenzial eines aus der Seele blutenden Körpers. A LOT(-Theater) of blood. Alarmstufe Blut für eine Gesellschaft, die noch nicht begriffen hat, innere Wunden zu erkennen. Mit dieser Residenz am LOT-Theater testet der Choreograf, wie direkt er sein darf, um auf seelische Schäden einer Gesellschaft hinzuweisen.

Anna McCarthy beschäftigen „Haarige Heilige“, diese waren oft Außenseiter oder aus ihrer Familie ausgestoßen, mussten in die Wildnis flüchten und lebten deswegen haarig zurückgezogen in der Natur. Sie haben eine ganz individuelle und „heilige“ Erscheinung und sind besonders interessant in Bezug auf Frauen- und Genderfragen in der jetzigen Zeit.

Die Frage lautet: Wie entsteht Dialog? Was kommt nach dem Verstummen, das auf den Lärm der ewigen Wiederholung folgt? Wie kommen wir heraus aus dem „letzten Band“, dem unser Ego seit Jahrzehnten lauscht? Eine Dramaturgie aus zwei Monologen, zwei entgegengesetzten Räumen: ein Mann von gestern und eine Frau ohne Bezugspunkt kollidieren für die Geburt einer neuen Zeit. Ein Duell ums Da-Sein.

Ausgehend von Akin Emanuel Şipals „Neue Republik” wird die Sicht der Jugendlichen der „dritten Generation von Einwanderer*innen” auf die Zukunft untersucht und der Frage nachgegangen, wie eine utopistische Einwanderungsgesellschaft aussehen kann. Anhand von qualitativen Interviews mit Jugendlichen und Expert*innen, Theater- und Sachtexten werden mögliche Zukunftszenarien entwickelt.

Gloria Schulz ist Digital Artist aus Hamburg. Sie verbindet als Creative Coderin und Performerin digitale Technologien, wie Virtual Reality, mit theatralen Immersionsräumen. In ihrem Forschungsvorhaben untersucht sie ihre eigene Wut als Mittel der Performance im virtuellen Raum. Zusammen mit Katrin Hentschel entwickelt sie hierfür ein Wutlabor.

Theaterregisseurin und Performerin Katrin Hentschel erforscht und experimentiert: WIE wird im Theater analog erzählt? Sind Muster aufzuspüren, was wird benötigt, um etwas darzustellen? Wo beginnt die Vorstellungskraft der Betrachter*innen? Dazu forscht sie mit der Medienkünstlerin Gloria Schulz, ob das Theater die virtuelle Welt bereichern kann. Ein Experiment: Was sind Bausteine des Erzählens?

Das Markus&Markus Theaterkollektiv forscht zu popkulturellen Ikonen für große Ideen, zu große Aufgaben und Katastrophen. Im Fokus stehen dabei metaphorische, emotionalisierende Potenziale und auch ihre propagandistischen Aspekte. Die Quellen sind Filme, Soziale Netzwerke und Wahlkämpfe. Die Residenz ist eine Zeit der gemeinsamen Sichtung und Analyse.

Ausgehend von der Selbst-Zuschreibung des ELLE Kollektivs als Dorftheater nutzt es die Residenz dazu, das Thema Dorf und Land von einem städtischem Blickpunkt aus zu betrachten. Welche Klischees, Vorstellungen und Bilder prägen die Gesellschaft? In einer tiefergehenden Recherche widmet sich das Kollektiv insbesondere Motiven des Horror- und Heimatfilms, um sie als künstlerische Folie zu verwenden.

In der Residenz „GAME OVER_lab ⫸ music, dance and sensors“ arbeiten die Choreografin Mab Cardoso, die Sounddesignerin, DJane und Musikproduzentin Marina Sarno, die Dramaturgin und Performance-Künstlerin Eva-Maria Glitsch und der Medienkünstler und Programmierer Bruno Gola an der technologischen und dramaturgischen Weiterentwicklung von Sensoren, die durch Bewegung Sound generieren.

Das letzte Jahr hat gezeigt, wie wichtig Strategien sind, mit psychischen Krankheiten zu arbeiten. Das Projekt erforscht Formate, die es ermöglichen sollen, Musik als Dialogpartner psychisch labiler Menschen zu nutzen. Es wird eine experimentelle Sammlung an alltäglichen Geräuschen musikalisch erforscht. So tritt die Künstlerin in einen musikalischen Dialog mit ihrer scheinbar stillen Umgebung.

Ausgewählte Vorhaben flausen+bundesnetzwerk

Sven Niemeyer widmet sich in seiner Residenz der Umsetzung von literarischen Gattungen in Körperlichkeit und dem darstellerischen Unterschied zwischen Bühne und Kamera. Wie kann Literatur (Lyrik/Prosa/Drama) in Bewegung umgesetzt und körperlich dargestellt werden? Welche Methoden muss der Körper einsetzen? Und wie unterscheidet sich die Umsetzung zwischen Darstellung für die Bühne oder die Kamera?

Die in Münster ansässige Theatermacherin Anne Keller (RUE OBSCURE) erarbeitet im Hamburger theatralen Produktions- und Bildungszentrums Wiese eG ein Konzept für eine begehbare Videoinstallation, die sich mit Fragen zum Thema Wissen und Geheimnis im virtuellen Zeitalter beschäftigt. Neben der inhaltlichen Recherche soll es auch um die Erweiterung des überregionalen Netzwerkes gehen.

In „Humboldtgips“ erforscht Antonio Cerezo das alltägliche Material Gips und beschäftigt sich mit den hochkomplexen Beziehungen zwischen Europa/Deutschland und Lateinamerika, mit Humboldt, dem „Entdecker“ und mit einem System, das eine Welt benannte, die schon Namen hatte. Gips und der Körper des Performers werden in szenischen Experimenten einen utopischen, erweiterten Körper erschaffen.

Die Recherche bezieht sich auf die Erforschung der Möglichkeiten und des Potenzials einer wechselseitigen Durchdringung von realen Tänzen und virtueller Welt, wobei die moderne Technologien (Gehirnsensor Stirnband, Motion Capturing, maschinelles Lernen, generatives Design usw.) benutzt werden, um choreografische Elemente und mentale Zustände zu erfassen, sichtbar zu machen und neu zu gestalten.

In der „LATE NIGHT Talk Show“ erleben zwei Publikumsteile das gleiche Geschehen, nur aus komplett verschiedenen Entfernungen, eins im Studio, das andere vorm Bildschirm. Was steckt eigentlich noch in diesem hybriden Late-Night Unterhaltungsformat? Eine Rahmung für theatralische Inhalte? Das Wort „Sprechtheater“ ist deutschen Kulturbehörden nicht fremd und mit dem Begriff „Talk Show“ eng verwandt.

Das Projekt knüpft an einer Recherche an, die die Künstlerin vor einem Jahr im Internet machte. Die anonyme Rede, die sie entdeckte, nannte sie „Rede des Unaussprechlichen“. Inmitten der tektonischen Verschiebungen, die im Internet die Norm sind, wird endlos diskutiert. Jetzt soll ein umfassenderes Bild dieser Diskussion entstehen und möglicherweise zur Basis für eine Theaterarbeit werden.

Ihr individuelles Erleben sich in der Sprache ihres dänischen Vaters fremd zu fühlen, motiviert TLR zu einer künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Thema Verlust der Mehrsprachigkeit in multinationalen Familien. In ihrer angestrebten Recherche möchte sie mittels Theorierecherchen und Interviews zum Thema Formatideen für die eigene künstlerische Praxis als auch für die Vermittlung entwickeln.

Wie wird ein weiblicher Körper gefährlich? Welche Faktoren gehören dazu: Stimme, Masse, Kampftechnik? Kann er überhaupt als gefährlich wahrgenommen werden? Oder nur als hysterisch, lächerlich oder gar cis-Männern nacheifernd?
Wer oder was macht Frauen* wütend? Warum erlauben die Gesellschaft und Frauen* sich selbst nicht, wütend, laut, anstrengend zu werden? Raum einzunehmen?

In seiner Recherche reizt Lutz Großmann die Grenzen des Solo-Handpuppenspiels aus und verschiebt diese. Was, wenn die Hände selbst zu Puppen werden? Und was erzählen uns diese – trotz weniger Text und mehr Leerstellen? Unserem digitalen Zeitalter der „Handvergessenheit“ (Jochen Hörisch) soll hier eine analoge künstlerische Handarbeit entgegengesetzt werden.

Recherche zum Alltag von Wohnungslosen. Welche Wege gehen sie? Wie schützen sie ihr Eigentum, den Platz zum Übernachten? In welcher speziellen Notlage sind Drogen- und Alkoholabhängige unter ihnen? Wie sieht ein Tag mit Flaschensammeln aus? Die während der Residenz gemachten Erfahrungen, Eindrücke, inneren Bilder werden in szenisch-choreografisches Material und einen Gestenkanon verarbeitet.

Acht Wochen auf der Suche nach den kreativen Aha-Momenten, die aus dem Unbewußten entstehen. Was kommt dabei heraus? Alles ist offen.
Eine Sammlung aus dem „Nichts“ entstandener „Produkte“, die in einer Wunderkammer einen Blick in den Mikrokosmos eines künstlerischen Ichs erlauben, das nichts sagen will, und doch etwas sagt. Sinn entsteht erst im Moment der Betrachtung von außen..

Der Regisseur Thomas Dannemann recherchiert über die Zusammenhänge zwischen dem Erodieren von Konsenserzählungen innerhalb moderner westlicher Gesellschaften sowie der Erosion ihres nach außen gerichteten globalen Herrschaftsanspruches durch die „westliche Demokratie-Erzählung“ und und den daraus erwachsenden geopolitischen Folgen und schreibt anhand dessen ein Theaterstück.

Ausgehend von Interviews mit Protagonist*innen von 89/90 in Ost und West fragt M. Melzer, ob in den (linken) politischen Kämpfen für einen Neuanfang der Generation damals und den Menschen, die heute für Veränderung eintreten, Verbindungslinien zu finden sind. Können beide Generationen in einen akustischen Dialog treten? Woran lässt sich anknüpfen? Wie voneinander lernen? Gibt es etwas zu erben?

Joana Kern möchte sich mit der Entwicklung von Figuren im Tanz beschäftigen. Wie lassen sich tänzerisch Geschichten erzählen? Inspirationsquellen ihrer Recherche sind ein literarischer Text und Träume, Referenzen der indische Kathaktanz und Tänze afrikanischen Ursprungs. Methodisch steht die Auseinandersetzung mit „Storytelling“ im Mittelpunkt – mit einem besonderen Blick auf die urbanen Tänze.

Fernanda Ortiz Losada lotet die Grenzen des Körpers im virtuellen Raum mittels Motion Capture aus und setzt sich mit VR Erlebnisräumen auseinander. Wo liegen die Grenzen eines digitalen Körpers? Welche bestehenden virtuellen Räume können wir für den Tanz gewinnen? Welche müssen wir kreieren? Damit vertieft sie ihre Forschung im Themenkomplex Tanz und Digitalität.

Recherche zur Biografie des jüdischen Malers und Grafikers Jacob Pins, dessen Geburtsort Höxter seinen Nachlass verwaltet. Es geht besonders um die Jahre, die er ab 1936 im damaligen Palästina verbrachte. Es wird der Frage nachgegangen, wie er sich wieder für Kontakte in seine Heimat öffnen und als Künstler etablieren konnte.

Seit der Industrialisierung braucht die deutsche Wirtschaft Arbeitskräfte aus anderen Ländern. Schwarze Menschen aus den Kolonien, KZ-Häftlinge, Prostituierte aus Osteuropa u.v.m. – wer profitiert(e) von ihrer Arbeit? Welche Kontinuitäten im Umgang mit Menschen, die als „fremd“ markiert werden, gibt es bis heute?
Diesen und anderen Fragen geht Angela Kobelt in ihrer Arbeit nach.

Eine merkwürdige Maskenfigur spielt mit den Spaghettihaaren einer Barbie. Wer ist sie, warum ist sie hier und was ist ihre Aufgabe in dieser Welt? Im Rahmen ihrer Residenz sucht Chaudon nach Antworten in der Mythologie, in Geschichten und alten Sagen, forscht mit Teigwaren und deren Zubereitung in außergewöhnlichen Bühnenräumen und hinterfragt die Frauenbilder und Schönheitsideale der Menschheit.

Ein Körper und (s)ein Raum. Ein Raum und (s)ein Körper.
„Im Zwiegespräch“ ist ein Ping Pong zwischen einem menschlichen Körper und einem in sich geschlossenen, dabei aber sehr fluiden Raum mit 16 Wänden. Wer beeinflusst hier wen auf welche Weise, und welche Auswirkungen hat das Ganze darüber hinaus? Clara Palau y Herrero gibt in ihrer Recherche diesem Zwiegespräch Raum.

Jazzmin Tutum setzt sich in der Residenz mit ihrer eigenen Bühnenstimme auseinander, mit der sie die dauerhafte Vision möglicher Veränderungen verbindet. Sie recherchiert choreografische Strategien, die zum Verständnis von Live-Performance mit Stimme und Poesie, von Improvisationsperformance, einem konstruktiven transkulturellen Diskurs und dem Geschichtenerzählen beitragen.

Mit „STAGING CURIOSITY“ forschen Anthoula Bourna (Bildende Künstlerin) und Sophia Barthelmes (Regisseurin) am Hamburger Sprechwerk an einer auf Raum und Lyrik konzentrierten, installativen Theaterform: Apparatus. Liebesgedichte im Schützenverein; Carpe-Diem im Bunker. Radikal getrennte Theaterzeichen im dichten Zusammenspiel eines Apparatus, dem Zuschauer*innen als Produzierende gegenüber stehen.

In der Recherche „SELFITIS“ wollen Regisseurin Julia Hart, Schauspieler*innen Florian Weigel, Johannes Nehlsen und Kristina Bremer sowie Medienkünstlerin Iris Holstein aus der Kinder- und Jugendtheater Gruppe Show and Tell sich inhaltlich und ästhetisch mit dem Phänomen der massenhaften Herstellung und dem ständigen Retuschieren von Selfies auseinandersetzen.

Die Residenz setzt sich mit seriellem Erzählen am Theater auseinander und recherchiert ergebnisoffen, wie sie ihr Projekt zu Künstlicher Intelligenz zu einer analog-digitalen Theaterserie weiterentwickeln kann in Richtung eines hybriden „Expanded“ Theater-Formates, v.a. im Hinblick auf die erweiterbaren Räume der Rezeption („expanded reality“), die von digitalen Erweiterungen profitieren könnten.

Im Rahmen der Residenzförderung recherchiert das Autor*innen-Team zum Alltag eines Bestattungsunternehmens. In Medien und eigens geführten Interviews untersuchen Feist und Krämer, wie Menschen mit Tod und Leben umgehen, inwieweit familiäre Strukturen dabei helfen oder auch belasten. Es gilt herauszufinden, in welcher Form diese Themen für ein breites Publikum zugänglich aufbereitet werden können.

Für „Kleine große Welt: Objekttheater vor der Webcam“ fragen die AZUBIS wie die Übertragung von Objekt- und Minuaturtheater für ein junges Publikum in die Kacheln einer Zoom-Konferenz gelingen kann. Dabei stehen ästhetische wie technische Fragen gleichermaßen im Fokus.

Welche neuen Formen kann das Figurentheater, insbesondere Materialtheater für junges Publikum annehmen? Anhand von einem einfachen Material wie Karton werden die Figurenspieler*innen Emilien Truche und Sarah Wissner in einer theoretischen und praktischen Recherche im November und Dezember im FITZ! das Alltagsmaterial Karton auf sein spielerisches Potenzial für junges Publikum hin untersuchen.

Eine Puppenspielerin und ein Cellist untersuchen anhand ihres Handwerks die Bedeutungen und die Wirkungen von „groß“ und „klein“: Was haben klein und leise gemeinsam, was führt in ihnen zu „Vergrößerungen“? Es entsteht Raum für die Vernetzung der Medien und Sinne zu einem gemeinsamen Werkzeug.

Die Residenz von Theater Mär beschäftigt sich mit der Untersuchung verschiedener Optionen einer optimierten Wirtschaftlichkeit im Kinder Tournee Theater unter Beibehaltung der künstlerischen Ernsthaftigkeit für diese Sparte.

Im Rahmen der Residenzförderung begibt sich das Ensemble Hieb & Stichfest in eine theatrale Forschung zum Thema bedingungsloses Grundeinkommen. Was kommt nach dem Leistungsprinzip? Das Ensemble recherchiert zu verschiedenen diskutierten Modellen des bedingungslosen Grundeinkommens, als auch Literatur zu Motivation, Ökonomie, Leistungsbereitschaft, Entschleunigung und Faulheit.

„Me, Myself & My Avatars (or remapping the homunculus)“ beschäftigt sich mit nichtmenschlichen Avataren in der virtuellen Realität, die man dank unseres in Bezug auf Körper und Bewegungen flexiblen Gehirns annehmen und steuern kann. Dazu wird recherchiert, wie diese Zusammenhänge mithilfe der Game-Engine Unity in Form von drei verschiedenen spielbaren Avataren erlebbar gemacht werden können.

Auf Basis von Augés „Ethnologie der Einsamkeit“ widmet sich die Recherche der Gleichzeitigkeit von Einsamkeit und Hyperkonnektivität. Wie auch die Ethnologie arbeitet das Theater immer im Hier und Jetzt. Das Vergängliche (und darum Lebendige) ist sein Material. Was bedeutet Nähe in einer Welt ohne Distanzen? Ein Reisebericht über reale Orte und virtuelle Räume und ihre gegenseitige Durchdringung.

„BELOW HORIZONTE“. Im Rahmen der Residenzförderung widmet sich der Regisseur, Fotograf und Autor Aron H. Matthiasson der Recherche und der Stückentwicklung zum Thema: Gesellschaftliche Rezeption von Erfolg. Er beschäftigt sich mit den Vergessenen, den Gescheiterten und den Verweigerern des Erfolgs und versucht die Frage aufzuwirbeln, warum wir uns an dieses unfaire Wertesystem klammern.