Entscheidung #TakeCareResidenzen (April 2021)

Ausgewählte Vorhaben

Mit dem Corona bedingten Lockdown wurde das Internet über Nacht zur wichtigsten künstlerischen Bühne. „Real Digital“ ist eine Recherche über das Filmen fürs Internet. Mit Einsatz von unterschiedlichen Kameraperspektiven werden die darstellerischen Ausdrucksformen und die unterschiedlichen Körperwirklichkeiten im analogen, medialen und digitalen Raum erforscht.

Florian Deiss befasst sich mit der Entwicklung von Puppenmechaniken und dynamischen Bühnenbildelementen. Das Recherchevorhaben sucht nach neuen Materialien und Techniken, um die Qualität von Puppen und Requisiten weiterzuentwickeln und deren Bewegungspotenziale zu erforschen. Darüber hinaus setzt sich Deiss mit der interaktiven Gestaltung von Bühnenbildern und den Möglichkeiten der Verformung von Bühnenobjekten auseinander.

Lachen ist eine Handlung, die zwischen Widersprüchen pendelt und Gegensätze verschmelzen lässt: körperlich und intellektuell, kommunikativ und Kommunikation unterbrechend, als Kontrollverlust und in dem Versuch eine unsichere Situation zu kontrollieren, lustvoll und verstörend. In der Recherche wird die künstlerische und poetische Wirkkraft des Lachens in seinem utopischen Potential untersucht.

In einer immer schneller agierenden Gesellschaft scheint der einzelne Moment von immer geringerer Bedeutung. Mit Hilfe von Timestretching-Algorithmen können kurze Klangeindrücke zeitlich bis ins Extreme ausgedehnt werden. So werden aus kurzen Tonimpulsen Klanglandschaften, klingt das Auftreffen eines Regentropfens wie ein mikroskopischer Regen, die Pfütze wie ein Ozean. Verschiedene Momente werden ausgewählt, untersucht und zu neuer Musik arrangiert.

Licht und Schatten – Recherche und Experimente. Marko Erak-Bonsink untersucht die unterschiedliche Erzeugung von Schatten durch verschiedene Lichtquellen und diverse Objekte, wodurch farbige Schatten, sogar 3D Schatten, entstehen können.

„PROMPTER.FM – Theater als Sender“ sucht neue akustische Räume für das Theater im Pandemie- Transformationsprozess. Das Theater wird als Labor für Autor*innen, Journalist*innen, Musiker*innen, Medienkünstler*innen und Sound-Performer*innen untersucht, um gemeinsam mit neuen Formaten wie Live-Hörspiel, Audio-Walk, Sound- Installationen, Performance oder auch interaktiven Hörfunkformaten zu experimentieren.

Beim Versuch etwas zu erzählen, enthält gesprochene Sprache eine sehr konkrete und gut kontrollierbare Information an ein Publikum. Auch Bewegung, Musik oder Geräusche können sprechen, wenn auch die Informationen eher assoziativ sind und subjektiver interpretiert werden. In dem „Sprachlabor“ wird mit den Vermittlungsebenen gespielt, werden die Sprachen zerlegt und die Mittel erprobt, um eine Geschichte erfahrbar zu machen.

Dystopische Erzählungen scheinen faszinierender als je zuvor. Morgan Nardis Recherche fußt auf der kreativen Notwendigkeit der spielerischen Kombination zwischen Dystopie und Digitalität. In dem Zusammenspiel von grundlegenden analogen und digitalen künstlerischen Elementen wird eine neue Form der Kreativität und Narration durch Bewegung und Technologie erforscht und entwickelt.

Im Austausch mit internationalen Künstler*innen und der Beschäftigung mit ihren Objekten setzt sich Lex Parka mit den unterschiedlichen Möglichkeiten, Denkweisen und Philosophien zur Gestaltung und Konstruktion kinetischer Objekte auseinander. Ein besonderer Fokus der Recherche liegt dabei auf der Interaktion der Maschinen mit Menschen und Musik im Figurentheater.

Die Zusammenarbeit und der Dialog mit Kindern und Jugendlichen ist in Pandemie-Zeiten erschwert. In dem Projekt „Bilder ohne Bühne“ recherchiert Angelika Vienken zu Themen, die Kinder und Jugendliche aktuell beschäftigen. Welche Fragen, Geschichten und Bilder bekommen gerade keine Bühne? Wie soll ein Theater für Kinder und Jugendliche nach Corona sein? Wie nutzen sie das Internet als Bühne?

In „master / my / own / becoming“ untersucht Sabeth Dannenberg die Schnittstelle zwischen Antragsdeadline und körperlicher Leistungsgrenze, lotet die Gratwanderung zwischen (Bewegungs-)Flow, Spiritualität und Selbstoptimierung aus. An Hand von körperlichen und mentalen Techniken spürt sie Mechanismen der Enthemmung der Künstlerinnenseele und der Befreiung des wilden Künstlerinnenkörpers auf.

In einer Filmsequenz wird die Figur Nestor K. mit unterschiedlichen Arten von Puppen dargestellt. Wie können die einzelnen Parameter von Aussehen und Bewegung verändert werden, um Nestor K. noch kontinuierlich als die gleiche Figur zu erzählen? Die Grenzen der filmischen Kontinuität werden in Verbindung mit den Eigenheiten der unterschiedlichen Puppenspielgattungen ausgelotet.

„TheBestVersionOfMyself“ untersucht die Auswirkung technologiegestützter Bildproduktion auf Körperwahrnehmung und -bewusstsein. Neben theoretischer und praktischer Recherche (Face/Bodytracking, Filter, DeepFakes) werden performative Skizzen erarbeitet, in denen analoge Körperwahrnehmungen zu digital genormten Körperdarstellungen ins Verhältnis gesetzt und besprochen werden können.

Ein GLITCH ist ein vermeintlicher Fehler, eine Abweichung, ein Verstoß gegen die Norm. Alla Zakiullina befragt die Normativitäten von Identitäten und deren Körpern im Bereich von Algorithmen, künstlicher Intelligenz und Werkzeugen des maschinellen Lernens. „IDENTIFY AS GLITCH“ ist eine Untersuchung des GLITCH-Potentials zur Befreiung unseres Körpers und unserer Identität.

Das Figurentheater auf dem Weg in die Sozialen Netzwerke. Wie kann ein theatralisches Storytelling für social media entwickelt werden? An welchen Stellen können das Figurentheater und Instagram sich gegenseitig ergänzen und neue Räume schaffen? Wo sind die Berührungspunkte zwischen Theaterpublikum und Followern? Die Figur Theo Thaddeus macht sich auf die Suche nach Antworten.

Die Recherche „prekär“ des Regisseurs Adrian Figueroa und der Dramaturgin Felizitas Stilleke beschäftigt sich mit der Frage, wann die bezahlte Armut beginnt und was Beschäftigung im Niedriglohnsektor konkret bedeutet. Gespräche mit Reinigungsfachkräften, Tankwart*innen, Geburtshelfer*innen oder Friseur*innen bilden die Grundlage der Recherche.

Thiago Granato sucht in dieser Forschung nach Lernkontexten, die in einer Kultur der radikalen Fürsorge verankert sind, um mit dem klanglichen Bewusstsein für verschiedene Arten von Präsenzen seine Praxis und die Art der Teilhabe zu erneuern. Er entwickelt eine Methodik, die ein körperliches Training basierend auf Kundalini – einem Ritual des Txucarramãe-Volkes – und Studien der Faszien beinhaltet.

Walden nutzt diese Residenz, um die Geschichte von Soziolekten, Anti-Sprachen und konstruierten Sprachen zu erforschen, mit dem Ziel, neue performative Arbeiten zu schaffen. Diese Forschung wird zu einem langfristigen Projekt beitragen, um eine neue Sprache zu schaffen, die die Erfahrung von kranken/behinderten/trans-Menschen in den Mittelpunkt stellt.

SOZIOLEKT statt ARGOTS? Ich meine, dass man sich als nicht kundige person darunter ehernoch etwas vorstellen kann…

 

Die Treuhandanstalt und die Umstrukturierung der DDR-Wirtschaft Anfang der 90er Jahre werfen wichtige Fragen zum Thema des Gemeineigentums, der Organisierung der Arbeit und der Ressourcenverteilung auf. Mit „TREUHAND im Kontext“ verfolgt Luise Meier die vielfältigen globalen und historischen Verflechtungen des gesellschaftlichen Umbruchs der 1990er Jahre von der Vergangenheit bis in die Zukunft.

Im Rahmen der Residenz „Acht Stunden sind kein Tag“ werden verschiedene Facetten des alltäglichen Lebens in einer Großstadt wie Berlin beleuchtet. Siniša Mitrović reflektiert den Anspruch an eine vielfältige Stadtgesellschaft anhand der sozialen Realitäten randständig Beschäftigter auf Diskrepanzen und resultierende Verdrängung. Der Fokus liegt dabei wird auf den Geschichten der ‚gewöhnlichen Leute‘.

„Embraced“ ist ein Rechercheprojekt, das durch die Kombination von Körpern und Sound Emotionen in hybriden Räumen erforscht. Das gemeinsame Erleben, das gleichzeitig individuell ist, steht dabei im Fokus. Die künstlerische Recherche zeigt, dass Gefühle die Wahrnehmung prägen und sich ständig verändern. „Embraced“ sucht nach neuen Wegen der Empathie.

„Hybride Hinterlassenschaften“ ist eine Recherche, in der hybride Räume erforscht werden. Fabian Raith erprobt, wie in einen interaktiven, virtuellen 360°-Raum digitale Objekte und Hinterlassenschaften der Performer*innen und des Publikums eingewoben werden können. Wie können dadurch dem Publikum weitere Bezüge eröffnet und nicht-lineares Storytelling ermöglicht werden?

„Diverse Feelings” ist ein Rechercheprojekt, in dem Emotionen in hybriden Räumen darstellerisch erforscht werden. Wie können sich durch den Einsatz einer 360°-Kamera und von 3D-Elementen im Kontext von hybriden Performances neue Welten eröffnen? Die künstlerische Recherche möchte zeigen, dass Gefühle echt sind und sich ständig verändern. Sie fordert uns auf, nach Wegen der Empathie zu suchen.

„Diverse Feelings” ist ein Rechercheprojekt, in dem Emotionen in hybriden Räumen darstellerisch erforscht werden. Wie können sich durch den Einsatz einer 360°-Kamera und von 3D-Elementen im Kontext von hybriden Performances neue Welten eröffnen? Die künstlerische Recherche möchte zeigen, dass Gefühle echt sind und sich ständig verändern. Sie fordert uns auf, nach Wegen der Empathie zu suchen.

Wie verhandelbar ist öffentlicher Raum? Die performative Studie „unfold the public“ beschäftigt sich mit dem Einfluss gesellschaftlichen Agierens auf den öffentlichen Raum und der Rolle des eigenen Körpers als Grundlage im Spannungsfeld von Raum und Körper. Mit Mitteln der Performance werden Transformationsprozesse über einen Zeitraum von zwei Monaten erprobt und beobachtet.

Grupo Oito befragt ihre Positionierungen und schärft eigene Arbeitsweisen im Einsatz für Antirassismus und Dekolonisierung. In der Residenz werden neue Kollaborationen erprobt und mithilfe von Clownstechniken und den Medien Film und Fotografie neue Perspektiven und Methoden erforscht, um neue Impulse zu setzen, gemeinsam zu (ver)lernen und die eigene Aussagekraft zu vertiefen.

Videospiele gewinnen an kultureller Bedeutung, insbesondere als sozialer Ort der Begegnung und als eine Alternative zu den sozialen Medien. In „Forever Quest“ wollen The Mycological Twist die Rahmenbedingungen und Richtlinien für explorative Veranstaltungen entwickeln, bei denen die Teilhabenden dazu eingeladen sind, selbst die Kontrolle zu übernehmen.

Patty Kim Hamilton widmet sich in ihrer Residenz dem Thema Schmerz in seinem chronischen Zustand. Wie kann man Schmerz von einem verinnerlichten in einen externalisierten Zustand übersetzen? Welche Möglichkeiten der Kommunikation liegen in der Darstellung des Körpers? Wie beeinflusst der als weiblich gelesene Körper dieses Verständnis?

In der Recherche ‚‚— der größte Unterschied zwischen uns ist die Entfernung.‘’ beschäftigt sich der Performancekünstler Pham, Minh Duc mit dem Verständnis der eigenen Physis. Er hinterfragt den Körper als bloßes Instrument und ergründet dessen Existenz. Entgegen der Annahme ‚form follows function’ stellt Pham die Behauptung auf: ‚form follows from experience‘.

Die aktuelle Situation zeigt, dass rationale Verfahren, die um das ‚Normale‘ herum arbeiten, uns dem Untergang näher bringen. Rät uns das Monster, andere Denkweisen über den Alltag zu produzieren? Tatiana Heuman ist dem Monster als Kreatur des Widerstands auf der Spur und macht es als performativen Körper und Schöpfer grundlegender expressiver Werte sichtbar.

„Re-Mapping Dresden“ ist ein Forschungsprojekt, in dem Katja Heiser das performative Potenzial von Wegen durch die Stadt aufspürt. Was geschieht, wenn man altbekannte Wege neu definiert? Kann man einen Weg als Geschichte durch die Stadt erzählen?

„Kontakthof“ von Pina Bausch gilt als ikonische Arbeit der Tanzgeschichte und als ihr einziges Stück, das von anderen sozialen Gruppen aufgeführt werden kann. In einem Team aus Tanzschaffenden mit und ohne Behinderung widmen sich Heike Bröckerhoff, Saša Asentić & Collaborators der Frage, warum es keine Version mit behinderten Künstler*innen gegeben hat und wie eine solche aussehen könnte.

Das kursiv geschriebene Wort ‚weiß‘ beschreibt derzeitig immer noch die Dresdner Theaterlandschaft. Im Zentrum der Recherche von Nora Otte steht die Perspektive von PoC-Künstler*innen auf diesen dramatischen Zustand. Was kann getan werden, um Dresden als Kulturstandort für Diversität zu öffnen? Ein kritisches Stimmungsbarometer soll zu einer konstruktiven Auseinandersetzung innerhalb der Region beitragen.

Für ihr Rechercheprojekt zum Thema Migration, plant Cheng-Ting Cheng Orte mit besonderen historischen Hintergründen und Einwanderergemeinschaften zu besuchen. Durch Interviews und Gespräche sammelt sie Materialien und Ideen für zukünftige Installations- und Bühnenräume, ausgehend von der Frage, wie man ‚Authentizität‘ installativ im Theaterraum umsetzen kann.

Margarete Kiss recherchiert zu heterotopischen Entwürfen für eine interspezielle Kommunikation in zeitgenössischen Gärten vor dem Hintergrund widerständiger Praxen von Tieren, Pflanzen und (Nicht-)Menschen. Wo finden sich Beispiele dafür in den Gärten Helleraus? Wie können sie sichtbar gemacht werden und welche Formen einer gemeinsamen Sprache entwickeln sich, wenn der Mensch nicht mehr bestimmt?

Kitsch, Prunk und ein schönes Alpenpanorama. Wie lässt sich Heimat (ein identitätsstiftendes Gefühl? ein Klischee? eine Sehnsucht?) in der Kunst herstellen und gleichzeitig an ihren Oberflächen und (unterdrückenden) Strukturen kratzen? Jovana Reisinger interessiert sich für Heimat als Genrebezeichnung und als verkaufsfähiges Produkt. Eine Recherche zur Herstellung eines mythischen Gefühls.

Svea Duwe beschäftigt sich mit Material als Ausgangspunkt szenischer Handlungen. Dabei wird der handelnde Körper zu einem Vermittler zwischen den Dingen und innerhalb der Struktur im Raum. Er verändert die Verhältnisse innerhalb einer Rauminstallation und wird durch Montage von Dingen an den eigenen Körper selbst zunehmend Teil der Installation.

„WHO IS THE CITY?“ ist eine Interviewreihe über die Körpersprache von Subkulturen der Stadt Leipzig. Ausgehend von der These der Notwendigkeit des ‚Kollektivkörpers‘ für die Wirkmächtigkeit einer Gruppierung und der Figur der ‚Singularität‘ spätmoderner Körper durch Individualitätsparadigmen entsteht eine Bestandsaufnahme subversiver Körperstrategien im öffentlichen Raum.

Helena Fernandino erweitert in dieser Residenz ihre Beschäftigung mit BodyMindCentering® über die Perspektive der Bewegung hinaus. Konkret soll die Möglichkeit hinterfragt werden, inwieweit die bekannten Methoden von BMC® bei der praktischen Umsetzung von Performances angewendet werden können und ob und wie die intensiven Erfahrungen aus der Phase der Exploration in die Inszenierung einfließen können.

Chez Company schickt sein Kerntool – performative Avatare – back to the roots. Mit klassischen Spiel- und zeitgenössischen Gaming-Formaten entwickelt das Kollektiv digital-analoge Spielformate für den öffentlichen Raum, im ‚echten‘ Leben und im Theater. Kollektiv gesteuerte Spielfiguren als Startpunkt für offene Flash-Mob-Spiele? Avatare in Spielwut auf dem Weg in die Transhumanität?

Klara Lyssy nähert sich einem Modellbau reversed an. Sie recherchiert zum Modellbau im Berufsfeld Bühnenbild und ver-lernt im Anschluss, was sie darüber zu wissen glaubte. Modellbau reversed ist die verlangsamte Rekonstruktion von Zerstörung. Nicht länger dient ihr Modellbau dazu, Zukünftiges zu veranschaulichen, sondern dazu, Zerstörung von Lebensraum begreifbar zu machen.

Die ethische Debatte der Politics of Care schließt häufig den Aspekt der Körperlichkeit aus – dabei könnten Erfahrungen aus den Darstellenden Künsten die Diskurse bereichern. Wie kann das aus den darstellenden Künsten abgeleitete Wissen zu einer effektiveren Diskussion über Fürsorge und ihre politischen Kämpfe beitragen? Wie können die Politiken der Fürsorge ethische und ästhetische Debatten innerhalb der darstellenden Künste komplettieren?

Im Rahmen der Residenz „A Silent Place“ wird die sonst laute und belebte Stadt als Ort der Leere und Stille betrachtet. Kulturveranstaltungen, Partys, Konzerte finden nicht statt und erzeugen eine Ruhe, die die auditive Erfahrung des urbanen Raumes Stadt auf den Kopf stellt. „A Silent Place“ möchte einen Ausnahmezustand erforschen und dokumentieren, an den wir in mehreren Jahren nur noch als Erinnerung zurückblicken.

„Postpandemic digital – Was bleibt vom digitalen Theater nach der Pandemie?“ ist eine spekulative Recherche zur Zukunft des digitalen Theaters. Ausgehend von der Schnittstelle Theater und Digitalität unter Einbeziehung angrenzender Bereiche (Internet, Games, VR/AR, hybride Formate) wird erforscht, welche digitalen Formate voraussichtlich über die Pandemie hinaus Relevanz für das Theater haben.

„queering up masculinities“ ist ein performatives Rechercheprojekt darüber, welche Formen lebensbejahender, queerer Männlichkeiten als Alternativen zu den jahrhundertelangen hegemonialen Männlichkeiten möglich sind. Denn diese – aufrechterhalten durch patriarchale Werte – haben die Erde bereits zu Klimakollaps, Artensterben und zu der Möglichkeit unseres eigenen Aussterbens gebracht.

Die Erfahrung gravierender Beschränkungen des sozialen Kontakts und Austauschs stellt eine einschneidende Erfahrung im Leben aller Betroffenen dar. Woran und wie unterschiedlich zeigt sich der daraus resultierende Schock im Alltag der Menschen? Wie ergeht es einzelnen Personen aus ohnehin schon ausgeschlossenen Gesellschaftsgruppen? Eine Suche nach Darstellungsformen dieses Schockmoments.

In der Recherche „FUTURE SHOCK“ setzt sich Lisa Rykena mit gegenwärtigen Strategien und alternativen Erzählungen der Zukunftsforschung auseinander und begibt sich, inspiriert vom Genre der Science-Fiction, auf die Suche nach fiktiven und performativen Erzählweisen einer Zukunft, die durch den Körper und die Stimme im ‚futuristic storytelling‘ ihren Ausdruck finden.

Wenn es keine Orte gibt, an die man gehen kann, dann schweifen alle herum. Aber nicht alle schweifen gleich. Unterschiedliche Bevölkerungsgruppen haben unterschiedliche Anforderungen an den öffentlichen Raum und unterschiedliche Strategien der Aneignung und Zweckentfremdung.
Wie müssen wir den öffentlichen Raum neu denken? Welche Räume haben durch Corona eine neue Bedeutung bekommen?

Harmonie, harmonisch, harmonisierend – wir erkennen es, wenn wir es sehen, hören oder fühlen. Doch was wäre, wenn unser Empfinden konstruiert ist, eingebettet in die jahrhundertelange eurozentrische Prägung unserer Sinne? Diese Recherche untersucht diese These durch soziale Choreographie, Musik und dekoloniale Literatur.

In der Recherche zum Thema „Performativität im Chat“ untersucht Judith Rau die verschiedenen Messengerdienste wie Signal, Whatsapp oder Telegram hinsichtlich eines möglichen Einsatzes als Tool und als Theaterbühne für die Arbeit mit Performance-Kollektiven und beschäftigt sich mit bestehenden Ansätzen, in welchen diese Dienste bereits künstlerisch genutzt wurden.

In der Residenz „Hey na, Enkidu so?“ geht der Medienkünstler und Performer Simon Schultz auf Spurensuche. Mit dokumentarischen Methoden (be-)sucht er die Menschen, die bisher im Theater ihren Lebensort gefunden hatten. Mit der Kamera in der Hand fragt er, wo das Lebendige, das Irrationale, das Gefühl und der Exzess in den letzten Monaten ihren Raum gefunden haben. „Hey na, Enkidu so?“ ist ästhetische Sorgearbeit.

Seit der ägyptischen Antike gibt es verschriftlichte Handlungsanweisungen für das Verhalten der Menschen: aus der Religion, der Philosophie und der Kunst. „TUTORITUALS“ bündelt die vorangegangene Recherche „NEUE RITUALE“ in einem Format, um neue Handlungsräume zu erforschen und auszuloten. Die „TUTORITUALS“ sind Inspiration und Anweisung zugleich. Können sie zum Vehikel für ein freies Kreieren von visionären Denk- und Handlungsmöglichkeiten werden?

Der digitale Raum bietet eine Chance, verschiedene Generationen zusammenzuführen. Die Zauberkunst als künstlerisches Bindeglied zwischen den Generationen ermöglicht dabei einen frischen Zugang für eine kritische Reflexion über gesellschaftliche Fragen. Eine neue Form des Schwarzen Theaters im digitalen Raum öffnet ungeahnte Möglichkeiten der Täuschung und wird im Rahmen der Residenz erprobt.

Das Projekt beschäftigt sich mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Sexarbeiter*innen. Es entsteht eine Sammlung von Audiointerviews, die das Thema aus queerfeministischer Perspektive reflektiert. Wie wirkt sich der Lockdown auf ihre Situation aus? Wie klingt die leere Stadt? Und wie kann man den vergessenen Stimmen durch künstlerische Praxis Resonanz verschaffen?

Die Maske ist gegenwärtig ein Symbol für Sicherheit, aber auch für Abgrenzung und Anonymität. Maskierung kann als ein Mittel zur Artikulation von Macht gesehen werden: der Macht des Individuums, sich zu verwandeln und verwandelt zu werden. Nasheeka Nedsreal untersucht das Potential der Maske als Werkzeug der Dezentralisierung westlicher Narrative. Wer bin ich hinter einer Maske?

„Ghost Embodiements and Cycles of Erasure / Part II“ ist ein Rechercheprojekt, das die Eugenik in ihrer Kontinuität bis in unsere pandemische Gegenwart hinein untersucht. Wessen Leben wird welcher Wert gegeben? Die Recherche fokussiert dabei auf mediale Darstellungsformen und ihre Leerstellen sowie auf Geschichte und Gegenwart von Widerstand.

Die Notwendigkeit für Audiodeskription mit ihrem ‚Visuellismus‘ entsteht, wenn Tanz- oder Theaterperformances ohne den Wahrnehmungsebene Sehen nicht zugänglich sind. Sophia Neises fragt dem entgegengestellt, wie durch „Aesthetics of Access“ sowohl eine multidimensionale Wahrnehmung von Kunst möglich wird, als auch eine (Mit)gestaltung der künstlerischen Produktion durch behinderte Menschen.

In seiner Residenz experimentiert Moritz Frischkorn mit narrativen, visuellen, virtuellen und vor allem somatischen Methoden, um logistische ‚Hyperobjekte‘ (Timothy Morten) spürbar zu machen. Er stellt sich beispielsweise große Paketdienstleister oder Streaming-Plattformen als gigantische, tentakuläre Körper vor und sucht nach Modi des vorsichtigen Berührens dieser anderen, distribuierten Hyper-Körper.

„STREIT SUCHEN“ fragt nach einem Raum, der die Konsensmechanismen von Kunstproduktion und Kunstbetrachtung als Struktur hinterfragt und damit zugleich Forderungen an die Konfliktfähigkeit unserer Gesellschaft stellt. Stine Hertel sucht nach Unterschiedlichkeiten und Irritationen und schlägt den Streit nicht als Ende, sondern als Zentrum der Versammlung vor.

„Egalitäre Multitude: Erzählungen von Zukunftsvisionen“ sucht nach performativen Ansätzen des Ins-Gespräch-Kommens und will dabei der Unterschiedlichkeit der Perspektiven Raum geben, um Folgen von Konsequenzen erfahrbar zu machen. Mit dem Ziel Zukunftsvisionen zu formulieren, wird in der Residenz so die überbrückende Kraft von Erzählung als Grundlage zur Abwendung der Klimakatastrophe untersucht.

Jorma Foth recherchiert in seiner Residenz zu post-pandemischen performativen Strategien. Er untersucht historische Aspekte von Versammlungsgründen und -orten, um in einer Weiterführung Zukunftsperspektiven von Zusammenkünften zu erforschen. Dazu interpretiert er aktuelle Konzepte als integralen Bestandteil kollektiver Aushandlungsprozesse, die vom Publikum als solche rezipiert werden sollen.

Wovor gruseln und fürchten sich Menschen und wie fassen sie diese Angst in Worte? Susanne Zaun sucht in ihrer Residenz nach Methoden für Interviewtechniken und Gesprächsformen, um über das Unheimliche, über Horror und Grusel zu sprechen. Sie erforscht, wie sich diese Affekte des Schauderns und Fürchtens protokollieren und notieren lassen und welche Art der Performativität dadurch entsteht.

Felix Siwiński erforscht in seiner #TakeCareResidenz am Mousonturm das Moment des Gemeinsamen unter pandemischen Bedingungen. Wie können wir trotz aller geltenden Vorschriften und zu beachtenden Hygienekonzepte dennoch performative Publikumssituationen ermöglichen, die den diskursiven Austausch der Zuschauer*innen untereinander provozieren?

Jonathan Mertz untersucht in seiner Residenz am Mousonturm die durch die Corona-Pandemie neu entstehenden Umstände für die Gestaltung und Realisierung eines künstlerischen Bühnenbilds für Theaterorte im Außenraum. Wie lassen sich diese aktuellen Parameter und Vorgaben als Kompliz*innen interpretieren und in das künstlerische Schaffen integrieren?

Rabih Mroué setzt sich in seiner #TakeCareResidenz „Exiled Facts and Fictions“ mit den vielfältigen zeitgenössischen Erfahrungen des Exils auseinander: Welche Formen der Artikulation und Performanz lassen sich finden? Er begibt sich auf die Suche nach sprachlichen und performativen Zugängen zu eigenen und grundsätzlichen Erfahrungen von Exil.

Benjamin Cromme beschäftigt sich in seiner Residenz mit dem Komplex Identität und Performativität. Wie werden Identitäten performativ gestiftet und hervorgebracht? Welche Beispiele feministischer Gegenentwürfe zu toxischer Männlichkeit lassen sich im digitalen sowie theatralen Raum finden und inwieweit kann dieser als performativ und identitätserzeugend gelesen werden?

Sharon Jamila Hutchinson untersucht Körper als Erinnerungsorte und fragt nach den Momenten des Erinnerns durch physische Verfasstheit, gestische Muster und choreographische Abläufe. Welche Umstände bringen körperliche Ausdrücke in ihrer Flüchtigkeit und Bedingtheit, in ihrem Erinnert- und Vergessenwerden hervor? Ein Körper, der seine Zerstörung erinnert, ist zu eben jener mentalen Aktivierung fähig.

Arthur Romanowski interpretiert das Theater als öffentlichen Möglichkeitsraum und weiterführend als Erinnerungsraum, der im Öffentlichen stattfindet. Wie kann das Theater andere Stimmen und Erzählungen in ihrer Resonanz diverser und komplexer behandeln? Und wie lassen sich hierdurch andere Situationen und Leben performativ erwirken?

Anknüpfend an eine linke Kulturtradition von Heine über Schleef bis Schlingensief befragt die FHS die unbedarfte Allgegenwärtigkeit des Nationalsozialismus und faschistoider Ästhetiken in Medien, Künsten und der Popkultur der Gegenwart: Hat sich der NS in Clickbait verwandelt? Bemächtigen sich neofaschistische Subkulturen ganz gezielt popkultureller Codes und künstlerischer Strategien?

Die Suche nach verbindenden Elementen von „Ost*West*Connections“ fungiert als Sprungbrett für unerwartete Kollaborationen. Kompliz*innen werden dabei aktiv gesucht: auf dem Truppenübungsplatz, im Theater, auf der Halde. Wie können über Lausitz und Ruhrgebiet und über Kohle und Wölfe neue Geschichten erzählen werden? Was hat das mit den darstellenden Künsten zu tun?

In ihrer Recherchearbeit befragt Julienne De Muirier das Verhältnis von Exil und Diaspora. Exiliert sein, diasporisch sein – das sind Zustände und zwischen diesen Zuständen gibt es Verschränkungen. Was bedeuten diese Erfahrungen für eine Existenz? Wie lebt und bewegt man sich in einer solchen? Wie verändert sich das Sein an einem Ort, der zwischen Orten steht?

Am Thema Erbschaft und der Unfähigkeit es zu besprechen, zerbrechen Freundschaften, Familienstrukturen und Hausprojekte. Das Thema ist konfliktbelastet. Doch gerade, wenn über etwas die Decke des Schweigens und der Scham gelegt wird, sollten die Inhalte umso dringender verhandelt werden. Welche performativen Settings und Scores, welche Fragen, welche Gegenüber, aber auch wie viele Ähms und wie viele Atempausen braucht es, um über das Erben sprechen zu können?

Zur Erschließung der Welt versucht die Wissenschaft komplexe Phänomene in Theorien und Einzelteile aufzuschlüsseln. Mit seiner Recherche nähert sich Moritz Fleiter den unbegreiflichen Anteilen der Welt. „FAST ALLES“ ist der Versuch, wissenschaftliche Thesen und abstrakte Theorien in persönliche Wahrnehmung zu übersetzen, um ihnen Leben einzuhauchen, sodass sie nicht nur verständlich, sondern erfahrbar werden.

Mijin Kim ist Teil des choreografischen Trios TachoTinta. Ihre Recherche lässt sie in das Archiv des Kollektivs eintauchen. Dabei geht die Künstlerin auf die Suche nach Methoden, die das Kollektiv dazu bringen könnten, in Zukunft mehr Risiken einzugehen. Es wächst ein Kompendium von Möglichkeiten für künstlerische Wagnisse.

Im Rahmen ihrer TakeCareResidenz bei PACT Zollverein beschäftigt sich Tunay Önder mit der performativen Kraft, der Körperlichkeit und Dramatik von Boxkunst. Sie trägt Geschichten und Bilder von Boxer*innen zusammen, sucht nach organischen Verknüpfungspunkten zwischen der Boxszene und anderen Künsten und überführt diese in einen performativen, erfahrungs- und klassenübergreifenden Begegnungsraum.

In ihrer Recherche untersucht Maria F. Scaroni das Selbstporträt als Positionierung im Gefüge unterschiedlicher Zugehörigkeiten zu Orten, diversen Gemeinschaften und dem eigenen Körper. In Form einer audio-visuellen Dokumentation findet Scaroni zu einer Darstellung von alternativen Verwandtschaftsnetzwerken einer Gegenwart, in der Möglichkeiten der Heilung und die Verbundenheit scheinbar unverbundener Menschen und Orte, Geschichten und Werte sichtbar werden.

Florian Zwißler ergründet in seinem Recherchevorhaben die performativen Qualitäten des Synthesizers im Bühnenkontext. In Zusammenarbeit mit der Künstlerin Lea Letzel untersucht er diese – ursprünglich als reine Studiogeräte entstandenen – Instrumente hinsichtlich des Zusammenwirkens und der Interdependenzen von Spielgeste und klanglichem Resultat.

Als Künstler im Exil untersucht Mudar Alhaggi, wie Migrant*innen mit ihren Erinnerungen umgehen: Nutzen sie diese als Werkzeug des Widerstands, um Identität zu bewahren? Oder lassen sie diese immer mehr hinter sich, um sich in die neue Gesellschaft einzufügen? Mudar Alhaggi untersucht den Umgang mit Erinnerungen: welche Wirkung entfaltet sie ganz allgemein für Menschen? Und wie wirken Erinnerungen für Menschen, die aus ihren Lebenszusammenhängen herausgerissen sind, die fortgehen und den Ort der Erinnerung verlassen? Alhaggi beleuchtet die ambivalente Bedeutung und das Potential von Integration vor dem Hintergrund von Erinnerung.

Während der Pandemie begann sich Raymond Liew zu fragen, ob es möglich ist, Intimität zu schaffen ohne in einem gemeinsamen (Theater-)Raum zu sein. Er sucht nach Möglichkeiten einen persönlichen Raum herzustellen und zu gestalten, der es ihm erlaubt eine intime Verbindung zwischen Publikum und Performer*innen herzustellen und erforscht seine eigenen gleichzeitigen Rollen als Sender und Empfänger.

Hannah Arendt schreibt: „Es gibt ein Erbe ohne Testament.“ Julia Nitschke interviewt Familienmitglieder, Freund*innen und Wissenschaftler*innen, um sich mit dem Erbe der NS-Zeit auseinanderzusetzen. Für viele gilt: „Wenn in der Familie keine Widerstandsgeschichten weitergegeben worden sind, waren sie nicht im Widerstand.“ Als Erinnerungsweltmeisterin forscht Nitschke in der Vergangenheit nach ihren Kontinuitäten.

Willie Stark untersucht das Konzept der Dynamik in der Bewegungsqualität während des Improvisationsprozesses im urbanen Tanz, in afrikanischen Tänzen, sowie in ausgewählten zeitgenössischen Tanztechniken. Stark beschäftigt sich mit der Korrelation von Dynamik und Improvisation im Tanz: Wie wird Dynamik erzeugt und welche Rolle spielt sie im Prozess der Improvisation?

Luísa Marinho Saraiva stellt Geschlechterfragen innerhalb der Bedeutung und Interpretation von Klang. Sie erforscht die Wahrnehmung der Stimme von Frauen in ihrem oft als unangenehm empfundenen Bereich, so in der Fähigkeit höhere Tonhöhen zu erreichen oder in den akustischen Räumen zwischen Singen, Jammern und Schreien. Eine Recherche zwischen den antiken Sirenen und Gesangstraditionen, die Marinho Saraiva an Orte transkultureller Verknüpfung und europäischer Peripherien führt.

Ost- und West-Frauen* an einem Tisch: Da geht’s auch um Anerkennung und Konkurrenz. Darin liegt Geschichte. Irgendwann knallt’s. Johanna-Yasirra Kluhs und Tanja Krone interessieren sich für Streit, in dem gemeinsame Zukunft entsteht. Wohin mit der Wut? Sie suchen künstlerische Strategien, Körper in Bewegung zu setzen: zwischen Ost und West, Du und Ich, Vergangenheit und Zukunft – da muss man sich ja irgendwo treffen.

Luísa Marinho Saraiva stellt Geschlechterfragen innerhalb der Bedeutung und Interpretation von Klang. Sie erforscht die Wahrnehmung der Stimme von Frauen in ihrem oft als unangenehm empfundenen Bereich, so in der Fähigkeit höhere Tonhöhen zu erreichen oder in den akustischen Räumen zwischen Singen, Jammern und Schreien. Eine Recherche zwischen den antiken Sirenen und Gesangstraditionen, die Marinho Saraiva an Orte transkultureller Verknüpfung und europäischer Peripherien führt.

„Morphing Bodies“ ist eine Recherche, die das subversive Potential von Körpertransformationen durch Objekte, Kleidung und Make-Up untersucht. In einer kapitalistisch-patriarchalen Gesellschaft birgt Körpertransformation das Potential Zuschreibungen von Produktivität und Reproduktion umzukehren, neue Funktionalitäten zu entdecken und sich vom Körperlichen zum Kreatürlichen zu entwickeln.

Wenn Tänzer*innen die Möglichkeit erhalten, mit ihrer unterdrückten emotionalen Energie umzugehen und ihre eigene Verletzlichkeit anzunehmen, macht dies ihre Bewegung und Präsenz während einer Aufführung stärker und bedeutungsvoller? Die Forschungsfrage mündet in dem Versuch, den Zusammenhang zwischen emotionalen Impulsen und physischen Manifestationen, die sie erzeugen, zu verstehen.

In „I was thinking of taking time to decelerate (together)“ untersucht Katharina Senzenberger anhand der Verwendung von Slow Motion das Potenzial des Körpers zur konstanten Veränderung und Verflüssigung von festen Positionen und Strukturen. Speziell forscht sie an einem Format, in dem Theorie und Praxis miteinander verschmelzen und in dem Performance und Installation aufeinandertreffen.

In ihrer Tanzrecherche beschäftigt sich Sophia Otto mit den Wechselwirkungen zwischen Blick und Bewegung. Die Augen werden zu Mitspielenden des Tanzes. „For your eyes only“ ist ein Experiment mit Zuständen von aktivem und passivem, fokussiertem und peripherem, inner- und äußerlichem Sehen, ebenso wie mit den verschiedenen Konnotationen von Blickkontakten und den jeweiligen Auswirkungen auf die eigene Körperwahrnehmung.

„Responsibility and accountability for the lively relationalities of becoming of which we are a part“ (Karen Barad). Diese Recherche ist eine Ansammlung und eine Konfrontation. Miriam Rieck beschäftigt sich mit dem sich durch Slow Motion destabilisierten und verletzlichen Körper in Verhältnissen zu synthetischen Materialien und Elementen, die uns umgeben und die wir sind.

Welche Geschichten erzählen die kleinen Gesten und Haltungen, die einen Körper ausmachen? In „body biographies“ werden diese Geschichten gesehen, analysiert und gelesen, um eine Möglichkeit zu erforschen diese sichtbar, fühlbar und/oder hörbar zu machen. Auch wird die Frage nach dem Raum gestellt, den diese Erzählungen analog wie digital brauchen.

Theatergruppen, Gangs, Sekten, Hooligans, Breaking Crews – jede Gruppe entwickelt eine spezifische Gruppendynamik, die mehr ist, als die Summe ihrer Teile. Alexander Miller untersucht anhand von wissenschaftlichen Texten aus der Psychologie Hierarchien, Rollenverteilung, Identität & Identifikation aber auch Körpersprache, Terminologie und Kleidung von Gruppen, für eine Überführung des gewonnenen Wissens in eine physische Auseinandersetzung.

Tanzend wird erforscht, was geschieht, wenn die eigenen Hilfsmittel oder Stützen losgelöst werden von deren alltäglichen Funktionsweisen. Es entstehen neue Beziehungen zwischen dem eigenem Körper und Objekten, zwischen Seele und Stock, Untergrund und Haut, Knochen, Stuhl und Wand. Welche Bedeutungen können ihnen in diesem Rahmen für den tänzerischen Ausdruck zugeschrieben werden und kann so ein neues Bewegungsalphabet geschaffen werden?

Carolins „Selbsterforschungsprojekt“ widmet sich dem mentalen Anteil der Bewegung und möchte die Körper-Geist-Kommunikation transparenter machen. Nach einer introspektiven Betrachtung ihres Körpers, erforscht sie in der Bewegung ihre Grenzen mittels ihrer eigens entwickelten Methode, dem Bordering. Ihre Körper-Geist-Reise teilt sie in ihrem Blog, in welchem sich Kunst, Wissenschaft und Poesie treffen.

Wenn alle Stricke reißen, bleibt einem nur eins: Lachen. Humor ist eine Begabung – eine Selbsttherapie und Perspektive auf das Leben. Diese Form der Lebensweise soll auf tänzerische und theatrale Weise in der Residenz erforscht werden. Wie lässt sich Humor erfassen und was bedeutet es für unsere Zwischenmenschlichkeit sich dessen zu bedienen?

Inwiefern ermöglicht oder bereichert zeitgenössischer Tanz eine gelungene Übertragung poetischer Texte in die deutsche Gebärdensprache (DGS)? In dieser vertiefenden Recherche wird der Frage nachgegangen, wie eine hybride Form von Tanz und DGS der Überwindung der Herausforderung von poetischer Übersetzung dient. Darüber hinaus soll der Einfluss dieses Hybrides auf die Entstehung von Figuren und Charakteren erforscht werden.

Seulki Hwang und Silvia Ehnis Perez Duarte vom choreografischen Trio TachoTinta, blicken gemeinsam durch die Spuren vergangener Zusammenarbeit mit dem Ziel, Werkzeuge zu erarbeiten, die ihnen das Überdenken ihrer künstlerischen Arbeit ermöglichen. Mehr trans- und weniger inter- ist angesagt.