Doing Research in Kunst und Wissenschaft
Recherchetechniken gehören zum Handwerk nicht nur von Wissenschaftler*innen, sondern längst auch von Künstler*innen – insbesondere in den Freien Darstellenden Künsten. Sie finden ihren Niederschlag u.a. in dokumentarischen, autofiktionalen oder investigativen Theaterformen.
Das Panel diskutiert, wie sich Kunstproduktion verändert, wenn sie mit einem forschenden Erkenntnisinteresse beginnt. Wie hängen Akademisierung und Institutionalisierung der Freien Darstellenden Künste zusammen? Wie verschiebt sich gerade das Verhältnis von Kunst und/als Forschung? Und wie können sich Geisteswissenschaften und Künste in Legitimationskrisen gemeinsam stützen?
- Speaker*innen: Azadeh Ganjeh (Performancekünstlerin und Professorin für Performative Künste im Sozialen an der HKS Ottersberg), Eva Meyer-Keller (Choreografin), Matthias Warstat (Professor für Theaterwissenschaft und Ko-Sprecher des Sonderforschungsbereichs „Intervenierende Künste“, Freie Universität Berlin)
- Moderation: Marie Rosenkranz (Kultursoziologin)
- Format: Podiumsgespräch
- Lautsprache: Deutsch, Englisch
- Dolmetschung: Englisch, Deutsch DGS
- Ort: HAU1, Bühne
Im Gespräch
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Azadeh Ganjeh
Performancekünstlerin und Professorin für Performative Künste im Sozialen an der HKS Ottersberg
© Mayra Wallraff
Azadeh Ganjeh
Performancekünstlerin und Professorin für Performative Künste im Sozialen an der HKS OttersbergAzadeh Ganjeh ist Wissenschaftlerin im Bereich Theater- und Performanceforschung, Professorin für Performative Künste im sozialen Kontext an der Hochschule für Künste im Sozialen Ottersberg, Deutschland, sowie Performancekünstlerin. Sie promovierte in Philosophie an der Universität Bern, Schweiz. Seit 2006 ist sie Mitglied des Forschungs- und Performancekunst-Kollektivs Rebel-IST-hah!, das seinen Ursprung in Teheran, Iran, hat und seit 2022 in Deutschland ansässig ist.
Ihre künstlerische und wissenschaftliche Praxis umfasst Narrative und Politik der Bühne, die Performativität von Protesten und öffentlichen Interventionen, die performative Auseinandersetzung mit Körper und Raum, die Ästhetik der Performativität und die Politik des Raums sowie Aktivismus in der Performancekunst und im akademischen Bereich. In ihrer Arbeit untersucht sie, wie Körper, Räume und kollektive Praktiken zu Orten der Verhandlung, des Widerstands und des sozialen Wandels werden können.
Gemeinsam mit Rebel-IST-hah! entwickelt sie partizipative Forschungspraktiken, bei denen Forschung nicht nur ein Mittel zur Wissensproduktion ist, sondern auch zur Grundlage für künstlerisches Schaffen wird. Ihre Prozesse setzen sich mit Gemeinschaften, gelebten Erfahrungen und alltäglichen Begegnungen auseinander und verwandeln Forschung in performative Situationen, die sich auf der Bühne entfalten können, während die Arbeit gleichzeitig durch Begegnungen im Alltag und im öffentlichen Raum weiterlebt.
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Eva Meyer-Keller
Choreografin | Berlin
© Barbara Dietl
Eva Meyer-Keller
Choreografin | BerlinEva Meyer-Keller lebt und arbeitet in Berlin.
Sie arbeitet an der Schnittstelle von Darstellender und Bildender Kunst. Bevor sie in Amsterdam das vierjährige Studium für Tanz und Choreographie an der SNDO abschloss, studierte sie Fotografie und Bildende Kunst in Berlin (Hochschule der Künste) und London (Central Saint Martins, Kings College).
Die Performances und Videoarbeiten von Eva Meyer-Keller zeichnen sich durch die minutiöse Aufmerksamkeit aus, die auf Details gelegt wird. Sie verwendet alltägliche Objekte aus ihrem unmittelbaren und nächsten Umfeld, Dinge, die sie Zuhause, im Supermarkt oder im Hobbykeller findet. Dieses choreografierte Basteln entfaltet eine obsessive häusliche Ästhetik. Meyer-Kellers Arbeitsweise bleibt auch in den unterschiedlichen Konstellationen ihrer kollaborativen Projekte immer von einer konstruktiven Missachtung der Genregrenzen zwischen Bildender und Darstellender Kunst geprägt.
Zu ihren zahlreichen eigenen Arbeiten zählt u.a. die Performance DEATH IS CERTAIN, die seit 2002 an mehr als 250 Orten weltweit aufgeführt wurde. Die Arbeiten der letzten 3 Jahre sind u.a.: TURN THE P/AGE (2025), CERTAINLY UNCERTAIN (2021-24), OUT OF MIND, (2023), HORA LABOR – OBJEKTE DIE UNS UMGEBEN (2023), NON-LIVING MATTERS - PLASTIC BAG STORIES (2023), GIVE ME YOUR BONES (2022), QUEST (2022).
Aktuell arbeitet sie an einer neuen Arbeit zu einer feministischen Sicht auf die Evolutionsgeschichte BITCH, I EVOLVED (Premiere März 2027).
Eva Meyer-Kellers entwickelt ihre Performances allein oder in Kollaboration mit anderen KünstlerInnen. So hat sie u.a. mit Uta Eisenreich, Sybille Müller, Kate McIntosh und Agnes Meyer-Brandis zusammengearbeitet. Neben ihren eigenen Projekten war sie an Stücken von Baktruppen, Jérôme Bel, Juan Dominguez, Christine De Smedt / les Ballets C de la B und W.I.S.P. (women in swedish performance art) beteiligt.
Seit 2010 unterrichtet Eva Meyer-Keller kontinuierlich an verschiedenen Studiengängen in Europa: Universität in Hildesheim (Gastprofessorin), BA- und MA-Studiengänge des Hochschulübergreifenden Zentrums Tanz (HZT/UdK) Berlin, MA-Studiengang THE AUTONIMOUS ACTOR und DOCH (Circus och Dans Högskolan) in Stockholm sowie ZHdK (Zürcher Hochschule der Künste). -
Prof. Dr. Matthias Warstat
Professor für Theaterwissenschaft an der Freien Universität Berlin
© Juergen Morgenroth
Prof. Dr. Matthias Warstat
Professor für Theaterwissenschaft an der Freien Universität BerlinMatthias Warstat ist seit 2012 Professor für Theaterwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Von 2008 bis 2012 war er Lehrstuhlinhaber für Theater- und Medienwissenschaft an der Universität Erlangen-Nürnberg. Er ist Projektleiter in den DFG-Sonderforschungsbereichen 1171 „Affective Societies“ und 1512 „Intervenierende Künste“, sowie Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Forschungsschwerpunkte: Politisches Theater, Theatralität der Gesellschaft, Theatergeschichte des 20. Jahrhunderts, Ästhetik des Gegenwartstheaters. Publikationen u.a.: Interventionen politischen Theaters, Berlin: Theater der Zeit 2025; Umkämpfte Vielfalt. Affektive Dynamiken institutioneller Diversifizierung (hg. mit H. Dilger), Frankfurt a.M. und New York: Campus 2021; Soziale Theatralität. Die Inszenierung der Gesellschaft, Paderborn: Fink 2018.
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Dr. phil. Marie Rosenkranz
Kultursoziologin | Berlin
© Sascha Schlegel
Dr. phil. Marie Rosenkranz
Kultursoziologin | BerlinDr. phil. Marie Rosenkranz ist Kultursoziologin und arbeitet an der Schnittstelle von Kultur- und Sozialtheorie. In den vergangenen sechs Jahren lehrte und forschte sie zu kunstaktivistischen Praktiken und der Politisierung des Kunstfeldes an der Humboldt-Universität zu Berlin, der Zürcher Hochschule der Künste, der University of Helsinki sowie der Kunstakademie Düsseldorf. Sie ist Mitherausgeberin der Zeitschrift Artis Observatio und Co-Sprecherin des Arbeitskreises Kunstsoziologie in der Deutschen Gesellschaft für Soziologie.