The Show Must Go On
BUNDESTREFFEN25 der Freien Darstellenden Künste
Tiefgreifende gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Umbrüche gehen auch an der Kunstwelt nicht vorbei. Gerade in den Freien Darstellenden Künsten: Dort, wo nah am Publikum gearbeitet wird, wo die Entwicklung ästhetisch innovativer Formate stattfindet, wo offene Denkräume möglich werden und die Wahrnehmung auf Bestehendes geschärft, wo Verbindung trotz Differenz und Dissens leichter anzunehmen ist – genau dort ist ein durch vielseitig geführte Kulturkämpfe enormer Druck zu spüren. Die Freien Künste werden, so scheint es, wieder auf ihre Relevanz befragt: Must the show go on?
Im Rahmen des BUNDESTREFFEN25 kamen am 25. und 26. September 2025 mehrere hundert Künstler*innen, Theater- und Festivalleitungen, Interessensvertretungen und Fachverbände der frei produzierenden Darstellenden Künste sowie Menschen aus Zivilgesellschaft, Kulturpolitik und Kulturverwaltung im HAU Hebbel am Ufer in Berlin zusammen, um die gestalterische Kraft dieser Kunstform in den Mittelpunkt zu stellen und neue Perspektiven für ihre Zukunft zu entwickeln. Starke Stimmen begegneten sich in Impulsen, Panels, Workshops sowie Gesprächs- und Austauschformaten – und diskutierten und reflektierten selbstkritisch über Herausforderungen, Leerstellen und Potenziale. Die freien Künste wirken nah an ihrem Publikum und setzen ästhetische Impulse und weiten das Denken: Ist dieses Wirken weitreichend genug?
Der Fonds Darstellende Künste lud gemeinsam mit starken Partner*innen zu einem Austausch in fokussierten Arbeitsgruppen ein: Diese widmeten sich zentralen Themen spezifischer Akteur*innengruppen und öffneten zugleich den Raum für einen breiteren Dialog – um neue Impulse aufzunehmen und Perspektiven zu erweitern.
Zudem würdigte der Fonds im Rahmen des BUNDESTREFFEN25 herausragende künstlerische Leistungen und verlieh hier den Tabori Preis 2025 – die höchste bundesweite Auszeichnung in den Darstellenden Künsten außerhalb institutioneller Strukturen.
Workshop-Einblicke
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Kunst braucht Freiheiten und Mut
Der Geschäftsführer des Fonds, Holger Bergmann, wirft einen Blick zurück auf zwei intensive Veranstaltungstage, auf die Ergebnisse aus den einzelnen Workshops, wichtige Impulse aus den Podiumsgesprächen und Statements: Kunst braucht Freiheiten und Mut, um sich den aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen zu stellen, Kunst braucht stabile Förderungen auch abseits einer Projektlogik – und sie braucht „Allianzen, die größer sind als wir selbst“.
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© Dorothea Tuch
Wirksam bleiben - Selbstverortung & Handlungsspielräume
In Zeiten von Prekarität und Konkurrenz sind faire Bedingungen, offene Räume und echte Solidarität entscheidend für kulturelle Wirksamkeit. Felizitas Stilleke gab einen Einblick in die Themen der Workshops und hielt ein Plädoyer für Haltung, Nachhaltigkeit und geteilte Verantwortung.
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© Dorothea Tuch
Black Box - White Cube: Neue Narrative, Vielfalt der Formen, ästhetische Wagnisse oder uralte Blockaden?
Freie Darstellende Künste schaffen Räume für Vielfalt, Empathie und gesellschaftliche Erneuerung – jenseits von Marktlogik und politischer Vereinnahmung. Heinrich Horwitz fasst den Workshop der Künstler*innen zusammen und plädiert für Schutz, Teilhabe und stabile Förderstrukturen.
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© Dorothea Tuch
Verantwortung übernehmen: Wer vertritt wen und wie?
Legitimität, Beteiligung und Ressourcen sind zentrale Voraussetzungen – ergänzt durch Gestaltungskompetenz, Kooperation und Strukturförderung. Ein Plädoyer für starke, agile Organisationen in der Freien Szene, so fassten Anna Steinkamp und Helge-Björn Meyer den Workshop für Interessenvertretungen beim BUNDESTREFFEN25 zusammen.
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© Dorothea Tuch
ON HOLD. HOLD ON
Kunst braucht Freiheit, Vertrauen und verlässliche Strukturen. Annemie Vanackere gab am Ende des zweiten Veranstaltungstages des BUNDESTREFFEN25 einen Einblick in die Themen und Forderungen des Workshops für Theater- und Festivalleitungen.
Kulturpolitische Ausblicke
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© Dorothea Tuch
„Im Koalitionsvertrag haben wir uns darauf verständigt: Unsere Kultur ist das Fundament unserer Freiheit. Diesen Satz gilt es nun mit Leben zu füllen. Und ich sage Ihnen als Kulturpolitikerin zu: Auch mit den entsprechenden Haushaltsmitteln."
Nancy Faeser, MdB (SPD), Ausschuss für Kultur und Medien
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© Dorothea Tuch
„Wir versuchen jetzt zu reparieren. […] Und ich möchte auch, dass wir den Weg vorangehen, dass wir es eben hinbekommen, die freie Szene möglichst wieder zu stärken. […] . Wir müssen die Ressourcenausstattung für Kunst und Kultur und für die freie Szene im Besonderen weiter verbessern.“
Martin Rabanus, MdB (SPD), Ausschuss für Kultur und Medien
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© Dorothea Tuch
„Es geht um Planbarkeit. Das ist sehr wichtig für die Freie Szene, die natürlich auch bei uns zu den Leuchttürmen zählt. […] Wir haben die Mittel für den Fonds Darstellende Künste deutlich erhöht. […] Und dazu stehen wir auch.“
Ottilie Klein, MdB (CDU), Ausschuss für Kultur und Medien
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„Wenn wir es dann schaffen, nicht nur die Finanzierung, sondern eben auch den Kultur- und Freiheitsbegriff und diese Räume und Türen offenzuhalten, dann bleibt diese freie Szene laut und mutig und vielfältig. […] Ich kann als Ausschussvorsitzender auf jeden Fall zusagen, dass ich alles dafür tun werde, Sie und Euch bei dieser Arbeit zu unterstützen.“
Sven Lehmann, MdB (Die Grünen/Bündnis 90), Vorsitzender Ausschuss für Kultur und Medien
Im Magazin
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© Roman Hagenbrock
Freie Darstellende Künste in Deutschland
Für die Eröffnung des BUNDESTREFFEN25 entstand ein einführender Clip, der die Vielfalt und Vielseitigkeit der bundesweiten Freien Darstellenden Künste veranschaulicht.
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© Sebastian Bolesch
Vereinzelt Euch nicht
In Zeiten von Spardiktat und Wind Richtung Rechts der Mitte ist Vereinzelung das falsche Rezept zum falschen Zeitpunkt, diagnostiziert Kulturjournalist Janis El-Bira – und ruft zur Geschlossenheit auf. Eine Bestandsaufnahme zur aktuellen Lage der Freien Darstellenden Künste.
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© Christian Knieps
Womöglich sind wir doch die Wenigen
Was tun, wenn vieles gegen die freien Künste spricht? Kulturjournalist Tobi Müller über technologische, politische und künstlerische Gründe, warum das Denken in großen Zahlen und Mehrheiten selbst die geförderte Kunst erfasst hat.
Eine Veranstaltung des Fonds Darstellende Künste. Gefördert aus Mitteln des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Dank an HAU Hebbel am Ufer, Bundesverband Freie Darstellende Künste, Bündnis internationaler Produktionshäuser.
Programm
Informieren Sie sich hier über das detaillierte Programm der beiden Veranstaltungstage.
- 15:30
Ankommen + Akkreditierung
- Ort: HAU 2
- 16:30 - 18:00
#Eröffnung des BUNDESTREFFEN25
Begrüßung durch Holger Bergmann (Geschäftsführer des Fonds Darstellende Künste) und BUNDESTREFFEN25-Moderatorin Boussa Thiam
Grußrede von Konrad Schmidt-Werthern (Leitender Beamter bei dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien)
#Podium: The Show Must Go On?!
Die Zeit verlangt nach Veränderung: Alte Sicherheiten lösen sich auf, internationale Ordnungen verschieben sich und gesellschaftliche wie wirtschaftliche Stagnation stellen demokratisches Handeln auf die Probe. Vor diesem Hintergrund stellen wir die Fragen nach Kunstfreiheit und den Voraussetzungen für künstlerisches Schaffen neu: Wie können Räume freier Kunst bewahrt, verteidigt und zukunftsfähig gestaltet werden? Muss – und kann – die Show weitergehen?
- Nino Haratischwili (Autorin, Theaterregisseurin)
- Carena Schlewitt (Intendantin HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste)
- Julian Warner (Kulturanthropologe, Kurator)
- Moderation: Tobi Müller (freier Kulturjournalist und Autor)
- Ort: HAU 2 (Bühne)
- 18:00 - 18:45
#Preisverleihung: Tabori Preis 2025
Der Tabori Preis ist die höchste Auszeichnung für die Freien Darstellenden Künste in Deutschland und würdigt jährlich künstlerische Positionen mit herausragender ästhetischer und inhaltlicher Strahlkraft. Benannt nach dem Theatermacher George Tabori, fördert der Preis die öffentliche Wahrnehmung innovativer, frei produzierender Ensembles und Künstler*innen mit bundesweiter und internationaler Wirkung.
In diesem Jahr wird der Preis zum 16. Mal erstmalig im Rahmen des BUNDESTREFFEN25 vergeben.- Ort: HAU 2 (Bühne)
- Anschließend Sektempfang (Foyer)
- 20:00 - 22:00
#Performance: „Der Clowns-Kongress“ von Wunderbaum / Theaterhaus Jena / Post Paradies
Die Clowns sind zurück! In einer wirbelnden Show sucht eine Gruppe internationaler Clowns nach einem Ausweg aus der Krise. Können Clowns die Menschheit vor der Zerstörung retten? Haben sie den letzten Strohhalm gegen die Polarisierung? „Du bist selbst der größte Clown.“
Alle Gäste des BUNDESTREFFEN25 sind herzlich eingeladen zu der Vorstellung von Wunderbaum / Theaterhaus Jena / Post Paradies.- Deutsch mit englischen Übertiteln
- Ort: HAU 1
- 09:00
Ankommen + Akkreditierung
- Ort: HAU2
- 10:00 - 11:00
Begrüßung: Boussa Thiam (Moderation)
Grußwort von Nancy Faeser (SPD, Mitglied im Ausschuss für Kultur und Medien)
#Podium: Politik oder Kunst: Eine Show ohne Wirkung?
In einer Zeit gereizter Debatten und emotionaler Polarisierung geht es um die Frage, was das für demokratische Verständigung und die Rolle der Künste bedeutet. Denn auch innerhalb der Künste entstehen Spannungen – Vielfalt, Differenz und politische Ansprüche erzeugen Reibung: künstlerisch, institutionell, emotional. Wie können in hoch emotionalisierten Zeiten Debatten konstruktiv und künstlerisch geführt werden? Wie wird die Inszenierung einer Debatte nicht selbst zur Show?
Im Gespräch:
- Julia Reuschenbach (Politikwissenschaftlerin, Freie Universität Berlin, Co-Autorin des Buches „Defekte Debatten“)
- Cesy Leonard (Aktionskünstlerin, Gründerin von Radikale Töchter)
- Moderation: Janis El-Bira (Kritiker, Autor, Moderator)
- Ort: HAU 2 (Bühne)
- 11:30 - 13:00
#Offene Workshops (Teil1): „Wirksam bleiben“- Selbstverortung & Handlungsspielräume
- Kuration: Felizitas Stilleke, Kuratorin
- Ort: HAU2
In drei offenen Tischgesprächen wollen wir nicht nur reden, sondern zuhören, aushalten, konfrontieren – und neue Handlungsspielräume denken:
#1 - Wirksam gegen Polarisierung
Ideologien gewinnen an Einfluss – auch im Kulturbereich. Wie begegnen wir dem Versuch extremer Kräfte, die Kunstfreiheit auszuhöhlen oder für ihre Zwecke zu vereinnahmen? Welche Rolle spielt Schweigen, welche Wirkung hat klare Haltung – auf der Bühne und in der Produktionsrealität? Wie nutzen wir die Kraft der Kunst offensiver gegen eine weitere Polarisierung? Und wie schützen wir uns vor Selbst-/Zensur?
- Impuls: Diana Wesser (Künstlerin)
- Moderation: Michelle Deutsch (Fonds Darstellende Künste)
- Ort: HAU2 (Bühne)
#2 - Wirksam kommt von Wirken
Wessen Perspektiven dominieren Diskurse? Wessen Kämpfe finden Gehör, welche werden ignoriert? In einer Szene, die für Diversität eintritt, aber oft auf Konkurrenzmechanismen setzt, stellt sich die Frage: Wie solidarisch sind wir wirklich? Und wo müssen wir dringend nachjustieren? Wie und wo können sich Diskurs und Praxis verbinden oder blockiert diese Verbindung ästhetische Wagnisse?
- Impuls: Dorothea Marcus (Kulturjournalistin)
- Moderation: Dandan Liu (Dramaturgin und Theatermacherin)
- Ort: HAU2 (Foyer)
#3 - Wirksam austauschen
Die Wirkungsrealitäten zwischen Metropolen und ländlicher Raum unterscheiden sich sehr deutlich und decken unterschiedliche Breitengrade ab. Wie gelingt echter Transfer – in beide Richtungen? Wer profitiert von der Differenzierung und Aufspaltung? Und was können urbane Räume wirklich von der Provinz lernen, in Sachen Verbindung und Verbindlichkeit? Und welche Strategien, Expertisen und Tools für mehr Sichtbarkeit und Öffentlichkeit sind wiederum für die Akteur*innen der ländlichen Räume von Nutzen?
- Impuls: Farina Jäger-Stabenow & Lionel Tomm (wirvier-Kollektiv)
- Moderation: Eva Stöhr (Fonds Darstellende Künste)
- Ort: HAU2 (Studio)
- 11:30 - 13:00
#Interne Workshops
Das BUNDESTREFFEN25 stellt in Kooperation mit starken Partner*innen einzelnen Gruppen geschlossene Räume zur vertieften Reflexion bereit. Die Teilnahme ist mit einer persönlichen Einladung verbunden. Die Ergebnisse dieser Gruppen werden zum Tagesabschluss vorgestellt.
- Ort: HAU3
#4 Kunst: Black Box - White Cube: Neue Narrative, Vielfalt der Formen, ästhetische Wagnisse oder uralte Blockaden?
Geschlossener Workshop für Künstler*innen
- Leitung: Heinrich Horwitz (Künstler*in)
- Impulse: Kevin Rittberger (Theaterregisseur, Bühnenautor), Sivan Ben Yishai (Dramatikerin, Theaterregisseurin)
- Moderation: Lucien U. Lambertz (Dramaturg*in, Kurator*in), Philine Rinnert (Szenografin)
- Ort: HAU3 (Houseclub, EG)
#5 Interessenvertretungen: Verantwortung übernehmen: Wer vertritt wen und wie?
Geschlossener Workshop für Interessenvertretungen
- Leitung: Bundesverband Freie Darstellende Künste e.V. (BFDK)
- Impulse: Stefan Kirchner (Zukunft Verband 360° e.V.), Dominik Hierlemann (Bertelsmann Stiftung)
- Moderation: Anna Steinkamp, Helge-Björn Meyer (Geschäftsführung BFDK)
- Ort: HAU3 (Studio 1, 1. OG)
#6 Theater + Festivals: ON HOLD. HOLD ON
Geschlossener Workshop für und mit Festival- und Theaterleiter*innen
- Leitung des Bündnis Internationaler Produktionshäuser
- Konzept: Fanti Baum, Kathrin Tiedemann
- Impulse: Leonie Hunter (Princeton University), Margarita Tsomou (Dramaturgin und Kuratorin), Justus Duhnkrack (Rechtsanwalt), Laura Strack (freie Literaturübersetzerin und Dramaturgin), Rika Sakalak (Dramaturgin, Kuratorin)
- Ort: HAU3 (Bühne, 3. OG)
#7 Förderung: AdHoc – ist Jetzt – Austausch in der Kulturförderung
Parallel tagt die Ad hoc AG Freie Darstellende Künste
Vertreter*innen von Kulturfördereinrichtungen auf Länderebene kommen im Rahmen des BUNDESTREFFEN25 zu einem vertieften Austausch rund um aktuelle Herausforderungen der Freien Darstellenden Künste zusammen.
- Ort: HAU3 (Studio 2, 2.OG)
- Ort: HAU3
- 13:00 - 14:30
Mittagspause + Catering
- 14:30 - 16:00
#Offene Workshops (Teil2): „Wirksam bleiben“- Selbstverortung & Handlungsspielräume
- Ort: HAU2
#Interne Workshops (Teil 2)
- Ort: HAU3
- 16:30 - 17:30
#Fazit: The Show will go on – so oder so! - Abschlussstatements und Ausblick
Zum Abschluss des BUNDESTREFFEN 25 bündeln Teilnehmende der Arbeitsgruppen ihre Eindrücke. Aus kulturpolitischer Perspektive kommentieren Sven Lehmann (Bündnis 90/Die Grünen, Vorsitzender Ausschuss für Kultur und Medien), Ottilie Klein (CDU, Ausschuss für Kultur und Medien) und Martin Rabanus (SPD, Ausschuss für Kultur und Medien). Gemeinsam werfen wir einen Blick nach vorn: Welche Impulse nehmen wir mit? Welche Fragen bleiben offen – und welche müssen wir endlich neu stellen?
Im Anschluss: „Och Nö!“ – Lecture Performance von Simone Dede Ayivi.
- Ort: HAU2 (Bühne)