Produktionsförderung (Jul 2023)
Datum der Jurysitzung: 19. September 2023
Geförderte Vorhaben: 86
Die Oper steht wie kaum eine Kunstform für Opulenz und Verschwendung, für die Lust am großen Spektakel. Doch, was ist, in Zeiten der Ressourcenknappheit und des Klimawandels, eigentlich der Preis dafür? Wie verschwenderisch darf ein Musiktheaterabend sein?
Das Kollektiv Matter of Facts Studio nimmt sich Verdis AIDA vor: Können wir die Oper nachhaltig recyclen?
Im Zentrum des Vorhabens steht die in der Donau versunkene und sagenumwobene Insel „Ada Kaleh“, die 1970 im Zuge eines Staudammprojektes geflutet wurde. Aus den Erzählungen der einstigen Insel-Bewohner*innen, rumänischen Schlagern der 70er und der Glühlampenmusik von Michael Vorfeld entsteht ein Musiktheater, das die versunkene Insel wieder zum Leben erweckt.
„After root of two“ ist ein Musiktheater von Kaleidoskop gemeinsam mit der Komponistin Maya Dunietz und dem Regisseur Amit Drori. Die Produktion ist eine musikalische und performative Annäherung an den utopischen Punkt des absoluten Gleichgewichts. Eine Ausdehnung der Grenze zwischen Loslösung und Zähmung der Klänge und ein Eintauchen in die Unendlichkeit, die sich in einer einzigen Note verbirgt.
Die Themen bei „Agora Hysteria“ sind Biopolitik, Körperpolitiken und körperliche Autonomie. Ein besonderes Augenmerk liegt auf chronisch erkrankte, behinderte Körper, transnationale Adoption in Bezug auf Machtverhältnisse und die Lust des Aufbrechens von gesellschaftlich aufgelegten binären Geschlechtermuster. Vierte Wand adios! Hier treffen Publikum und Performer*innen hysterisch aufeinander!
Ich habe „ein Thema“ mit Männern. Besonders mit den - feministisch betrachtet - problematischen. Immer wieder sind es Frauen die mir raten: verzichte doch einfach mal komplett auf Männer! Aber ich glaube nicht daran Zwänge mit neuen Zwängen zu bekämpfen, ich umarme sie lieber. Es ist also offiziell: ich lebe von Sauerstoff und Testosteron. Männer sind das Einzige, was mir wirklich heilig ist.
14 Miniperformances der verschiedensten Sparten der Darstellenden Künste werden entlang von Wanderwegen in Naturparks mehrmals pro Tag präsentiert. Aus Perspektive der kleinen Tier- und Pflanzenwelt entstehen Theaterminiaturen, die den Zuschauenden Einblicke in die Lebenswelten der Waldlebewesen ermöglichen. Die Stücke werden nachhaltig produziert, sind leise und mit dem ÖPNV zu befördern.
Arbeits- und Lebenswirklichkeiten berufstätiger Menschen in Dtl. unterscheiden sich sehr. Auch der Stellenwert, den Arbeit in individuellen Lebensentwürfen einnimmt, variiert. Was bedeutet „gute Arbeit“? Wie finden wir kreative, soziale und politische Gestaltungsräume in ihr? In einem performativen Theater-Game wird das Publikum eingeladen, selbst eine Figur durch das „Spiel des Lebens“ zu lenken.
„Auf der Suche nach dem verlorenen Schnee“ ist ein Mixed-Abilities Tanzstück für Kinder ab vier Jahren der Dresdner Tanzkompanie the guts company. Drei Tänzerinnen nehmen das Publikum mit auf eine atmosphärische Reise durch unterschiedliche Wetterlagen und erzählen aus tierischer Perspektive von den Folgen der Klimaerwärmung.
In this personal choreographic narrative, the observer is invited to take part in a space where the idea of "otherness" is questioned. Playing with the fluidity of gaze, basis for being dives-and at times drowns-into moving images from the Iranian 40s-60s, turning context into content, creating a choreography that is shaped by moving images, the performing body and a wish for self-integration.
Ein Solo, das sich mit dem Konzept der Gestaltwandlung und dem Zustand des Dazwischen-Seins beschäftigt. Inspiriert von Popkultur, Mythologie, Drag-Performance und visuellem Theater lädt Lee Méir das Publikum auf eine Reise der ständigen Verwandlung ein und fordert es auf, über all die Kreaturen nachzudenken, die unser Innenleben bewohnen, und was diese über die Welt um uns herum offenbaren.
In einem Gießener Park stellen Showcase Beat Le Mot eine Voliere auf und nutzen diesen Ort, um mit lokalen Musiker*innen jungen Menschen die Zauberflöte näher zu bringen und gleichzeitig ihre Themen zu verhandeln: Migration, Nomadismus, Tierhaltung, Kolonisation und Adoleszenz. Die Paten dieses Projektes sind die Vogelmenschen Papagena und Papageno.
Ist der menschliche Körper als erneuerbare Energiequelle denkbar? Welche Auswirkungen hätte das? Ist dies eine Lösung für Umwelt- und Wirtschaftsprobleme oder führt es zu Ausbeutung und Gewalt? Das „menschliche Kraftwerk“ zeigt, wie gemeinschaftliche Verantwortung gegen Ressourcenknappheit wirken kann. „BLACKOUT(S)“ untersucht die Verbindung von Körperpolitik, Arbeit und Verantwortung.
„Bones, Dice, Shovels“ ist ein Projekt zum Austausch und zum Erarbeiten von spielerischen performativen Formaten an der Schnittstelle zwischen Fictioning Games (experimentellen Pen-and-Paper Roleplaying Games), Somatic Practices und imaginativen kollektiven Medidations-Praktiken wie Common Vision, sowie eine Reihe in der sieben solcher Spiele in Frankfurt am Main und in NRW präsentiert werden.
Zwischen Idealisierung und Abwertung, gesellschaftlichen wie persönlichen Ansprüchen und Scheitern an Vereinbarkeit: Mutterschaft und Sorgearbeit sind auch 2023 noch für viele Frauen eine Zerreißprobe. Mit CARE.WORK.LOVE (AT) widmen sich die Künstler*innen dem Thema in einem gemeinsamen Arbeitsprozess und erarbeiten ein Format, das begehbare Installation und chorische Vielstimmigkeit verbindet.
Die Produktion „CHEZ-SOI (AT)“ der in Freiburg ansässigen deutsch-französischen Tanzkompanie ONZE CHAMBRES fokussiert die Thematik des Zusammenlebens in einer Welt, die mehr und mehr von Enge und Ressourcenknappheit geprägt ist. Die Produktion untersucht mit Mittel des Tanzes und des Physical Theaters die Themen der Aufnahme und der Koexistenz, wenn der verfügbare Raum immer kleiner wird.
Das dokumentarische Schauspiel „Child Survivors“ erzählt mittels sieben Erinnerungsräumen, die von drei Schauspieler*innen mit Originalzitaten aus Aufzeichnungen, Video-Interviews und Bildmaterial bespielt werden, das Erleben und Überleben von Kinderhäftlingen im KZ Bergen Belsen. Dem Publikum wird so diese weniger bekannte Dimension des Holocaust nahe gebracht, die erst jüngst erforscht wurde.
TheatreFragile (TF) nähert sich in der Inszenierung „close.r“ der Einsamkeit. In einem Parcours aus Maskenspiel, Street-Art und Soundcollagen durch die Stadt sucht TF nach den verschiedenen Gesichtern eines gesellschaftlichen Phänomens. „close.r“ enttabuisiert und entwickelt Utopien zum gemeinschaftlichen Zusammenleben. Die Premiere findet beim Festival BILDSTÖRUNG 2024 in Detmold statt.
In der zweistündigen Online-Performance „Commune AI 2.0“ begegnet sich ein internationales Publikum, gründet gemeinsam eine Online-Kommune und erprobt darin das Zusammenleben mit künstlichen Intelligenzen. Die KIs fungieren als digitale Mitbewohner*innen und Mediator*innen in einem Prozess der spielerischen Annäherung von Menschen, die sich noch nie zuvor begegnet sind.
„Concepts of Misdirection“ verbindet den Juwelendiebstahl im Grünen Gewölbe, der Kolonialgeschichte, Klassenfragen, Justiz, Performativität und den Kunstbetrieb miteinander verzahnt mit der Technik der Misdirection. Vermeintliche Magie und algorithmische Vorhersage begegnen sich in einem Format zwischen Stand up, Lecture Performance, Zaubershow und Metaverse.
„Dancing With Our Neighbours“ lädt Gob Squad die Nachbarschaft des Mehringplatzes ein, Fragmente ihrer Lebensgeschichten, Meinungen und Glaubensbekenntnisse zu teilen. Als Schablone nutzen sie ihre Performance „Dancing About“ (2012). Jede Performance wird geprägt durch den jeweiligen Cast. Dabei überführen Nachbar*innen und Gob Squad-Performer*innen gemeinsam Bekenntnisse in körperliche Bewegung.
Ausgehend von der Vorstellung, dass Träume, Vorstellungen, innere Bilder und individuelle Narrative uns und die tatsächliche physische Welt verändern, entwickelt SEE! die interdisziplinäre Performanceinstallation „Das Leuchten/ Society of dreams“. Es entsteht eine Performance im Schwebezustand, Identitäten können sich verändern, um dem Wunsch nach Transformation und Emanzipation zu folgen
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Ozean, Meereis und Klimawandel. Sie konzentriert sich auf geophysikalische Kräfte und auf das Meer in seiner Faszination, Schönheit, als Ursprung allen Lebens und Ort von Bedrohung. Auf diese Weise werden die Bewegungen des Meeres selbst untersucht. Das Tanzsolo kombiniert Live-Performance mit Filmaufnahmen, die in den Bühnenraum eingebettet sind.
Aus der Wahrnehmung, dass sich antisemitische Narrative wieder in der europäischen Mehrheitsgesellschaft einrichten, möchte die KULA Compagnie mit ihren Mitteln Verantwortung übernehmen. Ziel der transkulturellen Theaterproduktion „DIBUK“ ist es, einen Beitrag zur Verständigung der konfliktreichen Geschichte und Gegenwart Europas, Israels und weiteren Ländern des mittleren Ostens zu leisten.
Sal und Simon wollen Männer werden. Aber was ist eigentlich ein echter Mann? Oder zumindest ein täuschend echter Mann?
„Die Nacht, in der wir Männer wurden“ ist eine politische, humorvolle und musikalische Drag-Performance für kleine Bühnen, die sich mit den vielschichtigen Anforderungen an eine moderne Männlichkeit auseinander setzt.
Die Insekten- und Pflanzenwelt, die die Forscherin und Künstlerin Maria Sibylla Merian (1647–1717) nach ihrer Surinam-Expedition beschreibt, droht zu verschwinden. Was tun? In einem musikalischen Live-Hörspiel wird der Bezug zu aktuellen Fragen zur Erhaltung des Planeten hergestellt und das Thema „Artensterben - Wer rettet den Planeten?“ für junge Menschen erfahrbar gemacht.
Gemeinsam mit jüdischen und nicht-jüdischen Jugendlichen fragen sich KGI wie Shoah und Nationalsozialismus in der dritten und vierten Generation in Familien tradiert wird. Diese Frage wird ins Verhältnis gesetzt zu früheren Darstellungsversuchen der deutschen Menschheitsverbrechen von Peter Weiss und Luigi Nono.
Das immersive Theaterprojekt DIE VILLA DES GLASWERKDIREKTORS widmet sich der Glasindustrie und seiner sozialen Bedingungen in Stützerbach (Thüringen). Mit darstellenden Künstler*innen und lokalen Akteur*innen werden Erzählungen von Zeitzeug*innen in den Räumen einer alten Fabrikantenvilla in Szene gesetzt. Die Besuchenden gehen auf eine Zeitreise durch Industriegeschichte von Stützerbach.
In „Die Zukunft des Klimas (AT)“) werden VeraVoegelin in Kooperation mit dem phaeno und dem Scharoun Theater eine theatrale, partizipative Gesellschaftssimulation für ein junges Publikum entwickeln. Die Simulation bildet gesellschaftliche Strukturen und Entscheidungsprozesse ab und ermöglicht, Handlungsräume verschiedener Akteur*innen in Hinblick auf die Klimapolitik spielerisch zu untersuchen.
Die Neuinszenierung der Performance in öffentlichen Raum „DRESSING THE CITY UND MEIN KOPF IST EIN HEMD“, eine Arbeit aus 2011, wird im Rahmen des Großprojekts „AUSSER_ORDENTLICH – vier Jahrzehnte Performancekunst von Angie Hiesl + Roland Kaiser“ – im Jahr 2024 mit Akteur*innen Ü60 gezeigt.
Recherche und Stückentwicklung einer dokumentarisch-biografischen interaktiven Performance durch eine generations-, religions- und kulturenübergreifende Gruppe im Klubhaus Ludwigsfelde, basierend auf Zeugnissen von Brandenburgischen Überlebenden des Holocausts. Wie erinnern wir uns kollektiv? Welche Rolle spielt die eigene Perspektive? Und wie können wir daraus auf heutige Entwicklungen reagieren?
Das Theaterkollektiv Pièrre.Vers beabsichtigt, sich mit Verschwörungstheorien, deren Entstehung, Verbreitung und Formen zu befassen. Die Produktion ist der zweite Teil des Kunst- und Forschungsprojekts „Hidden HiStorie“ das sich mit den Einflüssen und Auswirkungen rechter Gewalt in der jüngeren Geschichte der Bundesrepublik Deutschland auseinandersetzt.
„Erdbeeren“ ist die Erzählung einer ganz normalen Trennung aus Sicht des Kindes, mit schmerzhaften, wütenden, traurigen und komischen Situationen aus einem Alltag, der aufgeteilt wird wie ein Erdbeerkuchen. „Erdbeeren“wurde 2022 in Norwegen zum Stück des Jahres nominiert. Die Jury begründete die Auswahl so: „Eine Perle von einem Text, der unsentimental die empfindlichsten Stellen in uns trifft."
Niedlich und räuberisch, klug und hinterlistig, wild und zutraulich – mit dieser tänzerischen Parabel widmet sich tanzfuchs PRODUKTION der vielseitigen Figur des Fuchses. Zwei Performer*innen bewegen sich auf den Spuren verschiedenster Fuchs-Wesen aus Fabeln, Anime, Manga und Cosplay. Es wird bunt – märchenhaft – schrill und zugleich scheu – sensibel – geheimnisvoll.
Mit „Gemusical“ erzählt das Performancekollektiv notsopretty die Geschichte der Kartoffel, ihrer kolonialen Vergangenheit, eurozentristischen Überschreibungen und ernährungspolitischen Gegenwart in Form eines fiktionalen, performativen Musicals mit singendem, erzählenden und tanzendem Gemüse.
Das Projekt „Geteilter Abend“ setzt sich mit dem auseinander, was wir teilen, was wir teilen können und was uns voneinander trennt. Der Tanz- und Performanceabend ist zweigeteilt und besteht aus zwei verbundenen Arbeiten, einem Solo für Verena Billinger und einem Gruppenstück, die auf verschiedene Art und Weise das Verhältnis von Person und Gesellschaft und von Teil und Ganzem beleuchten.
„Ghostdance AI“ begibt sich in die Welt der Doppel- und Wiedergänger*innen, generativer KIs und Avatare. Ein avanciertes Theater mit, ohne und nach dem Menschen. Ausgangspunkt ist die Doublierung des Autors Thomas Köck und des Musikers Andreas Spechtl als sprachbasiertes neuronales Netzwerk und als komponierende KI. Ein gespenstisches Selbstgespräch von Menschen und Maschinen.
„Glück!“ wird gemeinsam mit Kooperationspartner*innen einen Prozess initiieren, der den Fokus des Stadtgesprächs in Eberswalde für einige Wochen auf das persönliche Glück richtet und in der künstlerischen Intervention eines Marktstandes kulminiert. Witzig-schräge Objekte und Aktionen konfrontieren mit Fragen nach der Verbindung von Glück und Verantwortung im demokratischen Raum.
An outdoor dance performance and moving installation in collaboration with two Aerocene sculptures that are inflated by air, carried by the wind and lifted only by the sun. The sculptures give physical form to the invisible materials that surround us, allowing our voices and those of atmospheric forces to be heard and seen. It is the second part of a trilogy, starting with ‘Under my Gaze’ (2022).
„Wahrscheinlich bin ich doch eine Frau, ein Mann sicher nicht. Aber ich fühle mich wie der Hamster in dem Käfig“. Auf humorvolle Weise behandelt Autorin Alice Rugai in ihrem Text die Suche der 14-jährigen ICH nach ihrer Identität. ICH fragt sich, warum sie nicht nur für Andrej schwärmt, sondern es auch bei Lucie kribbelt, wenn sie sie küsst? Muss denn immer alles so kompliziert sein? Ab 12 Jahre.
Hauen und Stechen und das Theater Thikwa entwickeln mit „Hundeherz (AT)“ eine psychedelisch-medizinische Horror-Oper, in der sie körperlicher und politischer Zerrissenheit nachspüren und Strategien selbstbestimmter Hybridisierung formulieren. Neu komponiert von Alexey Shmurak entsteht ein Reigen der Grenzgänge und ein Abschied vom russisch-imperialistischen Erbe.
In „Hyper Hyper – ein lucky loop“ von Meine Damen und Herren wird eine einzelne Szene aus unterschiedlichen Perspektiven immer wieder neu inszeniert. Einmal wird sie von Barbie-Puppen gespielt. Einmal wird sie als Klima-Krimi gespielt. Einmal passiert genau das, was alle erwarten. Einmal fließen Unmengen an Kunstblut. Einmal müssen alle im Publikum weinen.
Der Stärkere gewinnt – versus – Der Klügere gibt nach. Wie gehen wir persönlich und als Gesellschaft mit Gegner*innen und Kontrahent*innen um? Sind es Partner*innen in der Dualität, oder sehen wir uns nur als gegenpolige Starrköpfe? tanzbar_bremen wird in dem Tanztheaterstück „In:Zwischen“ mit einem inklusiven Team diesen Fragen nachgehen und sie auf die Bühne bringen.
Das Projektvorhaben „Inside Juggling“ thematisiert die Beziehung von Mensch zu seinem medialen Abbild zwischen Authentizität, Inszenierung und Optimierung. Mit Objektmanipulation, Kameraführung und Live-Projektion verhandelt Schiffauer das ambivalente Verhältnis einer verdoppelten Wirklichkeit körperlicher Unmittelbarkeit auf der Bühne und ihrer Reproduktion im Bild.
Eine antirassistische und anti-ableistische künstlerische Annäherung an die geliebte, aber problematische Praxis des Balletts. Angeleitet durch eine*n Tänzer*in und Pädagog*in liegt der Schwerpunkt auf der Zusammenarbeit zwischen sehbehinderten und nicht sehbehinderten Tanzkünstler*innen, mit live performter Audiodeskription und Live-Musik im Stil einer Barockoper.
„Irgendwas mit Liebe (AT)“ 14+ bearbeitet auf theatrale Weise das Phänomen der Liebe - einst und heute. Was hat sich gewandelt, warum und wie leben wir heute mit der Liebe? Ist es individuell oder doch auch ein Gesellschaftsmodell? Recherchen des Ensembles und bei Jugendlichen liefern die Grundlage für eine Bühnenschau mit Musik (DJ), Videoinstallationen und drei starken weiblichen Performerinnen.
„JUNGMANN//JUNGHEINRICH“ erforscht die Bewegungsqualitäten zwischen einem menschlichen Körper (Jungmann) und einem maschinellen Objekt (Gabelstapler) – mit der klassischen Form des Pas-de-deux konfrontiert. Ausgangspunkt für das Projekt sind Erfahrungen Jungmanns, von Diskriminierung und sozialer (Nicht-)Zugehörigkeit, während eines Werkstudent*innenjobs in einem Logistikzentrum.
Mit KIRCHE DER SELBSTAUSLÖSCHUNG (AT) feiert ANALOG eine Messe für Mutter Erde – und gegen die Menschheit. Denn der Mensch ist der Erde größtes Übel! Ausgangspunkt ist die Philosophie des Antinatalismus, der Ansicht, dass die Menschheit sich nicht mehr fortpflanzen sollte. ANALOG untersucht diesen radikalen Ansatz auf seine Tauglichkeit im Sinne der Weltrettung - als immersives Musiktheater.
Mit dem musiktheatralen Projekt „Kleine Tränen“ soll ein zeitgenössisches Stück für Kinder und Jugendliche über das Themenfeld „Depressionen und Ängste“ entwickelt werden. Dieses soll so realisiert werden, dass es mit einer Pop-Up-Bühne den Anforderungen regionaler Bühnen für junges Publikum entspricht, damit auch im ländlichen Bereich getourt werden kann.
Das Solo „Köçek“ von caner teker ehrt die köçekler als queere Subjekte aus dem 18. Jahrhundert im Osmanischen Reich. Es hinterfragt eurozentrische und koloniale Kontinuitäten, um sich gegen Orientalisierung zu positionieren und neue Zugänge zu Erinnerungspraktiken und Zugehörigkeiten zu schaffen.
Das Unsichtbare sichtbar machen: Mit dieser Idee beschäftigt sich KimchiBrot Connection in ihrem Projekt „laboratory of (IN)VISIBILITIES“. Aus der körperlichen und choreografischen Perspektive werden mittels neuer Technologien gesellschaftliche Phänomene der (Un)Sichtbarkeit und (Nicht)Teilhabe untersucht, in einer interaktiv-physischen Installation präsentiert und erfahrbar gemacht.
Der legendäre Gay Club El 9 revolutionierte in den 70er/80ern das Nachtleben in Mexiko City: mit einer queeren Theatercompany, subversiven Konzerten und einer Kunstzeitschrift. Charmante Gastgeberschaft und direkte Hilfsangebote waren wichtig, in Zeiten von Aids und Erdbeben in Mexiko City. La Fleur läßt in einem 3 tägigen Performance- und Clubmarathon auf Kampnagel diese Aspekte wieder aufleben.
„LATE NIGHT DADA“ basiert auf absurden Sprech-Akten, Ansprachen und Songs im Grenzbereich von Bewegung, Klang und Sprache, die mit Dauer, Adressierung, Pausen und räumlicher Konstellation experimentieren. Durch Wiederholung, pointiertes Schweigen, gelegentliches Atmen und unkontrollierten Stepptanz entstehen performative Skulpturen, die Gestik und Laut-Poesie miteinander verbinden.
Formfrei ist ein postinklusives Kollektiv, das seine Arbeitsbedingungen selbst organisiert. In der Mischung aus Schauspiel und Tanz wird Cristina Morales‘ Roman „Leichte Sprache“ erzählt. Vier Cousinen, die mit der Diagnose „Geistige Behinderung“ leben, kämpfen auf unterschiedliche Weise um Selbstbehauptung, in einer Welt, die sie systematisch ausschließt – oft im Namen vermeintlicher Fürsorge.
In einer Zeit, in der die Zustimmungswerte zur Demokratie immer weiter sinken, erzählen krügerXweiss eine Geschichte, die wir vergessen haben: die erste Besetzung einer Stasi-Zentrale am 4.12.89 in Erfurt. In dieser mobilen Inszenierung begegnen sich Bürgerrechtsaktivistin und Stasi-Offizier auf den Trümmern eines Systems. Ein intimes Kammerspiel um die Frage, woher man weiß, was das Richtige ist.
Seit Jahrtausenden blicken wir Erdgebundenen in die unerreichbare Weite des Weltraums. Aber kann er in einer erschöpften, pessimistischen, fast postapokalyptischen Welt noch ein neuer Ort für Hoffnung und eine Projektionsfläche für unsere utopischen Erlösungsträume sein? „No man’s sky“ ist eine kreative Suche nach neuen Erzählungen für eine Welt, die immer weniger Sinn für die Zukunft hat.
„Nomads in shifted dimensions“ widmet sich virulenten Fragen, die mit dem zunehmenden Einsatz von KI einhergehen und schafft eine Narration zwischen analogen und digitalen Körpern und Landschaften, die die klimabedingte Wanderung der Arten aufgreift. In der Anpassung an veränderte Lebensräume und an künstliche Ersatzwelten, wie weit wollen wir gehen und wie viel von der „alten“ Welt bewahren?
ONE NIGHT STAND widmet sich in drei unterschiedlichen Choreografien ehrlich und schonungslos dem weitreichenden und aufregenden Spannungsfeld zwischen Sexualität und Alter(n) mitsamt aller unangetasteten Tabus und ungestellter Fragen an die Generation. Die Performer*innen bewegen sich zwischen den Themen Abenteuerlust, Scham und Einmaligkeit, relevant und sichtbar, denn Alter(n) betrifft uns alle.
Site-specific choreographic performative walk “Ordinary life” brings the gaze of the newcomer into an old district of Barmbek in Hamburg. What do migrants see arriving at the new space, what do migrants bring with them? The audience is invited to find a new attitude towards ordinary spaces together with Russian artists-at-risk, who fled to Germany from regime.
„Publicly Irresistible“ ist ein multiformatiges Kunstprojekt über queere Sichtbarkeiten: Eine performative Schnitzeljagd erkundet die queere Geschichte Hamburgs; eine parcourhafte Installation lädt ein zu einer immersiven Assemblage performativer und installativer Arbeiten; die spielerischen Formaten gehen über in immersive Musikformate, in denen der Gemeinschaftsaspekt im Vordergrund steht.
„PULK“ ist eine interaktive Circus Performance von KLUB GIRKO. Eine sich ständig verändernde Publikumssituation, ein Raum im Stadtraum, welcher die Partizipation der Zuschauenden herausfordert. Ohne Sitzplätze und ohne Sprache orientiert sich der PULK mit Zeichen.
Mit „re:writing musical - re:thinking love“ entsteht ein feministisches und humorvolles Musical für alle Menschen ab 14 Jahren. Mit der Verknüpfung von performativen Ästhetiken, schillernden Liebesschnulzen und feministischen Theorien wird eine fulminante Collage aus selbstgeschriebenen Liedern, Szenen und Choreografien entwickelt.
„Risk Lab – Unplugged“ is a new hybrid participatory performance by Ada Mukhína in collaboration with Azade Shahmiri that explores risks in art and artists at risk from intersectional point of view in regard to gender, race, wealth, class, and nationality.
THE BEAUTIFUL MINDS (TBM) realisiert mit „Roma_X“ ein partizipatives Theaterprojekt mit Sinti*zze und Rom*nja sowie Angehörigen diverser Interessensgruppen im öffentlichen Raum in Köln. Im Zentrum der Projektarbeit steht dabei die Frage, wie wir in Zeiten von stetig zunehmender Polarisierung und immer aggressiver wirkender Identitätspolitik gesellschaftlichen Zusammenhalt schaffen können.
In „Salas – a working tale“ nähert sich Darko Radosavljev den Mythen und Erzählungen über körperliche Arbeit, die oft Dynamik und Identiät einer Familie in seiner Herkunftskultur Serbien bestimmen. Zwischen Überlieferung und dem Aufwachsen in Deutschland, entwickelt er eine neue choreografische Perspektive, wie ein Beitrag aus queerer und lustvoller Sicht auf Körper und Arbeit möglich ist.
Unter dem Begriff Pflegenotstand wird die Hilflosigkeit von weiten Teilen der Bevölkerung in einer überalterten Gesellschaft oft, vor allem in Wahlkämpfen, thematisiert. Dies ist in der ländlichen Region sehr drängend und weder von Politik noch von der Zivilgesellschaft zufriedenstellend zu lösen. Deshalb wählt das Jahrmarkttheater die Form einer verzweifelten Komödie.
„Schneck & Huhn“ ist ein mobiles Theaterstück für Menschen mit und ohne Seheinschränkungen ab 8 in Zusammenarbeit mit Schüler*innen des Bildungszentrums für Blinde & Sehbehinderte Hamburg. Theater Brekkekekex begleitet die beiden mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen nach Nähe und Zurückgezogenheit, ihren ganz eigenen Wegen, sich der Welt anzunähern, auf ihrem Weg zur Freundschaft.
„Seide & Stahl“ ist eine Soloperformance, die Fragilität mit Muskelkraft kontrastiert. Gewichtheben wird in eine Bühnensituation, Luftartistik in das maskulinisierte Gym transferiert, um die Ästhetik der Materialien herauszufordern, sich in einem anderen Kontext zu präsentieren. Motiviert von feministischer Kritik an der Selbst- und Fremdausbeutung weiblicher Körper.
SELF CARE STRANDBEFEHL erzählt vom Seebad Prora auf Rügen: Von seiner Entstehung im Nationalsozialismus, von seiner militärischen Nutzung in der DDR, von der touristischen Gegenwart im Spätkapitalismus. Davon, wie (un-)sichtbar manche Kontinuitäten sind, die sich vom „Kraft durch Freude“-Urlaubsversprechen für Nazis bis zum „wahren Ferienparadies“ mit „lebendiger Infrastruktur“ ziehen.
„Silver Butch und Baby Butch“ ist ein Performance-Duett von Antonia Baehr und Bettina Blanc Penther. Als Ausgangspunkt dient „Der Tod in Venedig“. Die Erzählung eines älteren Schriftstellers, der sich in der Stadt Venedig in einen jungen, polnischen Touristen verliebt, bildet den Bezugsrahmen für diese Arbeit über die Möglichkeiten des Drag und die Auflösung von Linearität und Binarität.
Das Theaterstück „SOHN MEINES VATERS“ setzt sich mit der Vater-Sohn-Dynamik in migrantischen Familien und dem damit verbundenen Männlichkeitsbild auseinander. Teils fiktional, teils autobiographisch wird die Position des Vaters als unantastbares Idol hinterfragt und das vermeintlich göttliche und fehlerfreie, was ihm anhaftet, soll auf der Bühne durch einen Patrizid beerdigt werden.
Hörner rufen sich gegenseitig zu. Satelliten fliegen in einer Reihe. Masten stehen auf Bergen. Der Audiowalk „Space has become a crowded place“ beschäftigt sich mit der Kontinuität von Gewalt durch koloniale Telekommunikations-Infrastrukturen, und dem Widerstand dagegen. Satelliten-Infrastruktur, fernsprechende Hörner und Funkmasten im Kolonialkrieg bilden eine transkulturelle Technikgeschichte.
„TabThePAST“ widmet sich dem Thema Theaterzensur in der Deutschen Demokratischen Republik und der Sozialistischen Republik Rumänien zwischen 1980 und 1989 im Spiegel gegenwärtiger Entwicklungen. Die internationale Recherchearbeit auf drei Ebenen – Forschung, Bildung und künstlerisches Schaffen – fließt zusammen in eine Doppelperformance des Citizen.KANE. Kollektivs und des Theater Replika.
Into the emptiness of singular identity I emerge: from endless streams of data, from pale bones and flesh. This body is my body is a multitude of bodies blurring into one another, permeating the boundary between skin and pixel. As a dancer moves across the stage, infinite virtual space unfolds around an avatar. Where I am and who I am is a monstrosity, a glitch at the many thresholds of cyberspace
„Tyrannosaurus Regina“ ist eine performative paläontologische Ausgrabungstour. Das Publikum wird durch verfallende industriell geprägte Landschaften geleitet und geht der Frage nach, welche (ost-)feministischen Erzählungen unter Schichten hegemonialer Macht begraben liegen. Dabei begegnet es immer wieder der queer-feministischen Dinosaurier-Ikone Tyrannosaurus Regina.
„Das Unbehagen des Wohnens (AT)“ ist eine Performance für einen Schauspieler, eine Pianistin und ein Wohnzimmer. Das Stück beschäftigt sich in einer Atmosphäre brüchiger Intimität und anhand von unterschiedlichen jüdischen Familiengeschichten mit der Ambivalenz der Themen Wohnen, Eigentum und Erbe, mit der Angst vor dem Verlust und dem schlechten Gewissen des Besitzens.
„Unser Land“ ist die Produktion eines filmisch, musikalischen und tänzerischen Bürgertheaterstücks, das sich mit dem Verhältnis von Deutschen und Sorben beschäftigt. Expert*innen des Alltags bringen gemeinsam mit etablierten Künstler*innen der freien (Musik-) Theaterszene ein Stück von und in der Ober- und Niederlausitz auf die Bühne.
In „Unsichtbar“, einer Audio- und performativen Führung, legt Prinzip Rauschen eine narrative Ebene über existierende Nachbarschaftsfeste, wie Flohmärkte und Stadtteilfeste und stellt den Besuchenden die Fragen: Wer ist nicht hier, obwohl die Person gerne dabei wäre? Wer ist in der Nachbarschaft unsichtbar?
Ein ganz gewöhnlicher Sonntag, den zwei Menschen verbringen, gebiert aus Langeweile unerwartete Fantasien. Nebensächliche Begebenheiten und die Stimmungen des Tages – tiefe Nachtschwärze, lichtdurchflutete Taghelligkeit, Graustufen und Farbverläufe in blauer Stunde und Morgendämmerung – führen zu fantastischen Szenen, die damit spielen, wie unterschiedlich (zwei) Menschen Ereignisse wahrnehmen.
In Auseinandersetzung mit den sozialen Strukturen der Sub-, Club- und Technokultur, erarbeitet die Düsseldorfer Künstlerin Marlin de Haan in Zusammenarbeit mit ihrem Team für den neu eröffneten Bilker Bunker in Düsseldorf eine ortsspezifische Rauminstallation mit Performance: ein Ort zwischen Club und Refugium, Happening und Installation, Backstage und Bühne.
Wir alle tragen Päckchen mit uns durchs Leben. Wer trägt was, wem geben wir es weiter, wie schwer wiegt es, wie weit können wir dafür in die Vergangenheit schauen? In „We carry“ geht ein generationsübergreifendes Cast zwischen 8 und 70 Jahren diesen Fragen nach. Dafür kreieren sie einen Klang- und Tanzkosmos, in dem das Miteinander und die Verantwortungen der Generationen neu verhandelt wird.
Sie hängt uns im Nacken, läuft uns davon, beschäftigt den frühen Wurm oder kommt besser spät als nie. HELLA LUX neueste Produktion „Wenn nicht jetzt, dann gestern (AT)“ adressiert Zeit, unser wohl wertvollstes Gut, in Form eines performativen Spiels, das per Funkkopfhörer erlebt wird. Das generationsübergreifende Publikum spielt ab 6 Jahren mit und merkt schnell, dass jede Sekunde zählt.
Was ist jenes mysteriöse Woanders, wohin unser Müll verschwindet? Und wer oder was lebt dort? Die Stuttgarter Theatergruppe O-Team entwickelt zusammen mit der Figurenspielerin Antje Töpfer ein Space-Trash-Maschinenballett mit Musik: ein sinnliches, farbenfrohes Objekttheater ohne Sprache für junges Publikum ab 6 Jahren. Eine abenteuerliche Reise tief in die verborgenen Eingeweide des Anthropozäns.
„Wombs of Revolution“ beschäftigt sich mit konstruierter heteronormativer geschlechtsspezifischer Gewalt, die in der Gesellschaft verwurzelt ist. Eine komplexe Begegnung zwischen 6 Tänzerinnen, die sich mit geschlechtsspezifischer Gewalt auseinandersetzt, indem sie tief in die Gesten von Frauen, die Objektivierung des Körpers und Marginalisierung eintaucht. Tanz ist hier politisch und empowernd.
„Wonderboom3“ vereint die künstlerischen Ausdrucksformen des Radio-Features und des Tanzes. Ein rudimentär eingerichtetes Tonstudio, mobile Lautsprecher und ein umfangreiches Geräuscharchiv geben das Setting vor. Indem die tanzenden Körper die Geräusche aus den Boxen mit neuartigen Bewegungen interpretieren, entsteht ein Sender-Empfänger-Missverständnis, das surreale Bilder entstehen lässt.
Ein Wunder – herbeigesehnt oder belächelt, nicht existent oder ständig um und in uns? TOBOSO macht sich gemeinsam mit dem Publikum auf die Suche. Als Forschungsreisende tauchen sie durch Klang- und Lichtwelten, errichten aus Bambusstäben, O-Tönen, Segeln und Wind eine immer neue Wunderkammer, die mit jeder*m Besucher*in aus der Vernetzung wachsen wird.
Hexen - sie sind hässlich, eine Bedrohung, ein Schimpfwort. Doch bevor sie der patriachale Blick traf, waren sie einfach nur selbstbestimmte Frauen. Mit der Tanz-Video-Performance wollen Jaunich|Barkanowitz sich dem negativ behafteten Bild der Hexe aus FLINTA*-Perspektive annehmen und es umschreiben. Das vermeintlich Unheimliche wird zum neuen Ideal. Eine Befreiung vom Male Gaze auf unsere Körper.