Produktionsförderung Plus (07/2026)
Datum der Jurysitzung: 08. September 2026
Geförderte Vorhaben: 10
„ANACHRON“ ist eine großformatige Tanzproduktion von Jefta van Dinther mit sieben Tänzer*innen aus seinem freien Ensemble und dem Dance On Ensemble. Im Zentrum der Arbeit steht ein neues Verständnis von Abstraktion, dass nicht von der Realität entrückt, sondern tiefer in sie einsteigt und einen gemeinsamen Erfahrungs- und Wahrnehmungsraum entstehen lässt. Premiere: Sommer 2028 im HAU Hebbel am Ufer.
Mit „BRECHT BRUTE“ entwickelt Showcase Beat Le Mot einen mehrteiligen Zyklus zu Brechts Lehrstücken. In einer offenen Arbeitsphase entstehen gemeinsam mit Jugendlichen und zahlreichen Partnerinstitutionen Experimente an unterschiedlichen Orten und in verschiedenen Medien. Die dabei gewonnenen Erfahrungen fließen in ein großes interaktives Festival am HAU Berlin und am Schauspiel Leipzig ein, das die Ergebnisse der Reisephase zu einem gemeinsamen Theaterereignis verdichtet.
Olivia Hyunsin Kim/ddanddarakim präsentiert „Burn Out – The Medley!“ (AT), eine Performance über Burnout mit Musik, Choreografie und viel Humor. Pop, Musical und Eigenkompositionen ergeben ein Medley über Erschöpfung, Solidarität und Regeneration. Ein internationales, mixed-abled Team entwickelt eine barrierearme Inszenierung mit Visual Vernacular, DGS, Audiodeskription und Lichtinstallation. Eine Inszenierung für Teilhalbe zwischen Konzert, Tragikomödie und Theater über das Weitermachen.
Brandstiftungen, Morde, Geiselnahmen – 50 Jahre nach dem Deutschen Herbst bleiben die Gewaltexzesse der RAF ein unerledigtes historisches Kapitel. Wie kann die RAF heute erinnert werden?
Julian Warner versammelt Akteur*innen der postmigrantischen Gesellschaft, Zeitzeug*innen und Musiker:innen in fünf Städten zum Oratorium. Mit sportlichen Figurationen, Erzählungen und Rhythmen nähern sie sich damaligen Hoffnungen, Aufruhr und Terror und begegnen dem Verdrängten dieser „bleiernen Zeit“.
„HURRA“ begreift Paraden und Prozessionen als choreografierte und kuratierte Abfolgen und nutzt Form und Dramaturgie der sozialen Medien, um als durational Performance ein zeitgenössisches Festformat/soziale Choreografie zu entwickeln: eine raumgreifende, hybride Form aus Performance, Konzerten, Videoart, Grafitti, Soundclashs, Party & Dance Battles von Tänzer*innen, Streetathlet*innen, Musiker*innen und Objekten. Ästhetisch arbeitet HURRA mit Formen der Street Culture, des Ready-Made und DIY.
Mit „THE ART OF BEAUTY & PLEASURE“ setzt kainkollektiv die Arbeit an der Neuerfindung historischer Theaterfeste in zeitgenössischen Formaten fort. Das barocke Opernfest und sein Spiel mit Identitäten übersetzt sich in eine Performance zwischen Musiktheater & Party – in Allianz mit Theatern & Clubs, die Räume des Feierns unterschiedlicher Communities eröffnen. Hier, an der Schnittstelle von Performance, Fest, Oper & Clubkultur siedelt die Produktion als Grenzgang oder besser: Grenz-Gesang & Tanz.
Varieté war nie nur Unterhaltung. Lange bevor es für Glanz und Glitzer sowie Spektakel stand, entstand es im 19. Jahrhundert in Paris, Berlin und Wien und erwuchs eher aus Veranstaltungsorten der Arbeiterklasse als aus seriösen Institutionen. „THE BEEF CURTAIN“ ist Peaches’ und Ellison Glenns Liebesbrief an das Varieté als Ort der Exzesse, der queeren Selbstermächtigung und des künstlerischen Widerstands, auf dessen Bühne sich Drag-Künstler, Musiker, Performer und Comedians vereinen.
„The Stocking Seam“ ist ein experimentelles, komödiantisches Ballett, das zwei Mädcheninternate – das queere Melodram „Mädchen in Uniform“ (1931) und Ulrike Meinhofs „Bambule“ (1970) – in einer choreografischen Welt aus Disziplin, Begierde, Bestrafung und Auflehnung vereint, angetrieben von dem Wissen, worauf diese Orte die Mädchen vorbereiteten: eine Gesellschaft, die entschlossen war, ihr Verhalten, ihre Freundschaften, ihre Sexualität und ihre Vorstellungskraft zu regulieren.
„The Stormers - Die Wütenden“ (AT) mit dem Ensemble Of Curious Nature ist ein dreiteiliges Gesamtkunstwerk mit Choreografien von Kat Válastur und Helge Letonja und einer choreografische Installation von Amanda Piña. Inspiriert von Euripides Drama „Die Backchen“ fasst es dessen vielschichtigen Themenkomplex als zeitgenössische Parabel auf das Aussterben von kollektiven Ritualen, die Notwendigkeit des Kunstschaffens als Antipode und die Disbalance dionysischer Werte in der Effizienzgesellschaft.
Futur II Konjunktiv widmet sich sozialen wie natürlichen Umwelten, die das Leben in Schwerin historisch prägten und prägen (könnten). Von der Plattenbausiedlung Großer Dreesch, wo 1979 eine Baumpflanzaktion die DDR-Demokratie- und Umweltbewegung mitbegründete, bis ins Zentrum der von sozialer Segregation betroffenen Stadt werden heutige Lebensumstände erforscht. Was bedeutet Umwelt, wie wird sie zur Unwelt? Ein Chor wird sprechen und eine Aufführung divergente Stimmen vereinen.