Wiederaufnahmeförderung (03/2026)
Datum der Jurysitzung: 05. Mai 2026
Geförderte Vorhaben: 10
Welche flüchtigen Gestalten tauchen in uns auf, wenn Nähe an ihre Grenzen stößt? Wir treten ein in entrückte Räume zwischen Jahrmarkt-Glitch und Neonzirkus. Zwischen Fliegen und Fallen ist Vertrauen, kein Kontrollverlust, sondern ein beherzter Schritt ins Miteinander. Zwischen zeitgenössischen Tanz und Akrobatik widmet sich Overhead-Project dem, was wir allein nicht tragen können.
Mit „Carbon Negative" untersucht Flinn Works in einer audiovisuellen Performance den freiwilligen CO₂-Kompensationsmarkt – in einem performativen Labor-Setting wird das Versprechen hinterfragt, durch Kompensationen klimaneutral handeln zu können. Zwischen Labor, Interaktion und audiovisueller Performance öffnet Carbon Negative einen Raum für Reflexion, Irritation und Handlungsmöglichkeiten.
In „CARNOID" untersucht Fabrice Mazliah die posthumane Verflechtung zwischen organischen und technischen Körpern und lädt drei Tänzer*innen und ein Auto ein, sich die Bühne zu teilen und mögliche Umgangsformen miteinander zu finden. Aus der Begegnung von Mensch und Maschine entsteht ein fragiles Zusammenspiel aus Nähe und Verwundbarkeit, Kollision und Koexistenz.
„GEBÄRDEN DER GESCHICHTE" ist eine Zeitreise durch die Kultur der Tauben Menschen in Baden-Württemberg. Vier Personen aus unterschiedlichen Momenten der Zeitgeschichte treffen aufeinander, lassen uns in ihre Lebensrealitäten eintauchen und blicken mit uns in die Zukunft. Ein Gebärden-Ensemble verbindet die Momente poetisch und spielt zugleich die Rolle der Zeitmaschine.
Das mobile Pop-Up-Stück „LEBENSLAUF" (ab 7) tourt durch Hamburger Schulen: Ausgehend von auto-fiktiven Beispielen und in spielerischer Interaktion beleuchtet Verena Brakonier, wie sozio-ökonomische Unterschiede das Aufwachsen und Lebensentscheidungen beeinflussen. Das Tanzsolo macht Klassismus, die Diskriminierung Aufgrund von sozialer Herkunft und Position, sichtbar und ermutigt zu Veränderungen.
Getrieben von der Sehnsucht, sich an die eigene Herkunft und Ahnenlinien zu erinnern und Heimat zu schaffen, formt „MAWU LISA" einen Raum für eine hybride, afro-diasporische Sage. Sechs Schwarze Performer*innen begegnen und begeben sich hierfür auf eine multi-sphärische Suche nach ihrem individuellen und kollektiven, kulturellen und spirituellen Erbe.
In „Somewhere there's war" wird eine friedliche Musterhaussiedlung zur sterilen Kulisse einer begehbaren Installation zwischen Audio, Objekten und Performance über die (Un)erzählbarkeit des Krieges als Erfahrung und den Platz dafür in dieser Gesellschaft. Jeweils drei Gruppen betreten im Rotationsprinzip für jeweils 30 Minuten einen Ort der Siedlung - eine Trilogie ohne Anfang und Ende.
Die Künstlerin Elsa von Freytag-Loringhoven schrieb 1927 an die Mäzenin Peggy Guggenheim, um auf über 30 Seiten um finanzielle Unterstützung für ihr Projekt eines Modeling-Studios zu werben. Fast ein Jahrhundert später greift ,Bruch‘- diese vergessene Episode auf und re-imaginiert ihr Studio als Resonanzraum für heutige Dilemmata und Modelle künstlerischer Arbeit und Identität.
Mit „Tod in der Tupperbox" erarbeitete die Frl. Wunder AG zusammen mit fünf Ensemblemitgliedern von Theater Thikwa ein experimentelles Krimi-Dinner in leichter Sprache. Hierbei wird das Publikum partizipativ in einen Kriminalfall verwickelt, dessen Ermittlung gemeinsam mit den Performer*innen einen Ableismus und Klassismus kritischen Blick auf Ernährung in unserer Gesellschaft wirft.
Kaum melden sich Überlebende rechter Gewalt zu Wort, taucht der Vorwurf der „Krisendarsteller*innen“ auf. andcompany&Co. und das inklusive Theater Thikwa eignen sich den Begriff an und lassen sich selbst zu professionellen Krisendarsteller*innen ausbilden. Zwischen Katastrophenübung und Kulturkürzungen entsteht ein Spiegelkabinett unserer Gegenwartskrisen – politisch, musikalisch und bitter ernst.