Projektförderungen 2016 / Förderrunde 2

Fonds Darstellende Künste vergibt 18 Projektförderungen in der Förderrunde 2, 2016.

Das Kuratorium des Fonds sprach sich für die Förderung der folgenden Projekte aus:

In Kafka in Wonderland beschäftigen sich half past selber schuld mit dem Transhumanismus. Diese Philosophie geht davon aus, dass die Überwindung von Krankheit und Tod mit Hilfe digitaler, biomechanischer und genetischer Tools ermöglicht werden kann. Diese Ideen werden mittels Musik, Choreographie, schwarzes Theater, Puppenspiel und (3D-) Schattenprojektion weitergedacht und mit eigenen Geschichten verwoben.

Ausgangspunkt für die Überlegungen zu TuNix! ist das Verhältnis von Kindern und Erwachsenen. Warum sehnen wir uns in die Kindheit zurück? Handelt es sich bei dieser um einen nostalgischen Erinnerungsort, an dem man weniger funktionieren muss? SKART untersuchen dabei tradierte Klischees und das kollektive, (pop-)kulturelle Gedächtnis Westeuropas.

I do not believe in styles anymore beginnt bei den Texten von Bruce Lee und versucht diese auf die eigenen Körper anzuwenden. vorschlag:hammer denkt dabei über die Figur und Lesbarkeit von Lee nach, die Körper unserer Zeit debattiert und ohne Appropriation und ohne einen Stil zu imitieren ein eigenes Bewegungs- und Kampfkunstkonzept entwickelt. Die Auseinandersetzung bgereift Lee stets als komplexe Figur, die die Beobachtung der Körper als Ausdrucksmittel der Gewalt, des Geschlechts, der Identität möglich macht.

In SINGULARITY beschäftigt sich das O-Team mit der Frage, welchen Einfluss künstliche Intelligenz in Zukunft auf unser Leben, speziell auf unsere künstlerische Arbeit, haben wird. In der Form eines wissenschaftlichen Versuchsaufbaus stellen sie einem Schauspieler einen Sexroboter mit künstlicher Intelligenz gegenüber. In mehreren, aufeinander aufbauenden Schritten experimentieren sie mit den Möglichkeiten des Zusammenspiels zwischen Mensch und Maschine.

Das Projekt Pinocchio 2.0 von MANUFAKTOR arbeitet mit Animatronik-Technik und Minirobotern und thematisiert so die Entwicklung von künstlicher Intelligenz und freiem Willen. Was ist künstliche Intelligenz? Was ist Menschsein? In Kombination mit zeitgenössischen, elektronischen Spielzeugen und Geräten, die technisch aus ähnlichen Elementen bestehen, wird die Fabel Pinocchios in eine utopisch-dystopische Zukunft adaptiert.

Rent-A-Belly beschäftigt sich mit dem Phänomen der Leihmutterschaft. Der boomende Wirtschaftszweig möchte in seiner ethischen Komplexität, seiner emotionalen Polarisierung, seinen rechtlichen Grauzonen und medizinischen Realitäten auf die Bühne gebracht werden. Flinn Works wird einen Parcours mit verschiedenen Stationen entwerfen, der in Kleingruppen von 2-4 Personen durchlaufen werden kann.

Moritz Frischkorn beschäftigt sich in SAVOY mit dem Verhältnis von Tanz und Jazzmusik. In Auseinandersetzung mit Jazz-Tänzen der 20er-Jahre und der Free-Jazz-Szene der 60er-Jahre sollen Praktiken der kollektiven Improvisation erfunden und Jazz zur Utopie eines exzessiven und devianten Ausdrucks werden. Dabei werden folgende Fragen gestellt: Welche Form des Ausbruchs und der Andersartigkeit bietet Jazz heute? Und wie kann eine zeitgenössische Form des Jazz-Tanzes aussehen?

In der theatralen Installation Umsiedeln verbindet das Theaterkollektiv PRINZIP GONZO historisches Material mit utopischer Fiktion. Ausgangspunkt ist das seit 25 Jahren leer stehende Kurhotel Zippendorf in Mecklenburg-Vorpommern. Umsiedeln verwebt die bewegte Geschichte des Ortes zu einem Parcours, bei dem sich die Zeitebenen und ihr Personal vermischen.

Mit jugendlichen Straftätern der Jugendstrafanstalt Berlin erarbeitet aufBruch Bernard-Marie Koltès Drama Roberto Zucco. Die Jugendlichen stellen sich der Herausforderung, sich im Theaterspiel kreativ mit ihrer eigenen Persönlichkeit und Lebenswelt auseinanderzusetzen. Durch Improvisationen und Schreibworkshops fließen ihre Erfahrungen in die Texte, Musik, Bewegungen ein.

In FLUSS widmet sich Jenny Beyer den Parametern der Zusammenkunft im Theater und verschiebt dabei den Rahmen von Aufführungszeit und -raum: Wo beginnt die Vorstellung und welche Erwartungen schürt ein zu betretender Bühnenraum? Aufführungsanfang ist der Raum, der für gewöhnlich den Publikumswegen dient: Straße, Vorplatz, Foyer. Durch die räumliche und zeitliche Vorverlagerung der Aufführung entsteht eine Choreografie, die als teilbare Bewegungspraxis erfahren wird.

Die interaktive Performance THE VAULT – WASTELAND GERMANY ist die fiktive Geschichte eines deutschen Wastelands, deren Bewohner ums nackte Überleben kämpfen müssen. DAS ÜZ und pipidasdas setzen sich dabei auf spielerische Art mit den Themen Krise und Überleben auseinander und animiert die Zuschauer*innen, der Erzählung ihre eigene Vision ihrer Stadt und ihrer Zukunft gegenüberzustellen.

Mit WILLKOMMEN IM PÄDAGOGIUM! P/RE-ENACTING THE LEHRSTÜCK greifen friendly fire Brechts Frage nach dem Theater der Zukunft, seinen Kollektiven und seiner Politik auf. Basierend auf Recherchen zu heutigen Formen kollektiven Arbeitens und Archivmaterialien aus dem Lehrstück-Bestand des Deutschen Archivs für Theaterpädagogik erkunden sie die Zukunft der Gegenwart und ihre Geschichte zwischen Gestern, Heute und Morgen.

Der Begriff Licht steht in becoming undone – PART III von WILHELM GROENER sowohl als konkretes physikalisches Phänomen als auch im metaphorisch-philosophischen Sinne im Zentrum. Mit den Möglichkeiten von Lichttechnik und tänzerischen Aktionen der Darsteller*innen in der konkreten Interaktion mit den (Licht)Medien, wird ein intimer atmosphärischer Raum in Szene gesetzt.

Wie schwer ist es Freiheit zuzulassen, gesellschaftliche Freiheit zu schützen? Wie steht es um unser demokratisches Verständnis, unsere Empathie? Was sind unsere Visionen? Mit Im Gegensatz zu dir spüren Nico and the Navigators den unterschiedlichen Stimmen unserer Zeit nach und fühlen den eigenen Denk- und Verhaltensweisen mit ihrer typischen kraftvollen Körper- und Bildsprache auf den Zahn.

In EQUINOX, eine theatrale Reise der Identität zwischen Orient und Okzident untersuchen Grotest Maru in gleichberechtigter Zusammenarbeit von Künstlern aus Europa und Ägypten die Lebensbedingungen und den Hoffnungshorizont von Menschen, die eben (noch) nicht flüchten. Der Bezug auf das alte Alexandria erschließt Erneuerungspotentiale für die heutige Stadt. Das Bilder- und Körpertheater sowie die besondere Form der Fassadenbespielung sorgen für ein niedrigschwelliges und zugleich intensives ästhetisches Erlebnis.

SITUATION MIT ZUSCHAUERN lotet die Ethik der Betrachtens aus und postuliert den Zuschauer als Archetypen gegenwärtiger ästhetisch-politischer Debatten. Nach den Enthauptungs-Medienkampagnen des IS und zuletzt dem Münchner Amoklauf stellen HAUPTAKTION erneut mit Nachdruck die Frage nach der Verantwortung, die mit dem Präsentieren gewisser Bilder einhergeht.

The Automatic Workshop spielt mit dem Fehlen dessen, was in einer „Show“ als zentral gilt: die Präsenz des Künstlers. Die Teilnehmer*innen treffen alle Entscheidungen selbst. Aus „Teilhabe“ wird Selbstbestimmung, abhängig von der Imagination und den darauf folgenden Handlungen. Im Fokus stehen Autonomie, die gemeinsame Erfahrung von Grenzen und ihre Überwindung. Audio-, Video-Elemente, Bilder, Texte sowie eine Raumarchitektur, die auf diese Elemente verweist geben den Rahmen für dieses Experiment von zeitraumexit.

Mit Das Schlaf erzählt das Theater am Strom in einer comicgeprägten Bildsprache und einer akustischen Raumbespielung den nicht einfachen Wettstreit zwischen Kind und Schlaf. Das Schlaf ist darin ein auf den Hinterbeinen gehendes graziöses Schaf, Rokkokofigur und Freesytle-Tänzer*in zugleich, das sich ungeniert und immer mal gern daneben benehmend in allen Farben in die Augen der Kinder spielt.