Initial- und Projektvorhaben – Entscheidungsrunde 2 / 2018

Initialvorhaben

langenfelder & lichtenberg gehen in Kinder der Olympe dem Mythos nach, dass DDR-Olympionikinnen zur Leistungssteigerung pünktlich zu den Olympischen Spielen geschwängert worden seien. Die Künstlerinnen untersuchen anhand dessen die Ein- bzw. Auswirkungen politischer Inszenierungen auf das Private und den Körper und verknüpfen diese Inszenierung mit feministischen Debatten der Gegenwart.

Neues Fleisch von internil ist eine Recherche zur Verknüpfung von performativem 1-to-1-Storytelling und Virtual Reality. Unter Rückgriff auf den Stoff des sogenannten „Kannibalen von Rotenburg“ sollen Technologien zur interaktiven Darstellung live generierter 3D-Umgebung, ihre narrativen Strukturierung und erzählerische Entwürfe für ihre Nutzung entwickelt und erprobt werden.

Das Experiment mit dem Vogel in der Luftpumpe führte im 17. Jh. zu einer Kontroverse zwischen Robert Boyle und Thomas Hobbes über den legitimen Weg der Wissensproduktion. Wie stehen wir heute dazu? Wie hat sich die Wissensproduktion verändert? Diesen Fragen will sich Kommando Himmelfahrt stellen und neuen darstellerischen und erzählerischen Ausdrucksformen dafür finden.

Cargo-Theater besucht für die Recherche zu ¿WER / QUIEN? Saúl Luciano Lliuya in Peru, der RWE wegen den Folgen des Klimawandels verklagt und den Bau eines Staudammes fordert. Durch den Klimawandel droht ein Gletschersee zu überschwemmen und Existenzen zu zerstören. Wie verhandeln Künstler*innen vor Ort das Thema und was kann ihre Arbeitsweise für die Auseinandersetzung damit bedeuten?

highnoon sushki untersuchen in Das Wunder im Tal von U (politische) Konflikte, die mit der Methode des Plannings von einem Expert*innen oder Mediator*innen neu erzählt werden, um Distanz zum Geschehen zu schaffen und den Konflikt lösen zu können. Dieser Moment des Storytelling wird adaptiert und in eine interaktive Erzählperformance überführt.

Britt Hatzius geht in Listening Distance gemeinsam mit blinden Echoortungsexperten dem Thema der (Un-)Fähigkeit „die Welt durch die Augen eines anderen zu sehen“ nach. Mit performativen Formaten wird die Sinnes-Sensibilität erkundet, wie sich diese bei Ausblenden einzelner Wahrnehmungsorgane  verändern und beschreiben lassen.

 

Projektvorhaben

Mit Ein Papierstück regt tanzfuchs PRODUKTION den Dialog zwischen den Generationen an, der sich hier mit dem Altern und der Vergänglichkeit auseinandersetzt. Die Verbindung bildet dabei das Material Papier, als das Element zu dem alle Generationen einen Bezug haben – wenn auch unterschiedlich konnotiert – und das zugleich als Symbol für den Prozess des Alterns steht.

Marlin de Haan inszeniert Tschechows Der Kirschgarten als halb-dokumentarische Installation in einem Düsseldorfer Hinterhof mit Bürger*innen der Stadt. Fassaden, Fenster und begehbare Objekte werden zur Bühne, auf der der Düsseldorfer Stadtraum, seine Geschichte und Entwicklung verhandelt wird.

Overhead Project untersuchen in My body is Your body an der Genregrenze zwischen Tanz und Neuem Zirkus das Ineinandergreifen von Politik und Architektur. Wie beeinflussen politische Versammlungsräume, wie das britische Parlament, die dort herrschende (Umgangs-)Kultur? Und wie kann diese Beobachtung inszenatorisch-dramaturgisch und tänzerisch umgesetzt werden?  

Mit Gier oder: Unterm Birnbaum verknüpft das Theater am Rand Fontanes berühmte Kriminalnovelle, aktuelle Schuldnerbiografien der Grenzregion Märkisch-Oderland mit zwielichtigen Ratgebertexten und provoziert dabei das Publikum sich zu gesellschaftlichen und moralischen Themen wie Status und dem Gefühl von Recht und Unrecht zu äußern.

Monteverdis „Il ritorno d’Ulisse in patria“ dient als Grundlage für das Musiktheaterprojekt Ritournelle (AT) mit dem Leo Hofmann und Benjamin van Bebber die Oper auf ihre Kompatibilität mit einer migrantischen Gegenwart befragen. Im Fokus steht das gemeinsame Singen und Musizieren als sozialer Vorgang, performativer Akt und als Praktik, die stark mit Fragen zu Gemeinschaft und (kulturellen) Identität verknüpft ist.

Mit PHI entwickelt Éric Trottier ein Stück auf einer gigantischen Wippe, mit dem das La_Trottier Dance Collective sich in das und aus dem Gleichgewicht begibt. Der Versuchsaufbau wird zur Grundlage einer Reflexion über das Thema Balance und die gesellschaftlichen Selbstverständnisse. In welchem Verhältnis muss eine Gesellschaft stehen, um friedlich und schöpferisch miteinander zu leben?

Die romantische Liebe entsteht zeitgleich mit dem Kapitalismus, da die Atmosphäre des Kapitalismus die Sehnsucht nach der Flucht in die Liebe erzeugt. Konstanze Schmitt und Bini Adamczak versuchen in everybody needs only you. Liebe in Zeiten des Kapitalismus Liebende und Tauschendende und ihre affektiven Ökonomien choreographisch in Beziehung gesetzt. Lieben wir unsere Arbeit oder arbeiten wir, um geliebt zu werden?

pulk fiktion setzen sich in Meinungshacking (AT) mit Meinungsbildung im Kontext sozialer Medien auseinander. Wie wirken sich Realität und Lüge im sozialen Netz auf die Weltwahrnehmung aus? Realisiert wird dieses Produktion als Musical in dem z.B. Trolle, stammend aus der frühen Form der Troll-Kommentare, die Onlinewelt bevölkern, zu Identifikationsfiguren, Aktivisten und Hatern werden.

Was ergreift, was bewegt zum Mitfühlen? Warum steckt Sitcom-Lachen an, führt inszeniertes Weinen zu kollektiver Ekstase? Mit SYMPATHEIA inszenieren OBJECTIVE SPECTACLE Affektzustände des Publikums, untersucht die Autopoesie von Gemeinschaften am Beispiel von Lachen und Weinen und verfolgen dabei die ästhetische Entgrenzung von Musik, Performance und sozialem Raum.

STERNA | PAU Produktionen entwickeln mit A Porn A Day eine Performance, die Sexualität, sexualisierte Gewalt, Pornographie und den Konsens dessen für Jugendliche und Erwachsene thematisiert. Intermediales Theater mit performativen Elementen soll dabei Räume eröffnen, in dem eigene Erlebnisse und Fragen ebenso Platz finden wie veränderte Erscheinungsformen von sexueller Gewalt durch Digitalisierung.

Die Inszenierung Herr Eichhorn und der Besucher vom blauen Planeten von MEINHARDT & KRAUSS für Kindergarten- und Grundschulkinder, verhandelt die Integration von Flüchtlingskindern und stellt sich Berührungsängsten und Vorurteilen. Als Identifikationsfiguren dienen Tiere, die eine Bühnensprache entwickeln, die ohne viele Worte auskommt und auch für nicht deutschsprachige Kinder verständlich ist.

Das Theater o.N. entwickelt auf Grundlage des slawischen Märchens Die zwölf Monate ein Puppen- und Objekttheater für Vor- und Grundschulkinder. Ein Mädchen muss darin im Winter Schneeglöckchen besorgen, was mit der Hilfe der personifizierten 12 Monate gelingt. Im Fokus stehen das Verhältnis zwischen Natur und Mensch und der Widerspruch die Natur überlisten zu können, ihr aber oftmals machtlos ausgeliefert zu sein.

Mit Stadt realisieren subbotnik den letzten Teil ihrer Trilogie „Götter. Helden. Stadt“. Von griechischen Sagen ausgehend, geht es um Ideale, Organisation, Wertvorstellungen des Gemeinwesens und Zusammenlebens. Die Partizipation von Bürger*innen verschiedener sozialer Gruppen und Altersgruppen gebündelt in einem generationsübergreifenden Chor verdeutlicht diese Konflikte.

OK, GOOGLE von costa compagnie lässt Performer*innen und eine digitalen Spielpartner*in gemeinsam auf der Bühne agieren und stellt die alltagstaugliche Interaktion von Mensch und künstlicher Intelligenz auf den Prüfstand. „Google Home“ steuert den Alltag und auf Sprachbefehl auch die gesamten Bühnenmittel. Es kommt zu einer Auseinandersetzung zwischen Performer*innen, Besucher*innen und Google Rechnern.