Initial- und Projektförderungen – Förderrunde 1 / 2018

Initialförderung

In Exotification of the male foreign body (AT) untersucht Ming Poon gemeinsam mit Lucky Lartey und Laura Paetau, den exotischen Blick auf fremde männliche Körper. Wie formen kulturelle Identität, Geschlecht, etc. diesen Blick? Wie kann Tanz als Instrument der Exotisierung eines Körpers eingesetzt werden und wie kann der Blick der Zuschauer*innen damit wieder dekonstruiert werden?

Mit verschiedene Strukturen aus Schauspiel-, Figuren- und Objekttheater und Tanz wollen Dekoltas Handwerk in Thanatos Archive den historischen und gegenwärtigen Umgang mit dem Tod und der Identität der Toten näher kommen. Gemeinsam wird ausgehend von Ohnmacht und Todeserfahrungen untersucht, wie sich das nicht Darstellbare abbilden lässt.

Das FUNDUS THEATER und seine Partnerschulen gestalten unter dem Titel Forscherkinder digital Theater (AT) drei Laboratorien, in denen Kinder zusammen mit Theaterprofis die Schnittstellen zwischen Theater und der digitalen Welt erkunden können.

In DIE GABE widmet Franziska Seeberg ihre Aufmerksamkeit Geschenken, die im Rahmen des diplomatischen Austausches zwischen Polen und Deutschland gemacht wurden. Dafür besucht sie unter anderem den Fundus des Auswärtigen Amtes und des Warschauer Außenministeriums, um dem Ritual des Schenkens auf den Grund zu gehen.

Simone Dede Ayivi und Kompliz*innen ziehen sich mit der Fragestellung Alles NEU oder zurück Chor? in ihren Proberaum zurück. Sie schauen zurück auf vergangene Arbeiten, um daraus neue Konzepte für künftige Produktionen zu entwickeln oder auch festzustellen, dass diese sie zurück zu ihren Hildesheimer Wurzeln zurückführen.

Ein Theater für Blinde und Sehbehinderte (Kinder) kann es nicht geben. Oder doch? Im Sinne der Inklusion geht Anna Drescher auf die Suche nach neuen Formen des Erzählens, Mitteln, Material und Stoffen, die für blinde wie für sehende Kinder gleichermaßen interessant sind.

Projektförderung

Jenseits von faktischem Wissen über Zeitmessung interessieren sich florschütz & döhnert für das subjektive Erleben von Zeit. Wo gestern und heute herkommen (UA, AT) sucht akustische und visuelle Übersetzungen für das Immaterielle und Flüchtige der Zeit.

Inspiriert von einem Bildband „Zu Besuch bei Diktatoren“ in dem das Interieur von Diktatoren satirisch reflektiert wird, entwickelt Anne-Kathrin Klatt in Glamour Phoenix-fashion & war (AT) ein Modelabel im Diktatorengattinnen-Stil, um damit die Mechanismen von Macht, Konsum und Zerstörung zu entlarven.

Der derzeitige Gesellschaftsvertrag basiert auf einer Gesetzgebung von vor fast 70 Jahren. Die Gesellschaft hat sich nicht nur durch Migration und neue Technologien verändert. Mit dem Festival für neue Gesellschaftsverträge VERLORENE ILLUSIONEN will die JugendTheaterWerkstatt Spandau Konsequenzen des Wandels diskutieren und darstellen.

Suicide-Hotel Nirwana von Ren Saibara  ist eine interkulturelle Auseinandersetzung mit dem Freitod in Japan und Deutschland, durch die Kulturgeschichte hinweg: zwei Kontexte, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Die Inszenierung lässt das 1. Suicide-Hotel in Europa entstehen, um sich in entspannter Atmosphäre Gedanken über den eigenen Tod zu machen.

In Kids Carraldo soll das junge Publikum gemeinsam mit den Performer*innen von TRAUMMASCHINE Inc. einen Riesenturm über den Schuttberg im Münchener Olympiapark transportieren. Auf der Suche danach, was der Ansporn ist um Hindernisse zu überwinden, ist diese Expedition ein Trainigscamp für scheinbar unlösbare Aufgaben.

Geliebter Woffel! ist ein interdisziplinäres Projekt in dem das Figurentheater Wolkenschieber von einem Maler erzählt, der durch seine eigene Kinderzeichnung, die den Woffel zeigt, zu den Wurzeln seiner Kreativität zurückgeführt wird und lässt die kleinen Zuschauer*innen dabei an den Entstehungsprozessen von Kunst teilhaben.

TUN UND LASSEN / ДЕЛАТЬ И НЕ ДЕЛАТЬ (AT) von Prinzip Gonzo ist die erste Open-World-Simulation, die auf Dostojewskis Roman VERBRECHEN UND STRAFE basiert. Dabei ist es vor allem die Interaktion der Zuschauer*innen, die die Handlung durch den Abend lenkt. Daraus entwickeln Prinzip Gonzo neue Erzähl- und Erlebnisstrategien.

Die Romane „Der Totschläger“ und „Nana“ von Émile Zola sind Ausgangspunkte für das getanzte Theaterstück Körper als Unternehmen von LA FLEUR Gintersdorfer/Yao, das von Frauen in Paris und Hamburg erzählt, deren Körper ihre Ressource ist.

Dust (AT) thematisiert das Erbe des Holocaust. Wie stehen israelische und deutsche Künstler*innen der 3. Generation dem Thema gegenüber? Was hat es mit dem weit verbreiteten Phänomen der Holocaust-Träume, die sich durch die Generationen vererben, auf sich? Diese Themen verhandelt das Figurentheater Wilde und Vogel gemeinsam mit ihrem deutsch-israelischen Team.

In einer interaktiven Installation treffen zwei Zuschauer*innen aufeinander und werden zur Gründung einer internationalen Künstlervereinigung während der Pariser Kommune 1871 geführt. Die Bewegung von Die Institution macht die Zuschauer*innen zu den einzigen Protagonist*innen eines Stückes, das sich erst in diesem Aufeinandertreffen schreibt.

Im Fokus der Arbeit Ungeheuer – Eingriffe in die Schöpfung (AT) lassen  M O N S T R A das phantastische Konstrukt eines Monsters im dunklen Zuschauerraum entstehen und nutzen es als performatives Nachdenken über Zuschauerpositionen, Sehkonventionen, die Begegnung mit dem Monster „Publikum“ und das Monströse des Theaters.

Swoosh Lieu nehmen die Mittel des Theaters und holen sie hinaus auf die Straße. In Who Profits – eine demonstrative Besetzung des Raumes bewegen sich die Performer*innen zwischen performativer Stadtführung und politischer Intervention und nehmen das Publikum mit zu einem Stadtrundgang in eine feministische imaginierte Stadt.

 „Atlantis“ ist das Wort für etwas, das von Alters her nur zu suchen, nicht aber zu finden ist. In Aufbruch nach Atlantis oder Die wundersame Reise der kleinen Sofie wollen Lehmann und Wenzel miteinander die Bedeutung des Todes für die jüngsten Lebenden auszuloten.

Das Bundesverfassungsgericht bestätigt: Es gibt ein Recht auf einen nicht-binären Eintrag im Geburtenregister. Edan Gorlicki hinterfragt in seiner Arbeit SEXLESS BABE wie Bewegungen ohne Geschlechtsbezug entwickelt werden können und wie das Publikum diese sieht.

Die #MeToo-Debatte hält nur zögerlich Einzug in die Tanzwelt. In Phobos setzt sich die Cooperativa Maura Morales aus femininer Perspektive mit der Angst vor Ohnmacht, Scham und Stigmatisierung auseinander und streitet für eine emanzipatorische Sinnlichkeit und für die Aufhebung des getrennt seins jenseits der Traumatisierung.

Die Umkehrung der Wahrnehmung von Mensch und Tier, die Frage nach der Zivilisiertheit der eigenen Kultur und die Wahrnehmung aktueller Architektur als zukünftiger  – diese Motive werden in der Performance Invasion vom Planeten der Affen von LIGNA als Intervention im Stadtraum umgesetzt.