Bundeshaushalt 2026: Gemeinsamer Appell der Freien Darstellenden Künste
2,57 Mrd. Euro Kulturbudget – dennoch keine Zukunft für wesentliche Strukturen der Freien Darstellenden Kunst
Der Haushalt für den Bereich Kultur und Medien beim Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), Staatsminister Wolfram Weimer, steigt im Jahr 2026 auf rund 2,57 Milliarden Euro – dennoch sind wesentliche Strukturen der Freien Darstellenden Künste weiterhin nicht gesichert.
Dies bedeutet eine existenzielle Herausforderung für zentrale Akteur*innen der Freien Darstellenden Künste – sie sind Motoren einer lebendigen, innovativen und international vernetzten Kulturszene in Deutschland.
Zentrale Netzwerke und Programme der Freien Darstellenden Künste – darunter das Bündnis internationaler Produktionshäuser, das Bundesnetzwerk flukks+ e. V. (Nachfolgeorganisation der flausen+ gGmbH), das Netzwerk Freier Theater (NFT) sowie explore dance – Netzwerk Tanz für junges Publikum – fallen trotz des großen Engagements der Akteur*innen selbst, des Fonds Darstellende Künste, sowie zahlreicher Partner*innen aus der Bundesförderung heraus. Betroffen sind zudem Komplexx Figurentheater und FESTIVALFRIENDS, die durch das Auslaufen des Programms „Verbindungen fördern“ – wie weitere fünf Netzwerke – keine Bundesförderung mehr erhalten.
Angesichts dieser Entwicklungen appellieren wir an den Kulturstaatsminister, Verantwortung zu übernehmen und die Zielvorgaben des Koalitionsvertrags einzuhalten. Darin ist die Stabilisierung und Systematisierung der Kulturförderung festgeschrieben: Die Freien Künste sollen gestärkt und zukunftsfähig aufgestellt werden.
Die ersatzlose Streichung zentraler Strukturen widerspricht diesem Auftrag. Wir bitten daher den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Wolfram Weimer, diese Fehlstellung im Haushalt 2026 zu überbrücken und im Haushalt 2027 zu korrigieren – und damit den Abbau kreativer Infrastruktur der Freien Darstellenden Künste abzuwenden.
Erstunterzeichnende:
- explore dance
- mit: fabrik (moves) Potsdam
- Fokus Tanz München
- HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste | Dresden
- K3 – Zentrum für Choreographie | Tanzplan Hamburg
- Künstler*innenhaus Mousonturm | Frankfurt (a.M.)
- PERFORM[D]ANCE | Stralsund)
- FESTIVALFRIENDS
- Fonds Darstellende Künste
- Bündnis internationaler Produktionshäuser e.V.
- mit: FFT Düsseldorf
- HAU Hebbel am Ufer | Berlin
- HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste | Dresden
- Kampnagel | Hamburg
- Künstler*innenhaus Mousonturm | Frankfurt (a.M.)
- PACT Zollverein | Essen
- tanzhaus nrw | Düsseldorf
- ID_Frankfurt – Independent Dance und Performance e.V.
- Kaserne Basel
- KompleXX Figurentheater
- mit: Deutsches Forum für Figurentheater und Puppenspielkunst | Bochum
- Figurentheater Osnabrück
- Figurentheater-Kolleg | Bochum
- Puppenspielkunst | Berlin
- Kreatives Puppenatelier – Therapeutisches Figurenspiel | Halle (Saale)
- Landesarbeitsgemeinschaft Puppenspiel | Erfurt
- Staatliche Hochschule für Musik und Darstellende Kunst – Studiengang
- Figurentheater | Stuttgart
- Sammlung Puppentheater/Schaustellerei des Münchner Stadtmuseums
- Tearticolo | Klotten
- Theater der Nacht | Northeim
- Theater Niridu | Süsel
- UNIMA Deutschland
- Verband Deutscher Puppentheater (VDP)
- Westflügel Leipzig
- MADE.Festival | Hessen | Frankfurt (a.M.)
- NFT Netzwerk Freier Theater
- mit: LICHTHOF Theater | Hamburg
- LOFFT - DAS THEATER | Leipzig
- PATHOS Theater | München
- Produktionshaus NAXOS | Frankfurt (a.M.)
- Schwankhalle | Bremen
- td Berlin
- Theater im Depot | Dortmund
- Theater RAMPE | Stuttgart
- Theaterwerkstatt Pilkentafel | Flensburg
- WUK Theater Quartier| Halle (Saale)
- Zeitraumexit | Mannheim
- flukks+ e.V. (Nachfolgeorganisation von flausen+gGmbH)
- mit 31 Mitgliedstheaterhäuser in 14 Bundesländern)
- tanz weit draußen - Bundesweites Netzwerk für ländliche Räume
- mit: Aktion Tanz e. V. - Bundesverband für Tanz in Bildung und Gesellschaft
- Tanzregion Mecklenburg-Vorpommern
- TanzSzene Baden-Württemberg
- tanz.nord
- fabrik Potsdam
- Ponderosa Stolzenhagen
- Szene 2wei Lahr
Tanz- und Theaterwerkstatt Ludwigsburg
- andcompany&co
- Antje Schupp | Regisseurin, Performerin, Autorin
- Ariel Efraim Ashbel and friends
- Arthur Romanowski
- Bernhard Siebert | Forschungsreferent an der HfMDK
- Elisabeth Luft | Autorin, Kulturjournalistin
- Fabrice Mazliah | Work of Act
- fachbetrieb rita grechen
- Falk Rößler, Regisseur | Autor, Mitglied der Theatergruppe FUX
- Fanti Baum | Künstlerin und Theoretikerin
- Franziska Werner | Künstlerische Leitung Impulse Festival für Performance, Theater & Tanz
- Prof. Florian Feisel | Studiengang FIGURENTHEATER der HMDK Stuttgart
- Gilda Rebello | multidisziplinäre Künstlerin
- Gob Squad Arts Collective
- Heinrich Horwitz
- Hofmann&Lindholm
- [in]operabilities
- It’s The Real Thing - Basler Dokumentartage
- JAJAJA*
- Prof. Julika Mayer | Studiengang FIGURENTHEATER der HMDK Stuttgart
- machina eX
- Marcel Jacqueline Gisdol | Schauspieler*in
- Marcel Schwald | theaterschaffend
- Marina Rengel Lucena | Bühnen-, Kostümbilderin
- Marion Tamme de Aquista
- Matthias Schönijahn | freischaffender Regisseur, Künstler
- Maximilian Zahn | Dramaturg
- Dr. Philipp Schulte | Theaterwissenschaftler
- Pinsker+Bernhardt
- Ruth Rosenfeld | Schauspielerin
- Prof. Dr. Sandra Noeth | Universität der Künste Berlin, Kuratorin
- She She Pop - Performance Kollektiv
- Prof. Stephanie Rinke | Studiengang FIGURENTHEATER der HMDK Stuttgart
- Tanja Krone
Weitere Unterstützer*innen dieses Appells sind herzlich eingeladen, sich zur Mitzeichnung unter email hidden; JavaScript is required zu melden.
Rückblick
Kulturetat 2026: Massive Verluste für die Freien Darstellenden Künste
Der Bundeshaushalt 2026 sieht für den Fonds Darstellende Künste eine Zuwendung von voraussichtlich 8,59 Mio. Euro vor (2025: 9,18 Mio. Euro). Der Fonds dankt ausdrücklich den engagierten Kultur- und Haushaltspolitiker*innen der Regierungsparteien für dieses wichtige Signal der Stabilisierung.
Gleichzeitig steht die bundesweite Freie Darstellende Kunst vor einem kulturpolitischen Einschnitt: Trotz Rekordetat von 2,57 Mrd. Euro im Kulturbereich fallen zentrale Netzwerke und strukturell wirksame Projekte vollständig aus der Bundesförderung. Betroffen sind unter anderem das Bündnis Internationaler Produktionshäuser, das Bundesnetzwerk flausen+/flukks+, das Netzwerk Freier Theater (NFT) sowie spartenspezifische Vorhaben wie „explore dance“, „kompleXX Figurentheater“ oder „FestivalFriends“. Sie alle leisten unverzichtbare Arbeit für künstlerische Innovation, Nachwuchs, Produktion und internationale Sichtbarkeit.
Holger Bergmann, Geschäftsführer des Fonds Darstellende Künste:
„Wir sehen uns als Förderer der bundesweiten Freien Darstellenden Künste mehr denn je in der Verantwortung, gemeinsam mit den Ländern relevante Künstler*innen und Strukturen zu fördern und die Vielfalt des freien Produzierens in Tanz, Theater und Performance zu sichern – trotz begrenzter Mittel.“
Amelie Deuflhard, Vorstandsmitglied:
„Die vollständige Streichung der Förderung für bundesweit wichtige Netzwerke ist ein kulturpolitischer Rückschritt. Dies gilt einmal mehr für die Streichung des Bündnis internationaler Produktionshäuser, die schwerwiegende Folgen haben wird: eine Schwächung von künstlerischer Innovationen und nationaler wie internationaler Strahlkraft."
Im Koalitionsvertrag wurde eine „Systematisierung der Kulturförderung“ ebenso festgeschrieben wie die Stärkung der Freien Künste. Der Rekordetat 2026 löst dieses Versprechen bislang nicht ein. Statt struktureller Stärkung droht der Verlust zentraler Infrastruktur mit langfristigen Folgen für kulturelle Vielfalt, Innovationskraft und demokratische Teilhabe.
Der Fonds Darstellende Künste steht damit vor der Aufgabe, mit begrenzten Mitteln weiterhin bundesweit relevante Strukturen und Förderinstrumente zu sichern. Ohne politische Kurskorrektur wird das zunehmend unmöglich. Damit die vereinbarte Stärkung der Freien Künste Realität wird, appelliert der Fonds Darstellende Künste an den Kulturstaatsminister und bittet um eine Anpassung im Haushaltsvollzug.
Nur verlässliche Förderung sichert die Vielfalt und Innovationskraft der Freien Darstellenden Künste in Deutschland.