Entscheidung #takecare

Das Kuratorium des Fonds Darstellende Künste hat in Übereinstimmung mit Vorstand, Geschäftsführung und der Verwaltung der Beauftragten für Kultur und Medien am 15. April 2020 alle fristgerecht und den Regularien entsprechend eingereichten Anträge zur Förderung empfohlen. Mit 364.000 Euro befördert der Fonds Darstellende Künste damit rund 100 Vorhaben von künstlerischen Arbeiten unter den aktuellen Rah-menbedingungen.

AUSGEWÄHLTE VORHABEN

Menschen, Familien, Strukturen, Strategien, Klima usw., alles im Wandel. Teilweise mit erheblichen Herausforderungen und Brüchen. Ein Wandel des Publikums, der Bewegung und Begegnung im öffentlichen Raum. Verschiebung der Anforderungen an Familien und Kinder. Theater als reales Kontaktmedium innerhalb der Massenmedien. Als Chance, Gruppen zu erreichen, beglücken, bewegen, anzuregen. Welche Fähigkeiten werden für die Zukunft benötigt? Kreativität, Entscheidungsfreude, unkonventionelles Denken? Geduld von der Idee zur Realisierung? Mut? Was sind Quellen von Mut, was trägt?
Ebenso: „Standort Theater“ im öffentlichen Raum evaluieren. Mit Theater Heimat schaffen, Mut, Vertrauen. Was braucht es an Veränderung?
Ergo: kleine Theaterformen finden, erforschen. Idee: Licht und Ton reduziert, variabel und in Kommunikation mit dem Publikum einsetzbar. Vorbereitung von Tracks/Sounds, die situativ eingesetzt werden können. Theater als gemeinsamer Prozess. Kann mit leerem Bühnenraum begonnen werden? Theater beginnt mit nichts. Theater + Kommunikation: Grenzen ausloten.
Publikum im Wandel: was haben wir Theater an Wandel gespürt?
Geschichte finden: unsichtbare Unterstützung sichtbar machen.

Die Superheldenzentrale beauftragt drei wenig beliebte Superhelden damit, ein Konzept für das Verzichten zu erarbeiten. Die drei können sich nicht besonders leiden und sind sich höchst uneinig darüber, wer auf was und wie leicht verzichten können sollen müsste. Erst als sie durch ein herumliegendes Portal in eine andere Realität geraten lernen sie zusammen zu arbeiten. Als sie am Ende stolz das Ergebnis präsentieren, stellt sich heraus, dass die Superheldenzentrale dieses Konzept an die Konzernregierungen verkaufen will, die die Menschen manipulieren will, auf ihre Rechte zu verzichten. Wiedemer möchte die Zeit jetzt nutzen, um interaktiv mit den Kolleg*innen das Stück gemeinsam zu schreiben, sich darüber per Zoom zu unterhalten, Improvisationsaufgaben zu stellen, die vor den Kamera umgesetzt werden um Plot, Figuren und Dialoge zu entwickeln.

Schon jetzt ist klar, dass Corona die Welt fundamental verändert. Geschlossene Theater und mehr noch geschlossene Grenzen widersprechen der Tanzwirklichkeit zutiefst. Um danach wieder Internationalität herzustellen, beantragen bodytalk Förderung.
Bodytalk wollen ihre letzten Produktionen, die zumeist in internationalen Koproduktionen entstanden sind, archivieren und so auch als kritische Selbst-Reflexion / Schärfung und zur Weiterentwicklung des eigenen Profils dokumentieren, dass sie als Fundament für weitere internationale Koproduktionen besser wahrgenommen werden: AtomHeartMother (Japan), America’s Next President (USA), Friedensanleitung für jedermann (Performer*innen aus acht Ländern), GLÜCK / LAIMĖ \ СЧАСТЬЕ (Litauen), 4LänderEck / Home of the trolls (Niederlande), Politics of Dancing, Creatures (40 Mitwirkende), SOLIDARITOT (Polen), Bombe spricht (Israel), Körper als Waffe (Performensch Festival), Fatwa (mit Exil-Iraner*innen in vier Ländern)
Arbeitsschritte: Sichtung, Archivierung der Medienreaktionen, Fotos, Filme.
Übersetzung, grafische Aufarbeitung des Materials, Dokumentation (digital, Druck), Distribution.

Forschung zum Thema Behinderung als „Normalität“ als Vorbereitung zu ihrem neuen Kindertheaterstück. Dazu möchten sich Theater Holzwurm tiefergehender mit Fragen beschäftigen, wie:
Was empfinden wir als behindernd in unserem Sein, was gilt gesellschaftlich als Behinderung? Was ist „normal“? Wie könnte eine „behinderte Bühne“ aussehen? Was macht das Thema mit der Gestaltung der Figuren? Was für eine Materialität kann verwendet werden? Was gab es zu diesem Thema schon an Inszenierungen und was könnte man in diesem Bereich hinzufügen, was nicht schon vielfach reproduziert worden ist?

Wie werden wir in ein paar Tagen/Wochen/Monaten vor die Tür gehen? Obligatorisch vermummt? Welche Folgen hat dies für unser zukünftiges gesellschaftliches Zusammenleben, den öffentlichen Raum, das politische Gesicht-Zeigen, den Diskurs zu religiösen Kleidervorschriften (Niqab) oder der illegalen Vermummung Bengalo-zündelnder Fußball-Ultras? Und welche Konsequenzen ergeben sich für unser Fach: das Kostümbild? Wie wird sich die Zeichensprache verändern? Und wie wollen wir künstlerisch Stellung dazu beziehen?
Die beiden Expert*innen für Kostüm und Stoff, Elena Gaus und Arianna Fantin, werden in ihrem Rechercheprojekt „A mask to be true“ einen Monat lang täglich im Skype-Dialog stehen, beobachten, hinterfragen, entwerfen und erste Masken für eine (fiktionale) kommende Gesellschaft umsetzen. Ihre „Kollektion“ werden sie online präsentieren, als Teil eines öffentlich zugänglichen Kostüm-/Modediskurses, der sich in Bezug auf Zweck und Funktion von Kleidung, aber auch was die generellen Ausdrucksmöglichkeiten der individualisierten westlichen Gesellschaft betrifft, wohl radikal wandeln wird.

Figuren-Weihnachtsmärchen zum Thema Neugierde und Vorfreude. Die Hauptakteure sind Mäuse, das Spiel wird auf eine Fabelebene gehoben. Es geht um den Mäusejungen Fino, welcher unbedingt die Weihnachtsmaus einmal sehen möchte. Ein Kobold ermöglicht ihm diesen Wunsch, so dass er noch vor der Bescherung ins Weihnachtszimmer kann. Fino findet die Weihnachtsmaus, und alle seine Geschenke. Aber die ganze Freude ist vergangen – Wie ein Dieb seiner eigenen Weihnachtsfreude kommt er sich vor.

THEATERGEIST wollen DAS NEINHORN, nach dem Kinderbuch von Marc-Uwe Kling/Astrid Henn, inszenieren und 2021 zur Premiere bringen. Ein neues Figurentheaterstück für Kinder ab 4 Jahre. Die Thematik könnte passen zum Leben nach Corona: Es geht um Menschenrechte und Individualisten. Erzählt wird in dieser Geschichte von vier Querdenkern, die sich treffen in Ihrem Freigeist: (N)EINhorn, (NA)Hund, WAS(ch)bär und KönisDOCHter hauen ab. Sie wollen „was Anderes“, vor allem jedenfalls nicht mehr Erwartungen entsprechen. „Der gesellschaftliche Reim“ – soll nicht mehr sein. Ein Plädoyer auf das Ver-rücktsein.

Öffentlicher Raum und Körper stehen im Zentrum der aktuellen Krise, sind mit Restriktion belegt. Der öffentliche Diskurs verschiebt sich zunehmend in den digitalen Raum. Was macht es mit uns? Der öffentliche Raum und der Körper, bzw. das physische Spiel sind die Basis der künstlerischen Arbeit von TheatreFragile (TF). Im Projekt steht die Auswirkung des physical distancing auf szenische und performative Formen im öffentlichen Raum und auf das Publikum im Fokus. Hierfür setzt sich TF mit den Veränderungen im öffentlichen Raum als Bewegungs- und Begegnungsraum und den notwendigen Anpassungen bei der spezifischen Art und Weise, wie TF Stadtraum und Menschen begegnet, auseinander. Der öffentliche Raum bietet die Möglichkeit, mit emanzipatorischer Kraft drängende Fragen physisch als Gesellschaft zu thematisieren. Welche Formate mit der Qualität von menschlicher Nähe sind jetzt relevant und möglich? Durch Recherche, Feldforschung und Reflektionszeit werden Lösungsansätze für diese Fragen gesucht und in Konzeptionsprozessen umgesetzt. Sowohl der Prozess als auch die Publikationsformate werden aus der künstlerischen Praxis geschöpft (kreatives Schreiben, Stimmcollagen, Skizzen, Masken…).

In dem ergebnisoffenen Projekt nehmen Quast & Knoblich die Krise als Reflexionsraum, um ihre Arbeitsweise und Formate mit der Kategorie sozialer Klasse zu befragen. Wie drückt sich deren working class-Hintergrund in ihrer Arbeitsweise, Dramaturgie und Performerhaltung aus? Inwiefern lassen sich deren Formate als „class-Dramaturgie“ beschreiben? Was hat sie dazu bewegt, klassische Dramaturgien zu verweigern, zu stören, zu strapazieren und das Publikum in seinen Ambivalenzen herauszufordern? Wie verändert sich die Lesart der Praxis, wenn die Kategorie Klasse nach Corona stärker in den Fokus rückt?

Erstellung von einem Video-Trailer für alle vorhandenen Inszenierungen für zukünftige Gastspielaquisen.
Um die momentane Zeit des geschlossenen Theaters zu überbrücken, werden Theatrium Steinau ihre Werbung für Gastspiele überarbeiten und verbessern. Für aktuelle Inszenierungen wird jeweils eine Videodokumentation angelegt und ein Video-Trailer erstellt.

Im Märchen Dornröschen der Gebrüder Grimm belegt eine böse Fee die neugeborene Prinzessin mit einem grausamen Fluch als Rache dafür, dass sie zum Fest zu Ehren der Prinzessin ausgeladen wurde. Der Fluch führt dazu, dass die Prinzessin an ihrem fünfzehnten Geburtstag in einen hundertjährigen Schlaf versetzt wird. Was träumt Dornröschen während diesen hundert Jahren Schlaf?
„Sleeping Beauty’s Dreams“ ist ein dokumentarisches Video-Performance-Projekt, das sich mit dem menschlichen Unterbewusstsein während der Covid-19-Pandemie beschäftigt. In der Arbeit erzählen unterschiedliche Performer*innen – hinter den Glasbarrieren ihrer Computermonitore – von ihren nächtlichen Träumen. Zusammen wird über Video-Call-Regie ein inszenierter Rahmen arrangiert, der ihrer aktuellen (Traum)Realität einen Ausdruck verschafft und in der Montage Teil eines übergeordneten Märchen-Narrativs wird, das die Performer*innen miteinander verbindet. Dabei wird nach Parallelen zwischen dem Fluch der bösen Fee und der gegenwärtigen Rolle der Natur gesucht und die Menschheit in der Quarantäne als Dornröschen im Zustand der Hibernation portraitiert.

Verein für Raum und Zeit e.V. wollen das Potential anderer Formate für ihre Arbeit erforschen, die unabhängiger zu produzieren sind, die sie nach der Corona-Krise einfacher, nachhaltiger und breiter anbieten könnten als deren bekannte „Ein-Schauspieler-Ein-Zuschauer“-Form. Thomas Manns Novelle „Der Tod in Venedig“ fasziniert sie schon länger. Dieses literarische wie hochaktuelle Material wollen sie nun auf seine Praxistauglichkeit überprüfen, zunächst im Hinblick auf einen Audiowalk, dann weiter in sich daraus entwickelnden Formen. Neben Recherchen zu Stoff, Autor und Viscontis Filmadaption werden geeignete Orte und Wege in Berlin untersucht, Textfassungen probehalber darüber gelegt, Sounds probiert – in digitalem Austausch zwischen Autor, Regie, Sounddesign, Sprecher und Dramaturgie. Wie verhalten sich Ortsbeschreibungen der Novelle zum realen Ort? Welche Wirkung erzielt dabei ein Venedig-Sound? Wie lässt sich die von Mann beschriebene Atmosphäre einer todgeweihten, zivilisationsmüden Stadt, einer Gesellschaft im Ausnahmezustand transportieren? Wie das distanzierte „Er“ des Erzählers zur subjektiven Hörer-Perspektive wandeln? Und was kann die Kunst leisten in Zeiten wie diesen, bei Thomas Mann und heute?

Wer arbeitet wie, mit welchen Mitteln und in welchen Kontexten? Wie wird künstlerische Arbeit organisiert – kollektiv oder hierarchisch? Woher kommt das Material? Welche Rolle spielt Gender? Was ist mit Politik? Gibt es ein Netzwerk? Wann ist Zeit für (Selbst)Sorge? – Was bedeutet Feminismus als politische und künstlerische Praxis?
„A Feminist Guide to Nerdom“ ist eine Webseite, auf der Swoosh Lieu Arbeitsweisen, Methoden und Strategien im Bereich Performance und Medienkunst mit anderen feministischen Künstler*innen diskutieren. Das Projekt wurde 2018 initiiert und wird stetig weiterentwickelt. Sie möchten die #TakeCare Förderung dazu nutzen, die Webseite weiter auszubauen und ein Format zu entwickeln, in dem über eine Anleitung andere Künstler*innen aus der Distanz selber Videos für die Webseite produzieren können, die auf die oben aufgezählten Fragen reagieren. Sie wollen sich dafür mit der Form des Tutorials auseinandersetzen: Wie lässt sich Wissen zugänglich machen, wie können wir einander über die Distanz etwas beibringen und was ist daran explizit feministisch? Es soll ein Guide entstehen, der es andern ermöglicht auf einfachem Wege Teil der Plattform zu werden. – Do it together!

März 2020 – weltweit spielen die Städte im Pianissimo, die Klänge, die sie normalerweise produzieren, sind kaum zu erkennen. Das Stadtleben schwebt zwischen den Resten alltäglicher Struktur und Unberechenbarkeit, keiner weiß, wie unsere Zukunft klingen wird.

Yui Kawaguchi und Aki Takase arbeiten seit 2008 mit der Duo-Serie „Die Stadt im Klavier“ zum Thema „Stadt“.  Die jetzige Situation ist ihnen Impuls, sich erneut auf eine Stadt-Recherche zu begeben. Vor dem Hintergrund von 160 Jahren deutsch-japanischer Beziehungen im Jahr 2021 nehmen sie mit Dramaturgin Rosi Ulrich die verschiedenen Metropolen in Deutschland und Japan in den Fokus. Zum Beispiel die kulturellen Hauptstädte Berlin und Tokio, die Handelszentren Kobe und Hamburg, die schrumpfenden Städte Eisenhüttenstadt und Yûbari usw. Wie stark schlagen sich die historischen Gemeinsamkeiten, die kulturellen Unterschiede und die jeweiligen Eigenheiten auf Tempo, Takt und Klang nieder – Und wie würde die gemeinsame utopische Stadt klingen?

Alle drei wollen Klang-, Bild- und Choreographie-Material sammeln, um ein für ein bis zu fünfköpfiges Ensemble aus Musiker*innen und Tänzer*innen umsetzbares Konzept zu entwickeln.

Für Konzerte ist die Anwesenheit und Sichtbarkeit der Musiker*innen unerlässlich. Bei Elektrokonzerten erleben Lehmann und Wenzel häufig, dass der Faden der Wahrnehmung zwischen Akteur*innen und Zuschauer*innen und damit das Verständnis dafür, wie die Musik entsteht, abreißt.
Für das Rechercheprojekt „sound of light“ beschäftigen sie sich mit Störgeräuschen, die durch verschiedene Lichtquellen und Motoren erzeugt werden. Also mit dem Hörbarmachen des Sichtbaren. Das Projekt ist eine Forschung zur Synästhesie.
Eine Elektrogitarre in der Nähe einer Leuchtstoffröhre hat einen einmaligen Klang. Ein Motor mit einem Drehzahlregler ist dem Pulswellenmodulator eines Synthesizers ähnlich. Was für Kombinationen sind noch denkbar, um Licht hörbar zu machen und wie kann das Ganze zu Musik werden? Lehmann und Wenzel beabsichtigen einen Katalog anzufertigen, der unterschiedliche Kombinationen von Tonabnehmern, Lichtstimmungen und Bewegungen festhält. Mit diesem kann es später möglich sein, interaktive und selbstspielende Installationen zu erarbeiten oder auf eigens gebauten Lichtmusikinstrumenten eine Virtuosität zu entwickeln. Das Projekt sensibilisiert außerdem für die Unmenge Elektrosmog, von der wir ständig umgeben sind. 

„Sentimental Bits“ ist ein recherche-basiertes Performanceprojekt, welches mit dem performativen Potential von künstlicher Emotions-Intelligenz (Emotions KI) experimentiert. Emotions KI erkennt Emotionen von Benutzer*innen aus körperlichen Quellen wie Mimik, Körperhaltung, Sprachmustern. Ziel des Projektes ist, sowohl Potentiale als auch Gefahren solcher Technologien zu erfassen und einen selbstbestimmten Umgang damit zu entwicklen.
In der Recherche wird Emotions KI wie jene der Firma Affectiva, oder von Real Dolls performativ untersucht und künstlerisch angeeignet, um die Interaktionsmöglichkeiten damit auszuloten. Die Integration von künstlicher Intelligenz in choreografische Prozesse soll neue Impulse für künstlerische Ausdrucksformen setzen und ermöglichen, Körper und Emotionalität im 21. Jahrhundert erweitert zu denken. Denn Ausdruck von Emotionen und soziale Kontakte verändern sich im Zuge ihrer Digitalisierung. „Sentimental Bits“ schließt an Glitch Art an, eine Kunstform deren ästhetisches Mittel der digitale Fehler ist, setzt jedoch den Körper selbst als Fehlerquelle und Unruhestifter ein und entwickelt physische und mimische Anti-Überwachungs-Techniken.

Papier als Form und Spielform, Entwicklung spielbarer Objekte und Figuren, verwandelbar, faltbar, formbar. Die Zerbrechlichkeit von Papier stellt für Theater 7schuh eine perfekte Eigenschaft dar, um die Darstellung von Prozessen (Arbeitshypothese) symbolisch zu imaginieren. Das Medium Papier im performativen Prozess. Das Material Papier ermöglicht es den Figurentheatermacherinnen, mit der Verletzlichkeit und Zartheit, die Papier in seiner Wirkung eigen ist, den sie bewegenden gesellschaftlichen Veränderungen in der Krisenzeit einen Ausdruck zu verleihen.

Ein kommendes Projekt (2021) von werkgruppe2 wird sich mit sexuellem Missbrauch in Institutionen befassen. Besonders im Fokus soll dabei der Missbrauch in Heimen von Frauen mit Behinderung stehen. Behinderte Frauen werden 2-3-mal so häufig sexuell missbraucht wie Frauen ohne Behinderung; thematisch zugehörig ist die Frage nach ungewollten Schwangerschaften und Zwangssterilisationen. Wie wird öffentlich über sexuellen Missbrauch in diesen Institutionen berichtet? Wie können Opfer selbst öffentlich berichten, was ihnen geschehen ist? Wie können sie zu ihrem Recht kommen? Was bedeutet das überhaupt?
In der Recherche sollen thematische, historische Hintergründe erschlossen werden, Online-Interviews mit Expert*innen (Selbstorganisationen, Soziolog*innen, Jurist*innen, institutionelle Träger) geführt werden. Ziel ist es, einen Leitfaden für Interviews zu erarbeiten und Kontakte zu Betroffenen zu suchen, so dass – nach Aufhebung der Kontaktsperre –mit Interviews mit Betroffenen begonnen werden kann. Sollten diese auch online geführt werden können, kann deren Beginn auch früher liegen.

Ziel der Recherche „Draußen vor den Türen“ ist es, Möglichkeiten für die Neuausrichtung des Projektes „Die Flaneure / 3. Teil“, das nicht nach geplantem Konzept realisiert werden kann, zu finden und zu testen. Die Recherche bezieht sich auf künstlerische wie technische Prozesse. Aufgrund von Reisebeschränkungen und Social Distancing können Schauspieler*innen nun nicht in europäische Metropolen reisen, dort flanieren, Eindrücke dokumentieren und zusammen mit dem fringe ensemble im Theater eine Performance erarbeiten. Die Recherche zielt auf die Beibehaltung des Flanierens und des fremden Blickes: Schauspieler*innen unseres Ensembles werden in den Städten, in denen sie leben (Bonn, Leipzig, London), vor die Türe gehen und, von einem Autor via der Meeting-Plattform Zoom begleitet. Fringe ensemble kombinieren einen Live-Walk mit Live-Cam mit dem Vorgang des Live-Writing und loten hierbei die Spielräume gegenseitiger Assoziation aus. Technisch erproben sie unterschiedliche Möglichkeiten des Live-Streams und der Verknüpfung verschiedener Orte und Perspektiven. Ausgewählte Arbeitsphasen möchten sie als Testphasen mit Feedback-Möglichkeit für die Zuschauenden online zugänglich machen.

In Zeiten von Kontaktverbot und Abstandsregeln erscheint die von Turbo Pascal entwickelte Arbeitsweise im Theaterraum auf unabsehbare Zeit unmöglich. In ihrem Vorhaben suchen sie nach Möglichkeiten, ihre Strategien der Interaktivität von Theater in den digitalen Raum zu übertragen. Wie können analoge Formen der Begegnung ins Digitale übersetzt werden? Welche Möglichkeiten der Interaktion bieten die vorhandenen Tools (Videokonferenz, Chats etc.)? Welche neuartigen Online-Settings müssen sie entwerfen, damit 1:1 Situationen, Kleingruppenmeetings und Großversammlungen möglich sind, obwohl die Akteur*innen allein zu Hause vor ihrem Computer sitzen? Wie starten sie gemeinsame Denkprozesse, die vor, während oder nach der Aufführung analog und digital weitergeführt werden können?
Turbo Pascal erproben kurze Formate und entwickeln ein erstes Schnittmuster für interaktives Heimtheater im virtuellen Raum, welches auch in Zeiten des „social distancing“ besucht werden kann, sogar über Ländergrenzen hinweg. Als experimentelle Plattform steht u.a. das Montagscafé zur Verfügung, eine wöchentliche interkulturelle Veranstaltung der Dresdner Bürgerbühne, die seit Ende März per Videoschaltung stattfindet.

„TransSENSUALITY“ beschäftigt sich mit der Konstruktion von Realität im VR-Erlebnis und der Rolle der wahrnehmenden Sinne und wird 2021 als begehbare Performance inszeniert. Die Idee basiert auf einer drei-teiligen Versuchsanordnung mit unterschiedlicher Gewichtung der Sinne. Im 1. Raum führt ein Avatar die Zuschauer*innen über VR-Brille und Sound in eine virtuelle Ich-Erzählung. Im 2. Raum beobachten die Zuschauer*innen die Menschen der 1. Versuchsanordnung, erleben ihre Reaktionen und ihr Umfeld, das sie nicht registrieren können. Die Geschichte über Kopfhörer, diesmal erzählt aus einer neutralen Perspektive, scheint die gleiche wie vorher zu sein und doch ergeben sich neue Zusammenhänge. Im 3. Raum begegnet man dem „virtuellen“ Avatar als „realem“ Roboter, der Fragen beantwortet. Kann er helfen das VR-Erlebnis mit der Beobachterposition zur Deckung zu bringen?
In den hier zu entwickelnden Erzählsträngen gilt es, die Trugbilder der getäuschten Sinne und die Dimensionen von Wahrheit als Figuren und Begegnungen, inspiriert von Don Quijote, lebendig werden zu lassen.

„IMAGINE – THE FUTURE“ dient der Gewährleistung der Kontinuität der begonnenen künstlerischen Arbeit: Gemeinsam mit Helen Schröder (Dramaturgie) und Teresa Hoffmann (Choreografie) wollen die Künstler*innen einen abrupt unterbrochenen Probenprozess auswerten und archivieren, sowie vertiefende Recherchen zum Themenkomplex Mythos und Biotechnologie führen – nach welchem Bild werden die Körper der Zukunft modelliert? Mit einer daraus entwickelten digitalen Lecture-Performance wird das begonnene Projekt beworben: In der Akquise sollen weitere Spielstätten als Kooperationspartner gewonnen werden. Inhaltlich beleuchten sie dabei kritisch Metamorphosen von Körpern und Gemeinschaften. Wir denken den Körper mit Haraway als Vielheit, an sich gemeinschaftlich und in Intra-Aktion mit seiner Umwelt. Mit der Covid-19 Pandemie wird dies spürbar: Körper sind keine abgeschlossenen Einheiten. Aspekte von Wandel und Gemeinschaft, Solidarität und Mit-Einander werden neu verhandelt. Die Künstler*innen wollen die eigene künstlerische Arbeit in Verbindung setzen mit der sich aktuell gesellschaftlich vollziehenden Transformation. Welche neuen Körperbilder ergeben sich durch das Virus? Wie werden Körper-Grenzen neu definiert?

florschütz & döhnert denken über die Fragilität nach, in der wir uns befinden. Neben nachbereitender Ausarbeitung von theaterpädagogischen Dossiers und vorbereitender Gastspielakquise werden sie an Ideen und Konzepten für neue Projektanträge arbeiten. Dafür starten sie eine inhaltliche Recherche zum Thema: „fragile Körper“. SIe wollen den Körper und seine Fragilität anhand von Modellen betrachten. Es gibt Modelle von menschlichen und geometrischen Körpern und Objekten. Das Modell dient u.a. in den Naturwissenschaften als vereinfachtes Abbild der Wirklichkeit, das sich sinnlich, durch optisch wahrnehmbare Gegenstände darstellt. Was passiert, wenn die künstliche Modellwelt den physischen Störeinflüssen einer realen Außenwelt ausgesetzt wird? Idealisierte Objekte versus Realität. Melanie Florschütz begibt sich auf digitale Recherche zu Atom-, Vollkörpermodellen und wissenschaftlichen Versuchsanordnungen und lässt sich von der ästhetisch-inhaltlichen Betrachtung von Modellsituationen im theaterfernen Umfeld für zukünftige Projektideen im Objekttheater inspirieren. Michael Döhnert erarbeitet in seinem Musikstudio Kompositionsskizzen für imaginäre Innenräume von Körpern und Objekten und sucht die akustische Abbildung dieser Räume.

Europa steckt in einer Krise, die weit über die Folgen von Corona hinausgeht. Das Schließen der Grenzen, das Entstehen einer Diktatur in der EU, die humanistische Katastrophe an den Außengrenzen, der Streit um die Euro-Bonds. Europa hat eine Identitätskrise, Europa ist krank.
Die Künstler*innen möchten mit „Europe from Below“ Europäer*innen ins Zentrum ihrer Arbeit stellen, die jeweils an den Rändern der Gesellschaften leben. Ausgangspunkt soll dabei der Hamburger Flaschensammler Michael Rethke sein, dessen tägliche Routine wir in „8 Cent Leben“ (Mai 2019 am LICHTHOF, eingeladen zu den Lessingtagen) dokumentiert haben. Herr Räthke nimmt seit Jahren sein Wahlrecht nicht mehr war. Er ist Rentner und muss doch von Armenspeisungen und Pfand leben. Welche Strategien haben andere Menschen, die nur noch qua Ausweispapier vollwertige Mitglieder ihrer Gesellschaften sind, entwickelt, um zu überleben, um ihre Würde zu bewahren?
Für „Europe from Below“ werden künstlerische Teams in der EU gesucht, die in einer gemeinsamen dokumentarischen Arbeit die Schwächsten porträtieren. Ziel ist es, zunächst ein Netzwerk zu bilden und Förderstrukturen aufzusetzen, um schließlich einen gemeinsamen Antrag zu stellen.

Theater en miniature wollen die nächsten Monate nutzen, um von den sechs Stücken für Kinder im Vorschulalter, die sich in ihrem aktuellen Repertoire befinden, eine Dokumentation zu erstellen. Diese soll eine Videoaufnahme der jeweiligen Aufführung enthalten, sowie Musikaufnahmen, Stücktexte, Lichtpläne und Fotos. Für die Videoaufnahmen werden die Stücke in ihrem Proberaum aufgebaut und die Aufführungen (ohne Publikum) mit mehreren Kameras gefilmt. Anschließend wird das Filmmaterial geschnitten und bearbeitet, so dass komplette Mitschnitte der Aufführungen entstehen. Für das Stück „Der Froschkönig“ wird außerdem ein professioneller Videoclip für ihre Webseite erarbeitet. Dafür werden sie sowohl Filmmaterial aus dem Mitschnitt der Aufführung verwenden, als auch eigens für den Clip eingerichtete Szenen filmen. Dieser Videoclip soll für die Verbesserung der Akquise von Gastspielen verwendet werden.

In einem neuntägigen Aufenthalt im „Panikraum“ wird ein Tanzfilm entstehen, welcher die (digitalen) Zuschauer*innen anregt, die momentane Krisenzeit in eine Zeit der Neuausrichtung zu transformieren. Der Rückzug in den metaphorischen Panikraum als zentrales Thema der Recherche. Wer sind wir, eingeschlossen in einen Raum? Welche persönliche Identität entwickeln wir, abgeschottet von einer Welt, die uns normalerweise vorformatiert, wie wir arbeiten, empfinden und denken sollen? In der vermeintlichen Sicherheit des Panikraums, können wir uns lösen von den „Gefahren von außen“ und uns die Frage stellen „Wer bin ich?“. Panikraum steht hier für einen sicheren Zufluchtsort, der die Möglichkeit eröffnet, die eigene Persönlichkeit unabhängig von äußeren „Gefahren“ (Konventionen, Regeln, Gesetze, u.ä.) zu untersuchen. In unserem physischen (Panik-)Raum (siehe Video) werden die Künstler*innen zu Entfesselungskünstler*innen dieser Konventionen und der eigenen Gedanken. Sind wir womöglich „freiere Persönlichkeiten“ in einem abgegrenzten Raum? Der Austausch der beiden Mannheimer Künstler soll in der Recherche weiter gestärkt und neues Publikum (über den digitalen Weg) generiert werden.

Das THEATER DER KLÄNGE verfügt aktuell über mehr als 40 komplette Mitschnitte von Aufführungen in hochwertiger Qualität, die fast alle in Drei-Kamera-Verfahren aufgezeichnet, anschließend montiert und zum größten Teil aufwändig nachvertont und gemischt wurden. Die Mastervideos (U-Matic und beta SP-Cassetten, sowie SD und HD-Mediafiles) sollen digitalisiert, mit Metadaten versehen und sämtlich auf Vimeo hochgeladen werden.

Zeitgleich wird versucht, Gastspiele für die Repertoireproduktionen (Bauhaus-Stücke: Das Mechanische Ballett, TRIAS-Das Triadische Ballett, Das Lackballett) zu akquirieren.

Nicht zuletzt wird es um eine umfangreiche Online-Recherche gehen, wie man Immersive-Spatial-Audio und 3-D VR-Systeme zur Simulation von Full-Dome-Audio-Vision nutzen kann, um einen kompletten Full-Dome Video- und Audiocontent zu entwickeln, der zunächst über VR-Brillen und Kopfhörer so angeschaut und angehört werden kann, wie es real später auch in einer Full-Dome-Show im Planetarium möglich sein soll. Diese Arbeiten sind dann elektronische Vorarbeiten zu einem später zu realisierenden Planetariums-Tanzprojekt mit dem Arbeitstitel „Das Kugeltheater“.

 

Für die Etablierung der eigenen Arbeit als Choreographin/Videokünstlerin plant Senem Gökce Ogultekin eine Archivierung ihrer bisherigen künstlerischen Tätigkeiten sowohl als Performerin, als auch als Choreographin/Videokünstlerin. Diese Archivierung soll helfen, ihre bisherige künstlerische Arbeit sichtbar zu machen und zu präsentieren.

„Oktoberkind“ soll die Erfahrungen der eigenen ostdeutschen Jugend in Sachsen-Anhalt dramatisiert und für die Bühne aufbereitet werden. Strobo Feuchtwangen ist Alter Ego. Die Erinnerungen der Verwandten werden in Telefoninterviews vermessen. 1984 wird Strobo Feuchtwangen in der Kleinstadt Sorge am Randharz auf die Welt gebracht. Sein Vater steckt bei der NVA, seine Mutter ist angehende Russischlehrerin. Mit dem Reaktorausbruch in Tschernobyl bekommt Strobo einen Bruder, mit Gorbatschow verliert der Kalte Krieg an Härte. Hinter vorgehaltener Hand hören die Feuchtwangens regelmäßig von Republikflucht, Ausreiseanträgen und Knast. Gehen oder Bleiben? Ihnen wird die Entscheidung abgenommen, heulend hocken sie vor der Glotze, verzichten auf Begrüßungsgeld. Mit Strobos Einschulung brennt das Heim. Asylbewerber*innen werden evakuiert, ein Sitznachbar ist plötzlich fort. Die Kleinstadt hat Beifall geklatscht, ist damit befasst, Westen zu werden, und lässt nichts aus: Autohandel, Eigenheimbau, Zuhälterei. Die Schule legt Schweigeminuten für verkehrstote Jugendliche ein, Strobo erlebt Homophobie im Sport und Verfolgungsjagden von Neonazis durch die Altstadtgassen. Dann sind die 90er plötzlich um, und Sorge droht das Millennium.

1) Umsetzen von Kindertheatergeschichten in Buchform: Alle vorhandenen Inszenierungen basieren auf selbst geschriebenen Geschichten. Seit Jahren werden Buchfink-Theater jeweils nach den Aufführungen gefragt, ob es die jeweilige Geschichte nicht als Buch gäbe … das war bislang aus Zeitgründen unmöglich. Nun können sie die Auszeit nutzen, die besten Geschichten/Inszenierungen mit entsprechenden Illustrationen in literarische Form zu bringen und im Selfpublishing/Eigenverlag/Print-on-demand zu veröffentlichen.
Die Vorerfahrung mit sechs bereits als E-Book veröffentlichten Kurzgeschichten, die aus unseren Improvisationstheater-Aufführungen entstanden sind (Ideenfänger-Edition), können sie dabei unterstützend mit einbringen.
2) Aufnahme der Geschichten als Hörbuch und Bereitstellung auf der eigenen Webseite, evtl. Finden eines Verlags, etc. …
Und zur Dokumentation:
3) Kurzvideos für öffentliche Plattformen über das Projekt, über die Art, Geschichten zu schreiben, Theater zu inszenieren, Figuren zu bauen und lebendig zu machen, etc. …

Das Projekt begann mit der folgenden Frage:
Warum nutzen wir nicht die ganze Freiheit unserer Kreativität? Warum bleiben wir Gefangene der Modethemen, mit denen es uns passiert, immer wieder das Gleiche zu produzieren?
Besonders in der „interkulturellen“ Szene serviert man allzu oft Geschichten, die von Gewalt, Krieg, Flucht, vergewaltigten oder verschleierten Frauen handeln!
Was man nicht erklären kann, setzt sich als Ziel, Perspektiven zu verschieben in Bezug darauf, was zwischen Singularitäten, Kulturen, Gemeinschaften, individuellem und kollektivem Gedächtnis (mit)geteilt werden kann. Das Unerklärliche, das Wunderbare, das Erstaunliche ist etwas, was der Menschheit gemein ist.
Autorin/Regisseurin Meriam Bousselmi begibt sich in die individuellen und kollektiven Erinnerungen, ihrem internationalen Umfeld und den vielfältigen Berliner Szenen und Subkulturen auf die Suche nach Momenten des „Unerklärbaren“ und nach Geschichten, die auf wundersame Weise Handlungsmacht und Heilung verkörpern.
So entsteht eine Kartographie Berliner Mirabilia an der Schwelle zum post-binären Zeitalter, und die textlich-performativ-konzeptuelle Grundlage für eine weiterführende szenische Arbeit.

Die nächste Produktion der Cie. Freaks und Fremde wird eine Inszenierung von Fassbinders „BLUT AM HALS DER KATZE“. Die Produktion und Premiere finden im Herbst 2020 statt, geplant als Performance mit einem Ensemble von 10 lebensgroßen Puppen, Projektionen und musikalischer Live-Komposition von Daniel Williams. Anlässlich des 30. Jahrestages der deutschen Wiedervereinigung soll diese Arbeit einen Rückblick auf die „alte Bundesrepublik“ werfen und ganz aktuelle Fragen des Zusammenlebens und nach dem Stand unserer Demokratie aufwerfen.
Die Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus brachten die Cie. Freaks und Fremde in die Situation, etliche Aufführungen und Einnahmen abschreiben zu müssen, die unter anderem ihr geplantes Vorhaben mitfinanzieren sollten.
Der Entwicklung der 10 Theaterpuppen wollen sie Zeit und Aufmerksamkeit schenken, und ihr Publikum an deren Entstehung und der Entstehung des Inszenierungskonzepts durch einen Blog auf ihrer Website teilhaben lassen. Über Fotos, Videos, Texte kann ihre Arbeit bis zum Probenstart verfolgt werden.

Auch die Beschäftigung mit Sprache, als Instrument zum Erfassen, Versinnlichen und Archivieren von „Tasks“, ist ein Kernelement der Bewegungsrecherche von CocoonDance, die die erfolgreiche Arbeit der letzten Jahre spiegelt, wie auch begründet. Seit 2016 entwickelt sich so, mit begeistertem Feedback, ein stetig wachsendes Glossar – mit der Funktion eines offenen Archivs – das ihr kollektiv gewonnenes Erfahrungswissen nicht nur speichert, sondern beständig dialogisch mit akademisch sowie nichtakademisch gebildeten Tänzer*innen überprüft, ergänzt und teilt. Also keine reine Transformation von Bewegung in Sprache, sondern ein stetig wechselseitiger kreativer Prozess.

In seinem Text „Deep Adaptation: A Map for Climate Tragedy“ spricht der bekannte Klimawissenschaftler Jem Bendell eine angsteinflößende Wahrheit aus: Wer die neuesten Erkenntnisse der Wissenschaft unvoreingenommen liest, der müsse zur Ansicht kommen, dass ein Kollaps unsere sozialen und politischen Systeme in den nächsten 10 bis 20 Jahren unausweichlich sei. Klimawissenschaftler hätten ihre Erkenntnisse aus persönlichen, strukturellen und institutionellen Gründen eher beschönigend, denn in aller Klarheit dargestellt.

Wir stehen damit mit Corona am Beginn einer Serie von Krisen. Laut Bendell besteht unsere gesellschaftliche Aufgabe darin, resiliente, adaptive soziale Gruppen aufzubauen. „Exploring Deep Adaptation“ ist eine theoretische Recherche und Kartierung, die danach fragt, welches Wissen Tanz und Theater hier beisteuern können: Welche Versammlungsformen, welche Praktiken der körperlich-somatischen Selbst- und kollektiven Sorge können wir vermitteln, wie sieht eine zeitgenössische Form von „Radical Hope“ (Jonathan Lear) aus? Die Recherche setzt einen Anfang für ein größeres interdisziplinäres Performance-Projekt, in dem „Deep Adaptation“ als theatrale Praxis erprobt wird.

„KOMPASS“ – Ruhe gekoppelt mit einer Hektik macht sich breit. Das KKT ist als analoger Wirkungsraum geschlossen. Auch die Probenvorgänge sind gestoppt. Zeitgleich kommen Fragen auf: Was passiert mit ihnen? Wo ist ihr Publikum? Wie können sie sichtbar bleiben? Welche neuen, digitalen Formate sind möglich? …

Diese Leere gepaart mit Chaos ist ein Katalysator für Veränderungen, deren WIRKrichtung die Künstler*innen mitgestalten möchten: Die Darstellenden Künste können – laborativ / experimentell und seismographisch / künstlerisch – die neue Situation betrachten und den „KOMPASS“ neu justieren. Was passiert gerade? Was verändert sich momentan, voraus- oder rückwirkend? Wie können wir die Kunst öffnen und Gesellschaft neugestalten? Inwieweit verändert sich Theater nach dieser Zeit ohne Publikum im analogen Raum? Welche neuen Formate entstehen im digitalen Raum? Wie wirken sich die sich verändernden gesellschaftlichen Bedingungen und Regeln auf die Darstellenden Künste, auf Kunst im Allgemeinen aus? Wie auf das Publikum, die Teilnehmenden? … Zu diesen Fragen möchte das KKT forschen. Im Internet, über (Telefon-) Interviews und in Zoom-Konferenzen. Analog getrennt und digital vernetzt.

Eine Idee zu einem Theaterprojekt zwischen Figurentheater und Live-Musik soll ausgelotet werden. Basis der Recherche ist Charles Baudelaires Gedichtsammlung „Die Blumen des Bösen“. In Anbetracht der aktuellen Lage interessiert das Figurentheater Wilde & Vogel zunächst der Ennui, eine Grundhaltung des lyrischen Ichs, des bis zur Entfremdung gelangweilten Großstadtmenschen. Die rund 100 Gedichte gilt es zu durchforsten und die Themenbereiche auf ihre Relevanz für uns als Künstler*innen zu überprüfen. Die Vorgehensweise soll dabei nicht im reinen Lesen der Texte verharren, sondern es sollen Skizzen entstehen: gebaute Skizzen zu Figuren und Masken sowie musikalische Kompositionen zu einzelnen Texten. Die Skizzen werden wiederum ausgetauscht und Inspiration für die Weiterarbeit der Kolleg*innen sein.
Zudem geht es um die Frage, in welcher Form diese Texte in einer Inszenierung Verwendung finden können und inwiefern sie auch als musikalisch-akustisches Material in Form von Tonaufzeichnungen dienen können.

Erarbeitung eines Programms für den in München im September 2019 eröffneten Studioraum Playground. Der Playground ist ein Labor für Recherchearbeiten, physical thinking sowie auch ein Ort, wo skizzenhafte Aufführungen und offene Trainings für (auch nicht) Tänzer*innen stattfinden. Anna Konjetzky sammelt gemeinsam mit ihren engen Arbeitspartnerinnen Sahra Huby und Quindell Orton Ideen und entwickelt Trainingsformate, die in dieser „besonderen“ Zeit angeboten werden könnten. Parallel arbeitet sie an den nächsten performativen Skizzen, die hoffentlich bald wieder im Playground stattfinden können.

Im Dezember 2019 feierte „DIE STILLE DER FAMILIE“ Premiere. Dafür hatten Citizen.KANE.Kollektiv filmische Porträts von Menschen mit außerfamiliären Perspektiven produziert. Familie ist ein Synonym für Geborgenheit, Sicherheit, Harmonie und Stabilität. Im Gegensatz dazu verstärkt das Wirtschaftssystem Individualisierung und Vereinzelung. Immer mehr Menschen leben nicht mehr in Familien. Sie finden sich irgendwie auch außerhalb der Gesellschaft wieder. In der besonderen Situation der COVID-19-Pandemie möchte das Kollektiv wissen, wie es den Porträtierten geht.

Patrick lebt in einem Heim für wohnungslose Jugendliche, Frau Hild in einem Pflegeheim, Mahdi im Haus der Stiftung Geißstraße 7 und Katrin in einer WG. Und dann gibt es noch Nele, die von ihrem Hundepfleger im Tierheim versorgt wird. Alle haben eine ganz eigene Perspektive auf diese Krise mit ihren Einschränkungen, Gefahren und Kontaktverboten. Das Kollektiv wird mit den fünf Protagonist*innen online Videointerviews führen und diese dokumentarischen Kommentare zur aktuellen Situation als erweiterte digitale Form unserer theatralen Arbeit veröffentlichen. So soll eine Reihe entstehen, in der Menschen von der Krise erzählen, die bisher nicht zu Wort gekommen sind.

 

Die Proben für die interaktive Theaterperformance „INTER-CAMBIOS“ hätten unter anderen Umständen in physischer Präsenz der drei Performer*innen stattgefunden. In der neuen Situation werden die Künstler*innen ihre gemeinsame Anwesenheit vom Proberaum des E-WERK Freiburg in einen gemeinsamen virtuellen Raum der Video-Präsenz verlagern. Aus den jeweiligen Wohnungen (Freiburg, Berlin und Lima) wird das Projekt mittels Video-Konferenz weiterentwickelt. Das telepräsentische Format wird nicht nur auf die Proben Auswirkungen haben, sondern sich in der geplanten Performance selbst wiederspiegeln: untersucht werden ab sofort Formen und Strategien virtueller Anwesenheit und Präsenz. Die Frage nach den globalen Konsequenzen anthropogener (Inter-)Aktionen, die dem ursprünglich geplanten Projekt zugrunde liegen, stellen sich in der jetzigen Situation umso mehr und sollen bei der zweiwöchigen virtuellen Proben- und Recherchephase weiterentwickelt werden. Wie sind wir Alle miteinander vernetzt? Wie sichtbar/unsichtbar sind diese Verflechtungen und ihr Einfluss auf die Umwelt?

FILM RISS THEATER wollen Schüler*innen in Gaza und Berlin auf einer Bühne über Bande Szenen improvisieren lassen via Livestream.
Dieser Heldenspielplatz greift auf das multimediale Objekttheaterformat IMPROVISIONEN / Schaubude Berlin zurück. Auf halbdurchlässigen Vorhang projiziert verwandeln sich Gegenständen aus der Ferne zu Mitspielern, mit denen man real interagiert. Nonverbal, lauthals und mit Händen und Füßen. Aus einer Berliner Zahnbürste wird ein Hexenbesen, auf dem ein Kind in Gaza reiten kann und auf der Bühne der Schaubude Berlin landet.
Das Projekt kann derzeit so nicht stattfinden. Um Diesen Heldenspielplatz internet-intern zur IndoorVariante umzuarbeiten, gilt es zu recherchieren: Wie viele können sich zuschalten? Wie viele Kameralayer kann man per CapturingDevice übereinanderlegen? Facetime? Zoom? Wer sind die Held*innen? Leyla und Medjnun? Samson? Robert Guiskard?

FILM RISS THEATER etablieren berlin-intern eine Studio-Wohnzimmer-Bühne und Schaltzentrale. Die Pilot-Mitspieler, ob Kinder, Jugendliche oder Spielzeugauto kommen aus aller Welt, wie später einmal das Publikum.

Kranabetters Vorhaben umfasst die grundlegende inhaltliche Recherche sowie die Suche nach Kooperationsmöglichkeiten für ein neues Beschäftigungsfeld. Es geht um performative Konzepte, die sich mit den rasant fortschreitenden Automatisierungsprozessen auseinandersetzen, um dabei der Allgemeinheit eine stärkere Stimme zu geben und diese künftig mehr auf das Gemeinwohl hin zu orientieren. KI/Algorithmen sollen künstlerisch genutzt werden, wobei Fragen der Wahrnehmung und ästhetischen Bewertung im Zentrum (Original vs. Kopie) der künstlerischen Experimente stehen. Partizipative Ansätze sollen die Funktionsweise (Intransparenz, Bias in Datensets etc.) erfahrbar machen – bspw. durch die kollektive händische Erstellung eines Sets. Es wird um die Recherche zu den aktuellen ethischen Diskursen bezüglich KI gehen, um technische Möglichkeiten sowie die Konkretisierung von Konzeptideen und die Gewinnung entsprechender Mitarbeiter*innen, auch auf technischer und wissenschaftlicher Seite.

Die Figur der „Frau Mond“ hat Ruth Brockhausen 1988 für das damalige Tourneetheater als Bauchladentheater entwickelt. Seither erzählt sie sehr erfolgreich Geschichten für Kinder ab 4 oder 5 Jahren, zum Beispiel „Die Sterntaler“ oder „Däumelinchen“. Mit dieser Figur möchte sie ein zusätzliches neues Konzept entwickeln, in dem kurze (ca. fünf Minuten) digitale Gute-Nacht-Clips erarbeitet werden sollen. Dies kann mit den Figuren der bisherigen Geschichten oder auch neu zu erfindenden geschehen. Diese Clips sollen regelmäßig auf der Seite des Theaters, auf Facebook und anderen digitalen Kanälen gezeigt werden.
Dazu bedarf es einer Themenrecherche, um Geschichten zu finden. Es müssen Szenen entwickelt werden, mit denen kurz, aber spannend, interessant und aktuell erzählt werden kann. Ausstattungspläne und -entwürfe sowie Überlegungen zu Musik und Geräusch gehören ebenso zur Konzeptentwicklung.
Daneben müssen weitere geeignete digitale Plattformen/Kanäle recherchiert werden, um eventuell auch etwas zu finden, worüber sich ein kleines finanzielles Zubrot erwirtschaften lässt. Ziel ist es, die Clips als zusätzliches Angebot zu etablieren und auch als Werbung zu nutzen.

Als professionelle Darstellerinnen und Regisseurinnen aus Berlin und Dresden arbeiten Ulrike Langenbein, Veronika Thieme und Marie Bretschneider seit mehr als zehn Jahren in der freien Szene und befinden sich momentan in der Gründungsphase ihres neuen Theaterkollektivs „Quadriga“, mit dem wir ab Herbst 2020 eine zweijährige Residenz am Societätstheater Dresden beginnen werden. In dieser Zeit sollen wir zwei Inszenierungen erarbeiten und eine monatliche Reihe entwickeln. Die aktuelle Situation stellt uns vor die Herausforderung, geplante Inszenierungen zu überdenken, neu zu greifen. Die erdachte Reihe „Qou vadis?“, eine monatlich stattfindene Bühnentalkshow, soll Dresdner Bürger zusammenbringen. Von Puppen interviewt können Menschen sich austauschen, andere Positionen und Leben kennenlernen. Sicherlich passend, nach einer langen Zeit der Isolationen. Die Recherche dazu umfasst die Auswahl von Themen und treffender Fragen, sowie das Finden und Kontaktieren der möglichen Gäste. Auch für die Künstler*innen eine neue Form. Unsere Vorbereitung zudem: wie strukturiert man einen offenen Dialog in einer gespaltenen Stadt? Die Herausforderung, sich auf Unvorhergesehenes einzulassen, wird ihren Blick auf das Theater erweitern und in weitere Arbeiten einfließen.

Konzeptentwicklung des neuen Projektes „The Wretched of the Moon“. Das Projekt untersucht das westliche Streben nach Expansion und zieht einen roten Faden von der „Entdeckung“ Amerikas bis hin zur nicht mehr allzu weit in der Zukunft liegenden Kolonisierung des Weltraums, insbesondere: des Mondes. Zur Recherche gehören postkoloniale Theorien und Expansionsutopien genauso wie konkrete zeitgenössische Vorhaben wie die von Elon Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX.

Zudem möchten die Künstler*innen gerne das Archiv ihrer künstlerischen Arbeiten der letzten 20 Jahre aktualisieren. Insbesondere Dokumentationen früherer Arbeiten, die in Israel entstanden, sind nicht vollständig in ihrem Besitz und es bedarf einer längeren Recherche, um das Material bei den Veranstalter*innen und Institutionen zu erfragen. Zu jedem ihrer Projekte gibt es nicht nur Video-Aufzeichnungen, sondern umfangreiche Blogs, Trailer, Texte, Interviews und Bilder. Sie möchten diese Fülle an Materialien sammeln, organisieren, bündeln und nach Möglichkeiten und Formen suchen, Teile davon online zur Verfügung zu stellen.

In verschiedenen Kulturen in Vergangenheit und Gegenwart gibt es frappierende Unterschiede in der Art, Menschen zu bestatten. Fast immer kommt es zu einem mehr oder weniger öffentlichen Ritual, das performative Qualitäten aufweist. Post Theater möchte die Dramaturgien, Gesten, Symbole, Kleidung und vor allem auch Vorstellungen vom „Leben nach dem Tod“ in verschiedenen Kulturen und Religionen recherchieren. Zentral in der Fragestellung ist, welche kulturhistorischen Traditionslinien sich bis heute in säkulare Gesellschaften fortgesetzt haben. Denn die Erfahrung zeigt: selbst areligiöse, agnostische / atheistische Menschen werden bei Bestattungen in ihren Überzeugungen verunsichert. Möglicherweise ist das letzte Sakrament für viele die einzige Begegnung mit der Welt des Transzendentalen. Die Recherche beinhaltet die Lektüre der kulturgeschichtlichen Untersuchungen über Bestattungsrituale, aber auch den aktuellen Markt der Bestattungsdienstleistungen. So gibt es ein immer größer werdendes Angebot an Dienstleistungen, wie „die letzte Reise“ begangen werden kann – bis hin zur See- oder gar Weltraumbestattung. Ziel ist die Vorbereitung einer Medien-Performance über diese Rituale.

Die Position des Countertenors im Opern-Betrieb ist seit jeher eine spezielle, nicht nur musikalisch. Mit der Ausbildung einer Countertenor-Stimme gehen immer auch soziale/politische Positionierungen einher, die sich um Fragen von Geschlecht/Gender, Artifizialität und Köper-Politiken drehen. Schon im Barock verweist die Künstlichkeit barocker Kastraten-Arien auch auf einen anderen Körper als den, der den Gesang produziert, auf eine nicht-/außermenschliche Sphäre: von Engeln, Geistern, Natur, Technik. Dabei entsteht ein Körper, der zugleich gefeiert und ausgeschlossen, vergöttert und gefürchtet wurde. Das Projekt „VOICES OF (S)CARE“ entwickelt ein gemeinsames Forschungs-/Übungsmodell, das in Zeiten erzwungener „sozialer Distanz“ Stimme/Gesang für das digitale Zeitalter erprobt. Wie wäre es, von unseren Arbeitszimmern in der Isolation aus und an unsere Computer-Programme für Stimmbearbeitung & Komposition angeschlossen, die Begegnung von Counter und Cyborg, von Mensch, Musik und Maschine (neu) zu imaginieren? Wie singt man zusammen eine Zoom-Konferenz? Was wären Lieder (der Sorge), die Trost spenden gegen die Furcht unserer Zeit? Gesungen von welchen Körpern? Und wie klingt eigentlich ein Virus?

„digital expansion“ ermöglicht die Schulung im Umgang mit digitalen Medien und deren Anwendung für interaktive Projektentwicklung im Zeichen von social distancing und darüber hinaus. Livestreaming, virtuelle Konferenzschaltungen, die auf performative Interaktion ausgerichtet sind, sowie der Umgang mit Action-Cams als Mobilität im realen für den virtuellen Raum werden erlernt und erforscht. Die filmische Bildgestaltung wird in ihren visuellen Möglichkeiten der künstlerischen Gestaltung für differente Erzählräume erprobt.
Die erlernten Fähigkeiten bilden die Grundlage für zukünftige digitale Projektentwicklungen, sowie für die möglicherweise erforderliche Transformation bereits geförderter Projekte in den virtuellen Raum. Des Weiteren werden hybride Formate entwickelt, die analog mit digitalen Elementen funktionieren, sowie im Zuge von anhaltender Distanzierung Analoges ins Digitale transkribieren.
Darüber hinaus sollen geeignete Möglichkeiten des Generierens von Einnahmen mit digitalen Formaten recherchiert werden, die beispielsweise das Prinzip partizipativer Preismechanismen wie „Name your own price“ nutzen und so eine gegenseitige Wertschätzung erlauben.

Die Theaterwerkstatt Hannover wurde 1976, in der Utopie ein alternatives Kommunales Theater zu schaffen, von Schauspielabsolvent*innen der MuHo als GmbH gegründet. Foto- und Filmmaterial, Programmzettel, Einladungskarten, Produktionsdokumentationen sind Zeugnis eines fast 45 Jahre währenden kollektiven Theaterlabors, das bis heute projektbasiert funktioniert. Die Vorstellungen waren über die Jahrzehnte immer am Puls der Zeit: Stammheim todsicher, Aidsfieber, Kreuzzüge, Waldbewohner oder Sonnen der Wüste sind beispielhafte Titel. Vom emanzipatorischen Kindertheater über postdramatische Spielformen bis zur experimentellen Performance, immer eng im Kontakt mit dem Publikum entwickelt, sind anschauliche Dokumente vorhanden, die es lohnt aufzuarbeiten und einer Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Zunächst in der Digitalisierung des Materials und exemplarischen Einstellung auf Website und Youtube-Channel; ggf. in Folgeprojekten: Dokumentation von Arbeitsstrukturen im Kollektiv, Aufbau von Netzwerken; Aufarbeitung von Förder- und Besucherstrukturen, Zuschauerzahlen, sowie Vorbereitung einer umfangreichen Dokumentation zum 45-jährigen Bestehen der Theaterwerkstatt Hannover im Jahr 2021.

Vor Covid-19 haben sich unermüdliche, resiliente, fragile Organismen in „Bodies and Structures“ von A. Waierstall mit der „Arena“ von Rita McBride entfaltet. Gemeinsam kehren sie nun zu einer Basis zurück, um von dort mit der durch das Gruppenstück gewachsenen Konnektivität künstlerische Kontinuität herzustellen und zukunftsweisend zu reflektieren. Das Solo „Sounding Silence“ – Basis für „Bodies and Structure“ – dient als Ausgangspunkt. Es passt qua Arbeitsform und Inhalt in die Zeit der Distanzierung: Ein Raum wird eröffnet, in dem die Wahrnehmung neu organisiert und die Bewegungssprache durch die Aufmerksamkeit für die Umwelt gelenkt wird, insbesondere durch das Gehör. Derzeit sind lebendige Plätze erstarrt und Innenräume erwacht. Diese undefinierten und unerfahrenen Räume werden aktiviert, wenn die Tänzer*innen das Bewegungsmaterial des Solos entfernt voneinander lernen, gemeinsam reflektieren, um es später zu performen, zu gleicher Zeit mit unterschiedlichen lokalen Kontexten. Die Reflektion wird durch die Verbundenheit bei gleichzeitiger Vielstimmigkeit getragen und beeinflusst. Der ergebnisoffene Prozess bezieht digitale Räume, sinnliche Erfahrung, Text, Zeichnung etc. ein.

Das Recherchevorhaben dient der Vorbereitung einer Puppen- und Objekttheaterproduktion für ein Publikum ab 12 Jahren, die in Kooperation mit „Das Weite Theater“ Berlin und „T-Werk“ Potsdam entsteht. Die Produktion widmet sich den ur-europäischen Sagen um König Artus und dem Zauberer Merlin, die die menschlichen Sehnsüchte nach einer Rückkehr in eine mythisch paradiesische Welt, wie in populären Fantasyserien, berühren. Was steckt hinter diesem Eskapismus in einen virtuellen Raum? In der Recherche zum Artus-Stoff setzen sich die Künstler*innen mit der Dialektik von Bestimmung und Selbstbestimmung auseinander. Wie gehen wir heute in unserer scheinbar komplexer werdenden Welt mit den Rufen nach einer „starken Führung“, nach Ordnung und Sicherheit um? Wie begegnen wir dem Wunsch nach einer einfachen Unterscheidung von Gut und Böse? Wie stillen wir die kindliche Hoffnung auf einen weisen König, der uns aller Verantwortung enthebt? Oder wie sehen, im Gegensatz dazu, unsere heutigen Helden aus, die sich selbstbestimmt auflehnen gegen die Zustände, die versuchen, das Unmögliche zu schaffen, den Drachen zu töten? Ziel ist es, fragmentarische Texte und Szenarien als Grundlage für die Probenarbeit anzulegen.

Einhundert Jahre nach seiner Uraufführung bringen satelita Musikverlag 2021 eine aktualisierte Fassung von Karl Capek´s „Rossum´s Universal Robots“ als Musiktheater auf die Bühne. In dem Stück – das Isaak Asimov als „das schlechteste wichtige Stück seiner Zeit“ nannte – löst die massenhafte Entwicklung von biologischen Humanoiden die komplette Auslöschung der Menschheit aus. Nur ein einziger Wissenschaftler wird am Leben gelassen, um eine Formel zur Reproduktion der „Roboter“ genannten Wesen zu finden und so eine neue Zivilisation aufzubauen. Der Autor schuf für dieses Stück den Neologismus „Roboter“ und eine Blaupause für etliche Werke der Science Fiction. Im Rahmen des #TakeCare-Programms entwickeln satelita Musikverlag ein Libretto und Konzept für das Musiktheater, das die ursprüngliche Geschichte lediglich als Gerüst verwendet, um den darin angerissenen grundlegenden Fragestellungen nachzugehen: Wenn es kein Zurück zum Status quo gibt – was für eine Welt wollen wir nach einem Kollaps aufbauen? Kann aus der Katastrophe eine utopische Bewegung und lebensbejahende Vision entstehen? Sie greifen dabei auch auf das „Denken in einer schlechten Welt“ des französischen Philosophen Geoffroy de Lagasnerie zurück.

Die Produktion „Lauf so schnell du kannst“ ist auf unbestimmte Zeit verschoben. Zum Thema Traumata im Zusammenhang mit rechtem Terror in der deutschen Historie hat das Institut für Widerstand im Postfordismus einen abstrakten und absurden Performancetext entwickelt, der die Bedrohungen und Angst vor einem wieder aufkommenden Faschismus thematisiert. Wenn die Künstler*innen die Performance in dieser Ursprungsfassung nach der Corona-Krise unbearbeitet aufführen würden, würden alle Zuschauer*innen beim Hören des Textes unmittelbar an die Gefahren durch die Corona-Pandemie denken. Ihnen ist aber wichtig, dass das Ursprungsanliegen erhalten bleibt. Gleichzeitig stellt sich die Frage, inwieweit sie dennoch auf die Erfahrungen unter Corona Bezug nehmen wollen. Dazu wollen sie via Zoom diskutieren und die entstandenen Texte überarbeiten bzw. ergänzen.

Digitale Interaktion prägt immer weitere Lebensbereiche unserer Gesellschaft, in Zeiten von Corona wird diese Entwicklung extrem verschärft. Für viele ihrer Performances haben Interrobang bereits eigene Formen der digitalen Interaktion entworfen, diese sollen im Rahmen des Projektes weiterentwickelt und den neuen gesellschaftlichen Situationen angepasst werden. Konkret wollen sie z.B. daran forschen, inwieweit ihre auf O-Ton-Montagen basierenden Arbeiten (wie z.B. „Die Müllermatrix“ oder „Die Philosophiermaschine“) auch kontaktlos über eine Webseite performt werden können. Es soll recherchiert und ausprobiert werden, welche Formen der digitalen Interaktion in einer Performance-Situation von einem Live-Publikum genutzt werden können. Weiterhin soll der Projektzeitraum dazu genutzt werden, das gruppeneigene Archiv zu digitalisieren und zu strukturieren. Schließlich soll im Rahmen von #TakeCare auch eine vorbereitende Gastspielakquise stattfinden.

Somatisches Bauen ist eine künstlerische Praxis, die Elemente aus Bewegung/Performance mit Bildhauerei/Objektkunst vereint. Die Praxis besteht aus zwei Teilen: mit Hilfe von körperlich-somatischer Praxen wärmen die Künstler*innen Körper-, Objekt- und Raum-Wahrnehmung auf. In einem zweiten Schritt nutzen sie das somatische Bewusstsein für ein körperbasiertes Bauen von Installationen mit gesammelten Dingen. Dabei entstehen instabile Konstrukte, kleine Versammlungen oder sich wiederholende Muster aus Körper und Ding.
Folgende Fragen leiten die Recherche: Wie kann über detaillierte Wahrnehmung und Aufmerksamkeit Bezug zu unbelebten Dingen aus unserer Umgebung aufgenommen werden, und welcher Natur sind die entstehenden Installationen? Den Dingen Zuhören wird als eine körperliche Tätigkeit erprobt.
Recherchevorhaben ab jetzt: Vertiefende Theorierecherche; Sichten von Produktionen, die sich der Verbindung von Ding und Körper widmen; Weiterentwicklung der Praxis im Studio zu zweit oder über Zoom; Entwicklung eines Manuals, um die Recherche festzuhalten und mit anderen teilen zu können; Entwicklung eines performativen Ausstellungsformats.

Das Ziel ist eine Recherche zu einem interdisziplinären performativen Ansatz zwischen Musik und Tanz und theatralem Spiel als Vorarbeit für eine interaktive Solo-Performance mit dem Titel „i“ für ein Publikum zwischen 0 und … Jahren. Hierfür untersucht Andreas Pichler die „Grundbewegungen“ Liegen, Sitzen, Gehen, Stehen, Laufen, Klettern und Kämpfen. Meine Bewegungsanalyse von der menschlichen und tierischen Entwicklung im Sinne der Evolution zeigt den Lebenszyklus eines Individuums vom Zeitpunkt der Geburt bis zum Tod. Die Gegensätze der Individualität und Einheitlichkeit sind ihm dabei wesentliche Wegweiser in der Untersuchung des Körpers als Instrument.

„#viralmoves“ ist gleichzeitig Stückrecherche und kreatives Event. Ziel ist, ein Konzept für eine pandemie-taugliche Tanzproduktion zu entwickeln, die ein sinnliches, komplexes Tanzerlebnis ohne klassische Aufführung ermöglicht. Die das Theater als Erlebnis- und Produktionsort integriert, aber notfalls auch im Wohnzimmer mitreißt. (Und nein: ein Live-Stream reicht nicht als Antwort.)

In moderierten Videokonferenzen untersucht die Company, wie Tanz auf Pandemie antwortet. Welche Parallelen zu historischen oder zeitgenössischen Situationen sind inspirierend? Welche Corona-Erfahrungen lassen sich als choreographische Anweisung lesen? Wie lässt sich Theater in private Räume transportieren? Vielversprechende Ideen halten die Tänzer*innen auf quadratischen Karten fest, die ausgetauscht, ergänzt, verknüpft werden. Ganz analog mit Stift, Papier und Postbote entsteht ein stadtplanartig gefaltetes Mosaik von Inspirationsquellen für die neue Produktion.

Ein kreativer Prozess, der digitale und analoge Arbeitsweisen, Echtzeit und Auszeit, private und öffentliche Räume europaweit verbindet und selbst in (soziale) Medien geöffnet wird, so dass die SWDC auch jetzt ihr Publikum erreicht.

Während des gemeinsamen Projekts – „SolAir Silmande“ – das in Berlin, Hamburg und Ouagadougou/Burkina Faso stattfand, war bei allen Beteiligten der Wunsch nach Fortsetzung und Weiterführung sehr groß. Eine Recherchereise sollte von der deutschen Künstler*innengruppe im Laufe des Jahres stattfinden, um die gemeinsamen Visionen mit den Kooperationspartnern vor Ort konkret zu entwickeln: dem Musiker Patrick Kabré, dem Bühnenbildkollektiv Face aux Scenaux und dem Videokünstler Joseph Tapsoba.
Durch die Pandemie ist diese Reisetätigkeit auf unbestimmte Zeit verschoben. Daher soll eine Recherchephase und Konzeptentwicklung in der Zeit von Mitte Mai bis Mitte August 2020 in drei intensiven Arbeitstreffen in Hamburg mit Video-Konferenzen nach Ouagadougou diese Reise ersetzen.
Die Vision einer mobilen Bühne, die als gesellschaftlicher Treffpunkt und flexibler Kultur-Raum die verschiedenen und räumlich stark getrennten Orte von Kabrés Atelier Silmande in Ouagadougou verbindet, steht dabei im Vordergrund. Das performative Prinzip von SolAir Silmande, bei dem auf Bühnen in Deutschland Konzerte gegeben werden, um damit neue Bühnen in Ouagadougou finanzieren und bauen zu können, bleibt bestehen.

„-Ich geh dann mal duschen.-Schwimm nicht zu weit raus!“
Am Anfang steht eine Opern-Performance über das Tauchen. Auf dem Meeresgrund hört man den Herzschlag der Welt, aber kann nicht sprechen. Die Performance wird abgesagt. Inmitten der rasanten Massenisolation und eines veränderten Herzschlags der Erde wirkt eine inszenierte Weltflucht wie eine bizarre Doppelung. Dieser Doppelung wollen Hauen und Stechen nachspüren und fragen verwirrt, aber mit Nachdruck: Wie kann aus dem Tauchgang Politik werden? Und wie kommuniziert man das alles?
Den Herzschlag der neuen Welt erspüren sie mit neuen theatralen Formen und verhandeln, was Privates, Sichtbares, Mutiges und Einsames heißt.
In dem zehntägigen performativen Labor bildet die physische Beschränkung die Grundlage. Sie spielen im luftleeren Raum. Die Videoarbeit von Martin Mallon bildet den Knotenpunkt der Erkundung. Michael Kleine entwirft eine Ausstattung über Videokonferenz und Tutorials. Vera Maria Kremers maskiert sich und singt. Es gibt ein Bad, ein Gespräch, einen Greenscreen, viel Schnitt, und am Ende vielleicht eine andere Welt, die der unseren etwas zu sagen hat.

Das Projekt im Rahmen von #TakeCare möchte Themen aufgreifen und weiterführen, die der Live-Bühne entzogen sind. Ausgehend von der Produktion „The Way You Look (at me) Tonight“ setzen sich Jess Curtis und Claire Cunningham weiterführenden Dialogen zu den im Stück angeschnittenen Themen digital aus. Ob es um queere Objekte geht, ein digital inszeniertes Walk&Talk, philosophischen Fragen der Wahrnehmung Alva Noe’s – das Projekt möchte in Zeiten der Isolation einen inhaltlichen Rahmen schaffen um einerseits den Ausfällen von Gastspielen etwas entgegensetzen und andererseits eine Brücke zwischen sozio-relevanten Themen und der virtuellen Gegenwart schlagen. Das digitale Gespräch soll mithilfe des Dramaturgen Luke Pell innerhalb von zwei Tagen konzipiert und zwei weiteren Tagen aufgenommen werden und auf gängigen Online-Plattformen zugänglich sein. Nicht nur inhaltlich sondern auch künstlerisch ist ein experimentelles Format anvisiert.

Konzeption einer mobilen Stückfassung für Klassenräume sowie nachbereitende Archivierung zweier Produktionen als Basis für spätere Gastspielakquise.
Ende Januar 2020 hatte die Duoproduktion „CYFRE“ in Saarbrücken Premiere. Außer für das Abendpublikum spielten Liquid Penguin Ensemble das Stück auch für Schulklassen der Oberstufe. Die Reaktionen waren überaus positiv. Sie möchten im Rahmen dieses Projektantrags eine mobile Fassung von „CYFRE“ konzipieren, um damit auch in Klassenräumen auftreten zu können.

Im Nov 2019 war eine andere Musiktheater-Neuproduktion entstanden: „GRAS WACHSEN HÖREN – Tag der offenen Tür im Biolingua-Institut“ mit vierköpfigem Ensemble auf Basis des gleichnamigen Hörspiels (SR 2007). Das Festival Wien Modern hatte Liquid Penguin Ensemble zur Produktion dieser Neufassung für junges Publikum eingeladen, im Dschungel Wien / Theater für junges Publikum fanden 12 Vorstellungen statt.

Bei beiden Produktionen, „CYFRE“ und „GRAS“, hatten sie die Gelegenheit, Videomaterial zu drehen und Tonaufzeichnungen der Aufführungen zu machen. Sie möchten nun diese Rohaufnahmen sichten, geeignete Dokumentationsformate konzipieren und fertigstellen, als Material für die spätere Gastspielakquise.

Mitten in der Innenstadt wird über vier Tage ein Haus gebaut – ohne Plan und ohne Architekt, aber die Akteure arbeiten und leben dort gemeinsam. Thema ist das Zusammenleben in Europa. Die interdisziplinäre und partizipative Theater-Performance ist als eine Art Feldversuch geplant, bei dem vier europäische Partner*innen aus Frankreich, Niederlande, Polen und Deutschland zusammen entscheiden müssen, wie dieses Haus gebaut wird und welche Regeln des Zusammenlebens Bestand haben. Jeden Tag wird an dem Haus gebaut – und jeden Abend ist ein performatives Ereignis geplant. Theater Titanick plant eine ausführliche Recherche und Reflexion über die Kernpunkte des Themas, die Entwicklung von möglichen Szenarien, und die Formen der Partizipation. Sie werden Videokonferenzen mit den Partner*innen durchführen und eine ausführliche Konzeptbeschreibung entwickeln, in der die verschiedenen künstlerisch-ästhetischen Ansätze der Partner*innen – Theater/Raum, Musik/Sounds, digitale Medienkunst und Tanz/Performance – einfließen. Sie werden Zeichnungen und Modelle entwerfen, die Raum-Dimensionen erkunden, um daraus konkrete Arbeitsschritte zu formulieren als Voraussetzung für fundierte Anträge in Deutschland und Europa.

„Am 19. Februar 2020 erschoss ein rassistischer Attentäter in der Hanauer Innenstadt neun Personen und anschließend seine Mutter und sich selbst. Hanau ist meine Heimatstadt. Obwohl ich mich seit der Selbstenttarnung des NSU mit rechtem Terror beschäftige traf mich der Anschlag mitten ins Herz.“
Im März und April waren Solidaritätskonzerte und Gedenkveranstaltungen geplant. Aufgrund der Corona-Pandemie können diese Veranstaltungen nicht stattfinden. Und auch in den Medien musste der Anschlag der Corona-Krise weichen. Es ist kaum noch möglich Aufmerksamkeit für das Leid der Opfer und die gesellschaftliche Wirkung dieses Terrorakts zu generieren. Simone Dede Ayivi fragt, wie wir als Künstler*innen während der Krise diesem wichtigen Thema wieder Aufmerksamkeit verleihen können und wie wir zukünftig die Erinnerung hochhalten können, wenn 2020 für immer von Corona überschattet sein wird. Sie möchte die Zeit nutzen, um ein Konzept zu entwickeln für eine zukünftige Theaterproduktion oder einen künstlerischen Beitrag zum Thema, der auch unter social distancing-Bedingungen durchführbar ist.

Da sie ihre immersive Reihe „DAS MISSVERSTÄNDNIS VON DER WELT“, die im April 2020 beginnen sollte, verschieben müssen, wird Meyer&Kowski die Zeit nutzen, die Kommunikation mit den ca. 300 Members in digitale Bahnen zu lenken. Die Fragestellung: Wie können sie ihre „Members“ gerade jetzt erreichen, was brauchen sie, was können sie für sie tun, wie können sie sie berühren? Wie machen sie weiter gemeinsame Erfahrungen? Konkret werden Meyer&Kowski ihre Website grundlegend überarbeiten und mit neuen interaktiven Tools zum Austausch ergänzen, einen Podcast produzieren, einen Videoblog starten und 1to1 online-sessions anbieten. Inhaltlich werden sie anhand von Rudger Bregmans neuem Buch „IM GRUNDE GUT“ u.a. den Ansatz vom „elementaren Kommunismus“ zur Diskussion stellen, der besagt, dass wir Menschen verrückt danach sind, zu teilen und besonders in Krisen zum Fundament unserer Menschlichkeit, zu Zusammenarbeit und Altruismus zurückkehren. Kann das temporär auch für ein performatives Projekt gelten, das sich als Club definiert? Wie können wir den Members Club zukünftig zu einem „commons“ machen, den wir gemeinsam gestalten?

Joe war Decksteward auf der SS United States. In den 50ern verband der Passagierdampfer im Transatlantikdienst Bremerhaven mit New York. Die stillgelegten Hallen an der Columbuskaje, wo die legendäre States damals regelmäßig festmachte, sollten im Frühjahr 2021 Spielort eines deutsch-amerikanischen Theaterprojektes über Migration werden.

Vor gerade mal sechs Wochen kam der Regisseur Jens-Erwin Siemssen von einer Anbahnung für dieses Projekt aus den USA zurück. In Florida und New Jersey führte er mit Joe und anderen Zeitzeugen Interviews über die Auswanderung in der Nachkriegszeit. In New York verabredete er Kooperationen mit Theatern, die wie Das Letzte Kleinod ortsspezifisch arbeiten.

Doch nun wurde die pulsierende Weltmetropole zum Hotspot von Covid-19 und hierzulande herrscht Kontaktsperre. Statt gegenseitiger Besuche müssen nun neue Formate für Kooperationen entwickelt werden. In der weitläufigen Hafenanlage entsteht ein Onlinelabor, mit einer Webcam gehen zwei Künstler*innen auf Spurensuche, um den Kolleg*innen in Nordamerika ein Gefühl für Raum und Geschichte zu vermitteln. Über den Atlantik entsteht eine Konzeption für ein ortsspezifisches Theaterprojekt.

Mit den beantragten Mitteln wollen Frauen und Fiktion eine fokussierte Nachbereitung und Gastspielakquise für die Performance „(save me) not“ betreiben. Damit wollen sie als Kollektiv auch während der Schließungen der Theater produktiv und sichtbar bleiben und ihre Netzwerke stabilisieren oder ausbauen. Als konkrete Maßnahmen möchten sie: 1) Das Projekt digital/medial nachbereiten (d.h. einen Trailer schneiden, eine Pressemappe mit Kritiken erstellen, das FuF Portfolio mit Materialen und Texten aktualisieren, über Facebook und Instagram nachträglich für das Projekt werben). 2) Gastspielakquise betreiben. Dazu treten sie mit den aktualisierten Materialien zur Performance „(save me) not“, mit potenziellen Kooperationspartner*innen (Dramaturg*innen und künstlerische Leitungen von Theatern/Festivals) in Kontakt und versuchen neben Gastspielen auch zukünftige Kooperationen anzubahnen.

Ausgangslage. Viele von LIGNAs Arbeiten der letzten Jahre basieren darauf, dass sich das Publikum begegnet. Es bilden sich dichte Gruppen, Bewegungschöre und es entsteht körperlicher Kontakt. Seit der Corona-Pandemie erscheinen diese Praktiken – die zugleich die Grundlagen unseres sozialen Daseins ausmachen – auf absehbare Zeit problematisch.
Öffentlicher Raum. Durch die Pandemie muss das Verhältnis zwischen Nähe und Distanz auch im öffentlichen Raum neu ausgehandelt werden. Einerseits ist die digitale Öffentlichkeit wichtiger geworden um den Preis, dass sie überwachungskapitalistisch ausgebeutet wird (vgl. Debatte um Zoom), während die unkontrollierbarere urbane Öffentlichkeit unterbunden wird und nicht absehbar ist, wie sie wieder entstehen kann.
Forschungsprojekt. LIGNA wollen den Ausfall verschiedener Projekte und Workshops dafür nutzen, darüber nachzudenken, wie post-pandemisches Theater aussehen könnte. Wie unter der Herrschaft des Corona-Virus und dessen politischer Ausdeutung der (öffentliche) Raum des Theaters anders hergestellt werden muss. Wie können wir uns im und jenseits des digitalen Raums begegnen und Sorge für die gesellschaftliche Situation tragen?

Overhead Project wollen digitale Veröffentlichungstools für ihre zukünftige Gastspielakquise mit einbeziehen. Die Ausgangsfrage ist: Wie können sie ihre bestehenden Produktionen und Aktivitäten zukünftig online besser vermarkten?
Dafür wollen sie die bisher gedruckten Begleithefte ihrer Gastspielproduktionen aufarbeiten und erweitern. Diese beinhalten Stückinfos, Kreationseinblicke, Technische Infos usw. Diese Print-Produkte lassen sich im Nachhinein allerdings nur finanziell- und ressourcenaufwendig aktualisieren (Neudruck) und sind damit nicht langfristig zur Akquise für Gastspiele nutzbar. Dies wollen Overhead Project jetzt ändern, indem sie die Hefte von drei Produktionen für die Online-Publikations-Plattform „issu“ aufbereiten. Diese ist optimal, um Trailer einzubinden, Material anschaulich aufzubereiten und online zu verbreiten. Zwei Hefte werden zu bestehenden Produktionen erscheinen und ein neues Heft zu ihrem Online-Sonderprojekt „CircusDanceFestival“ (im Rahmen von TANZPAKT).

Der Kranich, ein kulturgeschichtlich relevanter Vogel in vielen Teilen der Welt, ist das Motiv der künstlerischen Recherche von Grotest Maru. Ein Zugvogel – a migrant bird – der Europa mit dem Mittleren Osten, Afrika, Asien und sogar dem amerikanischen Kontinent verbindet, ein globaler Reisender, der das Thema Migration in sich verkörpert.
In Corona-Zeiten stellen sich Fragen der Globalisierung neu. Wer bewegt sich wie, wann und warum um unseren Planeten, freiwillig oder unfreiwillig?
Als Analogie wollen sie die Routen der Kraniche Routen menschlicher Migration und Reise – geschichtlicher und aktueller – gegenüberstellen.
Geplant ist ein digitaler Diskurs des Grotest Maru Ensembles und Eigenrecherchen der Ensemblemitglieder, Kranichtänze als choreographische Inspiration? Digitale Konferenzen mit Expert*innen der Ornithologie und der Anthropologie vertiefen die Auseinandersetzung. Mit der Bühnenbildnerin Hanna Zimmermann wird eine Blaupause der sich überlagernden Routen angelegt. Mit der Kostümbildnerin Kathrin Hegedüsch wird das Kranichgefieder als Vorlage für Kostümkonstruktionen untersucht. Parallel wird an der Neu-Organisation von geplanten Gastspielen und der Akquise gearbeitet.

Seit Frühjahr 2019 arbeiten Mobile Albania an „Die Kollektion“. Sie sammeln in der Nachbarschaft abgelegte Kleidung, bürsten sie gegen den Strich und machen daraus in ihrer offenen Werkstatt eine neue Kollektion, die austestet, welche Grenzen und Entgrenzungen „Hüllen“ erlauben können. Sie waren überwältigt, wieviel Kleidung im Laufe des Projektes zu ihnen kam. Auch nach Absage der Premiere laufen die Zusendungen weiter: Menschen sind zu Hause und räumen ihre Kleiderschränke aus. Mobile Albania möchten sich mit #TakeCare in dreifacher Hinsicht gründlich um diesen riesigen Materialberg kümmern, den sie im Rahmen der Aufführung niemals hätten verarbeiten können:
– Weiterentwicklung und Archivierung des entstandenen und neuen Materials (Nähen, Umändern, Fotografieren)
– „Performen“ neuer Kleidungsstücke in Spaziergängen durch den Stadtraum, als analoges, kontaktfreies, inspirierendes Teilen jenseits digitaler Kulturlösungen
– Digitale Aufarbeitung auf ihrer Homepage (u.a. auch Fotos der Spaziergänge)
Sie erhoffen sich ein fruchtbares Weitertreiben des Materialkosmos jenseits der eigentlichen Aufführung, eine Brücke zwischen analoger/digitaler Interaktion, als Weiterdenken ihrer Ästhetik.

Während der gemeinsamen Arbeit an „Hannah Arendt auf der Bühne“ (Premiere am AGORA Theater 3/19, für Kinder ab 10 Jahren) stießen die Künstler*innen auf einen besonderen Text der praktischen Denkerin Arendt: „Die weisen Tiere“ erzählt die Geschichte einer kleinen Gänsehüterin und deren Freundschaft mit einer besonderen kleinen Gans. Es entstand der Plan, eine Inszenierung für kleine Kinder (ab 4 Jahren) aus diesem Stoff zu erarbeiten. In der aktuellen Situation hatten Céline Leuchter und Ania Michaelis die Idee, ein Vorhaben zu entwickeln, das sich auf der Schnittstelle zwischen bildender Kunst und Theater bewegt. Das Projekt impliziert eine weniger zielgerichtete Arbeitsweise, als es im Inszenierungsprozess der Fall ist und das Produkt kann und soll ungewöhnlich werden. Vielleicht wird sich ein Spielzeug entwickeln oder eine Installation, die mit der kommenden Inszenierung reist. Es kann auch ein immer wachsendes, organisches Kunstwerk werden, das die Zuschauer*innen mitgestalten. Oder ein feinst-mechanisches, ganz eigenes Objekt, das die Gedanken der Fabel anders als sprachlich zu fassen versucht. Das Projekt, von dem noch niemand weiß, wie es aussehen wird, soll im Ansatz alle Möglichkeiten offenhalten.

Mit einem Team aus Chorist*innen arbeiteten die Künstler*innen bis kurz vor der Kontaktsperre an dem inszenierten Konzert „All Watched over by machines of loving grace“. Die dabei zentrale Frage, wie sich Resonanzen und Beziehungen in Anbetracht der Omnipräsenz elektronischer Medien und digitaler Wahrnehmungs-Filter verändern, hat nun unerwartet an Brisanz zugenommen.
In der Zeit der Kontaktsperre möchten sie mit dem Team in einen zusätzlichen Forschungsprozess einsteigen, das zu Hause Arbeiten als eine neue Art der Intimität des Performens und Singens ausprobieren. Sie experimentieren mit Video, Virtual-Reality- und Konferenz-Tools als Proben- und theatrale Medien und untersuchen ihre Wirkung auf unser Zusammensein. Sie nutzen die Möglichkeit der 1:1-Begegnung, Spaziergänge auf Abstand, um diese neuen, extremen Dimensionen der Distanz zu erforschen, der lähmenden Atmosphäre etwas aktiv entgegenzusetzen und in Resonanz zu bleiben. Das heterogene Team aus Senior*innen, Profi-Musiker*innen, Menschen mit Fluchterfahrung und Jugendlichen steht dabei einmal mehr dafür, dass wir uns für gesellschaftlichen Zusammenhalt einsetzen müssen – trotz medialer und physischer Barrieren.

In dem Stück „LOB DES VERGESSENS“ (LdV1) geht es um aktive Praktiken des Vergessens, die auf der Bühne im Dialog mit einem Turm aus 1239 Tonbändern verhandelt werden – ein ethnografisches Archiv über Flucht und Vertreibung Deutscher nach dem zweiten Weltkrieg. Dieses Archiv existiert auch virtuell als Digitalisat. Mit diesen Tondateien möchte Oliver Zahn eine Fortsetzung von LdV1 erarbeiten, die sich mit den Implikationen von Vergessen im digitalen Raum auseinandersetzt (beispielhaft: das Recht auf Vergessenwerden, Online-Erinnerungskulturen).

Für diese Fortsetzung bleiben der Dialog mit dem Archiv, sowie das Interesse an Vergessen bestehen, „LOB DES VERGESSENS 2“ findet allerdings komplett auf einem Computer-Desktop statt und ist keine simple Adaption des ursprünglichen Stücks, sondern eine Fortsetzung seiner Diskurse in einem anderen Medium – eine eigenständige Arbeit, die LdV1 ergänzt und auch nach dem Ende der Covid-19-Krise seine Daseinsberechtigung behält. Das Publikum sieht online, was auf dem Desktop stattfindet – der Mauszeiger dient als Blickführer, Text erscheint, Bild- und Tondokumente werden aufgerufen, das Netz wird durchforstet – Live-Kunst für das Medium Computer.

Mit „Queens. Der Heteraclub“ haben Queens Club 2020 den ersten temporären Nachtclub für Frauen eröffnet. Dafür haben sie One-on-One-Performances entwickelt, in denen intime Begegnungen möglich wurden. Mit künstlerischen Mitteln wurde ein Raum geöffnet, in dem die Besucherinnen selbstbestimmte soziale Intimität und Körperkontakt erleben konnten. Die augenblickliche Situation lässt es umso wichtiger erscheinen, sich künstlerisch mit Fragen des Kontakts und der Berührung zu beschäftigen.
In einer neuen Ausgabe des Heteraclubs soll der Schwerpunkt auf der Begegnung der Vielen miteinander liegen. Dazu wollen Queens Club Cis-Männer/Heteros und queere Menschen in den Heteraclub einladen. Dennoch soll es ein Safe Space für Heteras bleiben: Heterosexuelle Regeln und Gewohnheiten müssen gezielt ausgesetzt werden. Andere performative Praktiken der Nähe müssen an ihre Stelle treten, die der heterasexuellen Perspektive und Begierde den Vorrang einräumen.
Ziel der beantragten Recherche ist es, das Konzept des Heteraclubs II auszuarbeiten und performative Strategien zu finden, die die soziale Intimität der Vielen tragen. Zugleich geht es um Fragen der Machbarkeit und Planung – Logistik, Kooperationen, Budget.

Traummaschine Inc. hatte im November 2019 mit dem Kinderstück „O, Twist“ im Pathos Theater München Premiere, ein Stück über Heimatlosigkeit und Kinderrechte. Im April 2020 sollte im Fundus Theater (HH) eine Hamburg-Version stattfinden. Das Stück ist eine Performance, in deren Zentrum ein Live-Hörspiel steht. Dazu wird eine spezielle Technik zum binauralen Hören genutzt. So haben Zuhörer*innen das Gefühl, die Sprecher*innen stünden direkt neben dem Ohr, ein dreidimensionales Hörerlebnis. Traummaschine Inc. übertragen die performativen Elemente auf ein Hörerlebnis, das zu Hause funktionieren kann. Räumliches Hören des immersiven, virtuellen Performance-Raums legt sich über den realen (heimischen) Raum.

Im Rahmen des Projekts „Ports“ – geheimagentur (2016) hat Katharina Duve das Format der Live-Video Lecture Performance entwickelt, bei der eine Live-Kamera senkrecht auf einen Tisch montiert ist, um alles, was unter der Kamera passiert auf eine im Raum installierte Leinwand zu projizieren. Die Co-Präsenz von Publikum und Performerin wird so durch ein technisches Dazwischen ergänzt. Um den Wunsch nach Co-Präsenz geht es auch in ihrer Live-Video Lecture-Performance „(IM)POSSIBLE IDENTITIES – HOW CAN WE LEARN FROM GHOSTS“, die von gespenstischen Biografien berichtet und wie diese physikalische Gesetzmäßigkeiten und gesellschaftliche Regeln überwinden, um ihren Sehnsüchten, Affekten und Rachegelüsten ungehindert nachzugehen. Ihre Performance endet mit der Frage: Wie können wir unseren Horror vor den andersartigen Biografien überwinden, um eine Allianz mit dem Fremden einzugehen? Um dieser Frage zu folgen, möchte sie sich mit dem Affekt des Gespenstischen vertiefend beschäftigen. Was setzt er frei, was wird verdeckt? Was heißt gespenstische Co-Präsenz in Zeiten von Corona? Quelle ihrer Recherche ist u.a. das Buch „Das Seltsame und Das Gespenstische“ von Mark Fisher.

Nach der Recherche erfolgt die Entwicklung und Inszenierung einer fünfteiligen Serie auf dem Theater mit einem Team von Künstler*innen verschiedener Herkunft. Im Kern der Arbeit stehen das deutsche Rechtssystem im Lichte der in den letzten Jahren quantitativ angestiegenen Zuwanderung und damit das Vertrauen der Bevölkerung in diesen Apparat. Nicht Dokumentation oder verbatim, sondern eine strikt künstlerische Umsetzung ist geplant. Es wird dabei auch Einbrüche der Realität geben – in der Hauptsache einen Bühnenprozess von Expert*innen des Alltags, nämlich realen Jurist*innen.
Folgend der Erkenntnis, dass nach Deutschland Zugewanderte qua Identität systematisch vom deutschen Rechtssystem ‚anders’ als Einheimische behandelt und durch die an Naturkatastrophen erinnernde Sprache dämonisiert werden, schauen suite42 zentriert einer Richterin dabei zu, wie sie seit 2015 mit der neuen Realität in ihrem Gericht umgeht. Kurz vor der Rente werden aufgrund der vielen Klagen von Geflohenen mit abgelehnten Asylanträgen ihre eigenen Fähigkeiten, aber besonders ihre Befugnisse in Frage gestellt. Das transnationale Autor*innenteam entwickelt in einem Writers Room die Figuren und Folgen.

Im Herbst 2019 beschäftigte sich STERNA | PAU Produktionen in ihrer Ko-Produktion „Körperschaften der Vernetzung“ mit den Vernetzungsmöglichkeiten im Digitalen. Im Zuge der Corona-Pandemie bekommt diese Thematik durch Theaterschließungen sowie Veranstaltungsabsagen eine zusätzliche Dringlichkeit. Sie möchten sich deshalb weiter mit den künstlerischen und theatralen Möglichkeiten des für „Körperschaften der Vernetzung“ entwickelten Chatbots beschäftigen. Nur werden die Partizipierenden der Bot-Performance diesmal nicht in einem Raum leiblich anwesend sein, sondern sich alle zuhause befinden.

Virginia Woolf schreibt in ihrem Essay „a room of one’s own“, dass die Grundbedingung zum Schreiben von Literatur Geld und ein eigener Raum sind – beide in der momentanen Situation ein großes Privileg. Im Zwang zur Beschränkung auf die eigenen vier Wände offenbart sich momentan, wie unterschiedlich die Möglichkeiten derselben sind. STERNA | PAU möchten den Text mithilfe des Chatbots in Theater transformieren und Geschichten von eigenen Räumen erzählen. Kann auch Theater von zuhause aus funktionieren? Können wir von zuhause aus zusammen produzieren und können wir von zuhause aus zusammen erleben?

Wir befinden uns laut unserer Bundeskanzlerin zurzeit in der größten Krise seit dem zweiten Weltkrieg. In einem nie dagewesenen Experiment werden Menschen isoliert, soziale Interaktion verboten und Freiheitsrechte eingeschränkt. Eine vollkommen neue und doch historisch nicht unbekannte soziale Dynamik aus Angst, Macht, Überwachung, zugleich aber Hoffnung und Zusammenhalt bildet sich heraus und befördert menschliche Kräfte von ihrer stärksten wie auch schwächsten Seite. Wenn Menschen sich nicht mehr begegnen dürfen, wer aber arbeitet diese Gefüge theatral auf? Enten natürlich. Michael Hatzius möchte anhand eines großen Ensembles aus thematisch verschieden gestalteten Quietscheenten (Arzt, Patient, Politiker, Banker, Fußballer u.v.m.) die vielschichtigen Gefüge unserer Notstandssituation aufs Plateau bringen. Philosophische Grundlage der Arbeit soll das Buch „Psychologie der Massen“ von Gustav Le Bon bilden, welches bereits vor mehr als 100 Jahren als Standardwerk der Massenpsychologie entstand, und seine Aktualität nicht nur durch die Diktaturen des 20. Jahrhunderts behielt, sondern auch in einer möglichen „Gesundheitsdiktatur“. Die Förderung ermöglicht die Konzeption und Probenarbeit.

„figuren.theater“ bietet aktuelle und authentische Informationen über und aus der Szene und stellt gleichzeitig alle Tools zur Verfügung, die sie dafür benötigt; so die Vision.
Ein Portal für diejenigen, die Figurentheater erleben wollen. Mit aktuellen Terminen und Premieren, Festivals und Streams, und auch Infos zu Studium, Kursen und Jobs – thematisch, regional und lokal zu filtern für Deutschland, Österreich und Schweiz. Auf einer Website oder im digitalen Abo per Mail, Push-Nachricht u.v.m.
Diejenigen, die Theater machen erhalten den einfachen, intelligenten Baukasten für die eigene Website, zugeschnitten auf Theaterschaffende. Sie bilden als Content-Quellen die Grundlage für >90% aller Inhalte auf der Website.

Wie wird man eigentlich unsichtbar?
Das philosophische Theaterlabor für Kinder ab 6 Jahren setzt sich mit dem Phänomen der Unsichtbarkeit in physikalischer, phantastischer und sozialer Dimension auseinander. Es entsteht eine interaktive Figurentheaterinszenierung mit Musik und Projektionen.

Phase 1 – Recherche: Wie kann man Unsichtbarkeit inszenieren?

• PiktoPanoptikum interviewen Spezialisten: u.a. aus den Gebieten Zauberei, Physik, Schamanismus, Psychologie. Es gilt einen Fragenkatalog zu entwickeln, die Interviewpartner zu finden und die Gespräche (per Videokonferenz) durchzuführen und aufzuzeichnen. Interviewteile werden ins Stück einfließen.

• PiktoPanoptikum untersuchen Literaturen und Dramaturgien, die das Stück tragen können. Sie wollen mit sich abwechselnden Einheiten von Theaterspiel und kleinen praktischen Workshops arbeiten. Ziel ist es, eine tragfähige Geschichte und Settings für spätere Proben zu entwickeln.

• PiktoPanoptikum recherchieren für Figurenbau und Ausstattung zu Bühnentechnik und visuellen Effekten. Ziel ist es, die inhaltliche Beschäftigung mit ihrer Wahrnehmung auch in den Theaterraum zu tragen und z.B. Sinnestäuschungen als gemeinsame Erlebnisse erfahrbar zu machen.

Wo ist die transnationale Gruppe jetzt, die La Fleur Gintersdorfer/Yao seit vier Jahren aufgebaut haben? Sie zerschellt gerade an den national gedachten Regelungen, die sich überall durchsetzen. Die Corona Bestimmungen zwingen sie, ihre Abhängigkeiten und die Fragilität ihrer Verhältnisse wahrzunehmen. Sie wollen einen künstlerisch-menschlichen Zusammenhalt von 15 Personen in sieben Ländern gegen die äußeren Bedingungen herstellen. Ein freies Ensemble, dessen Arbeit und Leben zwischen den Kontinenten stattfindet, und das in seiner Kontinuität anerkannt werden will. An der #TakeCare-Recherche nehmen sieben Gruppenmitglieder besonders aktiv teil: sie halten Kontakt zu allen Gruppenmitgliedern,dokumentieren Fragen und Statements in Texten und Videos und unterrichten sich gegenseitig Sprachen, wie auf den Proben zu ihrer letzten Arbeit „Nana kriegt keine Pocken“. Sie entwickeln Inhalte der Produktion weiter, u.a. Paul B. Preciados These zu möglichen Allianzen angesichts der widererstarkenden Grenzen. Sie beschreiben die Lebensentwürfe ihrer Teammitglieder, die an ihre Arbeit geknüpft sind und machen sie über #TakeCare öffentlich, das ist ein persönlicher und sensibler Akt, der gleichzeitig hochpolitisch ist.

Das Vorhaben will performative Möglichkeiten in einer 3D Spiele-Umgebung erkunden. Dabei ist der Zielgedanke eine Mixform zwischen einer passiven Betrachtung von künstlerischem Material (Tanz, Musik, Video…) und aktiver Einflussnahme der Betrachter*innen auf die gesamte Umgebung.
In einer sechswöchigen Arbeitsphase wird sich der Choreograph Jascha Viehstädt zusammen mit einer/einem Hamburger 3D Entwickler*in in die 3D-Plattform Unity einarbeiten. Ziel ist eine erste Auseinandersetzung mit 3D-Umgebungen und künstlerisch-experimentellem Bewegungsmaterial. Dafür werden sie mithilfe von Performer*innen Bewegungsmaterial erstellen und über die Plattform RADICAL per KI Motion Capture in sogenannte FBX Dateien übersetzen. Dieser Prozess übersetzt reale Bewegungen in ein Datei-Format, das anschließend auf digitale Körper übertragen werden kann. Die Recherche ist als Machbarkeitsstudie für ein Performance-Format gedacht, das zwischen Live-3D-Spiel und Virtual-Performance angesiedelt ist, sich in kleinen Gruppen produzieren und digital verbreiten lässt und so social interaction trotz social distancing zulässt. Es dient als Basis für die weitere Konzept- und Projektentwicklung.

In der künstlerischen und politischen Arbeit von Hannah Kowalski sind kollektive Entscheidungs- und Handlungsprozesse zentral. Diese Prozesse werden durch den Ausnahmezustand aufgrund der Covid-19-Pandemie erschüttert, denn: Wie agiert man als Kollektiv, wenn plötzlich alle vereinzelt sind? Hierzu lassen sich aus künstlerischer Expertise und Perspektive hilfreiche Strategien ableiten. Dafür soll in einem Realexperiment das digitale Entscheidungstool Loomio im Hamburger Gängeviertel für zwei Monate eingeführt und von ihr moderiert werden. Im Gängeviertel müssen ca. 100 Personen gemeinsam entscheiden, und normalerweise findet dies im Rahmen der wöchentlichen Vollversammlung statt – dem höchsten Entscheidungsgremium der Initiative. Meine Fragestellung: Wie verändert sich das kollektive Abstimmen in Abwesenheit? Die performativen Dimensionen, Raum Zeit, Medien und Körper sollen als Kriterien für die Analyse dienen. Der Prozess wird in einem Forschungstagebuch festgehalten, zudem werden Teilnehmer*innen interviewt. In einem Abschlussbericht Ende Juli sollen Fragen und Ergebnisse zusammengefasst werden. Die Studie soll im Oktober als Material für die Ausarbeitung einer Lecture-Performance dienen.

Was geschieht, wenn wir den Menschen nicht mehr als Zentrum von allem sehen und die Spirale des Konsums nicht mehr als Antriebskraft für alles Werden und Sein? Was passiert, wenn wir Natur nicht mehr als Ware betrachten und den Menschen vom selbstgebauten Götterthron stoßen und uns als eine Art unter vielen einreihen?
Wenn das gesamte Weltwissen in Bibliotheken aufgereiht wird, in Regalen, die aus Hölzern gesägt sind und auf Buchblättern, die aus Rinde geschöpft werden, dann wandern wir durch einen transformierten, ausgebeuteten Wald. Gerade wandert dieses Humanwissen in digitale Wolken und ist dort auch außerhalb der Öffnungszeiten zugänglich. Dies ist der Augenblick, in der die Performancegruppe Showcase Beat Le Mot über „NICHTS“ nachdenkt. Für die praktische Arbeit bedeutet „NICHTS“ nicht nichts! Es ist schwierig über das Nichts zu sprechen. Weil es so schwer vorstellbar ist. Weil wir gelernt haben in Relationen zu denken. Die Inszenierung von „NICHTS“ braucht ein ausgeklügeltes Styling. Denn „NICHTS“ muss tätig sein. „NICHTS“ muss schöpferisch sein. „NICHTS“ muss optimistisch und neu sein. So optimistisch und neu, wie die Welt am ersten Tag der Genesis.

„PPNews“ ist eine Nachrichtenshow mit Puppen, die maximal lokale Informationen unabhängig und subjektiv zu Nachrichtenmeldungen verarbeitet. Das Format wurde in Dresden für drei sehr unterschiedliche Stadtbezirke 2019 entwickelt und uraufgeführt. Es ist eine Mischform von Journalismus und Theater. Die „PPNews“ machen alltägliche Rassismen und normalisierte Diskriminierungen, blinde Flecken in der Gesellschaft und populistische Tendenzen durch lokale Nachrichten, Berichte, Reportagen und Interviews sichtbar. Die neue „PPNews“-Sendung zum Thema „Sicherheit“ sollte im Sommer 2020 im Rahmen des Festivals „Irritierte Stadt“ in Stuttgart im öffentlichen Raum stattfinden, und basiert auf Recherchematerial. Das Festival wird aufgrund von Corona in anderer Form stattfinden.

Durch die pure Kommunikationsgeschwindigkeit explodieren Diskurse im Internet zu Shitstorms und kollektivem Mobbing. Tweets, Kommentare, Facebookeinträge: Oft dauert es nur wenige Sekunden, um der eigenen Wut freien Lauf zu lassen.
Die Auswirkungen sind höchst real: Journalist*innen des WDR werden nach der #Umweltsau-Satire mit dem Tode bedroht. Der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke wird von einem rechtsextremen Attentäter erschossen. Ein Attentäter in Halle tötet zwei Menschen und versucht mit Waffengewalt in eine Synagoge einzudringen. Ein rechtsextremer Attentäter tötet neun Menschen in Hanau. Beim Made-Festival 2020 öffnen die Künstler*innen die „Nicht-Deutsche Post“ im öffentlichen Raum in Wiesbaden, Darmstadt, Fulda und Kassel. Dabei haben sie eine künstlerische Form gefunden, einen Ort zu schaffen, an dem generations-, fach- und bildungsübergreifend über Migration und Rassismus gesprochen werden kann. Die Nicht-Deutsche Post lädt Reisende zur Konfrontation mit ihrer Beobachtung und dem Ausgeschlossenen ein. Hier öffnet sich ein Begegnungsraum zwischen Fremden: Durch Gespräche mit den Performer*innen und den Postkarten zwischen Menschen, die einander nie begegnen werden.

„#thekitchensessions | #objectworld“ ist ein virtuelles Austausch- und Rechercheformat. Felix Bürkle lädt zu einer „kitchen session“ jeweils eine*n darstellende*n Künstler*in ein, der*die in seiner*ihrer künstlerischen Praxis einen dezidierten Bezug zu Objekten hat. Die jeweils heimischen Küchen sind Schauplätze der Videokonferenzen mit mindestens drei Teilen:
– Interview über die Essenz der künstlerischen Praxis, Arbeitsweise und -methodik, Inspiration und Zielsetzung
– Dialogisches Gespräch mit dem Ziel eines konstruktiven konzeptionellen Austauschs sowie der Entwicklung und Gestaltung von potentiellen Schnittmengen
– Performativer Austausch von Impromptu-Performances unter Einbezug mindestens eines frei gewählten Objektes in der heimischen Küche für die Teilnehmer der Videokonferenz
Christoffer Brekne begleitet alle Sessions als Beobachter und Moderator, der ggf. im Prozess Dinge spiegeln und Impulse setzen kann.
Dokumentation: (Teil-)Transkription der Interviews und Gespräche u.a. mit Gegenüberstellungen von Antworten, verfasst von Felix Bürkle. Videodokumentation mit Exzerpten der Interviews, Gespräche und Impromptu-Performances, editiert von Christoffer Brekne.

Nach gemeinsamer Bühnenerfahrung mit Christiane Rösinger soll 2021 ein Musical aufgeführt werden, in dem Laura Landergott die musikalische Leitung übernimmt, Kompositionen zu Christiane Rösingers Texten entwickelt und als Teil der Band auch live auf der Bühne performt.
Dieses Musical, auf „Die Töchter Egalias“ basierend, setzt sich inhaltlich mit den Zwängen und Geschlechterungerechtigkeiten unserer Zeit auseinander. „Egalia“ zeigt uns gerade durch die Umkehrung die ständige Sexualisierung von Mädchen und jungen Frauen, ihre Unterwerfung unter Schönheitspostulat und Altersklischees, unsere männlich geprägte Sprache, Gewalt gegen Frauen, ökonomische Abhängigkeiten. Die Idee der Umkehrung, die auf den ersten Blick so plump und nicht unbedingt zielführend scheint, ist so wirkungsvoll, weil sie wie eine Lupe die Unsinnigkeit unserer Geschlechterrollen vergrößert. Den Künstler*innen ist es wichtig, „Egalia“ weiter zu schreiben und die Diskussion ins 21. Jahrhundert zu führen.

Mit „AUTo_NOMOS ‚#1“ untersuchen Regisseur und Musiker Christoph Wirth und der VR- und Raumdesigner Markus Wagner den Einsatz von Virtual Reality-Technologie, um neue kritisch informierte Formate der Narration zwischen Performance, Hörstück, Textinszenierung und VR-Umgebung für eine One-on-One Situation zu entwerfen. Inspiriert von Paul Virillos Analyse des modernen Geschwindigkeitsrausches, verfolgt die über drei Monate angelegte diskursive wie technisch- ästhetische Recherche mögliche medienhistorische Kontinuitäten von VR mit einem hypothetischen Vorläufer: Dem Automobil als Vehikel moderner Fortschrittsversprechen wie Virtualisierungsprozessen von Subjektivität mittels eines „technischen Avatars“. Narrativer Mittelpunkt der Exploration bildet Katharina Schmitts Drama „Der einbeinige Läufer“, das sich an C.G.Ballards Roman „CRASH“ und dessen Verfilmung durch David Cronenberg inspiriert. Darin träumt ein(e) unbewegliche(r )Zuschauer*in von der Berührung mit seinem/ihrem Idol: Dem durch Beschleunigung perfektionierten Körper eines Rennfahrers und dessen Verschmelzung mit der Maschine im Moment des Unfalls. Das Projekt ist vollständig in Isolation durchführbar mittels VR- Chats.

Wie starten wir unsere „Odyssee der Wiederaneignung“ heraus aus der überinformierten Vereinsamung, Vereinzelung, Charityfication der Solidarität innerhalb der Grenzen, mit den Ausschlüssen die durch Datenverarbeitung geschehen, mit Körpern die keinen Zugang zu digitalen Skills haben? Jede Digitalisierung ist auch eine Evaluation, ein Ranking, ein Monitoring. Die Kommunikationskanäle zwingen unsere Körper dauernd zu sprechen, diese Abstraktion ist schlecht genießbar. Mit einer gemeinsamen Recherche versuchen, sozialen Kontakt zu halten, das Thema ist der darstellerische Umgang mit Körpern von Performer*innen, die warten.
Die Künstler*innen machen Aufnahmen, finden Erzählungen, die ihren Körpern erlauben so zu sein, wie sie gerade sind. Wertfrei, zugewandt. Ist der stärkste Ausdruck der Gegenwart unser Körper? Gibt es Gegenwart ohne Körper? Diese Recherche dient dazu, Zeit zu haben, sich selber im Verhältnis zu dem was geschieht und noch geschehen wird zu beobachten. Versuchen, genau zu bleiben in der Wahrnehmung des Alltags. Sie versuchen auch analoge Methoden jenseits von Versprachlichung wieder zu erinnern, neu aufzunehmen, zu dokumentieren, teilen. Sie ziehen alles Mögliche in Betrachtung.

Als Figurenspielerin interessiert sich Franziska Merkel für die visuelle und narrative Sprache eines Objektes. Deshalb besitzt sie einen umfangreichen Fundus an Dingen und Gegenständen mit künstlerischem Potential. Kurz nach dem „Shutdown“ hat sie in Orientierungslosigkeit ihre Objektsammlung geordnet. Dieser plötzliche Bonus an Zeit hat die Sehnsucht geweckt, diesen Gegenständen eine Bühne zugeben. Die Idee „7 days 7 objects“ war geboren: In kleinen 1-2 minütigen Filmen animierte oder inszenierte ich die ersten sieben Objekte und stellte sie täglich online. Franziska Merkels Ziel ist „21 days 21 objects“ – drei Wochen täglich ein neuer Gegenstand. Dabei möchte sie nur Objekte verwenden, die ihr nicht gehören. Auf einer einfachen Onlineplattform können User*innen Vorschläge machen und Wunschobjekte fordern. Außerdem nutzt sie Kontakte zu Kolleg*innen und Freund*innen, um neue Objekte zu akquirieren, die sie dann per Post erhält. Trotz physical distance können Gegenstände, Ideen und Wünsche zusammen finden und zu einer digitalen Interaktion zwischen Zuschauer*innen und Theaterkünstler*in werden.

In „The Shock Doctrine“ beschreibt Naomi Klein den „Katastrophenkapitalismus“, eine in den 70er Jahren entstandene Strategie einiger Schüler*innen des Ökonomieprofessors M. Friedman in Chicago („Chicago boys“), aus Katastrophen (Staatsstreichs, Wirtschaftskrisen, Naturkatastrophen usw.) auf Kosten eines Großteils der Bevölkerung Profit zu generieren. Als Beispiele dienen ihr u. A. der Staatsstreich von Pinochet in Chile (1973), das Massaker auf dem Tiananmen Platz in China (1989) oder auch der Tsunami in Indonesien 2004.
In der jetzigen Situation, in der häufig gefragt und spekuliert wird: „was passiert eigentlich nach Corona“ ist eine Auseinandersetzung mit solchen Ereignissen eine wichtige intellektuelle Wappnung, um eigennützige Ausnutzungen der Situation frühzeitig erkennen und aufzeigen zu können. Aus einer gemeinsamen Lektüre von „Shock doctrine“ wollen fachbetrieb rita grechen ein Musikvideo entwickeln, das verschiedene von Klein beschriebene Situationen in Form von computeranimierten Situationen aufgreift und mit unserer Gegenwart, die filmisch festgehalten wird, abgleicht. Die Musik produzieren sie mit Ableton. Das Projekt hat den Charakter einer künstlerisch aufbereiteten öffentlichen Recherche.