Entscheidung #TakeCareResidenzen (November 2020)

Geförderte Vorhaben Bündnis internationaler Produktionshäuser

Mit der Corona Pandemie tritt die gesellschaftliche Arbeitsteilung auf die Bühne der Öffentlichkeit unter einer neuen Überschrift: Systemrelevanz. Was ist lebens- oder systemnotwendig? Und von welchem System ist die Rede? Wir erleben immer komplexere Kooperation zwischen immer spezialisierteren Arbeitsbereichen. Aber wie hängen die Arbeiten genau zusammen und was sind die Schnittstellen der Arbeit?

„Bögen spannen für alle“ ist ein Residenzvorhaben, welches sich der Erforschung verschiedener diskursiver Formate widmet. Diese können als fundierte Begleitung, aber auch als Erweiterung und Ergänzung eines künstlerischen Programmes agieren, um in Räumen der Kunst Begegnungs- und Erkenntnisräume zwischen Künstler*innen und Zuschauer*innen zu initiieren.

Ayla Pierrot Arendt widmet sich der Rolle, Figur und Vision der Göttin Justitia als Personifizierung von Gerechtigkeit. Anhand einer näheren Untersuchung ihrer Geschichte und der verschiedenen Darstellungsformen je nach Zeitalter und Kulturkreis geht Arendt den brennenden Fragen unserer Zeit nach, um Möglichkeiten der künstlerischen Intervention zu entwickeln.

Im Rahmen der Residenz vertieft Cyril Baldy seine Kenntnisse in Computerprogrammierung, um zu erforschen, inwiefern Interaktion und Austausch zwischen Prinzipien von Bewegungen menschlicher Körper im physischen Raum und einer Programmiersprache zur Erschaffung und Organisation digitaler Räume, das Verständnis von zeitgenössischer Choreografie erweitern können.

Der Somalische Bürgerkrieg und der Krieg in Vietnam. Zwei Menschen, welche die Spuren dieser Kriege und ihrer Auswirkungen tragen. Lubi Barre und Dan Thy Nguyen forschen in einer Residenz auf Kampnagel über die Kosten des Erbes von mehr- und intergenerationalen posttraumatischen Spuren und begeben sich auf die Suche nach einer dramatischen Sprache dafür.

Das Projekt „Shortcuts to Familiar Places“ erforscht Körpergedächtnis und Sprache und untersucht, wie Tanz bestimmte Geografien, Migrationen und Kulturgeschichten ‚kartographiert‘. Der in Berlin lebende australische Choreograf James Batchelor schafft ein neues, ausgedehntes Territorium, indem ein neues Bewegungsvokabular aus den fernen und doch vertrauten Körpererinnerungen gebildet wird, die im Prozess freigelegt werden.

„Weil wir hier sind“ untersucht performative und poetologische Strategien im Kontext postmigrantischer Kämpfe. Ewe Benbenek erforscht künstlerische Praktiken und Protestformen, die gegenüber diskriminierenden, rassistischen und klassistischen Strukturen und Realitäten widerständig waren und sind und fragt nach Möglichkeiten ihrer Darstellbarkeit.

Emese Bodolay, Teil des Performancekollektivs „Anna Kpok“, verortet in der von Assessmentcenter-Weiblichkeit geprägten Show „GNTM“ und in der Gegenbewegung #notheidisgirls eine Art eigenes Ensemble, ein ‚Chor der Mädchen‘ in dessen Zentrum die Objektifizierung des weiblichen Körpers steht. Bodolay begibt sich in den Austausch mit Frauen* und Texten von u.a. Simone de Beauvoir und Roxane Gay und versucht, in diesem Spektrum feministischen Denkens den ‚Chor der Mädchen‘ zu verorten und neu zu betrachten.

Pascal Bovée forscht zum Motiv der Leere. Er besucht leerstehende Gebäude im städtischen Raum, kartiert sie und führt Gespräche mit Sachkundigen zum kreativen Gebrauch von Leerstand. Dem Vorhaben vorangestellt ist eine Recherche zum Motiv der Leere in der Kunst sowie zur Brache in der Stadtplanung. In poetisch-performativen Experimenten im Stadtraum wird der imaginative Umgang mit dem Vakuum erprobt.

Verena Brakonier erforscht biographisches Arbeiten im Hinblick auf ihre eigene Biographie als Tänzerin und Arbeiterkind. Mittels Strategien dokumentarisch-biografischer Kunst möchte sie neue Methoden zur Auseinandersetzung mit Klassismus auf der Bühne entwickeln. Dafür untersucht sie unterschiedliche Strategien in Performance, im Tanz, in der bildenden Kunst und in auto-fiktionaler Literatur.

Kann Chaos etwas Positives sein? Innerhalb ihrer Recherche setzt sich Elisa Jule Braun mit dem Begriff des Chaos auseiander und versucht, dessen Deutung auf den Kopf zu stellen. Das negative Narrativ, das dem Chaos anhaftet, wird analysiert und umgeschrieben. Dabei ensteht eine Untersuchung im Spannungsfeld von Relativitätstheorie, Anarchismus und Ordnungswahn.

Der Sounddesigner Peter Breitenbach setzt sich mit der Geschichte der Stadt Dresden aus klanglicher Perspektive auseinander. Als zeitlicher Rahmen dient der Bau des Festspielhauses Hellerau 1911 bis heute. Das Material wird zur Grundlage einer experimentellen Montage von Tonaufnahmen von Zeitzeug*innen, Archivmaterial und Sounddesign.

Die Performerin und Regisseurin Kristina Brons erforscht, ob sich reale Performances mit animierten Sequenzen verbinden lassen. Kann ein Avatar mit einer Tänzerin zusammen auftreten und sich spielerisch in herausfordernde Situationen begeben, die in archetypischen Geschichten die immer extremer werdenden Zustände der Welt befragen? Für die Recherche vertieft Brons u.a. ihre Kenntnisse in Animationstechniken.

Mit „PRESSING RESEARCH“ macht die Choreografin und Performerin Dani Brown Platz für das spekulative, schöpferisch-kreative Potenzial ihrer eigenen Vulva. In Bezugnahme auf feministische Werke der letzten Jahrzehnte und vor dem Hintergrund eines näher rückenden antifeministischen Backlashs untersucht sie die herausfordernden Ausdrucksmöglichkeiten dieses anatomisch und sozial komplexen Organs.

Wie verhalten wir uns als Gesellschaft in einer Zeit, in der die Auseinandersetzung mit dem Tod und den Verlusten, die er mit sich bringt, unumgänglich ist? „Samhain 2.1“ ist eine Begegnung mit der körperlichen Endlichkeit, eine Neuerzählung der Mythen vom Jenseits und die Frage nach dem Vermächtnis der Verstorbenen.

Der Performer und Musiker Jacob Bussmann fragt, warum der Mittagsdämon der bedrückendste aller Dämonen ist und erkundet stimmliche Möglichkeiten des Geräuschhaften und der Interferenzen.

Am literarischen und filmischen Motiv des Monsters forscht Josep Caballero Garcia aus queerer Sicht über Minoritäten. Die Forschung greift die Außenseiterfigur des Monsters auf, um zu untersuchen, welche Normen ihm vorschreiben nicht dazu zu gehören und um seine Zuschreibungen zu analysieren. Der körperkritische, choreografische Blick richtet sich dabei auf die den Monstern zugeteilte Körperlichkeit.

Claudio Campo-Garcia arbeitet an den Schnittstellen von Musik, Bewegung und Performance. Der queere Körper steht im Zentrum und wird durch die Erforschung von Poesie, Rap, dessen Rhythmus und daraus resultierenden Bewegung zur politischen Projektionsfläche. Federico Garcia Lorcas Lyrik und seine durch die Homosexualität hervorgehende Unterdrückung bilden dabei die Grundlage der Recherche.

Der Kurator und Performer Daniel Chelminiak beschäftigt sich in seiner Recherche mit dem „aromantischen Spektrum“ und dessen Potenzial für solidarische Strukturen. Am Beginn der Residenz stehen Fragen wie: Wieviel Nutzen oder Schaden bringt die strukturelle Bevorzugung heteronormativer Modelle, wie der monogamen gleichgeschlechtlichen Ehe? Wie (kontra)produktiv ist dabei das Prinzip von ‚Romantik‘ als Mittel eines solidarischen Miteinanders? Anhand eines Fragenkatalogs werden diverse Menschen zum Thema Beziehungsmodelle interviewt. Das gewonnene Material soll später für eine digitale Publikation und/oder Performancearbeit verwendet werden.

„Study on How Waters Move“ ist eine verkörperte Untersuchung der kulturellen, politischen und poetischen Implikationen des Themas Wasser. Sie hat ihren Ursprung in einer Idee aus dem Essay „Hydrofeminism“ von Astrida Neimanis: „We are all bodies of water“ – „Wir sind alle Gewässer“. Die Forschung zielt darauf ab, den Menschen zu dezentralisieren und ihn in eine Beziehung und einen Dialog mit anderen Gewässern zu stellen.

Im Zentrum der Arbeit von Ricarda Ciontos steht stets eine Annäherung an aktuell-brisante Themen und sich hierauf beziehende Kunstproduktionen. Cionto kuratiert das Festival NORDWIND, dessen thematischer Fokus in diesem Jahr Inklusion ist. Um nachhaltig und vor allem ernsthaft in die Beschäftigung mit dieser Thematik einzusteigen, braucht es eine intensive Recherchephase der institutionellen wie freien Strukturen.

In der Recherche „Horizontal Bodies“ sucht die Choreografin Barbara Cleff nach Positionen und Haltungen zum Thema Liegen. Fasziniert von dem Körper als Skulptur begibt sie sich auf eine Spurensuche, die tief in die Kunst- und Kulturgeschichte eintaucht.

Das Projekt „The Yes/No Contact Manifesto“ recherchiert den Zusammenhang zwischen Manifesten einerseits und Tanz, Choreografie und Performance andererseits. Ziel ist es, ein neues Manifest für Tanz und Bewegung in Zeiten der Covid-19-Pandemie zu entwickeln und die damit einhergehenden Kontaktbeschränkungen mit zu bedenken. Es geht darum, das Gefühl des Zusammenseins neu zu definieren.

In der #TakeCareResidenz „Nonsense“ beschäftigt sich die Choreografin Maria Chiara de‘ Nobili mit dem Theater von Samuel Beckett und dem Buch „The Plague“ von Albert Camus und untersucht darin die Varianten des Absurdismus. Sie sucht bei diesen beiden Vertretern der absurden Literatur nach ästhetischen Parallelen, die zu einer Grundlage für die physische Übersetzung werden.

Nuray Demir trägt im Rahmen der Residenz am HAU anti-diskriminatorische Texte, Musik, Widerstandsgeschichte(n) von migrantisierten Frauen* aus queer-feministischer Perspektive zusammen und überführt diese in ein performatives Archiv der postmigrantischen Gesellschaft Deutschlands, um sie kollektiv erfahrbar zu machen.

Adele „Mike“ Dittrich Frydetzki interessiert sich für sichtbare und nichtsichtbare Migrationsbiografien, displacement von Erfahrung und queering von Erinnerungskulturen. In ihrem* Recherchevorhaben „bodies of not-belonging / Körper des Nicht-Gehörens / ciała nie-przynależności“ geht Mike* szenisch forschend der Frage nach: Wie verkörpere ich ein Archiv?

Juan Dominguez hat als Choreograf, Performer, Autor und Regisseur konzeptuelle Arbeiten für Bühnen und andere Räume inszeniert. „Someone is listening“ ist die Entwicklung einer humorvoll-überraschenden körperlichen Praxis. Aufbauend auf 35 Jahren Erfahrung als Tänzer versucht Dominguez in diesem Projekt die Trennlinien zwischen Körper und Stimme komplett aufzuheben, bis sie ununterscheidbar sind.

Kathrin Dröppelmann betreibt eine Interviewrecherche zu den Gärten in HELLERAU, in Bezug auf das Paradies. Die Gartenstadt in ihren Ursprüngen als Zentrum der europäischen Avantgarde steht sinnbildlich für neue Lebensreform. Die Frage nach den Paradiesen wird neu gestellt: Wo verstecken sie sich? Gibt es nur das eine Paradies? Was bedeutet den Menschen ihr Garten? Was machen Gärten im Privaten, wie verhalten sich öffentliche Gärten?

Magdalena Dzeco verbindet die Forschungsfelder des Tanzes und des digitalen Raums und setzt sich mit den Bewegungen und Tanzästhetiken eines visuellen Ortes auseinander. Sie recherchiert die polymorphen Präsentationsformen von Tanz im Digitalen, sowie im realen Räumlichen. In der Residenz werden Ästhetiken und spezifische Charakteristika des Digitalen im realen Tanz integriert und experimentell erforscht.

Leonard Engel beschäftigt sich mit der Wahrnehmung, Verkörperung und Identifikation von Maskulinität. Dabei analysiert er wie Maskulinität in Bezug zum männlichen Körper im Tanz gesetzt wird: wie werden hierdurch Männer repräsentiert? In Gesprächen mit Tanzschaffenden und einer theoretischen Auseinandersetzung sucht Engel nach einer neuen, maskulinen Ästethik in einer gleichberechtigten Gesellschaft.

Während der #TakeCareResidenz betrachtet Josephine Findeisen Praktiken von Tänzer*innen, die 1932 die „New Dance Group“ mitbegründeten und den Slogan „Dance is a weapon in the revolutionary class struggle“ verkündeten. Begleitend widmet sie sich dem Austausch zwischen tänzerischen und proletarischen, ‚ungelernten‘ wie dienstleistenden Arbeiten: Kann ihre Tanzpraxis zum Dialog zwischen sozialen Milieus beitragen?

„Algorithmic Choreographies“ ist eine künstlerische Recherche zu algorithmischer Bewegungssteuerung, wie sie in der Pandemie-Bekämpfung, in der Analyse von Bewegung im öffentlichen Raum, vor allem aber auch in der Logistik benutzt wird. Dabei untersucht Moritz Frischkorn die Ästhetik und Funktion algorithmischer Verfahren der Steuerung und Kontrolle von Bewegung und sucht nach Möglichkeiten sich diese anzueignen.

„Chutes and Ladders“ ist ein Forschungsprojekt zu Praktiken der Veränderung. Im Zentrum der Forschung steht die Frage, wie Tanz die Gesellschaft mitgestalten kann, und wie umgekehrt in die Gesellschaft eingebundene Tänzer:innen das Kunstverständnis und Einstellungen im Tanz beeinflussen können.

Mit „FLOATING FRAMES“ (AT) begibt sich die Tanzkünstlerin Bahar Gökten in eine ergebnisoffene Recherche, in der sie nach einem authentischen Zugang in den digitalen Raum sucht. Als Brücke wählt sie dabei die Transformation des Tanzes in bewegende Bilder. Diese umfassen u.a. Fotos, Illustrationen und videografische Bewegungs-Skizzen, deren Techniken sie sich im Rahmen der #TakeCareResidenz widmet.

Kuratorin, Dramaturgin und künstlerische Leiterin von SAVE THE WORLD, Nicola Goltz untersucht gemeinsam mit Wissenschaftler*innen, internationalen Künstler*innen sowie dem Team von Kampnagel Möglichkeiten von CO2-neutralem, künstlerischem und internationalem Wirken in Hamburg.

„Shelves and Shelters“ ist ein künstlerisches Recherchevorhaben bei dem, mittels verschiedener performativer Analysetechniken Prozesse der Kanonisierung sowie die Theatralität von Bibliotheksinstitutionen und Archiven untersucht werden. In dieser künstlerischen Feldforschung stehen Bibliotheksbesucher*innen und ihr Verhalten, aber auch Architektur und Verwaltungsorgane im Fokus der kritischen Betrachtung.

In „INTERVALLE“ beschäftigt sich Hermann Heisig mit körperlichen Praktiken, die narrative, emotionale und habituelle Spuren des Vergangenen erkunden. Situationen des gemeinsamen Erzählens werden non-verbalen Handlungen gegenübergestellt und auf diese Weise für viele Menschen unterschiedlicher Milieus und Generationen eine wechselseitige Beeinflussung physischer und narrativer Prozesse stimuliert.

In ihrer Residenz machen sich Hendrik Quast, Maika Knoblich, Christina Neuss und Alexandra Hennig auf die Suche nach neuen Arbeitsformen und darstellerischen Traditionen, die sich für eine performative Bearbeitung eignen, so bspw. die Tattoobranche oder Standup. In der Recherche entwickeln sie Prototypen, die diese Arbeitsformen nicht nur auf der Ebene geschlechtlicher Zuschreibung irritieren, sondern auch die Grenzen von Experten- und Laientum, Können und Dilettantismus, Realität und Fiktion produktiv verwirren.

Der Choreograf Joseph Hernandez befragt für sein Projekt „A Collection of Experts“ Tanzschaffende aus verschiedenen Disziplinen, um eine Datenbank, eine Art Bibliothek der Zukunftsabsichten zu schaffen, die den Puls seiner Kolleg*innen trifft und Inspiration für künftige Kreationen liefert.

Die Künstlerin und Kuratorin Hannah Hurtzig nähert sich im Rahmen ihrer Recherche der Frage an, ob man einen traditionell spektakulären Ort mit dem signifikant Anderen infiltrieren und ihn als Schauplatz auszuhandelnder Konflikte definieren kann. Lässt sich dem Geschichtsraum Stadion, gemeinhin Ort für Massenchoreographien, entpolitisierte Sportereignisse und Klatsch-Events, etwas hinzufügen, sodass ein anderes Bild der Versammlung der vielen und eine andere Erfahrung des Einzelnen im öffentlichen Raum erlebt wird?

„Inti_made“ ist eine praxisorientierte Recherche zur Materialität menschlicher Intimität. Mit modularen Objekten und Mechanismen wird künstlerisch geforscht, inwiefern sich diese visuellen Darstellungen der Einzigartigkeit von Intimität und Berührung nahe kommen können.

In der Residenz widmet sich die Choreografin dem Begriff der Systemrelevanz, welcher im Kontext der Corona-Pandemie immer wieder thematisiert wird. In ihrer Arbeit, in welcher sie Themen wie Autorität und Autonomie behandelt, sucht sie nach der Fähigkeit beschreiben und analysieren zu können, ob bestimmte gesellschaftliche Momente nur reproduziert werden oder ob eine kritische Auseinandersetzung möglich ist.

Während der Residenz beschäftigt sich Josephine Kalies mittels physischer Begegnung sowie wissenschaftlicher Auseinandersetzung mit der Greifbarkeit und Systemrelevanz von Tanz. Zusammen mit der Choreografin Marie-Lena Kaiser untersucht sie, wie die Abstraktheit und Verflüchtigung dieser Kunstform versprachlicht, kontextualisiert und für neue darstellende Formate fruchtbar gemacht werden kann.

Der Fokus der Recherche richtet sich auf die Diversität von Körpern und auf Bewegungsästhetik. Hierbei kommen digitale Techniken im Internet zum Einsatz. Kameraperspektiven dekonstruieren den Körper, um die Blickwinkel der Betrachter*innen oder der ‚Außenwelt‘ zu hinterfragen und um auf diese Weise den Körper in neue Positionen und Verhältnisse von ‚Normativ‘ und ‚Nicht-Normativ‘ zu setzen.

Die Partnerschule des Mousonturms, die IGS Herder wird zum Rechercheobjekt. Basierend auf den bestehenden Abläufen und Dynamiken im Schulalltag erforscht Dominik Keggenhoff, wie künstlerisch Einfluss auf die Körper im Schulgebäude genommen werden kann. Während die Hygiene-Regeln menschliche Körper vor allem als Infektionsherde inszenieren, können künstlerische Impulse Körper umdeuten in Klangkörper, Resonanzkörper oder agierende und kreative Akteur*innen.

Die Performativität der Ästhetik ist mit ihrer Übersetzbarkeit verbunden. Schwarze Frauenkörper, wie sie beispielsweise in den Werken deutscher Expressionisten dargestellt wurden, können als Seismographen gesellschaftspolitischer (Un-)Ordnung eingesetzt werden: Wie haben Schwarze Körper die europäische Kunst und Kultur geprägt? Wie wurden sie im Kolonialismus wahrgenommen? Wie heute?

In Interviews mit Dresdner*innen sucht die Regisseurin Meret Kiderlen nach konkreten Geschichten von Menschen und Orten in dem Zeitraum seit dem Bau des Festspielhauses Hellerau 1911 bis heute. Das Material wird zur Grundlage einer experimentellen Montage von Expert*innenentexten, Interviewfragmenten und eigenen essayistischen Texten.

Unter der Überschrift „Formen der performativen Selbstveräußerung“ recherchiert der Künstler Jakob Klaffs zu Kommunikation, Intimität, Digitalisierung und Entfremdung im Feld zwischen darstellender Kunst und digitaler Sexarbeit und erforscht dabei laborartig das Potential für ein performatives Konzept.

In ihrer Residenz machen sich Hendrik Quast, Maika Knoblich, Christina Neuss und Alexandra Hennig auf die Suche nach neuen Arbeitsformen und darstellerischen Traditionen, die sich für eine performative Bearbeitung eignen, so bspw. die Tattoobranche oder Standup. In der Recherche entwickeln sie Prototypen, die diese Arbeitsformen nicht nur auf der Ebene geschlechtlicher Zuschreibung irritieren, sondern auch die Grenzen von Experten- und Laientum, Können und Dilettantismus, Realität und Fiktion produktiv verwirren.

Die künstlerische Praxis von Mobile Albania basiert auf dem flüchtigen Material, das sich in ihren performativen Umgebungsdurchstreifungen zeigt, dem Sich-Ereignen im Moment der Zusammenkunft. Im Rahmen ihrer Residenz suchen sie nach Praktiken des Archivierens und nach Formulierungen von Handlungsanweisungen, um damit ihre Theatersprache weiterzuentwickeln. Till Korfhage wendet sich dabei der Suche nach einer lebendigen und dynamischen Archivierungspraxis zu.

Anhand der Lektüre von acht diskursprägenden Werken von 1971 bis 2020 setzt sich Johanna Köster mit ihrer künstlerischen Position in der Gesellschaft als weiße, queere cis-Frau kritisch auseinander. Jede Woche widmet sie sich einem Werk und verbindet es mit einer täglichen Praxis: Textproduktion in Form von Songtexten, Entwicklung körperlicher Abfolgen und Konstruktion neuer Figuren für die Bühne.

Ziel ist es, fundierte Grundlagen für die nächsten Ausgaben von „Shut Up and Sign_Speak“ zu schaffen. Das Projekt gibt Frauen, Lesben, BIPoC, tauben, queeren und Trans*-Künstler*innen eine Bühne. Im Vordergrund steht das Miteinander von Gebärden- und Lautsprache. Die immanenten Themen Intersektionalität und Inklusion unterliegen rascher Veränderung, die während der Residenz ergründet werden soll.

In seinem Recherchevorhaben befasst sich Felix Kubin mit einer eigenen Form der „Kinetosonographie“. Ihn interessieren verschiedene Darstellungs- und Aufzeichnungssysteme von Klang, Bewegung und Licht als Schnittstelle zu den kinetischen Experimenten von Rudolph von Laban (Labanotation). Klang wird Notation, Notation wird Bewegung, Bewegung wird Klang, Klang wird Licht.

„I see it Coming” ist eine Auseinandersetzung mit divergierenden Meinungen bezüglich der aktuellen gesellschaftspolitischen Ereignisse. Das Projekt reflektiert, wie sich die derzeitige Pandemiesituation auf unser Zusammenleben auswirkt. Mittels performativen Rollenspiels sollen verschiedene Positionen ausprobiert und eine Multiperspektivität auf die aktuelle Situation zugelassen werden.

Im Rahmen von „KLANGLANDSCHAFTEN – I can hear what you can’t see“ erkundet Julia Lehmann die Potentiale von Soundscapes für ortsspezifische Audioformate. Beginnend mit der Recherche des theoretischen Diskurses und der Erkundung anderer künstlerischer Arbeiten, ermöglicht die Residenz die spielerische Erprobung und Erzeugung eigener Soundscapes und deren Wirkungsweise an unterschiedlichen Orten.

Thomas Lehmen forscht in dem praxisorientierten Vorhaben über die grundsätzlichen Fragen der Beziehung von Form, Inhalt und Ästhetik im Tanz. Das Interesse liegt in einer Arbeitsphase, die sich dieser Relation mit den formal beeinflussenden Rahmenbedingungen konsequent entzieht und sich anstelle dessen ausschließlich einer künstlerischen Praxis und eigener Analyse widmet.

In Deutschland sind „quite spaces“ im Theater ein komplettes Novum. Der Künstler und Architekt Lukasz Lendzinski arbeitet im Austausch mit be_hinderter Künstler*in und Zuschauer*in an der Frage, wie ein solcher Rückzugsort im laufenden Theaterbetrieb aussehen kann. Ziel ist die Erarbeitung eines architektonischen Konzepts, das an verschiedenen Theatern angewendet werden kann.

„CIUM“ – Kuss – beschäftigt sich kultur- und genderübergreifend mit Bewegungen und Bedeutungen, die eine simple Handlung wie ein Kuss haben kann. Fragen nach dem wie und warum wir küssen, stellen den Ausgangspunkt für die Recherche da. Das Ziel ist die Entwicklung einer Form, die einen phantasievollen und spannenden Zugang für ein junges Publikum zu konzeptioneller Tanzarbeit ermöglicht.

Die Recherchearbeit „Stadtraumprojekte“ erforscht in zwei Teilen in HELLERAU (Dresden) und PACT Zollverein (Essen) die lokalen Grundlagen für ein langfristiges Stadtraum-Interviewprojekt zu Migration als Urtriebkraft menschlicher Entwicklung. Von Interesse ist dabei das Interview und das Zuhören als eigene Kunstform, aber auch die Herstellung von Begegnungen auf Augenhöhe und der choreografisch-künstlerische Umgang mit dem Material.

Im Rahmen des Recherchevorhabens „ANGAYNEHME CONNECTION MIT COINTREAU ON ICE“ wird zu hybriden Kulissen geforscht, die eine digitale und analoge Ebene besitzen. Choreografische Räume, die mitdiskutieren, sollen dabei im Zentrum stehen. Gemeinsam wird untersucht, wie die queere Community das Internet für sich nutzt und vor allem erforscht wie sie ihr eigenes Game daraus machen könnte.

Ausgehend von zwei literarischen Werken, „Verbrechen und Strafe (Schuld und Sünde)“ von Fjodor Dostojeweskij und „König Lear“ von William Shakespeare untersucht Khosrou Mahmoudi, wie und wer aus welcher (Macht-)Position Entscheidungen trifft. Was sind die Unterschiede zwischen gewöhnlichen Verbrecher:innen und politischen? Er recherchiert und experimentiert mittels Schrift und Körper Übertragungsmöglichkeiten dieser zwei Narrationen für unsere heutige Gesellschaft.

Im Fokus dieser Residenz stehen die Räume zwischen Atem, Klang, Gesang sowie das Konzept der respiratorischen Empathie. Von Interesse ist die sichtbare Beziehung zwischen Körperlichkeit der Atmung und dem Ton, die durch den Körper und über ihn hinaus wandern. Es entsteht ein Klang, der von den Knochen und Gelenken ausgeht und die anatomischen Besonderheiten der verschiedenen Körperteile offenbart.

Rosalind Masson betreibt choreografische Forschung, die sich auf zwei verschiedene, aber verwandte Bereiche konzentriert. Auf der einen Seite steht die zelluläre und metabolische Körperforschung, unterstützt durch die Praxis der Körper-Geist-Zentrierung und des Qi Gong. Und andererseits stützt sich Masson auf Bewegung als Mark Making. Wie können diese Zeichnungen als Dokumentationsform choreografischer Prozesse genutzt werden?

Wie können unterschiedlichste Emotionen als Teil des Weichbilds – also der Silhouette und des Erscheinungsbilds – der Stadt erfahrbar gemacht werden? Lukas Matthaeis archiviert menschliche Ausdrücke und Affekte vor dem Hintergrund eines kulturellen Shifts unserer Expressivität und der beginnenden Auflösung ihrer vermeintlichen Einmaligkeit. Und er sucht nach Möglichkeiten für die inhaltliche wie ästhetische Rezeption durch unterschiedliche Öffentlichkeiten.

Fabrice Mazliah beschäftigt sich in diesem Residenzabschnitt damit, die Beziehung zwischen unserem Körper und seinem Ökosystem zu überdenken. Er ist daran interessiert, den menschlichen Körper als Ausgangspunkt zu nehmen und ihn als unbekannte, zu entdeckende Landschaft zu betrachten. Es gilt, den Körper aus biologischer Sicht als nicht-anthropozentrische Einheit zu befragen.

Was genau die Wirtschaftsform der DDR bedeutete, wie sie sich im Arbeitsalltag niederschlug und welche politischen Probleme sie nach sich zog, wird anhand der Geschichte der ‚Treuhandanstalt‘ besonders deutlich. Die künstlerisch-zeithistorische Forschung „Treuhand“ will nicht allein akademische, sondern auch künstlerische und offene, gesprächsartige Formen der Auseinandersetzung ermöglichen.

Die Pandemie offenbart radikal die Symptome dessen, was längst aus den Fugen geraten ist: unsere Gesellschaft verliert ihre kollektive Wirklichkeit. Verschwörung und Skeptizismus bilden das neue Dagegen. Dissidenz wird als Personality-Produkt verramscht. Dabei brauchen wir sie mehr denn je. Ohnmächtig beginnt eine Suche nach einem performativen Handbuch einer neuen Dissidenz.

Eva Meyer-Keller integriert alltägliche Objekte als Akteur*innen in ihren Performances. Jetzt lädt sie 100 Mitglieder dieses Kollektivs zu einer ergebnisoffenen, performativen Zusammenarbeit ein – ohne sich vorab einem vorgegebenen Thema zu verpflichten. 101 Subjekte/Objekte testen gegenseitig ihre Widerständigkeit und Verflechtung mit materiellen und politischen Realitäten. Wo liegt die Schnittmenge unserer Bedürfnisse?

In ihrer Spurensuche beschäftigt sich Silvia Munzón López mit dem rhythmischen Gleichklang des Schlaf-Wach-Verhaltens. Sie erkundet die Diskrepanz zwischen ruhenden Körpern und der inneren Unruhe, die zum Beispiel bei Menschen mit Schlafstörungen auftreten. Wie synchronisiert sich unsere innere Uhr mit der permanenten Reizüberflutung, der wir ausgesetzt sind?

In ihrer Residenz machen sich Hendrik Quast, Maika Knoblich, Christina Neuss und Alexandra Hennig auf die Suche nach neuen Arbeitsformen und darstellerischen Traditionen, die sich für eine performative Bearbeitung eignen, so bspw. die Tattoobranche oder Standup. In der Recherche entwickeln sie Prototypen, die diese Arbeitsformen nicht nur auf der Ebene geschlechtlicher Zuschreibung irritieren, sondern auch die Grenzen von Experten- und Laientum, Können und Dilettantismus, Realität und Fiktion produktiv verwirren.

Der Somalische Bürgerkrieg und der Krieg in Vietnam. Zwei Menschen, welche die Spuren dieser Kriege und ihrer Auswirkungen tragen. Lubi Barre und Dan Thy Nguyen forschen in einer Residenz auf Kampnagel über die Kosten des Erbes von mehr- und intergenerationalen posttraumatischen Spuren und begeben sich auf die Suche nach einer dramatischen Sprache dafür.

Flockey Ocscor erforscht Afro-Deutsche Kultur, die Weiterentwicklung des eigenen Bewegungsvokabulars im interdisziplinären Bereich (bildende Kunst, Tanz, Poetry, Design). Hierbei sucht er die Verbindung zu „Together we push“, ein Zusammenschluss von Düsseldorfer*innen mit Afro-deutschen und anderen Wurzeln, die sich für Kultur und Bildung positionieren.

Was bedeutet Repräsentation für Schwarze Performer*innen? Naomi Odhiambo entwickelt neue Formate und Strategien, die die Geschichte und aktuelle Präsenz Schwarzer Darstellender Künstler*innen neu rahmt. Wie leben und finden Schwarze Künstler*innen aus Hamburg die Vielfältigkeit ihrer künstlerischen Identität? Welche Strukturen braucht es um diese zu unterstützen?

Mit „Harmonie in Anarchie““ wird untersucht, wie sich das Denken zwischen Tonhöhen in ein choreographisches Denken umwandeln lässt. An der Schnittstelle des performativen Potenzials von Musik und Tanz untersucht Gökçe Ogultekin körperliches Zuhören anhand des spezifischen Aspekts der Tonalität. Lassen sich die Beziehungen zwischen den Tonhöhen in eine Analogie zu körperlichen Beziehungen übersetzen? Welche Rolle spielt dabei Mikrotonalität als ein ‚fremdes und ungewohntes‘ System? In ihrer Recherche arbeitet Gökçe Ogultekin mit Peter Rubel zusammen.

Das Recherche Projekt „POSE – zur Politik von Fashion und Performance“ untersucht aus dekolonialem Blickwinkel das politische und aggregierende Potenzial von Kleidungs- und Schönheitspraktiken im Tanz. Kostüm ist ein existentieller Bestandteil der darstellenden Künste und Performativität andersherum ein essentieller Teil von Fashion.

Eine Recherche zum musikalischen Aspekt des Sampelns von Bewegungen: Heterogene Copy & Paste-Moves aus dem World Wide Web entwickeln zusammengefügt einen komplexen Polyrythmus, einen „Bodysound“, der nicht nur perkussiv, sondern auch vegetativ genutzt wird. Erweitert um Stimme, Sprache und Text ergibt sich ein Clash der Welten und Ideologien. Entstehten daraus Chaos und Kakophonie oder eine neue Körper-Poetik?

Die Recherche „Afro-Wellness“ forscht nach Ausschluss und Repräsentation Schwarzer Männer auf deutschen Bühnen. Zunächst wird eine Bestandsaufnahme der aktuellen Situation in Form von Interviews erstellt. Abschließend wird eine körperliche Praxis entwickelt, um die Verhältnisse nachhaltig zu verändern.

Yeliz Pazar unternimmt eine Recherche über die innere Verbundenheit von Stimme, Ton und Bewegung. Dabei untersucht sie die Sprache und Kommunikation des Körpers als Instrument und deren Außenwirkung. Die Recherchearbeit mündet in ein Labor, in welchem die gewonnen Erkenntnisse mit dem urbanen Tanzstil „Waacking“ als Ausdrucksform kombiniert werden.

Das Recherchevorhaben von Katharina Pelosi beschäftigt sich mit der Frage, wie durch performative Praxen Methoden entwickelt werden können, die andere Formen der Darstellung von Geschichte ermöglichen und dabei gleichermaßen versuchen, Stimme als Medium der Tradierung kritisch zu hinterfragen. Aus einer feministischen Perspektive sollen Klangkunst, Performance und Geschichtsschreibung zusammen gedacht werden.

Bouni betreibt eine Eigenrecherche über die Entstehung und Entwicklung der „Urbanen Tanzkultur“ in Deutschland – dem Hip-Hop. Ergänzt wird die Nachforschung durch Expert*innen-Interviews mit Tänzer*innen, die selbst in Deutschland leben und diese Kultur erlebt und geprägt haben.

Ziel dieses Forschungsprojekts ist die Entwicklung einer Bühnengestaltung, die die Ko-Präsenz von digitalen und physischen Wesen in einem performativen Format ermöglicht. Michele Piazzi sucht eine technische Lösung, die sich mit aktuellen und künftigen Reisebeschränkungen auseinandersetzt und nach Zugangsmöglichkeiten für Personen sucht, die nicht physisch im Theater anwesend sein können.

„APHRO HEART BEAT – WELCOME TO THE FUTURE“ beschäftigt sich mit der Afro-Diaspora und ihren kulturellen Produktionen. Dazu wird struktureller Rassismus, die deutsche Kolonialgeschichte und ihre Verbindungen zur Unsichtbarmachung Schwarzer diasporischer Kultur und Wissenschaft untersucht. Ein weiterer Fokus der Recherche liegt dabei auf den Wurzeln elektronischer Musik.

In ihrer Residenz machen sich Hendrik Quast, Maika Knoblich, Christina Neuss und Alexandra Hennig auf die Suche nach neuen Arbeitsformen und darstellerischen Traditionen, die sich für eine performative Bearbeitung eignen, so bspw. die Tattoobranche oder Standup. In der Recherche entwickeln sie Prototypen, die diese Arbeitsformen nicht nur auf der Ebene geschlechtlicher Zuschreibung irritieren, sondern auch die Grenzen von Experten- und Laientum, Können und Dilettantismus, Realität und Fiktion produktiv verwirren.

In der Recherche „Der auditive Raum“ geht Max Rademann der Frage nach, ob und wie sich mittels Formen der darstellenden Kunst partizipative Momente des Musikhörens entwickeln lassen. Diese Momente sollen als gemeinsames Erlebnis von Akteur*in und Publikum entstehen, in denen ein fließender Übergang zwischen jenen als auch zwischen Musik und Performance stattfindet. Wie entstehen auditive Räume und wie sehen diese aus?

Bea Carolina Remark sucht nach einer Ästhetik der (Un)Vollkommenheit in einer Welt von normschönen Körpern. Der Fokus der Recherche liegt auf der Wahrnehmung des Menschen in seiner individuellen (Un)-Vollkommenheit und dem immer wieder neuen Blick auf das Andere. Was machen Zuschreibungen mit Menschen und wie würde die Welt – auch des Tanzes – aussehen ohne Zensur und Beurteilung? Geht das überhaupt?

Der Fokus der Recherche gilt den physischen Auswirkungen der aktuellen Pandemie auf unsere Bewegungssprache. Julia Riera-Kresser erforscht, welche Mechanismen den Körper dazu zwingen, sich der neuen Situation anzupassen und sich neu zu definieren. Diese Auswirkungen werden erfasst und ins Tänzerisch/Choreografische transformiert und außerdem mit Anpassungsstrategien anderer Spezies in Dialog gebracht.

„INTERPHASE – urban digital methods“ stellt eine choreografische Methodenrecherche dar, mit der praktisches Mehrwissen für den urbanen Bühnentanz generiert werden soll. Daniela Rodriguez Romero begibt sich in einen digitalen, kreativen Forschungsraum, in dem entsprechende Aufgabenstellungen für die Bewegung erarbeitet und umgesetzt werden. In einem zweiten Schritt werden das konzipierte Setting und die Arbeitsmethoden im virtuellen Raum erprobt.

Regina Rösing arbeitet als freie Kostüm- und Bühnenbildnerin immer wieder an der Erschaffung von neuen ästhetischen Anreizen. Für das Rechercheprojekt „Vom Bilderbuch zum Bühnenstück“ werden illustrierte Kinderbücher zum Ausgangsmaterial, wo sich mit jedem Exemplar ein neuer Kosmos eröffnet. Rösing untersucht Bilderbücher auf theatralische Übertragungsmöglichkeiten und (er)findet das geeignete Mittel für die Umsetzung neu.

In „Temperament“ untersucht Peter Rubel, wie sich das musikalische Denken in Tonhöhenbeziehungen auf ein choreografisches Denken übertragen lässt. Die Analyse historischer und mikrotonaler Stimmungssysteme ist Ausgangspunkt für eine Suche nach Wechselbeziehungen und Analogien zwischen Tanz und Musik. Rubel arbeitet für seine Recherche mit Gökçe Ogultekin zusammen, die die Thematik aus choreografischer Perspektive beleuchtet.

„CHICKEN LOVE“ ist eine praktische, künstlerische Recherche über das politische und emotionale Verhältnis zwischen Mensch und Tier und über die Möglichkeit einer neuen Kommunikation mit Tieren mit choreografischen Mitteln. Neben theoretischer Auseinandersetzung geht es um die konkrete Beziehung zu dem Huhn Jamila und einer körperlichen Auslotung ihres Lebensraumes, ihrer Bewegungen und ihres Ausdrucks.

Aus der Perspektive der körperlichen Wahrnehmung hat die Pandemie vor allem unser Verhältnis zu Händen und Gesicht betroffen. Geleitet von dieser Beobachtung widmet sich Isabelle Schad choreografischen Studien von Händen und Gesichtern, erforscht und visualisiert deren Zusammenspiel. Können Hände zum Gesicht, zum Haupt (Kopf) oder zur fleischlichen Maske werden? Die Fragestellung wird u.a. anhand von Meridianarbeit und Prinzipien aus der Embryologie erforscht.

Das Realitätsfernsehen präsentiert nicht die Wirklichkeit als Ganzes, sondern zeigt den Alltag in Ausnahmesituationen mit dem Anspruch, Realitäten anhand von Ereignissen darzustellen, die das Gewohnte der Alltagsroutine der Zuschauer*innen durchbrechen. Das Abbilden einer scheinbaren Wirklichkeit. „Ceeping Up With Cointreau“ ist eine kulturtheoretische und moralkritische Analyse von Trash TV.

Gregor Schuster erforscht Sprache, Körper, Identität und Begehren der LGBTQI+ Community im digitalen Möglichkeitsraum. Dabei liegt sein Fokus auf folgenden Fragen: Mit welcher Sprache kann ich meine Identität beschreiben? Wo bin ich Teil von Zuschreibungen? Welche Machtgefälle gibt es im Internet? Welche Form von Poesie ist im digitalen Raum möglich? „Digital Language/ Digital Bodies“ ist ein digitales Sprachlabor.

Bedingt durch die Covid-19-Pandemie setzt sich Kübra Sekin mit den künstlerischen Möglichkeiten digitaler Life Performance auseinander. Erforscht wird die Diversität von Körpern aus unterschiedlichen Kameraperspektiven unter Einbezug verschiedener video-technischer Möglichkeiten und unter dem Einbezug des Kommunikationsdienstes Zoom.

Die künstlerische Praxis von Mobile Albania basiert auf dem flüchtigen Material, das sich in ihren performativen Umgebungsdurchstreifungen zeigt, dem Sich-Ereignen im Moment der Zusammenkunft. Im Rahmen ihrer Residenz suchen sie nach Praktiken des Archivierens und nach Formulierungen von Handlungsanweisungen, um damit ihre Theatersprache weiterzuentwickeln. Till Korfhage wendet sich dabei der Suche nach einer lebendigen und dynamischen Archivierungspraxis zu.

In seiner Recherche beschäftigt sich Moritz Stumm mit der Instanz des*r Trainers*in und analyisiert die damit verbundenen Machtstrukturen und die Prozesse des Lernens, der Optimierung und der Disziplinierung nach ihren ökonomischen Zwängen und Zusammenhängen. Untersucht wird u.a. die Arbeit von Ausbilder*innen der Polizei und des Militärs, von Drillinstructors in Bootcamps für Jugendliche, Sporttrainer*innen, aber auch Anti-Aggressions-Trainer*innen und Life-Coaches.

Nesrin Tanç versteht die Suche nach unterschiedlichen Formen der performativen Darstellung als Suche nach Referenzpunkten für das eigene Handeln und Konzipieren. Die Sichtbarkeit der Narrative, die eine transnationale, gemeinsame Erinnerung fördern sowie eine Suche nach global-historischen und narratologischen Hinweisen stehen im Zentrum ihres Vorhabens.

Mit der Recherchearbeit „Hyphae“ werden auf theoretischer und praktischer Ebene verschiedene Stränge der Auflösung der Dichotomie von Leben und Materie erforscht. Inspiriert von dem Begriff der Hyphen (Pilzfäden), versteht sich die Forschung als ein Spinnen und Verflechten künstlerischer Mixed-Media-Ideen (Installation, Performance, Zeichnung, Text) zu einem losen und offenen Gesamtgefüge.

Franz Thörichts Residenzvorhaben setzt Vorhänge als Gestaltungselemente, Raumtrenner und referenzielle Marker im Kontext Darstellender Künste in den Fokus. Hierbei sollen praktische Nutzungen, deren soziopolitische Implikationen sowie die vielfältigen Bildreferenzen von Vorhängen in Materialexperimenten und Entwürfen untersucht werden.

Enis Turan arbeitet an ‚nichtidentischen‘ Formen der Ästhetik und ‚nichtidentischen‘ Methoden der Zerstörung. Welche Rolle und Form nimmt der zeitgenössische Tanz in diesem sich selbst-befragenden Raum ein? Eine zerstörende Ästhetik. Eine tanzende Zerstörung von Ästhetik. Ein Tanz mit Ästhetik und Zerstörung.

„What´s Missing“ ist eine acht-wöchige Recherche-Arbeit von Paul Davis Newgate mit dem Ziel, die Selbstreflektion von Innen und Außen genauer zu beleuchten und aufzuarbeiten: Woran kann ich arbeiten? Was fehlt mir? Was fehlt uns? Es geht um innere und äußere Einstellungen, um Körpergefühl, Stärke, Beweglichkeit, Geschick und Wissen.

Mit „Maximum Service“ untersucht Jeremy Wade die Formen der Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen sich selbst und Kolleg*innen und deren Selbstwahrnehmung als Agent*innen des Wandels in der Kulturbranche. Interviews mit Kulturschaffenden zeigen, wie anspruchsvoll die Arbeit in der Kultur ist und mit welchen oft gewalttätigen Annahmen, Paradoxien und Ungerechtigkeiten Künstler*innen konfrontiert sind.

Im Rahmen der Residenz „Reimagining performative environments & tomorrows“ entwickelt die Choreographin Alexandra Waierstall Texte und Skripte zu Landschaften und Strukturen – auch des Theaterraums – zwischen Nähe und Distanz, zwischen Stärke und Fragilität, basierend auf Fürsorge und Respekt. Verschriftliche Gedanken, Gesten, Emotionen und Inspirationen kreieren einen offenen Raum, dienen der Vergewisserung und überführen die mentalen Strukturen in verbale Strukturen.

An vier Orten in der Welt stehen vier „White Cubes“, deren vier Wände von vier Choreograf*innen aus vier Nationen gleichzeitig bespielt werden. Die Arbeit zeigt, dass die Welt trotz Pandemie und anderen Gründen, die zu Reisebeschränkungen führen, ihren weltweiten Zusammenhalt in der Kunst nicht aufgibt: eine Kollaboration gegen alle nationalistischen Beschränkungen.

„Außerirdisch“ beschäftigt sich aus choreografischer Perspektive mit dem Genre Science Fiction, der Konstruktion des Unbekannten, Modellen von Identifikation, artenübergreifenden Beziehungen und deren Potential für die Entwicklung von zeitgenössischen Balz-Tänzen. Zudem soll das Potential von Science Fiction genutzt werden, um aktuelle Subjekt-Positionen infrage zu stellen.

Im Rahmen einer zweimonatigen künstlerischen Recherche werden Potentiale und Ästhetiken des Kollaborativen im urbanen Raum von gestern, heute und morgen und der künstlerischen Praxis im und um den Mehrringplatz (Kreuzberg) erforscht und dokumentiert. Hierfür entwickelt Alma Wellner Bou im Sinne der ‚Urbanen Praxis‘ Begegnungs- und Gesprächsformate.

Meo Wulf erforscht den öffentlichen Raum, den eigenen Körper und die Situation der LGBTQIA+-Community in der heutigen Gesellschaft. Zusammen mit Cointreau On Ice untersucht er den Luxus, das Gewissen und die queeren Menschen im Jahr 2021. Damit es im Gedächtnis bleibt, legt Meo besonderen Wert auf die ästhetische und humoristische Umsetzung des Erforschten.

Im Rahmen ihrer Residenz untersuchen Angie Hiesl und Roland Kaiser den Einfluss physikalischer Größen auf Objekte, Raum und Körper. Im Zentrum steht die Suche nach dem Wesen der Performance – dem ‚Faktor X‘. Wie verändern Umgebungseinflüsse den performativen Prozess im öffentlichen Raum? Und wie lässt sich diese kinetische Energie sinnvoll bündeln?

In „When Animals Speak“ untersuchen Anja Müller und Dennis Deter künstlerische Möglichkeiten von Kommunikation zwischen verschiedenen Spezies und widmen sich dabei Menschen, Tieren und Pflanzen. Dafür sammeln und imaginieren sie Stimmen, die sich mit Ideen eines gleichberechtigten, interspezifischen Zusammenlebens befassen und experimentieren mit kreativen Ausdrucksformen menschlich/nicht-menschlicher Dialoge.

Anna Kpok entwickeln Theatergames und narrative Räume. Dabei entstand ein Interesse an Formen des Figuren- und Objekttheaters. Fünf Kpoks arbeiten nun daran, Objekte als Träger*innen biografischer Erzählungen künstlerisch in Settings einzubetten. Während Erzähltechniken des Digitalen weiterhin ihr künstlerisches Interesse bestimmen, werden die analogen Objekte hier jedoch zu den Hauptakteur*innen.

Wie können wir die Beziehung zwischen Menschen und Objekten im performativen Raum – und auch darüber hinaus – neu denken? äöü untersuchen in ihrer Recherche Strategien verschiedener Bereiche, in denen spezielle Mensch-Gegenstand-Verhältnisse vorkommen, auf ihr performatives Potential.

In der Recherche „a voice of a generation (low)“ untersuchen Artmann&Duvoisin in Text und Bewegung die Überschneidungen ihrer tänzerischen Tätigkeit mit neoliberalen Konzepten von Selbst und Arbeit und spekulieren, wie sich ihre künstlerische Sprache verändern kann, wenn Narrative von Erneuerung, Immersion, Singularität und Überwindung der eigenen Grenzen verschoben oder opponiert werden.

Das Kollektiv .DENCUENTRO macht sich auf die Suche nach neuen Formaten der Kommunikation zwischen individuellen und kollektiven Weltanschauungen. Wie können beispielsweise Phänomene wie Festlichkeit oder Gewalt aus verschiedenen Perspektiven verstanden werden? Dafür gehen sie in den Austausch mit anderen Künstler*innen und Forscher*innen, die sich ebenfalls mit der Komplexität der Interkulturalität beschäftigen.

Nach langjähriger künstlerischer Praxis in den analogen Räumen der postindustriellen Landschaft des Essener UNESCO-Welterbes Zollverein, recherchiert das Ensemble Claudia Lichtblau nun zu neuen medialen Formaten der Produktion und Präsentation Darstellender Kunst sowie zu digitalen Archiven und Plattformen im kollektiven Online-Gedächtnis.

Ginevra Panzetti und Enrico Ticconi erproben neue Formen des künstlerischen Ausdrucks in der Verschmelzung der choreografischen Geste, der grafischen Zeichnung und der Arbeit mit Videotechniken. Inspiriert sind sie von der formalen Absurdität und Machtsymbolik chimärer Figuren in der Heraldik. Panzetti und Ticconi begeben sich auf die Suche nach einer innovativen künstlerischen Sprache, die auch über die Pandemie hinaus Bestand haben könnte.

Corona Reisebeschränkungen, asymmetrische Visazugänge und der Wunsch nach CO2-Reduktion stellen die transkontinentale Gruppe Gintersdorfer/Klaßen vor die Frage: Wer kann bei einer Performance physisch anwesend sein und wer nimmt aus der Distanz teil? Thematisch orientiert an der Pariser Kommune beschäftigen sie sich in diesem Rechercheprojekt am FFT Düsseldorf mit neuen Formen von physischer und nichtphysischer Anwesenheit.

Orte der Begegnung und des sozialen Miteinanders haben sich nach draußen verlagert, wobei die Grenzen zwischen unterschiedlichen kulturellen Ereignissen und Dynamiken diffus verlaufen. Verlässt das Musiktheater die geschützte Bühne und begibt sich in diesen trubeligen und hochregulierten Raum, begegnet es vielfältigen Herausforderungen. Es gilt zu erforschen, was draußen künstlerisch möglich ist, welche sozialen und ästhetischen Regeln gelten und wer oder was bei einer Aufführung dort alles mitspielt.

Im Zentrum der Recherche von HARTMANNMUELLER steht der Live-Moment und die Möglichkeit seiner Digitalisierung. Nach wie vor wird die reale Begegnung zwischen Künstler*innen und Publikum als elementar für die darstellenden Kunst betrachtet. So loten sie das Spannungsverhältnis zwischen Realität und Virtualität aus und fragen sich: Wie wichtig ist der Live-Moment wirklich für Ihre Performance-Kunst?

Im Rahmen der Residenz „Choreographische Szenen im Film“ in Verbindung zum tanzhaus nrw werfen der renommierte Choreograf Raimund Hoghe und sein künstlerischer Mitarbeiter, der bildende Künstler Luca Giacomo Schulte, ausgehend von der filmischen Dokumentation der aktuellen Bühnenstücke einen fokussierten Blick auf die Arbeit und eröffnen sich Freiräume für die zukünftigen Choreografien.

„Inner Lowlands are made of Silver“ ist eine Begegnung zwischen dem Tänzer Julio César Iglesias Ungo und der Tänzerin Claudia Iglesias. Gegenüber den zahlreichen dystopischen Erzählungen, die uns zurzeit umgeben, konzentriert sich diese Recherche darauf, die Sicht auf das eigene innere Selbst zu entwickeln und dabei seine Stärken, Schwächen und Grenzen auszuloten.

Das Trio von Label Noir – Bailey/ Dabulamanzi/ Darko – nutzt die Rechercheresidenz, um Methoden zu erforschen, die es ihnen erlauben das verborgene Wissen ihrer politisierten Körper freizulegen und dieses neue/alte Wissen für Performances nutzbar zu machen. Dies soll vornehmlich durch die Analyse von Videointerviews geschehen und praktische Anwendung in einer Performancepraxis finden, die Ritual, Ahnen, Geschichtsschreibung und VR neu denkt.

In einem performativen Grenzgang zwischen Datenanalyse und theatraler Figurenentwicklung erforschen Hans Block und Moritz Riesewieck, wie die Datafizierung menschlichen Lebens das Verhalten eines Menschen verändert. Welche Schlüsse über die Persönlichkeit lassen Verhaltensdaten, die Google und Facebook erheben, zu und was bedeuten solche Profile für das Selbstbild als autonomes Individuum?

Die Bedeutung historische Embleme ergibt sich aus dem Zusammenwirken verschiedener visueller Ebenen. Dieser Apparat der Erkenntnisgewinnung wird in „EMBLEMATA URBAN“ für heutige urbane Räume adaptiert. Wie können Passant*innen in ein Wechselspiel von Beobachtung – Lektüre – Entschlüsselung involviert werden, das sie einlädt, sich als Interpret*innen der eigenen sichtbaren und mentalen Stadtlandschaften zu erfahren?

Eleonora Herder und Tim Schuster denken über Kunst als Sorgearbeit nach. Im Austausch mit Künstler*innen an der Schnittstelle von Kunst und Community-Arbeit suchen sie nach künstlerischen Momenten in alltäglichen, in Routine performten Handlungen der Sorge- und Instandhaltungsarbeit. Wenn sich Künstler*innen der Sorgearbeit zuwenden, werden sie dann endlich auch systemrelevant oder entsprechen sie damit nur in vorauseilendem Gehorsam der neoliberalen Impactforderung?

Die von einem digitalen Schleier durchzogenen Erzählweisen einer aufstrebenden Generation von Cyberfeminist*innen bilden die Komplexität des Lebens in Zeiten der Pandemie ab. „Project Q“ der multidisziplinären Plattform Creamcake intensiviert ihre Experimente zur digitalen Inszenierung von Theater und erforscht neue Formate, Ästhetiken und Rahmenbedingungen aus unterschiedlichen Perspektiven.

Rimini Protokoll arbeiten an neuen Formaten, die mit der veränderten Situation in Zeiten von Pandemie und Klimawandel umgehen. Wie kann eine Aufführungspraxis aussehen, bei der das Publikum physisch genügend Raum hat? Wie lässt sich mit Mitteln des Theaters eine neue Beziehung zur Natur herstellen? Wie können internationale Netzwerke aktiv bleiben, wenn das grenzüberschreitende Reisen schwieriger wird?

Lex Rütten und Jana Kerima Stolzer arbeiten seit vier Jahren als Duo zusammen. Der Ausgangspunkt ihrer Performances und szenischen Installationen ist häufig von der Verflechtung zwischen dem Menschen, seinem technologischen Umfeld und den daraus entstehenden Narrativen geprägt. Während der #TakeCareResidenz gehen sie der Möglichkeit von Theater im virtuellen Raum nach und beschäftigen sich inhaltlich vertiefend mit künstlicher Intelligenz als kreativem Spielfeld.

SEE! Kollektiv erforscht während des Residenzvorhabens die Stimme als Mittel der Verstärkung, der Ausdehnung und Verbindung. SE Struck und der Komponist/Klangkünstler und Arrangeur Ben Lauber widmen sich in ihrer Forschung dem live erfahrbaren Resonanzraum des Körpergedächtnisses. Der Körper als Boom Box.

Im Sommer 2020 eröffnete das Deutsche Museum für Schwarze Unterhaltung und Black Music (DMSUBM) als performative Installation. In einem Weiter- und Neudenken dieses Projekts setzt sich das Team hinter dem DMSUBM intensiv mit dem Wesen des Archivierens und dem Digitalisieren auseinander und sucht nach performativen Formaten, die sich neu mit dem Material auseinandersetzen.

„Tanzlation“ erforscht, wie deutsche Gebärdensprache mit ihren 4 Parametern (Handform, Handstellung, Bewegung und Ausführungsstelle am Körper) unter Anwendung von tanzimprovisatorischen und -kompositorischen Prinzipien eine innovative zeitgenössische und urbane Bewegungssprache generieren kann, die sowohl für hörende, als auch für gehörlose Rezipient*innen gleichermaßen barrierefrei zugänglich ist.

Geförderte Vorhaben flausen+bundesnetzwerk

Mit dem Projekt „Highly PRIVILEGED“ widmet sich die Künstlerin Aisha Konaté performativ und stimmlich verschiedenen Vorstellungen und Abbildungen Schwarzer Weiblichkeit und eignet sich den Begriff „PRIVILEG“ neu an. Dazu werden Bilder, Musik und Texte von eigenen Vorbildern und denen ihr naher Schwarzer Frauen* unterschiedlicher Hintergründe in Prozessen der Aneignung körperlich erfahrbar gemacht.

„The making of a YouTube Radical“ ist ein Research-Projekt über Radikalisierung und Verschwörungsmythen. Ziel ist, inhaltlich und technologisch zu untersuchen, wie eine Transformation vom realen Bühnen- in den digitalen Raum gestaltet werden kann. Dazu sollen Technologien aus den neuen Medien erschlossen werden.

In der vorgenommenen künstlerischen Recherche „Durch.Halten“ setzt sich Alica Khaet mit dem Thema des Theateralltags in den kontroversen Zeiten von heute kritisch auseinander. Dabei bleibt sie nicht bei einem bestimmten Ausdrucksmittel, sondern arbeitet medienübergreifend, von grafischen Studien bis in die Tanz- und Videoperformance, ergänzend mit der aufwändigen handgemachten Paper-Cut-Animation.

Zur Vorbereitung der immersiven VR-Rauminstallation „VR ZUKUNFT“ befragt Alisa Tretau die Gegenwart aus möglichen Zukünften heraus nach ihrem Potenzial jenseits der Katastrophen: Was können wir aus der Gegenwart lernen und heute schon umsetzen, um lebbare Aussichten zu kreieren? Die Suche führt mit Libken e.V. von Bradenburg aus ins Silicon Valley, lässt Cyborgs sprechen und Pandemien verstummen.

Judith Altmeyer ist freischaffende Performerin in Frankfurt am Main und hat sich in vergangenen Arbeiten intensiv mit dem Verhältnis zwischen Performerin und Publikum auseinandergesetzt. Sie möchte sich nun die Rolle einer Wahrsagerin aneignen und daran forschen, wie sie einem Publikum die Wahrheit vorhersagen kann. Dafür möchte sie Erzählstrategien und Manipulationsmechanismen erarbeiten.

Sebastian Bauer erforscht Gesetzmäßigkeiten sportlicher Wettkämpfe und prüft unterschiedliche theatrale Ansätze für ihre Darstellung auf der Bühne. Einen Fokus richtet er dabei auf im Wettkampf geforderte sterotyp männliche Verhaltensweisen und fragt sich, inwieweit insbesondere das Musiktheater sich für deren kritische Reflexion und die Suche nach Alternativen anbieten kann.

Kann man Sex jenseits von körperlichem Kontakt erleben? Könnte Sex ein flach-hierarchisches Machtspiel werden? Kann die Macht hinter diesem Spiel Erotik sein? Ist Erotik die ausgebildete Macht, die aus der Selbsterkundung entsteht? Können wir erotisch, verbal, in Abstand Sex haben? Performer* Ronald Berger möchte diesen Diskurs-Raum als ehrenamtliches sexarbeitendes Meerjungwesen eröffnen.

„Warum habe ich solche Angst zu sprechen? Wovor habe ich Angst? Angst davor, zu laut zu sein? Oder zu leise?“
Eine Recherche über das Brechen des Schweigens.
Britta Tränkler, Figurenspielerin, begibt sich auf die Suche nach der eigenen Stimme. Ausgehend von Reden und Texten Audre Lordes erforscht sie den Prozess der Transformation des Schweigens in Sprache und Handlung.

Wie finden sie den richtigen Weg? Folgen sie den Sternen? Dem Mond? Oder rufen sie sich gegenseitig? Und was hören sie auf ihren tausende Kilometer langen Reisen? Cathrin Romeis untersucht in ihrer Recherche akustische Dimensionen und musikalische Beschreibungen der Wanderungen, Reiserouten und Navigationsverfahren von Zugvögeln.

Wie hängen die Vorstellungen vom eigenen Wohl und Wohnen und sozialer Erschöpfung zusammen? Wessen Wohl und was ist das Gemein-? Wie geht nochmal Nähe und das mit dem Körper? „Liebe Grüße, dein Gemeinwohl“ ist eine künstlerische Auseinandersetzung von Charlotte Lauber.

Charlotte Simon (*1986 in Mainz) lebt und arbeitet als freie Musikerin, Performerin und Theatermacherin in Frankfurt a/M.
Mit dem Recherchevorhaben „Gärtnern“ möchte sie die Gartenarbeit auf musiktheatralische Handlungsanweisungen hin untersuchen und somit der Frage nachgehen: Was sind die praktischen Überschneidungspunkte der unterschiedlichen Felder von Freizeitgestaltung und Kulturproduktion?

Der freie Theaterregisseur und Autor Christoph Clausen sucht in der Vergangenheit nach Momenten des kollektiven Erinnerns und formuliert eine fiktionale Autobiografie, die sich an den Widersprüchen und Konflikten einer Gesellschaft und ihrer Geschichte abarbeitet.

Fabian Cohn will mit seiner Recherche zum Thema „Empathie“ die Grundlage für mehrere choreografische Arbeiten schaffen. Dabei versteht er Empathie als Gegenpol zu egoistischem Machtstreben und Polarisierung, welche Demokratie und friedliches Zusammenleben gefährden. Tanz als Medium erscheint durch seine emotionale Unmittelbarkeit besonders geeignet für eine Auseinandersetzung mit diesem Thema.

Zé de Paiva beschäftigt sich mit Technologie und Ritualen in Performance, mit dem Verhältnis von Körpern in technologisierten Zusammenhängen und in dem, was gemeinhin als natürlicher Körper gedacht wird. Technologie verweist auf die Zukunft – Rituale werden als etwas Ursprüngliches gedacht. Welche Verknüpfung besteht zwischen kolonialer Vergangenheit und Technologie?

Die nun geforderte physische Distanz zum und im Publikum verändert das Erlebnis „Theater“. Wie kann ein junges theaterunerfahrenes Publikum sich dennoch als aktiver Teil des Geschehens erfahren? Dorothee de Place sucht nach Raumkonzepten, in denen die physische Vereinzelung sinnhaft und zur ästhetischen Kraft wird.

„Ohne Freunde können wir nicht gut sein und nicht gut leben.“ (Aristoteles). Der Begriff der Freundschaft ist ein Jahrtausende altes Phänomen. Aber was bedeutet Freundschaft im Jahr 2020? Was bedeuten einem seine Freund*innen? Und hilft das Konzept von Freundschaft beim Gestalten eines politischen, sozialen und vielleicht auch emotionalen Wandels unserer Gesellschaften?

Das Rechercheprojekt „rough ground“ der Tänzerin und Choreografin Ellen Brix lotet das Moment in einem konstruierten Bühnenraum aus, der mit unterschiedlichen Requisiten für Klang und Bewegung ausgestattet ist, und dessen Boden labil gestaltet werden soll, und als Impuls gebendes Element dient. Die Bewegungsstudien werden mit Kamera dokumentiert.

In dem Recherche Vorhaben „Plants Orchestra“ möchte Jakob Engel sich mit der Frage beschäftigen, wie Pflanzen musikalische Akteure werden können. Zusammengefasst zu einem Orchester möchte er die Pflanzen das Oratorium die „Die Schöpfung“ von Haydn spielen lassen. Jede Pflanze spielt die Partitur eines Instruments aus dem Oratorium, allerdings in dem Rhythmus der Pflanzen eigenen Microimpulse.

„nonhuman“ ist ein künstlerisches Forschungsvorhaben über Naturdokumentationen und die (Un)Möglichkeiten, nonhumanen Lebewesen wie Pflanzen oder Pilzen mittels technologischer Schnittstellen als Co-Performenden zu begegnen. Welche Bilder produziert ein Schleimpilz? Welche Sounds eine Alge? Bekannte mediale Inszenierungen von Natur als Gegenwelt sollen reenacted, manipuliert und neu erzählt werden.

Die israelische Tänzerin und Choreografin Gal Fefferman beschäftigt sich mit menschlichem und pflanzlichem Atem und der Beziehung, in der beide Spezies dadurch stehen. Sie untersucht die Sichtbarmachung des Verhältnisses zwischen Luftströmungen, Atem und Bewegungen und die Möglichkeit, daraus eine neue Perspektive auf die Koexistenz mit Pflanzen im geteilten Raum zu werfen.

Felicia Daniel setzt sich in ihrer Forschung mit der Romanfigur Isa aus Wolfgang Herrndorfs Roman „Bilder deiner großen Liebe“ auseinander. Dabei interessiert sie Isas Umgang mit ihrer Krisensituation. Da Isa darüber hinaus als gehörlos interpretierbar ist, möchte Felicia – unter Einbeziehung von Expert*innen – auch erforschen, wie eine gebärdensprachliche Textfassung des Romans aussehen könnte.

Fender Schrade beschäftigt sich in seinem Projekt mit „Zuhören“: Zuhören als aktiver Prozess im Kontext von Musik/Klang und Theater. Wie kann Zuhören ein musikalischer/künstlerischer Prozess sein? Schrade recherchiert u.a. nach Konzepten und Praxen zum Thema Zuhören in öffentlichen Aufführungssituationen und speziell im Feld der zeitgenössischen Performance.

Figurenspielerin Julia Raab besinnt sich auf die Erforschung von Material im Masken- und Figurenbau. Eigene Bauideen umsetzen und weiterentwickeln, Erforschen und Recherchieren von verschiedenen Figurenformen, Figuren(bau)techniken und Methoden. Und dabei ohne Druck und Vorgabe für ein bestimmtes Projekt zu arbeiten, sondern sich von Material und Idee(n) treiben lassen ist das erstrebte Ziel.

Die Performerin Akiko Ahrendt wird sich über einen längeren Zeitraum auf einer Weide vom Ort und seinen Geräuschen leiten lassen, um im Sinne Donna Haraways in Austausch und Kommunikation mit den Akteur*innen auf der Weide zu treten. Mit Steinen, Holz und selbstgebauten Monochorden wird sie eine Art lauschende Resonanz etablieren und den Reiz in der Reduktion und den leisen Reibungen erspüren.

Die nun geforderte physische Distanz zum und im Publikum verändert das Erlebnis Theater. Wie kann ein junges theaterunerfahrenes Publikum sich dennoch als aktiver Teil des Geschehens erfahren? Frank Puchalla sucht nach theatralen Inhalten, bei denen physische Vereinzelung sinnhaft und zur ästhetischen Kraft wird.

Carlos Franke experimentiert mit farbigem Licht, farbigen Brillen, räumlicher Tiefe und Mythenbildung. Was erscheint, was wird unsichtbar auf der Theaterbühne, wenn man sie durch Rot-grün-Brillen aus dem frühen 3D-Kino betrachtet? Welche optischen Effekte sind möglich? Im Hintergrund steht dabei die Annährung an den Kunstmythos eines mysteriösen König in Gelb.

Die Sängerin und Performancekünstlerin Frauke Aulbert beschäftigt sich während ihrer Residenz an der Wiese e.G. mit theoretischen und praktischen Aspekten der Performativität von Ritualen traditioneller Gesellschaften. Dabei betrachtet sie speziell den Gebrauch von Stimme und Bewegung im Zusammenhang mit dem Sinn bzw. dem Einsatzgebiet des Rituals.

Das Paradigma der Caring Culture erhält neue Aktualität. Wie kann sich diese Aussage als künstlerische Praxis, als eigene künstlerische Ästhetik in der Auseinandersetzung mit der sozialen Realität manifestieren? Was bedeutet „Caring“ für die eigenen Arbeitsstrukturen und -inhalte. Die freie Kuratorin und Künstlerin Gabriele Oßwald befragt das Thema mit einem interdisziplinären Blick.

Der Liedermacher, Kinderliedermacher, Musiker und Komponist Toni Geiling tauscht das Mikrofon gegen eine Kamera. Das kann doch nicht so schwer sein? Musik allein kann sehr erfüllend sein, aber Musik und Bilder können in der heutigen Zeit weiterreisen. Dazu muss Toni Geiling jetzt erstmal ganz viel Neues entdecken und erlernen.

Das Online-Recherche-Projekt „STILLE NACHT“ widmet sich dem weit verbreiteten Phänomen der weihnachtlichen Besinnlichkeit. „STILLE NACHT“ hinterfragt Konzepte der Besinnlichkeitserzeugung und sucht nach Alternativen zu nihilistischer Rhetorik (wer braucht den ganzen Quatsch) und erleuchtungsverheißenden Mantras (Oh du fröhliche), um zu verstehen, was wir wirklich brauchen, um zur Besinnung zu kommen.

In ihrem Forschungsprojekt „Swamp City“ möchte Laila Gerhardt an und mit Klängen arbeiten, die vermeintlich unhörbar sind. Es geht um Parallelen zwischen Sounds, die städtisch sind, und denen, die dem Sumpf oder Wald zugeschrieben werden. Sie versucht durch technische Einflussnahme mögliche Hörqualitäten zu produzieren, die neue Perspektiven zur Umgebung entstehen lassen.

Der Autor und Regisseur Danny Goodman schafft mit dieser Recherche die Grundlage für ein Theaterstück in der Zukunft, indem er Menschen verschiedener gesellschaftlicher Milieus, Berufe, sozialer Gruppierungen zum Thema Radikalisierung, Staatsrezeption, Politik, Zufriedenheit, Maßnahmen und Verhältnismäßigkeit angesichts der Pandemie und einer möglichen staatlichen Veränderung befragt.

Der Komponist Tobias Hagedorn, der sich auf elektronische Musik in experimentellen Environments spezialisiert hat, beschäftigt sich mit den komplexen naturalistischen wie mythischen Sphären von Sumpflandschaften. Auf dem Versuch, eine realistisch anmutenden Soundlandschaft entstehen zu lassen, forscht er an neu zu programmierenden elektronischen Instrumenten.

Die Menschheit ist irgendwo falsch abgebogen; jetzt sitzen wir inmitten von Katastrophenbildern und Zukunftsangst. In ihrem aktivistischen SciFi-Rechercheprojekt beschäftigt sich Hannah Baumann mit gesellschaftlichen Abbiegungen, die uns hierhin geführt haben und uns zukünftig woanders hinführen könnten: Dazu befragt sie Expert*innen und Aktivist*innen, und durchkämmt SciFi-Literatur nach Alternativen.

In seiner Residenz erforscht der Musiker und Komponist Hannes Lingens klangliche wie performative Aspekte des Schlagzeugs im Verhältnis zum Raum. Dabei untersucht er das Instrument als flexible, mobile Klangskulptur und betrachtet sowohl den Außenraum in Form des Theatersaals des WUK Theater Quartier, als auch den Innenraum der Instrumente in der Arbeit mit Verstärkung und Aufnahmetechniken.

Ihm Rahmen von „GLUTAMAT“ stellt die Berliner Choreografin und Tänzerin Dasniya Sommer die Normierung von Körperbildern, Exotismen und Fast-Food-Konsum in einen irritierenden Zusammenhang. Als Analysetools dienen ihr dabei ein dekonstruierndes Verständnis von klassischem Ballett, die japanische Bondage Variante Shibari und eine originäre Pop-Art-Adaption.

Dagrun Hintze möchte herausfinden, ob man dem klassischen Bauerntheater ein zeitgenössisches Bäuer*innentheater entgegensetzen könnte. Für die Recherche will sie Expert*innen treffen und, wenn möglich, landwirtschaftliche Betriebe besuchen. Eignen sich die Landwirtschaft und ihre Protagonist*innen als Thema für partizipative Theaterformate?

Julia Hoffstaedter, Schauspielerin und Performerin, möchte zu dem Thema „Nähe und Distanz – ein brisantes Terrain und sozialer Nährboden“, am Beispiel eines beliebten Treffpunkts, einer mobilen Kaffeebar, recherchieren. Wann ist jemand zu nah und wann hält jemand irritierend viel Abstand? Wo liegt die persönliche Distanzgrenze? In Zeiten wie diesen ist der Begriff „Abstand“ allgegenwärtig.

Mit dem Recherche-Projekt „HANAMI“ untersucht die Künstlerin Melissa Holstein das Verhältnis von Mensch und Natur im urbanen Leben. Dabei erforscht sie Möglichkeiten des inneren und äußeren Naturerlebens in der Stadt im Hinblick auf die Frage: Wie können wir mit einfachen künstlerischen Mitteln Natur in der Urbanität erleben, um Verbundenheit zu erfahren und daraus Kraft zu schöpfen?

In Zeiten von Identitätspolitik, wo steht *mensch da als Frau mit Behinderung? Wird *mensch mehr als Frau oder als behindert wahrgenommen? Und welche Perspektive definiert *mensch eigentlich: die Fremd- oder die Eigenwahrnehmung? Zu diesen Fragen forscht Jana Zöll mit Stimme, (eigenen) Körperbildern und Bewegung, indem sie diese der Außenwahrnehmung preisgibt und Assoziationen erfragt.

Braucht es eine radikale Neudefinition dessen, was Kunst ist, um die fortschreitende Spaltung der Gesellschaft zu überwinden? In einer Interviewrecherche erforscht Janette Mickan die Branche selbst. Welchen Herausforderungen begegnen Künstler*innen aktuell in Reaktion auf Welt? Sind sie im Kontakt mit der Gesellschaft; gelingt es, durch Kunst Gemeinschaft zu stiften?

Unter dem Titel „Inside Circus“ recherchiert Jongleur und Performer Jonas Schiffauer im Rahmen der #TakeCareResidenzen zu Schnittstellen zwischen Artistik und Kameraarbeit.
Er untersucht dabei aus filmischer Perspektive das Risiko des Scheiterns als zentrale Eigenheit der Zirkusdisziplinen, sowie die Perspektive und Rolle des Objekts als Protagonist der Jonglage.

In „landslide“ setzt Judith Förster ihre Forschung zu räumlichen und materiellen Anordnungen als choreografische Generatoren fort. Was passiert, wenn Raum und Körper nicht klar zu trennen sind? Wie kann man kreativ mit konkreten, räumlichen, oder selbstauferlegten Restriktionen umgehen? Was ermöglicht die Interaktion von Material und Bewegung, was der Körper allein nicht bewerkstelligen kann?

Die Dichterin und Dramatikerin Juliane Blech verfolgt mit ihrer Recherche „Metamorphosen meiner Gedichte“, welche Verwandlungen und Darstellungen von lyrischen Texten möglich sind. Lautliche, körperliche, musikalische, fotografische, szenische, spielerische, grafische Metamorphosen ihrer Gedichte stehen im Fokus ihrer Auseinandersetzung.

Neue Medien und (Selbst-)Referenzialität im Kindertheater – geht das? Schon Dreijährige unterscheiden selbstbewusst zwischen „im Spiel“ und „in Echt“, und wechseln ungehemmt vom einen zum anderen. In Recherche und Erforschung erkundet ein erfahrener Medien- und Theaterkünstler einen kindgerechten Medieneinsatz und selbstreferenzielle Formate.

Mit „Handgefühl“ erforscht die taube Künstlerin Kassandra Wedel die Gebärdensprache als Kunst und Bühnensprache. Wie weit reichen ihre Hände, wie gehen die Möglichkeiten, um sie auch für hörendes Publikum zugänglich zu machen? Welche Schätze verbirgt Gebärdensprache, die es performativ zu entdecken gilt?

Die Tänzerin und Choreografin Annekatrin Kiesel nimmt sich Sumpflandschaften zum Vorbild, um psychosomatische Zustände zu erforschen und die Trennung nicht nur von Körper und Geist infrage zu stellen, sondern auch von Körpern und ihrer Umgebung. In der Beschäftigung mit konkreten Naturmarialien – Wurzeln, Erde und Wasser – assoziiert sie Phänomene der Verdrängung, Erinnerung und Flashbacks.

Die Luft, die wir in einem Theaterraum atmen, ist zu einem Infektionsrisiko geworden. Nils (Nisse) Kreysing experimentiert mit der bewussten Entscheidung für sehr wenige Zuschauer*innen bis hin zu 1 zu 1 Situationen. In verschiedenen Settings wird mit dieser minimalistischen Form gearbeitet.

„Collecting Sensorial Debris“ verbindet das Interesse an der Körperlichkeit mit konzeptuellem, politischem und theoretischem Denken und verwendet den Körper als primären Forschungsort. Layton Lachman möchte bestimmte Kontrollen befragen, die an und in unserem Körper ausgeübt werden, sowie unsere Vorstellungen davon, wie Bewegung und der Körper entscheidend zur Wissensproduktion beitragen können.

Während ihrer Residenz setzt sich die Tänzerin und Choreografin Laura Heinicke mit Schwingungen auseinander. Dabei geht sie der Frage nach, wie diese insbesondere in der Optik und Akustik auf den Körper von Performer*innen wirken und welchen Einfluss sie auf die Rezeption des Gezeigten beim Publikum entfalten. Aus den Erkenntnissen leitet sie neue Ansätze für ihre weitere künstlerische Arbeit ab.

Leonardo Foncesa de Silva sucht die tänzerische Kommunikation und entwickelt Strategien, die einen Zugang zu Publikum im Öffentlichen Raum möglich machen. Er widmet seine Residenz der Forschung, Analyse und einer umfassenden Interaktion mit der multikulturellen Bevölkerung in der Postosteuropäischen Stadt, die ihren Umgang mit gewonnener Vielfalt neu lernt.

„HIER KOMMT EIN ABSCHIEDSLIED“ ist eine Recherche von Lisa Marie Stoiber, die sich mit Erfahrungen von Erwachsenen im Angesicht des Todes eines Elternteils auseinandersetzt und vor diesem Hintergrund gesellschaftliche Voraussetzungen für den Umgang mit Abschied und Trauer untersucht.

Ausgehend von den Komödien von Aristophanes wendet sich Lulu Obermayer dem weiblichen Politischen: Hierbei untersucht sie „Lysistrata“ (411 v. Chr), „Thesmophoriazusae“ (411 v. Chr.) und „Die Frauenvollversammlung“ (392 v. Chr). Die Theatertexte werden mit weiblichen Sprechakten in Form von historischen und zeitgenössischen Reden in Verbindung gebracht.

„Verkapselt“ ist ein Rechercheprojekt, dass sich mit Kontaktformen auseinandersetzt. Es geht von einem imaginierten Setting aus, in dem Austronaut*innen in einer notgelandeten Raumkapsel Kontaktaufnahmen verhandeln. Sich an diesem Bild orientierend wird die Performancekünstlerin Asja Mahgoub in einer Literatur- wie
szenischen Recherche die Narrationen des „Fremden“ durchleuchten.

1990 traten drei Künsler*innen von Flensburg eine Reise in die DDR an, um von der Revolution im Nachbarland der BRD zu lernen. 30 Jahre später nimmt Manuel M. die gleiche Route und trifft diejenigen Menschen wieder, die damals von der Stimmung in der DDR berichtet haben. Welche Enttäuschungen haben sie in den letzten 30 Jahren erlebt und wofür brennt ihr Herz noch immer? Mit wem soll er noch sprechen?

Unter dem Stichwort „Karambolage“ forscht Marc von Henning mit Brechts Straßenszene im Hinterkopf an der Frage, wie sich das Erzählen auf der Bühne in Zeiten von zunehmender Komplexität und Medialität verändert. Seine größte Frage als Regisseur und Autor: Welche Inhalte sind eigentlich noch relevant?

Der Künstler Marc-Antoine Petit (Bildhauerei, Malerei) widmet sich im WUK Theater Quartier Halle der künstlerischen Recherche zum Thema „Wunden“. Kern der Forschungsarbeit bildet das Unterbewusste als Quell der Kreation und potentielle Heilkraft. Aus Texten, Gedanken und Interviewdialogen entstehen im Theater künstlerische Positionen in Form von Gemälden, Installationen und begehbarer Kunst.

Macht ist ambivalent. Macht umgibt eine Symbiose aus Verachtung und Faszination. Es stellt sich die Frage: Wie sehr ist das Überleben unserer Gesellschaft von der Machtausübung bedingt? Wie verläuft der Machtkreislauf, der unsere Menschheitsgeschichte durchzieht. Die Performerin Marie Golüke untersucht ein neues Feld menschlicher Interaktion und fragt, wie Macht unseren Alltag beeinflusst.

Marie Schleef interessiert sich besonders für den (historischen) weiblichen Blick und widmet sich vorrangig Texten von Autorinnen, die bislang kaum oder gar nicht auf deutschsprachigen Bühnen gespielt wurden. Die Residency befasst sich mit einem blinden Fleck der Künstlerin: englischen Literatinnen des 17. sowie 18. Jahrhunderts, und geht so den Texten der Brontë Schwestern und Co. auf die Spur.

„Let it Grow“ ist eine künstlerische Recherche von Lois Bartel zu Material Activism. Hierfür erforscht sie das Wachstum von Pilzen und anderen natürlichen Materialien, und wie dieses als performatives wie nachhaltiges Material in Ausstattung und Kostüm-Produktion genutzt werden kann. Welche alternativen Ästhetiken können hieraus entstehen? Let’s Grow Together!

Guy Marsans Recherche und Vorbereitung der Ort-spezifischen Tanzperformance „GEH MIT MIR / ICH SEHE WAS DU NICHT SIEHST“ führt zu sieben Orten der Stadt Hamburg und fordert auf, die gewöhnlichen Gänge des Alltags durch Tanz neu zu denken. Beeinflusst vom Kunstwerk „Sieben Orte für Hamburg“ reflektiert dieser Tanzparcour den Körper und unsere Lust auf Bewegung im öffentlichen Raum.

Hinter „Was kommt nach Kabale und Liebe? Und wenn ja, wohin?“ verbirgt sich ein selbstgewählter Rechercheauftrag zu den multilokalen, performativen, installativen Möglichkeiten an der Residenz, welche durch dieses Stipendium realisiert werden soll. Ziel dieser Recherche ist es, die realen Räume auf etwaige Theaterpotenziale (analog oder virtuell) hin zu untersuchen.

T. Martínez beschäftigt sich mit den Gedanken, die während sie tanzt auftauchen, spielt mit der Idee, es zu greifen. Die Erfahrung von Bewegung zu unterstreichen, mit diesem Material zu reflektieren. Es als neuen Input zu nutzen, wie eine unendliche Schleife oder Rückführung. Sie ging mit einem Fulbright Stipendium in die USA. Seitdem spezialisiert sie sich auf Improvisation als Performanceform.

Maylin Habig studierte an der HfG Offenbach bei Prof. Rosalie und Time and Space Art an der Academy of Fine Arts Helsinki. Seit ihrem Abschluss als Diplom-Designerin lebt und arbeitet sie in Hessen als freischaffende Künstlerin. Mit „Greenhouse effect“ erforscht sie grundsätzlichen Fragen des innerstädtischen (Zusammen-) Lebens und wie ein Kulturort zum Treibhaus der Zukunft werden kann.

Milena Fischer, künstlerisches Leitungsmitglied THEATER an der GLOCKSEE, braucht „OXYTOCIN“. Sie begibt sich also auf eine theatrale Forschung zum Thema Berührung in Zeiten körperlicher Distanz. Wie wirkt sich „Social Distancing“ auf unser körperliches und psychisches Leben aus? Wie verändert dies sich, wie verändern wir uns? Für welche Art von Berührung ist Erfindungsreichtum dringend nötig?

Johanna Milz will in ihrer Recherche „CROSSROADS“ über das Thema „Pakt mit dem Teufel – Beherrschung und deren Verlust“ einen Kreuzungspunkt von Oper, Blues und ursprünglichem Kasperltheater zu finden. Sie untersucht vor allem, wie Inhalt und dichterische und kompositorische Form sich auf den körperlichen Ausdruck der darstellenden Künstler*innen auswirken und welche Mythen dadurch entstehen.

Zwei Monate wird sich Performancekünstler*in Mono Welk mit (seiner) Stimme beschäftigen. Unter dem Arbeitstitel „Lovesongs to the Future (Self): Hacking My Voice with Testo and Love“ möchte er die Veränderung seiner Stimme während der Transition dokumentieren und untersuchen, wie aus Stimmbildung und empowerndem Gebrauch von Sprache ein politischer Akt wachsen kann.

Das Theatertextprojekt „Das Ende der Schwerkraft“ will den Fragen nachgehen, was Gesellschaft ist, was Gesellschaft sein könnte und was Gesellschaft wird sein müssen in dieser sich – auch durch die aktuelle Krise – kolossal verändernden Welt. Dafür sollen aus Gesprächen und Textrecherche Figuren und Geschichten destilliert werden, die zu einer Art Gesellschafts-WG miteinander verschränkt werden.

Nicole Janze ist in ihrer Recherche auf der Suche nach Kneipen, Läden, u.ä., die auf Grund des Lockdowns pleite gegangen sind.
Zuvor ihren Kiez prägend, jetzt nur noch verlassene Räume, und diese Verlassenheit ist durch die Schaufenster sichtbar.
Ist die befürchtete Pleitewelle Realität geworden?
Was alles geht dadurch verloren?
Sollte vielleicht die Kunst diese Räume performativ nutzen?

Oliver Lange recherchiert Möglichkeiten digitale Produktionsformen einzusetzen. Er macht sich mit der Einbindung digitaler Technik in den Inszenierungsprozess vertraut. Thematisch nutzt er die Digitalität der sozialen Medien und der Verbreitung von Fakten versus fake news und Verschwörungsmythen. Er forscht, wie diese Plattformen Inspiration für Inhalt und inszenatorische Umsetzung bieten können.

Olympia Bukkakis wird intensiver Recherche aus transfeministischer Perspektive in den Bereichen Bindungstheorie, der Suchtforschung und der Geschichte von Drag, Tanz und Theater durchführen. Währenddessen wird sie verschiedene Performance-Kontexte wie Theater, Drag-Shows, Kabarett, Musikkonzerte und Vorrede besuchen, um die darin enthaltenen Bewegungsvokabularen besser zu verstehen,

In „UNCERTAIN STATES“ untersucht Fernanda Ortiz Losada die Beziehungen zwischen Tanz und digitalen Technologien. Im Mittelpunkt stehen die Wahrnehmungsverhältnisse zwischen medialer und physischer Körpererfahrung: Wie beeinflussen digitale Welten den realen Körper?

Mimosa Pale entwickelt Konzepte für lebensgroße Skulpturen und ihre Nutzung im Kontext von Theater, Performance und Intervention. Entscheidend ist bei der Recherchearbeit, Ideen für Skulpturen zu entwickeln, mit denen interagiert werden kann. Dabei spielen Sicherheitsaspekte und wie diese, z.B. mit opulenten Polsterungen, ästhetisch integriert werden können, eine wesentliche Rolle.

Inspiriert von dem Vorgang des „Verschwindens“ in einer sich rasant wandelnden Welt, dem Vormarsch der Digitalisierung, die speziell in Zeiten von Corona die kulturellen Arbeit und unser künstlerisches Handeln bestimmt, werden in dieser Residenz die Möglichkeiten choreografischen Arbeitens mit der grafischen Programmierumgebung ISADORA erforscht.

„The Mask and Me“ ist eine Recherche über Maskenspiel, Live-Musik und Kommunikation. Es geht um Stille, Archetypen und Geschichten, Geräusche, Technik, Transformation und Spiel. Was ist Maskentheater für ein Welt „unter“ Masken? Was ist Sprache ohne Mund?

Rico Dietzmeyer, Capocomico der Leipziger Compania Sincara, führt in seinem Vorhaben Figurenstudien zu frühneuzeitlichen Theaterfiguren durch und untersucht, wie zeitgenössische Varianten aussehen könnten. Über Recherchen in Verbindung zu den historischen Versuchen des spanischen Theateravantgardisten Jacinto Grau erforscht er die Möglichkeit, solche Figuren für die heutige Zeit neu zu erfinden.

Eine Vorrecherche zu einer audio-installativen Arbeit über Vorurteile. Ausgehend von Theorien Daniel Kahnemans zu unbewusster Inkompetenz und kognitiver Verzerrungen im Denken, ist das Ziel von Anton Rose die Erforschung von Inszenierungstechniken und Mitteln, die das Wirken und Entstehen von Vorurteilen thematisieren.

„MY PASSIVE AGGRESSIVE VIRTUAL REALITY“ erforscht die Möglichkeiten der Nutzung von 360° Kameras im Theater. Ziel ist ein Konzept/Drehbuch für einen zukünftiges 3D-Theaterfilmprojekt mit größerem Team. Inhaltlich wird ein Thema aufgegriffen, bei dem die oft verunsichernde Frage nach der Wahrheit des Wahrgenommen wichtig ist: passive Aggressivität und versteckte emotionale Gewalt im Elternhaus.

Individuelle Mitverantwortung und folglich die ständige Präsenz aller Beteiligten gewinnt in den aktuellen Arbeiten von Sabine Glenz mehr und mehr an Bedeutung. In ihrer Recherche „Choreografische Kollektive in Zeiten der Vereinzelung“ widmet sie sich Strategien, die sich mit der Corona-bedingten Vereinzelung – man kann auch sagen „Aufsplitterung“ – unserer Arbeitsbedingungen auseinandersetzen.

Mit „Glaube nicht alles, was du siehst“ begibt sich Sara Angius auf eine metaphysische Reise zwischen Wahrheit und Lüge, zwischen Realität und Unwirklichkeit. Die Regeln der Realität werden kontinuierlich auf- und abgebaut. Alles ist Fiktion. Zeitgenössischer Tanz, Figurentheater und Nouvelle Magie werden kombiniert, um sich gegenseitig zu bereichern und dem Publikum eine hybride Performance zu bieten.

Sascha Flocken hinterfragt kritisch seine eigene und die gesellschaftliche Perspektive auf Alter, Einsamkeit und Sterben. Wie verändert Corona unseren moralischen Kompass? Welchen „Wert“ hat Alter im Zeitalter des Kapitalismus? Und wie lässt sich auch über Gebrechlichkeit und Sterben als demografische Realität tabufrei sprechen – in einer Gesellschaft, deren Zukunft das Alter sein wird?

Friederike Schmidt-Colinet recherchiert künstlerische (Miniatur-) Vorgänge an der Schnittstelle zwischen Objekttheater und Live-Video-Performance. Ihr Interesse gilt dabei der Verräumlichung abstrakter Konzepte, besonders aus dem Bereich der Naturwissenschaft, wie zum Beispiel einer quantenmechanische Konzeption von Zeit.

In Marc Schmollings Forschungsvorhaben „Turn Out The Stars“ wird untersucht, ob und wie Theater im kompletten „Black“ möglich ist.
Wie können allein Klang, Geräusche und Musik die Geschichte erzählen?
Und was passiert bei absoluter Stille?
Was muss man verbalisieren, was nicht?
Möglichkeiten, Techniken und deren Wirkung werden hierzu recherchiert und analysiert.

Gloria Schulz ist Digital Artist aus Hamburg. Sie verbindet als Creative Coderin und Performerin digitale Technologien wie Virtual Reality mit theatralen Immersionsräumen. In ihrem Forschungsvorhaben untersucht sie die Beziehung von Körper als künstlerische Ausdrucksform und virtuellem Raum. Dabei konzentriert sie sich auf die Verbindung von Motion Capture mit digitalen Körpern.

Unter dem Titel „The J Word – Generation Shame Culture“ will die Künstlerin Alexandra Schwartz zu jüdischer Identität in Deutschland arbeiten und den Körper als Träger historischer Kontinuitäten erforschen. Es entsteht ein Dialog aus Tanz und Recherchearbeit: zu Familienbiografien und Traumaforschung, Mary Wigman und Anna Halprin, zu performativen Ritualen und queeren Formen jüdischen Lebens.

Für die #TakeCareResidenz „Afro-deutsche Ermächtigungsstrategien in Performance und Aktivismus“ ist es Nima Sénes Vorhaben an einer Konzeptentwicklung zu arbeiten, die ihr politisches Anliegen widerspiegelt. Eine Recherche, wie Eintrittseinnahmen in Spenden umgewandelt werden können, und die Recherche und Lektüre afro-deutscher Lyrik in der Begleitung von Joy Kristin Kalu und den Sophiensaelen.

„Zeit Los“ begibt sich auf die Suche nach verschiedenen Erfahrungen aus dieser Zeit: Statements und Geschichten, die das Zeitgeschehen und Erleben festhalten, z.B. anhand von Interviews oder Fragebögen:
Wie wurde diese Zeit wahrgenommen?
Wurde dir Zeit geschenkt oder genommen?
Wie wurde die Zeit genutzt oder wurde sie vertan?
Ergänzt werden zeitlose Lieder, Zitate, Szenen und Texte.

Silvio Beck erarbeitet Möglichkeiten des Umgamgs mit Klang und Sound als Erweiterungen künstlerischer Ausdrucksmittel darstellender Kunst. Ein Forschungsvorhaben in drei Modulen: Mittel und Materialität, Bearbeitung und Verknüpfung, Sound-Experimente. Die entstehenden Soundereignisse betonen ihre eigene performative Präsenz und erzeugen darüber hinaus Möglichkeiten neuer Spiel- und Erzählweisen.

Simone Dede Ayivi nutzt die Zeit der Residenz, um die Themenbereiche für zukünftige dokumentarische Theaterarbeiten abzustecken. Dabei geht es um die Verbindung verschiedener politischer Themen und die Frage, durch welchen ästhetischen Zugriff sie für die Bühne fruchtbar gemacht werden können.

Solveig Krebs beschäftigt sich mit der Frage, ob Janet Frames Werk oder ihre Biografie die stärkere Faszination auf sie ausüben. Sie sucht nach einem Weg, eine fiktive Situation zu erfinden, in der die Autorin, ihre Figuren und vl. ein Gegenüber in Dialog treten können. Frame war eine neuseeländische Autorin, die u.a. durch ihre Lebensgeschichte, inklusive falscher Diagnose Schizophrenie, berühmt wurde.

Das Theaterstück „Nach Guernica. Die Stadt, das Ereignis, das Bild“ von Mariano Llorente bietet die Grundlage für eine künstlerische Auseinandersetzung mit den Themen Täter*innen und Opfer, Krieg und Frieden, Erinnerung und Vergessen. Diese Auseinandersetzung findet mit Worten und Bildern statt, woraus ggf. ein Bühnenbild, ein Hörspiel oder eine Textarbeit entstehen kann.

Im Rahmen der Förderung wird die Autorin, Regisseurin und Theaterproduzentin Denise Stellmann sich der theatralen Forschung zum Thema Zivilcourage und Traumafolgen widmen.

Vanessa Stern versucht als Detheatralisierungstrainerin, sich selbst als Theaterschaffende zu detheatralisieren, inspiriert von Methoden verschiedener Ausstiegs- und Deradikalisierungsprogramme für gewaltbereite Extremist*innen im Strafvollzug. Nach Foucault lässt sie dabei die Arbeit am Objekt auf das Subjekt selbst zurückwirken und versucht, Subjektkonzeptionen künstlerisch zu reflektieren.

„Jungbusch-Rivisitato“ sucht den Dialog mit der postmigrantischen italienischen Gemeinde Mannheims, um durch ihren Blick auf ihr ehemaliges Viertel, den Jungbusch, die Wirklichkeit vor Ort machtkritisch zu befragen. In Gesprächen und Vor-Ort-Recherchen arbeitet Lajos Talamonti an einer Selbstreflexion der Stadt, ihrer Kultur und ihres Einflusses aus ungewohnter Perspektive.

„Lego Duplo – Musikbausteine“ von Uwe Schade zollt in seiner Mehrdeutigkeit ebenso der Architekturierung der Zeit wie auch dem Spiel mit und in musikalischen Räumen seine Aufmerksamkeit. Sowohl feste Gefüge als auch bewegliche Module für agile Handhabung sollen entstehen, einzelne musikalische Elemente wie Rhythmen, Melodien oder Klänge sowie Miniaturen und musikalische Assoziationsräume.

Der Choreograf Tiago Manquinho wird in dieser Residenz verschiedene Impulse aus vergangenen eigenen Produktionen erkunden und erforschen. Ebenso wird er sich mit Tensegrity Bewegungs-Konzepten auseinandersetzen und diese in sein Bewegungsvokabular integrieren. Diese Residenz bietet die Möglichkeit, aus einer Bewegungsresearch-Arbeit ein solide Grundlage für zukünftige Produktionen zu schaffen.

Wovor fürchtet sich ein Sri Lankischer Bürgerkriegsveteran im Frieden? Wovor eine chronisch kranke deutsche Influencerin? Wovor eine geflohene Trans-Schauspielerin aus dem Iran und eine 81-jährige Deutsche in Quarantäne? In Interviews möchte ich individuelle Angsterlebnisse erforschen. Ziel ist eine Gegenüberstellung globaler Angstmomente. Wie konstituiert sie sich und wo gibt es Gemeinsamkeiten?

Der Theatermacher Veit Sprenger untersucht Ästhetiken der Auslassung. Wie lässt sich die Abwesenheit von Theater theatral erleben? Wie lässt sich aus Trennungserfahrungen ein Gemeinschaftserlebnis erzeugen? In einem multilateralen Austausch ohne unmittelbaren persönlichen Kontakt wird ausschließlich unter Verwendung von Brief- und Paketpost eine serielle Erzählung entwickelt.

Kinderkriegen – ein Kinderspiel? Leider nicht immer: Für viele Paare oder Einzelpersonen ist ungewollte Kinderlosigkeit schmerzliche Realität. Und zusätzlich droht in 14 Jahren die männliche Fruchtbarkeit kritische Werte zu erreichen… Eine künstlerische Forschung und Recherche von Jonas Vietzke über Kinderlosigkeit und eine Suche nach neuen Narrativen für das, was „Familie“ heißt.

Das gemeinsame Singen von Männern generiert in Hinblick auf ihre Performativität eine Vielzahl an Fragen, die sowohl aus historischer als auch aus gegenwärtiger Sicht neue Perspektiven auf Männlichkeiten versprechen. Regisseur Wenzel U. Vöcks wird diese in einer theoretischen und praktischen Recherche untersuchen, um daraus neue Impulse für seine künstlerische Praxis zu generieren.

Der Mythos der altgriechischen Göttin Baubo gilt als historisches Beispiel für einen unverkrampften und positiven Umgang mit weiblicher Geschlechtlichkeit und Sexualität. Im Rahmen der Residenz beschäftigt sich Felicitas Wetzel damit, wie die Geschichte für moderne Adaptionen und insbesondere im Hinblick auf ihre szenografische Umsetzung fruchtbar gemacht werden kann.

Eine große Recherche über die Geschichte einer mutigen Frau, der Chemikerin Clara Immerwahr, die sich 1915 mit der Dienstpistole ihres Mannes, des späteren Nobelpreisträgers Fritz Haber, das Leben nahm. Ihr Tod war ein Protest gegen die zerstörerischen und menschenverachtenden Konsequenzen der modernen Massenvernichtungsmittel, an deren Entwicklung ihr Ehemann maßgeblich beteiligt war.

Anhand eines vererbten Elfenbeinzahns zieht die Performerin und Szenografin Svenja Wolff biographische Verbindungen in die europäische Kolonialgeschichte, sucht nach heutigen Bezügen und Verantwortlichkeiten, und fragt: wohin gehört dieser Zahn?

„JA, JA, JA, / NE, NE, NE Der Kojote, die Bienen, das Fett und ihr Künstler.“ Ein künstlerische Recherche.
Seinen 100. Geburtstag im Jahr 2021 nimmt der Künstler Wolfgang Sautermeister zum Anlaß für eine Recherche und befragt Werk und Wirken durch künstlerische Arbeit im Dialog mit anderen Künstler*innen: Bedeutung und soziale Plastik heute. Kunst und Ökologie heute. Kunst und Partizipation heute.

In ihrer Bewegungsrecherche „Ursprung“ geht die Tänzerin Holdine Wolter der Frage nach: Wo liegt der Ursprung von der Bewegung? In verschiedenen Versuchsanordnungen begegnet sie physischen Orten mit Improvisationen und hält das Bewegungsmaterial mit Kamera fest, welches in Nachgang ausgewertet und zu komplexeren Tanzsequenzen zusammengesetzt wird.

 

„READING WATER“ betrachtet das Element Wasser und dessen Bedeutung für den Menschen aus unterschiedlichen Perspektiven und legt dabei einen Fokus auf den menschlichen Körper und seine Transformationsprozesse. Dabei wird ein Bogen vom Entstehen unseres Planeten zu einer Bestandsaufnahme der Gegenwart geschlagen, um letztlich einen Ausblick auf den Mensch und die Welt nach dem Anthropozän zu wagen.

Die Arbeiten von backsteinhaus produktion mit einer interdisziplinären Formsprache befinden sich an der Schnittstelle zwischen zeitgenössischem Tanz und Performance. Der dokumentarische Ansatz soll mit „WALD“ weiter untersucht und ausgebaut werden. Es werden Interviews mit Waldbrandbetroffenen geführt, Videos dazu und davon erstellt und damit nach einer weiteren Verschiebung der Erzählmittel gesucht.

In der Rechercheresidenz „LESBIAN VAMPIRE POR“N beschäftigen sich Gianna Pargätzi & Marietheres Jesse (CHICKS*) mit Repräsentationen von queeren Weiblichkeiten seit dem 16. Jahrhundert bis heute am Beispiel der lesbischen Vampirin. Sie untersuchen die Potenziale, sie im performativen Theater als emanzipatorische Figur zu nutzen, um queeren Sexualitäten und Identitäten Sichtbarkeit zu verschaffen.

Ein Erfahrungsraum des Schmeckens wird erbaut, in dem Sinnesreize theatral erzeugt werden. Wie kann man Äpfel schmecken, ohne hineinzubeißen? Dafür wird mit theatralen Mitteln wie Bewegung, Text, Licht, Projektion, Soundgestaltung und Gerüchen experimentiert, um Geschmack mit allen Sinnen inszenieren zu können.

Das 2014 gegründete inter- und transdisziplinäre feministische Performancekollektiv Frauen und Fiktion (FuF) macht eine „Recherche zu Liebe, Geschlecht und Musik“. Auf Basis von Theorierecherchen und Interviews zum Thema, entwickeln FuF zudem Formatideen für eine künstlerische Verhandlung ihrer Themen ohne Live-Charakter.

Zwei Künstler mit postsowjetischem und israelischem Hintergrund stellen Fragen: Was fehlt in der allgemein bekannten Tanzgeschichte, was wurde ausgelassen, wie begegnen wir einem alternativen Narrativ? Sie erforschen die Verkörperung des kulturellen Erbes und ihre nichteuropäischen Archive, um verlassene Teile der Tanzgeschichte als relevantes Erbe sichtbar zu machen.

Helge Schmidt und Lani Tran-Duc möchten eine Recherche zu Theatertechniken und Aufführungspraxis der klassischen Moderne nutzen, um Schauspieltechniken jenseits der Psychologie zu erlernen (Biomechanik) und die eigene Zusammenarbeit stärker vom Diktat der Sprache und des Inhalts zu einer Gleichwertigkeit der Mittel zu überführen.

„SprechChor goes future“ ist eine Recherche für die Weiterentwicklung und den Erhalt des Internationalen SprechChor Bonn. Bettina Marugg und Claudia Grönemeyer recherchieren neue Wege der Materialgenerierung und konzipieren verschiedenen Szenarien für den gut 20-köpfigen Chor, die neue künstlerische und institutionelle Kooperationen ermöglichen und auch in pandemischen Zeiten Bestand haben werden.

Mit dem Rechercheprojekt „Virtual Collaboration“ erforscht OutOfTheBox ästhetisch und technisch die künstlerischen Möglichkeiten von Kollaboration und co-kreativer Augmented Reality in den performativen Künsten. Dabei adaptieren sie Aspekte aus Multiplayer-Games, um mehreren Teilnehmenden gleichzeitig zu ermöglichen, auf AR Einfluss zu nehmen, gemeinsam Material zu verändern und zu erweitern.

Swaantje Gieskes und Raphaela Andrade haben sich 2016 als Künstlerduo zusammengetan. Aus unterschiedlichen Fächern kommend, ist ihre gemeinsame Schnittstelle der Flamenco. Von ihm ausgehend setzen sie sich mit Werkstoffen auseinander. In ihrer aktuellen Recherche widmen sie sich dem Stahl, einem sehr vielseitigen und politisch brisanten Werkstoff, mit dem sie ihre Trilogie vollenden wollen.

Mit der Recherche zu „life is like a box of chocolates…“ (AT) stellen sich Scheer und Brunken den möglicherweise existenziellen Zukunftsfragen des Theaters: Wo wird Theater zur Kunst der Zugehörigkeit? Welche Geschichten wollen erzählt werden, dass der soziale Raum Theater auch für neue Gruppen sichtbar wird? Wo sind solche Orte (in Braunschweig) zu finden? Oder müssen sie erst erfunden werden?

Inspiriert von den mutigen, starken Frauen der aktuellen Weltpolitik werden sich Belinda Winkelmann und Ewelina auf tänzerischer und choreografischer Ebene mit der weiblichen Kraft und den damit verbundenen Qualitäten auseinandersetzen. Dabei stellen sie die Gebärmutter ins Zentrum: Die Gaga Technik sowie Body-Mind Centering® werden Ausgangspunkte ihrer physischen Recherche sein.