Entscheidung #TakeCareResidenzen (Oktober 2020)

Geförderte Vorhaben Bündnis internationaler Produktionshäuser

Isaac Spencer betreibt ein Forschungsprojekt zur Schaffung integrativerer Praktiken im zeitgenössischen Tanz. Durch Treffen mit Organisationen in Sachsen, die für die Umsetzung von Inklusivität in Kunst und Kultur verantwortlich sind, gilt es nach Wegen zu suchen, um künstlerische und pädagogische Praktiken im Bereich des zeitgenössischen Tanzes zu verbessern, aber auch darum, ein Netzwerk auszubauen und zu diversifizieren.

In dieser zweiteiligen #TakeCareResidenz im HAU und im tanzhaus nrw wird caner teker die Qualitäten vom türkischen Volkstanz „Zeybek“ und die musikalische Begleitung der „Zourna & Davul“ subversiv untersuchen. Mit der Hinterfragung von orientalistischer Konsumption und dem westlichen Gaze werden diese heteronormativen Praktiken mit queeren Methoden aufgelöst und neu angeordnet.

In Anbetracht der technologischen Entwicklungen erforscht Sebastian Lee Philipp, welche Rolle die von Menschen geschaffene Kunst in einer von Maschinen „hyperoptimierten“ Welt spielen wird. Wie kann ich als Künstler mit meiner Kunst der Menschheit noch dienen? Kann KI uns dabei helfen den Ursprung von Kreativität besser zu verstehen? Eine Erörterung aktueller KI-Entwicklungen: die Mensch-Maschine-Partnerschaft, kollektive Intelligenz und andere Zukunftsvisionen.

„Es scheint anders als du denkst“. Bewegtes Diorama! Vergegenwärtigung von Abwesendem. Perzeptiv, synästhetisch und affektiv! Peppers Ghost. Audiovisuelle Vereinigung und Umwandlung virtueller und biologischer Körper! Immersive, bewegte Mimesis! Mehr als sprachlich-kognitive und epistemische Wahrnehmung. Das Projekt von Susanne Sachsse untersucht Hologramme anhand ihrer medialen und technologischen Geschichte.

Der Fokus dieser Recherche gilt den beteiligten Zuschauer:innen. Welche erweiterten Möglichkeiten gibt es, das Publikum in ortsspezifischen und audiogeführten Inszenierungen zu leiten? Philine Velhagen beschäftigt sich mit Ansätzen aus unterschiedlichen Lebensbereichen und Sparten wie Familienaufstellung, Gruppendynamiken, Bewegungslehre, Spieltheorie, Gaming oder digital-immersiven Formaten.

Romuald Krezel unternimmt ein Forschungsprojekt, das sich mit den performativen Aspekten der Pflanzenpflege befasst. In Zeiten der Umweltzerstörung ist es – auch für die Kunst – wichtig, die Beziehung des Menschen zur Natur neu zu definieren. Krezel nähert sich dieser Beziehung aus der Perspektive der Topfpflanzen – jener kleinen Dosen von Natur, die wir in unsere menschliche Welt mitbringen.

Mit der Wanderbühne „bandwagon“ untersucht die Bühnenkünstlerin Sina Manthey seit einem Jahr die Schnittstelle von Freier Kunst und Theater. So war „bandwagon“ schon Filmkulisse und Bühnenbild, Skulptur und Ausstellungsraum. Im Rahmen der #TakeCareResidenz entwickelt Sina Manthey eine neuerliche Bespielung der Bühne für den kommenden Sommer.

Die Stadt am Rande greift Fragestellungen nach einem Agieren im städtisch-öffentlichen Raum auf und erforscht die Geschichte des zukünftigen Spielorts des FFT in der ehemaligen Düsseldorfer Hauptpost. Jenseits von Karte und Bild werden Orte an den Rändern, inner- und außerhalb der Stadtgrenzen, als Koordinaten eines dezentralen Narratives von Stadt multimedial-performativ darstellbar.

Morgan Nardi untersucht in diesem Recherchevorhaben die paradoxe Beziehung zum Bösen. Ob Kriege, Massaker oder Völkermorde – das Böse prägt die Geschichte der Menschheit. Wir fühlen uns abgestoßen, aber zugleich angezogen. Die Frage ist: Gibt es das Böse ohne den Menschen? Das Ziel der Recherche ist die Erforschung des Raumes zwischen der Faszination und des Schreckens.

Franziska Goralski recherchiert zum Themenkomplex Care und queerness als Strategie – als Überlebensstrategie, als Anpassungsstrategie, als Form der Resilienz, als Strategie der Rebellion. Strategien implizieren eine aktive Handlung und das Verortet-sein im jeweiligen Umraum. Von besonderem Interesse ist dabei die Erschließung von Räumen, in denen Goralski neue Strategien erproben und ausprobieren kann.

Claudia Basrawi betreibt eine Recherche zur Zukunftsvision der Informationstechnologie der ehemaligen DDR, die im VEB Kombinat Robotron in Dresden beheimatet war. Wer gehörte zu der Avantgarde der Computertechnologie der DDR und wie sahen ihre Zukunftsvisionen aus? Was hat sich inzwischen verändert, wie sieht der Blick auf die Zukunft nach 80 Jahren Computertechnologie aus? Welche Kritik und welche Alternativen gibt es?

Lea Letzel setzt sich mit dem Konzert als Aufführungsformat auseinander. Besonders interessieren sie die performativen Potentiale des Musizierens. Notation beispielsweise ist nicht nur die Kommunikation eines Klanges, sondern choreografiert auch die Körperbewegungen der Musiker:innen. Wie kann dieser Bewegungsvorrat über das klassische Instrumentarium hinaus erweitert oder anders gedacht werden?

Homeoffice, Homeschooling, Social und Physical Distancing haben unsere gewohnten Räume und das Miteinander darin verändert. Marlin de Haan vergleicht den Ist-Zustand mit ursprünglichen Raumkonzepten von beispielsweise Küche, Wohnzimmer, Büro und Theater und stellt beides einander gegenüber. Aus diesem Arbeitsansatz entwickelt sie ein „RAUM im RAUM“-Konzept für ihre kommenden Theaterarbeiten.

Feministische Ideen wurden seit jeher auch durch spekulative Literatur verbreitet und so stehen diese Texte in einer langen Tradition inhaltlich verwandter Texte von Autor:innen, die bei der Kanonisierung von Science-Fiction- und utopischer Literatur gerne vergessen werden. Christiane Rösinger untersucht, wie utopische Entwürfe vor allem in sozial-dynamischen Zeiten verfasst werden, um historische Umbrüche zu spiegeln.

Unsere Gesellschaft ist noch weit von einer Queerness im Sinne von Paul B. Preciado oder Meggie Nelson entfernt. Gemeinsam mit der Dramaturgin und Kuratorin Felizitas Stilleke ergründet Nadja Duesterberg eine eigene queere Formensprache. In welchem Verhältnis steht mein Körper zum gesellschaftlichen Handeln in der Welt? Welche theatralen Rituale können patriarchale Strukturen aufbrechen?

In „on translation“ begibt sich Carolin Jüngst in eine choreographisch-diskursive Recherche zu Methoden der Übersetzung und ihren Potenzialen. Ausgehend von der eigenen Praxis setzt sich Jüngst mit Leichter Sprache und ihrer künstlerischen Anwendung auseinander. Durch die Übersetzung von eigenen Texten wird ein künstlerischer Dialog mit Menschen geschaffen, die oftmals aus sprachlich-komplexen Diskursen ausgeschlossen werden.

Prothesen werden seit Tausenden von Jahren vom Menschen verwendet, erfunden und neu erfunden, mit vielfältigen Formen und Funktionen ausgestattet. Josefina Maro erforscht Prothetik, ihre Geschichte, ihre unterschiedlichen Gebrauchsformen und Vorstellungen. Aus der Perspektive des Tanzes und ausgehend vom Körper untersucht das Vorhaben, wie diese verschiedenen prothetischen Anwendungen und Signifikanten die Körperlichkeit konstruieren.

Im Rahmen ihrer Residenz, in Kooperation mit dem Europäischen Zentrum der Künste Dresden HELLERAU, erprobt Magdalena Weniger neue Stimmtechniken und erforscht deren kulturelle Bezüge. Sie baut ihre Grundkenntnisse der digitalen Musikproduktion aus, um analoge Musikarbeit auf einer zusätzlichen Ebene zu erproben und erweitert ihr künstlerisches Selbstverständnis um die Kenntnis der eigenen Traditionslinien.

Ein sonderbar kostümierter Körper bewegt sich durch den öffentlichen Raum. Er sieht komisch, deformiert, unheimlich aus. Als würde sich das Innere nach außen stülpen. Organische Strukturen werden sichtbar, das Menschliche ist kaum erkennbar. In der Recherche untersucht Anna Till, auf welche Weise sich dieser Körper im Stadtraum bewegen und mit der Umgebung in Interaktion treten kann.

Welche Diskurse, Spannungen und Visionen werden auf Bühnen verhandelt? Wie lassen sich performative, visuelle und komplexe Künste medial vermitteln? Wie lässt sich darüber schreiben? Wie kann eine diskriminierungsfreie Berichterstattung etabliert werden? Sarah Ulrich recherchiert Möglichkeiten des Austauschs von Darstellung auf Bühnen einerseits und der Berichterstattung über diese andererseits.

Nora Al-Badri führt ihre Recherchen zu Künstlicher Intelligenz und Museen, Big Data und dem performativen Moment der Blackbox weiter und verhandelt diese im Rahmen einer spekulativen und dekolonialen Archäologie.

In dem Projekt „Recircling“ betrachten Yana Novotorova, Philine Herrlein und Diana Treder den Energiebegriff aus einer physikalisch-performativen Perspektive. Vor dem Hintergrund der globalen Erschöpfung von Energieressourcen, konzentrieren sie sich dabei auf eine tänzerisch-choreografische Auseinandersetzung mit den Prinzipien von sich selbst erneuernden Energien.

Während der Residenz am HAU führt Romily Alice Walden ein Rechercheprojekt mit dem Titel „Earthbound Bodies“ durch. Mithilfe von Video und Text erforscht die Arbeit den Zusammenhang zwischen dem kranken/behinderten Körper und der Krankheit unseres Ökosystems. Walden untersucht dabei den behinderten Körper als ein wesentliches Werkzeug, mit dem man navigieren und eine fürsorglichere Zukunft aufbauen kann.

Die Recherche zum „praktischen Leitfaden für demokratisches Handeln“ befasst sich mit der Akkumulation von politisch-aktivistischen Ideen, die im alltäglichen Denken und Handeln umsetzbar sind und gesamtgesellschaftlich eine menschenwürdigende und umweltachtende Lebensweise unterstützen. Aktivist:innen, Kreative und Expert:innen für Umwelt und Soziales werden auf praktische Impulse hin befragt.

Die Recherche „Afro-Wellness“ forscht nach Ausschluss und Repräsentation Schwarzer Männer auf deutschen Bühnen. Zunächst wird eine Bestandsaufnahme der aktuellen Situation in Form von Interviews erstellt. Abschließend wird eine körperliche Praxis entwickelt, um die Verhältnisse nachhaltig zu verändern.

Diese szenische und choreografische Recherche ist inspiriert von der Bewegung und den Kräften von Manifestationen der Natur. Sie sucht nach der Entwicklung einer nicht-anthropozentrischen Choreografie – eine Idee von Tanz, die sich im Raum zwischen menschlichen und nicht-menschlichen Akteur:innen bewegt und die über den menschlichen Körper hinausgeht.

Um die Stadt als einen Bewegungsraum – in Bezug auf die öffentliche Infrastruktur – neu zu interpretieren, betreibt miu (Ryutaro Mimura) eine Feldforschung zu den öffentlichen Bücherschränken in der Stadt Düsseldorf. Die Forschung entspricht der neuen Reihe „Theater ohne Haus“ der begleitenden Spielstätte Forum Freies Theater Düsseldorf.

Frieder Zimmermanns Projekt dient der theatralen Tiefenschürfung, Recherche und Materialsammlung zur regenerativen Agrarwende und im Speziellen zur Humusrevolution. Das Vorhaben beinhaltet Interviews mit Wissenschaftler:innen, Landwirt:innen (sowohl ökologisch als auch konventionell wirtschaftend), Aktivist:innen (Fridays for Future, SlowFood-Bewegung, Transition Town), Politiker:innen und Praktiker:innen (Permakultur, Agroforst, Keyline Design, SOLAWI).

Kathrin Dröppelmann betreibt eine Interviewrecherche zu den Gärten in HELLERAU in Bezug auf das Paradies. Die Gartenstadt in ihren Ursprüngen als Zentrum der europäischen Avantgarde steht sinnbildlich für neue Lebensreform. Die Frage nach den Paradiesen wird neu gestellt: Wo verstecken sie sich? Gibt es nur das eine Paradies? Was bedeutet den Menschen ihr Garten? Was machen Gärten im Privaten, wie verhalten sich öffentliche Gärten?

Ausgehend von Donna Haraways Essay „Teddy Bear Patriarchy: Taxidermy in the Garden of Eden“ taucht Andreas Bolm in die Welt der Taxidermie ein. Der Fokus der Recherche liegt auf der Dialektik von Bewegung und Stillstand und dem Machtverhältnis Mensch-Natur.

Performances finden live und vor einem vibrierenden Publikum statt. Sie sind in diesem Sinne ein „Vibrant Matter“, das gerade wegen und ausschließlich mit einem aktiven Publikum funktioniert. In einer zwei-monatigen Residenz soll der Frage nachgegangen werden, wie Menschen mit einem sicheren Abstand zueinander dennoch miteinander ‚vibrieren‘ können, ohne dies – wie gewohnt – im kollektiv-physischen Kontext zu tun.

Wir verabschieden uns ständig, täglich, bewusst, unbewusst, freiwillig und unfreiwillig von Menschen, Gewohnheiten, Gegenständen, Lebensphasen, Illusionen, Visionen, Sicherheiten und Unsicherheiten. Was erzählt uns der individuelle und gesellschaftliche Umgang mit Abschied, Trauer und Wandel über unsere Gegenwart? Kathrin Spaniol erforscht die Möglichkeiten der performativen Umsetzung für diese Phänomene.

Das Forschungsprojekt „Centering Silenced Legacies“ hat zum Ziel, marginalisierte kulturelle Produktionen in Berlin von den Anfängen des Deutschen Kolonialreiches (1884) bis zum Fall der Berliner Mauer (1989) zu finden, zu dokumentieren, aufzuarbeiten und die Biografien ihrer Künstler:innen und Mitwirkenden nachzuzeichnen.

Kathrin Sievers forscht in einer intergenerationellen Recherche zum Thema Intermedialität. Wie kann man einen Live-Act, eine Live-Übertragung des Live-Acts und live über eine Videokonferenz zugeschaltete Protagonist:innen theatralisch miteinander verbinden? Welche Bedeutungsebenen und Wirkungsmechanismen entstehen? Ändern die Sehgewohnheiten verschiedener Generationen den Blickwinkel?

In „NEW IDENTITIES“ erforscht die Dramaturgin und Autorin Anke Platon gemeinsam mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Gesprächen, Interviews und Storytellings, wie sich deren Familienbeziehungen durch Migration verändert haben. Aus dem aufgezeichneten Audio-Material schreibt Anke Platon eine Geschichtensammlung, die als offenes Archiv verstanden und weiterentwickelt werden kann.

Inspiriert von Covid-19 will „Holobionten“ das Zeitalter der Mikroben untersuchen. Was hieße es, wenn wir nach dem 20. Jahrhundert – dessen Vorstellung von Leben als Überleben der stärksten Individuen auch die Politik bestimmte – nun symbiotische Systeme als das erfolgreichste Modell anerkennen würden? Und sollten wir Daten und KI gleich als natürliche Player systemischer Kollektive mitdenken?

Performancekünstler Daniel Cremer und Musikperformer Vincent Stefan verbinden sich in ihren Residenzvorhaben „Cabaret of Complexities“ und „Deliciousness of Drama“ am Künsterhaus Mousonturm, um die Recherche nach der emanzipatorischen Kraft von Emotionen im Musikalischen des Kleinkunst-Genres durch eine queerfeministische Lesart zu vertiefen.

Wie kann ein Körper ein politischer Ausdruck sein? Körper sind mächtige Symbole und Quellen sozialer Macht und Privilegien auf der einen Seite und Unterdrückung auf der anderen Seite. Marje Hirvonen erforscht mit ihrem Projekt „Bona Dea“ die Idee des Körpers und seiner Performance als eine widerständige, politische Kraft im Kontext von Voguing, zeitgenössischem Tanz und Performanz.

Das Stillleben ist eine Gemäldegattung, in deren Komposition ein wichtiges symbolisches Element der Schädel war – verbunden mit der Idee des Vergehens, der Vanitas. Es ist das Jahr 2021, Zeit nach Vanitas, Zeit des sechsten Aussterbens. Dieses Projekt ist ein Versuch, das Stillleben im Kontext unserer Zeit als Kollektivgrab ausgestorbener Arten zu betrachten.

Reinhold Friedl untersucht in einer musiktheatralen Recherche Fragen von Austauschbarkeit und Übertragung: Wie lässt sich der Fetischcharakter der Beziehung des:der Musiker:in zu seinem:ihrem Instrument theatral und performativ nutzbar machen? Wann ist das Instrument Fetisch, wann Prothese? Ist es substituierbar? Welche theatralen Qualitäten lassen sich evozieren?

Laura Hicks bringt in ihrem Residenzvorhaben „Gut Symmetries“ die Recherche zu Affekt und Kinästhetik zusammen. Sie erforscht Fragen der Kombination von Kinästhetik und Physik im Körper der Tanzenden, Fragen nach Überlagerungen von räumlichen, zeitlichen und körperlichen Narrativen und befragt die Beziehungen, die zwischen Körpern in verschiedenen Bewegungszuständen entstehen.

Ariel Efraim Ashbel untersucht die Traditionen jüdischer Feiertage auf ihre aktuelle Relevanz und öffnet sie für einen persönlichen Zugang. Er fragt, wie die Analyse jüdischer Wissensbestände die zeitgenössische Beziehung zwischen Ästhetik und Politik bereichern kann und wie jüdisches Wissen – das traditionell zu Kritik und Revision einlädt – andere Formen der Wissenskonstruktion markieren kann.

„Regeneration verschwundener Landschaften“ ist ein Versuch, Choreografie als spekulatives Werkzeug zu nutzen, um die Komplexität der menschlichen Ausbeutung unserer Natur zu verstehen. Als Rohmaterial dient dabei die gegenseitige Übertragung von Informationen zwischen dem einen Körper, der von ausgestorbenen Landschaften erzählt und einem anderen Körper, der sich virtuell in ihnen bewegt.

In der Residenz „Revisiting HIVideos“ wird sich der Performer Simon Schultz theatral mit Videos von HIV-AIDS-Aktivist:innen der 1990er Jahre auseinander setzen, die in Hamburger Archiven neu entdeckt wurden. Um ein pharmazeutisches Molekül herum gruppiert er Fragen nach Schuld, Vereinzelung und Ausschluss sowie emotionaler Zwangs- und Wahlverwandtschaft.

Wir stehen in der Mitte des Lebens, vielleicht auch des künstlerischen Schaffens. Covid-19 stellt für viele Menschen einen Einschnitt dar. Künstler:innen erleben solche Zäsuren häufiger. Kamila Kurczewski nutzt die aktuelle Zäsur, um auf die vergangene Hälfte zu schauen, um nach Analyse und Montage eines langjährigen, persönlichen Archivs neue Wege der Darstellung zu finden. Und um weiter zu gehen.

Musikperformer Vincent Stefan und Performancekünstler Daniel Cremer verbinden sich in ihren Residenzvorhaben „Deliciousness of Drama“ und „Cabaret of Complexities“ am Künstlerhaus Mousonturm, um die Recherche nach der emanzipatorischen Kraft von Emotionen im Musikalischen des Kleinkunst-Genres durch eine queerfeministische Lesart zu vertiefen.

Das Projekt „Künstlerisches Forschen und Produzieren mit und in Schule“ möchte innovative Formate für die Begegnung zwischen Künstler:innen und Schüler:innen im Schulraum untersuchen und finden. Dabei sollen neue Räume und Strategien entstehen, die analoge Treffen und einen Austausch fördern. Die Schule kann so als Arbeitsraum für die Kunst dienen, und die Kunst als Teil der Schule.

Phuong-Dan Nguyen recherchiert umfassend zur Aktionskunst der Fluxusbewegung. Sein besonderer Fokus liegt hierbei auf der performativen Qualität jener Kunstrichtung und der Frage, wie es möglich sein könnte, die Geschichte, die Entwicklung und den Geist von Fluxus für eine Bühne performativ aufzubereiten.

Wie können wir digitale Räume erschaffen, die analoge Welten weniger ersetzen, sondern vielmehr erweitern? Angesichts der aktuellen gesellschaftlichen Situation interessiert sich Barbara Lenartz für die Gestaltung von neuen digitalen Welten und Objekten. In der Residenz wird ein eigener künstlerischer Umgang mit simulierten und imaginierten Räumen erforscht und so die Grundlage für eigene hybride Raumerkundungen geschaffen.

Caroline Beach interessiert sich für die Erforschung von Algorithmen und autopoetischen Systemen und dafür, wie sie zur Erstellung von Partituren und kollaborativen Kunstwerken verwendet werden können. Sie experimentiert mit der Erstellung von Twitter-Bots, um mit ihnen Partituren für choreografische Praktiken zu generieren, die auch von anderen Künstler:innen interpretiert werden können.

Lili M. Rampre beschäftigt sich in ihrer Recherche mit Wissensproduktion, Techniken des Zuhörens und dem Erzeugen von kulturellem Kapital im Tanz: Wie wird der Tanzdiskurs als Kulturobjekt mitgestaltet, wer nimmt daran teil und wie? Das Projekt eröffnet die Frage nach den mündlichen Überlieferungen im Körperwissen, nach der Ökologie, die sie mit den schriftlichen Tanzformen bilden und nach dem Auftritt einer sekundären Mündlichkeit, die nicht mehr individuell, sondern in kollektivem Besitz ist und einige Formen mehr legitimiert als andere.

Die Residenz dient der Recherche, Analyse und Archivierung der Deutschen Ballroom-Kultur sowie daran angrenzenden Themen, wie Rassismus, Sichtbarkeit, kulturelle Aneignung, Repräsentation und Aufarbeitung der psychologischen Gesundheit von Minderheiten. Aus der Reflexion und der Auseinandersetzung mit den genannten Thematiken soll zukünftig ein Online-Archiv entstehen.

Die Pandemie ist nicht vorbei. In Zuständen zu denken, ergibt keinen Sinn. Eine neue Strategie zu erfinden, auch nicht. Wir brauchen mehrere. Eine Stategiemaschine für Pläne von A-Z. Denkvorräte! Was kann Theater dazu beitragen? Christiane Hütter unternimmt eine Recherche am Weltübergang von online/offline, Wissenschaft, Kunst und Stadtgesellschaft, radikaler Zugänglichkeit und Neudenken.

Mikoko Yiu unternimmt eine Recherche zu interdisziplinären Hör- und Resonanzübungen an unterschiedlichen Orten in der Stadt. Das Vorhaben erforscht, wie unsere Sensibilität gegenüber der Umwelt durch aktives Hören verstärkt werden kann und wie uns und der Umwelt dadurch eine neue Art der Wechselbeziehung zu ermöglichen wäre. Wie können wir durch künstlerische Praxis einen interdisziplinären Austausch zwischen den Menschen anregen?

Das Residenzvorhaben der Choreografin und Performerin Ekaterine Giorgadze mit dem Titel „Tune-In-to-Dance“ baut auf aktuellen Herausforderungen auf, denen sich Tänzer:innen, Choreograf:innen und Tanzpädagog:innen während der aktuellen, durch die Covid-19-Pandemie bedingten Abstandsregelungen stellen müssen.

Kristin Mente setzt sich mit dem Thema Hilflosigkeit und Ratlosigkeit auseinander. Der Fokus der Beschäftigung liegt dabei besonders auf der Art der Hilflosigkeit und Ratlosigkeit in unsicheren gesellschaftlichen Situationen oder Situationen, für die es weltweit keine oder nur sehr wenige Erfahrungswerte gibt. Die Betrachtung psychologischer, gesellschaftlicher und geschichtlicher Aspekte führt in eine Bewegungsrecherche, die untersucht, wie sich Hilf- und Ratlosigkeit in der Körpersprache manifestieren.

Das, was abstrakt und alternativlos erscheint – Leben und Arbeiten im Spätkapitalismus – wird mit den Begriffen der Theoretikerin Bini Adamczak beschreibbar: als Organisationsprinzip unserer Beziehungen, das nicht entfremdet, sondern vielmehr die einzelne Lebensbereiche voneinander abspaltet. Diesen Gedanken wendet Philipp Reinhardt auf seine Arbeit als Schauspieler an und überschreibt sie mit dem Begehren nach einer solidarischeren Art des Theatermachens.

Das Projekt untersucht die Auslöschung Schwarzer Geschichten in der deutschen Kulturwirtschaft, insbesondere in afrikanischen queer-feministischen antikolonialen Kämpfen in Bezug auf deutsche Kolonialarchive in Film- und Tontechnologien durch Praktiken der Aufführung, des Widerstands und der Adaption.

Unter dem Titel „WAS IST PASSIERT?“ beschäftigt sich die interdisziplinäre Künstlerin Anna Zett mit assoziativen, dialogischen und partizipativen Erzählformen. Sie entwickelt und erprobt Spielregeln, mit Hilfe derer Gruppen in geteilter Verantwortung fiktionale Figuren kreieren und gemeinsam in Bewegung versetzen können.

Für „PermaKULTUR – Theater nachhaltig produzieren“ recherchiert die Künstlerin Magdalena Emmerig im Rahmen ihrer #TakeCareResidenz am FFT Düsseldorf. Sie untersucht die ökologischen, sozialen und ökonomischen Wirkungen der Produktion von Kostüm- und Bühnenbild und fragt: Wie kann die künstlerische Arbeit auf die Forderungen nach Ökologie, Langfristigkeit und Gemeinschaft adäquat reagieren?

Hannah Hofmann erforscht abseitige und eigenwillige Kommunikationsformen, die im Postkapitalismus kein Echo erzeugen – die nicht maßgeblich vorbestimmtes Wissen vermitteln – und insofern unerhört sind.

Die derzeitige Corona Pandemie war der Start für ein Umdenken. Durch die Folgen des Lockdowns wurde die Wichtigkeit des öffentlichen Raumes betont. Aber auch ein Umdenken der klassischen Bühne hat stattgefunden. Jesseline Sarkodie Preach geht der Frage nach, wie die Bühne neu gedacht werden kann, um beispielsweise neue Perspektiven auf die urbane Kunst und Stadtentwicklung zu fördern und unausgeschöpftes Potenzial dieses Raumes in Kunst und Kultur gemeinsam als Gesellschaft neu zu denken.

Daniela Lehmann untersucht den Akt des Abtauchens im physischen, psychischen, räumlichen und metaphorischen Sinn. Als Pendlerin zwischen europäischer Stadt und ägyptischer Wüste ist sie fasziniert von der Polarität der beiden Welten. Sie widmet sich der Sehnsucht nach „WENIGER DRUCK“ mittels Textrecherche und der Erkundung verschiedener erreichbarer Außenräume, die unsere Innenwelt beeinflussen.

Robert Lippok nutzt die Freiheit in der Residenz, kein finales Produkt abliefern zu müssen, um über Formen der Verknüpfungen von Darstellender und Bildender Kunst zu recherchieren und die (eigenen) Schnittstellen der verschiedenen künstlerischen Sparten auszuloten. Das Vorhaben umfasst sowohl eine Materialsammlung als auch Experimente im Bühnen- und Außenbereich unter Benutzung von Bühnen- bzw. Beleuchtungstechnik.

Die offizielle Erinnerungskultur an die Opfer rechter Gewalt organisiert sich häufig in Form einer quasi-theatralen Inszenierung, die Teil einer Betroffenheitsroutine geworden ist – jedoch ohne Einbezug der Betroffenen. Jens Geiger befragt die Möglichkeiten für Theater, die diesem Thema Raum geben möchten, und untersucht, wie sie Bühnen, Räume und Strukturen bieten können, die auf die Komplexität kollektiver Erinnerung jenseits theatraler Gesten eingehen.

In der Kunst materialisieren sich herrschende Konzeptionen von Geschichte und politischer Ideologie. Mit jeder Veränderung in diesen Strukturen verändert sich auch der Kanon dessen, was öffentlich gewürdigt werden soll. Was passiert nach dem Stürzen von Statuen und dem Stürmen von Bilder mit diesen Objekten? Oliver Zahn beschäftigt sich mit der Frage der „Endlagerung“ politisch-historisch kontaminierter Kunst.

Das Thema Diskriminierung und postkoloniale Perspektiven spielen eine sehr wichtige Rolle in der aktuellen Gesellschaft und als Künstler:innen sind wir verpflichtet mehr darüber zu erfahren. Alfredo Zinola ergründet diese Problematik, um praktische Fälle in der Arbeitspraxis zu entdecken und ein Instrumentarium zu entwickeln, um bewusster mit dem Thema Diskriminierung umzugehen.

Die Recherche für ein Soloprojekt von Colette Sadler geht von der Geschichte der elektronischen Musik, der Interaktion von Mensch und Maschine und Texten von Butoh-Meistern aus – und stellt dennoch das eigene Subjekt ins Zentrum der Arbeit. Ausgangspunkt für das Soloprojekt ist die Frage, wie sich ein spezieller Ort, in diesem Fall Deutschland, sowohl in die persönliche Identität als auch in das künstlerische Schaffen einschreibt.

Wir haben alle Angst vor irgendetwas. Vielleicht sitzen Sie gerade an ihrem Schreibtisch, fühlen sich relativ sicher, während Sie diesen Text lesen. Aber irgendwo in Ihrem Unterbewusstsein lauert immer die Angst. Sie manifestiert sich in Ihren Träumen, wird spürbar in kurzen Schreckmomenten im Dunkeln oder bei der Erinnerung an den Horrorfilm, den Sie nie vergessen haben. Wovor haben Sie Angst?

„Hold your noise!“ konzentriert sich auf die Beziehung der ‚Sprüche‘ und ihren körperlichen Auswirkungen: Durch Schweigen und Lärm will das Forschungsprojekt nach Zusammenhängen suchen und nach dem, was sie als choreografische Strategien in uns ermöglichen. Wie können wir etwas über diese Situationen lernen, indem wir sie mit erfahrungsbasierten Methoden durch Körper und Bewegung erforschen?

Mit Hilfe der Arbeit von Viginie Despentes forscht Céline Bellut über zeitgenössische Darstellungen weiblicher Sexualität in Bezug auf den Begriff der Irreversibilität, indem den Figuren vergewaltigter Frauen* Aufmerksamkeit zuteilwird. Irreversibilität steht der realen Bewältigung des Traumas gegenüber. Wie verläuft der Prozess des Übergangs von einer Opferfigur zurück zu einer Figur von sexuell befreiten Frauen*?

Charlotte Triebus erforscht Potenziale an der Schnittstelle von Tanz, Kunst und Technologie. Für die Arbeit „Precious Intelligence“ recherchiert sie zur Sichtbarkeit des Körpers in KI-Systemen und leistet einen künstlerischen Beitrag des Empowerments im Rahmen von Künstlicher Intelligenz und neuronalen Netzen.

In seinem Residenzvorhaben „Dancing-on-Air“ beschäftigt sich der Choreograf und Performer Jason Jacobs mit aktuellen Herausforderungen, denen sich Tänzer:innen, Choreograf:innen und Tanzpädagog:innen während der aktuellen Einschränkungen stellen müssen.

Anhand Donna Haraways einflussreichen Essay „A manifesto for cyborgs: Science, technology, and socialist feminism in the 1980s“ möchte sich Boglárka Börcsök mit dem poetischen ‚Körper‘-Werk der deutschen, (fast) vergessenen Dada-Künstlerin Baroness Elsa Freytag von Loringhoven auseinandersetzen und die performative Kraft ihrer Poesie erkunden.

Die Recherche zur performativen Kamera denkt das Filmen als eigenständige Akteurin. Aktuell werden durch und während der Pandemie viele Theaterstücke ins Digitale verlegt. Judith Rau beschäftigt sich seit 2017 mit der Kamera als Teil der performativen und szenischen Künste. Innerhalb der alltäglichen Abläufe im Probenbetrieb fehlt oftmals der Raum, um die Möglichkeiten der Kamera für die Bühne voll auszuschöpfen. Nun ist es an der Zeit, dieses Potential zu definieren.

Niels Bovri entwickelt eine Bildschrift, die es erlaubt, in zukünftigen Projekten Musik und Bewegung anhand einer bildlichen Notation zusammenzubringen. Wie würde so eine Sprache aussehen? Was braucht es? Was ist genau anders als bei einer konventionellen Musikpartitur? Das Herstellen dieser Partituren alleine könnte sich vielleicht zu einer komplexen kreativen Tätigkeit entwickeln.

Wie wird Intimität heute neu definiert, empfunden und erkannt? Dieser Frage geht Zwoisant Mears-Clarke während der Residenz am tanzhaus nrw nach. Intimität und Begegnung sind zentrale Themen in Mears-Clarkes künstlerischer Praxis. Die Untersuchung ermöglicht es, ein eigenes Verständnis von Intimität zu vertiefen und mit pandemie-bezogenen Hygiene- und Sicherheitsbestimmungen von Theatern in Berlin und Nordrhein-Westfalen neu abzugleichen.

Am Beispiel von Rosa Luxemburg, Angela Davis und Regine Hildebrandt untersucht Jule Flierl die transformative Präsenz von Rednerinnen im öffentlichen Diskurs. Die musikalische, historische und politische Recherche fragt nach dem Verhältnis von der Art, wie diese herausragenden Politikerinnen ihre Stimme benutzten und der Wahrnehmung des Gehalts ihrer Worte.

Katja Heiser untersucht performative Methoden der Recherche hinsichtlich neuer Gesprächs- und Befragungsformate zur Generierung von biografischem Material. Die methodische Forschung ermöglicht es Formate zu untersuchen, bereits bestehende kennenzulernen, neue Ansätze zu entwickeln, zu erforschen und zu erproben.

„Come Inside“ erforscht Chancen und Möglichkeiten künstlerischer Performances im digitalen Raum und im Live-Streaming. Hierfür werden Mittel und Techniken aus der Endoskopie, binaurale Tonaufnahmen und ASMR-Videos untersucht, die dem Publikum einen intimeren Einblick in das Geschehen auf dem eigenen Bildschirm geben sollen.

„M3DUSA“ ist ein Rechercheprojekt mit dem Ziel, das Internet zu bezwingen. In beratendem Austausch mit geübten Digitalstrateg:innen entsteht ein Dialog mit der monströsen Alterität der Online-Medien. „M3DUSA“ sucht nach einer alternativen Ästhetik, die dem Monströsen im digitalen Raum eine künstlerische Potenz einräumt und so neue Ordnungen und Unordnungen ermöglicht.

In Zeiten einer ökologischen, politischen und persönlichen Krise befasst sich die Projektforschung von Thiago Silva Granato mit bewussten Hörpraktiken, um die Koexistenz und Interdependenz von Menschen und anderen Lebewesen nachempfinden zu können. Ein Essay darüber, wie Tanz und Choreografie Empathie, Mitgefühl und Zusammengehörigkeit unterstützen können.

Jasmin Ihraç beschäftigt sich mich mit Bewegungen, die ständig im Fluss sind und potentiell unendlich sein könnten und orientiert sich dabei an den Prinzipien von Durchlässigkeit und Kontinuität. Ihraç geht von der Praxis des Shaolin Kung Fu aus, wo Bewegungsmuster ohne Anfang und Ende fließen und Durchlässigkeit und Kraft unweigerlich zusammenhängen. Im ‚aerial dance‘ setzt sich die Erforschung verschiedener Bewegungsmöglichkeiten fort, die die Illusion unendlicher Bewegung erzeugen.

In der Residenz werden Berührung in Settings der immersiven Theateraufführung und Performance in einem erweiterten Sinne erforscht. Der Fokus der Recherche liegt auf Berührung durch verschiedene Medien und Organe; auf artenübergreifenden Berührungen; darauf, wie das Virus aktuell verlangt, Nähe- und Distanzverhältnisse und Formen von Berührung im Theater neu zu greifen und zu verhandeln.

Warum gelingt es Frauen seit Jahrhunderten nicht, ihr angesammeltes Wissen nachhaltig an die nächsten Generationen weiterzugeben? Warum fehlt es generell an Traditionsbildung unter Frauen und wie steht es um weibliche Role Models? „Rolemodelmaschine“ arbeitet mit Elementen des Lehrstücks und lädt Frauen ein, gemeinsam über weibliche Vorbilder zu sprechen und sie zu einer ‚herstory‘ zu vernetzen.

Die Recherche beschäftigt sich mit thematischen und ästhetischen Vorstellungen von Jugendlichen in Bezug auf Tanztheater. Stefanie Elbers befragt gemeinsam mit Jugendlichen an Real- und Gesamtschulen die Einflüsse von Digitalisierung auf menschliche Identitäten, das gesellschaftliche Zusammenleben und die sich daraus ergebenden Erwartungen an das Theater.

„THE ZOOMOLOGISTS“ ist eine multiperspektivische Forschung über die digitale Vervielfältigung bis hin zur Auflösung des performativen Körpers. Die Tänzer:innen erweitern die klassische Betrachter:innenperspektive per Zoom auf ihr privates Umfeld, das zur neuen Bühne für ihre individuellen Performances wird. Zuschauer:innen bekommen den Eindruck, aus der Perspektive einer Überwachungskamera zu schauen.

In der Take Care Residenz „Migration der Wolgadeutschen“ befasst sich der in Dresden lebende Choreograf und Tänzer Alexander Miller mit der Geschichte der Wolgadeutschen. Die Recherche ermöglicht es Miller, der seit 1996 in Deutschland lebt, Hintergründe und Wissen zur eigenen Migration zu erlangen. Das erlangte Wissen soll Impulse für eine zukünftige künstlerische Auseinandersetzung liefern.

In dem Projekt „Recircling“ betrachten Yana Novotorova, Philine Herrlein und Diana Treder den Energiebegriff aus einer physikalisch-performativen Perspektive. Vor dem Hintergrund der globalen Erschöpfung von Energieressourcen, konzentrieren sie sich dabei auf eine tänzerisch-choreografische Auseinandersetzung mit den Prinzipien von sich selbst erneuernden Energien.

„SO YOU MIGHT SEE US“ ist eine Recherche über und mit jüdisch-orthodoxen Frauen, die die Vereinbarkeit eines religiösen Lebens mit der Berufung als Darstellerin und Tänzerin auf der Bühne erforscht und hinterfragt.

„3rooms“ erforscht körperliche, institutionelle und digitale Räume in einem dreiteiligen Recherchevorhaben am HAU, Mousonturm und am FFT. Körperöffnungen, Verbindungen nach außen, wie beispielsweise der Anus bilden den ersten Raum. Der zweite Raum fragt nach körperlichen Zuständen durch Diskriminierungserfahrungen in Kulturinstitutionen. Der dritte Raum verhandelt analoge und digitale Reflexionen. Der Spiegel als Zusammenspiel zwischen Grenzen & Öffnungen, Körper & Raum.

Barbara Fuchs sucht in einer wissenschaftlichen und künstlerischen Forschung nach choreografischen und performativen Werkzeugen für inklusive Tanztheater-Performances. Welche Möglichkeiten gibt es, um ein Tanztheaterstück sowohl technisch als auch choreografisch von Anfang an so zu konzipieren, dass ein immersives Performance-Erlebnis für Menschen mit und ohne Behinderung entsteht?

Aus der Perspektive von Sebastian Matthias‘ Grooveforschung wird auf TikTok erkennbar, dass die verwendeten Synchronisierungspraktiken wahrnehmungsphysiologische Funktionen nutzen, um User zum Mittanzen und zur Interaktion mit der App zu animieren. Ausgehend von dieser Strategie entwickelt Matthias als Eigenpraxis Tanz- und Hörtechniken, die einen alternativen Umgang mit der direkten Synchronisation ermöglichen.

Essens Innenstadt ist von einer unsichtbaren Grenze umgeben: der Grenze zum Innenstadttod. Innerhalb dieser Grenze leben keine Menschen mehr, zumindest nicht in einer Wohnung. Das Projekt „Am Rande des Innenstadttodes“ beschäftig sich mittels einer Textrecherche mit der Frage, wo fern von Konsum und Arbeit definierende Gestaltungsräume zu finden sind und wie diese aussehen könnten.

Moaeed Shekhane beschäftigt sich in einer künstlerischen Recherche mit der permanenten Inszenierung und den gegenseitigen Lügen, wie sie sich bei persönlichen Telefonaten mit der verbliebenen Familie im Herkunftsland ereignen. Basierend auf eigenen, diasporischen Erfahrungen und Beobachtungen im Freundeskreis werden diese (Selbst-)Inszenierungen der wechselseitigen Lügen analysiert, archiviert und auf ihr theatrales Potential abgeklopft.

Aus der zweidimensionalen Welt von „MONDO ZERO“ entsteht Bewegung und Raum. Als Bildermacherin begreift Barbara Lubich die Situationen körperlich und übersetzt sie ins Bild. Wie plant man aber die Kamerachoreografie und das Generieren von choreografischem Material für einen Tanzfilm, sodass unmögliche imaginierte Räume im Film entstehen können? Wie strukturiert Bewegung den Filmraum?

Die Urbane Tanzkultur findet langsam den Weg auf die Theaterbühne. Dennoch existiert weiterhin eine Unwissenheit über die urbane Tanzlandschaft in Deutschland. Die Komplexität und Diversität des urbanen Tanzes werden noch unterschätzt. Die Recherche von Takao Baba soll aufklären und einen analytischen Einblick in die urbane Tanzkultur in Deutschland gewähren.

Arthur Romanowski studiert Biografien als politische Konflikte unterschiedlicher Kontexte. Während Menschen ihre Geschichte platzieren und beispielsweise vor Gericht verhandeln, fehlt es an Perspektiven nicht-menschlicher Akteur:innen, wie sie sich etwa im Wald abspielen. Was für Verschränkungen entstehen, wenn verschiedene Erzählungen öffentlicher Orte in Harmonie, Disharmonie und Polyphonie aufeinandertreffen?

Die Befragung herrschaftskritischer Perspektiven in den darstellenden Künsten berücksichtigt zu selten die soziale, politische und kulturelle Genese der eigenen Strukturen. Mit Archivarbeit und Befragung von Zeitzeug:innen arbeitet Julian Warner diese verdrängten und vergessenen Geschichten auf, um die institutionelle Kritik im Künstler:innenhaus Mousonturm historisch und örtlich anzubinden.

Ligia Lewis erforscht das Nichts, den Kontrapunkt und die Gegenbewegung und entwickelt damit eine neue Form der Bewegung, basierend auf dem Prinzip der Umkehrung. Dies ist eine Provokation zur Unwissenheit, aber nicht zum Verlernen. Es eröffnet die Möglichkeit, in ein Gedankenexperiment einzutauchen, in dem Geste und Inszenierung, Verkörperung und Bewegung neu überdacht werden können.

Können Aufführungen für Kinder auch Aufführungen für Erwachsene sein und umgekehrt? In seiner Residenz erforscht Guido Schmalriede alias Manuel Muerte, wie sich mithilfe performativer Strategien Entertainment und gesellschaftlich-relevante Themen in einem generationenübergreifenden Ansatz verbinden lassen.

Can contemporary dance performance be presented as an online game or a VR experience? „Game on: Ghost, Avatar and Spectre“ seeks to imagine a form of performance based on 3D gaming as an artistic experiment, a dance experience and future storytelling. A radical re-think on dissemination of performance works in time of a pandemic and research on the possibilities of creating tele-presence performance.

Kann eine zeitgenössische Tanzperformance als Online-Spiel oder VR-Erlebnis gezeigt werden? „Game on: Ghost, Avatar and Spectre“ versucht, eine auf 3D-Gaming basierende Form der Performance als künstlerisches Experiment, Tanzerlebnis und zukünftiges Storytelling zu erdenken. Ein radikales Umdenken über die Verbreitung von Performances in Zeiten einer Pandemie und die Erforschung der Möglichkeiten einer Telepräsenz-Performance.

In dem Projekt „Recircling“ betrachten Yana Novotorova, Philine Herrlein und Diana Treder den Energiebegriff aus einer physikalisch-performativen Perspektive. Vor dem Hintergrund der globalen Erschöpfung von Energieressourcen, konzentrieren sie sich dabei auf eine tänzerisch-choreografische Auseinandersetzung mit den Prinzipien von sich selbst erneuernden Energien.

Nuray Demir trägt im Rahmen der Residenz am HAU anti-diskriminatorische Texte, Musik, Widerstandsgeschichte(n) von migrantisierten Frauen* aus queer-feministischer Perspektive zusammen und überführt diese in ein performatives Archiv der postmigrantischen Gesellschaft Deutschlands, um sie kollektiv erfahrbar zu machen.

Feministische Ideen wurden seit jeher auch durch spekulative Literatur verbreitet und so stehen diese Texte in einer langen Tradition inhaltlich verwandter Texte von Autor:innen, die bei der Kanonisierung von Science-Fiction- und utopischer Literatur gerne vergessen werden. Christiane Rösinger untersucht, wie utopische Entwürfe vor allem in sozial-dynamischen Zeiten verfasst werden, um historische Umbrüche zu spiegeln.

Im Angesicht fortschreitender Digitalisierung und globaler Pandemie richten Bae & Schaper ihren Blick zurück auf die neuzeitlichen Jahrmärkte. Sie erforschen die Spiegelkabinette der Schausteller:innen und widmen sich der Frage, was digitale und analoge Spiegelbilder verbindet und ob die digitalen Räume des Jetzt mit ihren algorithmischen Attraktionen nichts anderes sind als eine „:// digital fair“.

Das unbeschwerte Verreisen ist zurzeit unmöglich. Subbotnik entwickeln ein Konzept für Kopf-Reisebüros in leerstehenden Ladenlokalen, die dem kollektiven Wunsch nach Ferne nachgehen. Sie suchen in ihrer Recherche nach Formaten, um dem, was fehlt, einen gemeinsamen Raum zu geben – zwischen verträumten Live-Hörspiel-Erlebnis für Alltagsgestresste und der Tumult-Simulation am Flughafen.

Der Brutalismus erfährt seit einigen Jahren eine Art Comeback und wird als klarer, schnörkelloser Stil gewürdigt. Auf der anderen Seite bezeichnen seine Gegner ihn als hässlich, monströs und entfremdet. Vor diesem Hintergrund erforschen Montserrat Gardó Castillo und Petr Hastik die Auswirkungen brutalistischer Landschaften auf den Körper unter Berücksichtigung der spezifischen historischen, kulturellen und sozialen Aspekte.

Die Gruppe fachbetrieb rita grechen schafft sich Raum und Zeit miteinander zu lesen, diskutieren, probieren und musizieren, um die Basis ihrer künstlerischen Zusammenarbeit zu stärken. Dabei wenden sie sich im Konkreten den Themen- und Praxisfeldern Musik, Care-Work in kapitalistischen Wirtschaftssystemen und Sport als Tanz zu, um deren theatrales Potential zu untersuchen.

Banda Internationale recherchieren zu zeitgenössischem israelischen Tanz und seiner Bedeutung für Musik und Gesellschaft. Sie studieren Tänzer:innen wie die Mitglieder der Batsheva Company oder Ohad Naharin. Aus diesen Forschungen wollen sie neue Möglichkeiten und Konzeptideen für die Verbindung von freiem Tanz mit ihrer musikalischen Arbeit ableiten und sich mit den Wechselwirkungen von Tanz und Musik beschäftigen.

„Get it out – in search of (e)motions“ ist ein Rechercheprojekt der go plastic company. Die Macher:innen Cindy Hammer und Susan Schubert arbeiten gemeinsam inhaltlich zum Thema negativ konnotierter Emotionen, deren Ursprüngen, Eigenschaften und Verkörperungen. In intensiven Bewegungs- und Materialrecherchen forscht das Duo zu Äußerungen, Auswirkungen und Umgängen.

Als intersektional feministisch agierendes Theaterkollektiv begibt sich Henrike Iglesias in eine Zukunftswerkstatt, um sich mit Fragen von Repräsentation und Privilegien sowie Kollaborations- und Kollektivstrukturen zu beschäftigen. Heraus kommt sie mit einem internen künstlerisch-politischen Manifest, welches ihre Ziele als Künstler:innengruppe für die nächsten fünf Jahre formuliert.

Individuelle Kampfformen gehörten von Anfang an zu den Performances von Kollektiv ZOO und sollen weiter in den Fokus rücken. Die Mitglieder des Kollektivs besuchen die lokal unterschiedlichen Playfight-Szenen und befragen das Kämpfen kulturhistorisch und choreografisch. Weil hier jede:r mitkämpfen darf und es wechselnde Spielregeln gibt, wird das Kämpfen paradoxer Weise zu einem demokratischen Dialog.

Die Physical Theatre Company KimchiBrot Connection nutzt die #TakeCareResidenz, um sich eingehend mit ihrer künstlerischen Identität zu beschäftigen. Ihr Blick richtet sich dabei auf die eigene Arbeitsweise (Wie recherchieren und erzählen wir? Wie schärfen wir unseren Stil, unser Profil?), auf die Physical Theatre-Szene (Wo verorten wir uns?) sowie auf den radikalen, politischen Körper.

Der handelnde und sich verändernde Körper birgt ein Widerstandspotential gegenüber bestehenden gesellschaftlichen Normvorstellungen, Repräsentationseinschreibungen und Ideologien. PINSKER+BERNHARDT untersuchen in ihrer Residenz dieses Widerstandspotential und recherchieren, wie Machtstrategien auf Frauen* und weiblich gelesene Körper ausgeübt werden. Welche emanzipatorischen Praktiken machen einen Körper widerstandsfähig gegenüber Repressionen?

dgtl fmnsm erschaffen einen digitalen Think Tank an der Schnittstelle von Kunst, Technologie und Gesellschaft. Dieses digitale Lab ist ein kollaborativer Space für eine künstlerische, kritische und konstruktive Erforschung und Rezeption von Technologien wie Künstlicher Intelligenz. Es ist ein Ort für Recherche, für Wissensproduktion und für spekulative Designforschung.

Der Ausgangspunkt für die Recherche ist eine systemische Betrachtung des Anthropozäns. Natur und Kultur verschmelzen, verschwundene Primärlandschaften und Klimawandel setzen Mensch wie Tier in Bewegung. Kann sich die Menschheit ein künstliches Umfeld erschaffen, das eine ähnliche Komplexität und Funktionalität aufweist, wie evolutionär entstandene Ökosysteme?

Das interdisziplinäre Performancekollektiv missingdots experimentiert im „Laboratorium Grenzforschung“ mit variablen Raumstrukturen, performativen Kostümen und der Bewegung des Publikums. Sie untersuchen die Auswirkungen materieller Setzungen auf die Bewegungsabläufe von Performerin und Publikum und streben Perspektivenvielfalt für die Zuschauer:innen an.

In einer Zeit, die uns stärker denn je dazu auffordert, uns neu in ihr aufzustellen, drücken Gob Squad die Pause-Taste, um sich zu orientieren. Es ist Zeit für eine Bestandsaufnahme, für neue Visionen und Formate, um unsere Zukunft als Künstler:innenkollektiv zu re-imaginieren: Wie wollen wir weiterarbeiten? Und wie lassen sich Gemeinschaft, Begegnung und Intimität neu denken und gestalten?

Deufert&Plischke gehen der Frage nach der Archivierbarkeit von Tanz im Spannungsfeld von Selbstauslöschung und Wiederbelebung nach. Wie können Tanz-Dokumente ihre Stimme und Lebendigkeit behalten, mit der sie verfasst wurden? Wie können Menschen hinter diesen Dokumenten andere Menschen in Bewegung bringen? Wie kann diese Forschung ein lebendiges Archiv vorbereiten, das andere Künstler:innen inspiriert?

Nach der Produktion „BOYS SPACE“ wird THE AGENCY den „BoyBot“ für die App Discord programmieren, der in Chats auf Discord ‘trigger words’ mit Glossar-Einträgen begegnet. Er kann so in verschiedenen Räumen und Servern tätig werden, den rechten Diskursen etwas entgegensetzen und sie verschieben. Ein Fokus liegt in diesem Prozess auf dem Wissenstransfer zwischen Coder:innen und Künstler:innen.

Das Medientheaterkollektiv machina eX setzt mit dem FFT Düsseldorf einen lang gehegten Wunsch um: Mithilfe der #TakeCareResidenz arbeiten sie daran, ihre immateriellen Arbeitsmittel zunächst aufzuarbeiten und in einem zweiten Schritt Kulturschaffenden und Pädagog:innen zur Verfügung zu stellen. Sowohl Inszenierungsstrategien als auch Software sollen nach dem Prinzip ‚Open-Source‘ in die Community zurückgegeben werden.

Die Corona-Krise erfordert Umdenken und Flexibilität. performing:group sucht Wege, ihre Arbeit an die neuen Bedingungen anzupassen und der Unruhe entgegenzuwirken: auf der Straße, auf Plätzen, in die Foyers der Theater, in Schulhöfen und Klassenzimmern. Den Berg zum Propheten bringen. Bilder der Ruhe erzeugen. Der Aufgeregtheit vehemente Stille entgegensetzen.

In der Residenz werden Berührung in Settings der immersiven Theateraufführung und Performance in einem erweiterten Sinne erforscht. Der Fokus der Recherche liegt auf Berührung durch verschiedene Medien und Organe; auf artenübergreifenden Berührungen; darauf, wie das Virus aktuell verlangt, Nähe- und Distanzverhältnisse und Formen von Berührung im Theater neu zu greifen und zu verhandeln.

In dem Rechercheprojekt „Videotanz/Internet“ setzen sich Verena Billinger und Sebastian Schulz mit dem Phänomen des Tanzvideos im Internet auseinander. Sie denken über Videoästhetiken nach, die Tanz in den digitalen Raum einschreiben und suchen nach den Möglichkeiten von Videotanzarbeiten, die sich selbst als künstlerisch eigenständig und in diesem Sinne abstrakt verstehen.

„Materiality of Touch“ knüpft an Nguyễn + Transitorys fortlaufende Recherche zu Interdependenz, Verletzlichkeit, Nähe, Disorientierung und Vertrauen an – Themenkomplexe, mit denen sie sich intensiv beschäftigen. Die zentrale Frage in ihrer Residenz lautet, wie die Berührung verschiedener Körper als Instrument für eine Klangkomposition und für gemeinsames Improvisieren benutzt werden kann.

„NEUE RITUALE“ ist ein Rechercheprojekt, das vorhandene Rituale erforscht, deren Automatismen analysiert und praktische Vorschläge für neue Rituale herausarbeitet. Die Feldforschungen finden als Openair-Audiowalks, Interviews und Happenings u.a. im Raum statt und werden laufend dokumentiert und veröffentlicht.

Die These der Produktionsgemeinschaft aus Freier Szene, Kunst, Informatik und Wissenschaft VOLL:MILCH lautet: Bevor das Freie Theater eine eigene Aufführungspraxis im World Wide Web selbstbewusst behaupten kann, braucht es eine eigene Produktions- und Probenpraxis. VOLL:MILCH testet mit ihrer Montagesoftware nota Probenkonzepte des Freien Theaters im Digitalen und erforscht diese Übertragung mit künstlerischen Mitteln.

„Planted Teachings“ ist eine künstlerische Forschungsarbeit, die für die mögliche Auflösung der Mensch-Natur-Dichotomie plädiert, die Möglichkeit eines hierarchiefreien Zusammenlebens durch reale Begegnungen und radikale Experimente mit Natur-Intelligenzen untersucht und regenerative Prozesse und neue künstlerische Bewegungssprachen anregt.

Unter dem Titel „Prinzip Hoffnung“ erforscht das Tanzkollektiv the guts company die Logik des Gleichklangs auf musikalischer sowie körperlich/tänzerischer bzw. choreografischer Ebene und fragen sich gleichzeitig, wie eine soziale Choreografie eines neuen Miteinanders aussieht. Was sind die partizipativen Handlungs- bzw. Möglichkeitsräume? Ist Hoffnung ein wesentlicher Baustein für Selbstermächtigung?

Innerhalb ihres Recherche-Projektes „RE:PRODUCTION“ beschäftigen sich die Choreografin Antje Velsinger und die Dramaturgin Heike Bröckerhoff mit sozialen und körperlichen Praktiken und Mythen rund um das Thema Mutterschaft und Familie. Ausgehend von der inhaltlichen Recherche wird das Interesse am Format ‚Interview‘ als Ausgangspunkt choreografischer Arbeit reflektiert und weiterentwickelt.

Das Künstler:innenduo half past selber schuld setzt sich mit Philosophien und Gesellschaftskritiken der Gegenwart auseinander, um deren Thesen in Verbindung zu neuer Technologie zu setzen und die Ergebnisse in Wort, Ton oder Bild zu formulieren. Getrieben von Fragen der sozialen Gerechtigkeit erhoffen sie sich eine alternative Sicht der Dinge oder Lösungsvorschläge zu gesellschaftlichen Problemen zu entwickeln und damit zum Überleben der Zivilisation beizutragen.

She She Pop kümmern sich um die Pflege bisheriger Produktionen und Fragen zu deren Reproduktion. Material aus Konzeptions- und Probenprozessen wie auch Interviews, Manifeste, Essays etc., die an den Rändern vieler Produktionen und Touren oder dazwischen entstanden sind, werden gemeinsam reflektiert, um herausfinden, ob und wie dieses Material aufgegriffen oder weitergegeben werden kann.

Die Armada of Arts wünscht sich einen „Spielplatz ohne Vorschriften“ als einen Gegenpol zur heutigen rastlosen Zeit und will einen utopischen Ort kreieren, an dem sich jede und jeder ausprobieren kann. Die Armada of Arts erforscht einen Freiraum, an dem alles möglich zu sein scheint: das Abenteuer, die Ruhe, die Begegnung und das Sinnlose.

Mit „Stuff The World“ untersuchen die Theatermacher:innen Hecke/Rauter die Auswirkungen des anthropogenen Klimawandels auf den deutschlandweit einmaligen Ausbildungsbetrieb zum Tierpräparator am Bochumer Berufskolleg. Welchen Transformationen unterliegt das Berufsbild anhand ökologischer Veränderungen: Werden die Aspirant:innen zu Zeug:innen des Artenverfalls oder bezeugen sie einen aussterbenden Beruf?

Das Kernkollektiv der Cooperativa Maura Morales, nämlich die Choreografin und Tänzerin Maura Morales und der Komponist und Musiker Michio Woirgardt, loten in ihrer Recherche „The Consequence of Actions“ die Möglichkeiten eines ‚klingenden Tänzer*innen-körpers‘ aus – im Hinblick auf die Kreation von eins-zu-eins reproduzierbaren Soundbausteinen.

Der Film „Zabriskie Point“ von Michelangelo Antonioni endet mit einer Explosion. Diese Szene wird zum Ausgangspunkt der Recherchearbeit „THE END IS MANY BEGINNINGS oder Ist der Kapitalismus das Virus?“. Hans-Werner Kroesinger und Regine Dura vertiefen sich in das Gespräch „The End“ zwischen dem Philosophen Alain Badiou und dem Videokünstler Giovanbattista Tusa über den Zustand des globalisierten Kapitalismus und verfolgen die Chronik der laufenden Ereignisse aus Krankenhäusern und die Kurven der Börsenbewegungen. Die Krise ist global.

In ihrem Residenz-Vorhaben begeben sich Fabian Lettow und Mirjam Schmuck vom Bochumer kainkollektiv zusammen mit Kampnagel Hamburg auf eine virtuelle bzw. digitale Reise. Sie stellen sich der Frage, wie transnationales Arbeiten funktionieren oder Sinn ergeben könnte und wie bestehende, weltweite Netzwerke mit Künstler:innen nicht nur aufrechterhalten, sondern weiterentwickelt werden können, wenn es unmöglich ist sich persönlich vor Ort zu begegnen.

Was ist eigentlich ein digitaler Körper? Wie soll er je mit der Widerstandsfähigkeit des analogen Körpers mithalten? Oder ist es umgekehrt? Müssen wir die Versammlung im Theaterraum gegen die unendlichen spektakulären Möglichkeiten digitaler Bilder verteidigen? Die Recherche „Underneath Surfaces“ entwickelt einen digitalen Raum und untersucht Schieflagen zwischen analoger und digitaler Präsenz.

Tanja kommt aus Sachsen, Johanna gehört ins Ruhrgebiet. In einer ergebnisoffenen Recherche wollen sie den offensichtlichen und rätselhaften Ähnlichkeiten zwischen Ost und West nachgehen, Werner Bräunigs “Rummelplatz” lesen und biografische Gespräche mit Menschen hier und da führen. Was haben z.B. Zechenschließungen im Pott und das Ende der Wismut gemein? Und wer transkribiert das alles?

andcompany&Co. setzen ihre Forschung zu Digitalität fort: Welche Formen von Kollaboration ermöglicht der digitale Raum? Kommt nun die Zeit des internationalen grenzenlosen Produzierens im Cyberspace? Schicken wir unsere digitalen Doppelgänger auf die virtuelle Bühne? Laden wir uns alle selbst ins Netz hoch? Fest steht: Wir sind längst elektronische Performer:innen – ob wir es wollen oder nicht.

Geförderte Vorhaben flausen+bundesnetzwerk

„Watervisions“ ist eine künstlerische Recherche zur Visualisierung von Musik zum Thema Wasser und untersucht die Ansätze einer inszenatorischen Videoarbeit im Kontext der theatralischen Geste. In der Forschungsarbeit an der Schnittstelle zwischen Theater, Musik und Videokunst wird dem realen Bühnengeschehen eine zusätzliche Dimension durch Interaktionen mit digitalen Bildwelten gegenübergestellt.

Die Recherche „Lyrik und Figurenspiel“ wird sich mit den theatralen Möglichkeiten befassen, die sich aus der Auseinandersetzung mit lyrischen Texten für eine Adaption durch Figurentheater erschließen lassen.
Welche dramaturgischen Konzeptionen können aus lyrischen Strukturen entwickelt werden? Welche Texte sind geeignet? Und in welcher Form kann ein lyrischer Text in Erscheinung treten?

Joachim von der Heiden ist seit 32 Jahren künstlerischer Leiter des renommierten theater monteure. In seinen Solo-Performances begegnet er dem jungen Publikum in ungewöhnlichen Konstellationen an der Schnittstelle zwischen Theater und Bildender Kunst. Sein Recherche-Projekt „Wo gehts‘ lang?“ fragt mit performativen Interaktionen im Schulkontext nach der Rolle von Orientierung.

Im Spannungsverhältnis von chinese pole Akrobatik, physical theater und Figurentheater setzt Jan Jedenak seinen Körper unterschiedlichen physisch extremen Situationen aus, um neues Körper- und Bewegungsmaterial zu entwicklen, das rein im Dienst einer figuralen Erzählweise steht, die den Körper als Material begreift und das Kunststück nicht zum Selbstzweck gebraucht.

Die Puppenspielerin Franziska Dittrich untersucht in „BLUSH – when faces turn pink“ (AT) das Gefühl der Scham und deren gesellschaftliche Auswirkungen. Die Recherche dient als Vorarbeit für ein partizipatives Theaterprojekt für Mädchen* und junge Frauen*, das sich am Gaming-Format der Lebenssimulation orientiert und sexistische Wirkmechanismen und Körperbilder kritisch befragt.

„Alte Puppe“ ist, vom Tanz ausgehend, eine intergenerative Recherche zur Kommunikation mit und durch den älteren und alten Körper.
Durch die aktuelle Vorgabe, Abstand zueinander zu halten, ist die tänzerische Praxis im Kern getroffen sowie die natürlich spontane Begegnung zwischen Generationen.
Mittel des Materialtheaters sollen einen sinnlichen Zugang zu Themen der Risikogruppe herausstellen.

Bernhard M. Eusterschulte, geb. 1962 in Beckum (NRW), lebt und arbeitet in Stuttgart. Angesichts der Corona-Pandemie recherchiert er zum Thema „Soziale Ungleichheit“. Mit dem Titel „<37 matches>“ greift Eusterschulte Motive der Andersen Erzählung „Das Mädchen mit Schwefelhölzern“ auf. Vom FITZ! Stuttgart als Residenzort wird die Arbeit begleitet.

Diese Recherche und Residenz bietet eine Forschung und einen Austausch zu den Themen: Gender / Kampfsportarten / zeitgenössisches Figurentheater. Es soll ein symbolischer Forschungsraum sein, über die Kunst Schläge zu geben und Schläge empfangen zu können, ein Ort für die Poetik des Muskel- und körperlichen Widerstandes, eine Forschung von einer Utopie – geschlechtsspezifisch intrakorporal.

Mit seiner Forschung versucht Shahab Anousha, sich theoretisch/praktisch mit den performativen Verhältnissen von „Körper“ und „Abwesenheit“ auseinanderzusetzen und damit mögliche szenische Strategien zu experimentieren. Das Ergebnis seines Vorhabens wären Werkzeuge und Scores, die später als Material für die Entwicklung eines Stückes verwendet und umgesetzt werden können.

Wie sieht ein zeitgemäßes transkulturelles Jugendtheater aus? Wie kann es partizipativ, digital und analog realisiert werden? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der Suche von Atischeh Hannah Braun nach dem Gegenstand und Übungsformen zum transkulturellen Theater. Ihre Residenz erforscht die theoretischen und organisatorischen Voraussetzungen dazu, um modellhaft in der Praxis daran zu arbeiten.

Mit der Performance Do Not Click, Scroll or Type wird sich Aran Kleebaur poetisch-essayistisch mit den Intensitätserfahrungen auseinandersetzen, die die Nutzungen von Internet Plattformen, den dazugehörigen Medientechnologien und die darin eingebetteten Machtverhältnisse hervorbringen. Eine Performance zwischen Aktivität und Passivität, zwischen Entspannung und Anspannung, Lust und Erschöpfung.

Im Rahmen der #TakeCareResidenz recherchiert Clara Reiner am TNT zum Themenkomplex „Fallen“. Wie fallen Menschen, wenn sie stolpern oder das Gleichgewicht verlieren? Was ist das für ein Bewegungsablauf? Welche Spuren hinterlässt das Fallen? Anhand verschiedener Medien- Choreografien, Texte und analoger Druckverfahren untersucht Clara Reiner Aspekte des Fallens.

Der Regisseur Thomas Dannemann macht eine Recherchearbeit über die Notwendigkeit der „Erzählung“ für eine soziale Existenz des Menschen bis zu der Frage, inwieweit es einen über den Menschen hinausgehenden, strukturellen und irreversiblen Zusammenhang zwischen der technischen Weiterentwicklung der sozialen Medien und dem Erodieren von Konsenserzählungen in Gesellschaften gibt.

Seit Jahren entwickelt Céline Papion ihre Arbeit als Cellistin in Richtung „Neues Musiktheater“ hin zu einer eigenen performativen Sprache basierend auf dem Prinzip der „sichtbaren Musik“.
In der durch COVID eingeschränkten Situation möchte sie mittels Konzeptionsentwicklung und Recherche ihre performative Praxis weiterentwickeln und sich konkret der Frage nach Körper und Komposition widmen.

Ein „BREAK“, um Projekte zu verdauen, zu reflektieren und zu ordnen. Welche Ideen sind in den letzten Produktionen entstanden, welche überleben? Welche künstlerische Linie entsteht im forschenden Tiefgang und wie lässt sich diese in den kommenden drei Jahren schärfen? Und wer unterstützt die DAGADA dance company dabei, ihre künstlerischen Werte nach außen zu tragen und sichtbar zu werden? „BREAK through“ in hard times!

„Homestories“ ist eine künstlerische Auseinandersetzung mit der Wohnungsfrage als Wunde spätkapitalistischer Gesellschaften. Wie lässt sich der Zusammenhang zwischen gegenwärtigen Wohnökonomien und subjektiven Gefühlslagen von Einsamkeit, Erschöpfung und Angst ästhetisch verdichten? Aus Recherchen und Revisionen älterer Arbeiten entstehen Konzepte für öffentliche Interventionen in Neubauvierteln.

Für „RESTEP“ untersucht die aus Japan stammende Tänzerin Emi Miyoshi ihre eigene kulturelle Vergangenheit, die Bewegungen und musikalischen Elemente unterschiedlicher japanischer Volkstänze. Auf spielerische Art werden traditionelle tänzerische, rythmische und musikalische Elemente verändert, vermischt und abstrahiert, um eine eigene zeitgenössische Interpretation zu entfalten.

Soziale Symptome, Sound und Suggestion. Infraschall: das sind ganz tiefe, für den Menschen nicht hörbare Töne. Manche meinen Infraschall spüren zu können und reagieren mit körperlichen Symptomen. Manche halten das für Auswirkungen eines Nocebo-Effekts. Diesen Gap zwischen subjektivem Empfinden und Wissenschaft möchte Charlotte Pfeifer erforschen, Texte dazu entwickeln und Soundexperimente machen.

„13. Februar 1945 OFFENE WUNDE Tiefenschürfung vs. Schärfentiefe“ stellt Einzelschicksale von Zeitzeug:innen in den Vordergrund der künstlerischen Auseinandersetzung.
Es ist eine individuell verhaftete Tiefenschürfung, die das Große im Kleinen abbildet. Eine Verortung individueller Schicksale in einem dramatisch-poetischen Text. Konkret, unmissverständlich und berührend.

Wenn Störungen zum Wirkungsbereich künstlerischer Arbeit gehören, rückt die Betrachtung zukünftiger alternativer (ästhetischer) Darstellungsverfahren ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Corona fordert uns dazu heraus. Störung wird in diesem Recherchevorhaben nicht als destruktive Größe, sondern auch als konstruktives Prinzip begriffen.

„Deutsche lieben Mephisto“ ist ein Recherche- und Textprojekt, das sich mit den Möglichkeiten zur Verschränkung von Text und Tanz beschäftigt. Neben einer methodischen Recherche soll praktisch durch Textproduktion und -generierung geforscht werden. Als inhaltliches Material und Folie für eine Auseinandersetzung mit Individuum und Gesellschaft dient Klaus Manns Roman „Mephisto“.

Was sind „Instinkte“? Wilde Triebe oder biologische Weisheit? Carla Wierer erforscht das Thema aus unterschiedlichen wissenschaftlichen und künstlerischen Perspektiven.
Im Austausch mit Expert:innen aus Biologie, Verhaltensforschung, Anthropologie und Psychologie beleuchtet sie, wie sich der Instinkt auf gesellschaftliches Leben auswirkt und ihren persönlichen Schaffensprozess beeinflusst.

Vom Verlernen des Bauchgefühls, brüchiger Solidarität und being late to the party als unfreiwilliges Lebensgefühl: Wessen Körper, auf und hinter der Bühne, sind autonom? Wie wirkt koloniale Entmenschlichungspraxis auf das Selbst? Gefühle verlernen bedeutet Verletzung/Trauer/Wut/Krankheit beiseiteschieben und Leben nicht an Freude und Glück zu messen, sondern daran, welche nächste Herausforderung bevorsteht.

MS ist eine – im wahrsten Sinne des Wortes – nervtötende Krankheit. Viele Kämpfe, die Steffi Tauber als Künstlerin mit MS jeden Tag mit, gegen und für ihren Körper austrägt, bleiben für den:die Betrachter:in unsichtbar. Der:die sieht nur die Spitze des Eisberges. Steffi möchte dazu einladen, hinter die Fassade ihrer Krankheit zu schauen – am Rollstuhl, am Rollator, am Gehstock vorbei.

Den ländlichen Raum gibt es nicht. Im Wissen um die hessische Sozialisation des Künstlers widmet sich das Vorhaben der künstlerischen Forschung zu Traditionen der Versammlung in ländlichen Räumen der DDR. Dabei sollen szenische Hörminiaturen entwickelt werden, die uns zum utopischen Denken über Dritte Orte in ländlichen Räumen heute inspirieren könnten.

Nasheeka Nedsreal ist eine Tanzkünstlerin aus Louisiana, die in den Bereichen Musik und Videokunst arbeitet. In ihrer Arbeit beschäftigt sie sich mit Identität, Ritualen und Improvisation. Durch ihre fortlaufenden Prozesse in der Tanz- und postkolonialen Arbeit konzentriert sich ihre aktuelle Forschung auf die Entkolonialisierung des Körpers.

Während eines zweimonatigen Rechercheaufenthalts im Denk- und Produktionsort Libken möchte Zwoisy Mears-Clarke sich mit zwei Fragen beschäftigen. Wenn der Körper für die Geschichte und die Topographie des Landes, auf dem er sich befindet, empfänglich ist, wie verändert sich dann sein Verhältnis zu Form, Zeit und Raum? Und wie lässt sich dieser Vorgang ins Performative übertragen?

Magda Agudelo sucht nach Bühnen im öffentlichen Raum: Was für ein Theater braucht Bad Cannstatt, der älteste Stadtteil Stuttgarts? Welche Geschichten wollen die Bewohner:innen erzählen oder anschauen? Welche Formate passen zu diesen Geschichten? An welchen konventionellen oder alternativen Orten finden diese Geschichten ihren Platz?

In dieser Recherche begibt sich Birgit Freitag auf die Suche nach der vitalen Kraft eines verpönten Gefühls: WUT. Wo lässt sich Wut finden? Was macht wen wütend? Brauchen wir die Wut, damit sich etwas bewegt? Der Hauptfokus liegt auf der Erforschung von Wut und Körper. Was macht Wut mit dem Körper? Wie lassen sich Wutreaktionen provozieren, dokumentieren und im künstlerischen Kontext darstellen?

Cora Frost taucht in die Tiefen ihres privaten Archivs, um die ungesungenen Lieder, unerzählten Geschichten, Freundschaften und Lieben ans Licht zu befördern.
In diesem Noch-Nicht-Archiv liegen Teile von ihr selbst begraben, Erbschaften, alte Fotobücher. Schauspielerleben in Zeitlupe, in genialen menschenliebenden Blicken.
Alte, nie angehörte Tonbänder, die auf ihre Entdeckung warten.

Nis Søgaard erforscht in seinem Vorhaben verschiedene Herangehensweisen und Methoden, um den Entstehungsprozess einer Inszenierung filmisch zu dokumentieren und transparent zu machen. Dabei interessiert ihn, wie er das Dokumentationsmaterial auch szenisch einsetzen kann, um eine Präsenz verschiedener Stadien einer inszenatorischen Arbeit auf der Bühne möglich zu machen.

Das Lumpentheater (www.lumpentheater.de) Christina Seck ist fasziniert von der Idee des „mechanischen Theaters“.
Bisherige Inszenierungen nutzen Illustrationen, die aus gewöhnlichen Gegenständen „aufpoppen“. Ist es möglich, diese technisch-mechanische Seite weiter auszubauen oder sogar einen eigenen Theater-Automaten zu generieren?

Was passiert, wenn ein Mensch, der aus Afghanistan floh, in Buchenwald von seiner Vergangenheit eingeholt wird? Und was, wenn sich die deutsche NS-Vergangenheit mit einem aktuellen Krieg am Hindukusch verbindet? Im Zentrum der neuen Arbeit von Tine R. Völcker steht das Aufeinandertreffen zweier Vergangenheiten, die von extremer Gewalterfahrung geprägt sind und erstmals in einen Dialog treten.

Rika Weniger bewegt sich in ihren eigenen Produktionen zwischen Schauspiel und Performance. In „Hochhaus Waagestraße“ beschäftigt sie sich mit Prägungen. Wie tief reichen Prägungen? Um dem nachzugehen begibt sie sich in das Hochhaus, in dem sie die ersten elf Lebensjahre gelebt hat. Sie wird sich vor Ort inspirieren lassen. Die Begegnungen mit den Anwohner:innen werden im Zentrum der Recherche stehen.

In „Neue Höhe Neue Nähe“ entwickelt Sabeth Dannenberg ein neues Bewegungsrepertoire am Spinning Pole und untersucht die feministischen Aspekte des Pole Dance auf ihre Theatertauglichkeit. Motiviert durch das Bedürfnis nach gesellschaftlicher Partizipation und einem Gemeinschaftserleben in der „neuen Normalität“ der Pandemie erforscht sie zudem neue Formen der Begegnung mit dem Publikum.

„Lebensader“ (AT) – Recherche zu einem multimedialen Tanz-Event. Energetische Beats, Live-Percussion, plastische Projektionen und Tänzer:innen verschmelzen zu einer bewegten und bewegenden Performance.

Eine zweimonatige Recherche über Maria Reiches Biografie und visueller Entwurf der Szenen für Bühnenbilder anhand der musikalischen Komposition von Hang Su. Ziel des Projekts ist, eine Verbindung zwischen der Musik und dem Bühnenwerk herzustellen für ein Musik / Tanztheaterstück. Eine 30-minütige Präsentation wird im LOFFT – DAS THEATER (Leipzig) veranstaltet.

Eine Recherche zu einem neuen Lieder und Gedichte Abend von und mit „Der Dame in Prosa und der Kavalier am Klavier“: vertonte Gedichte, Texte und Lieder aller Art, die wie kunterbunte Flicken sind in unserem grauen Alltagskleid.

„Es gibt keine Konkurrenz, für jeden ist Platz.“

Von klein auf lernen wir „Wer besser ist, gewinnt.“ Jedoch können wir oft nicht mehr zwischen messbarer Leistung und Mensch unterscheiden. Wir fangen an, unseren Selbstwert an unserer Vita zu messen und versuchen uns am Leben anderer zu orientieren. Lisa Fertner möchte mit ihrem Projekt dagegensteuern und zu einem Umdenken anregen.

Im Recherchevorhaben „Vater Hase“ sammelt der Figurenspieler Marius Alsleben Impulse zur zwischenmännlichen Vater-Sohn-Beziehung.
Als ein rosa Plüschhasen – der für das gestorbene Kaninchen seines Vaters steht – observiert er über die persönliche Beziehung von ihm und seinem Vater.
Er dokumentiert die Geschehnisse und versucht sie in Form von Songs, Foto/Film und Texten festzuhalten.

Wie lässt sich in Zeiten der erhöhten Berührungsangst und des Abstandhaltens ein Raum füllen und das Gefühl einer dichten Masse erzeugen? Wie kann die Lücke zum Medium einer affektiven Verbindung werden? Einen Effekt über eine Entfernung zu erzielen, hat etwas Magisches an sich, genauso wie Akte, deren Wirkung wesentlich über deren Aufwand hinausgehen. Wann fühlt man sich verbunden?

Anna Menzel ist immer auf der Suche nach Outlaws. Im Rahmen ihrer Residenz wird sie mit Unterstützung der Schaubude Berlin zu Peggy Jo Tallas recherchieren, die ein Doppelleben als Bankräuber Cowboy Bob führte. Sie wird einen Konzeptionsansatz und Texte entwickeln, um endlich mal einen Cowboy spielen zu können.

An der Schnittstelle von Performance und Aktivismus untersucht L verkörperte und repräsentative Merkmale des Protests und wie das Miteinander zu einem ermächtigenden Werkzeug wird. Im Denk- und Produktionsort Libken wird L X Praxis auf theoretische Grundlagentexte prüfen und Analogien finden, die in einem Research Lab erprobt werden, um neue kollektive Formate zu entwickeln.

Greta Thunberg: Klima-Terroristin oder Heldin? Ihre Reden sind Ausgangspunkt einer physischen Annäherung: Inhalt und Emotion werden auf eine tanzbare Essenz gebracht. Eine Suche nach der Universalität im Werdegang einer modernen Jeanne d’Arc. Ein Selbstversuch: Durch „Embodiment“ (Verkörperung) von Held:innen-Figuren wird die Auswirkung von Wahn, Hass, Glaube, Vision auf den Körper untersucht.

In diesem Projekt werden choreografische Praktiken untersucht, die Formen der Vulnerabilität und Fragilität in der Kommunikation erfahrbar machen. Die Stimme wird dabei als politisches Instrument einer Instabilität zwischen innen und außen untersucht. Besonders die Figur des mythischen weiblichen Monsters, der Sirene, und ihr warnender Gesang ist Gegenstand der Forschung.

In seiner Forschungs- und Recherchearbeit spürt der Schauspieler Jörg Schur nicht nur Hasskommentare auf, er dokumentiert sie und hält sie künstlerisch in Schrift und Bild fest. ‚Hater‘, die unter dem „Deckmantel der Anonymität“ all ihre Hasstiraden in die Welt schleudern, sollte man nicht unkommentiert lassen.

Ida Daniel nimmt die verbindende Funktion von Tischspielen, den Wunderaspekt von Pilzen und die Nichtlinearität von Choreografie, Kartografie und Kryptografie, um Trainingsfelder für unsere Vorstellungskraft zu schaffen. Es gilt dabei, dass dieses „unser“ zu einem „wir“ gehört: „Wir mögen hierin zwar zusammen sein, aber wir sind nicht alle Menschen und wir sind nicht ein und dasselbe.“ (Rosi Braidotti)

Im Residenzzeitraum wird Tibo Gebert Recherchen im Bereich Puppenbau durchführen. Nachdem in seiner künstlerischen Praxis bisher der Spielerkörper als neutraler Schatten behandelt wurde, erforscht er nun, wie die Abhängigkeit zwischen Puppenspieler und Puppe bildlich dargestellt werden kann und welcher puppentechnischen Voraussetzungen dies bedarf.

In drei verschiedenen Herstellungstechniken entstehen drei Künstlerinnenporträts als Puppenköpfe. Die Materialien dafür werden recycelt und sind ausdünstungsarm.
Die Recherche hilft die Herstellungstechniken zu erlernen und Materialien auszutesten. In einer Fotoserie entsteht ein Gespräch zwischen den Puppenköpfen.

Oda Pretzschner möchte anhand von Interviews die Frage nach Zivilcourage im eigenen Leben untersuchen. Inwieweit gibt es eine Pflicht sich zu verhalten? Wenn ja, steht diese im Gegensatz zum eigenen Glücksanspruch? Die Ergebnisse dieser Forschung sollen neue Sichtweisen im Komplex „Zivilcourage, Verantwortung und privates Glück“ aufzeigen.

„Geweih – Schmuck als Kampfwaffe“ ist ein Research-Projekt, das sich mit den vernichtenden Handlungen des Menschen auseinandersetzt. Es wird die Frage gestellt: Wo wird uns dieser Gewaltmarsch hinführen? Weitverbreitete Erzählungen und Geschichten, wie der Phönix aus der Asche, werden in einen Dialog mit zeitgenössischen Geschehnissen wie Krieg und Umweltzerstörung gestellt.

Hat Theater die Fähigkeit, etwas Elementares auszufüllen, zu befriedigen, kann es etwas sein, das tatsächlich schwer zu ersetzen ist? Sollte es nicht mehr sein als Bildung und Unterhaltung in einem? Leonie Euler fragt in ihrem Rechercheprojekt, ob Theater nicht eine Art transzendentales Erlebnis sein kann, und sucht den Schlüssel im Ritual.

Judith Rautenberg erforscht die Beziehung von Licht, Bühnenraum und Mensch.
Licht- und Videoinstallationen aus dem öffentlichen Raum werden auf die Bühne übertragen, werden zum Hauptakteur, verändern sich durch den Bezug zum, erst mal leeren, Bühnenraum und werden durch den menschlichen Körper des Performers erweitert. Wie verändert sich die Bühne, die Installation und die Handlung des Akteurs?

Erarbeitung einer Stückfassung zu einem düsteren Puppenspiel von Ladislav Klimas psychopathologischen Labyrinth „Die Leiden des Fürsten Sternenhoch“ von 1928. Zwei Schwerpunkte spielen eine zentrale Rolle: 1. der feministische Ansatz in der ungleichen abgründigen Beziehung und der Persönlichkeitsentwicklung der Figur Helga und 2. die Austauschbarkeit von Normalität und Wahnsinn, Leben und Tod.

Künstlerische Recherche über die gewaltvollen Jahre, die der Wiedervereinigung in Ostdeutschland folgten – eine Zeit, die aktuell unter dem Hashtag #baseballschlägerjahre in Erinnerung gerufen wird. Über das Biografische soll die Relevanz dieser Erfahrungen heraus gearbeitet und untersucht werden, welche künstlerische Umsetzung dieses Thema für einen Gesamtdeutschen Kontext relevant machen kann.

Gehört die nackte weibliche Brust auf die Bühne? Und wenn ja, was hat sie uns zu sagen?
In der Öffentlichkeit zu stillen ist immer noch ein Tabu, nackte Brüste eine Provokation, die auch als politische Waffe eingesetzt werden kann. Was ist das eigentlich, was frau da verstecken soll? Von A wie Anatomie über F wie Femen bis Z wie Zytostatika wird die Brust einer kreativen Analyse unterzogen.

Ole Wulfers Forschung „The story of the Vivian girls“ versucht die Rache- und Gewaltfantasien unterdrückter Kinder aus den Zeichnungen und Geschichten des Outsiderartists Henry Darger in eine Klangwelt und Kompositionen für Erwachsene und Kinder zu übersetzen.

In dieser Textentwicklung bilden Dokumente aus Medizingeschichte und Gerichtsprozessen, aus theologischen Pamphleten, Mediävistik und aktueller medialer Diskussionen ein Mosaik, ein vielschichtiges Bild vom Politikum Mutterbauch, eine traurig-absurde Erzählung und Grundlage für eine Inszenierung in drei Teilen.

Ausgangspunkt der Recherche ist ein ausgetrockneter See nahe dem Schloss Bröllin. Dieser soll medienwirksam zu einem Badeort erklärt werden, jedoch ohne ihn wieder in Betrieb zu nehmen. Er bleibt vertrocknet. Dabei steht im Focus wie die Wirksamkeit von Rezessionen generell ins Zentrum rückt. Wer sind die Menschen, die Rezessionen schreiben, und wer liest diese, reagiert darauf und in welcher Form?

A. Trieu wird im Rahmen der Residenz sich mit in Deutschland lebenden biracial families beschäftigen. Auf Tageswanderungen im Berliner Umland werden mit Familienmitgliedern Stegreifinterviews geführt. Diese experimentelle Interviewführung erlaubt eine Bewegungsstudie, die Grundlage für eine Long-Durational-Performance ist, in der ein Publikum mit einer fiktiven Familie eine Wanderung unternimmt.

Das Projekt entwickelt eine theatrale Form des Reisevortrags. Das Taj Mahal steht im Mittelpunkt einer dramaturgischen Bearbeitung von Videos, die mit einem kommentierenden „Reiseführer“ den:der Zuschauern:innen nahegebracht werden. Dafür werden die verschiedenen dramaturgischen und theatralen Möglichkeiten für diese neue Form des Dokumentations-Theaters ausgelotet.

„Denn ich habe Hunger wie ein Mann“ – Das Projekt fragt mit künstlerischen Strategien des Objekttheaters, wie ein bestimmter Umgang oder zumindest die Behauptung eines bestimmten Umgangs mit Lebensmitteln, Körper als weiblich* und/oder als feministisch inszeniert. Wie wird eine aus feministischer Perspektive angestrebte Weiblichkeit demonstriert, weiblicher Hunger und Sättigung abgebildet?

„Puppenwelten“ ist ein Projekt, das sich mit dem Objekt Spielzeugpuppe befasst. Es untersucht die unterschiedlichen Animierungsmöglichkeiten des Gegenstandes sowie die Assoziationen und Gefühle, die dieses emotionale Objekt hervorrufen kann und die Welten, die es entfalten mag.

Mit dem Projekt „Loop als Korpererlebnis“ möchte Irina Runge sich dem künstlerischen Ausdrucks- und Erfahrungsraum der Wiederholung nähern und den Vergleich suchen, wo und wie sich der Loop alltäglich zeigt. Der:die Zuschauer:in wird aus dem Gefühl für Gewohnheit von Ablaufen herausgelenkt. Der Loop und die Begegnung mit dem Loop endet immer wieder im Körper des:der Rezipienten:in.

„Flexing Dreampath“ ist eine feministische Aneignung der Stadt mit den Mitteln des Flanierens und der Fantasie. Im Lockdown haben die meisten von uns ihre Nachbarschaft in einer neuen Intensität wahrgenommen, durch künstlerische Intervention will „Flexing Dreampath“ diese Wahrnehmung verstärken, den Fokus auf Gender und Stadtplanung legen und neue Möglichkeitsräume in der gewohnten Umgebung eröffnen.

Recherche zu deutschen kolonialen Spuren in Mittelamerika in Kooperation mit der Schaubude Berlin. In dieser Recherche werden historische Quellen untersucht und verglichen. Dazu wird szenisch mit Video geforscht, wie diese historische Quellen – in Form von schriftlichen Dokumenten und Dokumentarfilme – mit Live-Kamera-Aufnahmen interagieren können.

Lotta Bohde beschäftigt sich in ihrem #TakeCare-Stipendium mit der Stigmatisierung dicker Frauen. Sie möchte ein Konzept entwickeln für ein Theaterprojekt mit Dicken Frauen (Expertinnen des Alltags). Hierfür wird sie sich einerseits theoretisch als auch künstlerisch praktisch mit dem Thema auseinandersetzen.

Im Rahmen des Vorhabens wird erforscht, wie die Rituale des Theaters genutzt werden können, um die Ritualhaftigkeit spiritueller Maschinen darzustellen und Vorhersagen über eine ungewisse Zukunft zu treffen. Für eine Umsetzung an der Schnittstelle von Digitalität und Theater wird hierbei ein Format entwickelt, welches das Publikum einlädt aktiv teilzunehmen, ohne die eigenen vier Wände zu verlassen.

„Oktoberkind“ (AT) versammelt die Lebenserfahrungen von Strobo Feuchtwangen, seiner Familie und Freund:innen durch die 80er und 90er Jahre bis zur Jahrtausendwende in einer sachsen-anhaltinischen Kleinstadt namens Sorge: Perestroika und Glasnost, Tschernobyl, Treuhand und Währungsunion, ABM-Maßnahmen, Pogrome auf Asylbewerber:innenheime und (post-) migrantische Selbstverteidigung, Begehren und Resilienz.

„ZIELSCHEIBE“ ist eine inhaltlich-explorative Recherche der freien Kölner Choreografin Bibiana Jimenez. Sie produziert Tanztheater und site-specific Performances zum Thema „Frau“ im Hinblick auf soziale Gleichheit und Geschlechtergerechtigkeit. „ZIELSCHEIBE“ ist eine Recherche über Frauenhass und Sexismus im Netz, die die Weiterführung der künstlerischen Arbeit ermöglicht.

Der Zirkusartist Nils Wollschläger tourt mit außergewöhnlichen artistischen Produktionen durch Europa. Für zukünftige Ensemble-Produktionen werden neue Großrequisiten entwickelt, erforscht und in räumliche Korrelation gebracht. Das Requisit als Partner der Artist:innen ist fundamentaler Bestandteil der Bewegung, Choreorafie und Dramaturgie jeder Zirkusaufführung.

In „DER MANIPULIERTE SEX“ widmet sich die Hamburger Theatermacherin der Erforschung des literarischen Erbes ihres Vaters J. W. Reifenrath – Jahrgang 1917, Obergefreiter der Wehrmacht, nach dem Krieg Journalist und Autor diverser Bücher, zweimal verheiratet, Vater von (mindestens) 14 Kindern und äußert promiskuitiv veranlagt, der im Jahr 1968 ein gleichnamiges Buch veröffentlichte.

Teresa Grebchenko forscht an der Schnittstelle zwischen Künstlicher Intelligenz, Schauspiel, Figurentheater und Musik. Was ist das für ein Spannungsfeld? Wie funktioniert die Übertragung der inneren Zustände technisch? Wird Sprache, die man nicht versteht, zur Musik? Was passiert, wenn man Instrumente wie Puppen animiert, also an der Grenze von KI und analoger Wirkung experimentiert?

Im Rechercheprojekt „FüsseFassen“ sucht Sabine Maier buchstäblich den Boden unter ihren Füßen. Seit über 30 Jahren ist sie als Luftakrobatin, Performerin und Komikerin international unterwegs. Sie hat intensiv die Welt kopfüber in luftiger Höhe betrachtet. Jetzt will sie in „der umgekehrten Welt der Schwerkraft“ mit Humor tänzerisch und akrobatisch den Boden erforschen.

Die veränderten Bedingungen durch die SARS-CoV-2-Pandemie regen zu einem Überdenken der momentanen Situation an. Die Notwendigkeit eines physischen Ortes des Austauschs wird offensichtlich, doch wie können solche Räume aussehen? Surja Ahmed untersucht, welche Rollen Theater und Kunstvereine hier spielen. Wie funktioniert in diesen
Räumen Begegnung und welche Themen wollen wir verhandeln?

Seit 2015 entwickelt der israelische Choreograf Edan Gorlicki Stücke in Baden-Württemberg. In Arbeiten wie „Lucky Bastards“ und „Impact“ untersucht er gesellschaftliche Themen und die Verantwortung von Künstler:innen und Publikum. Sein Recherche-Projekt „Ghost Gestures“ stellt die Frage, wie das Prinzip von sedimentierten, nicht-inszenierten Bewegungen in der Stückentwicklung eingesetzt werden kann.

Die Multimedia Künstlerin Sara Trawöger beschäftigt sich beim Projekt „VERDACHTSFLÄCHE ALTLAST“ mit dem akustischen und musikalischen Potential des Klangs der aufheulenden Sirene. Im Rahmen einer elektronischen Musikperformance möchte sie das Verhältnis der Begriffe von „Technik“ und „Sensibilisierung“ untersuchen und das akustische Material der Sirene auf aktuelle und historische Momente überprüfen.

„Die Maschine“ ist ein Audiowalk, der in einer deutschen Großstadtbrache stattfindet. Ein Science-Fiction-Setting, das geprägt ist von den Ängsten einer Gesellschaft, die dabei ist, sich nach dem Untergang einer Kultur neu zu erfinden. Die Angst entsteht durch die artifiziellen Geräusche der Maschine, die die Hörer:innen wahrnehmen, wenn sie sich einem unzugänglichen Bereich der Brache nähern.

Ülkü Süngün möchte Stuttgarter Kulturinstitutionen kritisch unter die Lupe nehmen: Wird überall, wo Diversität draufsteht, auch Diversität gelebt? Eine umfassende Recherche und die Gründung einer KulturKanakisierungsKommission sollen helfen, Strukturen zu hinterfragen, Räume zu öffnen und rassismuskritische und dekolonisierende Praktiken zu stärken sowie ein erweitertes WIR zu konstituieren.

Welches Lied wohnt in deinem Herz? Welcher Deiner Träume will geboren sein? Darf ich etwas nicht können und es trotzdem tun? Jacqueline D’Arc macht sich auf die Reise zu ihrem Traum. Trifft sich mit Expert:innen rund ums Showbusiness, rund ums Träumen, rund ums Verwirklichen – und teilt die Erfahrungen ihrer Recherche im Netz.

In dieser Recherche werden Barrieren, ihr einhergehender Einfluss auf Körperlichkeiten und auf die zwischenmenschliche Kommunikation, zirzensisch-tänzerisch ergründet.

Im Zuge des #TakeCare-Stipendiums widmet sich Regisseurin und Performerin Silvana Mammone dem Forschungsprojekt „Controlled Hallucination:Patterns of [sub]consciousness“. Aufbauend auf neurowissenschaftlichen Erkenntnissen über unser Bewusstsein unternimmt sie darin künstlerisch-spielerisch den Versuch, unseren Bewusstseinsstrom klanglich einzufangen, anzuordnen und darzustellen.

Eine Erforschung der poetisch-performativen Kunstaktionen (1960 – 1990) in den ehemaligen Ostblockstaaten und deren Relevanz für zeitgenössische performative Praktiken führt zur Auseinandersetzung mit dem Kontext der Geopoetik, mit politisch-ideologischen Dimensionen des Sprachgebrauchs und seiner Instrumentalisierung, sowie zu künstlerischen Reaktionen auf zeitgenössische politische Zusammenhänge.

Für die Videoarbeit „105“ untersucht der Choreograf Maik Riebort konkret den Weg von seinem Heimatdorf Gristow in die Stadt Greifswald im Landkreis Ostvorp aus dem Blickwinkel eines Tänzers. Dabei konzentriert er sich auf die kleinen Momente alltäglicher Magie, die in den Räumen verflochten sind und die erst sichtbar werden, indem man in der Gegenwart am Ort ist und sich Zeit nimmt.

Momo Ekissi wird sich mit der Friedenstiftenden Kraft der Liebe beschäftigen. Seine Recherchen sollen einen Wissens- und Fähigkeitsgewinn in den Bereichen der geschriebenen, gezeichneten, gesungenden und gesprochenen Literatur- bzw. Kunstgeschichte zu diesem Thema schaffen.

„subtle things“ widmet sich den kleinen Details im öffentlichen Raum, Mimik, Gestik etc., und deren Wahrnehmung durch das Umfeld. Dabei werden die besonderen Wirkungsweisen medialer und Live-Performance untersucht und einander gegenübergestellt. Wie kann Film eingesetzt werden, um Bewegung nicht einfach nur wiederzugegeben, sondern vielmehr, um deren subtile Aspekte deutlicher wahrnehmbar zu machen?

Ariel Doron wird an der Betrachtung des Essens mit neuen Augen forschen und dabei seine Selbstverständlichkeit, Verfügbarkeit und hedonistischen Charaktereigenschaften hinterfragen. Er wird überprüfen, was für uns Essen ist, wie wir es wahrnehmen und begreifen, was wir aus dieser Wahrnehmung lernen können und wie wir Essen als Aktion neu denken können.

Manuel Kisters recherchiert das menschliche Verlangen und die Sehnsucht, indem er die portugiesisch sprechende Kultur des Saudade und dessen Musik, das Fado, erforscht. Er hinterfragt damit, was diese Gefühlswelt sein kann und was es für uns in unserer heutigen Zeit bedeutet.

Die Recherche befasst sich mit kinästhetischer Empathie und dem darin inhärenten Aufnehmen und Verarbeiten von sensorisch-sinnlichen Informationen aus der Umwelt sowie dem eigenen Körper – vor allem im Hinblick auf Berührung und dem Berührt-Sein. Ziel ist die künstlerische und vermittelnde Recherche zu verzahnen und dadurch das Format „Physical Traces“ für Tanzvorstellungen (weiter) zu entwickeln.

Annemarie Twardawa stellt Experimente und Recherchen zu einem Puppenfilm an: Wie lassen sich Puppen, Schauspiel und Spezialeffekte kombinieren? Ist ein Langfilm sinnvoll oder ein Serienformat passender? Dabei beschäftigt sie sich mit Geschichten aus einem jenseitigen Amt: eine Mischung aus Soap, Actionblockbuster, Kunstfilm und gesellschaftskritischer schwarzer Komödie.

Die Recherche beschäftigt sich mit den Möglichkeiten eines Wissens-Austausches zwischen dem tanzenden Mensch und der Maschine.
Wie kann die Interaktion zwischen Mensch und Maschine für den zeitgenössischen Tanz produktiv gemacht werden?
In Versuchsanordnungen wird der Datenaustausch erprobt, unter anderem über Videoeinspielung, Textanweisung, codierte Rhythmen. Wie wird Information verarbeitet?

Anneli Ketterer recherchiert, wie eine Immobilienauktion in eine interdisziplinäre Performance und Intervention im öffentlichen Raum transformiert werden kann. Sie untersucht, wie in der Kombination einer realen Auktion von künstlerischen Erdobjekten (Decrustate) und einer inszenierten Versteigerung Bildende und Darstellende Kunst in interdisziplinärer Arbeit zusammenkommen können.

Es handelt sich um eine Recherche zu den Verbindungen zwischen Video, Tanz und Performance, und zu Performance-Formaten, in welchen Performer:innen durch Videokonferenz interagieren. Teile des Recherchevorhabens werden in Zusammenarbeit mit anderen Künstler:innen (Performer:innen, Videokünstler:innen…) ausprobiert und erforscht.

Mithilfe eines Programms zur Entwicklung von Computerspielen werden ausgewählte reale Orte im Umfeld des Theaterdiscounters digital simuliert. Projektionen auf diese Fassaden, Gebäude und Gegenstände sollen dann einen erweiterten interaktiven Bühnenraum schaffen und so ein Ineinandergleiten und Unschärfe zwischen realem und hyperrealem Raum verdeutlichen.

Das Projekt „Feldmessung“ (AT) beleuchtet Messvorgänge, ihre Ungenauigkeiten und deren mögliches Scheitern. Physische Gesetze und räumliche Grenzen werden durch akrobatische Bewegungen, Lichtexperimente und die poetische Umnutzung von Werkzeugen untersucht. Eine eigene Methodik der Bodenmessung bringt performative Handlungen hervor, in denen Erdschichten, Landschaft oder Staub zu Akteur:innen werden.

Trotz der Jahrhunderte der Austreibungen und Säkularisierungen behalten wir die Erinnerung an den Teufel, die in unserer Sprache fest verankert ist. Anhand der Bilder, Kostüme und literarischen Überlieferungen werden verschiedene Dämonentypen im interkulturellen Kontext spielerisch untersucht, insbesondere was ihre Anatomie, ihren Habitus und ihre Beziehung zueinander und zum Mensch betrifft.

Die Mutter wird weiterhin als Inbegriff der Carearbeit gesehen. Das hat die Pandemie deutlich gemacht. In Olivia Hyunsin Kims Recherche soll ein fluides Bild der Mutter außerhalb von biologisch/sozial geprägten Mustern entstehen. Butlers Konzept der Performativität von Geschlecht soll zu performativen Mutterschaften erweitert werden, die weder als Opfer noch als perfekte Menschen gelesen werden.

Veronikas „Experimentalsystem“ zur Erforschung von Experimentalität entfaltet sich in der choreografischen Kartografierung der Objekte auf ihrem 66,5cm x 109cm großen Schreibtisch. Sie gestaltet räumliche, zeitliche, mediale Laborbedingungen, unter denen sie Material und Erfahrungen provoziert, beobachtet und dokumentiert. In einer ständigen Rückkopplung wird generiertes Wissen im System verarbeitet.

Seit einigen Jahren sehen wir uns mit klimatischen Veränderungen konfrontiert, die das gesamte System Erde betreffen. Im Rahmen der Residenz am Pathos Theater sollen Möglichkeiten erforscht werden, das Zusammenspiel zwischen dem Handeln der Menschen und den Aktivitäten der Erde im Theater darzustellen. Können wir mithilfe von Sensoren auch nicht-menschliche Akteure auf die Theaterbühne einladen?

Philine Pastenaci führt Interviews mit Menschen am unteren Rand der Gesellschaft: mit Obdach-, Wohnungs- und Langzeitarbeitslosen über ihre Lebensrealität, die sich seit der Coronakrise stark verändert hat. Die Recherche soll in eine Audio-Arbeit fließen und ggf. in ein Skript, als Grundlage für eine Neue Musik Komposition. Sie möchte damit die oft nicht sichtbaren Geschichten hörbar machen.

Das Stipendium soll die Recherche zum Thema Sexarbeit in Leipzig ermöglichen. Die freie Theatermacherin Clara Minckwitz möchte dabei mit Sexarbeiter:innen sowie Verbänden und Initiativen in Kontakt treten, Interviews und Gespräche mit Sexarbeiter:innen in deren Wohnungen führen und die aktuelle Debatte zum Thema auf politischer und gesellschaftlicher Ebene analysieren.

Johanna Pätzold experimentiert mit Materialien, Licht und Projektionen, um unsichtbare Figuren auf der Bühne lebendig werden zu lassen. Diese werden Protagonisten eines Kindertheaterstücks. Ziel ist es, mit verschiedenen optischen Effekten Zwischenwelten zu entdecken und darzustellen.

Justyna Koeke recherchiert zu älteren Frauen im Öffentlichen Raum. Besonders nachts zeigt sich die Abwesenheit und Ängstlichkeit der älteren Generation deutlich. Sie sucht nach Formaten, die dagegen wirken können. Geplant sind neben Interviews auch Interventionen im nächtlichen Stadtraum: Abendspaziergänge, Fotografieren, und Kostümentwicklungen, die Frauen ermutigen.

In seinem Rechercheprojekt „TAP FLOW“ arbeitet der Leipziger Choreograf Sebastian Weber an einer Weiterentwicklung seiner tänzerisch-choreografischen Methodik. Indem Bewegungskonzepte aus dem Zeitgenössischen Tanz auf die Techniken des Stepptanzes übertragen werden, entstehen neue Perspektiven und Möglichkeiten innerhalb des klingenden Tanzes.

Im Rahmen der #TakeCare-Residenz am THEATERDISCOUNTER untersucht Federico Schwindt performative Aspekte der Mehrsprachigkeit im Theater, um sie in seine zukünftige künstlerische Praxis zu integrieren. Dafür betrachtet und analysiert er zunächst Beispiele anderer Künstler:innen, um anschließend in einer szenisch-performativen Recherche Schlussfolgerungen für seine eigene Arbeit zu entwickeln.

Gesucht wird nach einem erweiterten Bild von Heldinnentum. Vielleicht schräg und unsicher, und stark und inspirierend zugleich. Unperfekt.
Genug vom Vorgarten-Vergleich, hinein in die verschlossenen Kammern.
Ein lustvolles erforschen von Disfunktionalitäten, Ängsten, fehlender Impulskontrolle, Faulheit, Beschränktheit, Böswilligkeit, Schrägheiten, Körpern in Spannungen, Stimmen im Ausbruch.

Eine Forschungsreise in die Welt der Prepper:innen. Oder wie findet man einen passenden Ausdruck auf der Bühne, wenn man das Anmachen eines Feuers in der Wildnis darstellen möchte?

Für Fa-Hsuan Chen basieren diese beiden Topics auf dem Kapitalismus und sie möchte die Ähnlichkeiten und Zusammenhänge zwischen beiden untersuchen.
Exzess: uneingeschränktes Wachstum.
Wiederholbarkeit: Krisen der Kreativität.
Wir verlieren jeden Tag nach und nach unser Wesen, wenn wir täglich zu viel essen und unser Essen monotonisieren. Nach und nach verlieren wir unser Wesentliches.

„Schwaches Herz/Starkes Herz“: Recherche zur Umsetzung einer Cyberformance zu dem binären Konstrukt von Krankheit bzw. Gesundheit in unserer Gesellschaft, der Maginalisierung derjenigen, die mit einer Diagnose an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. Die Erforschung der digitalen Bühne UpStage wird es ermöglichen, andere als die Prototypen eines gesunden und gelingenden Lebens zu erreichen.

„Im Blick der Öffentlichkeit“ (AT) ist die szenische Recherche mit dem von Laura Schilling beobachteten „Lübcke-Prozess“ am OLG Frankfurt. Wie übersetzt sich das rechtliche Geschehen in künstlerische und gesellschaftliche Resonanzräume? Das Theater als „andere“ Öffentlichkeit dient dafür als Raum der Orientierung für die Frage: Wie kann man der Normalisierung rechter Diskurse entgegentreten?

Recherche zur Pandemie-Faktenlage und Forschung zur Unerträglichkeit von Ambivalenz.
Die Pandemie eint und spaltet die Gesellschaft – bis in ihre Familie hinein. Er sagt: alles Lüge. Sie sagt: alles wahr. Besorgt um Zusammenhalt hielten sie Abstand voneinander. Jetzt streiten sie.
Kann eine exemplarische, dramatische Auseinandersetzung die Konfliktparteien zum kommunikativen Ausweg führen?

„Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“ (Art. 14, Abs. 2 Grundgesetz)
Ist es möglich, materiellen Wohlstand mit Mitteln der Kunst umzuverteilen, konkrete Abgaben mit Reichen zu verhandeln? Welche Mischung aus Forderung, Schmeicheln, Verbrüderung, Mitleid, Verständnis (…) ist dabei zielführend? Wie ist das übersetzbar in Maskierung?

Brit Bartuschka ist freischaffende Schauspielerin und Performerin. Von 1995 – 1999 hat sie an der Folkwang Hochschule/Essen studiert. Seit 2006 lebt und arbeitet Brit Bartuschka in Oldenburg. Sie möchte sich mit dem Thema Wasserknappheit und Ressourcenverwertung beschäftigen und zusätzlich recherchieren, wie man für Kinder ab 3 Jahren das Thema mit Theatermitteln verständlich machen kann.

In uns grrrrlt es!
– Grrrrl kann man ja noch nicht mal richtig aussprechen! –
„Dann schreiben wir’s halt auf: „Grrrrl“ ist ein Text über Sprache, Gewalt und Sexualität. Diesmal „sprechen“ wir: Frauen*.
In partizipativer Arbeitsweise entsteht ein wildes, unangepasstes Bild vom Frau*-Sein in den 20ern dieses Jahrhunderts in einer mitteldeutschen Großstadt.“

In Puta Alatrashs Arbeit geht es um die Erforschung der „Performatisierung der Poesie“, einem Begriff, den Puta geschaffen hat, um eine eigene Methode der Aufführung von Poesie zu beschreiben, in der Körpersprache mit starkem Gesang kombiniert wird. „Performatisierung der Poesie“ wir din Kooperation mit Libken e.V. entwickelt.

Kristina Feix will sich mit ihrem Recherchevorhaben dem Phänomem des durch Corona ausgehebelten Zeitbegriffs widmen.
Rasender Stillstand und neue Aufgabenfelder, die wie Parallelwelten im eigenen Alltag eingezogen sind. Wie verändern sie die Wahrnehmung, gerade im Bereich der eigenen Kunst?
Wo ist die Tür nach draußen, die Dialog auf Abstand und Nähe schafft?

Auf einem halb verwaisten Friedhof wuchern die Immergrünen und entwickeln sich zu prächtigen Großgewächsen. Opulenter Grabschmuck aus Blumen wird arrangiert, getragen, abgelegt und gepflegt. Welche Beziehung entstehen zwischen Menschen und Pflanzen auf Friedhöfen? Eine Recherche, die mit einem langen Aufenthalt vor Ort beginnt.

In ihrer Arbeit lässt sich Marwa Y. Almokbel als Performerin und visuelle Künstlerin von der Umgebung beeinflussen und andersherum. Im Rechercheprojekt „Angst als Mitbewohner: Angst ist nie ein guter Ratgeber“ geht es darum, Angst und ihre Ursachen in unserem Verhalten zu erforschen und performativ zu thematisieren. Das Vorhaben entsteht in Kooperation mit Libken e.V.

Die Zielsetzung ist eine inhaltlich-konzeptionelle Vorarbeit einer Inszenierung: Welche gesellschaftlichen und zwischenmenschlichen Veränderungen bringt der zunehmende Einsatz von KIs mit sich und wie wird eine KI szenisch erzählbar? Wem glauben wir – der Technik oder den Menschen? Kann eine KI eine bessere Storytellerin sein? Können meine Daten lügen, kann Technik die Wahrheit sagen?

„Seit Corona: körperliche Nähe ist gefährlich! Keine Umarmung, keine Küsse. Abstand! Alle menschlichen Körper sind potentiell gefährlich. Eine Lösung muss her: Also was ist mit Puppen?“
Eine Recherche zur Fragestellung „Wie unterscheiden sich eine männliche und eine weibliche Perspektive auf das Objekt/Puppe und den Umgang mit Intimität?“ anhand von E. T. A. Hoffmanns „Der Sandmann“.

Im Rahmen einer zweimonatigen künstlerischen Recherche sollen ausgehend von Hauptmanns Webern verschiedene Formen des Verschwindens untersucht und dokumentiert werden – das Verschwinden aus dem öffentlichen Raum in das Homeoffice, das Verschwinden von Interessen, von Berufen, von Sprachen und Soziolekten.

Im Rahmen des Vorhabens „of bodies and grounds“ möchte Annelie Andre Böden und Gestein als Material erforschen – eine interdisziplinäre Recherche, die der Verbindung von Boden/Landschaft und Körper/Bewegung auf den Grund geht. Wie kann zum Beispiel ein grafischer Score, basierend auf der Untersuchung von Gesteinsschichten, in Tanz, Text und Klang übersetzt werden?

Während der #TakeVare-Residenz forscht Ramin Parvin zu den Fragen: Wie werden Menschen emotional eng und intim miteinander? Wann fühlen wir uns jemandem tatsächlich nahe? Können wir nahe sein, ohne uns nahe zu fühlen? Wie vererbt sich Nähe in Familien über Generationen? Das Vorhaben wird in Kooperation mit Libken e.V. realisiert.

Eine Recherche und Auseinandersetzung über die zweifelhafte Einflussnahme von rechts auf Kulturbetriebe. Es geht um die wechselseitige Beziehung und Abhängigkeit voneinander und den Effekt auf die Kulturstätte samt der Mitarbeiter:innen und Zuschauer:innen.
Ein provokativer Versuch, eine Diskussion über Anpassung und Widerstand, Karrieredenken und künstlerische Moral zu entfachen.

Körper und mediengeschichtliche Live-Momente in Radio, Internet und jetzt?
War das Fehlen der körperlichen Anwesenheit in der digitalen Kommunikation vor dem Lockdown eine positiv bewertete Erweiterung, wird jetzt der fehlende Moment der Interaktionen zwischen anwesenden Körper in einem netzbasierten Raum als eine Verlusterfahrung wahrgenommen.

„Die Wiedervereinigung fand auf dem Dancefloor statt.“ – Dimitri Hegemann
Kein gesellschaftlicher Ort ist von Corona so betroffen wie die Clubs. Und Berlin ist die Welthauptstadt der Clubszene.
Fabian Gerhardt möchte untersuchen, wie der gesellschaftliche Umbruch seit dem Mauerfall die Clubszene geformt und die Clubszene die Gesellschaft verändert hat.

„Third Skin“ ist künstlerische Recherche zu haptischen Technologien für Performance und Mixed Reality. Marina Dessau (internil) baut vibrotaktile Maschinen, kombiniert Ton-Bild-Tast-Sequenzen und untersucht die Wahrnehmung anderer Intelligenzen. Wie setzen Cephalopoden, wie KI’s ihre Welt zusammen? Können wir uns der nicht zu beantwortenden Frage nähern, indem wir unsere Sicht um einen Sinn erweitern?

In der Residenz geht es um das Spannungsverhältnis zwischen Kultur und Herrschaft. Gab es Selbstzensur der Kunstschaffenden in der DDR? Haben sie Codes herausgebildet, mit denen Situationen indirekt benannt wurden? Welche Wege hat das politische Theater genommen und welche Lösungen wurden gefunden? Gab es Projekte, die sich mit der Situation der „Vertragsarbeitenden“ auseinandergesetzt haben?

„Prinzip Sequencer“ ist ein exploratives solitisches Vorhaben. Ziel ist die Erschaffung eines geschlossenen Kompositions-Systems aus Musik, Sprache, Text, Bewegung, Vortrag und „Hilfsmitteln“. Das Prinzip ist der elektronischen Musik entnommen. Konnen komplette Theater- oder Tanz-Stücke nach ihm aufgebaut werden? Kann es zur Grundlage zukünftiger Kollaborationen werden?

Walentina W. Tereschkowa startete 1963 als erste Frau ihre Reise in den Weltraum. Allein in einer Raumkapsel die Erde umrundend, soll Walentina als Mensch zur Sprache kommen. Die Residenz soll dazu dienen, über ihre Person zu recherchieren sowie die Struktur für einen Theatermonolg zu erarbeiten.

Wie lassen sich sicher, geschmeidig und selbstständig Ebenen wechseln? Körperlich im Bühnenraum. Und welche inhaltlichen Ebenen eröffnen sich dadurch? Mit Blick auf ihren Körper geht Teresa Stelzer, freischaffend im Bereich des nonverbalen Körpertheaters, in Zusammenarbeit mit dem Chemnitzer Off-Theater „Komplex“ diesen Fragen nach.

Die angestrebte Recherche ist ein Horchen nach einem Gefühl des Taumelns, das die Welt immer mehr ergreift. Dieses Gefühl soll das Thema des formal noch völlig offenen dritten Teils einer Performance-Trilogie werden, deren ersten Teile 2019 aufgeführt wurden. Ausgangspunkt der Recherche ist der Chor der kommentierenden Stimmen überall im Internet, der wie eine Art antiker Chor betrachtet wird.

Unbeachtet von der Öffentlichkeit sind in der Fleischindustrie Menschen angestellt, die aufschlussreiche Lebenswege haben. Sie alle vereint eine Arbeit fern der Heimat. Doch wie kommt ein rumänischer Familienvater in ein niedersächsisches Dorf? Welche Wünsche sind damit verbunden? Was prägt das Familienleben?
Die freie Theatermacherin Aishe Spalthoff erforscht die ganz privaten Lebensumstände.

Wie NICHT weiter? Das künstlerische Forschungsprojekt „UN-LEARNING“ von der in Berlin lebenden Taiwanischen Regisseurin Chang Nai Wen reflektiert das eigene künstlerische Schaffen im Kontext einer selbstschädigenden und leistungsorientierten Produktionskultur, um neue Wege zur Fortführung weiterer künstlerischer Arbeit nach dem Abschaffen eines konditionierten Selbst aufzuzeigen.

Die Residenz soll einen tieferen Einblick in den Prozess der Erschaffung von Bewegung schaffen, basierend auf der Achtsamkeit der Emotionen und deren Reaktionen.
Ziel ist es, verschiedene Quellen als Stimuli zu benutzen, um herauszufinden, wie die Emotionen die tänzerischen Bewegungsabläufe in Bezug auf Dynamik, Muskelspannung und Geschwindigkeit beeinflussen und so neue Formen entstehen lassen.

Eine persönliche Recherche über einen Großvater, der als Kolonialherr in Mikronesien war.
Opa hieß Paul. Seine Enkelin mochte ihn sehr und hat als Kind viel Zeit mit ihm verbracht. Seine Geschichten über die Südsee haben sich in ihr Gedächtnis eingegraben.
Heute als Erwachsene beschäftigt sie die Frage: War mein Opa Rassist? Oder war er „ein Kind seiner Zeit“?

„Go climb up on the Mountain of Truth!“ ist ein organisiertes aber chaotisches Spiel, in dem Fragen nach Freiheit und Einschränkungen mit den Tänzer:innen und das Publikum erforscht werden. Das Spiel ist sowohl raffiniert als auch naiv, sorgfältig geplant und random, altmodisch und zeitgenössisch, wo ein durch äußere Strukturen gelebtes Leben offengelegt wird.

Zum einen geht es in der Recherche um die Weiterentwicklung und Adaption des multimedialen Tanzstücks „GRENZ.LAND“. Dafür sollen bisher unbespielte Räume in Mecklenburg-Vorpommern gefunden und erschlossen werden. Zum anderen soll „GRENZ.LAND“ für ein anderes Land, dass eine andere Grenz-Geschichte hat, bearbeitet und angepasst werden. Dabei liegt der Fokus auf Moonsuk Chois Heimatland Südkorea.

Wir leben in einer Welt, in der es einfach ist, sich digital neue Verbindungen aufzubauen. Was macht diese Digitalisierung mit der menschlichen Verbindung? Verbinden wir uns in der heutigen Gesellschaft tatsächlich miteinander oder sind wir Disconnect? Nathan Cornwell wird in der Recherche Bewegungsmaterial erforschen und entwickeln, das er für sein neues Tanzstück „Dis[Connect]“ nutzt.

Fokus der Recherche sind Aspekte des Ortes „Zuhause“, insbesondere des Zuhauses als täglich betretene „Bühne“. Seit der Pandemie ist das Zuhause besonders präsent, als Ort der digitalen Begegnung und Arbeit, auch im tiefgreifenden Verlust, den Geflüchtete erfahren. Die Recherche sowie Experimente mit szenischem Material sind Vorbereitung für ein geplantes Online-Theater, das zu Hause stattfindet.

In der Recherche widmet Malcharzik sich ausgehend von der eigenen Familiengeschichte Narrativen und Zwischentönen polnisch-deutscher Migrationsgeschichte(n). In Interviews und sonischen Experimenten werden die sog. „Erfolgsstories“ der Spätaussiedlung kritisch befragt, solidarische Formen des Fragens wie Hörens erprobt und Momente gesucht, in denen Scheitern, Zweifel und Nicht-Verstehen hörbar werden.

Coronabedingt fielen einige der Regiearbeiten von Gudrun H. E. Lelek aus. Die Förderung würde ihr die Gelegenheit geben, sich intensiver mit der Materie des Märchens und der Fabel zu beschäftigen. In Bühnenstoffen tauchen sie immer wieder auf. Dabei wäre ihr die Darstellung des Frauenbildes besonders wichtig. Ziel dieser Recherche – eine coronataugliche Produktion.

Nein zu sagen ist historisch den Männern überlassen. Nein zu sagen, zieht nicht nur symbolische, sondern auch körperliche Grenzen. Frauen, erschrecken sich meistens nicht nur vor ihrem eigenen Nein, sondern vor ihrer eigenen Stimme (symbolisch und körperlich). In ihrer Recherche möchte sich Jaunsubrena dem Sprechakt „NEIN“ aus theoretischer und praktischer Sicht annähern.

Eine Recherche zum Thema Außenseitertum mit etwas abseitigen alten Menschen für junge Menschen. Basierend auf szenischen Skizzen zu Erfahrungen alter Menschen mit teilweise alternativen Wahrnehmungsmustern sollen formale Strategien entwickelt werden, die es auch unter Pandemiebedingungen erlauben, einen gemeinsamen theatralen Erfahrungsraum für Jung und Alt zu schaffen.

Das künstlerische Forschungsprojekt „KLOF“ verbindet die Volksgruppentänze und Digitaltechnologien von Maschine Learning miteinander, um eine neue hybride Gemeinschaftstanzform oder eine neue Praxis des „Zusammenseins“ zu entwickeln.

In der Residenz werden Inszenierungen gesellschaftlicher Macht in Kleinstädten untersucht und zugleich feministische Widerstandsstrategien vor Ort erkundet, um von diesen zu lernen. Die damit verbundene Auseinandersetzung mit Genderperformances in ländlichen Versammlungen (zwischen Grillfest und Kommunalpolitik) bildet eine Grundlage für zukünftige Arbeiten.

Im Rahmen von #TakeCare fragt der Performance- und Videokünstler Jascha Sommer nach der Möglichkeit gegenwartsbezogener, gemeinschaftlicher Praktiken after our capitalist future. Fern des Phantasmas einer prognostizier- und gestaltbaren Zukunft und jenseits des individualistischen Präsenzfetischs unserer Tage interessiert sich Sommer für die künstlerische Erforschung von „Demokratien im Präsenz“.

„QUEERLAND?“
Tomas Bünger

„Queere Menschen merken unbewusst sehr früh, dass sie nicht wirklich dazugehören und sind nicht selten Meister:innen der Alltagsperformance von Kindheit an. Wie haben mich diese Performances geprägt? Bin ich deshalb Künstler:in? Wer ist der Mensch hinter diesen Performances? Wer wäre ich in Queerland? Eine Recherche zu queerer Identität und Selbstermächtigung im Tanz.“

Dieses Recherchevorhaben sammelt Belege und Zusammenhänge zur Ausbreitung und Mutation von Verschwörungserzählungen vor allem seit Beginn der aktuellen Corona-Pandemie sowie zur Veränderung des Wahrheitsbegriffes unter den Bedingungen des Internets. Parallel dazu wird ein Spielkonzept entwickelt, das das Format des Online-Videoessays für die Verarbeitung dieser Inhalte theatral nutzbar macht.

Tomasso Tessitori – Recherche zu Möglichkeiten von Raumbühnen/orten, die den Corona-Auflagen entsprechen und dem Einsatz von notwendigen Medien. Untersuchung des Verhältnisses Raum und Körper, sowie des Raumbegriffs in der Installationskunst, mit Schwerpunkt von Licht als Ausdrucksmittel in den Arbeiten von Olafur Eliasson. Erstellung eines Konzepts zur Teilhabe von jungem Publikum/Schulklassen.

Die Residenz am Freien Werkstatt Theater Köln mit Hilfe der Förderung des Fonds Darstellende Künste ermöglicht die künstlerische Recherche über Licht in all seinen Erscheinungsformen und physikalischen Eigenschaften. Als Einsatzmittel und Gegenstand im performativen Beriech und dessen künstlerische und poetische Umsetzung.

Ylva Jangsell geht zu ihren Wurzeln des Physical Theatres zurück und nimmt ihren eigenen alternden Körper als Ausgangspunkt. Sie befasst sich künstlerisch mit Performance, Tanz und Bewegung, während das Thema Altersdiskriminierung im Vordergrund steht. Wie kann man sich als Frau auf einem überfüllten Markt, auf dem eine Schauspielerin/Performerin Ü40 selten gebraucht wird, behaupten?

Für „ALLER TAGE (ATA ATA)“ machen der Berliner Auch-Performer M. Clausen und die Bremer Auch-Musiker Christoph Ogiermann und Tim Schomacker ein Buch: eigenständige Künstlerpublikation und zugleich Partitur, Materialsammlung für zukünftige szenisch-musikalische Arbeit. Ausgehend von ephemerem Textmaterial verhandelt die methodische Recherche die Vielheit des Alltäglichen als Form- und Haltungsfrage.

Sara Glojnari und Jasmin Schädler erforschen im Rahmen ihrer Residenz die Performativität des Übersetzens. Die Übersetzung wird zum künstlerischen Ausdruck – musikalisch, sprachlich und als Mittel der Intervention. Demgegenüber steht eine kritische Befragung gängiger Übersetzungspraxis. Sie erarbeiten während der Residenz übersetzungskritische Performance-Skizzen.

Im Rahmen der #TakeCare-Förderung werden die AZUBIS sich mit konzeptionellen Fragen nach Form und Inhalt für ein alle Generationen ernstnehmendes FAMILIENTHEATER beschäftigen.

„Immer dieses Geschwätz über Kontaktarmut! Man muss nur wollen, dann gelingt es einem schon irgendwie, sich anderen Menschen mitzuteilen.“ (de Beauvoir)

Die Kolleginnen Kusz und Pleß von DRANGWERK möchten einen Inszenierungs- und Spielstil (er)finden, der in dieser beschränkungsvollen Zeit auf Freiheit basiert (kein! Improtheater), und sich dabei an feministischen Texten und Thesen abarbeitet.

Die Corona-Krise scheint eine Welt im Wandel zu zeigen. „KONSTANTEN“ von elenapatrowna sucht nach dem, was sich nicht verändert. Es untersucht eine Live-Webcam auf der Zugspitze, die „Golden Record“ der NASA, Schweizer Kunstlager, Schrebergärten und das Marie-Byrd-Land: Zwischen Konservierung, Archiven und vermeintlichen Ewigkeiten versucht es, eine Konstante theatral zu erschaffen.

Das Residenzprogramm #TakeCare nutzt das ELLE KOLLEKTIV als Recherchearbeit zu den Themen Wasser und Wahrheit und deren Schnittmengen. Sie führen Interviews mit Expert:innen aus unterschiedlichen Fachbereichen. Die daraus generierten Texte dienen zur kreativen Verarbeitung.

In „ON (DIS-)APPEARANCE“ untersuchen Katharina Greeven und Esther Adam die Dichotomie des Verschwindens und Erscheinens mittels ephemerer ästhetischer Praktiken: Soundproduktion und Tanzimprovisation. Die Künstler:innen gehen dabei der Frage nach, welche Macht-Mechanismen darüber entscheiden, wer oder was erscheint und wer oder was verschwindet.

Felix Worpenberg und Silvan Stephan arbeiten mit ihren zwei Kollektiven an tourbaren Stücken und site-specific-Formaten. Letztere erschließen oft neues Publikum, erstere benötigen dafür eine selten realisierbare Regelmäßigkeit der Aufführung. Wie können partizipative und klassische Formate voneinander profitieren und der Freien Szene neues Publikum erschließen? Braucht es gar eine neue Form?

„MIAULINA, WIR SPIELEN BAND“ – die Spieler:innen gehen diversen Mustern in der Verwendung von Musik nach. Sie musizieren selbst, Figuren werden zu Musikern gemacht, animierten Objekten wird Klang entzogen und Zuschauer:innen in den tonalen Kosmos hineingezoomt. Besonderes Augenmerk liegt auf der Untersuchung von gespielter Privatheit auf der Bühne und ungespielter Offenheit in interaktiven Momenten.

Li Kemme, Figurenspieler:in, und Sonia Franken, Choreografin, planen eine interdisziplinäre Recherche zu Akten der Neuverortung. „Was und wie würde ich als Kunstler:in kuratieren? Würde ich überhaupt etwas anders machen? Wie können neue Visionen, Perspektiven und Strukturen entwickelt werden? Welche ästhetischen Formate kreieren oder fördern ein Zugehörigkeitsgefühl? Wie geht „UTOPIE konkret“?“

Gruppe CIS flottiert als fluides Kollektiv interdisziplinär und mit unterschiedlicher Besetzung. Sie untersucht soziale Körperschaften im Spannungsfeld medialer Settings und gesellschaftlicher Szenarien. Während der Residenz arbeitet Gruppe CIS zum Material „menschlicher Körper“ anhand der Erstellung eines historischen Archivs und Strategien zum disruptiven Potential unseres Fleischs.

„Welche blinden Flecken hast du? Was heißt es, sich seiner Privilegien bewusst zu werden? Wie können wir sie erforschen und sichtbar machen?“ Der Blick durch unterschiedliche Brillen hilft neue Perspektiven einzunehmen, Diskriminierungsformen zu hinterfragen und unsere toten Winkel zu erforschen. Mit verschiedenen Ausdrucksformen werden die Sichtweisen durch diese Brillen erlebbar gemacht.

Die JuWie Dance Company möchte die Zeit des Stipendiums nutzen, um sich intensiv dem großen Themenkomplex „Netzwerk und Kommunikation“ zu widmen. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der theoretischen Recherche zu Netzwerken zwischen Lebewesen, sowie deren Arten der Kommunikation und der praktischen Übertragung jener Erkenntnisse in den Bereich der Darstellenden Künste und die Publikumsvermittlung.

Die sinnbezogenen Phänomene des Lachens und Weinens sind ein unbewusster Vorgang, die Reaktion des Körpers auf „Herausforderungen“ des Geistes. Die choreografisch-akustische Recherche führt an die verschiedenen Erfahrungen von Kontrollverlusten heran und untersucht, welchen Einfluss die Veränderungen des sozialen Miteinander auf unsere impushaften körperlichen Freiheiten haben.

„Wie kann Kunst dazu beitragen, dass der Diskurs über wichtige Fragen unserer Zeit befruchtend wirkt statt uns weiter auseinander zu treiben?
Idee: Wir bauen ein Orakel aus Musik, Video und Text, das mit jedem anders kommuniziert.“
Auf einen Screen werden Fragen, Ängste und Hoffnungen projiziert, Rezipient:innen werden als Partner:innen des Kunst-Dialogs zu Reflexion und Reaktion eingeladen.

„ANTZ!“ ist eine sich aktuell weiter entwickelnde, performative Forschung zur Analogie von Mensch und Ameise. Im Zentrum: Begriffe wie die sich selbst organisierende Gemeinschaft, Arbeitsteilung und Ant-Algorithmus. In Form der Lecture Performance projizieren die Künstler:innen künstlerische Fiktion und wissenschaftliches Halbwissen in den Raum: Wann und warum gelten Ameisen als Ideal und wann als Schreckgespenst?

Caitlin Fisher und Maria F. Scaroni arbeiten an der Erforschung und Schaffung intersektioneller Praktiken, in denen politisierte Somatik auf verkörperten Aktivismus treffen kann. Ihr Vorhaben ist es, Heilungsarbeit und kreativen Prozessen aus Tanz und Performance-Kunst in die Praxis des Gesundheitsprogramms eCPR zu integrieren.

Vernetzung. Zwei Frauen. Ein Raum. Suche nach Verschmelzung von Tanz und Musik. Wie ein Netz oder ein unterirdisches Wurzelwerk soll dieses Recherchevorhaben in Inhalt und Form Vernetztheit und Verwobenheit erforschen.

Theoretische Auseinandersetzung mit den Grundlagen und Methoden des von Peta Lily entwickelten Ansatzes des „Dark Clown“. Ziel ist die Entwicklung eines Trainingsplans für Ensembles, um die Spielform des „Dark Clown“ zu etablieren und praktische Übungen für die Entwicklung von szenischem Material zur Verfügung zu stellen.

Untersuchungen und Experimente zur Dunkelheit: über Theater und Alpträume; über Bewegung, Denken und die Illusion; über Gott und die Welt; Manns- und Weibsbilder; über begrenzte Möglichkeiten und schwarze Löcher des Universums.
„‚Our Darkness‘ is a safe place.
Nothing to be afraid of.
No limits.
Just yourself.
There is sound, there is dance, there is voice, there are words. There is darkness.“

„QUEER TONGUES“ ist ein Projekt, welches sich mit queeren Sprachen und deren Potenzial zur Verwendung als ein performatives Mittel beschäftigt. Wenn wir uns eine spezifisch queere Sprache vorstellen könnten, die queeren Personen gehört, was wurde das bedeuten? Inwieweit kann eine queere Sprache Räume queeren Zusammenseins eröffnen? Wie wurden neue Wörter unser direktes Handeln beeinflussen?

Kapp und Nitschke besuchen auf ihrer Recherchereise Orte rechter Netzwerke, um zu dokumentieren, wie neurechte Netzwerke und Fantasien in Erscheinung treten. Rechte Orte sind immer auch umgeben von Widerstand. Das situierte Wissen der Widerständigen über Neofaschismen soll festgehalten werden. Und in ihrer Performance „Labern übers eigene Land: Deutschland ein Labermärchen“ verarbeitet werden.

Unter dem Titel „ent//winden“ recherchiert THE CURRENT DANCE COLLECTIVE die Begriffe Stillstand und Bewegung im Kontext einer coronatauglichen Arbeitsweise als interdisziplinär wirkendes Künstler:innenkollektiv. Besonderes Augenmerk liegt in der Erforschung der Tauglichkeit unterschiedlicher Plattformen, die einen direkten Austausch zwischen Künstler:innen und Publikum herstellen und erhalten.

Das Kindertheater ist unterhaltsam und bietet Veranschaulichungen für verschiedene Weltbetrachtungen. Es birgt die Möglichkeit, schon im Kindesalter Entscheidungs- und Beteiligungsprozesse kennenzulernen und zu erproben.

„NICHT FISCH. NICHT FLEISCH.
74% Mehrwert 2020.
Eine Trash Dating Show auf Kurzwelle. Keine Krisen Übertragung.

„Single. Flirt und Dauerwelle. Mallorca, Fear und Stockfisch am Strand. Doch die Band ist in Quarantäne und wir gehen on air.“ Ein Recherchevorhaben nach Vorbild von Rundfunk-zuhörer:innensendungen und Fernseh-Datingshows des Theaterkollektivs undBorisundSteffi.

Materialrecherche zur Schaffung eines genreübergreifenden Theaterexperimentes, für welches „Die Geschichte von der unbekannten Insel“ von José Saramago als Ausgangspunkt verwendet wird. Das Stipendium dient dazu, Text und Musik in einer Wort-Musik-Struktur zu vereinen, welche als offene Vorlage fungiert, das Theaterexperiment mit Wort, Klang, Licht, Schatten und Bewegung zum Leben zu erwecken.