Archiv und Gechichte des Preises

Preisverleihung 2014 mit einem Ehrenpreis für Sasha Waltz and Guests. Foto: Pierro Chiussi

Der Fonds Darstellende Künste, wurde 1985 in Bonn gegründet. Seit 1987 fördert er bundesweit herausragende professionelle freie Projekte aller Sparten der Freien Darstellenden Künste. Im Jahr 2010 wurde der Tabori Preis (damals noch George Tabori Preis) das erste Mal vom Fonds Darstellende Künste verliehen, um damit die frei produizierende Thearerlandschaft sichtbarer zu machen und die herausragende Arbeit der ausgezeichneten Künstler:innen und Gruppen zu würdigen.

2010: Der Fonds – der zu diesem Zeitpunkt seine Zuwendung von 1 Million Euro von der Kulturstiftung des Bundes erhielt – feierte sein 25-jähriges Bestehen und initiierte aus diesem Anlass, auf Betreiben des engagierten und ehemaligen Geschäftsführers Günter Jeschonnek, den George Tabori Preis, der am 31. Mai 2010 im Berliner Ensemble erstmalig vergeben wurde.
Namensgeber George Tabori war Zeit seines Lebens Grenzgänger zwischen der Freien Theaterszene und dem Stadt- und Staatstheater. Am 24. Mai 1914 in Budapest geboren, gründetet er 1966 in New York u.a. die freie Theater-gruppe The Strolling Players und sorgte von 1975 bis 1978 mit seinem »Bremer Theaterlabor« sowie zehn Jahre später in Wien mit dem Theater »Der Kreis« für großes Aufsehen. Von 1999 bis zu seinem Tod im Jahre 2007 inszenierte er u.a am Berliner Ensemble in Berlin.
Mit dem Preis wurde fortan nicht nur Taboris Arbeit als Regisseur, Autor, Dramaturg und Grenzgänger geehrt, vielmehr wurde, der ihm so wichtige Ensemblegedanke, zu einem entscheidenden Kriterium für die Auswahl der Preisträger:innen und wird auch gegenwärtig bei der Auswahl der Preisträger:innen berücksichtigt.
Eine Fachjury, bestehend aus Vorstands- und Kuratoriumsmitgliedern des Fonds sowie einer:m externen Juror:in wählt – aus den vom Fonds beförderten Künstler:innen(-gruppen) der vergangenen fünf Jahre – jährlich die Tabori Preisträger:innen aus.
Die erste Verleihung konnte wohl an keinem passenderen Ort stattfinden, als der letzten Wirkungsstätte des Namensgebers: dem Berliner Ensemble.
Sie begann mit dem Ruf nach George Tabori aus dem Off, der scherzende Hausherr Claus Peymann versicherte mit dem Programm des Abends nichts zu tun zu haben und auch nicht zu wissen, was es mit »diesem Fonds« auf sich habe. Die Verleihung endete schließlich mit den ersten Preisträger:innen norton.commander.productions und den Förderpreisträger:innen Monika Gintersdorfer und Knut Klaßen. Neben den mit 20.000 € dotierten Hauptpreis wurde der mit 10.000 € dotierte Förderpreis mit einer mehrwöchigen Residenz im Ostseebad Kühlungsborn verbunden.

2014: Ein besonderes Jahr für den George Tabori Preis, denn Tabori selbst hätte in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag begangen.
Die Jury vergab den Hauptpreis an die Berliner Kompanie NOVOFLOT, mit dem Förderpreis wurde das Theater o.N. geehrt. Neben den zwei bis dahin üblichen Kategorien des Haupt- und Förderpreises, vergab die Jury zur Feier des Jubiläums im Haus der Berliner Festspiele zusätzlich einen undotierten Ehrenpreis. Mit ihm wurde die Compagnie Sasha Waltz & Guests »für die außergewöhnlichen künstlerischen Leistungen seit ihrer Gründung vor 20 Jahren« ausgezeichnet.
»Am 24. Mai 2014 jährt sich sein Geburtstag zum 100. Mal. Das ist ein guter Anlass, um einen Ehrenpreis in seinem Namen zu verleihen. […] Und in der Tat kann ich mir keine bessere Preisträgerin vorstellen als Sasha Waltz und ihre Tanzcompagnie. Die phantasievollen und surrealen Geschichten, die sie auf die Bühne bringen, begeistern regelmäßig das Publikum, auch mich persönlich«, gratulierte auch Frank-Walter Steinmeier – zu dieser Zeit noch Außenminister der Bundesrepublik Deutschland.

 

Finale mit allen nominierten Künstlerinnen auf der Bühne des Heimathafens. Foto: ©Florian Krauss

2015: Bis zu diesem Jahr vergab der Fonds in seiner 27-jährigen Förderpraxis insgesamt 14,5 Millionen Euro an 2.650 Projekte in über 300 Kommunen.
Die George Tabori Preisverleihung, die ebenfalls aus dieser Zuwendung finanziert wird, fand 2015 erstmals unter neuer Flagge statt. Holger Bergmann, der u.a. 12 Jahre lang künstlerischer Leiter des Produktionshauses RINGLOKSCHUPPEN RUHR war, übernahm die Geschäftsführung des Fonds Darstellende Künste.
Ausgezeichnet wurde das aus der Gießener Schule hervorgegangene Kollektiv She She Pop, das »mit protagonistenlosen Held:innen des kollektiven Arbeitens einen inspirierenden und ästhetisch bildenden Einfluss auf die Freie Szene vergangener, aktueller sowie nachfolgender Generationen« ausübten, so die Jury. Den Förderpreis erhält das kainkollektiv für ihre »ästhetischen Erkenntnisräume«.

 

2017: Finale mit allen Preisträger:innen, Foto: Florian Krauß

2019: Feierte der Fonds mit Tabori ein weiteres Jubiläum: die 10. Ausgabe der Preisverleihung. Anlässlich dessen kommt der Preis mit einem geänderten Konzept daher. Fortan werden neben dem Tabori Preis auch zwei Tabori Auszeichnungen verliehen. Es gab keine Nominierten mehr, sondern nur noch Gewinner:innen. Zudem wurden in diesem Jahr die Preisträger:innen 2019 und alle ehemaligen Preisträger:innen gefeiert, die in einem vielseitigen Programm einen Einblick in die Bandbreite der Freien Darstellenden Künste gaben.

 

Tabori Preis 2020, Gob Squad, Christoph Winkler, Anta Helena Recke
Preisverleihung 2020 als digitales Unboxing-Live-Video-Event, Foto: Fonds Darstellende Künste

2020: Fand die Tabori Preisverleihung Corona-bedingt als Online-Event statt. In einem bis dahin einmaligen Preisverleihungsformat erhielten die Preisträger:innen und Ausgezeichneten Ihre Ehrungen als Unboxing-Live-Video-Verleihung überreicht. Alle Gäste und Interessierten konnten sich mit ihren Endgeräten dazuschalten und selbst mitfiebern, wer den Preis 2020 erhalten würde.  

Seit der ersten Ausgabe des Tabori Preises, war die Preisverleihung an verschiedenen Berliner Spielstätten wie: dem Berliner Ensemble (2010), dem Radialsystem V (2011), dem Maxim Gorki Theater (2012), den Sophiensaelen (2013), den Berliner Festspielen (2014), dem Hebbel-Theater (2015), dem Heimathafen Neukölln (2016) zu Gast.
Ein großer Dank gilt den Zuwendungsgeber:innen der Kulturstiftung des Bundes und seit 2015 dem/der Beauftragten für Kultur und Medien, die mit ihren Mitteln die Vergabe des Tabori Preises und die Vergabe der Förderungen durch den Fonds Darstellende Künste an Projekte in den Freien Darstellenden Künsten ermöglicht haben.