Vorwort
Im Jahr 2024 hatte der Fonds mit einer Zuwendung in der Regelförderung aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien in Höhe von 10 Mio. Euro erstmals die Möglichkeit, alle neu entwickelten und mit den Ländern wie dem Bund abgestimmten Förderlinien auszuschreiben, mit Ausnahme der Rechercheförderung. Wie schon in den Vorjahren wurde die Regelförderung durch das Programm Global Village Kids ergänzt, im Rahmen der Kultur macht stark-Förderungen zur kulturellen Bildung.
Insgesamt wurden 2024 ganze 266 Vorhaben in sechs Förderprogrammen gefördert - bei 732 formal korrekt eingereichten Förderanträgen. Auf ein programmübergreifendes Antragsvolumen in Höhe von ca. 24,7 Mio. Euro kam im Jahr 2024 dabei die reale Fördersumme von ca. 7,7 € Mio. Euro. Das entspricht einer Fördermittelquote von ca. 30%.
Ergänzend zu den Förderzahlen sind folgende Highlights aus dem Jahr 2024 hervorzuheben:
- Der Fonds hat erstmals eine Junge Jury eingesetzt.
- Der Fonds hat eine neue Website zum Theaterpreis des Bundes veröffentlicht.
- Der Fonds hat ca. 1.500 Beratungsgespräche geführt.
- Der Fonds hat ca. 6.000 Menschen bei seinen Veranstaltungen willkommen geheißen.
Film „BLICKWECHSEL“
Der Fonds hat die Evaluierung seiner Neustart Förderung mit einem neuen Film begleitet: „BLICKWECHSEL“ von Janina Möbius ist ein dokumentarischer Streifzug zu den Freien Darstellenden Künsten in vielen Bundesländern und unterschiedlichen Genres. Im Vergleich zum letzten Film „DENNOCH! – Zur Lage der Freien Künste“, bei dem die Arbeit der Freien Künste während der Pandemie im Mittelpunkt stand, zeigt „BLICKWECHSEL“ die Multiperspektivität in den freien Künsten anhand unterschiedlicher Publika. „BLICKWECHSEL“ ist also eher eine Betrachtung sich verändernder Sichtweisen unter den Zuschauenden und fragt nach gelungenen Teilhabe- und Mitgestaltungsprozessen sowie geteilten Erfahrungen – auch angesichts der sich verändernden kulturpolitischen Aspekte in Zeiten einer rechts-ideologischen Einschränkung der Kunstfreiheit. Der Film, der am 25. Mai 2024 im HAU Hebbel am Ufer Premiere feierte, wurde bereits in 10 Städten gezeigt und steht seit Herbst 2024 auf der Website des Fonds zur Verfügung. Auch 2025 werden zahlreiche Einrichtungen, Produktionshäuser, das Goethe Institut und Hochschul-Institute den Film präsentieren und eine flankierende Diskussion organisieren. Für 2025 sind Veranstaltungen in u.a. Dresden, Frankfurt, Essen, Düsseldorf, Leipzig, Hamburg, Berlin, Mexiko City und Palermo geplant.
Damit hat sich erneut das Konzept einer filmischen Evaluierung als nahezu ideal für die Verbreitung und Rezension der Arbeit des Fonds im Vergleich zu herkömmlichen Evaluierungsverfahren erwiesen.
„DIE KUNST, VIELE ZU BLEIBEN“
Nicht zuletzt aus diesem Grund hat sich der Fonds auch in 2024 für eine besondere Maßnahme zur weiteren Evaluierung entschieden: Angesichts der sich bereits in der Corona-Zeit abzeichnenden antidemokratischen Strömungen, geprägt von Verschwörungserzählungen, antisemitischen Motiven und Demokratiefeindlichkeit, hat der Fonds mit der Reihe „DIE KUNST VIELE ZU BLEIBEN" eben diese zunehmende Polarisierung in den Künsten und der Gesellschaft in den Blick genommen. In den acht Städten Berlin, Leipzig, Düsseldorf, Bitterfeld-Wolfen, Potsdam, Erfurt, Weimar und Dresden wurden neun Foren zu Kunst, Freiheit und Demokratie realisiert mit insgesamt über zehntausend Besucher*innen. Auch diese Reihe wurde von einem Filmteam begleitet, diesmal mit der künstlerischen Idee, eine Art Reise in die Komplexität künstlerischer wie gesellschaftlicher Debatten sichtbar und erfahrbar werden zulassen. Der Film wird am 12. März 2025 anlässlich des 40-jährigen Bestehens der Fonds Darstellende Künste seine Premiere feiern.
Preise für die Künste
Tabori Preis und Theaterpreis des Bundes wurden 2024 zum ersten Mal zusammen im Rahmen einer gemeinsamen Gala verliehen. Die Veranstaltung stellte vor allem die Künstler*innen, ihre Innovationskraft und ihr Engagement für Theater als gesellschaftlichen Reflexions- und ästhetischen Erfahrungsraum am Puls der Zeit in den Fokus. Eine Würdigung für die Vielfalt der Strukturen und Arbeitsweisen in der bundesweiten Theaterlandschaft.
Umstrukturierung Geschäftsstelle
Die größte Herausforderung für die Geschäftsführung bestand 2024 in der erneuten Umstrukturierung. Das Team des Fonds bestand bis Mitte des Jahres aus 23 Mitarbeitenden (20,34 VZÄ davon 2 VZÄ Sonderprogramme und -projekte) zzgl. 3 geringfügig Beschäftigte; die Arbeitsorte waren dabei auf eine Haupt- und eine Nebengeschäftsstelle verteilt. Seit Juli 2024 arbeitet die Geschäftsstelle des Fonds nun mit 14 Mitarbeitenden (12,8 VZÄ davon 2,5 VZÄ in Sonderprogrammen und -projekten). Es galt, Aufgabenzuschnitte gemeinsam mit den Teamleitungen und den Mitarbeitenden neu zu gestalten und die zukünftige Arbeitsfähigkeit auf dem hohen Niveau der Evaluierungsergebnisse nicht nur zu erhalten, sondern den zeitgemäßen Anforderungen entsprechend auszubauen. Serviceorientierung, Optimierung von Prozessabläufen und Digitalisierung stehen dabei weiter im Vordergrund. Bis zum Jahresende wurde die Nebenstelle am Lützowplatz abgewickelt und die Geschäftstätigkeiten auf die Welserstraße als Hauptgeschäftsstelle konzentriert. Die Arbeitsverträge wurden auf eine Regelarbeitszeit von 36,25 Wochenstunden ausgerichtet und die Orientierung an den TVÖD analog zu Eingruppierungsprozessen des Bundes rechtssicher bewertet.
Die Digitalisierung des Antrags-, Förderverfahrens sowie der Buchhaltung wurde 2024 weitestgehend abgeschlossen, offen bleibt im folgenden Jahr noch die Einbindung des Entscheidungsverfahrens und entsprechende Juryzugänge für eine umfassend modernisierte Datenbank.
Auch im Zusammenwirken mit der neuen Bundesregierung werden wir uns 2025, zusammen mit Künstler*innen, Ensembles und Netzwerken für gute Bedingungen und eine verlässliche Förderung der Freien Darstellenden Künste engagieren.
Holger Bergmann
Geschäftsführer Fonds Darstellende Künste